Robbin Kapsalis – The Blues Is In The House – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Robbin Kapsalis hat den Blues in jungen Jahren in Chicago aufgesogen. Auch als sie nach Atlanta zog, hat er sie nicht mehr losgelassen. Der Blues hat bekanntlich viele Facetten. Robbins Stilrichtung liegt auf der Hand: Der von der (Elektro-) Gitarre geprägte Chicago Blues, dessen zweites Merkmal häufig die Mundharmonika ist. Damit sind wir auch schon beim zweiten Star von „The Blues Is In The House“: dem Briten Giles Robson, der die CD auch produziert hat.

Eine Newcomerin ist Robbin Kapsalis beileibe nicht. Mehr als ein Jahrzehnt war sie bei der Soul-Blues-Band Vintage #18, mit der sie 2017 die CD „Grit“ veröffentlicht hat. Nach „Soul Shaker“ von 2021 legt sie nun ihr erstes Album unter eigenem Namen vor.

Bereits Song Nummer eins, das Titelstück, weist von der ersten Sekunde an alle Merkmale des Chicago Blues auf: Giles Robson bläst die Harp, dann setzt Robbin Kapsalis mit ihrer tiefen, an Koko Taylor erinnernden Stimme ein, die einfach zum Blues passt. Das Gitarrensolo übernimmt Joe Louis Walker. Es dürfte eine der letzten Aufnahmen des im April im Alter von 75 Jahren verstorbenen Six-String-Masters sein.

Der zweite Song zeigt gleich die andere Seite des Blues: Little Walters beschwingtes „Up The Line“ lässt die Füße wippen. Auch weiteren Klassikern widmet sich Robbin Kapsalis: „Sittin‘ On Top Of The World“, „Rollin‘ & Tumblin‘ oder „Shake Your Hips“.

Wie singt sie doch: „Der Blues ist im Haus. Fühl dich wie zu Hause“. Bluesliebhaber werden sich bei dieser CD in der Tat wie zu Hause fühlen. Davon kann man sich auch live überzeugen: Am Montag, 11. November, tritt sie zusammen mit Giles Robson im Rahmen eines mehrtägigen Bluesfestivals in der Wodanhalle in Freiburg auf. Laut ihrer Homepage ist es das einzige Konzert in Deutschland.

Blues House Productions (2025)
Stil: Chicago Blues

Tracks:
01. The Blues Is In The House
02. Up The Line
03. Lead Me On
04. The Comeback
05. Sittin‘ On Top Of The World
06. Rollin‘ & Tumblin‘
07. Love Hangover (Redux)
08. I Wanna Know
09. Shake Your Hips
10. Gotta Hear The Blues

Robbin Kapsalis
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Kai Strauss & The Electric Blues All Stars – Live In Concert – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Kai Strauss zählt zum kleinen Kreis europäischer Bluesmusiker, denen auch amerikanische Kollegen und Kritiker einen authentischen Stil attestieren. Seit 2010 tritt Kai Strauss unter eigenem Namen auf, zuvor tourte er mit seiner Band „The Bluescasters“ und Memo Gonzales, einem texanischen Sänger und Bluesharp-Spieler quer durch Europa. In 2014 gründete er die Band „Kai Strauss & The Electric Blues All Stars“ mit der er bisher u. a. vier CDs veröffentlichte.

Inzwischen wird Kai als einer der großen europäischen Blueser gehandelt, immerhin heimste er seit 2014 schon vier deutsche Blues Awards ein. Zusätzlich spielt Strauss auch auf zahlreichen Veröffentlichungen bekannter Musiker wie z. B. Tommy Schneller oder Bid Daddy Wilson als Gastmusiker mit.

Auf dem neuen Livealbum, bestehend aus zwei Silberlingen in einem ansprechend gestalteten Cover, liefert der Protagonist mit seiner Truppe insgesamt 14 starke Tracks im typischen Chicagoblues-Stil der späten 60er Jahre mit insgesamt rund 1 1/2 Stunden Spieldauer ab. Schade ist allerdings, dass die Live-Athmosphäre dabei teilweise nicht so gut rüberkommt, was aber der musikalischen Brillanz des Albums keinen Abbruch tut.

Kai Strauss beherrscht einen sehr klaren und sauber differenzierbaren Gitarrenstil. Alle Stücke wurden fein abgemischt, vielfach mit toll arrangierten Bläsersätzen („Did You Wrong“). Und wohltuender Weise kommen sämtliche Songs auch ohne wildes Gitarrengeschrammel aus, so dass man sich gut den Feinheiten des Sounds von Kai Strauss und seinen Mitstreitern hingeben kann.

Das Album enthält flottere und tanzbare Nummern, wie z. B. den Opener „Gotta Let You Go“, „Let Me Love You Baby“, oder den Stampfer „Ain’t Gonna Rumble No More“. Aber auch reine Slowblues-Stücke („Highway Blues“, „Hard Life“, „Put That Bottle Down“) werden dem Hörer geboten. Das ganze Set reichert Strauss dann zusätzlich noch mit Boogie-Woogie-beseelten Krachern an: „Judgement Day“ oder das sehr temporeiche „Get The Ball Rolling“ mit den typischen, hackenden Pianopassagen.

Sehr gefällig ist auch der eher gemächlich fließende Boogie „I Ain’t Buying It“. Seinen krönenden Abschluss findet der Doppelplayer schließlich in dem elegisch breit angelegten, neun minütigen „Shades Of Earl“ mit längeren, fast jazzig anmutenden, Gitarren- und Keyboardeinlagen im Mittelteil.

Mit dem vorliegenden Live-Album ist Kai Strauss und seinen Mannen ein authentisches Blues-Konglomerat ganz im Stil der alten Meister des Chicagoblues gelungen. Für Enthusiasten dieses Genres, die Wert auf sauberes Gitarrenspiel und feine Arrangements legen, eine klare Kaufempfehlung.

Continental Blue Heaven (2019)
Stil: Blues

Tracks CD 1:
01. Gotta Let You Go
02. Highway Blues
03. Aint’t Gonna Rumble No More
04. Judgement Day
05. Did You Wrong
06. Hard Life
07. Get The Ball Rolling

Tracks CD 2:
01. The Blues Is Handmade
02. The Game Ain’t Worth Playing No More
03. Let Me Love You Baby
04. Put That Bottle Down)
05. Got To Be Some Changes Made
06. I Ain’t Buying It
07. Shades Of Earl

Kai Strauss & The Electric Blues Allstars
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H’Art

Nick Moss Band – 13.07.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

Moss-Haupt

Mit Nick Moss hatte sich ein echtes Schwergewicht der heute noch praktizierenden Vertreter des Chicago Blues in der Krefelder Kulturrampe angesagt.

Rampen-Chef Pille Peerlings sinnierte bei der Einleitung, bzw. Ansage, wie man wohl das Durchschnittsalter des Blues-Publikums in Zukunft senken könnte, und bot vermutlich den meist akademisch behafteten Anhängern und Philosophen des Genres, abendfüllenden Diskussionsstoff bezüglich dieser schier unlösbar erscheinenden Fragestellung. Denn in der Tat dominierte wieder mal die Ü-50 Generation im Saale. Schöner  Spruch eines Zuschauers daraufhin übrigens: „Pille du bist hier der Jüngste im Raum!“

Dem im wahrsten Sinne des Wortes mit wuchtigen Körpermaßen ausgestatteten Protagonisten, diesmal komplett auf einer Telecaster agierend, und seinen Mitstreitern Dennis Gruenling, Taylor Streiff, Nick Fane und Patrick Seals (Moss betitelte den backenbärtigen Drummer bei der Vorstellung der Band als Baby-Duane Allman) wohnten um die 100 Besucher an diesem Donnerstag Abend bei (also fast voll) und boten diesem äußerst stimmungsvollen Gig einen würdigen Rahmen.

Ja, ich muss tatsächlich schon überlegen, wann ich überhaupt mal, solch eine rasende Meute in der kleinen Kult-Location erlebt habe (auch wieder dabei, eine schon früher bei diversen Gigs zur Kenntnis genommene, ekstatisch vor der Bühne tanzende blonde Dame, die erneut voll in der Mossschen Musik aufging).

Das Instrumental zu Konzertbeginn um 20:45 Uhr diente zunächst mal der Abmischung des richtigen Sounds. Moss war mit der Einstellung seiner Gitarrentöne überhaupt nicht zufrieden und gestikulierte in Richtung Mischpult. Nach kurzen Instruktionen nach Ende des Openers war dann alles takko und die Band spielte sich mit „Someday“ quasi in den Gig ‚hinein‘.

Der Song hatte eigentlich auch schon wegweisende Wirkung auf die folgenden Tracks, meist durch Ricks Gesang, klimpernde Piano-, Harp- und quirlige intensive E-Gitarrensoli auf einem retrobehafteten swingendem Blues-Rhythmus-Teppich, in Szene gesetzt.

Vieles erinnerte mich, was meinen kleinen Horizont dieser recht Harp-lastigen Musikspielart angeht (ich hoffe, die Experten verzeihen mir hier ggfs. eine eventuelle zu einfache oder gar falsche Analyse), an Acts wie Muddy Waters, Paul Butterfield, Nick Gravenites oder ganz dezent auch an die J. Geils Band.

Mit dem herrlich schrill aussehenden Dennis Gruenling (Sonnenbrille, Schlangenleder-Sakko, schwarz lackierte Fingernägel, samt einer Unzahl von Ringen an den Greifern) wurde dieses Instrument natürlich per se dann zum echten Gesamtfarbtupfer. Der durfte dann auch bei zwei Stücken mal seine Gesangskünste als Fronter zum Besten geben.

Songs wie „Get Your Hand Out Of My Pockets“, das leicht Bakersfield-umwehte „Rockin‘ The Blues“, der überragende Schwofer „Woman You Must Be Crazy“ (mit ein wenig „Statesboro Blues“-Flair) und „Pretty Girls Everywhere“ (erste Zugabe) blieben bei mir im Gehör hängen. Zum krönenden Abschluss erzeugten dann Nick (am Schlagzeug sitzend, seichten Beckenrhythmus mit dem Fuß vorgebend, singend und E-Gitarre spielend) und Dennis an der Harp, im Duo bei der  zweiten (vehement) eingeforderten Zugabe, noch ein wenig Delta-Blues-Atmosphäre.

Somit lautet das knappe Fazit des launigen und umjubelten Abends in Abwandlung eines bekannten Sprichworts: Mit Nick Moss echt was los in der Krefelder Kulturrampe! Wer übrigens das Quintett in unseren Sphären nochmal sehen möchte, sollte dazu am morgigen Samstag (15.07.) die Gelegenheit im Kölner Yard Club nutzen.

Line-up:
Nick Moss (lead vocals, electric guitar)
Dennis Gruenling (harp, lead vocals)
Taylor Streiff (keys)
Nick Fane (bass)
Patrick Seals (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Nick Moss Band
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Kulturrampe Krefeld