Super Vintage – Destiny – CD-Review

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Review: Michael Segets

Griechenland zählt nicht unbedingt zu den Hochburgen des Rock ‘n Roll. Dass dort aber nicht nur Sirtaki gespielt wird, beweisen Super Vintage, die mit „Destiny“ ein Hard Rock-Album produzierten, das sich vor den internationalen Größen nicht zu verstecken braucht.

Mastermind der Band ist Stavros Papadopoulos, der 2012 die Band Hush ‘N Rush gründete. Nach vier Veröffentlichungen in Eigenproduktion unterschrieb die Band drei Jahre später einen Vertrag bei Grooveyard Record und benannte sich in diesem Zuge in Super Vintage um. Neben einer Zusammenstellung aus dem Frühwerk liegen mit „Destiny“ nun drei weitere Alben der Band unter neuem Namen vor.

Songwriter, Sänger und Gitarrist Stavros Papadopuolos wird von Anbeginn der Band vom Gitarristen Panagiotis Zabourlis und vom Schlagzeuger Lazaros Simitsis begleitet. Seit 2016 ist Jim Moralis am Bass mit dabei.

Mit ihrem melodiösem Hard Rock liegen die Jungs von Super Vintage auf der gleichen Wellenlänge wie Little Caesar und auch die rauchige, leicht angekratzte Stimme von Papadopuolos weist Ähnlichkeiten mit der von Ron Young auf.

Bis zum abschließenden „Destiny“ lassen es die Hellenen mächtig rocken. Das akustisch gehaltenen Titelstück ist dabei mehr als die für Hard Rock-Scheiben quasi obligatorische Ballade. Es zeigt Super Vintage von einer filigraneren Seite, von der ich zukünftig gerne mehr hören würde.

Bei den anderen Tracks des Albums geht die Band straight drauflos. Super Vintage versteht es dabei, die Songs zu strukturieren und Melodien erkennbar zu halten. Dabei nutzen Stavros Papadopuolos und Panagiotis Zabourlis stets die Gelegenheit zu längeren Gitarrenintermezzi. Diese sind mir schon etwas zu viel, aber das mögen eingefleischte Genreliebhaber anders sehen.

Das Album wirkt sehr homogen. Das heißt, dass es auf der einen Seite keine Ausfälle gibt, die Songs sind durchweg gelungen. Auf der anderen Seite ist der Wiedererkennungswert der einzelnen Beiträge jedoch nicht besonders ausgeprägt.

„Streets Of This Town“ sticht durch den aggressiv gesungenen Refrain allerdings etwas hervor. Auch finden sich einige schöne Intros, wie auf „Down Home Tradition“, zu dessen Abschluss Lazaros Simitsis gehörig auf die Becken zimmert. Ebenso treibt der Schlagzeuger „The Road“ ordentlich an.

Für den Abschluss von „Southern Train“ hat sich die Band etwas einfallen lassen, ansonsten wirken die Fade Outs mancher Songs eher etwas lieblos. Anspieltipps wären vielleicht die erdigen „Brotherhood Of Blues“ und „Naked Tree“.

Super Vintage liefern gitarrenorientierten und melodiösen Rock der härteren Gangart ab. Dem durchgehend gut hörbaren Longplayer „Destiny“ fehlen die hervorragenden Highlights, die sich sofort einprägen. Dies kann sich bei mehrmaligem Hören noch ändern – eine Chance, die man den Griechen getrost geben kann.

Grooveyard Records (2018)
Stil: Hard Rock

Tracks:
01. Rock N‘ Roll Saviors
02. Brotherhood of Blues
03. Edge of Time
04. Naked Tree
05. Streets of This Town
06. Down Home Tradition
07. Everything You Wanted
08. Southern Train
09. The Road
10. Destiny

Super Vintage
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Grooveyard Records

Shaw Davis & The Black Ties – Tales From The West – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nach der Debütplatte ist „Tales From The West“ das zweite Werk des 2016 gegründeten Trios um den Fronter Shaw Davis. Hierzulande ist das Powertrio ein noch unbeschriebenes Blatt, 2017 gewannen es die South Florida Blues Challange und das Blues Magazine sprach bei Davis sogar von einem neuen jungen Gitarrenhelden, an dem man noch viel Spaß haben werde. Erste Lorbeeren konnte sich die Band schon im Vorprogramm bekannter Größen, wie Mike ZitoAlbert Castiglia oder Matt Schofield einheimsen.

Nun aber zum aktuellen Album. Wie schon die Vorbilder Jimmy Hendrix und Stevie Ray Vaughan – nur um zwei zu nennen – es erahnen lassen, spielt die Band einen eher rauen, härteren Stil des Blues.

Der Opener offeriert sofort schon, dass Davis & Co. nicht im Mainstream einzuordnen sind. In „Take My Hand“ gelingt es der Band wavige, zum Teil psychedelische Züge einfließen zu lassen, wobei sich rasante Parts mit eher ruhigeren Gesangspassagen abwechseln.

Mutig ist das Zappa-Cover „Willie The Pimp“, welches in einem harten, schleppenden Blues-Stil präsentiert wird. Davis‘ prägnante, aber auch sehr klare Stimme und mehrere E-Gitarrensoli, entweder klar im Vordergrund oder aber im Hintergrund, geben dem Song eine ordentliche Strahlkraft. Bobby van Stone an den Drums und Patrick Stevenson am Bass legen wie in allen Songs eine starke Rhythmusgrundlage für das schnörkellose, oft ins psychedelische abdriftende Gitarrenspiel des Protagonisten.

Im Titelsong „Tales From The West“ fühlt man sich zunächst an die legendären Doors erinnert, wobei das Gewand auch durch Southern Rock-ähnelnde Intermezzi einen modernen erfrischenden Touch erhält.

Das rockig fetzige „Mamma Told Me“ lässt den oft rohen, harten Bluesstil eines Stevie Ray Vaughans wieder aufleben, ohne dass das Gefühl aufkommt, es würde sich um einen Abklatsch handeln. Interessant dabei der Beginn des Gitarrensolos zum Ende des Songs, welches sich aus dem Rhythmus von „Hey Joe“, des damaligen Gitarrengottes Jimmy Hendrix, entwickelt.

Das folgenden „Fire Inside“ ist stilistisch eine logische Folge des Vorgängers, mit Reminiszenzen an sein  „Crosstown Traffic“ , allerdings hier moderner und härter gespielt.

„Know Where You Been“ mit klassischer Bluesuntermalung und starken Soli, lässt erahnen, warum von einem neuen jungen Gitarrenhelden gesprochen wird.

Im, wie der Name es schon verlauten lässt, groovenden „Atomic Groove“, geht es insbesondere im Mittelpart wieder leicht psychedelisch zu, wobei der Blues aber, wie in allen Tracks das Grundgerüst bildet.

Das Junior Kimbrough-Cover „I Gotta Try You Girl“ behält trotz vieler Tempowechsel innerhalb eines Songs seine Homogenität.

Das abschließende „My Friend“, ein zunächst sehr ruhiges Lied, holt den Zuhörer wieder auf den Boden zurück, um diesen dann aber mit fulminanten Soli jäh aus allen Träumen zu reißen.

Liebhaber von Blues-Musik mit rauer E-Gitarrenkunst werden an diesem Album mit Sicherheit Gefallen finden. Positiv zu vermerken ist auch das Stimmvolumen des Fronters, da es oft genug starke Gitarristen gibt, bei denen die Vocals nicht mit ihrer Instrumentenfertigkeit Schritt halten können.

Wenn Shaw Davis & The Black Ties mal den Sprung über den Teich wagen sollten, ist davon auszugehen, dass die Besucher sich auf furiose Blues Rock-Unterhaltung mit viel Spielraum für Improvisationen einstellen können.

Shaw Davis – Gitarre, Vocals
Bobby van Stone – Drums/Percussion
Patrick Stevenson – Bass, Vocals

Grooveyard Records (2018)
Stil: Hard Rock

Tracks:
01. Take My Hand
02. Willie The Pimp
03. Tales From The West
04. Mamma Told Me
05. Fire Inside
06. Know Where You Been
07. Atomic Groove
08. I Gotta Try You Girl
09. My Friend

Shaw Davies & The Black Ties
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Marc Broussard – Magnolias & Mistletoe – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach seinem Auftritt im ARD-Morgenmagazin schaffte es das aktuelle Album „Easy To Love“ von Marc Broussard hierzulande in die Charts. Die sprunghaft angestiegene Popularität des Amerikaners – zu der bestimmt auch die Berichte auf Sounds Of South gehörig beigetragen haben (überaus scharfsinnig erkannt Herr Segets! – der Red.) – führte dazu, das ursprünglich 2015 erschienene „Magnolias & Mistletoe“ in Deutschland herauszubringen.

Auf dem Weihnachtsalbum interpretiert Marc Broussard acht anglo-amerikanische Klassiker und zwei von ihm mitgeschriebene Songs. Bei den Versionen steht Broussards angenehme Stimme im Vordergrund, die Weihnachtsstimmung mühelos transportiert. Bei der Begleitung dominiert das Klavier. Ansonsten sind die Cover dezent akustisch instrumentalisiert, wobei Broussards Familie als Hintergrundchor gelegentlich Harmonien beisteuert.

Lediglich die beiden Eigenproduktionen „When Christmas Comes Along“ und „Almost Christmas“ sind mit deutlichem Schlagzeug und stärkerem Einsatz der Band etwas poppiger ausgelegt.

Aus unzähligen Hollywood-Streifen dürfte „Auld Lang Syne“ („Nehmt Abschied, Brüder“) einem breiten Publikum bekannt sein. Unbekannt waren mir „The First Noel“, „The Christmas Song“ und „Hark The Herald Angels Sing“. Die Stücke passen sich aber sehr schön in die Traditionals ein.

Die deutsche Fassung „Hört der Engel helle Lieder“ von „Angels We Have Heard On High“ wird schon mal im Gottesdienst gesungen. Zum Standardrepertoire von Gospel-Chören gehören „O Come, O Come Emmanuel“, „O Come All Ye Faithful” und „O Holy Night”. Die beiden letztgenannten Titel habe ich beispielsweise zuletzt auf dem diesjährigen Benefizkonzert der Family Of Hope in der Krefelder Lutherkirche gehört.

Mit der Auswahl der Lieder verlässt Marc Broussard ausgetretene Pfade. Zudem umschifft er auf seinem Werk ein Problem manch überladener Weihnachtsscheiben, die dazu tendieren, mit Bombast Festtagsgefühle erzeugen zu wollen. Stattdessen vertraut er ganz auf seinen Gesang. „Magnolias & Mistletoe“ ist daher eine echte Alternative zu dem üblichen musikalischen Weihnachtseinerlei.

Big Lake Music (2015/2018)
Stil: Soul/Weihnachtslieder

Tracks:
01. The First Noel
02. Auld Lang Syne
03. O Come All Ye Faithful
04. O Holy Night
05. The Christmas Song
06. Angels We Have Heard On High
07. O Come, O Come Emmanuel
08. Hark The Herald Angels Sing
09. When Christmas Comes Along
10. Almost Christmas

Marc Broussard
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Music Matters

Red Beard, 20.12.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Das Musikjahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen und was kann es Schöneres geben, als die Konzertsaison nochmals mit einem verheißungsvollen Teenage Head Music-Southern Rock-‚Jung-Act‘ in unserer geliebten Kulturrampe abzuschließen.

Zunächst möchte ich kurz ein paar salbende Worte über diese beiden langjährigen Kooperationspartner verlieren. Das Label Teenage Head Music um ihren Mastermind Manny Montana hat auch 2018 wieder einen unermesslichen Beitrag geleistet, den Southern Rock in Europa präsent zu halten. Besonders lobenswert aus meiner Sicht, dass man sich nicht auf den Lorbeeren funktionierender arrivierter Bands ausruht, sondern immer bestrebt ist, neuen jungen, nicht minder talentierten Combos, eine Plattform zu bieten.

Gar nicht oft genug kann man den Einsatz von Markus ‚Pille‘ Peerlings hervorheben, dem es auch dieses Jahr wieder mit unermesslichem Einsatz, trotz der begrenzten Möglichkeiten seiner Krefelder Kult-Location, gelungen ist, ein Wahnsinnsprogramm auf die Beine zu stellen, und der auch für 2019 schon wieder die Weichen für tolle Musik gestellt hat. Danke lieber Pille, wo wäre bodenständige Rockmusik heute ohne Typen wie dich und solche Clubs?

Kommen wir aber nun zu Red Beard, eine mir bis dato nur namentlich bekannte Band von den Kanaren (mit denen ich in meinem bisherigen Leben nur urlaubstechnisch in Berührung gekommen bin). Die hatten mit ihrem, vom geschätzten Kollegen Michael Segets reviewten Album „Dakota„, einen aktuellen Longplayer am Start.

Nachdem Bandchef Jaime Jiménez Fleitas und der quirlige Lead-Gitarrist Fabio La Perna ihre Arbeitsgeräte bei einem kurzen Intro im Twin-Modus ‚vorgeglüht‘ hatten, wurde mit „Something Real“ durch ein ein kurzweiliges Gemisch aus Southern- und Country Rock-Ingredienzien losgestampft.

Soweit ich meine handschriftlichen Notizen überschauen kann, wurde in dem gut 20 Stücke umfassenden Programm (inklusiv der beiden launigen Zugaben „I’m Trying To Do My Best“ und „Hold On“) bis auf zwei Cover-Nummern („Can’t You See“ und „Midnight Rider“), auf den Fundus ihrer bestens anhörbaren Eigenkreationen gesetzt.

Auffälig war, das bei vielen Stücken eingestreute Stones-Gitarrenriff-Fundament als Rhythmus-Untermalung, das dann mit den typischen Zutaten à la Skynyrd, Marshall Tucker, Georgia Satellites oder auch Blackberry Smoke (bei Country-lastigeren Sachen wie zum Beispiel „I Can’t Slow Down“) kombiniert wurde.

Das neue Album „Dakota“ wurde dabei lobenswerter Weise komplett vorgestellt. Klasse hier u. a. der Opener des Werkes „A Place To Settle Down“ mit seinen „Sweet Home Alabama“-Reminiszenzen oder der schunklige Footstomper „Begging For More“. Wenn es dem regelrecht bescheiden wirkenden Fronter Jaime Jiménez Fleitas vielleicht gelingt, noch etwas kommunikativer (vielleicht mal mit ein paar Ansagen oder Anekdoten vor den Songs) und mitreißender auf das Publikum zuzugehen, kann hier in Zukunft ein äußerst verheißungsvoller Southern Rock-Live-Act gedeihen.

Insgesamt aber ein musikalisch überzeugendes Debüt von Red Beard in der Krefelder Kulturrampe, das von etwa 50 Zuschauern zurecht mit viel Applaus und teilweise fast ekstatischem ‚Updancen‘ anerkannt wurde. Die Spanier reihen sich damit würdig in Liste von Bands der jungen New Southern Rock-Generation wie Robert Jon & The Wreck, Voltage, The Trongone Band, Them Dirty Roses, The Vegabonds & Co. ein, deren Entwicklung mit Spannung weiterverfolgt werden darf. Ein sehr gelungenes Jahresfinale in der Rampe!

Line-up:
Jaime Jiménez Fleitas (lead vocals, electric guitar)
Fabio La Perna (electric guitar, vocals)
Francisco Marrero Fajardo (bass)
Josiño Perez (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Red Beard
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Adam Toms – Where Were You? – CD-Review

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Review: Michael Segets

Adam Toms’ „Where Were You?” schoss in seinem Heimatland Australien auf Platz 9 der itunes-Country-Charts. Dass Toms der Country-Ecke zugeordnet wird, verdankt er wohl hauptsächlich dem Vorgänger „Rich Man“ (2013). Musikalisch ist die überwiegende Anzahl der Songs seines aktuellen Werks stärker am Rock orientiert. Dennoch führt der sozial engagierte Singer/Songwriter als Grenzgänger zwischen Country und Rock einen Weg fort, der bereits auf seinem 2010er Debüt „Holding My Breath“ angelegt ist.

Die beiden Singles „Too Young To Know Better“ und „Josephine“ sowie „Weak Is This Man“ sind stadiontaugliche Rockhymnen, bei denen sich Toms mit seiner Band kräftig ins Zeug legt. Vielleicht ist Adam Toms, als er während der Halbzeit eines Rugby-Spiels vor 10.000 Menschen auftrat, auf den Geschmack gekommen. Bon Jovi lässt jedenfalls auch bei den Rock-Balladen „Where Were You When“ – ebenfalls als Single ausgekoppelt –, „Signs” und „Never Not Ever“ grüßen.

Toms beweist bei seiner Entscheidung, welche Songs er als Single herausbringt ein sicheres Händchen. Als dritte von bislang vieren wählte er das gefühlvolle „Say You Love Me“. Hier legt er am Anfang zerbrechliche Vibes in seine Stimme, die stellenweise an Willie Nile erinnern. Der Song baut, unterstützt von weiblichen Harmoniegesängen, einen schönen Spannungsbogen auf.

Am deutlichsten werden die Country-Einflüsse bei „Too Busy“ und „Something Borrowed“, das ein Backgroundchor deutlich aufwertet. Beide sind in einem gleichförmigen Midtempo gehalten. Ebenfalls in Richtung Country weist „This Old Mandolin“. Sanft und entsprechend des Titels instrumentalisiert entwickelt es einen leicht schwermütigen Zauber, dem man sich kaum entziehen kann. Es steht in einem gelungen Kontrast zu dem locker flockigen „Coffee“. Der Anschlag der Gitarre und der Grundrhythmus, wenn auch etwas langsamer gespielt, ähneln „Count On Me“ von Bruno Mars.

Quasi als Bonus gibt es den live aufgenommenen Blues „Walkin Over Me“ zum Abschluss der CD. Die stärkere Akzentuierung der Rock-Anteile in seinen Songs zahlt sich aus. Adam Toms gelingen eingängige und mitreißende Titel. „Where Were You?”, für das er sich fünf Jahre Zeit gelassen hat, stellt meines Erachtens sein bislang bestes Album dar. Es begeistert wohl eher die Rock- als die Country-Fans, aber die letztgenannten kommen auch nicht zu kurz. Auf der abwechslungsreichen Scheibe dürfte jeder fündig werden und sich die Rosinen nach seinem Geschmack rauspicken. Von denen gibt es einige.

William Osland Consulting (2018)
Stil: Rock, Country Rock

Tracks:
01. Too Young To Know Better
02. Where Were You When
03. Josephine
04. Say You Love Me
05. Too Busy
06. Signs
07. Coffee
08. This Old Mandolin
09. Weak Is This Man
10. Never Not Ever
11. Something Borrowed
12. Walkin Over Me (Live)

Adam Toms
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Bruce Springsteen – Springsteen On Broadway – CD-Review

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Review: Michael Segets

Aus meiner Begeisterung für Bruce Springsteens Musik habe ich nie einen Hehl gemacht. Sie begleitet mich seit meiner Jugend und hat meinen musikalischen Geschmack entscheidend geprägt. Mit Spannung erwarte ich daher jede neue Veröffentlichung von ihm.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt der Boss mit „Springsteen On Broadway“ ein Doppelalbum heraus. Statt seine Autobiographie „Born To Run“, die – wie ich zu meiner Schande gestehen muss – noch eingeschweißt im Regal steht, allein in reinen Lesungen zu verbreiten, betrat Springsteen Neuland und konzipierte eine Vortragsform, die das gesprochene und gesungene Wort miteinander verbindet.

Von Oktober 2017 bis zum Abschluss der mehrfach verlängerten Veranstaltungsreihe am 15. Dezember 2018 gab Springsteen an 236 ausverkauften Abenden Einblicke in Stationen seines Lebens. Als Ort wählte er das Walter Kerr Theater in New York. Die undatierten Aufnahmen stammen vermutlich von unterschiedlichen Bühnenshows.

Entsprechend der Grundidee folgt auf eine erzählende Passage ein musikalischer Beitrag, wobei es auf der zweiten Scheibe zwei Ausnahmen („The Rising“ und „Land of Hope and Dreams“) gibt, bei denen Springsteen auf die begleitenden Worte verzichtet. Auf den CDs sind die Lieder von den Geschichten gesplittet, sodass sie einzeln angewählt werden können.

Insgesamt macht der gesprochene Anteil der Intros circa 65 Minuten aus, die Musik liegt bei etwa 75 Minuten. Die Rechnung stimmt nur annäherungsweise, da Springsteen vor allem bei „Growin‘ Up“ oder „Tenth Avenue Freeze-Out“ längere Gesprächsanteile in die Songs einflechtet.

Eine Besonderheit bei Konzerten von Springsteen lag vor allem in der früheren Phase seiner Karriere darin, dass seine Erzählungen im Hintergrund musikalisch untermalt wurden. Dadurch erzeugte er eine besondere Stimmung, die dann in den folgenden Song transportiert wurde. Gerade am Übergang von gesprochener Einführung und Einsatz der Band wurden so großartige Momente erzeugt. Ich denke da beispielsweise an das explosive „War“ oder die klagende Mundharmonika bei „The River“ des Live-Boxsets von 1986. Solch intensive Augenblicke höre ich auf „Springsteen On Broadway“ nicht.

Dennoch erzählt Springsteen oftmals berührend – mal amüsant, mal nachdenklich – von seinem Aufwachsen in New Jersey, von Begegnungen mit Menschen, die ihn und seine Musik geprägt haben, und von den Schattenseiten des American Dreams, um dann einen musikalischen Kommentar aus seinem Repertoire zu spielen.

Da die Auftritte am Broadway als persönliche Rückschau angelegt sind, verwundert es nicht, dass Springsteen keine neuen Titel anstimmt. Bei der Songauswahl liegt der Schwerpunkt auf Stücken der siebziger und achtziger Jahre, wobei die Longplayer „Born To Run“ („Thunder Road“, „Born To Run“ und „Tenth Avenue Freeze-Out“) und „Born In The USA“ („My Hometown“, „Born In The USA“, „Dancing In The Dark“) jeweils mit dreien vertreten sind. Unterrepräsentiert erscheinen die 1990er Jahre.

Lediglich „The Ghost of Tom Joad“ stammt aus diesem Jahrzehnt, sieht man von „The Wish“ ab, das zwar auf „Tracks“ (1998) erstmals veröffentlicht wurde, aber im Jahr 1987 entstand. Von seinen Alben seit der Jahrtausendwende finden sich „Long Time Comin‘“, „The Rising“ und „Land of Hope and Dreams” auf „Springsteen On Broadway”.

Mit Gitarre, Klavier und Mundharmonika stemmt Springsteen die Show. Bei „Tougher Than the Rest” und „Brilliant Disguise” vom Album „Tunnel Of Love“ unterstützt ihn seine Frau Patti Scialfa. Akustische Versionen einzelner Songs performte Springsteen öfter, aber bislang ist kein Solo-Konzert, beispielsweise von seiner „The Ghost of Tom Joad“-Tour oder von der „Devils & Dust“-Tour, regulär erschienen. Daher bietet „Springsteen On Broadway“ auch musikalisch durchaus etwas Neues.

Vor allem „Dancing In the Dark” weiß im aktuellen Gewand zu gefallen. Auf den vorherigen offiziellen Live-CDs finden sich „The Wish“, „My Father’s House“ und „Brilliant Disguise“ nicht – soweit ich richtig recherchiert habe. Die Live-Mitschnitte seiner Konzerte, die Springsteen über seine Homepage anbietet, habe ich allerdings nicht alle gesichtet.

Das Doppelalbum richtet sich in erster Linie an Fans, denen Springsteen sein originelles Konzept als Mix von biographischen Erinnerungen und entsprechend ausgewählter Songs zugänglich macht. Die Beurteilung, wie die alternativen Interpretationen im Vergleich zu den bekannten abschneiden, sei dem Hörer überlassen. Angemessener ist es wahrscheinlich, die Retroperspektive als Gesamtkunstwerk zu betrachten.

Der Rockgigant präsentiert sich jedenfalls als Mensch, der seine Hoffnungen sowie die Bitternisse des Lebens musikalisch imposant verarbeitet. Mich ermahnen die Anekdoten auf „Springteen On Broadway“ dazu, mir endlich seine Autobiographie vorzunehmen und auch die älteren Werke nochmal geschlossen durchzuarbeiten.

Auf Netflix ist der Film „Springsteen On Broadway“ zu streamen. Den Soundtrack in der Standard-Edition, die im Digipack mit einem halb transparenten Schuber schön aufgemacht ist, gönnt sich wahrscheinlich jeder eingeschworene Fan sowieso zu Weihnachten. Klüger wäre es vermutlich trotzdem abzuwarten, welche weiteren Versionen, möglicherweise in Kombination von Bild- und Tonträgern, noch herauskommen.

Smi Col/Sony Music (2018)
Stil: Folk/Americana

Tracks:
CD 1
01. Growin‘ Up (Introduction)
02. Growin‘ Up
03. My Hometown (Introduction)
04. My Hometown
05. My Father’s House (Introduction)
06. My Father’s House
07. The Wish (Introduction)
08. The Wish
09. Thunder Road (Introduction)
10. Thunder Road
11. The Promised Land (Introduction)
12. The Promised Land

CD 2
01. Born In the U.S.A. (Introduction)
02. Born In the U.S.A.
03. Tenth Avenue Freeze-Out (Introduction)
04. Tenth Avenue Freeze-Out
05. Tougher Than the Rest (Introduction)
06. Tougher Than the Rest
07. Brilliant Disguise (Introduction)
08. Brilliant Disguise
09. Long Time Comin‘ (Introduction)
10. Long Time Comin‘
11. The Ghost of Tom Joad (Introduction)
12. The Ghost of Tom Joad
13. The Rising
14. Dancing In the Dark (Introduction)
15. Dancing In the Dark
16. Land of Hope and Dreams
17. Born to Run (Introduction)
18. Born to Run

Bruce Springsteen
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Sony Music

Molly Hatchet – 12.12.2018, Turock, Essen – Konzertbericht

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Ich habe lange überlegt, ob ich noch mal ein Molly Hatchet-Konzert aufsuchen soll, der desaströse Auftritt im Sieburger Kubana vor zwei Jahren steckte mir immer noch irgendwie in den Knochen. Da ja mittlerweile aber doch einiges an Wasser den Rhein herunter gelaufen ist und sich jetzt die Gelegenheit, knapp fünf Minuten von meinem Arbeitsplatz entfernt, im Essener Turock wieder ergab, einem Club, mit dem ich bisher immer gute Erinnerungen verbunden habe (zum Beispiel Quireboys, John Waite), habe ich mich dann doch von Gernot ‚weichkochen‘ lassen.

Als Vorgruppe gab sich King Savage redlich Mühe, die doch ziemlich zahlreich erschienenen Hatchet-Fans mit ihrem Hard-/Heavy Rock auf Betriebstemperatur zu bringen. Ihr Sänger hatte nicht umsonst ein Motörhead-T-Shirt an. Der Stil des Fünfers ging in eine ähnliche Richtung, nur doch eben einige Nummern kleiner. Der Unterschied war hier dann aus meiner Sicht einfach der nicht allzu große Wiedererkennungswert ihrer Stücke wie u. a. „Full Speed Ahead“, „Lonesome Road“, „Wild Life“ oder „Down The Drain“. An ihrem Engagement war allerdings nichts auszusetzen.

21:15 Uhr betraten dann mit Bobby Ingram, Phil McCormack, John Galvin, Shawn Beamer und Tim Lindsay die gewohnten MH-Protagonisten die Bühne des Turocks und wurden von einer von Anfang an begeistert mitgehenden Audienz empfangen. Nachdem der Sound vorne direkt an der Bühne bei den Openern „Whiskey Man“, „Bounty Hunter“ und „Gator Country“ wieder völlig Bass- und Schlagzeuglastig rüberkam, Phils Stimme schwer dagegen anzukämpfen hatte und Bobbys E-Gitarre nur fisselig zu hören war (insgesamt maximal Bootleg-Niveau), habe ich mich dann recht schnell, weit nach hinten begeben.

Dort war es dann wesentlich besser (siehe da, selbst Galvins Piano war plötzlich zu hören) und vor allem die großartige Stimmung unter den Leuten trug erheblich dazu bei, dass Ingram & Co. sich schwer ins Zeug legten. Auch Fronter Phil McCormack zeigte sich an diesem Abend wieder etwas besser in der Spur. Bobby Ingram wechselte unter drei verschiedenen Gitarrenmodellen und bewies, dass er nach wie vor ein toller Gitarrist ist, auch wenn es allein, trotz aller Mühe, natürlich nie richtig gelingt (wie auch?), den Spirit und die Power des einstigen 3er Line-ups einzufangen.

„It’s All Over Now“, „Devil’s Canyon“, „Beatin The Odds“ (mit vorgelagertem Drum-Solo des wieder mit wehenden Haaren trommelnden Shawn Beamer), “One Man’s Pleasure” hießen die üblichen Standardtracks bis zum ersten großen Highlight “Fall Of The Peacemakers”. “Jukin’ City” mit “Layla”-Instrumental-Intermezzo (mit schöner Galvin-Piano-Präsenz) als Übergang zu „Dreams“ (inklusive Vorstelllung der Band) waren dann die Vorboten zu einem furiosen Finish, das mit dem lang hier nicht mehr gespielten „The Journey“, das Bobby dem kürzlich verstorbenen Labelbesitzer, Produzent und Konzertveranstalter Rainer Hänsel widmete, eine echte Überraschung bot.

Skynyrds „Free Bird“ mit starker Ingram-Slide- und Solo-Performance, sowie „Flirtin‘ With Disaster“ als Rausschmeißer ließen das Turock mit den jubelnden und mitsingenden Fans ordentlich beben. Die Musiker schienen von der guten Stimmung regelrecht geflasht zu sein.

Auch wenn der große Glanz der ganz frühen Hatchet-Tage und auch die unter der Ingram-Führung in der Anfangsphase (wir erinnern uns an ihren absolut grandiosen Auftritt auf der Lorelei) aus meiner Sicht sicherlich längst verflogen ist, war dieser Abend im Turock zumindest wieder ein kleiner Schwenk in eine bessere Richtung. Dem überwiegenden Teil der Zuschauer hat es jedenfalls offenkundig gefallen und darauf kommt es letztendlich an.

Danke an Peter Siewert vom Turock für die Akkreditierung.

Line-up:
Bobby Ingram (electric guitar, vocals)
Phil McCormack (lead vocals, harp)
John Galvin (keys, vocals)
Shawn Beamer (drums)
Tim Lindsey (bass, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Molly Hatchet
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Turock, Essen

Katie Henry – High Road – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die nächste junge Blues-Front-Frau veröffentlicht ihre Debüt-LP und liefert damit eine bemerkenswerte Eigenproduktion ab. Nachdem in Sounds of South bereits regelmäßig Blues-Women präsentiert wurden – u.a. Jessy Martens, Sari Schorr, Dana Fuchs, Beth Hart oder Rachelle Coba – kommt nun die US-Amerikanerin Katie Henry erstmals dazu.

Als Produzent für die Debüt-Scheibe war der erfahrene Studiomusiker John Ginty beteiligt. Dieser durfte bereits auf Alben von Santana, Warren Haynes oder den Punkern von Bad Religion mitwirken und in der Robert Randolph Family Band eigene spielerische Akzente am Keyboard setzen. Aufgenommen wurde „High Road“ im American Showplace Studio von Ben Elliott (Eric Clapton, Keith Richards). Namhafte Gastmusiker sind ebenfalls vertreten, mit Marcus Randolph, Anthony Krizan (Spin Doctors) und Billy Harvey.

Das Grundgerüst für ein sehr gutes Album ist also schon einmal vorhanden und Katie Henry geht sogleich sehr zielstrebig zur Sache. Der erst ein wenig bizarr klingende Orgel Sound auf „Nowhere Fast“ ergänzt sich perfekt mit Katies Gitarrenspiel und ergibt einen beat-getriebenen, schnörkellosen Blues-Song. Auf dem gospeligen „Chapels“ wird sie einprägsam von Marcus Randolph (Family Band) an der Pedal Steel Gitarre begleitet.

Das Titelstück „High Road“ lässt Katies ausdrucksstarke Blues- und Soul-Stimme noch stärker in den Vordergrund treten, als bei den anderen Tracks. Die Musik ist dafür minimalistischer mit einem eher moderaten Rhythmus ausgestaltet und Bill Harvey (Patti Griffin Band) unterstützt an einigen Stellen den Gesangspart. Waren die bisherigen Tracks weitestgehend geradlinig produziert, so ist der Slow Blues „Carry You“ mit seinen knapp 7 Minuten ein Song, der als Glanzstück des Albums herausragt. Das soulige „Gypsy Sister“ könnte auch eine Maroon 5 Nummer sein, aber das harte Gitarrensolo zum Ende hin, zeigt, dass Katie Henry auch den Blues-Rock beherrscht.

Auch auf „Roll Away“ spielt die US-Blues-Frau leidenschaftlich mit dem Refrain und lässt das ebenso starke „Takes a Lot“ als Abschlusstrack nochmals funkig in einem powervollen Gitarrenjam aufleben. Hervorzuheben ist die vielseitig versierte Band, die Katies Songs, in denen sie viele persönliche Erfahrungen schildert („Nothing To Lose“, „Someday“), sehr wirkungsvoll spielt.

„High Road“ ist ein modernes, zeitgemäßes Blues-Album, das den traditionellen Blues-Stil bewahrt und gleichzeitig frische, lebendige Sounds einfließen lässt. Mit „High Road“ befindet sich Katie Henry auch musikalisch voll auf der Überholspur!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Nowhere Fast
02. Nothing to Lose
03. Chapels
04. High Road
05. Carry You
06. Gypsy Sister
07. Dead Man’s Hands
08. Someday
09. Roll Away
10. Takes a Lot

Katie Henry
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John Mellencamp – Other People’s Stuff – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach dem hervorragenden Live-Album „Plain Spoken – From The Chicago Theatre” meldet sich John Mellencamp in diesem Jahr mit „Other People’s Stuff” erneut zu Wort – allerdings nicht mit eignen Songs.

Als konzeptionelle Idee steckt hinter dem Album, dass er von ihm gecoverte Songs geschlossen auf einer Scheibe zusammenfasst. Herauskommen soll dabei ein persönliches American Songbook.

Dafür greift Mellencamp bei der Hälfte der Titel auf seine Alben zu. Er geht bis „Human Wheels“ (1993) zurück, auf dem „To The River“ erstmals erschien, und berücksichtigt mit „Mobile Blue” ebenfalls seine letzte Studio-Veröffentlichung „Sad Clowns & Hillbillies“ (2017). Zwei Stücke („Teardrops Will Fall” und „Stones in My Passway”) von seinem 2003er-Album „Trouble No More“ finden ebenso Aufnahme in die aktuelle Zusammenstellung wie „In My Time of Dying“ von „Rough Harvest“ (1997). Auf diesem Werk liefert Mellencamp auch eine sehr gefühlvolle Interpretation von „Farewell Angelina“, die sich zwar musikalisch nahtlos in „Other People’s Stuff“ eingefügt hätte, aber dort nicht erscheint.

Warum nicht mehr seiner Cover-Versionen auf dem neuen Album vertreten sind, erschließt sich mir nicht. Da „Other People’s Stuff“ keine 35 Minuten Spielzeit aufweist, wäre noch Platz für den einen oder anderen Titel gewesen.

Mellencamp drückt den Originalen seinen eigenen Stempel auf, sodass sie durchaus hörenswert sind. Da die bisher genannten Songs allerdings auf regulären Alben zu finden sind, dürften sie den Liebhabern seiner Musik bekannt sein. Interessanter sind daher die anderen fünf Songs.

Dazu zählt vor allem die bisher unveröffentlichte Aufnahme aus dem Jahr 2010 des Klassikers „Eyes on the Prize“. Mellencamp performt den Titel von Pete Seeger mit sehr intensiven Gitarrenspiel. Noch stärker ist „Dark As A Dungeon”. Mit tiefer und rauchiger Stimme, begleitet von Harmoniegesang und Geige, schaukelt Mellencamp den irisch angehauchten Folksong grandios. Der Titel stammt von der Dokumentation „From The Ashes“ des National Geographic Channels.

Daneben finden sich noch drei Stücke, die bereits auf diversen Samplern erschienen sind. Von „The Songs of Jimmie Rodgers – A Tribute” stammt „Gambling Bar Room Blues”. Während bei dem Song eine Blues-Note mitschwingt, hat „Wreck of the Old 97“ von „The Rose and The Briar” einen leichten Country-Einschlag. Schließlich ist noch Stevie Wonders „I Don’t Know Why I Love You” vertreten. Zuerst wurde es auf „An Interpretation of Stevie Wonder’s Songs“ 2003 herausgebracht.

Gegen die Idee, Cover-Stücke zusammenzufassen, lässt sich nichts einwenden. Besonders gelungen wäre die Umsetzung, wenn ausschließlich unveröffentlichte oder verstreut erschienene Werke zusammengefasst worden wären. Als EP hätten mich die fünf zuletzt aufgeführten Titel begeistert. Wenn auf Versionen regulärer Alben zurückgegriffen wird, hätte der Raum der CD auch genutzt werden können, um Vollständigkeit anzustreben. So bleibt ein Album in Erinnerung, das zwar gute Musik bietet, aber doch Stückwerk bleibt.

Republic Records/Universal Music (2018)
Stil: Folk/Folk Rock

Tracks:
01. To The River
02. Gambling Bar Room Blues
03. Teardrops Will Fall
04. In My Time of Dying
05. Mobile Blue
06. Eyes on the Prize
07. Dark As A Dungeon
08. Stones in My Passway
09. Wreck of the Old 97
10. I Don’t Know Why I Love You

John Mellencamp
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Republic Records

The Trongone Band, 08.12.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Eigentlich war es ja erneut ein Wetter, um auf der Couch liegen zu bleiben. Da mit den Jungs von The Trongone Band aber ein äußerst verheißungsvoller New Southern Rock-Act erstmalig in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld vorstellig wurde, schwangen Gernot und ich natürlich unseren Hintern hoch. Da zählt das Engagement von Leuten wie KR-Chef Pille Peerlings und der Support von solch tollen Clubs einfach deutlich mehr, als manchmal die eigenen Befindlichkeiten.

Der durfte sich dann auch bei einem Erstauftritt von einer hier recht unbekannten Band über eine ziemlich gut gefüllte Location freuen (wenn ich mich recht erinnere, haben heutige Rampenfeger wie Hogjaw oder Robert Jon & The Wreck damals bei ihren Debüts vor deutlich weniger Zuschauern begonnen).

Ja, The Trongone Band. Ich glaube, dass es auch ein wenig mit mein Verdienst ist, dass diese Burschen in Europa zu sehen sind. Nach einem Geheim-Tipp meines Bekannten Harald Birkner hatte ich ihr Management um die Überlieferung ihres Erstlings „Keys To The House“ gebeten. Ich sehe mich heute noch bei der Verfassung meines überschwänglichen Reviews in unserem holländischen Urlaubsort Kamperland auf der Terrasse sitzen. Somit war ich vermutlich der erste, der etwas über das Virginia-Quartett in Deutschland publiziert hatte.

Nach der Fertigstellung folgte auf dem Fuße die Anfrage, ob ich Kontakte für Auftritte in Europa wüsste oder herstellen könnte. Da war es natürlich keine Sache, unsere Freunde und Experten auf diesem Gebiet, Teenage Head Music, ins Spiel zu bringen. Und siehe da, heute stehen sie unter der THM-Fahne auf den einschlägigen, dieser Musik gegenüber offenen Bühnen unseres Kontinents.

Da der Vierer um die beiden Trongone-Brüder Andrew und Johnny, sowie ihre Mitstreiter Ben ‚Wolfe‘ White und Chip Hale bis jetzt nur besagten Silberling und eine mit recht identischen Liedern bestückte Live-Scheibe im Portfolio zu bieten haben, war bereits mit dem Opener „Nothing To Lose“ klar, dass hier auch der Fokus liegen würde.

Gitarrist und Fronter Andrew Trongone und Keyboarder Ben ‚Wolfe‘ White hatten die Lead Vocals inne, die im ersten Abschnitt bei mir direkt vor der Bühne, wie auch der Gesamt-Sound (ziemlich Schlagzeug-lastig), teilweise etwas dumpf rüber kamen. Das besserte sich dann im  weiteren Verlauf aber zusehends.  Beide überzeugten vor allem bei ihren vielen Solo-Einlagen an ihren Instrumenten Telecaster, beziehungsweise Hammond-Orgel und E-Piano.

Chip Hale ließ seinen Tieftöner sehr filigran pumpen und hatte einen tollen einfühlsamen Groove, während sein Rhythmus-Partner Johnny Trongone viel Power erzeugte.

Als sich bei Andrew Trongone eine Gitarren-Saite in der Endphase bei „Straight To Hell“ in die Hölle verabschiedet hatte, trotzte dieser relativ beherrscht und abgeklärt der für ihn unangenehmen Situation und drehte dann mit Fünfen erst so richtig auf. Respekt dafür.

Erwähnenswert sind sicherlich auch die toll gespielten Cover-Versionen, wovon das grandios performte Dire Straits-Stück „Money For Nothing“ herausragte, aber auch der Little Feat-/Lowell George-Schwofer „Willin'“ und der fulminant gejammte „New Speedway Boogie“ (Grateful Dead) im Zugabenteil begeisterten.

Gefreut habe ich mich übrigens über die Anwesenheit meiner zur Zeit arg gebeutelten und wie so oft trinkfreudigen Rot-Weiß Essen-Freunde Happo & Co., die mit sachkundigen Kommentaren wie „Zugabe“ (schon nach dem vierten Lied „Anne Marie“), „ach, das spielen die auch?“ (nach undefinierbaren Anfangs-Akkorden eines Stückes) oder „ich muss Montag arbeiten“ (angesichts des sich immer weiter verlängernden Endabschnittes des Gigs),  ihrer ungezügelten Ruhrpottschnauze mal wieder freien Lauf ließen.

Im Anschluss an den Gig entpuppten sich die Trongone Band-Burschen vorne im Bluebird-Cafe als sehr nette, aufgeschlossene als auch sympathische Typen und kehrten für unser VIP-Logo-Bild nochmals auf die Bühne der Rampe zurück. Nach ihren nächsten Auftritten in den Niederlanden, Frankreich und Spanien können sie Weihnachten mit stolzer Brust von ihrer ersten Europa-Tournee in die Staaten zurückkehren. Wiedersehen ganz  klar erwünscht!

Line-up:
Andrew Trongone (lead vocals, electric guitar)
Ben White (keys, lead vocals)
Chip Hale (bass, vocals)
Johnny Trongone (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Trongone Band
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Kulturrampe Krefeld