Thorbjorn Risager & The Black Tornado – 12.11.2015, Piano, Dortmund – Konzertbericht

Auf diesen Abend hatte ich mich schon richtig gefreut. Zum Einen, weil ich im schönen Dortmunder Piano-Musiktheater, in dem ich bis jetzt immer tolle Konzerte erlebt habe und mich auch sonst pudelwohl fühle, schon längere Zeit nicht mehr gewesen bin, und nicht zuletzt wegen der zwei tollen Videoclips von Thorbjørn Risager, von dessem aktuellen CD/DVD-Package aus der Ruf-“Songs From The Road Reihe“, die auf der Piano-HP zur Event-Beschreibung im Vorfeld präsent und einem den Mund schon richtig wässrig gemacht hatten.

Des Weiteren hatte ich meinen gerade vierzig Jahre alt gewordenen, wesentlich jüngeren Bruder angesichts dieses Ehrentages zu einem erstmaligen gemeinsamen Konzertbesuch eingeladen, um seinem verschrobenen, von Grunge-Geschrammel geprägten und versauten Musikgeschmack, mal etwas Entwicklungshilfe zu leisten. Der musste aber letztendlich seinem anstrengenden Leben zwischen Zelluloid-Ballspiel in der Schweiz, ständig beruflich bedingter Asienreisen sowie Vater-Kind-Laterne-Bastel-Schul-Abenden und sonstigen gesellschaftlichen Zwängen, die bedauernswerten heutigen Väter von Frauen Marke Manuela Schleswig aufoktroyiert werden (um auch noch deren letzten Funken Würde und Selbstbewusstsein zu zerstören), Tribut zollen, und aufgrund eines immer noch nicht ganz auskurierten und sich wieder meldenden Bandscheibenvorfalls, kurzfristig das Handtuch werfen. Auch von den üblichen Verdächtigen aus meinem Bekanntenkreis, die auf solchen Gigs normalerweise auftauchen, leider keine Spur. So durfte ich diesen starken Risager-Abend mit den restlichen angenehmen Leuten, die sich für den Besuch an diesem Donnerstag entschieden hatten, ‚alleine‘ erleben.

Das Piano war recht gut gefüllt, aber es war überall noch gut Luft zum ‚Atmen‘ um Einen herum. Der Bandleader samt der weiteren Mitstreiter Peter Skjerning, Kasper Wagner, Peter Kehl, Søren Bøjgaard, Emil Balsgaard sowie Martin Seidelin begrüßte um 20:05 Uhr seine Audienz in gebrochenem Deutsch. Das Septett heizte mit dem, von einem typischen Quo-Riff getragenen „If You Wanna Leave“ sofort mächtig ein. Es folgte (in der Nachbetrachtung) direkt mein persönliches Highlight dieses Gigs, der schön soulige Schwofer „Burning Up“, durchzogen immer wieder von perfekter Fill-Arbeit der auch im gesamten Verlauf des Abends vielbeschäftigten Bläser-Section.

Über „Paradise“, „Drowning“ und dem retrobehafteten „The Straight And Narrow Line“ (mit HT-Pianoeinlagen) folgten dann bei „Train“ die ersten country-lastigeren Klänge, wobei Peter Skjerning den Bottleneck über die Saiten streifen ließ. Weiter ging’s mit „Im Tired“ im klassischen Blues-Schema. Toll auch die sehr atmosphärisch dargebotene Ballade „China Gate“. Das poltrige „Rock’N’Roll Ride“ bot erste Mitsing-Gelegenheit fürs Publikum und beendete einen launigen ersten Setteil gegen 21:00 Uhr. Nach ca. einer halben Stunde Pause und der Möglichkeit, den Flüssigkeitshaushalt wieder zu stabilisieren, fegten Risager und seine Jungs dann mit dem stonesken „High Rolling“ los. Eine starke Nummer, auch wenn mir hier als Gegenpart zu Risagers Röhre die Backgroundsängerinnen doch gefehlt haben, für die ich generell ja auch ein Faible besitze.

Das Slide-lastige „Too Many Roads“ ließ das Herz des berichtenden Country- und Southern Rock-Liebhabers natürlich höher schlagen. Saustarke Nummer. Erheiternd immer wieder die deutschen Ansagen zu den Songs der einzelnen Bandmitglieder. Gerade in unseren ‚integrations-bemühten‘ Zeiten eine tolle Geste an das hiesige Publikum. In diesem Fall leitete Drummer Martin Seidelin das herrlich groovende und funkende „Precious Time“ ein. „The Long Forgotten Track“ mit schöner E-Bariton-Gitarre verbreitete wieder gediegenen Country-Charme, klasse die gefühlvoll dazu plusternden Kehl und Wagner.

Der Swamp-Blues „On My Way“, kam meinen Präferenzen erneut entgegen, das fetzige von Gitarrist Skjerning angesagte„All I Want“ (fulminantes Risager-E-Solo) und das bläserlastige „Baby Please Don’t Go“ kamen im gleichen Dreier-Pack wie auf der aktuellen DVD. Risager lobte wieder in bemühtem Deutsch das ‚beste Publikum der Welt‘ und die schönste Location, in der er je gespielt hatte, wohl wissend, dass er diesen Spruch vermutlich schon bei zig anderen Auftritten losgelassen hatte. Welch ein Schelm, aber im Prinzip kommt er der Wahrheit, was das Piano betrifft, ja auch ziemlich nahe! Und so war dann heftige Swing Time beim furiosen Retroschunkler „Let The Good Times Roll“ angesagt, das dann auch einen richtig gelungen 2. Set abschloss. Die stürmisch eingeforderte Zugabe wurde dann mit dem zünftigen und vom Titel für diesen Anlass skurril anmutenden „Opener“ befriedigt.

Ein tolles Finish um 22:25 Uhr. Das Kommen zu Thorbjørn Risager und seinen Black Tornado hatte sich in allen Belangen gelohnt. Vielen Dank natürlich auch an Jennifer von 3Dog Entertainment für die abermals nette Zusammenarbeit!

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Madison Violet – 24.04.2009, Karo, Wesel – Konzertbericht

Das war für mich irgendwie ein ganz seltsamer Abend. Gefahren bin ich an diesem Freitag in mein geliebtes Weseler Karo wegen Madison Violet. Empfohlen hatte mir das Duo Karo-Leiter Mathias Schüller schon vor einigen Monaten beim Band Of Heathens-Konzert. Danach vergingen Wochen, ohne dass ich einen weiteren Gedanken an die kanadischen Mädels verschwendete (welch blöder Ausdruck…). Dann erreichte mich plötzlich ein Newsletter von der Promo-Agentur, die das neue MV-Album „No Fool For Trying“ ankündigte.

Ich mailte die Agentur an und bat um eine Akkreditierung für das Weseler Konzert und gleichzeitig um ein Rezensionsexemplar der CD – man möchte ja schließlich nicht unvorbereitet zu solch einem Gig. Prompt hatte ich zwei Tage später das Teil im Briefkasten. Der Konzerttermin war in meinem Kalender auf der Arbeit vermerkt. Unglücklicherweise brach ich mir vor 14 Tagen den Zeh meines rechten Fußes und überlegte, ob ich den Gig angesichts der zu erwartenden Standzeiten wahrnehmen sollte, zumal noch keine Akkreditierungszusage vorlag. Aber siehe da, die Agentur hatte sich bereits um alles gekümmert. Also hieß es doch auf die Zähne zu beißen.

Damit komme ich jetzt zum eigentlichen Anliegen des Abends, Madison Violet, alias Brenley MacEachern und Lisa MacIsaac, zwei hübsche und musikalisch sehr beschlagene Kanadierinnen. Die präsentierten ihr neues Werk „No Fool For Trying“, das auch schon im Studio recht sparsam (aber dafür umso exzellenter und filigraner) instrumentiert war, als reines Duo und reduzierten ihre Songs demnach vom Gehalt her auf ein Minimum, was der äußerst charmanten, sympathischen und humorvollen Performance aber keinen Abbruch tat.

Im Gegenteil, dem Zuschauer/Zuhörer wurde gerade deshalb ein konzentrierter Blick auf ihr umfassendes Können geboten. Beide zeichneten sich durch ihren hervorragenden Einzel-Gesang (federführend hier hauptsächlich die mit ihren geflochtenen Zöpfen superhübsch und countrygirlmäßig rüberkommende Brenley MacEachern) aus, der Knaller an sich waren aber die wirklich auf den Punkt gebrachten und fast schlafwandlerisch sicher sitzenden Harmoniegesänge (klasse hier Lisa McIsaac).

Nicht zu unterschlagen natürlich auch ihre instrumentellen Fertigkeiten in Sachen Akustikgitarren- (beide), Fiddle-, Mandoline- (Lisa) und Harp-Spiel (Brenley). Der Vortrag begann wie auf der CD mit dem wunderbar atmosphärischen „The Ransom“, über „Best Part Of Your Love“, gefolgt von Brenleys kurz skizzierter und in einem Song verfassten Abkehr von materiellen Werten bei „The Skylight“. Dem Titelsong ihres Silberlings „No Fool For Trying“ wurde Brenleys ‚Suche nach dem perfekten Schnitzel in Deutschland‘-Anekdote (süß ihr Akzent bei der deutschen Aussprache) vorgeschoben. Eine engagierte Zuschauerin überreichte ihr daraufhin Recherchematerial diesbezüglich… oder eine Speisekarte, was letztendlich nicht aufklärend zu erkennen war.

Die gesangstechnische Einbindung des Publikums entpuppte sich beim allerdings auch recht schwierig mitzusingenden „Men Who Love Women“ als gut gemeinter Vorsatz. Der wohl emotionalste Moment des Abends war, als die beiden das MacEacherns getötetem Bruder gewidmete „The Woodshop“ vortrugen, bei dem man Brenley deutlich den Kloß im Hals in der sichtlich berührten Gesangspräsentation anmerkte. Der Song ging unter die Haut.
Das berühmt berüchtigte Simon & Garfunkel-Cover „Mrs. Robinson“ (ich hasse Simon & Garfunkel…) und mein persönliches Lieblingsstück des aktuellen Albums, das flotte „Lauralee“ (herrlich hier einmal mehr die brillanten Harmonies) beendeten eine kurzweiliges Programm, das mit der Zugabe „Sore Heart“, einer Gemeinschaftsarbeit der beiden mit Ron Sexsmith, eine Spielzeit von einer guten Stunde erreichte.

Beide Mädels überzeugten als musikalisch glänzendes und harmonisches Team, die angenehme Optik gab’s noch obendrauf. Einem weiteren Besuch meinerseits (hoffentlich dann mal mit kompletter Bandunterstützung) steht demnach nichts im Wege, zumal weitere, zukünftige Auftritte in Wesel, angesichts der offensichtlichen Wohlbekundungen der beiden ‚Macs‘, als wahrscheinlich gelten dürften. Ich freu mich drauf!

Madison Violet
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Karo Wesel
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Randy Rogers & Wade Bowen – Hold My Beer Vol. 1 – CD-Review

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Ist das herrlich! Liebe Leute, kann Countrymusic schön sein. Die beiden eng befreundeten, texanischen Red Dirt-Ikonen Randy Rogers (Randy Rogers Band) und Wade Bowen haben sich zusammen getan, um ein gemeinsames Album einzuspielen – ein Album reinster, edler Countrymusic. Unter der Produktion von Lloyd Maines (auch mit vielen Instrumenten wie Pedal Steel, Dobro, Akustik-Gitarre und Mandoline involviert) spendieren die beiden uns mit “Hold My Beer – Vol. 1“ ein durch und durch traditionelles Werk in einem prächtigen, klaren Sound aus wunderbar transparenten Gitarren (E-Gitarren, Baritone Gitarren, herrliche Telecaster-Soli, akustische Gitarren), brillanter Pedal Steel und surrenden Fiddles, der sich jedoch gleichzeitig, trotz traumhafter Melodien, immer eine feine Portion „Grit“ bewahrt.

Diese Musik ist rein, ehrlich und authentisch bis in ihren tiefsten Kern und man merkt allen beteiligten hochkarätigen Akteuren (u. a. Jay Saldana, Caleb Jones, Will Knaak, Todd Laningham, Riley Osborne, Micah Vasquez sowie Brady Black und Geoffrey Hill von der Randy Rogers Band) den Spaß deutlich hörbar an, den sie bei dem Projekt hatten. Maines kitzelte aus ihnen förmlich Höchstleistungen heraus, es macht wirklich Laune, den vielen Feinheiten beizuwohnen.

Das Werk startet mit “In The Next Life“, einem Lied über ihre lang währende Freundschaft, vorgetragen im Wechselgesang der beiden (wie fast alle Stücke) und gespickt mit klasse Telecaster-/Fiddle-Fills und Solokombination. Das erste Coverstück (aus der Feder von Joe Ely) “I Had My Hopes Up High“ groovt mit herrlich selbstironischem Text locker in Saloon-Manier vor sich hin. HT-Piano, Twin Gitarren, Steel, Fiddle – Herz was willst du mehr? – einfach nur klasse!

Mit “‘Til It Does“ folgt eine wunderschöne Countryballade, die Wade mal live in einer Kurzfassung vorgestellt hatte und dann auf Randys Drängen für das Projekt zu Ende geschrieben wurde. Ähnlich schön auch das später platzierte “El Dorado“. Weiter geht’s mit dem Line Dance-tauglichen Schunkler “Good Luck With That“ (pumpender Bass, Dobro, Steel), dem starken Merle Haggard-Klassiker “It’s Been A Great Afternoon“ (tolle Dobro-/Fiddle-/ Telecaster-Solo-Kombination) und dem textlich wieder hochamüsanten “Standards‘‘ (es geht um einen Musikmanager, der Randy mal einen potentiellen Hit anbieten wollte, der aber dankend ablehnte, weil er sich für diesen Song nicht ‘verbiegen‘ lassen wollte).

“Hangin‘ Out in Bars“ beschreibt wieder mit viel Augenzwinkern, was Männer am liebsten tun, um ihre Verflossene zu vergessen. Ein typischer Country-Drinkin‘-Song. “Lady Bug“ bewegt sich auf einem toll vom Maines ausgebreiteten Banjo-Fundament, das mit Fiddle, feiner Mandoline und Dobro um weitere Country-Komponenten ergänzt wird. Den Abschluss macht ein weiteres Cover “Reasons To Quit“ aus der Feder von Merle Haggard und Willie Nelson. Eigentlich hatten Wade und Randy vor, ein eigenes Stück zu dem Thema (Ausstieg aus dem Künstlerleben) zu verfassen, entschieden aber, dass man die Thematik nicht besser und humorvoller auf den Punkt bringen kann, als es die Countryveteranen seiner Zeit getan hatten. Dafür ist die Umsetzung mit großartiger Akustikgitarre, Dobro und Fiddle umso besser gelungen. Toll!

Sehr schön auch die Gestaltung des Klapp-DigiPaks von Betsy Baird. Im Innern ist auf der rechten Seite ein alter Gemälderahmen ausgestanzt. Die Infos/Songtexte zum Werk wurden jeweils auf die Rückseite von vier einzelnen Polaroid-artigen Schwarz-/Weiß-Bildern (mit Randy und Wade) gedruckt. Diese kann man dann je nach Gusto wechselweise in den Bilderrahmen passgenau einschieben. Eine nette Zusatzgeschichte.

“Hold My Beer – Vol. 1“ von Randy Rogers und Wade Bowen ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie gehaltvolle, natürliche, genauso honky-tonkige, wie Outlaw-behaftete, lupenreine „real Countrymusic“ der Gegenwart klingen sollte. Nashville, bitte mal genau hinhören! Das ist die höchste Country-Qualität! Klasse vor allem, dass vermutlich, wie es das ‘Vol. 1‘, ja förmlich suggeriert, ein Nachschlag irgendwann wohl schon in ihren Planungen mitberücksichtigt ist. Bitte mehr davon, die Herren! Großartig!

Stil: Country
Eigenproduktion (2015)

01. In The Next Life
02. I Had My Hopes Up High
03. ‚Til It Does
04. Good Luck With That
05. It’s Been A Great Afternoon
06. Standards
07. El Dorado
08. Hangin‘ Out In Bars
09. Lady Bug
10. Reasons To Quit

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Josh Abbott Band – She’s Like Texas – CD-Review

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Ungemein frisch, schön knackig, locker, spritzig, aufgenommen in einem glasklaren, saftigen Sound: Die Josh Abbott Band mit einem herrlichen, traumhaft melodischen Countryrock-Juwel, das wie selbstverständlich die Trademarks der goldenen Countryrock-Tage der Siebziger (Poco, Eagles), traditionelle Countrywurzeln und die kernigen, würzigen Charakteristika der rockigen Texas/Oklahoma-Red Dirt-Bewegung (ala Eli Young Band, Wade Bowen, Cross Canadian Ragweed, Randy Rogers Band) miteinander vereint. Countryrock lebt – und wie!

Ein Konzertbesuch der Randy Rogers Band im „Blue Light“, einem kultigen Club in seiner Heimatstadt Lubbock/Texas stellte 2004 so etwas die Initialzündung für Josh Abbott dar, seine musikalischen Talente zu seinem absoluten Lebensmittelpunkt zu machen. Deren Art zu spielen, ihre Bühnenpräsenz und Rogers’Gesang, sowie die Verbundenheit mit dem Publikum faszinierten und motivierten Abbott derartig, dass er sein Studium abbrach und fortan nur noch auf die Karte Musik setzte. „I think I can do that, too“, lautete seine Maxime.

Sechs Jahre später veröffentlicht er mit seiner Band, bestehend aus Preston Wait (Fiddle, Electric guitar), Edward Villaneva (Drums), Daniel Almodova (Bass) und Gabe Hanson (Electric guitar, baritone, harmonica) mit „She’s Like Texas“ seine bereits zweite CD, nachdem er zuvor schon mit seinem Debüt bei den Kritikern („they rumble out like a Texas thunderstorm“; „honest songs about real-life emotions with strong harmonies and winsome melodic hooks“) und den Radiostationen in und um Texas herum für mächtig Furore sorgte.

Das musikalische Konzept von Josh Abbott orientiert sich naturgemäß durchaus an der Randy Rogers Band, wenngleich Abbott und seine Truppe mit diesem Album Rogers & Co. fast schon in den Schatten stellen. Wie bei Rogers spielen variabel eingesetzte Akustik/E-Gitarren (sehr stark Lead Gitarrist Gabe Hanson) und eine markante Fiddle (Preston Wait gleicht fast einem Pendant zu Brady Black) als essentieller Part neben Abbott’s charismatischer gesanglicher Präsenz (tolle, überaus angenehme, typisch texanische Red Dirt-taugliche Stimme) die dominierende Rolle. Das Songmaterial ist ohne jede Ausnahme vom Allerfeinsten!

Um zu erahnen, was das für die Zukunftsaussichten der Josh Abbott Band bedeuten könnte, braucht man kein Hellseher zu sein, sofern man die Erfolgsstory der Randy Rogers Band verfolgt hat. Für „She’s Like Texas“ konnte man zudem den überaus erfolgreichen Produzenten Erik Herbst (u.a. Eli Young Band, Bois D’Arcs, Kyle Bennett Band, Macon Grayson) gewinnen, der den Sound der JAB in noch professionellere und, das meinen wir nur positiv, sehr radiokompatible Bahnen gelenkt hat, ohne dabei auf das nötige rootsige, ursprüngliche, erdige und würzige Ambiente zu verzichten. Damit scheinen die Weichen für den ganz großen überregionalen Wurf gestellt zu sein.

Zu der großen Klasse des Albums tragen ohne Zweifel auch die klug ausgewählten Gastmusiker (u.a. Clay und Carla Corn, Gerald Jones und vor allem Virtuose Milo Deering mit seinem unwiederstehlichem Mandolinenspiel) bei, die allesamt bestens mit dem Quintett harmonieren. Dazu kommen wirklich gelungene Guestvocals, zum einen durch die exzellente Kacey Musgraves beim traumhaften Duett „Oh Tonight“ (wie eine Session der Randy Rogers Band mit den Wreckers – Musgraves klingt wie Michelle Branch; toll hier auch das bereits erwähnte grandiose Mandolinengeklirre von Milo Deering), zum anderen im Trio mit den Abbott-Kumpeln Trent Willmon und Roger Creager, die sich beim lockeren, dezent grassig angehauchten „End Of A Dead Road“ deutlich hörbar mit viel Freude die Gesangsbälle gegenseitig zuwerfen. Ganz stark dieser Song.

Das an die Eli Young Band oder No Justice erinnernde, wunderbare „All Of Sudden“ mit seinem nicht mehr aus den Ohren weichendem Refrain wurde schon im Vorfeld an die Radiostationen verschickt und erntete bereits höchste Chart-Ehren in den Texas Music-Charts. Die herrlich melodischen „The Walking Out“ und „If You’re Leaving (I’m Coming Too)“ gehen fliessend ineinander über und versprühen mit ihrem tollen E-Gitarrenrhythmus eine gewisse Heartland-Countryrock-Atmosphäre. Voller Hit-Potential stecken die flockigen „Fall In Love Again“ und „She’s Like Texas“, beide mit toller Mandolinenuntermalung, weiblichen Harmonies und Fiddle-Solo.

„Brushy Creek“ glänzt mit einem satten Hill Country-/Hillbilly-Flair, erzeugt durch Banjo und Fiddle, und erinnert mit seinen kernigen E-Gitarren-Riffs (inkl. großartigem Solo) sogar entfernt an eine countryeske Ausgabe von Lynyrd Skynyrd’s „Swamp Music“. Fröhlichen, knackigen Country mit einem Refrain zum Mitsingen bietet „I Just Wanna Love You“. Beeindruckend hier das starke Baritone-E-Gitarren-Spiel von Gabe Hanson. Das Ende der Scheibe gehört dann dem Bandleader (fast) allein, der bei „Let My Tears Be Still“ (es geht um einen kurz vor dem Tode stehenden, seine Lebensbilanz ziehenden Kriegsveteranen) zu den traurigen Pianoklängen von Gastmusiker Clay Corn eine emotionsgeladene, unter die Haut gehende Gesangsperformance abliefert und seine ganze vokale Klasse nochmals eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Josh Abbott und seine Band haben mit „She’s Like Texas“ einen tollen Longplayer hingelegt, der nachhaltig die Prognose eines amerikanischen Kritikers untermauert, der sagt: „The next big thing out of this terrific Texas music scene“! Das unterschreiben wir blind! Die CD kommt in einem schönen, 2-fach aufklappbaren Digipack mit ausführlichem, 16-seitigem Booklet, inklusive aller Texte. Hier passt alles! Begeisternder (Red Dirt)-Countryrock, wie wir ihn aus Texas lieben!

Pretty Damn Tough Records (2010)
Stil: Red Dirt

01. Road Trippin
02. All of A Sudden
03. The Walking Out
04. If You’re Leaving (I’m Coming Too)
05. Fall In Love Again
06. She’s Like Texas
07. Brushy Creek
08. Oh, Tonight
09. Hot Water
10. I Just Wanna Love You
11. End Of A Dirt Road
12. Let My Tears Be Still

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Cory Morrow- Live At Billy Bob’s Texas – Electric – CD/DVD-Review

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Einfach großartig! Cory Morrow mit seinem 30. Auftritt im legendären Billy Bob’s Texas in Forth Worth (und gleichzeitig als 40. Künstler, der ein Live-Album in dem texanischen Kulttempel aufnimmt). Angesichts der Fülle der Songs, die an diesem herrlichen Abend im Juni des vergangenen Jahres aufgenommen wurden, hat man den ‚elektrischen’ Teil (um den es hier geht) und den Akustik-Set gesplittet und als separate CD/DVD-Kombination veröffentlicht. Das Konzert beginnt mit einem knapp gehaltenen Instrumentalintro, bei dem Cory inklusive aller Beteiligten (John Carroll, Jon Cearley, Kim Deschamps, Clint Litton und Brendan Anthony) ihre Instrumente mal kurz zum ‚Warmlaufen’ bringen, um dann mit „Ramblin’ Man“, einem stimmungsträchtigen Country-Road-Song, so richtig Fahrt aufzunehmen.

Der aus Houston stammende Singer/Songwriter, mit einer Vorliebe für barfüßiges Auftreten, bietet dann im Verlauf des Abends ein Intermezzo seiner wichtigsten und beliebtesten Lieder sowie einiger toll umgesetzter Coverversionen. Auffällig, dass die im Billy Bob’s bisher immer recht steril wirkende Bühne diesmal etwas räumlich reduziert und auch viel angenehmer beleuchtet in Szene gesetzt wurde, und die starke musikalische Präsentation von Morrow & Co. damit auch noch optisch aufwertet. Genau wie beim Akustik-Set werden hier immer wieder kurze Interviews zu einigen Tracks mit Cory dazwischengesschaltet, bei denen er dann ein wenig ‚aus dem Nähkästchen’ plaudert. So erfährt man beispielsweise, dass Morrow „Good Intentions“ zwar mit den drei Co-Autoren Ray Wylie Hubbard, Radney Foster und Patrick Davis kreierte, ohne aber , dass die vier jemals beisammen gesessen hätten. Morrow trug Hubbard zunächst eine Idee vor, der gab seinen Input, dem fügte Foster bei einem Treffen mit dem Lalala-Gesang ein weiteres Element bei, um dann später den finalen Feinschliff durch Davis zu erhalten.

Das Konzert bewegt sich über die gesamte Distanz auf überaus hohem Niveau und bietet eine schöne Mischung aus Country-, Red Dirt- und Rock-Elementen, getragen von Morrows sympathischer Performance. Für die spielerischen Glanzlichter sorgen die variabel agierenden Brendon Anthony (Fiddle und Mandoline) und Kim Deschamps (Dobro, E-Gitarre, Mandoline und Steel) und natürlich der als Guitar-Wizard bezeichnete John Carroll, der ein ums andere Mal die Saiten seiner Telecaster bis zum Äußersten strapaziert. Ein Genuss den Leuten zuzuschauen und zuzuhören! Mit den Songs steigert sich auch zunehmend die Stimmung im Publikum und auf der Bühne und gipfelt dann in der furiosen Endphase des Gigs. Beim auch von Travis Tritt im Repertoire befindlichen „It’s A Great Day To Be Alive“ nimmt das Auditorium dankbar die Gelegenheit wahr, den Refrain lauthals mit zusingen.

Das Pete Townsend-Cover „Let My Love Open The Door“ rockt aus allen Rohren, Morrow begibt sich gegen Ende zum Handshaking und assisitiert dem reichhaltig tätowierten Drummer Clint Litton noch an den Cymbals. Spätestens beim abschließenden dezent punkig angehauchten “Beer“ brechen dann alle Dämme: Morrow, der sich wie von der Tarantel gestochen wild auf den ausgelegten Teppichen wälzt, und Carroll, der eine E-Gitarrensalve nach der anderen losfeuert (inklusiv grandiosem Southern-E-Solo), reißen das anfangs auf Stühlen verweilende Publikum dann völlig von den Sitzen. Ein temperamentvoller und genau richtig gewählter Abschluss eines fanatstischen Konzerts, das dann auch keine Wünsche mehr offen lässt. Nicht nur aus Vollständigkeitsgründen sollte man sich in jedem Fall auch den ebenfalls bärenstarken lohnenswerten Akustik-Set vom gleichen Gig gönnen! Die DVD ist Code-free und auf jedem Player abspielbar.

Smith Entertainment (2012)
Stil: Red Dirt

CD:
01. Ramblin‘ Man
02. Nothing Better
03. Lonesome
04. Good Intentions
05. Lead Me On
06. Spinning Around the Moon (Fly)
07. Brand New Me
08. Hold Us Together
09. All Said And Done
10. Drink One More Round
11. Restless Girl
12. 21 Days
13. A Love Like This
14. Gettin‘ Ready to Rain
15. It’s A Great Day To Be Alive
16. Let My Love Open The Door
17. Beer

DVD:
01. Ramblin‘ Man
02. Nothing Better
03. Lonesome
04. Good Intentions
05. Lead Me On
06. Spinning Around the Moon (Fly)
07. Brand New Me
08. Hold Us Together
09. All Said and Done
10. Drink One More Round
11. Restless Girl
12. 21 Days
13. A Love Like This
14. Gettin‘ Ready To Rain
15. It’s A Great Day To Be Alive
16. Let My Love Open The Door
17. Beer

Cory Morrow
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Rob Baird – Blue Eyed Angels – CD-Review

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Erneut ein Klasse-Debüt aus Texas! Erneut eine famose Leistung eines jungen Singer-Songwriters mit einem tollen, Roots-, Americana-, Countryrock-Album voller ins Ohr gehender, wunderschöner Songs! Rob Baird stammt zwar aus Memphis/Tennessee, hatte aber mit dem dort vorherrschenden Soul nie wirklich was am Hut. Trotzdem prägte diese musikverrückte Stadt seine Persönlichkeit und sorgte dafür, dass er schon im frühen Kindesalter begann, Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben. Durch das Leben und Arbeiten auf Farmen fühlte er sich allerdings mehr zum Country hingezogen und nach den ersten musikalischen Gehversuchen, liess ein Treffen mit Chris Knight den Entschluss reifen, sich nach Texas zu begeben, um seiner Passion professionell nachzugehen.

Dank der Bekanntschaft mit Scott Davis (Mitglied der Hayes Carll-Band) wurde Bairds großartiges Debüt in einem schönen Antebellumhaus in Lockhart, Texas eingespielt (Davis hatte sich spontan als Instrumentalist und Produzent zur Verfügung gestellt, und die Mithilfe der übrigen Bandmithlieder angeboten). Zudem übernahm Frank Liddells Carnival Recording Company (Liddell produzierte schon solch namhafte Interpreten wie Chris Knight, Miranda Lambert, Jack Ingram oder die Eli Young Band) die Vermarktung. Frank Liddell und sein Partner Travis Hill waren (im übrigen vollkommen zurecht) sofort Feuer und Flamme und verpflichteten Baird stante pede. Diese Begeisterung kann man nach dem Durchhören des elf Songs umfassenden Werkes „Blue Eyed Angels“ total nachvollziehen. Rob Baird hat ein außergewöhnliches Talent und auch seine Art Musik zu machen ist nicht alltäglich.

Geboten wird eine interessante Mixtur aus Alt Country in der Tradition großer Songwriter wie Steve Earle, Chris Knight oder auch Townes Van Zandt, jedoch verbunden mit den herrlichen, eingängigen Melodien, wie man sie aus der Red Dirt Szene von Acts wie u.a. der Eli Young Band, Wade Bowen oder Honeybrowne gewohnt ist. Dazu viel Countryrock-, Americana-, und eine dezent staubige Roots-Atmosphäre. Bairds Stücke (bis auf eine Ausnahme allesamt von ihm mit ein paar Co-Autoren geschrieben) behandeln im Großen und Ganzen Situationen und Gründe um das Scheitern von Beziehungen herum und sind nicht gerade von Optimismus geprägt. Teilweise sind sie dabei sehr atmosphärisch untermauert mit dunklen E-Bariton-Tönen („Louise“, „Maybe Tonight“) und einer wunderbaren Steelgitarre (klasse z.B. beim Dustin Benthall-Cover „Crash Hard“ oder bei „Say Goodbye“).

Trotz dieser textlich recht bedrückenden Inhalte gelingt es Baird mit seiner angenehmen Stimme (sehr Mike Eli ähnelnd) und den immer wieder eingeflochtenen, flockigeren Stücken („Could Have Been My Baby“ – die erste Single des Albums, „Here Comes The Day“ – Tom Petty-Flair, klasse Slidearbeit/-soli, „Lonely Road“ – knackiger E-Gitarren-Rhythmus, tolle Harmonies im Refrain, „Running away“ – fantastische, viel Rootsflair verbreitende Lap Steel Gitarren-Begleitung, inkl. Solo) das Ganze nicht in Depressivität ausarten zu lassen. Ganz im Gegenteil sogar, er zieht den Hörer regelrecht in seinen Bann und lässt immer wieder eine angenehme, entspannende musikalische Wärme aufkommen.

Nicht zuletzt auch ein Verdienst des durchgehend hohen instrumentellen Niveaus, wobei Ricky Ray Jackson und Scott Davis, die hier so ziemlich alles spielen, was an Saiteninstrumenten im Genre zur Verfügung steht, die meisten Akzente setzen. Der Titelsong „Blue Eyed Angels“ (vor denen Rob im Text eindringlich warnt…) beispielsweise wartet nach einem recht bedrückendem Midtempo-Auftakt mit einem überraschend kräftigen Refrain auf (zwei E-Gitarren-Soli, sich steigernde Orgel), das als Mischung aus ein wenig Folk, dezentem Bluegrass und Country angelegte „Fade Away“ (herrliches Zusammenwirken von Akustikgitarre, Mandoline und Bariton-E-Gitarre) ist einfach umwerfend und „Let Me Down Easy“ (klasse Steel, knackige Drums) will einem mit seiner markanten Refrainzeile nicht mehr aus dem Gehör gehen.

Fazit: Rob Baird ist mit seinem „Blue Eyed Angels“ ein ganz starkes Album geglückt, dass in Sachen Anspruch, musikalischem Niveau und Reifegrad bereits eine ordentliche Pace vorlegt und für jeden Liebhaber texanischer Americana-, Alternate Country-, Roots-, Countryrock-Klänge eine Menge zu bieten hat. Das Digipack ist zudem noch in recht geschmackvoll in Szene gesetzten Blautönen gestaltet (sehr passend zum Titel und der Atmosphäre des Werkes), das eingesteckte Booklet beinhaltet sämtliche, lesenswerte Texte. Rob Baird, ein großartiger, junger Typ – im Moment sicher noch ein Geheimtipp, schon bald aber vielleicht einer der neuen Vorzeige-Künstler aus Texas! Beeindruckend!

Carnival Recording Co. (2010)
Stil: Country / Roots Rock

01. Running Away
02. Could Have Been My Baby
03. Blue Eyed Angels
04. Louise
05. Fade Away
06. Maybe Tonight
07. Here Comes The Day
08. Crash Hard
09. Lonely Road
10. Let Me Down Easy
11. Say Goodbye

Rob Baird
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Josh Grider – Luck & Desire – CD-Review

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Klasse! Viele Kenner und Experten der heutigen Countryszene sind ja schon seit langem der Meinung, dass die schönere und bessere Countrymusic in Texas gespielt wird, nicht in Nashville – vor allem auch die ehrlichere. Ein absolutes Musterbeispiel für diese These ist der hier mit einem gnadenlos starken, neuen Album aufwartende Josh Grider. Red Dirt meets Country!

Ja, Grider, der sich bisher eigentlich eher auf dem Terrain des texanischen Red Dirts tummelte, legt mit dem herrlichen „Luck & Desire“ den Fokus eindeutig auf traditionsbewussten, dabei absolut zeitgemässen, reinen Country und New Country im Stile der angesagten Neo-Traditionalisten wie die texanischen Kollegen Cody Johnson, Curtis Grimes, John Slaughter und Jason Boland & The Stragglers, und erzielt dabei eine großartige Nashville-Kompatibilität zu solchen Leuten wie George Strait, Easton Corbin, aber auch Dierks Bentley. Er vergisst dabei nie seine Red Dirt-Roots. Joshs vierter richtiger Longplayer (dazwischen gab es eine EP und ein Live-Album) bietet ein in Eigenregie entstandenes Werk voller spürbarer Authentizität.

Der kommerzielle Gedanken blieb weitestgehend außen vor. Trotzdem strotzt das Album nur so vor Qualität und Hitpotential. Mit ein wenig Glück könnte Grider hiermit den Grundstein für einen gewaltigen Karrieresprung gelegt haben, wenngleich es im Lone Star State bereits schon richtig rund für ihn läuft. Die Single „White van“ schaffte es gerade, im übrigen völlig zu Recht, auf die Nummer 1 der dort sehr bedeutenden Texas Music Charts. Der Opener und Titelsong des Albums, „Luck & desire“ erzählt von einer Unterhaltung zwischen Josh und dem Songwriter Jeff Middleton, in der es darum geht, dem großen Traum nachzujagen, in Nashville Fuß zu fassen. Ein sehr nachdenkliches Stück, musikalisch hinreissend schön und melodisch in Szene gesetzt – ruhig, mit akustischer Gitarrenuntermalung, ein paar Piano-Tupfern, Pedal Steel-Linien und lockeren Drums.

Und was hat dieser Josh Grider für eine reine, klare, angenehme Countrystimme! Die folgenden, knackigeren Stücke „Anything Can Happen“, mit einem etwas an Tom Petty erinnernden-Führungsriff und einem den guten, alten Restless Heart recht nahe kommenden Refrain, das fröhlich wippende, großartige „White Van“ und das flotte „Boomerang“ (tolle Bariton-E-Gitarren-/Steel-Solo-Kombination) lassen den Gute Laune-Pegel dann deutlich ansteigen. Gerade das Red Dirt-infizierte „White Van“ hat in Texas, wie bereits erwähnt, sofort richtig eingeschlagen. Die Nummer mit ihrem markanten, leicht mitsingbaren Refrain hätte aber auch in Nashville große Chancen, wenn sie im dortigen Hitradio gespielt würde.

Melancholie pur wird dann in „High Enough“ geboten, offenbar deutlich beeinflusst von Garth Brooks, der zu Joshs Einflüssen zählt. „On Vinyl“, mit einem starken, Southern Rock-geprägten E-Gitarren-Solo, huldigt die alten Zeiten, als nicht nur das musikalische Leben noch etwas übersichtlicher war. Ein Stück, das gut auch zu einem Dierks Bentley passen würde. Ebenfalls mit gewaltigem Hitpotential! „Haymaker“ bietet mit swampiger Note, Geräuscheffekten und surrealem und dezentem psychedelischen Touch die richtige Hintergrundmusik in einem schwülen Südstaaten-Thriller. „Here We Are“ kommt im Stile des 90er New Country-Helden a là Restless Heart oder Diamond Rio.

Dass auch Joshs Ehefrau Kristi eine hoch talentierte Sängerin ist, beweist sie in dem wunderschönen Duett „Skin And Bone“, einer tollen, atmosphärischen Red Dirt Country-Ballade. Ebenfalls ruhig und sehr introvertiert verläuft „Pontiac“, die einzige Fremdkomposition des Werkes. Die Handschrift der uns bestens bekannten Mitschreiberin Lori McKenna ist hier deutlich erkennbar. Das mit einem markanten, sehr eingängigen Refrain ausgestattete „Can’t Stop“ wäre ebenfalls ein potentieller Cover-Aspirant für Dierks Bentley. Mit dem traditionellen, großartigen Honky Tonker „One Night Taco Stand“ gibt es am Ende noch mal einen schön Steelguitar-getränkten, echten Countrysong. Josh Grider lässt mit „Luck & Desire“ unter der Regie von Produzent und Nashville-Musiker Trent Willmon so ein wenig den Country im Stil der 90iger Neotraditionalisten wie Garth Brooks, Tracy Lawrence, Mark Chesnutt, Alan Jackson und Konsorten wiederaufleben, ohne den Zahn der Zeit auch nur ansatzweise zu verfehlen.

Das hat viel Charme und richtig Klasse. Wenn die richtigen Leute in Nashville sein „Luck & Desire“ mal ordentlich durchleuchten, dürfte ein Major-Vertrag zum Greifen nahe sein. Ob das allerdings infolge der Profitgier der großen Labels und dem unweigerlich damit verbundenen Verlust an Authentizität lohnenswert ist, sei einmal dahin gestellt. Auf jeden Fall täte Josh Grider mit diesem Album Music City richtig gut! Wir wünschen Dir viel Glück, Josh! Bleib, wie Du bist – das ist der richtige Weg! Tolles Album!

Eigenproduktion, 2014
Stil: New Country

01. Luck And Desire
02. Anything Can Happen
03. White Van
04. Boomerang
05. Theme
06. High Enough
07. On Vinyl
08. Haymaker
09. Theme
10. Here We Are
11. Skin and Bone
12. Pontiac
13. Can’t Stop
14. One Night Taco Stand

Josh Grider
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Galloway & Kelliher – Outlaws & Renegades – CD-Review

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Die Rockmusik steckt doch immer wieder voller Überraschungen. Da tauchen zwei schon etwas reifere Herren wie aus dem Nichts in der Southern Rock-Szene auf und legen eine richtig starke Debüt-Scheibe hin! Die Rede ist von Mike Galloway und Tim Kelliher, zwei Namen, bei denen ich lügen würde, wenn ich behaupte, dass sie mir in meinem bisherigen Leben im musikalischen Sinne schon mal bewusst erschienen wären.

Aber die beiden in Florida lebenden Recken waren in früheren Tagen auch eher in der Blues-/Blues Rock-Sparte aktiv (Galloway als Frontmann einer Band namens The Midnight Creepers, Kelliher bei seinem Cousin Mark Emerick in einer Truppe namens SouthPaw), trotzdem behaupte ich mal einfach, dass sie auch bei meinem Kollegen, dem wandelnden Blues-Lexikon Joe Brookes, eher für nichtsagendes Schulterzucken sorgen dürften. Sie haben aber laut Bio schon mit vielen bekannten Musikern gearbeitet, u.a. auch für einige namhafte Southern-Acts (Blackfoot, Allman Brothers).
Auf dem Cover blicken uns zwei sonnenbebrillte, echte Typen entgegen. Galloway könnte als Bruder von Orange County Chopper-TV-Kultfigur Paul Teutal sr. durchgehen, wenn er noch ein wenig an seinem grauem Schnauzer feilen würde, Kelliher ähnelt mit seinem bescheuerten Hut einem als Cowboy verkleidetem Klaus Meine (sorry Tim, soll keine Beleidigung sein…). Im Gegensatz zur vor einiger Zeit von mir beleuchteten Scheibe von Smith & Harley, zur der ich zunächst spontan Ähnlichkeiten vermutet habe (es gibt hier auch durchaus Stücke, die der Biker-Klientel schmeicheln könnten), ist das musikalische Niveau aber in deutlich höheren Regionen anzusiedeln.

Galloway glänzt neben seinen außergewöhnlichen Qualitäten als Harp-Spieler auch mit einer trockenen, whiskeygeschwängerten und sehr bissigen Stimme, wie wir sie einst von Molly Hatchet-Frontman Danny Joe Brown zu schätzen gelernt haben, Tim Kelliher weiß sämtliche Gitarrenkünste aller wichtigen Southern-Genre-Vertreter im Gibson-Bereich mehr als nur zu imitieren. Und so erhält man summa summarum neun sehr gefällige, abwechslungsreiche Southern Rock-Stücke mit dezenten Blues Rock-Tupfern, die man sofort in sein Herz schließt.

Vom flotten Opener „Rebel Rock“ (erinnert von der Untermalung an ZZ Tops „La Grange“, kombiniert mit Skynyrd– und Hatchet-Einflüssen, klasse Instrumental-Finish) bis zur abschließenden Live Studio-Session „Blues In The Morning“ (stampfender Southern-Blues Rock mit Harp und HT-Piano), werden alle Facetten aus der Blütezeit des Southern Rocks gestreift. Nicht zuletzt dadurch begünstigt, dass relativ viele Stücke mit über fünf Minuten Spielzeit aufwarten und viel Platz für instrumentale Gestaltungsmöglichkeiten offen lassen.

Mir persönlich gefallen die sich im Dunstkreis der Marshall Tucker Band befindlichen, entspannten „Virginia Moon“ (schöne Twin-Gitarren a lá Caldwell/McCorckle, herrliches Country-Flair) und „Carolina Mountain Time“ (Double Leads-Passage, schöne Pianountermalung, gurgelndes Organ-Solo), das ebenfalls recht balladeske und an die Allman Brothers angelehnte „‚Nite Train“, aber auch die mächtig ins Bein gehenden „Hurt“ (Johnny Cash-inspiriert, aber in Wahrheit als Doc Holliday-/Molly Hatchet-Kracher serviert) und „She’s Got The Rhythm“ (klasse Southern-Blues-Boogie im Stile von Molly Hatchet zur „Flirtin‘ With Disaster“-Phase).

Im Prinzip haben Galloway & Kelliher ein Werk ohne große Schwächen abgeliefert, das einen wehmütig in einstige Southern Rock-Zeiten zurückschwelgen lässt. Hier wurde zwar nicht gerade eine Bewerbung für den Genre-Innovationspreis abgegeben (außer bei „Willie“ mit seinem integriertem ‚Redneck Rap‘), aber das in der Szene über Jahrzehnte geschätzte Liedgut mit viel Liebe abgewandelt und weitergepflegt (ähnlich wie es Rambler auf ihrem Erstling getan haben). Aus diesem Grunde bleibt eigentlich nur ein Fazit. Die Kombination aus Country-, Blues- und Southern Rock, wie sie von Galloway & Kelliher auf „Outlaws & Renegades“ praktiziert wird, passt hervorragend zusammen. Nachschlag gerne erwünscht!

Eigenproduktion, 2007
Stil:  Southern Rock

01. Rebel Rock
02. Virginia Moon
03. Willie
04. ‚Nite Train
05. Hurt
06. Carolina Mountain Time
07. She’s Got The Rhythm
08. Edna
09. Blues In The Morning

Galloway & Kelliher
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Stoney LaRue – Aviator – CD-Review

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Stoney LaRue mit seinem vierten Studioalbum! Nachdem sich der in Edmond, Oklahoma lebende Singer/Songwriter auf seinem letzten Album „Velvet“ ein wenig experimentierfreudig gezeigt hatte und trotzdem, was die Charts anbelangt, mit seinem bisher größten Erfolg belohnt wurde, wählt er mit seinem neuen Werk „Aviator“ wieder die eindeutig eingängigere Variante und wartet mit wunderbar lockeren, flockig dahin fliessenden und sehr melodischen Songs auf, die sich, immer noch weit entfernt vom Nashville-Mainstream, genüsslich an der Schnittstelle zwischen rootsigem Country, teils mit durchaus traditionellem Ambiente, Americana, Alternate Country und feinem Red Dirt-Country tummeln.

Das Material ist klasse! Verantwortlich hierfür ist die erneute Zusammenarbeit LaRues beim Songwriting mit Mando Saenz, der ja auch schon auf „Velvet“ stark mit eingebunden war. Lediglich der Merle Haggard gewidmete Countryschwofer „Natural high“ (weinende Steel, wunderschöne Harmoniegesänge von Aubrie Sellers) stammt aus der Feder von Freddy Powers. Produziert haben, in einem angenehm warmen und transparenten Sound, Frank Lidell (Eli Young Band) und Mike McCarthy. LaRue beeindruckt mit einer reifen, großartigen Gesangsleistung und hat zuweilen gar ein ganz dezentes Garth Brooks-Timbre in der Stimme, das hervorragend dem countrydurchzogenen Gehalt vieler Tracks unterstreicht.

Natürlich ist es eine Freude, den hervorragenden Musikern (u. a. Wallflowers-Drummer Fred Eltringham, Glenn Worf, Oran Thornton, Glenn Duncan, Jim Hoke) zuzuhören, wobei Randy Scruggs (Sohn von Bluegrass-Legende Earl Scruggs) mit seinem herrlich klaren Akustikgitarrenspiel, Aubrie Sellers mit bezaubernden Harmoniegesängen und der variable Josh Grange mit E-Gitarre, Steel und Keys die auffälligsten Akteure darstellen. Vom flockigen Opener „One And Only“ (quirliges Akustikgitarrenspiel, Steel, Fiddle-Tupfer) über das Dancehall-taugliche „Til I’m Moving On“, dem atmosphärischen Titelstück „Aviatior“ (tolle Akustik-Slide, Akkordeon, E-Piano, Crowd-Harmoniegesänge) den sehr eingängigen „A Little Too Long“ (Akkordeon-Tupfer) und „Million Dollar Blues“ (klasse Bariton-E-Gitarre, einfühlsame Harmoniegesänge von Sellers), bis zum bereits o. a. Steel-getränkten Heuler „Natural High“ lässt Stoney diesmal vor allem seinem Country-Herz freien Lauf. Ganz stark auch das wunderbar lockere, entspannte, traumaft melodisch dahin gleitende „Blending Colors“, das mit seiner Rhytmik, seinen vereinzelten Flöten-Klängen und dem markanten Akustik Gitarren-Spiel gar ein wenig an die „Heard It In A Love Song“-Art der Marshall Tucker Band zu erinnern scheint.

Am Ende gibt es mit „Studio A Trouble Time Jam“ noch einen recht schroffen, psychedelisch angehauchten Countryrocker (mit dezentem Rockabilly-Flair, quäkiger Harp, rauem E-Gitarrenfinale) als Bonustrack, mit dem gegen eine unverhoffte Schließung eines RCA-Studios, das wohl inmitten einer Musiker-Session dicht gemacht wurde, protestiert werden soll. Sehr schön wieder mal das Cover-Artwork (schon auf „Velvet“ hatte ja der Samtüberzug für Aufsehen gesorgt) mit allen Texten, das diesmal ganz im Zeichen des Flugwesens (zum Teil mit technischen Zeichnungen) nebst einigen Fotos von Stoney illustriert wurde.

Stoney LaRue gelingt mit „Abviator“ eine deutliche Steigerung zum Vorgänger „Velvet“. Das Werk dürfte den Fans von lockerem, melodischem Alternate Country, Red Dirt Country und sicher auch dem ein oder anderen, traditionbewusstenCountry-Freund eine Menge Freude bereiten. Der Mann hebt dabei, wie der Titel es vermuten lassen könnte, überhaupt nicht ab, sondern stellt sich ganz in den Dienst der Musik. Er geht dabei weiter seinen ganz eigenen Weg – und das ist gut so. Klasse Stoff für aufgeschlossene Americana-/Country-Feinschmecker!

Entertainment One Music (2014)
Stil: Red Dirt / Country

01. One And Only
02. Golden Shackles
03. Til I’m Moving On
04. Aviator
05. First One To Know
06. Blending Colors
07. Spitfire
08. Still Runnin‘
09. A Little Too Long
10. It’s Too Soon
11. Million Dollar Blues
12. Dark Side Of The Line
13. Natural High (for Merle Haggard)
14. Studio A Trouble Time Jam

Stoney LaRue
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