Ronnie Dunn – Same – CD-Review

Nach dem Ende von Brooks & Dunn nun das erste Solo-Album von Ronnie Dunn, der markanten Stimme von Brooks & Dunn. Ein tolles Werk, das nahtlos an die Musik von Brooks & Dunn anknüpft, gleichzeitig aber wie ein erfrischender Neustart wirkt. Nach fast zwanzig-jährigem Bestehen, 30 Millionen verkauften Tonträgern, 26 Nummer-Eins-Hits und mehr Awards (CMA und ACM) als jeder andere Country-Act dieses Universums, hatten Brooks & Dunn 2009 beschlossen, ihre gemeinsame Karriere zu beenden und fortan getrennte Wege zu gehen.

Während es um Kix Brooks bisher recht still geblieben ist, hat der in Coleman, Texas geborene (natürlich aber schon lange mit seiner Familie in Nashville lebende) Ronnie Dunn bereits seit geraumer Zeit am Start einer erfolgreichen Solo-Karriere gearbeitet. Nun endlich liegt das Produkt monatelanger, akribischer Arbeit in Form eines zwölf Stücke umfassenden, von ihm selbst produzierten, ersten Albums vor. Ronnie Dunn hat sich hervorragend auf die neue Situation vorbereitet, natürlich nichts dem Zufall überlassen, ja lt. eigener Aussage, wie ein Besessener an den neuen Songs nuanciell immer wieder herumgefeilt, bis er teilweise von seiner Gattin Janine regelrecht aus dem hauseigenen Studio gezerrt werden musste.

Der Aufwand hat sich letztendlich gelohnt, Ronnie Dunn legt mit seinem nach sich selbst betitelten Silberling ein tolles Debüt hin. Die CD beginnt direkt mit einem furiosen, zusammen mit Hitschreiber Craig Wiseman komponierten, fulminant abgehenden Countryrock-Kracher. „Singer In A Cowboy Band“ heisst die Nummer, und niemand anderes weiss wohl besser, wovon er da singt, als dieser Ronnie Dunn. Ein klasse, etwas an John Fogerty zu seiner erfolgreichen Creedence Clearwater Revival-Zeit erinnerndes E-Gitarren-Führungsriff, jede Menge Dampf, schönes Orgelwummern, furios Gas gebende Drums und fette E-Gitarrenarbeit, inklusiv zweier Soli, machen mächtig Alarm. Wow, das geht ja gut los.

Nach soviel Elan zu Anfang, tritt Dunn zunächst das Bremspedal in Form zweier schöner, balladesker Nummern („I Don’t Dance“ und „Your Kind Of Love“), die seine außergewöhnlichen Stimme in den Brennpunkt des Geschehens stellen. Wunderbar passend dazu die teilweise bluesige E-Gitarrenarbeit (herrliche Soli) der Gitarristen und die zu Ronnie hervorragend harmonierenden weiblichen „Backs“ von solch starken Sängerinnen wie Kim Keyes und Melodie Crittenden. Überhaupt wurde bei diesem Album an nichts gespart.

Prominente Gastschreiber neben dem bereits genannten Craig Wiseman wie David Lee Murphy, Terry McBride (McBride & The Ride), Dallas Davidson, Bobby Pinson an Ronnies Seite und ein Riesen-Sammelsurium an Ausnahme-Musikern (alle vertretenen Instrumente teilweise drei- bis vierfach besetzt, mit dabei u.a. Bryan Sutton, John Willis, Michael Rhodes, Jimmy Lee Sloas, Mike Brignardello, Glenn Worf, Chad Chromwell, Shannon Forrest, Kenny Greenberg, Troy Lancaster, J.T. Corenflos, Eric Darken, Jim Brown, Chalie Judge, Joe Hardy, Reese Wynans, Paul Franklin und, und, und…) lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Dunn auch als Solokünstler sofort in gewohnter Manier durchstarten wird.

Für die Retro-Momente des Longplayers stehen das launig rockende, in toller, mexikanischer Mariachi-Tradition gebrachte „How Far To Waco“ (da sieht man sich innerlich beim Genuss des einen oder anderen Tequillas und leckerer, scharfer Tortillas in einer Bar hocken und dazu die mit ihren Sombreros bestückten mexikanischen Gringos auf ihre unnachahmliche Art in ihre Blasinstrumente tröten), sowie das ein wenig Roy Orbinson-Espirit verströmende, sehr eingängige „I Just Get Lonely“.

Auffällig, dass Dunn bei vielen Stücken durch das teilweise Weglassen des Schlagzeugs in den Erst-Strophen oder auch komplett (wie bei „Cost Of Livin’“ oder dem piano-trächtigen Finalstück „Love Owes Me“) seine Stimme recht markant und wohl auch bewusst in den Mittelpunkt rückt (und wer kann es ihm bei so einem tollen Organ auch verdenken). Der Mann, wie auch sein Album strotzen regelrecht vor Selbstbewusstsein!

Die wunderschöne, wieder vornehmlich piano-betonte Ballade und erste Single „Bleed Red“ (bereits unter den Top-Ten der Billboard Country Sinles-Charts mit steigender Tendenz), inklusive ihrer durchaus emotional gebrachten, aber ohne übertriebenes Pathos auskommenden „Alle Menschen sind gleich“-Botschaft, das flotte „Once“ (schöner, flockiger E-Gitarren-Rhythmus, Orgeltupfer, Steelfills, poppiger Refrain, Slide-Solo) und der stramme, groovige Southern-Rocker „Let The Cowboy Rock“ (gerne Ronnie! – weibliche Harmonies, Skynyrd-Flair, heulende E-Gitarren plus Solo) runden ein kurzweiliges, sehr abwechslungsreiches Gesamtwerk ab, mit dem Ronnie Dunn seine Avancen als einer der potentiellen Platzhirsche Nashvilles eindrucksvoll anmeldet.

Ein tadelloses, perfekt konstruiertes und auf Top-Major-Niveau umgesetztes, beeindruckendes New-Country-Album, das ohne jeden Zweifel an die erfolgreiche Brooks & Dunn-Ära anknüpft. Well done, Ronnie Dunn!

Sony Nashville (2011)
Stil:  New Country

01. Singer In A Cowboy Band
02. I Don’t Dance
03. Your Kind Of Love
04. How Far To Waco
05. Once
06. Cost Of Livin‘
07. Bleed Red
08. Last Love I’m Tryin‘
09. Let the Cowboy Rock
10. I Can’t Help Myself
11. I Just Get Lonely
12. Love Owes Me One

Ronnie Dunn
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Robin English – Same – CD-Review

Zu ihren Fürsprechern zählen viele prominente Musiker (Willie Nelson, Jeffrey Steele) und Produzenten (Paul Worley, Kyle Lehning). Hal Ketchum beispielsweise sagte einmal über sie. „Robin English is a pure artist who needs to be heard… the sooner the better“. Die Gelegenheit dazu bietet sich ab jetzt, denn ihr gerade erschienenes Debütalbum ist ab sofort lieferbar. Wie so viele Künstler im Country-Bereich, stammt die geborene Texanerin aus einer musikbegeisterten Familie.

Irgendwann entschloss sie sich nach Nashville zu gehen und versuchte zunächst in der dortigen Clubszene Fuß zu fassen. Sie spielte und sang in einer Band namens „Young Riders“, zu denen auch Leute wie Blake Shelton, Rachel Proctor und Ryan Murphey zählten. Im Jahre 2000 hatte Robin bereits einen Plattenvertrag, nahm eine recht erfolgreiche Single auf, fiel aber letztendlich Umstrukturierungen bei Sony zum Opfer. Sie arbeite jedoch weiter hartnäckig an ihrem Erfolg, schrieb fleißig Songs und schaffte es als Support von vielen namhaften Künstlern wie Clint Black, Brad Paisley, Joe Diffee, Mark Chesnutt und Willie Nelson bei Live-Gigs auf sich aufmerksam zu machen.

Das Independant-Label Aspirion/Brass Ring Records schlug nun zu und offerierte ihr den längst fälligen Platten-Deal. Was Robin auf ihrem ersten Album bietet, ist beste New Country-Unterhaltung mit wohl dosierten und geschickt eingesetzten, sowohl poppigen, als auch bluesigen, rootsigen und sehr traditionellen Momenten. „I’m The One“, die erste Single, eröffnet die Scheibe sehr entspannt und melodiös! Eine wunderschöne Ballade mit glasklarer Akustikgitarrenuntermalung, wunderbaren Mandolineneinlagen, relaxter E-Gitarre und dezenten Harmoniegesängen. Der Vergleich zu Chely Wright kommt hier, auch aufgrund einer gewissen äußerlichen Ähnlichkeit, nich von ungefähr.

Einen oben drauf setzt dann noch das folgende Stück „Baby, You’re The Man“, mit seinen satten Drums-/Akustik-/E-Gitarren-Rhythmen, der klasse Orgel, den dezenten Mandolinen-Tupfern und starken Background-Vocals. Robins dezent „rauchige“ Stimme im Strophenbereich, bis zur Variation in helleres Shania Twain-mäßiges „Ziehen“ der Zeilenend-Silben und ein unaufdringliches E-Gitarren-Solo machen den Song zum Highlight. Hervorragend! Im weiteren Verlauf wechseln flottere Midtempo-Nummern und balladeskere Stücke in einem recht gut gewähltem Verhältnis. Bei ihren Mixturen aus Blues, Roadhouse Rock und astreinem Country („Yello Rose In Me“ und „Cotton Field Girl“, – eine textlich und musikalisch tolle Hommage an ihre Großmutter), kommen einem gar Vergleiche zu Eve Selis in den Sinn. Hier beweist Mrs. English auch zum Teil ihr herausragendes Können an der Mundharmonika.

Natürlich wird auch der Nashville-Mainstream bedient, die Übergänge sind aber trotzdem recht fließend. Gerade bei den poppig angehauchten Sachen bleiben die Vergleiche mit den bereits erwähnten Chely Wright (bei ruhigeren Stücken wie „Hello Me“, „Least I Can Do“) und Shania Twain (besonders beim herrlich flotten „Enjoy The Ride“, mit exzellentem E-Gitarren-Solo von Jeff King) nicht aus. Enthält noch zwei Bonustracks mit „Child In Me“, einem recht „kitschigen“ Weihnachtslied, sowie einer klasse, im Text leicht veränderte Coverversion des alten Ed Bruce-Standards „Mama’s Don’t Let Your Cowboys Grow Up To Be Babies“ (man beachte schon die lustige Veränderung im Titel), im typischen Honky Tonk-/Outlaw-Flair, wo dann auch die obligatorische Steelguitar zum Einsatz kommt.

Ein prima Album mit vielen starken Musikern und einer Robin English, die in Sachen Songwriting (alle Stücke aus eigener Feder), Gesang (sehr variabel), instrumentalem Können (klasse Harmonikaspiel) und auch bei der Produktion Akzente zu setzen weiß. Ein umfangreiches Booklett mit allen Texten ist natürlich auch dabei. Rundum ein klasse Debüt. Diese Dame sollten die Majors im Auge behalten!

Eigenproduktion (2006)
Stil:  New Country

01. I’m The One
02. Baby You’re The Man
03. Lion And The Lamb
04. Hello Me
05. Yellow Rose In Me
06. Mission Of Mercy
07. Cotton Field Girl
08. Least I Can Do
09. Wake Up Loving You
10. I’m Yours
11. Enjoy The Ride
12. Child In Me (A Christmas Song)
13. Mama Don’t Let Your Cowboys Grow Up To Be Babies

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Jace Everett – Same – CD-Review

„I can definitely say this is an honest record from top to the bottom“, so lautet der Kommentar von Jace Everett selbst zu seinem Debütalbum. Und wenn man sich mit seinem Background beschäftigt, die zehn auf der CD befindlichen Songs gehört und seine Texte aufgenommen hat, bleibt einem nur die profane Feststellung. Der Bursche hat recht! Das Teil ist nicht mehr und nicht weniger als ein ungemein knackiges, überwiegend mit satten Gitarren garniertes, dynamisches, voller herrlicher, melodischer Songs steckendes, zündendes Country-/New Country-Prachtwerk ohne jede Schwachstelle, das in Nashville und bei den Fans für ordentlich Furore sorgen sollte!

Jace Everett wurde in Evansville/Indiana geboren, zog aber mit seinen Eltern nach Texas, als er gerade sechs Jahre alt war. Musikalisch dominierten im Hause Everett Countryklänge und auch ein wenig Elvis. Jace begann früh in Kirchenbands zu singen und Bass zu spielen. Für sein Studium ging er nach Nashville, brach es aber ab, als er die Gelegenheit bekam, mit einem Freund ein mehrmonatiges Arrangement in einer Coverband in Europa anzunehmen. In Monaco lernte er seine Frau kennen, mit der er einen Sohn hat.

Man zog zusammen zurück nach Texas, Jace beendete sein musikalisches Wirken vorerst und arbeitete als Konstrukteur. Seine Ehe scheiterte jedoch (möglicherweise unter anderem weil, wie es auch so mancher Songtext vermittelt, der blendend aussehende James Dean-Typ den weiblichen Reizen nicht abgeneigt schien…), Frau und Kind gingen zurück nach Monaco und Jace zog es wieder nach Nashville, wo er sich mit diversen Jobs mehr schlecht als recht durchschlug. Er begann wieder für aufstrebende Musiker Bass zu spielen und erhielt schon nach kurzer Zeit einen eigenen Major-Deal, der aber nach personellen Veränderungen in der Führungsebene des Labels gekänzelt wurde.

Trotzdem, sein großes Songwriter- und Gesangstalent (Everett hat eine kräftige, ganz großartige, sehr angenehme Stimme) blieb den entscheidenden Leuten in Music City keineswegs verborgen, ergatterte er relativ schnell danach erneut einen Vertrag mit Sony Nashville. Ergebnis ist dieses exzellente Debut! Everett liefert ein ziemlich kompaktes, sich neben seiner eigenen individuellen Klasse auch dank der vielen brillanten Studiomusiker (u. a. James B. Lowry, JT Corenflos, Mike Brignardello, dem überragenden Russ Pahl, Tony Harrel, Eric Darken, Shannon Forrest) auf höchstem musikalischem Level bewegendes Werk ab, das zusätzlich mit klasse Texten glänzt, mal amüsant, mal selbstkririsch und oft sehr autobiographisch.

In Bezug auf die knackige, teils durchaus rockige und kraftvolle musikalische Umsetzung brachte es letztlich ein amerikanischer Kritiker mit den Worten „It’s a musical biography of hell-raising rockers and soul-baring ballads“ bestens auf den Punkt, wobei die dynamischen Uptempo-Nummern klar im Vordergrund stehen! Er selbst ist an sechs Stücken beim Songwriting beteiligt, dazu kommen viele namhafte Komponisten der Szene (Casey Beathard, Chris Stapelton, Stephany Delray, Bob DiPiero, James Leblanc). Produziert haben keine geringeren als Mark Wright und Greg Droman.

Die tollen Opener „Everything I Want“ (starkes Banjo, fette E-Gitarren-Licks) und „That’s The Kind Of Love I’m In“ (herrlich flockig und dynamisch) bestechen durch Jace’s coolen Gesang und ihre countryrockig-typische Art voller unterschwelligen Power. Großartig dabei das unaufdringliche und sehr harmonische Zusammenwirken vom Akustik-, E-Gitarren und Orgel mit den knackigen Drum- und Basstönen. Das lüsterne „Bad Things“, von Everett allein komponiert, brilliert mit einem tollen, mystischen, leicht psychedelischen Chris Isaak-Flair und einem dezenten Rockabilly-Ansatz. Herrlich das integrierte E-Gitarren-Solo. Southern-bluesig mit dreckiger Harmonica, Honkytonk-Piano und starken Slideriffs wird es bei dem fetten, Boogie-mäßigen „I Gotta Have It“. Texas-Recke Radney Foster und Bobby Houck, der großartige Frontmann von South Carolinas Vorzeige Rootsrockern, den Blue Dogs (man beachte auch deren grandiose Originalversion auf ihrer 2004er Scheibe „Halos and good buys“) haben die traumhaft melodische Midtemponummer „Half Of My Mistakes“ komponiert; die Jace nun wunderbar covert.

Eine herrlich warme, schön entspannte Texas-Atmosphäre dominiert dieses tolle Stück. Das Steel-lastige, richtig locker, flockig und fröhlich dahinschwingende „The Other Kind“ (kleines Duell zwischen Steel- und E-Gitarre), gefolgt vom überragenden Honkytonk-Southern-Rocker Marke Skynyrd/Warren Brothers „A Little Less Lonely“ (klasse Piano; Everett röhrt am Ende wie Johnny Van Zant) und der in Montgomery Gentry-Manier gebrachte Mitgröler „Gold“ sind die nächsten „Earcatcher“ der CD. Die beiden autobiographischen „Nowhere In The Neighbourhood“ (erinnert im Refrain von der Melodie her entfernt an Cat Stevens’ „Father And Son“) und „Between A Father And A Son“ spielen noch einmal auf Everett’s bewegte Vergangenheit an und sind von daher recht emotional, aber immer noch schön knackig, in Szene gesetzt – wie immer, mit tollen Melodien und feinen instrumentellen Finessen der Nashville-Studioartisten, die auf diesem Werk augenscheinlich ihr bestes geben (Everetts O-Ton. „Weltklassemusiker“).

Jace Everett ist ein sehr starkes, modernes, frisches und kurzweiliges Album gelungen, auf dem man, wir erwähnten es bereits, Schwächen vergebens sucht. Herlicher Stoff für Freunde junger, wilder und unverbrauchter Interpreten wie Brian McComas, The Warren Brothers, Drew Womack, Steve Azar, Dean Miller, Jason Aldean, Bobby Pinson & Co!. Bitte mehr davon…

Sony Music Nashville (2006)
Stil:  New Country

01. Everything I Want
02. That’s The Kind Of Love I’m In
03. Bad Things
04. I Gotta Have It
05. Half Of My Mistakes
06. The Other Kind
07. A Little Less Lonely
08. Gold
09. Nowheere In The Neighborhood
10. Between A Father And A Son

Jace Everett
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Sara Evans – Stronger – CD-Review

Sara Evans is back! Nach fast sechsjähriger Abstinenz kehrt eine der großen, mit unzähligen CD-Verkäufen und zig Auszeichnungen prämierten Sängerinnen der New Country-Szene mit einem neuen Studioalbum zurück. Obwohl sie nicht völlig untätig war (es gab neben Fernsehaktivitäten auch das eine oder andere schöne Duett mit Leuten wie Pat Green oder Brad Paisley) hatte es in der Zwischenzeit lediglich zu einer Greatest Hits-Kompilation gereicht, Schlagzeilen hatte sie aber eher durch den öffentlich ausgetragenen Scheidungskrieg mit ihrem Ex-Ehemann Craig Schelske gemacht. Seit sie mit dem früheren Quaterbeck der Alabamy University Jay Barker verheiratet ist, haben sich die Wogen jedoch wieder geglättet und damit scheint Sara auch wieder den Kopf für ihre eigentliche Passion frei bekommen zu haben.

Der Titel des neuen Werks „Stronger“ ist jedenfalls äußerst passend gewählt. Man erlebt eine Sara Evans so stark wie lange nicht. Ja, ihre Musik wirkt spürbar befreit. Fünf der zehn durchgehend starken Kompositionen hat sie dabei als Co-Autorin mitgestaltet. Das Album wird durch „Desperately“ eröffnet, ein Song, der mit einem swampigen Banjo-Intro startet, aber dann durch ein poppiges Ambiente, mit einem sehr fluffigen Refrain Marke Sugarland abgelöst wird. Geschrieben übrigens mit ihrem Langzeit-Mitkomponisten Marcus Hummon, der auf allen ihrer bisherigen Werken vertreten ist. Klasse!

Ganz großes New Country-„Kino“ bietet dann der Titelsong „A Little Bit Stronger“, der ihr von Lady Antebellum-Sängerin Hillary Scott (und Luke Laird sowie Hillary Lindsey als Co-Autoren) beigesteuert wurde. Tolle E-Gitarrenarbeit, zunächst entspannter Gesang, der dann von einem Powerrefrain abgelöst wird, Steelguitar-Fills, Mandolinengezirpe, voluminöse Gitarrenläufe, klasse Solo am Ende, alles was, eine mitreißende Powerballade des Genres auszeichnet. Das Lied ist auch Bestandteil des Soundtracks zum Film „Country Strong“ mit Gwyneth Paltrow und Tim McGraw als beteiligte Schauspieler. Der alte Rod Stewart-Song „My Heart Can’t Tell No“ wurde mit einem Hauch von Melancholie in eine schöne, typische Countryballade (mit heulenden Steel-Fills) umgewandelt. „Anywhere“ kommt wie ein Beweis für die Rückkehr zu Saras neu gewonner Fröhlichkeit daher. Ein rhythmischer, mit Banjo, E-Gitarren und Orgel-Pfeifen durchzogener Track mit euphorischem Refrain, der einfach nur gute Laune verbreitet.

Eine emotionale Ballade im Stile der ‚Grand Dames’ der Szene ist „Alone“. Eine traurige Fiddle und filligranes Dobrospiel dominieren dieses unter die Haut gehende Lied. Grandiose, quirlig gespielte Akustikgitarrenarbeit zieht sich wie ein roter Faden durch „Ticket To Ride“ (hierbei handelt es sich aber nicht um eine Coverversion des Beatles-Klassikers). Die dazu kommende E-Gitarre ähnelt ein wenig Keith Urban zu seiner The Ranch-Zeit. Am Ende des Stückes brilliert Sara mit der ganzen Kraft ihrer Stimme und wird dann von einer tollen Instrumentalpassage abgelöst. Stark! Peppigen New Country-Stoff bietet dann „Life Without Losing“, der Refrain hat ein wenig Stevie Nicks-Flair. „Frau verliert ihren betrunken fahrenden Ehemann bei einem Verkehrsunfall“ lautet die Thematik von „What That Drink Cost Me“, verpackt in eine weitere typische emotional besungene Countryballade, durchtränkt mit Steel, Fiddle und Mandoline.

„Wildfire“ erinnert mit seiner leicht blumigen Retro-Note an Sachen von Little Big Town. Den zweiten ganz großen Höhepunkt der CD (neben dem Titelsong) hat sich Sara für’s Ende aufgespart. Und zwar eine Bluegrass-Version ihres wohl größten Hits „Born To Fly“ (damals „Video of the year“). Herrlich, da sieht man sie vorm geistigen Auge auf der Veranda einer schönen Villa sitzen und singen, umkreist von den ganzen Klassemusikern, die ihre Finger über die ganzen verwendeten Saiteninstrumente (Banjo, Dobro, Akustikgitarre) fliegen lassen und dazu einen grandiosen, stampfenden (Percussion) Groove erzeugen. Einfach phänomenal gespielt und ein großartiger Abschluss zugleich! Mit „Stronger“ ist Sara Evans ein tolles Comeback gelungen.

Ein echtes Major-Album, mit erstklassigen Songschreibern, tollen Musikern (das bekannte Who-Is-Who der Nashville- Studiomusikergilde, das sich hier wohl ganz besonders ins Zeug gelegt hat) und einer augenscheinlich wieder erstarkten Protagonistin. Im Klappbooklet sind dazu schöne Fotos einer strahlenden Künstlerin und alle Texte abgebildet. Produziert haben der junge, ehrgeizige Nathan Chapman, Urgestein Tony Brown und Marti Frederiksen. Sara Evans’ Rückkehr mit „Stronger“ unter die großen weiblichen New Country-Interpretinnen Nashvilles ist überaus eindrucksvoll gelungen! Bestnote dafür von uns!

Mercury Records (2011)
Stil:  New Country

01. Desperately
02. A Little Bit Stronger
03. My Heart Can’t Tell You No
04. Anywhere
05. Alone
06. Ticket To Ride
07. Life Without Losing
08. What That Drink Cost Me
09. Wildfire
10. Born To Fly (Bluegrass Version)

Sara Evans
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Sara Evans – Slow Me Down – CD-Review

Wenn man die bildhübsche, immerhin schon 43-jährige Sängerin auf dem Coverbild ihres neuen Werkes „Slow Me Down“ in High Heels und knappen Hot Pants vor einer großen Uhr posieren sieht, dürfte so manches der beliebig auswechselbaren Jungmodels von heute wohl vor Neid erblassen. Aber auch unter ihren Gesangskolleginnen der Szene dürfte ihre blendende Gesangsleistung, mit der sich Sara Evans, eine von Nashvilles erfolgreichsten Künstlerinnen, 3 Jahre nach „Stronger“ zurückmeldet, bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ihr gelingt eine ausgewogene Balance zwischen poppigen, modernen Stücken und ein paar sehr traditionell fundamentierten, klassischen Country-/New Country-Titeln. Ein Major-Album par exellence! Produziert hat Mark Bright, der schon bei Evans Platinalbum „Real Fine Place“ aus dem Jahre 2005 an den Reglern saß. Der Opener und Titelsong zugleich, „Slow Me Down“, eine mit E-Gitarren- und Synthie-Spielereien (Streicherimitationen) verzierte Powerballade, ist gerade mit steigender Tendenz dabei, die Top-20 der Billbord Country Single-Charts zu erobern.

Die Scheibe enthält drei sehr interessante Kollaborationen. Zum einen, mit dem in letzter Zeit erheblich an Popularität zulegenden Singer Gavin DeGraw bei seinem auch selbst performten und aus der eigenen Feder stammenden, Piano-dominierten „Not Over You“ (in Richtung Lady Antebellum, Thompson Square), zum anderen dem Blockbuster-tauglichen Duett mit The Frays-Frontmann Isaac Slade bei „Can’t Stop Loving You“ und letztendlich dem herrlich in traditionellem Flair gehaltenen „Better Off“ (mit sägender Fiddle, gespielt durch Aubrey Haynie) in Kombination mit Vince Gills unnachahmlichen Harmoniegesängen.

Bei drei der insgesamt elf Tracks ist Sara auch kompositorisch involviert gewesen. „You Knever Know“ in Zusammenarbeit mit Shane McAnnally und Josh Osborne besticht durch eine tolle Atmosphäre, klasse hier besonders das E-Gitarren Slide-Solo. Sowohl das mit kräftigem Refrain ausgestattete „If I Run“, als auch das gute Laune versprühende „Sweet Spot“ (beide geschrieben mit Karyn Rochelle und Shane Stevens), dürften es in die engere Auswahl als Kandidaten für die nächste Hit-verdächtige Single schaffen. Gerade Letztgenanntes müsste mit seinem am Synthesizer simulierten, fröhlichem Pfeifen (man ertappt sich sofort dabei, Mitpfeifen zu wollen und tut es irgendwann dann auch) und dem die Fußwippe anregenden Rhythmus (aufgrund der damit verbundenen positiven Aura) besonders viele Menschen ansprechen.

Einfach nur genial ist die markante Dobroführungslinie in „Good Love Is Hard To Find“, die genau wie Saras ausdrucksstarker Gesang hier die Hauptakzente setzt. Verantwortlich ist hier der vielbeschäftigte Saitenartist Ilya Toshinsky, der auch bei der finalen, furios-poppigen Version (Mann hat der Song Power und Wucht!) von Radney Fosters einst typisch knarzigem Titelsong seines letzten „richtigen“ Albums „Revival“, mit seiner filigranen Banjospielerei die Ausrufezeichen setzt. Wie Toshinsky im zweiten Teil des Liedes die Finger über sein Arbeitsgerät fliegen lässt, ist schon mehr als erwähnenswert. Ein großartiger Abschluss eines durchgehend mit Hit-Potential ausgestatteten Werkes.

Sara Evans meldet sich mit „Slow Me Down“ in blendenster Verfassung zurück! Sie füllt im Moment zur Zeit mit ihrem leicht Twang-verziertem Gesang so ein wenig die Lücke in Nashville aus, die Sugarland hinterlassen hat, seit Jennifer Nettles sich auf ihren Solopfaden, in die Singer/Songwriter-Ecke begeben hat. Tolle Musik von einer der arrivierten (immerhin schon seit 17 Jahren mit oben dabei), großen Sängerinnen der New Country-Sparte – Faltbooklet mit allen Texten und Infos sowie weiteren sehr nett anzusehenden Bildern der Protagonistin inbegriffen. Großes Kompliment in allen Belangen, Sara Evans!

Mercury Nashville (2014)
Stil:  New Country

01. Slow Me Down
02. Not Over You (featuring Gavin DeGraw)
03. Put My Heart Down
04. Can’t Stop Loving You (Duet with Isaac Slade)
05. You Never Know
06. If I Run
07. Sweet Spot
08. Good Love Is Hard To Find
09. Better Off (featuring Vince Gill)
10. Gotta Have You
11. Revival

Sara Evans
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Shelly Fairchild – Ride – CD-Review

Nashvilles Mädels sind wieder eine Macht! Schon lange nicht mehr war weiblicher Country so präsent wie in diesen Tagen! Gut so! Noch bedeutender ist jedoch die Tatsache, daß sich die „neue“ Damenbewegung wieder klipp und klar zum Country bekennt, statt sich mit überzogenen, oft allzu bombastischen Pop-Strömungen zu beschäftigen. „Back to the roots“ und dennoch modern, heißt die Devise!

Neuestes Paradebeispiel dynamischer Nashville-Frauenpower ist die äußerst attraktive Shelly Fairchild mit ihrem überragenden Debut „Ride“! Fantastische, sehr frische, gleichzeitig duckvolle, von der Southern-Schwüle des Mississippi Deltas durchsetzte, wunderbar melodische New Country-/Countrymusic mit durchaus traditioneller Basis, immer leicht angerockt und mit einem dezent rootsigen Touch versehen. Herzhafte E-Gitarren vereinen sich mit herrlichen Acoustic Gitarren, Dobros, Mandolinen, Fiddles, Steelguitars und einer immer knackigen Rhythmussektion. Das hat richtig Würze!

Dazu besitzt Shelly eine ganz wunderbare, ungemein kraftvolle, voller Energie steckende, klare Stimme, fast wie eine powernde Kombination von Trisha Yearwood, Pam Tillis und Patty Loveless, aber mit dem Feuer ihres „Mississippi-Delta“-Blutes. Das Shelly Fairchild sich selbst voller Bescheidenheit als ein „simple, small-town Misssissippi girl“ charakterisiert, spricht für ihren Charme. Immerhin hat sie es sofort geschafft, ist aber auch kein Wunder bei ihrer Klasse, direkt für ihre erste CD einen Major-Label-Deal zu ergattern, von den etablierten Songwritern der Szene sofort mit vollstem Vertrauen und dementsprechend gutem Songmaterial bedacht zu werden, ganz zu schweigen von den vielen in das Werk involvierten erstklassigen Musikern.

Diese Entwicklung kommt allerdings auch nicht ganz zufällig. Shelly stammt aus einer musikbegeisterten Familie. Bereits in der High School sammelte sie erste Bühnenerfahrungen, gefolgt von Anstellungen im Theater, sowie in großen Musicals, was letztendlich in einer fundierten Ausbildung ihrer Stimme mündete. Auch großes kompositorisches Talent darf man Mrs. Fairchild attestieren, was sie bei vier der insgesamt elf Songs dieses Silberlings eindrucksvoll beweist. Durchaus interessant vielleicht auch, daß die berühmte Motorrad-Marke Harley Davidson sie mittlerweile als Werbeträgerin an sich gebunden hat, was absolut nachbollziehbar ist.

Mit ein wenig Verzögerung ist ihr großartiger Erstling (die Veröffentlichung wurde mehrere Male verschoben) mit dem zum gerade geschilderten Sachverhalt passenden Titel „Ride“ nun endlich erhältlich. Schon ab der ersten Note des mit einer sexy-bluesigen Stimme vorgetragenen Openers „Kiss Me“ spürt man förmlich, wie es in diesem feurigen schwarzhaarigen Vulkan brodeln muß, bis er letztendlich seine heiße Song-Lava eruptionsartig in die musikalische New-Country-Landschaft ablassen kann.

Eine glühende, voller Southern Soul steckende, unter die Haut gehende, angerockte Ballade mit tollem Banjo- und Dobro-Picking, aber auch schön satten E-Gitarren und einer wunderbaren Melodie. Ein klasse Sound! Ihre Produzenten, Country-Veteran Buddy Cannon (Kenny Chesney, Reba McEntire, George Jones) sowie Kenny Greenberg (Edwin McCain, Allison Moorer, The Mavericks), im übrigen einer der gefragtesten Studio-Gitarristen der Szene und hier natürlich mit an Bord, haben ein sehr atmosphärisches, lockeres, und doch ungemein knackig abgemischtes Gesamtwerk hinbekommen.

Man spürt oft die heiße, schwüle Luft des Mississippi-Deltas durch die Songs strömen. Sehr stark sind beispielsweise die temporeichen Stücke wie „Ready To Fall“ (ein klasse New Country-Rocker) oder ihre erste Single „You Don’t Lie Here Anymore“ (voller Biker-Flair steckender Counmtryrock mit frischer Mandoline und herzhaften E-Gitarren), wo Shelly mit einer rotzfrechen „Röhre“, sehr angenehm eine Art zurückhaltende Aggressivität versprüht. Toll!

Herausragend auch ihr „dreckiger“ Vortrag bei „Down Into The Muddy Water“ mit glühender Slide, rockigen Rhythmusgitarren, Honkytonk-Piano, fetzigen Drums und fetten, aber nie nervenden Bläsereinsätzen, sowie einem filigranen Greenberg-E-Gitarren-Solo. Genial auch dieser locker, flockige Southern-Honkytonk-Blues „I’m Goin’ Back“, ein rhythmischer Footstomper mit herrlichen Harmonika-Fills.

Das sie es auch etwas ruhiger beherrscht, zeigen solch brillante Stücke wie die zweite Single „Tiny Town“ (wunderbar melodischer, sehr satt instrumentierter New Country mit toller Steel, Fiddle, fetter E-Gitarre und kraftvollem Rhythmus), „Eight Crazy Hours“ oder „Fear Of Flying“ (herrlich frische, kraftvolle Country-Ballade im 3/4-Takt), wobei ihre innere Power dennoch stets gewahrt bleibt. Ein Vulkan eben! An den sinnbildlichen Vergleich anknüpfend, kann man nur auf viele weitere musikalische Nachbeben dieses Niveaus hoffen! Dafür. Good luck, Shelly! Dein Debut jedenfalls ist ein Knüller!

Sony Nashville (2005)
Stil:  New Country

01. Kiss Me
02. Ready To Fall
03. Tiny Town
04. You Don’t Lie Here Anymore
05. I Want To Love You
06. Eight Crazy Hours (In The Story Of Love)
07. Down Into Muddy Water
08. Ride
09. Time Machine
10. I’m Goin‘ Back
11. Fear Of Flying
12. There You Go Again

Shelly Fairchild
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Forty5South – We’re Country So We Can – CD-Review

Bereits das zweite, tolle New Country-/Country-/Countryrock-Independent-Album einer Band von fünf jungen Burschen, die sich nach dem Highway benannt haben, der mitten durch ihre Heimatstadt Jackson, Tennessee verläuft, diesmal produziert von einem der schillerndsten Rocksänger der 80er Jahre, Bret Michaels, Frontmann von Poison, deren Hits wie „Every Rose Has Ist Thorn“ oder „Somethin’ To Believe In“ sicher noch vielen geläufig sein dürften!

„Unser größter Fan von Anfang an, war die Polizei“ konstatieren die Jungs um Ashley Bowers, Sänger und Komponist fast aller Lieder. „Wir probten anfangs im Wohnzimmer  meiner Junggesellenbude 6-7 Nächte in der Woche durch, so dass wir nach einer gewissen Zeit mit allen Gesetzeshütern per Du waren“. Der Grund, warum man sich für Countrymusic entschieden hatte, ist relativ einfach. In Jackson gab es keine Band, die sich diesem Genre verschrieben hatte. Ihre musikalischen Einflüsse umreißen Forty5South aber eher weitläufig, von B. B. King, Kenny Chesney bis zu Guns’N’Roses.

Dank ihrer packenden Live-Shows haben sie sich sehr schnell einen Namen gemacht, und so wurden sie beispielsweise bereits 2003 vom „Armed Forces Entertainment“ für 28 Gigs, innerhalb von 40 Tagen, als Performer für die amerikanischen Übersee-Truppen quer durch Asien gebucht. Ein regelrechter „On-The Road-Crash-Kurs“ für eine so relativ junge Combo. Aber die Jungs stecken voller Energie und meisterten die Aufgabe mit Bravour. Auch bei ihrem aktuellen Werk „We’re Country So We Can“ gelang es, sicher auch ein Verdienst von Bret Michaels, diese Energie mit ins Studio zu übertragen, denn Michaels sorgte für einen wirklich dynamischen, frischen und modernen Sound, hauptsächlich basierend auf knackigen Drumlinien und präzise gespielten Gitarrenläufen.

Allerdings wurden jede Menge country-typische Elemente wie Banjo, Fiddle, Steel oder Mandoline in die relativ kurz gehaltenen Songs (nur einer überschreitet vier Minuten) sehr feinfühlig und filigran integriert, wobei einige bekannte Gastmusiker wie Larry Franklin, Glen Duncan oder Dan Dugmore Glanzlichter setzen. Alle Songs sind überaus melodisch und haben dank ihres hohen Wiedererkennungswertes durchweg Single-Charakter, so dass es ungemein schwer fällt überhaupt einen explizit herauszuheben. Plattenfirma und Band entschieden sich bezüglich der ersten Single jedenfalls für das abschließende, gleichnamige Titelstück, einen leicht southern-infizierten Countrysong mit kratzigen E-Gitarren, tollen Dobro-Fills und einem herrlichen Telecaster-Solo, dazu ein dezent Hip-Hop-verdächtiges, kurzes Sprechgesangsbreak, das aber überhaupt nicht stört, und „Mr. Poison“ sogar zum Gastauftritt im dazu produzierten Video animierte.

Herrlich auch die Honkytonk-Nummer „Li’l Red Riding Hood“, mit viel Banjo, Steel und Fiddle, die aber diesmal ohne das ansonsten typische Piano-Geklimper auskommt. Der Kracher des Albums aber ohne Zweifel „Smoke If You Got Them“ eine Southern-infizierte Nummer mit einem stampfenden, genretypischen Gitarrenriff, heulender Orgel und klimperndem Klavier. Erinnert ein wenig an Chris Cagles „The Chicks Dig It“, am Ende mit einem atmosphärischen Orgel/Piano-Finish.

Die restlichen Uptemponummern und die zwei, drei eingepassten, knackigen Balladen gehen runter wie Öl. Man sieht mit dem geistigen Auge die Jungs an einem sonnigen Abend mit einem riesigen, offenen Oldtimer-Cabrio an einer Eisdiele in Jackson vorfahren, die Mädels einladen, danach den 45-South runterbrettern, um dann mit ihren Songs und diversen Six-Packs irgendwo an einem abgelegenen Seeufer Party zu machen. Peppige Musik mit hohem Spaßfaktor für Freunde von den jungen New Country-Acts der Marke Warren Brothers, Hilljack, Rascal Flatts, Blue County, Emerson Drive oder aber auch zum Teil vom bereits erwähnten Chris Cagle!

Tilo Entertainment (2005)
Stil:  New Country

01. I’m Gonna Move On
02. The Stuff I Grew Up On
03. Heaven Only Knows
04. I’ve Been There Too
05. Li’l Red Riding Hood
06. A Mile Away
07. My Way
08. Second Hand Life
09. Taste Of Class
10. Smoke If You Got ‘Em
11. Seems Like Yesterday
12. We’re Country So We Can

Bärchen Records

Tommy Gallagher Band – Always Something – CD-Review

Flockiger, lockerer, herrlich melodiöser, erfrischender, Red Dirt -Countryrock vom Allerfeinsten! Die Tommy Gallagher Band, oder kurz TGB genannt, stammt aus Amarillo/Texas und wurde 2004 gegründet. Ihr Band-Leader Tommy Gallagher ist ein Enkel der Honky Tonk-Legende Tommy Allan und somit musikalisch einmal mehr vorgeprägt (er fuhr bereits als kleiner Junge mit im Tourbus des Opas). Das sich allseits größter Beliebtheit erfreuende und hoch geschätzte Smith Entertainment Label nahm den hochtalentierten Gallagher in weiser Voraussicht unter seine Fittiche und veröffentlichte jetzt sein neue Album „Always Something“.

Schlichtweg eine tolle CD! Ähnlich wie bei Gallaghers Kollegen Bo Cox wurden auch hier fast die gleichen, exzellenten Rahmenbedingungen (Mike McClure – Produzent; Travis Linville – Engineering. Joe Hardy – Mastering; dazu noch Lloyd Maines mit seinem fantastischen Pedal Steel-Spiel und Jeremy Watkins an der Fiddle als Gastmusiker) für das zehn erstklassige Songs umfassende Album geschaffen, die alle von Tommy komponiert wurden. Das eröffnende flockige, sehr melodische Titelstück „Always Something“ (lockerer Akustik-/E-Gitarrenrhythmus, dezente „beatlesque“ Note, schönes E-Gitarren-Solo) schickt sich bereits an, die texanischen Music Charts im Sturm zu erobern.

Beim folgenden, ebenfalls vom einem herrlich locker leichten Groove durchzogenen „Smile“ setzt „Steel-Ikone“ Lloyd Maines an seinem Parade-Instrument mit wunderbaren Melodienlinien erste Akzente, wobei auch der vortrefflich agierende Lead Gitarrist Dustin Garrett bei einem kurzen Schlagabtausch durchaus Paroli zu bieten weiß. Das ist zeitloser, traumhafter Countryrock auf ganz hohem Niveau, der unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht eines jeden Genre-Liebhabers zaubern wird. Auch bei den sich anschließenden, prächtigen „What Goes Around“ (flott gespielt, lässig, klasse Baritone Gitarre, basierend auf einem stark an die goldenen Tage der Eagles erinnernden, lockeren „Take it easy“-Groove) und dem eingängigen „Here Tonight“ (feine Twin-Gitarren, klasse E-Gitarren-Solo) kommen einem unweigerlich Vergleichsgrößen wie die Eli Young Band, No Justice, The Great Divide, The Mike McClure Band oder die Cody Gill Band in den Sinn, wobei es bei der TGB vielleicht ein klein wenig countrylastiger zur Sache geht.

Klasse Überraschungsmomente, bzw. „Farbtupfer“ des Albums bieten „Got It Made“ und das hoch interessante „Have A Ball“. Erstgenannter Song weiß mit furios abgehendem, sich fast in Rockabilly-Sphären bewegendem Retro-Uptempo-Rock zu überzeugen, während die zweitgenannte Nummer im Gesangsteil gar etwas rotzig punkige Züge aufweist (trotzdem sehr melodiebewusst), durch eine glänzend eingefügte, sehr bluesig rockende Phase mit lang gezogen gespielten E-Gitarrenlinien dann jäh unterbrochen wird, um letztendlich im Stile des Beginns wieder „weiterzupoltern“. Hört sich „abgefahren“, aber sehr stark an an und passt trotzdem ganz hervorragend in das Gesamtkonzept des Werkes. Ein klares Highlight dieses durchgehend hervorragenden Silberlings.

Nach diesen zwei im Gesamtkontext recht ungewöhnlichen Ausflügen, kehren Gallagher und seine Mannen wieder zu ihrer Synthese aus flockigem Red Dirt und melodiebewusstem Countryrock zurück und reihen bis zum Ende einen Ohrwurm an den anderen. In dieser Phase bringen sich Lloyd Maines und vor allem Fiddler Jeremy Watkins immer wieder bestens ein, so dass auch Freunde der Randy Rogers Band großen Gefallen an Gallaghers toller Musik finden werden. „Dream“ (ein klasse Countryschwofer mit viel Steel- und E-Gitarre, „Without You“ (wohl mit eine der am schönsten gesungenen Liebeserklärungen, die die Red Dirt-Szene bisher erlebt hat – wunderbar „schmalzig“, trotzdem mit zwei starken, würzigen E-Gitarren-Soli), „Your Gone“ (flockiger Red Dirt mit sägender Fiddle) und „Lovin‘ What I Do“ (an der Schnittstelle zum New Country Marke Blake Shelton, mit trauriger Fiddle), beweisen allesamt Gallaghers Talent, äußerst melodische Songstrukturen außergewöhnlich instrumentiert darzubieten.

Seine angenehme Stimme (Pat Green-Flair) passt sich dem Charakter seiner Songs auf wohlwollende Weise an. Aufgrund der eingängigen Melodien und einer bereits jetzt schon vorhandenen „Nashville-Kompatibilität“ (und dies ist ganz und gar nicht abwertend gemeint) dürften Tommy Gallagher und seine Band mit „Always Something“ vielleicht bereits jetzt schon den Grundstein dafür gelegt haben, Interpreten wie der Eli Young Band, Randy Rogers Band, Wade Bowen oder Pat Green irgendwann in naher Zukunft in den Major-Sektor zu folgen. Wer weiß, zu gönnen wäre es ihnen. Aber egal, das wichtigste ist, sie bleiben sich selbst treu, lassen sich nicht verbiegen und machen weiterhin solch wunderbare Musik. „Always something“ jedenfalls beinhaltet hochkarätigen, leichtfüßigen, radiotauglichen, zeitlos schönen, exzellent umgesetzten Red Dirt-Countryrock ohne Fehl und Tadel. Einfach toll vom ersten bis zum letzten Stück!

Smith Entertainment (2009)
Stil:  Red Dirt

01. Always Something
02. Smile
03. What Goes Around
04. Here Tonight
05. Got It Made
06. Have A Ball
07. Dream
08. Without You
09. You’re Gone
10. Lovin What I Do

Tommy Gallagher Band
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Bärchen Records

Halfway To Hazard – Same – CD-Review

Halfway To Hazard sind ein super-starkes, neues New Country-Duo, das zunächst (im Jahre 2006) die Fans als Support der gigantischen „Soul2Soul“-Tour von Tim McGraw und Faith Hill mit ihren prächtigen Performances (glänzender Gesang, großartiges Gitarrenspiel) begeisterte. Hill und McGraw waren dermaßen angetan von den Beiden, dass es nicht lange dauerte, bis die entsprechenden „Fäden“ gezogen waren. Mittlerweile besitzen sie einen Major-Deal und präsentieren nun mit der gleichnamigen CD ihr Debütalbum – eine bärenstarke, kraftvolle, knackige, „Rock-influenced“ New Country-Scheibe voller Dynamik und Frische, folgerichtig produziert von Tim McGraw und Byron Gallimore.

Sämtlichen bis dato erworbenen Vorschusslorbeeren werden sie nicht nur voll und ganz gerecht, sie übertreffen sie noch! Halfway To Hazard sind David Tolliver und Chad Warrix, zwei langjährige Freunde, die beide aus zwei unterschiedlichen kleinen Nestern in der Umgebung von Hazard, Kentucky stammen. Immer wieder trafen sie sich „auf halbem Weg“ nach Hazard, wenn sie auszogen, dort ihre Freizeit zu verbringen und die vielen Live-Clubs zu besuchen. Seit frühester Jugend waren sie Musik-verrückt und spielten in diversen Bands. Unabhängig voneinander gingen beide Ende der Neunziger nach Nashville, trafen sich dort wieder und begannen gemeinsam durch die örtlichen Country- und Rock-Clubs zu tingeln.

Ihre großartigen Auftrutte erzeugten in der Szene schnell eine erhöhte Aufmerksamkeit – bis sie schließlich für die oben erwähnte „Soul2Soul“-Tour des Superstar-Ehepaares McGraw/Hill verpflichtet wurden. Beide verfügen über hervorragende Stimmen (dennoch übernimmt David zumeist den Lead-Gesang), spielen, wie bereits erwähnt, klasse Gitarre, haben auf ihrer ersten Scheibe (bis auf zwei Ausnahmen) sämtliche Songs mit diversen, arrivierten Co-Autoren (z. B. Bobby Pinson, Anthony Smith, Rivers Rutherford) selbst komponiert und genießen die natürlich major-übliche, prominente Unterstützung der ersten Nashville Studio-Riege (u.a. Tom Bukovac, Dan Dugmore, Greg Morrow, Shannon Forrest, Tony Harrell, Jonathan Yudkin, Glenn Worf). Das Ergebnis ist einfach klasse!

Toller, knackiger New Country mit rockig betonter Note und großartigen Melodien. Los geht’s mit dem furiosen „Countrified“, einer „Hammer-Nummer“ aus der Feder von Jeffrey Steele und Kip Raines, den Steele auch vor geraumer Zeit für sein eigenes Album „Outlaw“ als Opener verwendete. „Wüste“ Slide-Attacken, ein ähnlich rotzfrecher Gesang, so wie ein ordentlich abgehendes, „modernes“, forsches Arrangement messen sich problemlos auf Augenhöhe mit dem starken Steele-Original. Ein Klasse-Auftakt!

Die folgenden Songs verlaufen in den Strophen meist zunächst etwas entspannter, nehmen dann mit dem Refrains, in denen Tolliver und Warrix so richtig aus sich herausgehen, mächtig Fahrt auf. Gespickt sind sie mit vielen kleinen instrumentellen Feinheiten (schöne Steel, würzige E-Gitarre, Orgel, Fiddle), die von den Studiokönnern (überragend E-Gitarrist Tom Bukovac) sehr wirkungsvoll eingebracht werden.

So wird beispielsweise die wunderbare, schwungvolle Single „Daisy“ von einer tollen Banjo-Begleitung geprägt. Aufgrund der Songstrukturen und hohen Stimmvariabilität der beiden Protagonisten assoziiert man im weiteren Verlauf vom Flair her diverse Kollegen, die von Keith Urban (bei „Cold“), über Montgomery Gentry (bei „I’m Tired“), Forty5South (bei „Devil And The Cross“) bis hin zu Billy Ray Cyrus (beim etwas moderater gehaltenen „Die By My Own Hand“) oder auch dem Pep von Sugarland reichen. Southern-Countryrock pur gibt es dann beim herzhaften „Country ‚Til The Day We Die“! Hier fallen spontan Songs wie Jason Aldeans „Hicktown“ oder Chris Cagles „Country By The Grace Of God“ als Vergleichsmuster ein. Dazu gibt es tolle Lead-Vocals, irgendwo in der Mitte zwischen Johnny Van Zant und Jeffrey Steele, die von sogenannten Crowd-Gesängen unterstützt werden.

Skynyrd-mäßig gar das folgende „Got Back Up“, ein starker „Southern-Stampfer“ mit prächtiger E-Gitarre, Orgel und dezenten Fiddle-Einsätzen. Beim emotionalen „Burn It Down“ setzt die glänzend aufgelegte Background-Sängerin Joanna Cotton weitere southern-typische Akzente. Noch eine ganz starke Nummer! Auffallend ist, dass die Jungs auch in ihren Texten zuweilen bemüht sind, sich wohltuend vom großen Teil der Szene abzuheben. Dies gipfelt beispielsweise beim rockigen Country Abschluß-Feger „Welcome to Nashville“ in der schonungslosen Abrechnung mit den Gesetzmäßigkeiten rund um „Music City“, mit denen sie sich allerdings wohl oder übel in Zukunft ebenfalls arrangieren werden müssen.

So kann man den beiden nur wünschen, dass sie, trotz des zu erwartenden Erfolgsdrucks, weiterhin ihren Maximen treu bleiben. Mit den Produzenten Tim McGraw und Byron Gallimore, die die Leine bisher äußerst locker gelassen haben, scheint sich das Paar jedenfalls optimal zu ergänzen. David Tolliver und Chad Warrix, alias Halfway To Hazard, werden ihren Weg gehen, da sind wir sicher! Herzerfrischender, knackiger, satter, angerockter New Country voller großartiger Melodik auf der Höhe der Zeit! Tolles Album! Sehr starke Konkurrenz für die bisher den Ton angebenden Duos wie Brooks & Dunn, Sugarland oder Montgomery Gentry, wie auch für die gesamte Nashville New Country-Klientel im Allgemeinen!

Mercury Records (2007)
Stil: New Country

01. Countrified
02. Taking Me On
03. Cold
04. Daisy
05. I’m Tired
06. Devil And The Cross
07. Die By My Own Hand
08. Country ‘Til The Day We Die
09. Got Back Up
10. Burn It Down
11. Welcome To Nashville

Halfway To Hazard
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Bärchen Records

Eric Heatherly – The Lower East Side Of Life – CD-Review

Eric Heatherly träumte schon von frühester Kindheit an, einmal ein großer Musikstar zu werden. Mit Erhalt seiner ersten Gitarre begann der in Chattanooga/Tennesse geborene Junge schon fast fanatisch seine Fingerfertigkeit zu trainieren, vorzugsweise nach Noten seiner Lieblings-Interpreten wie Creedence Clearwater Revival, Johnny Cash, Conway Twitty oder Roy Orbinson. 1991 entschloss er sich im Country-Mekka sesshaft zu werden und kämpfte sich zunächst mit schlecht bezahlten Auftritten und Gelegenheitsjobs durchs Leben.

Die großen Labels wurden erstmals im Jahre 1995 auf den jungen Singer/Songwriter aufmerksam, der mittlerweile eine Daueranstellung mit einem wöchentlichen Gig im berühmten „Tootsie’s Orchid Lounge Club“ ergattert hatte. Doch zunächst ließ Heatherly von seiner Maxime, sich nicht „verbiegen“ zu lassen, nicht ab. Er schlug ein Angebot von Shania Twain aus, sie auf ihrer Welttournee 1998 als Gitarrist zu begleiten. Mit der Verpflichtung durch Mercury Records schien dann 2000 mit dem Erscheinen seines Debütalbums „Swimming In Champagne“ der Weg zum Durchbruch endgültig geebnet zu sein, zumal das darauf enthaltene Remake von „Flowers On The Wall“ als Top Ten-Hit einschlug.

Doch dem Glauben, endlich am Ziel seiner Träume angelangt zu sein, folgte die Ernüchterung. Sowohl Mercury Records als auch DreamWorks, zu denen Heatherly gewechselt war, verhinderten nacheinander aus nicht nachvollziehbaren Gründen das Erscheinen seiner bereits fertig gestellten Folgewerke. Zum Glück hatte sich Eric zwischenzeitlich, eher rein zufällig, ein zweites Standbein geschaffen. Er produziert (auf die Idee kam er durch einen schweren Unfall, den er und seine seither wohlbehütete Fender Gitarre aber unversehrt überstanden) aus alten Autogurten aufwendig gestaltete Gitarren-Umhängegurte, die unter Musik-Kollegen einer reißenden Nachfrage (u. a. Kid Rock, Brian Setzer, Lenny Kravitz) ausgesetzt sind.

So konnte er es sich erlauben ein eigenes Label zu gründen, womit die Barrieren in Sachen Neu-Veröffentlichungen nun endlich Schnee von gestern sind. Und so dürfen wir uns jetzt über sein sehr persönliches, neues Album „The Lower East Side Of Life“ richtig freuen, denn Heatherly hat ganz hervorragende Arbeit geleistet. Knackiger, teilweise schön angerockter (-popter), wenn auch im Tempo oft gemäßigter, New Country in einem sehr modernen, zeitgemäßen Gewand, ohne dabei je in dem sonst zuweilen üblichen Nashville-Überproduktions-Bombast uzu versinken. Klasse!

Kommt der Eröffnungstrack „Judging Beauty“ mit seinen satten Stones-like Riffs noch recht fetzig aus den Boxen (der Stil erinnert ein wenig an die Warren Brothers), so werden im Verlauf der CD, bis auf zwei weitere Ausnahmen (das Titelstück und die Rockabilly-angehauchte Country-Uptemponummer „Way Down“), wie gesagt, zumeist ruhigere Töne angeschlagen. Dies allerdings alles in einem tollen musikalischen Gewand, wobei Heatherly textlich tiefe Einblicke in sein Gefühlsleben offenbart (z.B. „Job“, „Ruin“ oder „Whatever Happened … To Me“).

Natürlich rechnet er auch mit der Musikbranche ab, indem er die „Züchtung“ von „großen Stars“, die nicht mal einen Akkord spielen können, scharf kritisiert, und verarbeitet auch seine Erlebnisse mit den Majorlabels („Who Needs Enemies With Family Like You“). Fast sämtliche sauber und glasklar dargebotenen Instrumente (Gitarren, Bass, Mandolinen, Drums, Keyboards, Harmonicas…) hat Eric selbst eingespielt, alle Lieder komponiert, gesungen und produziert, nur in Auszügen durften sein Toningenieur Jose Arbelaez und die Herren McHugh, Morrow und Darken Piano-, Schlagzeug- und Percussion-Dienste beifügen.

Es scheint, Eric Heatherly habe, nicht nur seit der Geburt seiner Tochter, der im übrigen auch zwei Songs gewidmet sind, nun seinen inneren Frieden gefunden und dies in kreative musikalische Energie auf einem beachtlichen Niveau umwandeln können. Respekt, Mr. Heatherly, ein klasse Album!

Koch Records (2005)
Stil: New Country

01. Judging Beauty
02. Hang It On Your Heart
03. Job
04. Ruin
05. Whatever Happened…
06. The Lower East Side Of Life
07. Who Needs Enemies (With Family Like You)
08. Dark Days
09. Go Where You Hide
10. Love Story Love
11. Way Down

Eric Heatherly
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Bärchen Records