Marina Rocks – S.O.S. Texas – CD-Review

Review: Michael Segets

Die niederländische Agentur JohTheMa Promotions verbreitet nicht nur die Musik interessanter Bands aus dem Benelux-Raum, sondern unterstützt auch von Zeit zu Zeit amerikanische Künstler*innen, die man auf dieser Seite des Atlantiks nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Viel Freude hat beispielsweise Ted Russel Kamp mit seiner CD „California Son“ sowie seinem „Auftritt in der Krefelder Kulturrampe bereitet. Über die Agentur flatterte nun das aktuelle Album der Texanerin Marina Rocks ins Haus. Die Eigenproduktion „S.O.S. Texas“ erschien bereits im April.

Die Songwriterin gewann seit 2012 einige Wettbewerbe wie Eddies Attic Songwriter Shootout im Jahr 2019. Zuvor konnten namhafte Musiker wie John Mayer den Contest (2000) ebenfalls für sich entscheiden. Der große Durchbruch steht bei Rocks allerdings noch aus. Einblicke in ihr Songwriting gibt ihr drittes Album mit neun Eigenkompositionen.

Eigentlich sind es acht statt neun Songs, die Rocks präsentiert. „One More Song“ ist auf dem Longplayer in zwei Versionen vertreten. „One More Song (Rewind)“ bringt eine auf akustische Gitarrenbegleitung minimalisierte Interpretation zum Abschluss des Werks zu Gehör. Der Gesang von Rocks weist hier deutliche Parallelen zu dem von Lucinda Williams auf.
Die Verbindung ist auch bei der rockigen Single „It’s All Messed Up“ nicht von der Hand zu weisen. Von dem rauen Opener outete sich Ray Wylie Hubbard als Fan. Ich habe eine Faible für solche nöligen Töne, die manchmal mit gewohnten Harmonien brechen, solange sie insgesamt melodisch bleiben. Dies kann Rocks attestiert werden.

Der zweite Track „S.O.S.“ groovt ebenfalls. Rocks bettet in ihn eine Sprechgesang-Passage ein, die funktioniert. Schwieriger ist „The Hollywood Sign“, bei dem die gesprochenen Parts anfänglich etwas zu viel Raum einnehmen. Dennoch hat das Stück, das a cappella einsteigt, einen stimmungsvollen Refrain. Die getragene Atmosphäre wird durch die Mundharmonika von Gary Weldon gefördert.

Weiterhin finden sich zwei Instrumentals auf der CD („I Don’t Know“, „Starlight“). Beide Beiträge wirken entspannt, wobei Rocks‘ Gitarrenspiel einen Vergleich zu Ry Cooder zulässt. Ähnlich angelegt, allerdings mit etwas Text und einer auffälligeren Percussion unterlegt, ist „Slap Happy“. Die Multiinstrumentalistin – Rocks übernimmt neben Gitarre, Keys, Bass und Schlagzeug eben auch die Percussion – überrascht auf „Mind’s Eye“ mit einem Reggae-Rhythmus, der zeigt, dass sie sich nicht auf eine Stilrichtung festlegt.

Marina Rocks veröffentlicht mit „S.O.S. Texas“ ein stilistisch abwechslungsreiches Album. Die stimmlich und gesanglich Nähe zu Lucinda Williams spielt sie sowohl bei rockigen als auch langsamen Songs aus. Davon höre ich auch in Zukunft gerne mehr.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Rock and more

Tracks:
01. It’s All Messed Up
02. S.O.S.
03. The Hollywood Sign
04. I Don’t Know
05. One More Song
06. Mind’s Eye
07. Slap Happy
08. Starlight
09. One More Song (Rewind)

Marina Rocks
JohThema Promotions

The Comancheros – 30.04.25 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Comancheros fegen mit einer Mixtur aus Heavy-, Country- und Southern Rock wie ein Tornado durch die Kulturrampe. Der energiegeladene Auftritt des Trios sorgt für beste Stimmung bei den Fans und hätte eine weit vollere Location verdient gehabt.

Tanner Jones jagt wie ein Derwisch über die Saiten seiner Gibson Explorer und übernimmt bei den meisten Songs mit seiner rauen Stimme die Lead Vocals. Dabei lässt er wie Bassist Jon Green oft die Haare headbangend wehen, und zeigt wie belastungsfähig eine Halswirbelsäule sein kann. Drummer Michael Cook treibt an den Drums die beiden anderen Bandmates regelrecht vor sich her.

Mit seiner Kopfbedeckung wirkt er fast wie ein Schamane, der die Drumsticks durch die Luft wirbeln lässt. So wie er die Drums bearbeitet, ist es nicht verwunderlich, dass nach einigen Songs zunächst die Fellmütze weggelegt wird und er sich später auch der Jacke und des Johnny Cash Shirts entledigt, um teilweise stehend und tanzend sein Instrument zu beackern.

So vergehen 90 schweißtreibende Minuten wie im Flug, in denen die Band die Fans brachial in den Mai tanzen lässt und direkt nach der Show den Abend am Merchandising Stand ausklingen lässt.

Line-up:
Tanner Jones – lead vocals, guitar
Jon Green – bass, vocals
Michael Cook – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

The Comancheros
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Kulturrampe

The Kenneth Brian Band – 22.03.2025 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Toller Abend in der Krefelder Kulturrampe mit der Kenneth Brian Band, die sich unter der Teenage Head Music-Fahne zum ersten Mal die Ehre in unseren Breitengraden gab.

Wie sooft bei Southern Acts, die ihre Premiere in der Rampe feiern, hielt sich das Zuschauerinteresse, trotz Wochenendes, in Grenzen, die Location war nur zu gut der Hälfte gefüllt. Da gings es Robert Jon & The Wreck damals aber auch nicht anders.

Die Leute, die gekommen waren, bekamen ein äußerst gut aufgelegtes Trio zu sehen und zu hören, das neben dem Protagonisten Kenneth Brian, durch Bassist Wes Davis (Rockabilly-Frisur, Elfenohren und ZZ Top-Bart – ein herrlicher aussehender und dazu noch sehr sympathischer Typ!) und Drummer PJ Lowe komplettiert wurde.

Nach einem kurzen Instrumental zum Aufwärmen hatten die Drei mit dem herrlichen, schön melodischen Midtempotrack „Rain Down“ schon direkt bei mir gewonnen, Brian entlockte seiner beigen Les Paul diese typisch knarzig-grummelnden Töne, die jedem Southern-Fan sofort das Herz erwärmen.

Das wunderbar wechselhafte „Shakedown“ mit fulminant rockigen und atmosphärischen Parts, begeisterte sofort hinterher und spätestens mit den grandiosen Red Dirt-Song „Texas By Tonight“ hatten die Burschen die komplette Rampe hinter sich gebracht.

Auch wenn Stürme in der Regel wenig Wunderbares an sich haben, der „Beautiful Storm“ der Kenneth Brian Band machte seinem Titel alle Ehre. Tom Petty-Liebhaber durften sich an „Falling Again“ erfreuen, Brian ist ja bestens mit Gitarrist Mike Campbell befreundet.

Dem slow-bluesigen „Hard Heart“, sowie dem verschachtelten „Something Better“ (mit integriertem Country-Speed-Intermezzo) folgte das einfühlsam gesungene „Prayer For Love“. Spätestens jetzt gingen mir so einige Leute, die scheinbar nur gekommen waren, um sich zu unterhalten, so richtig auf den ‚Senkel‘.

Ich empfinde das immer wieder als eine einzige Respektlosigkeit den auftretenden Künstlern, als auch den anderen Besuchern gegenüber. Die Rampe bietet dafür ein schönes Thekenareal im unteren Bereich, das für Konversation bestens geeignet ist. Sowas ärgert mich immer wieder maßlos.

Beim folgenden „Hidaway‘ demonstrierte Kenneth eindrucksvoll, wie es sich anhört, wenn mal versierte Southern Rock-Gitarristen bei Blues-Standards Hand anlegen. „Keys To The Kingdom“, „Tonight We Ride“ (mit Neil Young-Flair), „Fly Away“, das countryeske „Last Call“ waren dann die Stationen zu Brians persönlichen „Sweet Home Alabama“, das bei ihm „Wellcome To Alabama“ heißt und in einer grandios improvisierten Version (mit ABB- und MTB-Note) performt wurde und den krönenden Abschluss des Hauptteils  bildete.

Der ‚We want more“-Bitte wurde dann noch mit dem pettyesken „You Are Not Mine“ Genüge geleistet, dann war ein hervorragendes, klassisches Southern Rock-Konzert beendet. Am Ende stand das sympathische Trio noch für unser obligatorisches VIP-Bild parat. Wieder mal toller Abend in der Rampe!

Line-up:
Kenneth Brian (lead vocals, electric guitar)
Wes Davis (bass)
PJ Lowe (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Kenneth Brian Band
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Stone Senate – 08.11.2024 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Die aus Nashville kommenden Southern Rocker von Stone Senate sorgen für eine gute Stimmung in der Krefelder Kulturrampe. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der hünenhafte Sänger und Gitarrist Clint Woolsey, der die Bandkollegen um ein bis zwei Köpfe überragt.

Der Motörhead-Aufkleber auf seiner Gitarre passt dabei zum eher harten Southern Rock, den das Quintett zeigt. Mit drei Gitarristen, wobei James Beau Edwards und Ted Hennington, die die Bühne flankieren, wechselweise die Soloarbeit übernehmen, präsentieren sie gewissermaßen eine Guitar Army, die knapp 90 Minuten durch die Kulturrampe jagt.

Die Setlist setzt sich aus allen bisherigen Alben zusammen und die Band spart nicht mit Songs aus dem in diesem Jahr erschienenen Album „Licky Buzz“. Neben den starken eigenen Stücken, ist das im Southern Stil interpretierte „The Night They Drove Old Dixie Down“ ein absolutes Highlight.

Es ist erstaunlich, mit welcher Spielfreude Stone Senate in Krefeld auftreten, wenn man bedenkt, dass die Tour drei Tage später vorzeitig beendet wird, weil ein Familienangehöriger eines Bandmitglieds schwer erkrankt war.

Die Stimmung in der Rampe machte es der Band mit Sicherheit leichter, unter den Umständen ein energiegeladenes Konzert abzuliefern und die leider zu wenigen Musikfans an diesem Abend zu begeistern. Nach dem Konzert ließ es sich die Band nicht nehmen, noch länger im Kneipenbereich der Rampe zu verweilen und sich unter die Fans zu mischen, wo sie sich als sehr sympathische Gesprächspartner zeigten.

Line-up:
Clint Woolsey (lead vocals, electric guitar)
James Beau Edwards (electric guitar)
Ted Hennington (electric guitar, bgv)
Tommy Michael (bass)
David “DZ” Zettler (drums, bgv, lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Stone Senate
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Kulturrampe
Teenage Head Music

Ted Russel Kamp – 12.11.2024, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Viel Arbeit und etliche unglückliche Terminüberschneidungen führten dazu, dass erst jetzt der erste Konzertbericht dieses Jahres aus meiner Feder fließt – zugleich mein erster Bericht aus der Kulturrampe seit Maurice Kamp dort das Ruder übernommen hat. Vorweg sei ihm ein herzlicher Dank ausgesprochen, dass er handgemachter Musik in Krefeld weiterhin eine schräge Bühne bietet. Auf dieser fand sich am Dienstagabend Ted Russel Kamp ein.

Der gebürtige New Yorker lebt und arbeitet bereits über zwanzig Jahren in Los Angeles und ist fast ebenso lange Bassist bei Shooter Jennings. Mit diesem besuchte er das erste Mal Europa und kehrt seitdem regelmäßig auf den alten Kontinent zurück. Wie man im Laufe des Abends erfuhr, hat Kamp väterlicherseits deutsche Wurzeln. Eine besondere Verbindung besteht allerdings zur Musikszene in Schweden, was auch erklärt, warum Kamps Band drei Skandinavier umfasst. Neben Martin Salomonssen am Schlagzeug und Erik Ivarsson an der Gitarre war ein zweiter Gitarrist mit von der Partie. Angekündigt war Thomas Pontén, ich meine aber, dass Kamp einen anderen Namen genannt hat. Auf jeden Fall zeigte Kamp eine sichere Hand bei der Wahl seiner Begleitung. Salomonssen bearbeitete die Felle bis eines riss. Die beiden Gitarristen unterstützten den Protagonisten souverän und meisterten auch filigranere Soli ohne Abstriche. Besondere Akzente setzte Ivarsson, als er sich an der Lap Steel betätigte (u. a. „Waste A Little Time With Me“). Sein Kollege glänzte an der Rickenbacker 12-String bei „California Wildflower“.

Hauptakteur blieb aber Kamp, der als Storyteller Qualitäten bewies. Die meisten Songs leitete er kurz mit biographischen Anekdoten oder Bemerkungen über die wechselnden Inspirationsquellen seiner Musik ein. Gram Parsons, The Band, Merle Haggard oder auch Nick Drake gab er als Referenzpunkte an, mit denen er sich in unterschiedlichen Schaffensphasen auseinandersetzte. So entführte Kamp das Publikum über zwei einstündige Sets auf eine Zeitreise seiner Karriere, die von unterschiedlichen stilistischen Einflüssen geprägt ist.

Aufgrund der Konzeption des Konzerts stand Kamps aktuelles Werk „California Son“ nicht deutlich im Mittelpunkt. „Shine On“ und „The Upside To The Downslide“ waren jedoch zwei Titel seines vierzehnten Albums, die die Zuhörer direkt einfingen. Das Publikum ging bereits vom Opener „Paid By The Mile“ an mit, wurde während des Auftritts aber immer enthusiastischer.

Im ersten Set verströmten „Hobo Nickel“, „Path Of The Least Resistance“ und „Right Down To The Wire“ jeweils ihren eigenen Flair. In den zweiten Teil stieg Kamp solo, nur mit seinem Bass bewaffnet, ein. Ich kann mich nicht erinnern, die Kombination von Gesang und Bassbegleitung so schon mal gehört zu haben. Kamp zeigte, dass das funktioniert. Den Kontrapunkt zu dem Intermezzo setzte dann das straight rockende „Tail Light Shine“, nachdem die Band wieder vollzählig auf der Bühne versammelt war.

Die Stimmung beim zweiten Set u. a. mit „This Old Guitar“, „Daughter Of Temptation“, “If I Had A Dollar“ und „Steady At The Wheel“ wurde immer ausgelassener. Kamps Interaktion mit dem Publikum nahm noch zu, so griff er Zwischenrufe auf und spielte Bälle zurück. Bei „The Last Drop“ sangen dann quasi alle Anwesenden mit. Ruhiger wurde es zum Abschluss. Die erste Zugabe „Help Me Make It Through The Night“ spielte die Band in Gedenken an den kürzlich verstorbenen Kris Kristofferson. Mit „Every Little Thing“ von der neuen CD, das Kamp nochmal solo performte, ging dann ein rundum gelungener Konzertabend zu Ende.

Der sympathische und kommunikative Wahl-Kalifornier hinterließ auf und neben der Bühne einen bleibenden Eindruck. Es wurde spürbar, dass Ted Russell Kamp Musik liebt. Er verarbeitet verschiedene Einflüsse der Roots Music und entsprechend vielfältig war die Darbietung. Die Begeisterung für das, was er tut, schwappte auf das Publikum über und ich vermute mal, dass Kamp ebenfalls die Krefelder sowie die Kulturrampe in guter Erinnerung behält, auch wenn die Besucherzahl noch Luft nach oben geboten hätte.

Line-up:
Ted Russell Kamp (lead vocals, bass)
Erik Ivarsson (guitars)
Thomas Pontén (?) (guitars)
Martin Salomonssen (drums, bgv)

Bericht und Bilder: Michael Segets

Ted Russell Kamp
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Kulturrampe

Absolva – 04.10.2024 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Absolva sorgen wieder einmal für eine sehr gut gefüllte Kulturrampe in Krefeld. Erfreulich ist, dass sich im Publikum auch viele jüngere Fans finden, was zeigt, dass handgemachte Rock Musik nicht nur für ein älteres Publikum interessant ist.

Schnell gelingt es der Band bei einem sehr gut abgemischten Sound und einer schönen Beleuchtung der Bühne für beste Stimmung zu sorgen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Appleton Brüder, die abwechseln den Part der Sologitarre übernehmen und bei einigen Songs und in den Heavymetal und Hard Rock Sound auch das Stilelement der Twin Guitars einfließen lassen. Diese Passagen erinnern zuweilen sogar durch keltische Soundelemente an Wishbone Ash, nur eine Spur härter. Die Leadvocals übernimmt zum Großteil Chris Appleton, der nicht mit zum Teil weit aufgerissenen Augen fast diabolische Züge einfließen lässt. Aber auch sein Bruder Luke zeigt bei einigen Songs seine gesanglichen Fähigkeiten.

Karl Schramm am Bass, der oft headbangend zeigt, wie belastbar die Halswirbelsäule sein kann und Martin Mcne, der an den Drums zeigt, dass er auch gefühlvoll spielen kann, bilden eine starke Rhythmusgrundlage für die beiden Fronter.
Neben altbekannten Songs wird mit „The Thrill Of The Case“ ein Stück eingestreut, was für das im nächsten Jahr zu erscheinende Album vorgesehen ist. Den Worten Chris Appletons nach planen Absolva auch nächstes Jahr in der Kulturrampe wieder einkehren zu wollen, da kann man gespannt sein, was es an neuen Songs geben wird.

Es kann resümiert werden, dass es ein Abend war, an dem sowohl die Fans, wie auch die Band ihren Spaß hatten, da die Stimmung unter den Fans auch ihre Wirkung auf die Band hatte und so eine besondere live Atmosphäre entstanden ist, die sich nach dem Konzert auch im Kneipenbereich fortsetzte, wo die Band noch lange mit den Fans verweilte, was auch oft das Besondere an den „intimen“ Clubkonzerten ist.

Line-up:
Christopher Appleton – vocals, guitar
Luke Appleton – guitars, backing vocals
Karl Schramm – bass, backing vocals
Martin Mcnee – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Absolva
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Kulturrampe

Caitlin Krisko & The Broadcast – 07.09.2024, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

Caitlin Krisko und ihre Begleitband The Broadcast haben sich in den letzten Jahren in unserem Lande rar gemacht, genauer gesagt, ist es 2018 gewesen, als sie das letzte Mal in der Krefelder Kulturrampe gespielt hatten.

Das war noch zu Vor-Corona-Zeiten, als die Konzertszene noch in voller Blüte boomte. Jetzt gute sechs Jahre später nun die Rückkehr des zum Quartett geschrumpften Ensembles aus North Carolina (ein Keyboarder fehlte, vermutlich aus logistischen Gründen, ansonsten waren wieder Gitarrist Aaron Austin, Drummer Michael W. Davis und Bassist William Seymour, diesmal mit Vollbart, mit dabei)  in den beliebten Krefelder Szeneclub.

Ob dies letztendlich auch der Grund war, dass nur knapp 50 Besucher erschienen waren, sei dahin gestellt, das überaus warme Wetter, das parallel stattgefundene Match der Frankfurter Mafia, mögen vielleicht auch mit dazu beigetragen haben. Leistungstechnisch wäre man jedenfalls kein Risiko eingegangen, das hatte die charismatische Dame mit ihren Mitmusikern damals schon nachhaltig bewiesen.

Krisko ließ sich von der überschaubare Kulisse nicht beeindrucken und gab sofort zum Ausdruck, dass die Kulturrampe im Rahmen der Tour gesetzt gewesen ist.  Um 21:10 Uhr begann der Vierer überaus rockig mit dem Opener „Blue Horon“ gefolgt von „Half Asleep“

Die mittlerweile dunkelhaarige Fronterin begeisterte von der erste Minute an mit ihrer kräftigen ausdrucksstarken Stimme, mich immer irgendwie  an Nashville-Wuchtbrumme Wynonna erinnernd. Auch Aaron Austin zeigte seine punktgenaue Fingerfertigkeit bei vielen seiner Soli auf der güldenen Gibson Les Paul. Eine ganz starke Vorstellung von ihm (besonders beim Bind Faith-Klassiker „Can’t Find My Way Home“).

Mit zunehmender Dauer kam dann die neue EP „Blueprints“ mit ins Spiel, aus der dann auch bis auf einen Song alle Tracks gebracht wurden. In Set 1 gefiel mir noch besonders ein an Fleetwood Macs „The Chain“ erinnerndes, lässig groovendes Stück. das dann vom melodischen  „Haunted By You“ zum Ende abgelöst wurde.

Nach dem erneut rockigen Einstieg mit „Peace Of Me“ in die zweite Hälfte,  gab es mit dem shuffligen „Operator“,  dem balladesken „Hard To Say Goodbye“, einem intensiven Jam-Stück, dem stonesken „Steamroller“, den beiden gelungenen Covernummern „Today I Sing The Blues“ (Aretha Franklin) und „Rock And Roll“ (Led Zeppelin) und ihrem Paaradestück „Battle Cry“ als Finale einen schönen abwechslungsreichen Mix.

Die Rampenbesucher waren aus dem Häuschen und machten fast soviel Lärm, als wenn die Hütte voll gewesen wäre. Krisko & Co. nahmen dies wohlwollend zur Kenntnis und legten mit dem krawalligen „Waste It“ noch die fällige Zugabe nach.  Insgesamt eine überzeugende Leistung von Caitlin Krisko & The Broadcast, die, so denke ich, beim nächsten Auftritt in der Rampe, wieder deutlich mehr Resonanz finden wird.

Line-up:
Caitlin Krisko (lead vocals, percussion)
Aaron Austin (electric guitar, vocals)
William Seymour (bass, vocals)
Michael W. Davis (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Caitlin Krisko & The Broadcast
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Allen-Forrester Band – 06.04.2024 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Dritter Auftritt der Allen-Forrester Band in der beliebten Krefelder Kultlokation, mein erster Besuch in diesem Jahr seit Markus ‚Pille Peerlings das Zepter an die neuen Betreiber Maurice Kamp und Janina Hellmann überreicht hat.

Das Quartett um die beiden amerikanischen Namensgeber Josh Allen und Ben Forrester (der ist den Rampenbesuchern auch noch von diversen anderen Projekten bekannt) sowie den beiden deutschen Rhythmusgebern Hendrik Herder am Bass (sehr agil, zum Teil mit Plektron agierend) und Matze Böhm am Schlagzeug, hat sich mit ihren zuvor engagierten Vorstellungen und einer starken Studioplatte samt einer gerade erschienenen Live-EP im Rücken, zu einem Besuchergaranten entwickelt.

Um kurz nach 21:00 Uhr ging es dann in der bestens gefüllten Rampe los, gespielt wurde in zwei Sets mit einer halbstündigen Pause dazwischen. Im ersten Teil wurde sich gefühlt schwerpunktmäßig auf das noch aktuelle Studiowerk konzentriert.

„Stand Up“ als Opener, „Burning Daylight“, „Hey Carolina“, „Soundtrack Of My Summer“ und das emotionale „Phases Of The Moon“ (über Eva und Ben Forresters anfängliche Fernbeziehung). Höhepunkt für mich war hier jedoch das von Allen geschriebene „This Evening“, dass mit progressiven Zügen (inklusiv toller E-Soli) ein Spektrum von Bad Company, über Pink-Floyd bis zu Lynynrd Skynyrd-Einflüssen abbildete. Apropos Lynyrd Skynyrd: Mit „The Needle And The Spoon“ gab es dazu auch noch ein Coverstück aus der RVZ-Ära, plus „Southbound“ von den Allman Brothers.

Part 2 stand dann nach tollem Auftakt mit den ‚dreckigen‘ Rockern „Steady At The Wheel“ (fast sogar mein persönlicher Favorit des Abends) und „Too Late“ eher im Fokus der Coverstücke, auch wenn mit „Knocked Me Down“, Forbidden Fruit“ (sehr schön atmosphärisch) und „Good Situation Gone Bad“ (in einer Lang-Version mit inkludiertem Drumsolo von Böhm) und „Running For Your Life“ (Abschluss des Hauptgigs) weitere Songs des Debütalbums folgten.

Gefreut habe ich mich vor Allem über „Come And Go Blues von den Allman Brothers, was man eigentlich höchst selten serviert bekommt, und vom Quartett auch mit durchaus vernehmbarer, eigener ‚Handschrift‘ präsentiert wurde. Psychedelic-Jam-Fans durften sich ausgiebig an der AFB-Variante des Black Crowes-Tracks „Mr. Morning Song“ erquicken.

Die Band wurde natürlich nicht ohne Zugabe aus der Rampe entlassen. Allen, Forrester & Co. ließen es dann nochmals mit einer krawalligen Version von Skynyrds „MCA“ ordentlich scheppern. Wer auf handgemachten, sympathischen Southern Rock der guten alten Schule mit unzähligen E-Soli in schweißtreibender Clubatmosphäre steht, bekam mit der Allen-Forrester Band an diesem Samstag-Abend in der Krefelder Kulturrampe die volle Breitseite.

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar (Fender Stratocaster and Telecaster)
Ben Forrester – electric guitar (Gibson Les Paul)
Hendrik Herder – bass
Matze Böhm – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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EBF Music
Kulturrampe, Krefeld

Handsome Jack – 08.03.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Maurice Kamp, der neue Mastermind der Kulturrrampe kann sich freuen, wie die meisten in diesem Jahr aufgetretenen Bands sorgen auch Handsome Jack für eine ausverkaufte Rampe. Pille Peerlings lässt es sich an dem Abend nicht nehmen seinem Kind, der Rampe einen Besuch abzustatten, bevor es für einige Monate auf die Insel Amrum geht, um sich so ein Konzert aus der Besucherperspektive anzuschauen.

Pünktlich um 21 Uhr betritt das Trio die schräge Bühne und legt zwei furiose Sets aus einer Mischung von Blues, Boogie und Rock hin. Dabei stammen die Songs bis auf wenige Covers aus der eigenen Feder, wobei zuweilen ein Hauch der alten CCR oder von  ZZ Top mitschwingt.

Basslastig, rau und ohne Schnörkel sorgen die Drei dafür, dass die Fans von Beginn an gut mitgehen, wobei auffällt, dass auch einige jüngere Musikfans den Weg in die Rampe gefunden haben, was bei dem Musikstil oft eher nicht der Fall ist. Bestens gelaunt begrüßt Gitarrist und Leadsänger Jamison Passuite in gebrochenem Deutsch die Fans und sammelt so direkt einige Pluspunkte. Zu Beginn spielt er auf einer schwarzen Gibson Les Paul und streut einige kurze Soli in die Stücke ein, die er dann für die meisten Songs auf Seite legt und alternativ eine japanische Telesco SD4 L nutzt, die man eher selten sieht.

Joey Verdonselli spielt gradlinig seinen Bass und sorgt so gemeinsam mit Drummer Bennie Hayes für eine fette Rhythmusgrundlage. Dabei unterstützen sie bei vielen Songs Passuite beim Gesang, sodass dieser oft dreistimmig ist.
Neben Stücken aus älteren Alben der letzten zehn Jahre, spielen sie auch die Hälfte des erst Anfang des Monats erschienen Albums „Good Thing“, die gut bei den Fans ankommen, was sich auch daraus ableiten lässt, dass so manches Album, auch in Vinyl, in der Pause und nach der Show über den Merchandise-Tisch geht, und mit Autogrammen bestückt wird.

Aus einem Set-up ohne Ausfälle stechen besonders „Keep On“ als Opener mit leichten CCR-Flair, „Roll It“ und „Tough Love“ sowie das swampige „Everything´s Gonna Be Alright“ heraus, tricky sind die rau gespielten Coverversionen von „In The Midnight Hour“, „Knock On Wood“ und „Gloria“. Der Van Morrison-Song ist dabei eine ungeplante Zugabe, für die die vorher schon abgeschalteten Verstärker nach kurzer Beratung der Band noch einmal hochgefahren werden. Dies ist ein letzter Beleg für die Stimmung in der Rampe, die regelrecht von den Musikern genossen wird und so ein klasse Rausschmeißer performt wird.

Setlist:
Keep On
Bad Blood
Holding Out
Getting Stronger
Right On
Baby Be Cool
Roll It
Wind It Up
Tough Love
She Don´t Know How To Rock´n´Roll
Hard Luck Karma
Dry Spell
Ropes And Cains
It´s Understood
A Good Thing
In The Midnight Hour (Wilson Pickett Cover)
Echoes
Let Me Know
Everything´s Gonna Be Alright
Knock On Wood (Eddie Floyd Cover)
Gloria (Kinks Cover)

Line-up:
Jamison Passuite (guitar, lead vocals)
Joey Verdonselli (bass, vocals)
Bennie Hayes (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Handsome Jack
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Kulturrampe Krefeld
Teenage Head Music

Robert LaRoche – Forevermore – CD-Review

Review: Michael Segets

Robert LaRoche nahm ich das erste Mal als Gitarrist von Patricia Vonne wahr, als er an ihrer Seite in der Kulturrampe eine überzeugende Show ablieferte. Am Merch-Stand zeigte er sich anschließend überaus freundlich und zugewandt, sodass ich gerne im letzten Monat das Konzert des Robert LaRoche Trios in der Krefelder Kultlocation besuchte. Zuvor trat er als Überraschungsgast bei der Verleihung des Stadtsiegels an Markus „Pille“ Peerlings durch den Oberbürgermeister Frank Meyer im Rathaus auf. Diese Aktion steigerte meine Sympathien für ihn noch weiter.

Im Gepäck hatte LaRoche seine dritte Solo-CD „Forevermore“, die von John DeNicola sowie Darin Murphy produziert wurde. Die zehn von LaRoche geschriebenen Songs bewegen sich überwiegend im Midtempo. Die meisten Stücke liegen unter drei Minuten, keines knackt die Vier-Minuten-Marke. Insgesamt ist das Album also ein kurzes Vergnügen – aber ein Vergnügen.

Der Singer/Songwriter setzt eine Vielzahl von Instrumenten ein, um einen breiten Klangteppich zu erzeugen, der aber handgemacht wirkt. So sind Violine und Cello bei dem atmosphärischen „Temporary Virtue“ präsent. Eine B-3 Orgel begleitet „Safer Inside“ und „End Of Time“. Ungewöhnlichere Instrumente wie Vibraphon oder Glockenspiel („Hard Rain“) sind ebenfalls zu hören. Die Begleitung ist dabei nie aufdringlich oder wird zur Effekthascherei eingesetzt. Sie integrieren sich in die Songs und tragen deren Stimmung. Einige Tracks wie „She Knows“ und „Traitorous Heart“ sind dann auch in klassischer Bandbesetzung eingespielt.

Besonders gelungen ist der Einstieg „Steal Your Heart“. Hier gibt sich LaRoche von seiner rockigeren Seite, die ihm als Sideman bei Vonne schon gut zu Gesicht stand. Diese scheint auch bei dem folgenden „Burn hat Kingdom“ mit integriertem E-Gitarren-Solo durch. Mit seinem staubigen Intro würde der Song auch gut zu der Tejano-Queen passen, für die LaRoche als Songwriter tätig war. „Home Again“ geht vor allem auch durch den mehrstimmigen Harmoniegesang in Richtung Westcoast.

Einen Höhepunkt erreicht der Longplayer bei dem Titelstück „Forevermore“. Die ruhige, reduzierte Single erzeugt mit akustischer Gitarre, Geige und Cello eine wehmütige Atmosphäre, in die man versinken kann. Insgesamt erscheint die erste Hälfte des Albums etwas stärker, wobei sich auch in der zweiten Hälfte besonders hörenswerte Tracks finden – allen voran das bereits erwähnte „Temporary Virtue“.

Der in Massachusetts geborene und in Austin, Texas, wohnhafte Songwriter verarbeitet autobiographische Erfahrungen in seinen Texten, die sich um Beziehungen drehen. Ohne gekünstelte Ausflüge in literarisch bemühte Höhen, bringt er seine Gefühle gerade heraus, sodass die Lyrics im Kern authentisch wirken.

Auch ohne den Sympathiebonus, den sich Robert LaRoche bei seinen Auftritten in der Kulturrampe erworben hat, hält „Forevermore“ einige Glanzstücke bereit. LaRoche beweist sich mit „Forevermore“ als gestandener Songwriter, der weiß, was er tut. Das Album erscheint trotz unterschiedlich arrangierten Songs handgemacht und folgt einer Linie.

OMAD Records (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. Steal Your Heart
02. Burn That Kingdom
03. Home Again
04. Forevermore
05. Safer Inside
06. She Knows
07. Temporary Virtue
08. Hard Rain
09. Traitorous Heart
10. End Of Time

Robert LaRoche
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OMAD Records