Kirk Baxley – The Pain We Bring – CD-Review

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Bärenstarkes CD-Debüt von Kirk Baxley. Die Zeiten, wo im Red Dirt-Genre die neuen Scheiben und Bands wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, gehören leider mittlerweile der Vergangenheit an, auch wenn natürlich die Aushängeschilder des Genres durchaus weiter präsent sind.

Man freut sich aber um so mehr, wenn dann plötzlich unverhofft, richtig starke neue, recht unbekannte Interpreten auftauchen, wie es jetzt mit Kirk Baxley und seinem ersten Longplayer „The Pain We Bring“ der Fall ist. Der Musiker aus Belton, Texas,  mittlerweile zwischen dem Lonestar State und Nashville viel hin und her pendelnd, hat nach zwei Kurz-EPs, unter Regie der Novel Music Group und dem bekannten Smith Entertainment Vertrieb, zum ersten großen Wurf ausgeholt. Ein ganz starkes Werk.

Der Independant-Produzent Chad Mauldin hat ganze Arbeit geleistet und ein wunderbar transparent klingendes Werk, bestehend aus zwölf fein instrumentierten und sehr melodisch inszenierten Tracks geschaffen. Nicht zu vergessen der Protagonist Kirk Baxley, der mit einer sehr angenehmen und variablen Stimme gesegnet ist (Richtung Mike Eli, Wade Bowen, Don Henley), und ein Händchen für gutes Sonwriting besitzt (alle Stücke selbst komponiert, nur 2x mit Cameran Nelson als Co-Schreiber).

Der von einer flockigen E-Gitarre angetriebene, rhythmische Opener „Small Town“ erinnert sofort an Sachen von Bands wie der Eli Young Band oder No Justice, und macht sofort Lust auf mehr. Herrlich dann das atmosphärische countryeske Titelstück, das mit seiner wimmernden Steelgitarre (fast in allen Stücken präsent, Milo Deering ist in den Credits aufgeführt) und den dezenten Mandolinentupfern zu gefallen weiß.

Das wieder mit kratzig rockiger E-Gitarre (dazu tolles heulendes  Slide-Solo) und leiernder Steel ausgestattete „Bringing Her Back“ erinnert an Großtaten eines Wade Bowen. Als Single wurde aber zunächst die Nashville-taugliche New Country-Nummer „Moving On“ (typischer Powerrefrain, klasse E-Kurz-Solo) auserkoren.

Mit „If Only“ (mit herrlicher Mandoline), „Leaving“ (knarzende Dobro und Fiddle),  „A Better Man“ (Fiddle, Steel, herrlicher Countryschwofer) oder dem melancholischen Finale mit „This Love Will Last“ (schöne southern-mäßige E-Gitarren-Zwischenpassage) beweist Baxley auch sein Gespür für kitschfreie, aber durchaus berührende Balladen

Weitere Highlights sind Lieder wie das grassige „Do You Think Of Me (Constantly)“ oder das wunderbar, texas-typische Duett mit der grandios singenden Kylie Frey bei „Cold As A Stone“, wie man es von Kacey Musgraves und Josh Abbott im Gedächtnis hat. Auch das radio-taugliche „Afraid Of Her Tears“ (Richtung Eli Young Band, No Justice), hat Ohrwurmqualitäten.

So verwundert es nicht, dass Kollegen wie Aaron Watson („Kirk paints his own picture by pouring nothing but heart and soul into his songs“) und Bri Bagwell („I was blown away by the range of tunes and the depth of songwriting on this record, I can’t wait to witness the success of the release“) Kirk Baxley mit Lob nahezu überschütten.

Der Schmerz, den Kirk Baxley mit seinem Debüt „The Pain We Bring“ verbreitet, beschränkt sich wohl eher auf textliche Elemente in seinen z. T. Gänsehaut verbreitenden, als auch herzzerreißenden Balladen auf diesem Werk, ansonsten dominiert hier die große Freude, mit ihm einen saustarken, frisch klingenden und höchst kreativen Interpreten in der Red Dirt-Szene begrüßen zu dürfen. Eine exzellente Leistung, die schon jetzt Lust auf Mehr macht!

Novel Music Group (2017)
Stil: Red Dirt

01. Small Town
02. The Pain We Bring
03. Bringing Her Back
04. If Only
05. Nothing On
06. Do You Think Of Me (Constantly)
07. Cold As A Stone (feat. Kyle Frey)
08. Leaving
09. Afraid Of Her Tears
10. A Better Man
11. Don’t Stop Loving Me
12. This Love Will Last

Kirk Baxley
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Bärchen Records

Steve Earle & The Dukes – So You Wannabe An Outlaw (Deluxe) – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

Steve Earle lotet in seinen Werken die Grenzen verschiedener Spielarten des Country aus und unternimmt immer wieder Ausflüge in Richtung Rock und Folk. Er setzt in seinen Alben unterschiedliche Schwerpunkte und konzipiert sie zumeist um diese herum. Die Grundidee von seinem 21. Album „So You Wannabe An Outlaw“ liegt darin, die Facetten seiner musikalischen Einflüsse auf einer Scheibe darzustellen.

Herausgekommen ist dabei eine CD, die die Bandbreite Steve Earles zwar wiedergibt, insgesamt aber einen deutlichen Schwerpunkt auf seine Country-Wurzeln legt. Er besinnt sich auf seine Anfänge, die von der Outlaw Music geprägt sind, wobei er sich auf dem vorliegenden Album vor allem an Waylon Jennings orientiert, dem es auch gewidmet ist. Standesgemäß wurde es in Austin, Texas, aufgenommen und von Richard Bennett produziert.

Das titelgebende Duett „So You Wannabe An Outlaw” mit der Outlaw-Country-Ikone Willie Nelson eröffnet die CD. Die beiden übernehmen zunächst jeder für sich eine Strophe des kratzigen Country-Songs, um die dritte dann gemeinsam zu singen. Mit „Lookin‘ For A Woman“ folgt ein weiteres Country-Stück, das mit dem gleichmäßigen Rhythmus dazu einlädt, sich aufs Pferd zu schwingen und Steve Earle auf seiner Suche zu begleiten. Der Ritt wird bei „The Firebreak Line“ dann etwas schneller, wobei Earles markante Stimme besonders gut zur Geltung kommt. Den dort eingeschlagene Weg in Richtung Country-Rock verfolgt das starke „If Mama Coulda Seen Me” konsequent weiter.

Das absolute Highlight der CD ist aber „Fixin‘ To Die“. Es ist schon eine Weile her, dass Earle eine so kraftvoll rausgeschriene und dunkle Rock-Nummer veröffentlicht hat. Thematisch greift er die Todesstrafe auf, gegen die er sich bereits bei früheren Songs aussprach, so beispielsweise auf dem Soundtrack zu „Dead Man Walking“. Dabei hat ihm das soziale und politische Engagement seiner Songs in der USA immer wieder Kritik eingebracht.

Seine Folk-orientierte Seite zeigt Earle bei den akustisch gehaltenen „News From Colorado“ und „The Girl On The Mountain”. Unter den Balladen ist „Goodbye Michelangelo“ jedoch besonders bemerkenswert. Earles knarziger Gesang transportiert hier viel Gefühl. Das Stück ist im Andenken an seinen Mentor, den kürzlich verstorbenen Guy Clark, geschrieben.

Mit Miranda Lambert singt Earle „This Is How It Is“. Auf seinen Alben finden sich gelegentlich Duette mit weiblichen Gesangspartnern. Im letzten Jahr veröffentlichte er sogar einen Longplayer zusammen mit Shawn Colvin.

Bei „You Broke My Heart” und „Walkin´ In LA”, einem Duett mit Johnny Bush, orientiert sich Earle am traditionellen Country der fünfziger Jahre. Der Twang und der übermäßige Einsatz von sanfter Geige und wimmerndem Pedal Steel sind nicht mein Fall. „Sunset Highway“ ist diesbezüglich noch im Toleranzbereich.

Auf der LP und der Deluxe-Edition der CD finden sich vier weitere Songs mit denen Earle seine musikalischen Vorbilder würdigt. „Ain’t No God In Mexico“ stammt aus der Feder von Billy Joe Shaver, „Sister’s Coming Home/Down At The Corner Beer Joint“ und „Local Memory” aus der von Willie Nelson. Den Abschluss bildet der Klassiker „Are You Shure Hank Done It This Way” von Waylon Jennings.

Da keines der Stücke die vier Minuten-Marke erreicht, liegt die Gesamtspielzeit bei 50 Minuten, die der Standard-CD ohne die Bonus-Tracks bei unter 39 Minuten. Die DVD der Deluxe-Edition umfasst ein „Making Of“ des Albums, das Video des Titelsongs sowie Track-by-Track-Kommentare von Earle, bei dem die Lieder kurz angespielt und dann von ihm erläutert werden.

Insgesamt liefert das Werk einen guten Überblick über Steve Earles vielfältiges musikalisches Schaffen. Daher dürfte für jeden Freund von Rootsmusik etwas dabei sein und dazu anregen, seine früheren Veröffentlichungen (nochmal) zu durchforsten. Die von mir favorisierte rockige Spielart des Country kommt etwas zu kurz, dennoch zeigt Earle beeindruckend, dass er diese immer noch beherrscht.

Warner Bros. Records (2017)
Stil: Country/Country Rock

CD:
01. So You Wannabe An Outlaw
02. Lookin‘ For A Woman
03. The Firebreak Line
04. News From Colorado
05. If Mama Coulda Seen Me
06. Fixin‘ To Die
07. This Is How It Ends
08. The Girl On The Mountain
09. You Broke My Heart
10. Walkin‘ In LA
11. Sunset Highway
12. Goodbye Michelangelo
13. Ain’t No God In Mexico (Bonus)
14. Sister’s Coming Home/Down At The Corner Beer Joint (Bonus)
15. Local Memory (Bonus)
16. Are You Sure Hank Done It This Way (Bonus)

DVD:
1. The Making Of The Album
2. “So You Wannabe An Outlaw” – Official Video
3. Steve Earle: Album Track-by-Track Video Commentary

Steve Earle
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Bärchen Records

Eli Young Band – Fingerprints – CD-Review

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Von einem texanischen College-Vierer zur Platin-dekorierten Nashville-Band – die Eli Young Band hat zweifelsohne eine atemberaubende Entwicklung hingelegt. Was einst in North Denton im Red Dirt-Genre begann hat sich peu à peu zu einem national, wie international, perfekt zu vermarktenden Schlager im New Country/Country Rock-Bereich entwickelt. Ja, man kann sagen die EYB ist mit fast der einzige, aus der Red Dirt-Sparte nach Music City vereinnahmte Act, der sich dort auch kontinuierlich behaupten und halten konnte.

Nach der 2015 nur digital veröffentlichten EP „Turn It On“ sind die Herren Mike Eli, James Young, Chris Thompson und Jon Jones jetzt mit „Fingerprints“ wieder mit einem kompletten Album, und zwar dem 6. ihrer Karriere, am Start. Ähnlich wie neulich bei den Rascal Flatts, bekommt man auch bei der Eli Young Band auf diesem neuen Werk genau das auf den Punkt geliefert, was diese Gruppe schon immer ausgezeichnet hat: Einen wunderbar melodischen Mix aus Red Dirt- und New Country-Zutaten, verpackt in elf fast ausnahmslos radiokompatible Tracks, getragen von Mike Elis markanter Stimme mit 100% Wohlfühlfaktor. Konstanz, Verlässlichkeit und nicht nachlassende Qualität sind die Erfolgskomponenten.

„Saltwater Gospel“ heißt der Opener, der auch die erste Single abgibt. Wie der Titel es schon andeutet, wurde der eingängige, recht euphorische Refrain mit dezent gospeligen Harmoniegesängen angereichert. Klasse an diesem Album ist, dass die Protagonisten, die Wurzeln ihrer Anfangszeiten nicht ganz außer Acht gelassen haben. Das swampige Titelstück mit seinem leichten psychedelischen Touch, hätte sich auch gut auf ihrem damaligen „Level“ gemacht.

Ganz stark ist die Hommage an die Tracks der guten alten Zeit mit „Old Songs“. Eine sehr reduziert gehaltene Countryballade mit viel Texas-Flair (mit typischen weiblichen Harmoniegesängen von Carolyn Dawn Johnson), und einer durchaus Southern Rock-kompatiblen Slide-/E-Gitarren-Solo-Kombination. Carolyn Dawn Johnson begeistert dann nochmals auf dem melancholischen „God Love The Rain“ (mit orientalisch anmutenden Akustikgitarren-Zwischenfills). Das rootsige „Skin & Bones“ (teilweise mit wunderbarer Akkordeon-Untermalung) trägt die Handschrift von Co-Writerin Lori McKenna und würde auch perfekt zu einem Will Hoge passen.

Die restlichen Stücke wie „Never Again“, „Drive“, “Once”, “A Heart Needs A Break“ und “Never Land” mit ihren eher poppigen, teilweise sogar tanzbaren Rhythmen und Powerrefrains werden auf niveauvolle Art dem Anforderungsprofil des Mainstreams in punkto Massenkompatibilität gerecht. Zum Abschluss begeistern Eli Young & Co. nochmal mit dem Heartland-umwobenen „The Days I Feel Alone“, das man sich auch gerne von einem Tom Petty mal anhören würde.

Die Eli Young Band hat mit ihren neuen Longplayer „Fingerprints“ erneut einen markanten und nachhaltigen Fingerabdruck im hart umkämpften New Country/Country Rock-Geschäft hinterlassen. Das kreative Cover-Artwork mit allen Texten, zwei Bandbildern und allen restlichen Infos wurde dazu mit dem Titel perfekt in Einklang gebracht. Die erkennungsdienstliche Behandlung ergab somit ein rundum gelungenes Album!

Valory Music (2017)
Stil: Red Dirt / New Country

01. Saltwater Gospel
02. Fingerprints
03. Never Again
04. Old Songs
05. Drive
06. Skin & Bones
07. A Heart Needs A Break
08. Once
09. Never Land
10. God Love The Rain
11. The Days I Feel Alone

Eli Young Band
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Universal Music

The Band Of Heathens, 21.05.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

BOH Haupt

Ich habe die Band Of Heathens zuvor bisher dreimal live gesehen, das ist allerdings jetzt doch schon eine ordentliche Weile her. Es war zu Zeiten, als die Truppe aus Austin, Texas, noch mit ihrem ‚Drei-Gestirn‘, also mit Colin Brooks als drittem Fronter agierte. Dieser weilt ja bekanntlich schon seit längerem auf eigenen Pfaden, auch die Rhythmus-Sektion wurde im gleichen Zuge erneuert.

Mittlerweile haben die beiden verbliebenen Hauptakteure Ed Jurdi und Gordy Quist mit Trevor Nealon, Richard Millsap und Scott Davis ein festes Bandgefüge um sich versammelt, das sich jetzt wieder in Europa eingefunden hat, um ihre aktuelle CD „Duende“ (was laut Gordy Quists Ansage vor „Last Minute Man“ als Synonym für Passion, Herzblut, etc. , das in diese Scheibe investiert wurde, stehen soll) dem geneigten Publikum vorzustellen.

Selbiges war an diesem Sonntag Abend leider nicht allzu zahlreich im schönen Dortmunder Musiktheater Piano anwesend, nur geschätzt knapp unter 100 Leute hatten sich auf den Weg gemacht, um sich am texanisch-rootsigem Country Rock des aktuellen BOH-Line-ups zu erfreuen. Das Quintett ließ sich von der recht überschaubaren Audienz aber nicht negativ beeinflussen und lieferte einen richtig starken Gig ab.

Und so startete der Fünfer mit dem leicht stonesk angehauchten, von Ed Jurdi gesungenem „Miss My Life“ in den ersten, 45-minütigen Set. „Sugar Queen“, „DC9″ und eine tolle Version von „Keys To The Kingdom“ folgten. Bei “Over My Head” hatte Bassist Scott Davis die Gelegenheit, seine Gesangskünste am Frontmikro zu präsentieren. Herrlich dann ihr altbekanntes, Little Feat-umwobenes „Jackson Station“. Das atmosphärische „Hurricane“ und das knackig, im Stile der Stones rockende “Trouble Came Early“ (wer braucht die alten Männer angesichts solcher Stücke eigentlich noch, fragte man sich da mal ganz spontan – klasse HT-Piano hier von Nealon) schlossen den Kreis des ersten Abschnitts.

Nach einer viertel Stunde Pause hatten Jurdi, Quist & Co. mit dem „LA County Blues“ die Leute sofort wieder im Griff. Das an die Beatles erinnernde „All I’m Asking“ und auch „Deep Is Love“ kamen recht ‚retro-poppig‘ daher. „Green Grass Of California“ hatte eine leichte Countrynote (Gordy mit Akustikgitarre), das fulminant groovende “Daddy Longlegs” bestach durch eine rauschende Psychedelic-Instrumental-Passage.

Mein Lieblingsstück des Abends war die wunderbare Ballade „King Of Colorado“, bei der Ed Jurdi eine fantastische Vokalperformance ablieferte. Mit dem swampigen „I Got A Feeling“ (polternde Drums von Millsap) und dem gegen Ende grandios anziehenden „Medicine Man“ wurde es dann richtig Southern-rockig und die Spielzeit des 2. Sets war ebenfalls wie im Fluge vorüber.

Bei der satt rockenden Zugabe „Medicated Goo“ brachten die Burschen ihre Sympathien für die großen Grateful Dead zum Ausdruck und verabschiedeten, ein zufriedene, sehr gut mitgehende Hörerschaft. Zwei Tage zuvor hatte The Band Of Heathens noch vor restlos ausverkauftem Haus in der Bluesgarage gespielt (allerdings auch zu einem günstigeren Termin, übrigens für eine Stunde mit Colin Brooks-Unterstützung!), an diesem Sonntag-Abend im Piano leider, wie bereits oben erwähnt, vor nur spärlicher Kulisse. Aber so ist das Rock And Roll–Leben/Geschäft halt phasenweise. Hat trotzdem richtig Spaß gemacht, die Texaner mal wieder live vor Ort zu erleben!

Line-up:
Ed Jurdi (lead vocals, electric and acoustic guitars, vocals)
Gordy Quist (lead vocals, electric and acoustic guitars, vocals, percussion)
Scott Davis (lead vocals, bass, vocals)
Richard Millsap (drums)
Trevor Nealon (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

The Band Of Heathens
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

The Drugstore Gypsies – Same – CD-Review

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Klasse Debüt einer jungen Band aus Texas namens The Drugstore Gypsies. Das Quintett, bestehend aus Duke Ryan (lead vocals), Dillan Dostal (guitars, vocals), John Wilson (Hammond organ, guitar, vocals) sowie der Rhythmusfraktion Korey Davis (bass, vocals) und Rey Chapa (drums, percussion, vocals), hat sich dabei geradlinigem kraftvollen Rock verschrieben, der auf klassischen Strukturen basiert und mit den beliebten Ingredienzien ihrer Heimat wie Southern Rock, Country, Blues oder auch Americana-Tupfern verifiziert wird.

Der Sound ist schön vollmundig und druckvoll, und wird vornehmlich dominiert von kernigen Gitarren sowie bei dem ein oder anderen Song zusätzlich „erhitzt“ durch eine punktgenau eingesetzte, aber nie zu dominant wirkende Horn-Section. Sehr stark wirkt der prächtig aufspielende Lead Gitarrist Dillan Dostal, der immer wieder mit rauen, dreckigen Soli, auch Slide, daherkommt. Das Songmaterial ist durchweg exzellent und besticht mit einer vorzüglichen Melodik.

Die Jungs, die in letzter Zeit über 200 Gigs zusammen absolviert haben, beginnen ihr zehn Stücke umfassendes Erst-Werk mit dem Titelsong „The Drugstore Gypsy“, einem krachenden Rocker über das teilweise chaotische Flair in ihrem Tourleben, im Stile der Georgia Satellites/Black Crowes (herrlich raunzendes Slide-Intro), der dazu von der zünftig plusternden Bläsersection (Travis Cielieski – trumpet, Tyler Summer- saxophone) Unterstützung erhält. Gleiches gilt für die beiden weiteren Tracks wie das  launige „Breakin‘ The Law“ (erinnert ein wenig an „The Long Run“ von den Eagles) und den shuffligen Midtempo-Rocker „Live The Life“ (hallende Orgel, quirliges E-Solo in Skynyrd-Manier).

Beste Beispiele für ihr euphorisches Auftreten und ihre unbändig erscheinende Energie sind Lieder wie ihre knackige Hommage an eine berühmte Whisky-Sorte aus dem Staate Tennessee mit „Black Label Boogie“(knarzige E-Gitarre, gurgelnde Hammond, deftig polternde Drums), das sich schon fast in Motörhead-Sphären befindliche, aggressiv dahingeschmetterte „Show Up Show Down“ (fast wie Lemmy auf einem Südstaaten-Trip) oder das von einem, an AC/DC reminszierenden E-Gitarren-Lick getragene „Bayou Got The Best Of Me“ (tolles Slide-Solo vom stark auftrumpfenden Dillan Dostal).

Die für ihr noch junges Bestehen (seit 2014) bereits sehr variabel und abgeklärt wirkende Texas-Combo, komplettiert ihre Vielseitigkeit mit dem bluesig-progressiven, wie auf Samtpfoten daherschleichenden „Kitty Strut Blues“ (man assoziiert unweigerlich Songs wie Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond“ oder Blackberry Smokes „The Whippoorwill“) und Americana-umwehten Kleinoden der Marke „Runnin‘ To“ (heulende Orgel, Tom Petty-Touch), dem melodischen Ohrwurm „Keep You Rollin‘ On“ oder dem zurückgenommene, in musikalisch warmen Pastelltönen gezeichneten Finale „Indian Summer“, das besonders Duke Ryans wandlungsreichen Gesang in den Fokus rückt.

Fazit: Ein tolles, vor Energie nur so strotzendes Debüt einer jungen und äußerst hungrig wirkenden texanischen Band, die sicherlich noch einiges vor hat. Anzumerken ist dabei ihr spielerisches als auch schon kompositorisches Talent (alles Eigenkreationen). Wie heißt es in einem amerikanischen Review so treffend: „…they sing about rolling your windows down and letting the good times roll. The Drugstore Gypsies is the ideal album to do just that.“ Wir meinen schlichtweg: Genauso ist es! Ein absolut tolles, mächtig Laune machendes Debüt der Drugstore Gypsies!

Edgewater Music Group (2017)
Stil: Red Dirt / Country Rock

01. Drugstore Gypsy
02. Runnin‘ To
03. Black Label Boogie
04. Breakin‘ The Law
05. Kitty Strut Blues
06. Show Up Show Down
07. Live The Live
08. Bayou Got The Best Of Me
09. Keep You Rollin‘ On
10. Indian Summer

The Drugstore Gypsies
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Bärchen Records

Phil Hamilton – Brazos Wind – CD-Review

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Starker Nachfolger von Phil Hamilton. Der mittlerweile mit einem stattlichen Rauschebart gezierte Texaner hatte sich ja 2012 von seiner Begleitband The Backroad Drifters losgelöst, um ganz auf eigenen musikalischen Pfaden zu agieren und mit „Renegade Rock N Roll“ eine famose Solo-Scheibe herausgebracht.

Vier Jahre später legt Phil mit „Brazos Wind“ sein nächstes Prachtstück vor. Es steht diesmal auch im Zeichen eines sehr persönlichen Wandels. So spielt hier die Hochzeit mit der texanischen Singer/Songwriterin Erica Perry, die auch im Background mitwirkt, sowie die Geburt ihrer ersten Tochter June, der der Abschlusstrack gewidmet ist, eine tragende Rolle.

Hamilton hat den Rock-Drive aus seinen Stücken dezent (der blitzt natürlich aber immer auch wieder bei diversen Stücken auf), aber sehr gekonnt, zurückgenommen und bewegt sich diesmal etwas mehr country-orientiert im Singer/Songwriter-Milieu. Sein Gespür für tolle Melodien, gehaltvolle Texte und exzellente Instrumentierung, bleibt omnipräsent, man kann sogar behaupten, dass seine rau-warme Stimme sich auf diesem Terrain noch besser entfalten kann.

Den Auftakt macht das herrlich atmosphärische, mit markantem Bariton-Gitarrenspiel ausgeschmückte, so ein wenig an Chris Isaaks berühmtes „Wicked Game“ erinnernde „Same Ol‘ Me“. Ebenfalls sehr in sich gekehrt ist das nachfolgende „Difference In Opinions“, stark hier die ’sanften‘ Harmonies von Gattin Erica und das verspielte E-Gitarren-Solo zum Ausklang.

Die „Big News Small Town“ klingen, als wenn Tom Petty sich in Country-Gefilde begeben würde. Markant das surrende E-Slide-Solo. Im akustisch gehaltenen „Handle On You“ mimt Phil fast einen Countrybarden alter Schule. Das dem Business in Music City kritisch zugewandte „Big Hole in Nashville“ groovt schön bluesig vor sich hin. Klasse hier die E-Gitarrenarbeit (tolles Solo in Anlehnung an Leute wie John Fogerty, Eric Clapton oder J.J. Cale).

Der Ohrwurm des Albums ist das herrlich melodische „Forever With You“, bei dem das Ehepaar Hamilton in Sachen Harmoniegesängen erneut brilliert. Die Zeiten mit den Backroad Drifters scheinen dann aber doch nicht so ganz aus dem Sinn zu sein. „You Think You Know Me“ ist der rockigste Track des Silberlings, ein wuchtiger Stampfer mit starken Slide-Gitarren.

Mit dem typisch texanisch geprägten Duett „The Room“ (Erica und Phil teilen sich die Lead vocals), dem atmosphärischen Titelsong in Erzählmanier und dem eingangs erwähnten Lied voller Vaterstolz für Tochter June (Zusammenspiel von Gesang, Akustikgitarre und blecherne Dobro) klingt das Werk nach hinten recht besinnlich aus, ohne aber wirklich langweilig zu werden.

Phil Hamilton hat auf „Brazos Wind“ die nachhaltigen Erlebnisse der vergangenen Jahre vornehmlich im Singer/Songwriter-Stil verarbeitet. Der Wind hat sich in diesem Fall mehr von rockigen Tönen weg zum Storyteller-Country hin gedreht. Konstant geblieben ist eigentlich nur sein Label Winding Road Music, das ihn seit Anfangstagen schon begleitet und, nach wie vor, weiß, was es an ihm hat. Phil Hamiltons bisher reifstes und persönlichstes Werk mit Prädikat ‚wertvoll‘.

Winding Road Music (2016)
Stil: Country & More

01. Same Ol‘ Me
02. Difference In Opinions
03. Big News Small Town
04. Handle On You
05. Big Hole In Nashville
06. Forever With You
07. You Think You Know Me
08. The Room
09. Brazos Wind
10. June

Phil Hamilton
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Bärchen Records

Charlie And The Regrets – Rivers In The Streets – CD-Review

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Besonders freut es mich immer, wenn ich feststelle, dass unsere Arbeit auch in den Staaten ihre Anerkennung findet. So versorgt mich seit unserem Erstkontakt die RPR Media Agentur aus Nashville immer wieder regelmäßig mit toller Insidermusik, die vermutlich, im Rahmen der vielen Veröffentlichungen, an mir vorüber gegangen wäre.

Ein weiteres schönes Beispiel ist hier die Band Charlie And The Regrets aus Houston, Texas, wie es auch schon das Cover ihrer neuen CD „Rivers In The Streets“ mit der übergroßen Gürtelschnalle samt Namenszug der Stadt suggeriert. Namensgeber ist ein gewisser Charlie Harrison (Lead vocals, guitars), der zusammen mit Willy T. Golden (Steel guitars, vocals) in Sachen Songwriting und musikalischer Richtung, den Ton angibt.

Für ihr neun Stücke umfassendes, neues Werk haben sich die beiden mit einem kleinen, aber feinen Kreis an Musikern (Mark Ridell, John Shelton, Mike Stinson, Derek Hames, Kam Franklin, Lance Smith und Isias Gil) umgeben, wobei Derek Hames (Hammond organ, wurlitzer, percussion) und John Shelton (guitars), sich in Sachen Produktion und Mix, auch um die soundtechnische Verarbeitung gekümmert haben.

Slide- und Bariton-E-Gitarren sind eigentlich in jedem Stück der Truppe ein Muss und somit so etwas wie ein, sich herauskristallisierendes Markenzeichen der Texaner. Als musikalisches Terrain haben sich Charlie und seine reumütigen Kumpanen alternativen Country Rock ausgesucht.

Hier wird spürbar, ohne jeglichen kommerziellen Hintergedanken, aus lauter Freude am Spielen, musiziert. Lebensnahe Texte, oft mit einem selbstironischen Augenzwinkern („Last Time I Was Here“, „What Can I Do“) und exzellente instrumentelle Arbeit, mit vielen kleinen Feinheiten, stehen dabei absolut im Vordergrund. Songs für und aus dem Leben der amerikanischen Mittelschicht, bzw. Arbeiterklasse, durchaus auch auf unsere Verhältnisse übertragbar.

Die beiden Opener „Proud Man“ und „The Gavel“ sind direkt so zwei melodisch dahin schunkelnde, tanzbare Tracks, bei denen man so vorm geistigen Auge, die Amis auf einer sommerlichen Wiese (oder ggfs. alternativ auch in einer Dancehall) vor einer Konzertbühne, mit Bier und ihren Sandwitchs, gemütlich lauschend, sitzen sieht. Klasse hier die filigranen E-Slide- und Bariton-E-Gitarren-Wechsel im Solo-Part.

Ihre rockige und etwas zünftigere Seite zeigen die Protagonisten bei Stücken, wie dem poltrigen „Baytown“, „What Can I Do“ (Uptempo-Country Rock mit Bakersfield-Touch)  oder dem swampigen Southern Rock-Stampfer „Time Moves Slow“ (klasse Harmonies von Kam Franklin), wo manchmal ein gewisser Dan Baird durchschimmert.

Recht melancholisch geht es beim Schwofer „New Night“ und den beiden, ganz sparsam, im ‚Veranda‘-Stil‘ kreierten und performten „Houston Rain“, als auch dem finalen „No Good News“ zu. Letztgenannte Lieder sind nur mit Gesang, klarer Akustikgitarre und knarzigem Dobro-Slide bestückt.

Charlie And The Regrets sind ein weiteres Bespiel für die immense und schier unerschöpfliche Zahl an talentierten und guten Musiker im Lonestar State. Den einzigen Vorwurf, den man hier erheben kann, ist, dass die CD  mit nur neun Nummern etwas dünn besät ist, man hätte da gerne noch zwei drei weitere Sachen mehr gehört.

Anspruchsvoller Stoff, laut Beipackzettel, für Leute mit Vorlieben in Richtung Jerry Jeff Walker, Todd Snider, Hayes Carll , aus unserer Sicht auch durchaus geeignet für Menschen mit Faible für Bands wie Cooder Graw, Big House, John D. Hale, Mike And The MoonpiesMarshall Tucker Band, Georgia Satellites, Vince Gill oder den zuletzt besprochenen Saints Eleven.

Eigenproduktion(2016)
Stil: Country (Rock)

01. Proud Man
02. The Gavel
03. Baytown
04. Last Time I Was Here
05. Houston Rain
06. What Can I Do
07. New Night
08. Time Moves Slow
09. No Good News

Charlie And The Regrets
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Phil Hamilton – Renegade Rock’N’Roll – CD-Review

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Nach seinem großartigen Debüt von 2010 im Verbund mit den Back Road Drifters legt Phil Hamilton nun mit „Renegade Rock N Roll“ nach. Der aus Forth Worth/Texas stammende Singer/Songwriter hat sich jedoch entschlossen, demnächst nur noch unter eigenem Namen zu firmieren, was aber der Qualität und Homogenität seiner großartigen, von viel Outlaw- und Southern-Mentalität geprägten Red Dirt-Roots-/Americana-/Countryrock-Musik überhaupt nicht geschadet hat. Ganz im Gegenteil sogar, Hamilton kitzelte, vielleicht gerade wegen des fehlenden Gruppenzwangs, noch mehr aus sich heraus und konnte jetzt da, wo sonst vielleicht Kompromisse gefragt waren, strikt seine eigene Linie fahren.  Phil Hamilton – Renegade Rock’N’Roll – CD-Review weiterlesen

Tift Merritt – Stitch Of The World – CD-Review

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Tift Merritt mit neuem Album! Die umtriebige der texanischen Musikszene zugehörige 42-jährige Künstlerin hat ihr Temperament diesmal deutlich gezügelt und kommt mit einer eher besinnlichen neuen Scheibe daher. Ich habe das zierliche Energiebündel mal vor vielen Jahren in Utrecht bei den damaligen, leider nicht mehr existierenden Blue Highways Festivals, live erleben können, und habe mir dann auch ihr „Tambourine“-Werk zugelegt, von dem ich auch heute noch begeistert bin.

Das neue Album „Stitch Of The World“ wurde innerhalb von vier Tagen mit einem recht überschaubaren Musikerkreis, bestehend aus der Protagonistin (acoustic guitar, piano, lead vocals), Sam Beam (vocals, acoustic guitar), Marc Ribot (guitars, ukelele, banjo), Jay Bellerose (drums), Jennifer Condos (bass) und Eric Heywood (pedal steel) eingespielt. Produziert haben Tift und Sam Beam, der vor allem gegen Ende des Werkes mit einigen Harmoniegesängen aufwartet.

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Merritt reflektiert in ihren Kreationen persönliche Erlebnisse und Beobachtungen der letzten Jahre, die von Höhen (neuer Lebensgefährte, Geburt einer Tochter) und Tiefen, wie ihrer Scheidung gekennzeichnet waren und hält sich selbst quasi einen musikalischen Spiegel vor. Sie bewegt sich dabei in Sphären von Kolleginnen wie Emmylou Harris, Joni Mitchell, Alison Krauss („Eastern Light“), dezent auch Patty Griffin, Kacey Musgraves, Kim Carnes („Heartache Is An Uphill Climb„, „Proclamation Bones“) oder Sheryl Crow. Teilweise hat man aufgrund ihres elfenhaften Gesangs sogar den Eindruck, als wenn eine Kate Bush sich in den Lonestar State verirrt hätte („Icarus“). Der rootsige Opener „Dusty Old Man“, getragen von Jay Bellroses poltrigem Drumming hat noch mit den meisten Drive, ansonsten herrscht überwiegend viel ruhiger texanisch geprägter Alt. Country-Erzähl-Stil.

Die Drums haben meist eher perkussiven Charakter, Ribots E-Gitarre surrt, Heywoods Pedal steel leiert immer mal dazwischen, Akustiklgitarren, Ukulele („My Boat“) und Banjo dienen als Verzierung, das Piano steht im Dienste der Atmosphäre.

Wenn ich final die beiden mir zur Verfügung stehenden Vergleichsmuster gegenüberstelle, war und ist ihr damaliges Werk eher radiotaugliche Musik gewesen, die man auch auf jeder schönen beschwingten Party auch heute noch in den Player schmeißen kann, ihr aktuelles „Stitch Of The World“ ist dagegen eher ein Werk für gemütliche Stunden und zur intellektuellen Einkehr geeignet. Beide Scheiben bewegen sich auf ihre ganz eigene Art auf dem für Tift Merritt gewohnten hohen Niveau!

Yep Roc Records (2017)
Stil: Alt. Country

01. Dusty Old Man
02. Heartache Is An Uphill Climb
03. My Boat
04. Love Soldiers On
05. Stitch Of The World
06. Icarus
07. Proclamation Bones
08. Something Came Over Me (feat. Sam Beam)
09. Eastern Light (feat. Sam Beam)
10. Wait For Me (feat. Sam Beam)

Tift Merritt
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Yep Roc Records

Ryan Beaver – RX – CD-Review

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Der Rolling Stone zählte vor kurzem Ryan Beaver zu den ’10 New Country Artists You Need To Know‘, ein Prädikat, was man von solch einem tragenden Magazin nicht mal ebenso nebenbei erhält. Der aus Emory, Texas, stammende, mittlerweile in Nashville ansässige Singer/Songwriter veröffentlicht mit „RX“ (ein amerikanisches Kürzel für rezeptpflichtige Medikamente) sein drittes Solo-Werk.

Der Titel gilt in diesem Fall als Synonym für den therapeutischen und heilenden Charakter, den Beaver mit der Verarbeitung, in Form seiner Songs, erzielen wollte. Ryan, bei uns zum Teil bekannt auch für seine Co-Writer Credits bei Kollegen wie u. a. Rob Baird (auf „I Swear It’s The Truth“) oder Kyle Park (auf „Make Or Break Me“), hat sich diesmal für sein neues Werk zur Kooperation mit den Nashville-Songschreibern/Musikern Jeremey Spillman und Ryan Tyndell entschieden, nachdem die beiden Vorgänger noch im Zeichen von David Grissom (Storyville, John Mellencamp, Joe Ely, Dixie Chicks) gestanden hatten.

Der Opener „Dark“ steht noch unter dem Schmerz, den es durch den Verlust des Großvaters und eines guten Freundes zu bewältigen gilt. Ein demnach sehr emotional gestrickter Song mit einem kraftvollen, sich entladenden Refrain. „Rum And Roses“ steht ein wenig für den Tag nach solch bitteren Nachrichten, E-Solo und Art des Stückes gehen in Richtung der introvertierteren Sachen eines Dan Bairds.

Auf „Fast“ geht es dann etwas fröhlicher zu, kein Wunder, hier geht es um einen sich recht schnell und erfolgreich anbahnenden One Night Stand. Das flotte und eingängige „Where This World Ends“ (Richtung Fleetwood Mac goes Country) und das melodisch melancholische „Habit“ wirken besonders durch die vokalen Harmonien zwischen Ryan und der befreundeten texanischen Sängerin Maren Morris, die beim erstgenannten Lied fast in der Manier einer Stevie Nicks singt. Der Track, mit dem vielleicht größten Hit-Potential.

Klasse gemacht Beavers Hommage an Kris Kristofferson. Zum einen mit dessen Hit „Jesus Was A Capricorn“ als Intro (akustisch performt als einminütiges Schnipsel) und Übergang in das eigentliche „Kristofferson“ (komponiert zusammen mit Jon Randall und Jessi Alexander), einem melodischen Americana-umwehten Erzählsong mit dezentem Heartland-Touch. „Vegas“ reflektiert melancholisch und nachhaltig die Erlebnisse an einem dortigen Wochenende mit einer Frau (herrlich die jammernde Steelgitarre), in der sich Beaver mit ihrer Phrase „What happens in Vegas, stays in Vegas“ nicht zufrieden geben will.

„Gravedigger“ rockt und stampft in psychedelischer Manier, es geht um typische Frauen, die Gift für Männer sind. Der Titel zeigt schön Ryans songwriterischen Fähigkeiten auf, plakative Synonyme zu kreieren. „Still Yours“ ist ein radiofreundlicher New Country-Midtemposong (wieder mit weiblichen Harmoniegesängen, während die beiden abschließenden „RX“ (klasse auch hier das, neben knarzigen E-Gitarren, viel eingesetzte Ganjo/Banjo) und das der Jugend nachtrauernde „If I Had A Horse“, erneut Beavers bestechende Qualitäten als erzählender Country-Troubadour hervorheben.

Ryan Beavers therapeutischer Ansatz mit „RX“ erweist sich nicht nur in eigener Sache als gelungen. Eine wunderbare Rezeptur aus Country Rock, New Country, Americana und Singer/Songwriter-Inhaltsstoffen. Geeignet zur Indikation für Leute mit symptomatischer Vorliebe von Interpreten wie Will Hoge, Rob Baird, Chris Stapelton oder auch Eric Church oder Dierks Bentley & Co. Als Risiko und Nebenwirkungen ist vor allem auf musikalische Suchtgefahr hinzuweisen…

St. Beaver Music (2016)
Stil: Country Rock

01. Dark
02. Rum & Roses
03. Fast
04. When This World Ends (feat. Maren Morris)
05. Jesus Was a Capricorn
06. Kristofferson
07. Habit
08. Vegas
09. Gravedigger
10. Still Yours
11. RX
12. If I Had A Horse

Ryan Beaver
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Bärchen Records