Richard Marx – Songwriter – CD-Review

Richard Marx ist eine der großen Ikonen der Pop-Rockmusik der 80er und 90er-Jahre. Der Grammy ausgezeichnete Sänger, Songwriter, Produzent und Bestsellerautor trat in mein musikalisches Leben mit dem Song „Satisfied“ von seinem US-Nr.1-Album „Repeat Offender“.  Nach und nach legte ich mir dann seine Alben zu. 

Marx besitzt eine Stimme, die man unter hunderttausenden sofort heraushört. Somit ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Nach seinen Anfangserfolgen zog er sich ziemlich aus der Öffentlichkeit zurück. Das letzte und einzige Mal , dass ich mich mit ihm auch review-technisch auseinandersetzen durfte, war, als er 2004 mit „My Own Best Enemy“ ein starkes Zwischencomeback ablieferte.

Mittlerweile sind tatsächlich schon wieder fast zwanzig Jahre vergangen. Auf dem neuen Album „Songwriter“ gibt es gleich satte zwanzig neue Stücke zu hören. Der aus Chicago, Illinois stammende Musiker, ist die erste im meiner CD-Musiksammlung, der die Stücke direkt auf dem Cover-Artwork tarifiert. Es gibt jeweils fünf Stücke aus den Bereichen Pop, Rock, (New) Country und Balladen. Mit involviert sind auch seine Söhne Lucas und Jesse.

Nach dem Durchhören stellt man allerdings fest, dass die Übergänge quasi fließend in einander übergreifen, ja zum Teil auch mit den anderen Gruppierungen verschwimmen. Der Popbereich enthält sehr schöne melodische, meist rhythmische Tracks, die zur damaligen Zeit allesamt Nr.1-Potential gehabt hätten. Wenn es den Ukraine-Krieg derzeit nicht gegeben hätte, würde „Moscow Calling“ sicher hier die größte Chance besitzen.

Im Rockbereich werden die E-Gitarren und poltrigen Drums präsenter, die Songs  gehen im weitesten Sinne in eine Art Bon Jovi-/Mr. Big-/Nickelback-Light-Schiene, getragen von Marx‘ unverwechselbarer Stimme.

Für mich ist natürlich der Countrybereich der spannendste auf dem Longplayer. Hier assistierten Richard beim Songwriting klingende Namen der Szene wie u. a. Keith Urban, Darius Rucker oder Randy Houser, die allesamt auch in unserem Magazin bereits thematisiert sind.

Na ja, Country, ich würde die Songs eher als modernen New Country einstufen, mit klassischem Country hat das natürlich nur wenig bis garnichts zu tun. Auch hier gibt es durch die etwas andere Spielart der E-Gitarren (zum Teil mit Slide) und dem Einsatz von Akustikgitarren und dezentem Banjo nur marginale Unterschiede zum Pop-Rock-Gefilde.  Nichtsdestotrotz machen sie richtig Laune. Das knackig-swampige „Everything I’ve Got“ (Richtung Brantley Gilbert) und das flockige „Misery Loves Company“, aber auch die anderen drei Sachen beweisen, dass sich Marx im Genre nicht zu verstecken braucht, beziehungsweise kompatibel ist.

Mitglieder der Schmusefraktion werden dann mit den letzten fünf Liedern belohnt. Hier rückt das Piano (dazu Synthie-Streicher) dann in Kombination mit Marx typischer Stimme mehr in den Fokus. Liebesfilmproduzenten, die den nächsten Blockbuster im Auge haben, dürfen gerne mal in „Still In My Heart“ oder „As If We’ll Never Love Again“ hineinhören. Hier finden sie mit hoher Sicherheit potentielle Aspiranten für den Soundtrack.

Mir persönlich gefallen in diesem Bereich allerdings die beiden Stücke „Maybe“ und „Never After“, die eher auf Akustik- und E-Gitarre mit ergänzendem Piano basieren, letztgenannter Song ist ein Mega-Ohrwurm (herrliche E-Gitarrenarbeit vom Marx-Langzeitweggefährten Michael Landau) und meines Erachtens das beste Stück, ein krönender Abschluss also.

Richard Marx meldet sich mit „Songwriter“ eindrucksvoll zurück. Das Album macht genre-übergreifend von vorne bis hinten Spaß, weckt alte Erinnerungen und lässt erhoffen, dass es von Richard Marx und Nachkommenschaft irgendwann mal, vielleicht in nicht ganz so langem Abstand, weiteren guten Stoff zu hören geben wird. Sehr gelungen, dieses erneute Comeback als Musiker, Sänger und Songwriter!

Label: Shelter Records – BMG (2022)
Stil: Pop, Rock, New Country

Tracks:
POP
01. Same Heartbreak Different Day
02. Only A Memory
03. Anything
04. Moscow Calling
05.Believe In Me
ROCK
06. Shame On You
07. My Love, My Enemy
08. Just Go
09. One More Yesterday
10. We Are Not Alone
COUNTRY
11. Everything I’ve Got
12. Misery Loves Company
13. One Day Longer
14. Breaking My Heart
15. We Had It All
BALLADS
16. Always
17. Still In My Heart
18. Maybe
19. As If We’ll Never Love Again
20. Never After

Richard Marx
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Skye Wallace – Support: Vego Jazzmin Mash – 17.09.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Letzten Samstag wollte ich mit einem Freund einfach nur Livemusik genießen und war mal nicht im Auftrag des Herrn Daniel unterwegs. Im Nachhinein fand ich es aber schade, wenn die tolle Show der sympathischen Kanadierin Skye Wallace und ihrer Band bei SoS unerwähnt bleiben sollte. Daher folgen nun doch ein paar Zeilen zu einem Abend in der Kulturrampe, der in Erinnerung bleiben wird.

Dieser begann kurz vor 21 Uhr als Vego Jazzmin Mash in einem extravaganten Outfit die Bühne betrat. Die Musik war ebenso gewagt und lässt sich schwer in Kategorien beschreiben. Vielleicht trifft es Post-Grunge einigermaßen? Vego Jazzmin Mash, der sich kurz als Jan vorstellte, rockte mit kräftigen Riffs auf seiner elektrischen Gitarre, begleitet von einer Loop Station. Die Songs wurden überwiegend auf Englisch gesungen, zwei auch auf Deutsch – darunter „Autofahren. Arbeiten. Autofahren.“

Der Titel mit minimalistischem Text stach unter den Stücken heraus und hatte den größten Wiedererkennungswert. Gesanglich nicht immer ganz treffsicher, merkte man der Performance doch das Herzblut an, das Jan in seine Musik steckt. Das Rampenprogramm bietet sowieso einer bunten musikalischen Palette Raum und das Publikum ging den experimentelleren Ansatz von Vego Jazzmin Mash mit.

Zwischenzeitlich roch es auf der Bühne wohl angekokelt, sodass Jan befürchtete, die Rampe in Brand gesetzt zu haben, weil er so hart rockte. Zum Glück blieb ein Feuer und die Evakuierung aus. Mit Anspielung auf eine Textzeile von Tom Petty – the sky was the limit – leitete er dann das Finale seines Auftritts ein und räumte die Bühne anschließend für Skye Wallace.

Line-up:
Vego Jazzmin Mash (vocals, guitar, harmonica, loop station)

Nach ganz kurzen Umbaumaßnahmen kündigte Markus Peerlings die Band aus Toronto an, wobei er sich über das zahlreiche Erscheinen der Musikfreunde freute. Wallace sprach später dem Chef der Kulturrampe einen herzlichen Dank für die rundum gelungene Betreuung aus und war voll des Lobes für die Atmosphäre der Location. Die Arbeit, die Markus im Umfeld der Konzerte leistet, wird von den Künstlern hoch geschätzt und dies mag auch ein wesentlicher Grund dafür sein, dass hervorragende Bands in Krefeld gastieren und gerne wiederkommen.

Gut aufgelegt startete Wallace mit einer Auswahl von temporeichen Stücke ihres aktuellen, selbstbetitelten Albums. „Death Of Me“, „There Is A Wall“, der ältere „Mean Song 2“, „Suffering For You” und „Always Sleep With A Knife” ließen kaum eine Verschnaufpause zu. Einzig die kurzen Ansprachen von Wallace, bei denen Sie auch einige Sätze auf Deutsch formulierte, ließen etwas Zeit zum Durchatmen.

Weiter ging es mit den aus meiner Sicht stärksten Songs des Konzerts. Vor allem „Truth Be Told“ von dem für Oktober angekündigten Album begeisterte in der Liveversion. „Body Lights The Way“ mit einem kurzen Gitarrensolo von Devon Lougheed und die gradlinige Rocknummer „Everything Is Fine“ beendeten den ersten, rasanten Abschnitt des Gigs.

Wallace, die ihre Karriere als Singer/Songwriter begann, bevor sie ins Rockmetier wechselte, schickte Ihre Band anschließend in den Zuschauerraum, um ihr Frühwerk „Ain’t It Hell“ allein mit akustischer Gitarre anzustimmen. Für „Swing Batter“ holte sie Keyborderin Gina Kennedy und Bassistin Jenna Strautman als Backgroundsängerinnen zurück auf die Bühne. Bei „Keeper“ folgte Gitarrist Devon Lougheed. Nach diesem ruhigeren Teil vervollständigte dann Schlagzeuger Chris Dimas bei „Tooth And Nail“ wieder das Quintett und läutete so den rockigen Abschluss des Hauptsets ein, der an den Stil des Einstiegs anknüpfte.

„The Doubt“ war neben „Keeper“ einer der beiden noch unveröffentlichten Songs der in den Startlöchern stehenden Scheibe, die an diesem Abend zu Gehör gebracht wurden. Bei „Coal In Your Window“ und „Reaper“ flogen nochmal die langen Haare von Wallace, Kennedy und Lougheed. Besonders Kennedy zeigte sich als ständig präsenter Aktivposten und schüttelte das Tamburin temperamentvoll durch, wenn sie nicht an den Keys benötigt wurde.

Als Zugabe wählte Wallace den Bob Dylan Titel „One More Cup Of Coffee“ und das abschließende „Blood Moon“. Die Anwesenden hätten gerne noch eine zweite Zugabe gehört. Ein akustischer Ausklang wäre hier durchaus zeitlich denkbar und passend gewesen. Aber auch ohne diesen gingen viele Zuhörer nach der knapp eineinhalbstündigen Performance positiv gestimmt zum Merchandise-Stand. Wallace stand dort für Signaturen oder Gespräche bereit. Das kommende Album „Terribly Good“ hatte sie noch nicht im Gepäck, dafür aber ihre noch aktuelle CD sowie ein schön gestaltetes Booklet mit Lyrics und Stories.

Skye Wallace rockte mit ihrer Band die Kulturrampe. Frisch, unverkrampft und energiegeladen fegte das Quintett aus Kanada über die Bühne. Kurz unterbrochen von einem geschickt in der Mitte des Programms platzierten akustischen Intermezzos, gingen die Songs durchweg ein hohes Tempo. Bei der Setlist setzte Wallace vor allem auf Titel ihrer letzten CD und spielte zudem eine Reihe aktueller Stücke von ihrem Album, das im Oktober erscheint.

Line-up:
Skye Wallace (lead vocals, guitars)
Gina Kennedy (keyboard, tambourine, bgv)
Jenna Strautman (bass, bgv)
Devon Lougheed (guitar, bgv)
Chris Dimas (drums)

Text und Bilder: Michael Segets

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Skye Wallace
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Kulturrampe

Nikki Lane – Denim & Diamonds – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach „Highway Queen” (2017) verspürte Nikki Lane erst mal keine Lust mehr, ein weiteres Album aufzunehmen. Stattdessen widmete sie sich Ihrem Vintage-Laden. Ganz vom Musikgeschäft sagte sie sich aber nicht los, sondern arbeitete in der Zwischenzeit mit einigen Künstlern wie Lana Del Rey und Brent Cobb zusammen. Vor zwei Jahren führte ein Telefonat zwischen ihr und Joshua Homme zu dem Plan, einen neuen Longplayer in Angriff zu nehmen. Mit Homme als Produzenten fühlte sich Lane motiviert, ihre schlummernden Ideen zu konkretisieren und in neue Songs zu gießen. Als Ergebnis finden sich auf „Denim & Diamonds“ nun zehn von Lane – teilweise in Kollaboration mit Homme, Gabe Simon und Alain Moschulski – geschriebene Stücke.

Homme stellte sein Pink Duck Studio im kalifornischen Burbank als Aufnahmeort zur Verfügung und engagierte mit Alain Johannes, Dean Fertita und Michael Shuman seine Bandkollegen der Queens of the Stone Age. Mit von der Partie sind ebenso Matt Helders (Arctic Monkeys), Carla Azar (Autolux, Jack White) und Matthew Pynn (Dwight Yoakam, Miley Cyrus). Die deutlichsten soundtechnischen Spuren hinterlässt Homme wohl auf dem Titeltrack. Insgesamt versuchte er Impulse in Richtung Rock’n Roll zu setzen.

Tatsächlich sind auf der Scheibe einige frische, gradlinige roots-rockige Nummern vertreten. Die klassischen Riffs auf „Born Tough“ sowie die beiden Singles „First High“ und „Black Widow“ sprechen da eine klare Sprache. Auch „Try Harder“ hat einen rockigen Einschlag, obwohl Lane den Song etwas langsamer anlegt. Mit seinem eingängigen Refrain geht er direkt ins Ohr und zählt ebenfalls zu den Beiträgen, bei denen die Qualität von Lanes Songwriting offenkundig ist.

Wurde Lane früher als moderne Vertreterin des Outlaw-Country gehandelt, die auch eine Affinität zum Rock hat, stehen die Verbindungen zum Country auf „Denim & Diamonds“ nicht im Vordergrund. Zwar klingen diese gelegentlich an, wie bei „Pass It Down“, aber lediglich mit „Good Enough“ hat ein reines Country-Stück den Weg auf das Album gefunden. Die countryfizierten Titel zählen ebenso wie das etwas dramatisch geratene „Chimayo“ allerdings nicht zu meinen Favoriten.

Die ruhigeren Songs sind eher dem Americana zuzuordnen. „Live/Love“ sticht durch die Mandoline heraus. Zudem punktet Lane hier erneut mit dem Refrain. Sie legt zudem mit „Faded“ eine wunderbar gefühlvolle Ballade vor. In einem Vers des Songs spricht sie davon, dass ihr Zerstörung im Blut liegt. Ob dies so ist, weiß ich natürlich nicht, aber Erwartungen und Konventionen scheinen sie wenig zu stören. Lanes Lebensweg verlief jedenfalls nicht gradlinig. Sie rieb sich an der Religion, die in ihrem Elternhaus eine Rolle spielte, verließ früh die Schule und versuchte sich als Designerin, bevor sie zur Musik fand.

Wenn man sich Lanes Portrait auf dem Cover ansieht, mit dem neckischen Hütchen, dem braven Pony auf der einen Seite und den knallroten Lippen, dem traurigen Blick der kalten blauen Augen auf der anderen Seite, dann lässt sich eine gewisse Widersprüchlichkeit nicht leugnen. Aber diese Widersprüchlichkeiten machen Menschen interessant und sind womöglich ein Antrieb dafür, Kunst zu schaffen.

In den Texten setzt sich Lane mit Widerständen in ihrer Jugend auseinander, die aber nicht nur schlecht war, wie sie sich bei „First High“ erinnert. Wer wünscht sich nicht selbst nochmal die großen Gefühle und Hoffnungen seiner Sturm-und-Drang-Zeit zurück? Wenn man dann wie Lane an Springsteen – beziehungsweise die 501 – denkt, muss sie zumindest teilweise glücklich gewesen sein.

Nikki Lane widersetzte sich dem Zwang des Musikbusiness, in kurzen Abständen Material auf den Markt zu werfen. So ließ sie sich fünf Jahre für „Denim & Diamonds“ Zeit. Das Album bietet eine ausgewogene Mischung aus starken Rocksongs, gefühlvollen Balladen und einer Prise Country. Wenn man in Lanes Fall von einem Comeback sprechen will, dann ist es gelungen.

New West Records (2022)
Stil: Rock/Americana

Tracks:
01. First High
02. Denim & Diamonds
03. Faded
04. Born Tough
05. Try Harder
06. Good Enough
07. Live/Love
08. Black Widow
09. Pass It Down
10. Chimayo

Nikki Lane
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New West Records
Oktober Promotion

Blug, Granfelt & Engelien – 18.08.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Zusammenarbeit in Martin Engeliens GoMusic-Projekt mit Ben Granfelt und Thomas Blug, führte schon im letzten Jahr zu dem Entschluss, als  ‚Blug, Granfelt & Engelien‘ in Trioform ein eigenes Bandprojekt ins Leben zu rufen. Nun war es soweit, dass sich die Band in dieser Formation präsentierte. An den Drums wurden sie unterstützt von Tommy Fischer.

Im Konzert in Krefeld spielte die Band neben Stücken von Granfelt und Blug, auch einige Songs vom Album, das Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden soll. Dass diese Tracks diesmal noch instrumental vorgetragen wurden, tat der Stimmung im Publikum der knapp zur Hälfte gefüllten Kulturrampe keinen Abbruch und zeigte, dass sie gut angenommen wurden.

Stark war, wie Blug und Granfelt sich twinguitarmäßig in den Songs die Noten zuschmissen und Engelien und Fischer für den nötigen dynamischen Rhythmus sorgten und beide min einem längeren Solopart ihre Spielkunst unter Beweis stellen konnten.

Besondere Höhepunkte in einem kurzweiligen Konzert, das mit einigen gekonnten Coverstücken gewürzt wurde, waren „My House Is Green“ von Blug und „Hey Stranger“ (ich meine gehört zu haben, wie Granfelt ein paar Noten von „Miss You“ in den Song spielte) von Granfelts letztem Album sowie „Faith, Hope & Love“ und „Allmighty Blues“, die  Granfelt mal für Wishbone Ash geschrieben hatte.

Man darf gespannt sein, wie die Setlist beim nächsten Mal aussehen wird, wenn die Band das Album im Umlauf ist.

Line-up:
Thomas Blug (electric guitar)
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass)
Tommy Fischer (drums, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Granfelt
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Thomas Blug
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Martin Engelien
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Kulturrampe, Krefeld

Neil Young & Crazy Horse – Toast – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Mit „Toast“ bringt Neil Young mit Crazy Horse ein Album heraus, das thematisch das Ende von Beziehungen, aber  auch in deren Entstehung beschreibt. Entsprechend düster, zuweilen melancholisch ist die Grundtendenz der Songs, die insbesondere Fans der Phasen mit Crazy Horse begeistern werden.

Eingespielt wurde es schon um die Jahrtausendwende, aber in der Form nicht veröffentlicht. Neben Tracks, die dann auf anderen Alben veröffentlicht wurden, sind auch drei bisher nicht veröffentlichte Stücke. Nun war für Young wohl aber der Moment gekommen, das Werk in seiner ursprünglichen Form herauszubringen.

Beim Hören der Lieder kommen Gedanken auf, dass Young nur eigene Beziehungen und Lebensphasen verarbeitet, es gibt auch den Anschein, dass ‚The Old Man‘ ein Resümee über seine über 50 jährige Musikerkarriere mitteilt. Wer weiß, wie lange Young, der in diesem Jahr 77 Jahre alt wird, weiter so eindrucksvolle Musik herauszubringt und auch auf einer Tour promoten wird.

Der eher lieblich erscheinende, ruhige Opener „Quit“ startet mit „Don`t Say You Love Me“ mit einer klaren Ansage. Mit den folgenden Songs wird einmal mehr die Energie von Neil Young und Crazy Horse deutlich. Harte Gitarrenriffs, Youngs unverkennbare Stimme und eingestreute Orgelklänge.

Insbesondere das dann auf „Are You Passionate“ in 2001 veröffentlichte, fast schon hymnische „Going Home“ begeisterte mich schon, als ich es erstmals zu diesem Zeitpunkt live hörte. Ein Song, der auch als Abschluss eines Konzertes taugt. Ich will nicht von einer Abschiedstour sprechen, welche manche Bands in einer Endlosschleife ziehen. Bei Young ist eher zu erwarten, dass er spontan den Entschluss fasst und dies nicht plant.

Nach den rockigen Nummern „Timberline“ und „Gateway Of Love“, im Stile der NYCH-Sachen aus den Zeiten zwischen 1980 und 2000 beweist Young mit „How Ya Doin`“, dass er nicht nur hart kann. Lieblicher Gesang, verträumte Gitarrentlinie und die Untermalung durch die Hammondorgel, zaubern einen melancholischen Song auf die Platte, die sich mit verlorengegangenen Gefühlen beschäftigt.

Das über 13 Minuten gehende Midtempostück „Boom Boom Boom“ rundet das Album ab und offenbart die spielerische Vielfältigkeit der Band. Kurze dezente Gitarrensoli zaubern eine zuweilen psychedelische Atmosphäre, in der sich auch jazzige Elemente wiederfinden.

Das schon vor über 20 Jahren aufgenommene „Toast“ zeigt, wie zeitlos die Musik Youngs ist, wobei seine Werke textlich meist sehr zeitkritisch sind. Für Neil Young-Fans ist das Album ein Muss, wer sich mit dem kanadischen Amerikaner bisher nicht befasst hat, hat mit diesem Album die Möglichkeit, das Spezielle an Neil Young und Crazy Horse zu erfahren, ohne auf ein „Greatest Hits“-Album zurückzugreifen.

Man darf gespannt sein, was Young noch so in seinem schier unendlichen Fundus finden wird, oder ob er vielleicht sogar noch ein absolut neues Album nachfolgen lässt. Schafft er bei den Studioalben gar noch die Fünfziger-Marke zu erreichen? Wenn man die CSNY- und Buffalo Springfield-Veröffentlichungen hinzuzieht, wäre diese allerdings schon weit überschritten.

Band:
Neil Young: guitar, piano, harmonica, vocals.
Billy Talbot: bass, vocals.
Ralph Molina: drums, vocals.
Frank Sampedro: guitar, piano, vocals

Reprise Records/Warner Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. Quit – are you passionate 2001
02. Standing In The Light Of Love
03. Goin`Home – are you passionate 2001
04. Timberline
05. Gateway Of Love
06. How Ya Doin`
07. Boom Boom Boom

Neil Young Archives
Oktober Promotion

Kamchatka – Support: Jail Job Eve – 23.06.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach mehreren Verschiebungen bedingt durch die Coronapandemie konnte das schwedische Powertrio Kamchatka endlich das aktuelle Album „Hoodoo Lightning“ promoten.

Als Support gaben sie der Osnabrücker Band Jail Job Eve die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Dies gelang den jungen Musikern, welche mit ihrer kraftvollen Mischung aus Blues-, Hard- und Melodic Rock beeindrucken konnten. Im Vordergrund stand die Fronterin Victoria Semel mit ihrer starken Rock- und Bluesstimme. Da es sich aber um eine Band handelt, hatten auch die anderen Musiker die Möglichkeit ihre spielerischen Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Benedikt Schlereth lieferte harte Gitarrenriffs, konnte aber auch gefühlvolle Soli, zuweilen sogar mit einem Southernflair oder slidend beisteuern. Auch Jens Niemann an den Keyboards legte einige feine Soli hin und unterlegte die Songs mit Soundteppichen.

Stark auch die Rhythmussektion um Drummer Josef Röhner, der die richtige Mischung aus powervollen Drumming und gefühlvoller Zurückhaltung bei den ruhigeren Nummern zeigte und Laurenz Gust der mit einem klar differenzierten Bassspiel mit einigen feinen Läufen überzeugen konnte.

Bei Ihren Songs nahmen die Musiker auch zum aktuellen Tagesgeschehen Stellung, wie bei „No Means No“, wo es um Gewaltsituationen geht, oder beim Titel „Lost“, wo es Sängerin Victoria Semmel gelang, das Publikum zum Mitsingen zu animieren und die Botschaft an die Frauen gesendet wird, sich auf die Bühnen der Rockmusik zu trauen und dass sie dort auch anerkannt werden. Im letzten Song „Riot“ zollte man noch Tribut für die russische Rockband Pussy Riot, die wegen ihrer zurecht kritischen Haltung zur Politik in Russland politisch verfolgt wird, was bis zur Inhaftierung der Musikerinnen führte.

Nach etwa 45 Minuten verließ die Band unter dem Applaus der Besucher die Bühne. In der Form ist von den jungen Musikern aus Osnabrück noch einiges in der Zukunft zu erwarten.

Line-up Jail Job Eve:

Victoria Semel – vocals
Benedikt Schlereth – guitar
Jens Niemann – Hammond Orgel
Laurenz Gust – bass
Josef Röhner – drums

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann soweit und die drei Musiker von Kamchatka betraten die Bühne und präsentierten einen Querschnitt von Songs von ihren Anfangszeiten bis zum letzten Album „Hoodoo Lightning“.
Krachend  begann das Trio mit „Perfect“ vom 2011er Album „Bury Your Roots“, um dann mit „Seed“ einen bluesgetünchten Song aus ihrem Debutalbum nachzulegen.

Thomas Juneor Andersson zeigte in diesen beiden Stücken seine Vielseitigkeit an der Gitarre, welche von knallharten Rockriffs, bis hin zur Rhythmusarbeit in Richtung ZZ Top ging. Bei den Soli, in denen er Elemente verschiedenster Musikstile miteinander verschmelzen ließ, spielte er sich zuweilen in einen Rausch, um dann aber wieder punktgenau in den jeweiligen Songs wieder anzukommen. Im Gesang wechselte er sich mit Bassist Per Wiberg ab, der insbesondere bei den stark bluesigen Stücken mit seiner etwas rauheren Stimmlage überzeugen konnte.

Dabei legte er fette Bassläufe hin, welche absolut differenziert erkennbar waren. Hier schon ein Lob an Harro Kleffmann, dem es gelang den gewaltigen Sound ins Piano zu zaubern, dass es auch trotz der Lautstärke sehr klar war.
Mit „Auto Mowton/Spacegirl Blues“, auch vom ersten Album, ging es im Hard Rock der 70er Jahre im Stile von Bands wie Mountain weiter, und es kam immer wieder zu jammenden Einlagen.

Hier ist auch Drummer Tobias Strandvik hervorzuheben, der an den Drums zuweilen ein Tempo vorlegte, dass die Drumsticks nur so durch die Luft wirbelten. Vom aktuellen Album präsentierten die Schweden das rockige „Rainbow Ridge“, „Blues Science“ mit Heavy-Elementen in Part I („Thunder Rise“), während der musikalisch sehr heterogene Part II („Hoodoo Lightning“) wieder die gesamte Bandbreite vom Blues bis zum Hard- oder Heavy Rock widerspiegelte.

Mit zwei Songs vom 2015er Album „Long Road Made Of Gold“ beendete die Band das Set krachend mit bluesigen Hard Rock. Stark der klare Gesang bei „Get Your Name On“ mit stakkatoartigem Gitarrenspiel von Andersson und der etwas rauhere Gesang von Wiberg bei „Human Dynamo“.

Nach lautstarken Zugabeforderungen legte die Band mit „TV Blues“ noch eine harte Tex-Bluesnummer nach, um mit dem jammenden „No“ ein klasse Konzert, welches die Fans nicht nur durch die Außentemperaturen zum Schwitzen brachte, zu beenden. Schon wenige Minuten nach dem Konzert fanden sich die drei Musiker am Merchandisingstand ein und nahmen sich reichlich Zeit für Gespräche und zum Signieren von Fanartikeln. So konnten die drei sympathischen Skandinavier neben der starken Musik weitere Pluspunkte bei den Fans verbuchen.

Line-up Kamchatka:
Thomas Juneor Andersson – vocals, guitar
Per Wiberg – bass
Tobias Strandvik – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Kamchatka
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Jail Job Eve
3Dog Entertainment

Jimmie Allen – Tulip Drive – CD-Review

Jimmie Allen ist nicht nur ein in der Country- und Pop-Szene gut vernetzter Musiker, sondern auch auch ein sehr familiärer Mensch. Erkennen kann man das an den bisherigen Titeln seiner zuvor veröffentlichten Alben.  Sein Debüt „Mercury Lane“ hebt den Namen der Straße hervor, in der er aufgewachsen ist. Der Nachfolger „Bettie James“ zollt seinen Großeltern Tribut (Bettie hieß seine Großmutter, James hieß sein Großvater), die für ihn eine immens wichtige Rolle im Leben gespielt zu haben scheinen.

Denn auch das aktuelle Album „Tulip Drive“, hat mit diesen zu tun, dort lebten diese nämlich bis zu ihrem Tode. Und zu guter Letzt beinhaltet das neue Werk auch noch mit der aktuellen Single „Down Home“ eine emotionale Aufarbeitung seiner Beziehung zu seinem verstorbenen Vater vor und nach dessen Tod. Seine TV-Premiere feierte die in den Medien hochgelobte Single in der „The Late Late Show“ bei US-Talkmaster James Corden.

Satte 17 Stücke umfasst der neue Longplayer, alle von Allen mit diversen aus dem Pop- und Nashville-Umfeld bekannten Co-Writern  wie u. a. Ashley Gorley, Zach Crowell,  Jesse Frasure, Brandon Day, Matt Jenkins, Jon Nite, Ross Copperman, geschrieben, und einer ebenso so großen Armada von Leuten wie Jason Evigan, Gian Stone, Ash Bowers , Vinny Venditto, Vic “BillboardKiller” Martin, Jesse Frasure, Keith Hetrick, Ilya Toshinskiy und Eric Torres zum Teil mit ihm selbst produziert.

Die Countrynote wird nur noch durch fein gespielte E-Gitarren (mit diversen schönen Kurz-Soli) und ein paar Alibi-Steel-Eingaben hochgehalten, der Hauptfokus ist mittlerweile klar in Richtung Pop mutiert. Das kann man auch klar an den Gastpräsenzen bei den Duetten ablesen, die sich ausschließlich aus dieser Sparte mit Interpreten CeeLo Green & T Pain, Katie Ohh, Aadyn und last but not least Superstar und Latino-Diva Jennifer Lopez beim, von beiden inbrünstig gesungenen „​On My Way““ rekrutieren.

Alle Songs bestechen durch eine gewisse sommerliche Leichtigkeit und eine angenehm ins Ohr fließende Melodik, so dass eine durchgehende Radiotauglichkeit attestiert werden kann. Fans von Acts wie u. a. Thomas Rhett, Old Dominion oder Brett Young & Co. sind hier an der richtigen Adresse.

Aus dem Rahmen fällt dabei „Pesos“, das die typische südamerikanische Lebensfreude im Samba-Manier (mit Mariachi-Trompeten im Hintergrund) perfekt widerspiegelt. Alle anderen Tracks von Jimmie Allens neuer CD laden geradezu zum relaxten Cruisen in einem Cabriolet bei seichten Temperaturen ein, und dabei muss man sich keinesfalls nur auf den „Tulip Drive“ beschränken…

Stoney Creek Records / BBR Music Group / BMG (2022)
Stil: New Country (Pop)

Tracklist:
01. Be Alright
02. What I’m Talkin Bout
03. Kissin You
04. ​Down Home
05. Settle On Back
06. Pesos (feat. CeeLo Green & T Pain)
07. Love In The Living Room
08. ​On My Way (feat. Jennifer Lopez)
09.Broken Hearted (feat. Katie Ohh)
10. Habits & Hearts
11. Right Now
12. Wouldn’t Feel Like Summer
13. Undo
14. Get You a Girl
15. Keep Em Coming
16. Every Time I Say Amen
17. You Won’t Be Alone (feat. Aadyn)

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Black Stone Cherry – Live From The Royal Albert Hall… Y’All – Do-CD-/BluRay-Review

Ich glaube für jeden, der sich anstellt, erfolgsorientiert Musik zu betreiben, ist die Royal Albert Hall so etwas, wie das Maß der Dinge, ähnlich vielleicht wie der Mount Everest für einen Bergsteiger. Von solchen Locations geht eine enorme Symbolkraft aus, wer es bis hier geschafft hat, zählt zu einem erlesenen Kreis, dem nicht jeder Hinz und Kunz angehört.

Für die aus Kentucky stammende Formation Black Stone Cherry hatte sich am 29. September 2021, im Jahr ihres 20-jährigen Bandjubiläums, und als krönender Abschluss ihrer Großbritannien-Tour, dieser lang gehegte Traum, erfüllt. Das Konzert des Quartetts im ausverkauften Rund an diesem Abend wurde dabei für ihre Fangemeinde als tolles BluRay-Do-CD-Package festgehalten (klasse gefällt mir besonders die Comic-artige-Illustration).

Nicht mehr dabei war Gründungsmitglied Jon Lawhon am Bass, Drumtechniker Jeff Boggs assistierte mit ein paar sporadischen Percussionzugaben. Im Prinzip verlief auch dieser Abend nach ähnlichem Schema, wie ich die Band bei ihrem Auftritt 2018 im Kölner E-Werk erlebt hatte. Lediglich im Innenraum ging es aus gutem Grund diesmal etwas gesitteter zu.

Ein ziemlich dynamischer Gig mit einer Mischung aus Southern-, Hard- und Heavy Rock-Anleihen, wobei die beiden E-Gitarristen Chris Robertson und der agile Wirbelwind Ben Wells (zum Teil auch mit Twins), die sich bei den Ansagen abwechselten, für das Südstaaten-Element und sich die Rhythmussektion, bestehend aus Dauerpolterer John Fred Young und Neu-Bassist Steve Jewell Jr., für den zumeist explosiv voran preschenden Charakter der Stücke, verantwortlich zeigte.

Auswirkungen auf die Setliste hatte natürlich das in der Zwischenzeit erschienene Album „The Human Condition„, das mit Tracks wie u. a. „In Love With Whe Pain“, „Again“ und „Ringin‘ In My Head“ repräsentiert wurde. Klar, dass an so einem außergewöhnlichen Abend, dann auch Klassiker und Fan-Favoriten wie „Cheaper To Drink Alone“, „Blind Man“, „Hell And High Water“, „Blame It On The Boom Boom“ und „White Trash Millionaire“ nicht fehlen durften.

Emotionalster Moment ist sicherlich, als Fronter Chris Robertson bei „Things My Father Said“ im Lichtermeer der Handys mit Tränen in den Augen seinem verstorbenen Vater dieses nicht mehr erlebte Karrierehighlight zu Teil werden ließ.

Auf der BluRay wird das Live-Material immer wieder mal kurz mit Interviews hinter den Kulissen (u. a. mit dem Vorsitzenden des Fanclubs), Aufnahmen von der Bühne und Archivaufnahmen, die die Band in ihren Anfängen zeigen, sowie mit Ausschnitten aus ihrer ersten UK-Tournee, unterhaltsam ergänzt.

Wer die Band in diesem Jahr wieder live in unseren Sphären erleben möchte, kann dies im Herbst bei folgenden geplanten Terminen umsetzen:

12.09. Köln – E-Werk
14.09. Hamburg – Markthalle
21.09. Berlin – Metropol
22.09. A-Wien – Arena
24.09. München – Tonhalle
27.09. CH-Zürich – Komplex 457
28.09. Stuttgart – LKA Longhorn

Mascot Records (2022)
Stil: Rock

CD One:
01. Me And Mary Jane
02. Burnin‘
03. Again
04. Yeah Man
05. In My Blood / Island Jam
06. Ringin‘ In My Head
07. Like I Roll
08. Cheaper To Drink Alone

CD Two:
01. Hell And High Water
02. Soulcreek
03. Devil’s Queen
04. Drum Solo
05. Things My Father Said
06. In Love With The Pain
07. Blind Man
08. Blame It on The Boom Boom
09. White trash Millionaire
10. Lonely Train
11. Peace Is Free

BluRay (Full Show):
01. Me And Mary Jane
02. Burnin‘
03. Again
04. Yeah Man
05. In My Blood / Island Jam
06. Ringin‘ In My Head
07. Like I Roll
08. Cheaper To Drink Alone
09. Hell And High Water
10. Soulcreek
11. Devil’s Queen
12. Drum Solo
13. Things My Father Said
14. In Love With The Pain
15. Blind Man
16. Blame It On The Boom Boom
17. White Trash Millionaire
18. Lonely Train
19. Peace Is Free

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Kat Riggins – Progeny – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach ihrem 2020‘er Album „Cry Out“ kommt nun am 24. Juni ihr neuestes Werk in die Läden. Dabei hat der Titel des Albums für die Sängerin durchaus eine symbolische Bedeutung. Mit „Progeny“, übersetzt „Nachkommenschaft“, möchte Kat Riggins ihren Eltern Anerkennung zollen und sie für die Werte und Erziehung, die sie ihr mit auf den Weg gegeben haben, ehren. Es ist ein Album mit zwölf sehr persönlichen Songs über Stärke, Freude, Frieden und auch Gott geworden.

Erscheinen wird das Werk wieder bei Mike Zitos Gulf Coast Records. Und natürlich ist er auch diesmal als Gitarrist mit dabei. Zur weiteren Unterstützung für Kat Riggins’ musikalisches Vorhaben kommen außerdem zahlreiche von Mike Zito handverlesene Musiker hinzu: Albert Castaglia als weiterer Gitarrist, der Rapper Busta Free, Matthew Johnson am Schlagzeug (u. a. Hadden Sayers, Sari Schorr, Vanja Sky), Doug Byrkit (Bassist bei Odds Lane), der Keyboarder Lewis Stephens (Mike Zito and Friends) und die Chicagoer Bluesgitarristin Melody Angel.

Die meisten Titel auf dem Album bewegen sich zwischen souligen Bluesballaden („Got To Be God“, „Cross The Line“ und „Sinkin‘ Low“), harten Bluesrock Krachern („Walk On“, „Warriors“, „Espresso“, „Promised Land“) und groovigen Fetzern („My City“und „40 25:40“), allesamt richtig gut.

Herausragend sind für mich persönlich allerdings drei andere Songs. „In My Blood“ ist ein radiotauglicher und fröhlich-schmissiger Shuffle mit Rock‘n‘Roll Attitude und hebt sich dadurch auffallend von den übrigen Nummern ab. Auch das Gospel-Zwischenspiel „Walk With Me Lord“, A-capella vorgetragen und mit Vogelgezwitscher garniert, ist wohltuend anders und regt zum Nachdenken an. Als dritter Titel im Bunde ist dann noch das langsame im Chicagostil gespielte „Woahman“ mit der noch jungen Bluesgitarristin Angel Melody, von der künftig bestimmt noch viel zu hören sein wird.

„Progeny“ ist also gelungenes, starkes Album auf dem Kat Riggins mit ihrer kraftvollen Stimme, begleitet von wunderbaren Musikern, Elemente des Blues, des Rock und auch des Soul mit einander verbindet und so ihren eigenen Stil vertieft und gekonnt weiterentwickelt. Mit „Progeny“ dürfte sich Kat Riggins endgültig einen Platz unter den besten zeitgenössischen Bluessängerinnen verdient haben.

Label: Gulf Coast Records
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Walk On
02. Sinkin‘ Low
03. Espresso
04. Got To Be God
05. Warriors
06. In My Blood
07. Walk With Me Lord (Interlude)
08. Promised Land
09. My City (Feat. Busta Free & Albert Castigliani)
10. Cross The Line
11. Woahman (Feat. Melody Angel)
12. Mama
13. 40 25:40

Kat Riggins
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Bywater Call – 11.06.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

In Rheinberg, meiner Heimatstadt, in der ich jetzt 56 meiner insgesamt 59 Lenze wohnhaft bin, war am letzten Wochenende Stadtfest, das Corona-bedingt, jetzt schon diverse Male abgesagt worden war. Verlass beim musikalischen Rahmenprogramm war, wie sooft in der Vergangenheit, wieder mal auf die Ideenlosigkeit der kulturell Verantwortlichen in diesem Ort, die sich, wie gewohnt, überwiegend auf Amateur-Coverbands fokussiert hatten.

Gottseidank, gibt es (natürlich auch in Rheinberg, wir haben mit dem Schwarzen Adler und dem to hoop zwei gute Clubs) genug Menschen, die entsprechende Synapsen zu solchen Dingen in ihrer DNA verankert haben, einer davon ist sicherlich Markus ‚Pille‘ Peerlings, der mit seiner liebevoll und kreativ geführten Kulturrampe in Krefeld, trotz begrenzter Mittel, immer wieder für ein, von Diversität und hochklassigem Niveau geprägtes Angebot mit seinem Namen steht.

So war an diesem Abend die Entscheidung leicht, denn das aus Toronto, Kanada, stammende Septett Bywater Call hatte sich nach ihrem begeisternden Auftritt vor knapp 2 1/2 Jahren wieder an gleicher Stätte angesagt. Also klarer Fall, klimaneutraler Fingerabdruck hin oder her, statt die bequeme Variante zu Fuß in Rheinbergs Innenstadt zu wählen, ab ins 25 km entfernte Krefeld.

Ehrlicher Weise muss ich attestieren, dass während des Gigs auch nicht alles ganz rund lief. Die Band wirkte am vorletzten Abend ihrer ausgiebigen Europa-Tournee etwas ausgelaugt, die Fronterin Meghan Parnell schien gesundheitlich angeschlagen (sie hüstelte immer wieder und klammerte sich oft an ihr Wasserglas), es gab kleinere technische und spielerische Pannen, was aber guten den Gesamteindruck des Gigs absolut nicht in Frage stellen soll.

Bywater Call eröffneten mit „One Before“ und spielten sich im weiteren Verlauf durch ein zweiteiliges Set, das schon mit Stücken aus ihrem demnächst erscheinenden neuen Album „Remain“ (vor Ort konnte man es schon am Merchandisingstand erwerben) gespickt war. Ihr jam-soul-rockiger, spielfreudiger Stil auf Basis einer stimmstarken Frontfrau, erinnerte natürlich immer wieder an die Tedeschi Trucks Band.

Basierend auf starker Rhythmusgrundlage durch Drummer Bruce McCarthy und Mike Meusel (mit markantem Groove) konnte sich der Rest der Musiker in den instrumentellen Zwischenteilen immer wieder mit Soli profilieren. Gitarrist Dave Barnes, der mich rein optisch eine eine Kreuzung aus Derek Trucks und Robert Habeck erinnerte, griff natürlich auf die Trucks-typischen Slide-Soli zurück, die beiden Blasmusiker Stephen Dyte und Julian Nalli hatten auch Spaß am Betätigen der vor ihnen stehenden Cowballs, die sie hier und da als perkussive Unterstützung für McCarthy einsetzten.

Meine Favoriten des Abends waren die schöne Ballade „Remain“ und der BC-Song mit dem bislang wohl höchsten Wiedererkennungswert „Silver Lining“. Am Ende sammelten die Musiker nochmals alle ihre Kräfte und erfüllten die lautstark geforderte Zugabe der begeistert mitgehenden Rampenbesucher mit „AM“, wo alle Involvierten nochmals namentlich vorgestellt wurden und sich mit ihren Kurzsoli ‚in eigener Sache zeigen‘ konnten.

Am Ende stellte sich, trotz der kleinen marginalen Beanstandungen, die Entscheidung, Bywater Call in der Kulturrampe zu besuchen, als richtig heraus. Man sollte kreativen Acts immer den Vorzug vor Coverbands geben. Und das kann man in diesen urigen Clubs wie der Rampe einfach am besten!

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Bywater Call
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld