Willie Nelson – The Great Divide – CD-Review

Tja, eigentlich waren die Countrybarden a la Johnny Cash, Merle Haggard, Waylon Jennings und wie sie alle heißen, wenn ich ehrlich bin, nie so mein Ding. Gut, irgendwie hat man ihre Konstanz in diesem Geschäft ehrfürchtig, aber distanziert bewundert, immerhin gelten sie heute noch als oft angeführte Vorbilder für viele Musiker, die ich gerne höre. Mehr aber eigentlich auch nicht. Ihre Songs waren mir immer zu staubig, zu trocken, es fehlte der gewisse Pep.

Und plötzlich landet in meinem Player der gute alte Willie Nelson, mit seiner neuen Scheibe „The Great Divide“; er ist eine der unbestrittenen Größen der Szene, als Schauspieler, Leiter vieler Projekte wie z. B. Farm Aid und natürlich als Musiker auf unzähligen Alben, schon zu einer Zeit, wo ich noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gerannt bin.

Auffällig direkt die schöne Digipackaufmachung, wo man viel zu blättern, lesen und anzugucken hat. Und zu meiner eigenen Überraschung scheint der kauzige Altstar eine musikalische Frischzellenkur hinter sich zu haben. Er präsentiert jedenfalls eine New-Country-Pop-Rock-Platte auf Höhe der Zeit, nicht zuletzt auch ein Resultat der Idee, viele Künstler einzubinden, die momentan up to date sind, sowie mit Matt Serletic einen der angesagten Produzenten zu engagieren.

Ursache dafür wahrscheinlich Willies schon immer währender Hang zu Duetts. Wir erinnern uns beispielsweise noch mit Schaudern an seinen Song „To All The Girls I’ve Loved Before“ mit der notgeilen Schmalzlocke, oder im Volksmund auch als Latin-Lover bezeichneten, Julio Iglesias in grauer Vorzeit.
Aber keine Angst, auf dieser CD hat er viel Fingerspitzengefühl mit der Auswahl der Interpreten bewiesen: Country-Music-Awards-Titelträgerin Lee Ann Womack, Sheryl Crow, Bonnie Raitt, Brian McKnight oder Kid Rock. Mit Letztgenanntem liefert er auch den Höhepunkt des Albums. „Last Stand In Open Country“, eine Art Country-Metal-Ballade vom Feinsten, wo der gute Pamela Anderson-Bekannte immer wieder dreckig zwischen den Leadgesang von Willie röhrt, ähnlich wie Gregg Allman beim Dickey Betts-Klassiker „Seven Turns“.

Schön auch das melodische Midtempoauftaktstück „Maria (Shut Up And Kiss Me)“, das irgendwie gut gelaunt daherplätschert oder auch die nett gemachte Coverversion des Cyndie Lauper-Megahits „Time After Time“. Überhaupt zeigt sich der bald 69-jährige passionierte Golfspieler in einer ausgelassenen und relaxten Stimmung, der man in ebenso entspannter Weise gerne Folge leistet. Das Werk lohnt sich auf jeden Fall für Leute, die es lieber etwas ruhiger und melodisch haben.

Apropos Golf. Eine amüsante Vorstellung, den stoppelbärtigen Willie mit seinen baumelnden rot geflochtenen Zöpfen unter dem Käppi, in bunt karierten Knickerbockern in einem Flight zum sicheren Schlag aufs Green ausholen zu sehen, während die statusgeplagten Herr Rechtsanwalt und Frau Doktor ihren Ball verzweifelt im Gebüsch suchen…

Lost Highway Records (2002)
Stil: Country & More

01. Maria (Shut Up And Kiss me)
02. Mendocino County Line
03. Last Stand In Open Country
04. Won’t Catch Me Cryin‘
05. Be There For You
06. The Great Divide
07. Just Dropped In (To See What My Condition Was In)
08. This Face
09. Don’t Fade Away
10. Time After Time
11. Recollection Phoenix
12. You Remain

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Outlaws – Hurry Sundown – CD-Review

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Wir schreiben das Jahr 1977. Ein Jahr, das jeden Southern Rock-Liebhaber bis zum heutigen Tage erschaudern lässt. Ich erinnere mich noch genau, wie ich als 14-jähriger Bursche gerade das „Street Survivors“-Album in einer Nachbarstadt (Rheinberg hatte keinen Plattenladen) käuflich erworben hatte und auf der Rückfahrt auf dem Beifahrersitz des DS-Citröens meines Vaters (die Platte auf den Oberschenkeln liegend neugierig studierend) im Radio die Hiobsbotschaft von Skynyrds Flugzeugabsturz auf dem momentanen Zenit ihrer Karriere zur Kenntnis nehmen musste. Es war wie ein Schock.

Noch heute stellt sich mir, wie vielen anderen Southern Rock-Fans vermutlich auch, die hypothetische Frage, wie sich das Genre weiterentwickelt hätte, wäre ein Ronnie Van Zant am Leben geblieben. Wir werden es leider nie erfahren. Kommen wir aber zu einem erfreulichen Ereignis dieses Jahres 1977. Die Outlaws, die durch besagten Ronnie Van Zant einen Plattenvertrag bei Arista Records vermittelt bekommen hatten, befanden sich nach zwei starken Alben in ihrer wohl besten Besetzung aller Zeiten (Hughie Thomasson, Henry Paul, Billy Jones, Harvey Dalton Arnold, Monte Yoho) ebenfalls im Höhenflug und sollten mit „Hurry Sundown“ ihr in Kritikerkreisen meist gelobtes Werk veröffentlichen.

Der zu dieser Zeit schon renommierte Producer Bill Szymczyk (u.a. Eagles, B.B. King, Michael Stanley, J. Geils Band, Elvin Bishop) hatte die von ihm später selbst betitulierte ‚Florida Guitar Army‘ erstmalig unter seine Fittiche genommen. Dank der gesammelten Eagles-Erfahrungen gelang es ihm vor allem in beeindruckender Weise, die vier völlig unterschiedlichen Gesangscharaktere mittels brillant eingestreuter Harmonies zu kollektivieren. Auch das filigrane E-Gitarrenzusammenspiel vom wie aufgedreht wirkenden Stratocaster-Artisten Thomassen in Kombination mit Billy Jones‘ einfühlsamen Les Paul-Künsten, dazu mit Pauls glänzender Akustikklampfenuntermalung, wurde nie wieder besser zur Geltung gebracht. Nicht zu vergessen der knochentrockene Bass von Arnold und Yohos effektives und sehr variables Schlagzeugspiel (herrlich z.B. die tippelnden Becken in der E-Solopassage von „Gunsmoke“).

Das Werk bietet insgesamt eine tolle Mischung aus agilem Southern Rock und gut dazu harmonierenden Country- und Westcoast-Ingredienzen. Höhepunkte. Die gitarrenlastigen „Gunsmoke“ und „Hurry Sundown“, der Countryfeger „So Afraid“ (klasse Banjoarbeit hier von Thomasson), das flotte, treibende „Holiday“ und der schon fast progressiv wirkende Waltz „The Man Of The Hour“ (mit dezenten Steel- und Synthie-Einlagen).

Genau wie Skynyrd sollten danach auch die Outlaws bis zum heutigen Tage nie wieder zur Ruhe kommen. Die fortwährende Hassliebe zwischen Henry Paul und Hughie Thomasson brachte nach „Hurry Sundown“ die erste daraus resultierende, länger währende Trennung (Paul gründete dann die Henry Paul Band). Das folgende Live-Album und das Anfang der achtziger Jahre kommerziell recht erfolgreiche „Ghost Riders In The Sky“ ließen nochmals aufhorchen. Spätestens ab da aber dümpelte die Band in unterschiedlichen Besetzungen vor sich hin. Auf „Soldiers Of Fortune“ taten sich Thomasson und Paul 1986 nochmals zusammen, trennten sich danach aber sofort wieder. Mit dem recht guten „Diablo Canyon“ gab es den letzten kreativen, aber weitestgehend unbeachteten Output dieser Band.

Wie vielen bekannt sein dürfte, nahm sich Billy Jones 1995, von Depressionen und Alkoholsucht gezeichnet, im Alter von 44 Jahren das Leben (das hier auf dem Album befindliche von ihm geschriebene „Night Wines“ wirkt im Nachhinein schon bald wie eine Art Prophezeiung) und auch Bandleader Hughie Thomasson erlag nach vielen Jahren seiner zwischenzeitlichen Skynyrd-Mitgliedschaft überraschend (oder auch weniger) einem Herzinfarkt, als er sich gerade wieder dem Outlaws-Projekt vollständig widmen wollte. Das Erbe der Band wird seitdem wieder von Henry Paul mittels kontinuierlicher Live-Auftritte weitergepflegt (aktuelle Mitglieder. Paul, Chris Anderson, Billy Crain, Jon Coleman, Brett Cartwright und Monte Yoho), ein angekündigtes neues Outlaws-Studioalbum lässt bereits seit längerer Zeit auf sich warten.

Arista Records (1977)
Stil. Southern Rock

01. Gunsmoke
02. Hearin‘ My Heart Talkin‘
03. So Afraid
04. Holiday
05. Hurry Sundown
06. Cold & Lonesome
07. Night Wines
08. Heavenly Blues
09. Man Of The Hour

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Outlaws – Demos – CD-Review

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Mit den einstigen Aushängeschildern der Southern Rock-Szene ist das ja so eine Sache. Viele Bands haben es zwar von den siebziger Jahren bis in die heutige Zeit geschafft durchzuhalten und veröffentlichen dann auch alle Jubeljahre mal eine neue CD (die nach wie vor von der hiesigen Fangemeinde gekauft und anschließend kontrovers diskutiert wird), aber die große Euphorie und das frühere Kribbeln im Bauch ist längst Schnee von gestern. Das liegt natürlich vorwiegend an der überdimensional hohen Sterblichkeitsrate im Genre und dem damit verbundenen Verlust vieler charismatischer Identifikationsfiguren. Und der Zahn der Zeit und der Lebenswandel haben natürlich auch ihre Spuren hinterlassen (aber bei wem eigentlich nicht?).

Viele unserer einstigen Lieblingsgruppen bestehen heute meist noch aus ein bis zwei Personen ihrer Hochphase bzw. Ursprungszeit. So auch die heutigen Outlaws. Die Quote von Zwei aus Fünf in persona von Henry Paul und Monte Yoho liegt da zwar gar nicht mal so schlecht, aber das Problem hier ist, dass man mit dieser Band eigentlich hauptsächlich den Namen Hughie Thomasson verbindet und dieser ist ja leider 2007 verstorben ist (zwei Jahre zuvor die beiden anderen Gründungsmitglieder Frank O’Keefe und Billy Jones).

Kein Geheimnis ist auch die Hassliebe, die Thomasson und Paul über die gesamte gemeinsame musikalische Lebenszeit verband und zu diversen Trennungen und Wiedervereinigungen beitrug. Seit Thomassons Tod hört man von Henry Paul zwar recht reservierte aber doch insgesamt versöhnliche Statements. Letztgenannter hat mittlerweile die absolute Führungsrolle inne und mit Chris Anderson, seinem alten Weggefährten aus der Henry Paul Band-Zeit, Billy Crain, Randy Threet, Monte Yoho und Jon Coleman die neuen Outlaws formiert und gibt mit diesen auch kontinuierlich Konzerte.

Lange stand die Ankündigung einer neuen CD im Raume, aber es verging soviel Zeit, dass man so richtig schon nicht mehr dran glauben mochte (eigentlich guter Stoff für einen unserer berühmten April-Scherze…), zumal Paul ja auch weiter mit dem für ihn sicherlich finanziell interessanteren Blackhawk-Projekt beschäftigt ist. Aber zu meiner eigenen Überraschung haben sie es jetzt geschafft, ein Werk namens „Demos“ herauszubringen, das man über die Outlaws-Homepage für stolze 25 Dollar (+ ca. 10 für den Versand) erwerben kann.

Demos? Aus meiner Sicht ein recht unpassender Titel! Nach Demos klingen die zwölf neuen Tracks nun wirklich nicht, mir ist schleierhaft, was man bei diesen Stücken noch ausfeilen bzw. besser machen könnte. Eine gute Scheibe und auch Produktion insgesamt, die vor allen Dingen deutlich bemüht ist, den Spirit der einstigen Outlaws phasenweise in akzeptabler Form wieder aufleben zu lassen. Zum einen gibt es mit dem Opener „Flame“ (damaliger Spitzname von Hughie Thomasson) eine persönliche Widmung »… the spirit in our songs’s still alive, out of the ashes we ride, a flame never dies…« und beim einen oder anderen Track wurden diverse filigrane Hughie -Gedächtnis-Strat-Soli mit eingeflochten („Nothin‘ Main About Main St.“, „Trouble Rides A Fast Horse“, „Can’t Break Me Up“).

Wie in alten Zeiten bekommt man dazu melodische Lieder zwischen Country- und Southern Rock in Hülle und Fülle, Double Leads-Passagen en masse, tolle E-Soli, Pauls typisch genäselten Gesang (immer noch gut in Form), sein prägnantes Akustikrhythmusgitarrenspiel und jede Menge hochqualitative Harmoniegesänge. Lediglich die Lead vocals von Randy Threet und Chris Anderson auf „Alex’s Song“ bzw. „Train“ wirken im gewohnten Outlaws-Kontext noch etwas befremdlich. Last but not least gelingt mit „It’s About Pride“ eine echte Southern-Hymne mit dem dazugehörigen emotionalen Text und E-Gitarren-Finish. Es gefallen die Pianogeklimper-Reminiszenzen an Billy Powell und, wie bereits erwähnt, eine erneute typische Thomasson-Solo-Passage. Hier wurde aus allen starken Paul-Klassikern wie „Cold Harbour“, „Brothers Of The Southland“, „Grey Ghost“ und „Dixie Highway“ etwas neues zusammenkreiert wurde. Ein grandioser Abschluss.

„Demos“ gehört somit in die Sammlung eines jeden Southern Rock-Fans. Eine durchaus lohnenswerte Anschaffung. Mit die beste Veröffentlichung seit langem im Vergleich mit den alten Urgesteinen der Szene (vielleicht seit „Edge Of Forever“ von Skynyrd). Die Outlaws-Flamme lodert dank Paul & Co. also auch im neuen Jahrtausend weiter!

Eigenproduktion (2010)
Stil: Southern Rock

01. Flame
02. Hidin‘ Out In Tennessee
03. Last Ghost Town
04. Alex’s Song
05. Nothin‘ Main About Main St.
06. Tomorrow’s Another Day
07. Trouble Rides A Fast Horse
08. Never Too Late For Love
09. Train
10. The Good Old Days
11. Can’t Break Me
12. It’s About Pride

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Jim Peterik – Above The Storm – CD-Review

Jim Peterik ist ohne Zweifel das, was man im Musikbusiness als eine echte Persönlichkeit bezeichnen kann, egal ob man sie mag oder nicht. Der erste Gedanke ist immer noch der berühmte Song „Eye Of The Tiger“, der unzertrennbar mit der Band Survivor assoziiert wird, für die Jim Keyboards spielte und deren geistiger Leader er war.

Wie ich bereits in meinem Review der ersten Scheibe von Pride Of Lions erwähnte, hat Peterik auch starken Einfluss auf die Southern-Rock-Szene gehabt – zum Leidwesen der meisten Hardliner – half aber Bands wie 38 Special, Lynyrd Skynyrd oder der Henry Paul Band kommerzielle Erfolge zu landen. Seine letzten Projekte World Stage und Pride Of Lions waren für mich eher ein Grund, sich von seinem musikalischen Input abzuwenden.

Trotzdem hat mich, den Southern-Rock-Liebhaber, bei der Ankündigung seines neuen Solo-Projektes „Above The Storm“ die Involvierung der Van Zant-Brüder doch wieder weichgekocht. Der furiose Auftakt mit den zwei exzellenten Stücken „Live Life“ und „Burning With A Reason“ kommt mir bald schon vor wie eine persönliche Entschuldigung an meine Adresse für die bei Pride Of Lions ertragenen Leiden. Zwei wirklich hervorragende Rocker mit herrlichen Gitarren und richtig Bums wissen absolut zu begeistern. Leider sind auf dem Promo-Exemplar keine Co-Songwriter benannt, aber hier düfte gerade Donnie Van Zant seine Spuren hinterlassen haben, die Songs hätten auch auf einem 38 Special-Album eine gute Figur abgegeben. Gerade beim zweitgenannten Stück ähnelt Peteriks Gesang sehr stark dem Mittleren des berühmten Bruder-Trios. Puh, wenn das so weitergeht, müsste die Scheibe ein Highlight des Jahres 2006 werden.

So stark wie der Anfang, genauso stark dann aber bei den nächsten zwei Stücken der Schwenk wieder in Richtung seines Pride Of Lions-Projektes. Erneut diese schmalzigen, Musical-kompatiblen-Songs, wenn auch instrumentell und durch die hervorragende Background-Sängerin Lisa McClowry perfekt in Szene gesetzt. Meine Gehörgange sind für derartige Schmachtfetzen einfach nicht ausgelegt. Überhaupt, Musicals sind generell ein Grauen für mich, selbst der Besuch unter Androhung von Waffengewalt hätte wahrscheinlich nur die Entscheidung zum Märtyrertod zur Folge. Diese Songs passen mit Ihrer übertriebenen Emotionalität durchaus in diese Schiene. Es sind leider auch nicht die letzten des Werkes…

Kommen wir lieber zu den weiteren guten Nummern. „At This Time Of Night“ mit kratzig-funkigen Gitarrenriffs und klasse Zusammenwirken von Piano, Organ, knackige Drums, toller Gesang von Jim; „Secrets Of A Woman“ erscheint dank der fetten Performance der Horn-Section, den temperamentvollen weiblichen Backs und dem starken E-Solo wie eine Mischung aus Molly Hatchets „Lady Luck“ und 38 Specials „Wild-Eyed Southern Boys“, eine super temperamentvolle Nummer; „Hiding For Yourself“ fand ja schon den Weg auf das letzte 38 Special-Album, ebenfalls auch von Peterik gut interpretiert; und dann kommt sie doch noch, die erste Ballade, die ich aus Jims Feder so richtig gut finde, „Midnight In My Soul“, die ohne den typischen Bombast auskommt, und von den starken E-Gitarrenfills und den Harmonies von Lisa McClowery pure Rock-Atmosphäre eingehaucht bekommt.

So lautet das Gesamtfazit. Sechs wirklich klasse Nummern, stehen sechs aus o.a. Gründen nervigen Songs gegenüber, das Lied „Stand And Be Counted“ (ginge noch so gerade mit viel Wohlwollen als Don-Barnes-Stück auf einem der letzten 38 Special-Albums durch) steht genau in der Mitte der insgesamt 13 Nummern. Instrumental ist natürlich alles perfekt eingespielt, Peteriks Gesang ist nichts, was einen vom Hocker haut, aber auch nicht unangenehm, die Anordnung der Stücke lässt einen ein Wechselbad der Gefühle durchleben.

Jim Peterik hat, und das kann man ihm sicher auch nicht übel nehmen, versucht, es möglichst vielen seiner Fans recht zu machen, für mich allerdings wäre Weniger hier Mehr gewesen. So kann man hier eher von ein paar Wetterkapriolen sprechen, aber ein echter Melodic-Rock-Sturm sieht aus meiner Sicht anders aus. Zum Glück gibt es ja, zumindest für die wirklich gelungenen Stücke, die Programmiertaste am CD-Player.

Frontiers Records (2006)
Stil: Rock

01. Live Life
02. Burning With A Reason
03. Above The Storm
04. In The Days We Have
05. Stand And Be Counted
06. At This Time Of Night
07. A Kiss To Remember You By
08. The God In You
09. Secrets Of A Woman
10. A Talent For Loving You
11. Hiding From Yourself
12. Midnight In My Soul
13. We Believe

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Frontiers Records

Bobby Pinson – Man Like Me – CD-Review

Bobby Pinson galt lange Zeit als ‚Nashville’s best gehütetes Geheimnis‘. Denn trotz höchster musikalischer und auch kompositorischer Begabung erwies sich sein Gang nach Music City zunächst als großer Flop. Statt Musik machen war lange Zeit nach Beendigung seines Militärdienstes hartes Arbeiten in diversen Gelegenheitsjobs angesagt, bis eines Tages zumindest die Labels Sony/ATV Music und Stage Three Music sich seiner Dienste als Songwriter annahmen, und ihn jeweils für einige Zeit verpflichteten (Ergebnis u. a. . Stücke wie „Takin‘ Up Space“ für Van Zant, für „Everywhere But Hollywood“ Tracy Lawrence, Blake Shelton, Trent Willmon oder LeAnn Rimes).

Aber wer ist dieser Bobby Pinson überhaupt? Aufgewachsen im texanischen Niemandsland schnappte er sich schon als junger Bursche mangels anderer Gelegenheiten die Gitarre seines Vaters und begeisterte sich nebenbei auch noch für prosaische Werke des Dichters Shel Silverstein. Erste Auftrittserfahrungen sammelte er bei Geschichtenerzählwettbewerben. Seine musikalischen Neigungen erstreckten sich von Bruce Sprinsteen, Steve Earle bis zu Countryikonen wie Willie Nelson oder Johnny Cash.

Die große Wende in seinem Leben leitete wohl Produzent Joe Scaife ein, der auch sein Debütalbum „Man Like Me“ mitbetreute. Dieser hatte kurz zuvor mit Gretchen Wilson einen unerwarteten Riesen-Coup gelandet, und das Label RCA bat um weitere Geistesblitze dieser Art. Scaife hatte Bobby mehrfach live gesehen und witterte hier weiteres unentdecktes Potential. Wie recht er hatte, wenn es bisher auch nicht ganz so durchschlagend klappte wie bei der vorangehend erwähnten Interpretin. Immerhin knackten das Album und auch die erste Single „Don’t Ask Me How I Know“ für einige Zeit die Billboard-Top-Twenty.

Die CD bewegt sich zwischen New-Country („Man Like Me“, vielleicht die Antwort auf Tim McGraws Hit „Live Like You Were Dying“) der eher trockeneren Sorte mit dezentem Southern-Feeling (I’m Fine Either Way“, tolle Mundorgel, klasse Double Leads), trotzdem knackig und klar produziert, und einer gehörigen Portion Roots-Rock („One More Believer“, „Way Down“) mit jede Menge Heartland-Flair („Nothin‘ Happened In This Town“, ähnelt eine wenig „Small Town“, „Ford Fairlane“ und „Shadows Of The Heartland“), wie er für John Mellencamp typisch ist. Für den Spaß-Faktor sorgt der flotte, rhythmische Gute-Laune-Song „Started A Band“ im Stile von Dr. Hook auf Countrypfaden.

Das Resultat lebt natürlich auch von Bobbies unglaublich erwärmender Kratzstimme, die aber sehr variabel eingesetzt wird. Vieles erinnert an Steve Earle, John Mellencamp, Tom Waits und, wenn der Gute das Reibeisen mal in die Ecke geworfen hat, an Johnny Van Zant, Eddie Montgomery (Montgomery Gentry) oder auch Tim McGraw, gerade, wenn sich die Stücke in emotionaler Richtung bewegen. Ich würde einiges darauf verwetten, dass letztgenannter Herr McGraw sich in Zukunft auch mal eines Pinson-Songs bedienen wird. Grandios natürlich auch die beteiligten Klasse-Instrumentalisten, wobei Bill Panda (Akustikgitarre und Mandoline), sowie die exzellenten E-Gitarristen Troy Lancaster und David Grissom (Ex-Mellencamp, Storyville) unaufdringliche Glanzarbeit leisten. Toll wie bei einigen Balladen, statt wie sooft verwendeter schmalziger Violinen und bombastischer Keyboards, hier ein dumpf klingendes Cello (John Catchings) eingebracht wurde, und einem Stück wie „Time Well Spent“ bei seinem dramatischen E-Gitarren-Finale noch weitere Tiefe vermittelt.

Die Botschaften in Pinsons Texten sind ähnlich wie bei Johnny Van Zants Songwriting nicht gerade spektakulär (don’t quit your High School football team halfway through the season, don’t drink the water in Mexico…), zum Teil religiös (Jesus loves me – Hidden Track) und autobiographisch (nothin‘ happens in this town) geprägt, aber teilweise auch mit hintergründigem Humor versehen (makin‘ plans that didn’t make sense, wastin‘ time, wastin‘ time well spent).

Insgesamt eine ansprechende Dreiviertelstunde, die ich persönlich nur jedem empfehlen kann. Bobby Pinson erscheint mir als gerade entdeckter hochtalentierter Künstler mit einer phantastischen Stimme, den es gilt, einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Man darf sich schon jetzt auf seine nächsten Ideen, Lieder oder Alben freuen. Wie bereits anfangs erwähnt, gut dass manche Geheimnisse auch schon mal gelüftet werden…

RCA Records BMG Music (2005)
Stil: New Country

01. I’m Fine Either Way
02. Nothin‘ Happens In This Town
03. One More Believer
04. Don’t Ask Me How I Know
05. Man Like Me
06. Started A Band
07. Ford Fairlane
08. Shadows Of The Heartland
09. Way Down
10. I Thought That’s Who I Was
11. Time Well Spent
12. Jesus Loves Me (Hidden Track)

Bobby Pinson
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Bärchen Records

Pirates Of The Mississippi – Walk The Plank – CD-Review

Pir

Die hier besprochene CD ist eine meiner ganz großen Favoriten im Countrybereich. Im Fahrwasser des Erfolges der Kentucky Headhunters Ende der Achtzigerjahre eigentlich nur des Spaßes wegen gegründet, konnten Bill McCorvey (voc, g), Rich Alves (g), Dean Townson (b), Jimmy Lowe (dr) und Pat Severs (steelg), allesamt bis dato Nashville-Sessionsmusiker, leider kein Kapital aus diesem tollen Album schlagen.

Beinhaltete das Debütalbum noch mit Feed Jake und dem Hank-Williams-Cover „Honky Tonk Blues“ vordere Platzierungen in den Country-Charts sowie für ersteres Stück eine Nominierung bei der ‚Academy of Country Music‘ als Top New Vocal Group, floppten eigentlich sämtliche Nachfolgewerke der Band und führten wieder einmal zum Aus einer hochtalentierten Gruppe.

Die CD beginnt mit einer ironischen Homage an unsere Überflussgesellschaft. Das Stück „Too Much“, verpackt in einen lustigen Text, stellt dann auch sofort den Stil der Band in den Vordergrund: Eigenwilliger Einsatz von Slide und Steelgitarre vermischt mit einem fantastischen Gesang. „I Wouldn’t Have It Any Other Way“ folgt als knackige Up-Temponummer, die einfach nur Spaß bringt.

Für mich als großem Balladenfan kommt dann mit „Til I’m Holding You Again“ der erste Höhepunkt mit Gänsehautgarantie. Bill McCorveys tiefe, angenehme, Ruhe ausstrahlende Stimme scheint für solche Songs regelrecht erschaffen worden zu sein. „Georgia Peaches“ macht dann mit swingendem und wippendem Drive wieder richtig gute Laune. Im Anschluss daran „Fighting For You“, eine erneute Killerballade.

Mit „This Ain’t The Denver I Remember“ folgt eine echte Countryschnulze, die aber im Gesamtkonzept der CD abgefangen wird und deshalb auch nicht sonderlich nervt. „Nashville Nights/Redneck Blues“, ein Medley, das mich im ersten Abschnitt an ein Dickey Betts-Instrumental erinnert, sich im zweiten Teil zu einem relaxten Southern-Blues wandelt. Dann geht’s Schlag auf Schlag, von einem Highlight zum nächsten. „The Storm“, eine Ballade mit interessanten Tempowechseln, die hoffentlich nicht nur bei mir einen Sturm der Begeisterung auslöst. Das sozialkritische „Uncommon Man“ wird von Bill McCorvey einfach ehrlich und mit viel Gefühl rübergebracht.

Den Abschluss eines tollen, stimmigen Albums bildet das Stück „Honky Tonk Highway“, ein Lied über die rastlose Suche nach der Erfüllung des „American Dream“, in dem die Gruppe nochmal die geballte Kraft ihrer Stilelemente in die Waagschale wirft. Ein echter Knaller mit tollem Southern-Gitarrensolo, frei nach dem Motto, wenn’s am schönsten ist, sollte man aufhören.

Ich bin mir sicher, dass jeder, dem die Scheibe gefällt, neugierig nach mehr sein wird, das Niveau bleibt auf der mir bekannten ersten CD (geht noch, enthält eine tolle Ballade „Anything Goes“) und auf „A Street Man Named Desire“, die mir gar nicht gefällt, unerreicht.

Capitol Records (1991)
Stil: Southern Country Rock

01. Too Much
02. I Wouldn’t Have It Any Other Way
03. Til I’m Holding You Again
04. Georgia Peaches
05. Fighting For You
06. This Ain’t The Denver I Remember
07. Nashville Nights/Redneck Blues
08. The Storm
09. Uncommon Man
10. Honky Tonk Highway

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John Popper & The Duskray Troubadours – Same – CD-Review

Pop

Mit dem Namen John Popper, nun gut, ja eher Blues Traveler, verbinde ich ein ganz besonderes (historisches und extrem emotionales) Ereignis in meinem Leben, nämlich das erste Live-Konzert meiner Lieblingsgruppe Lynyrd Skynyrd, und zwar am 15.02.1992 in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg. Vorgruppe war eine mir bis dato unbekannte Band namens Blues Traveler, mit einem schwergewichtigen Frontmann namens John Popper. Einen Tag später in Hannover besuchten wir dann das gleiche Event nochmals.

Es ist schon erstaunlich, was man im Internet so alles vorfindet. Bei der Recherche zu diesem Review stieß ich dann so gar auf Soundfiles vom o.a. Hambuger Gig, beamte mich kurzerhand 19 Jahre zurück, und lauschte für eine gewisse Zeit den damals hautnah, aber schon längst wieder vergessenen Blues Traveler-Klängen. Mittlerweile wieder in der Realität angelangt, liegt mir jetzt die aktuelle CD von Poppers neuem Seitenprojekt John Popper & The Duskray Troubadours zum Besprechen vor.

Ein wunderbares Werk, voller wunderbarer Songs, gespielt von wunderbaren Musikern. Einfach wunderbar! Obwohl Popper, der mittlerweile einiges an Pfunden abgespeckt hat, eine Hand voll hochkarrätiger Akteure wie den Produzenten, Musiker, Songwriter Jono Manson (der hat dieses Werk auch produziert), Shurman-Frontmann Aaron Beavers (deren hervorragende und äußerst empfehlenswerte Scheibe „Jubilee“ man bei Bärchen übrigens ebenfalls erwerben kann), Mark Clarke, Steve Lindsay und Singer/Songwriter Kevin Trainor (und einige wenige, ausgesuchte Gäste) um sich gescharrt hat, bleibt er und sein einzigartiges, aber immer wohl dosiertes Mundhamonikaspiel der Center des Ganzen.

Die Songs bewegen sich, bis auf das abschließende, recht flott in einer Art Gypsy-Manier rockende „Leave It Up To Fate“ (toller Gimmick hier, wo man eine sich andeutende E-Gitarrenpassage erwartet, wird man mit einem starken Mandolinensolo überrascht), alle im balladesken bis entspannten Midtempobereich. Da wird von countryesk/folkig („A Lot Like You“ / „End Of The Line“) über rootsig/bluesig („What Can I Do For You“, „Make It Better“ / „Bereft“, „Champipple“ (erinnert stark an die Band Of Heathens), „Don’t Tread On Me”) bis ins poppig/soulige („Love Has Made It So“, „All The Way Down“, „Hurt So Much“ (Neville Brothers-like) / „Something Sweet“) auf ganz hohem musikalischen Niveau musiziert. Und immer wieder zwitschert Poppers Mundhamonika wie ein Vöglein dazwischen.

Lediglich die Frage nach der potentiellen Klientel der Popperschen ‚Abenddämmerungssänger‘ dürfte sich als spannend erweisen. In der Tat könnte es den Blues Traveler-Anhängern nicht fricklig und instrumentell ausufernd genug zugehen, den Roots-Fans das Ganze etwas zu eingängig daherkommen, den popverwöhnten Ohren immer noch eine Spur zu rau erscheinen. Interessant sicher zum einen für Leute, die gerne Klänge aus der musikalischen Umgebung von The Band konsumieren, zum anderen für diejenigen, die sich, wie ich, einen feuchten Kericht um dieses Schubladendenken scheren und sich einfach gerne durch entspannte, abwechslungsreiche und jederzeit melodische Tracks von musikalischen Könnern verwöhnen lassen. Großartiger Stoff für Genießer halt!

Atlantic Records (2011)
Stil: Country Rock

01. Love Has Made It So
02. A Lot Like You
03. Bereft
04. What Can I Do For You
05. All The Way Down
06. Make It Better
07. Something Sweet
08. Champipple
09. Hurt So Much
10. Don’t Tread On Me
11. End Of The Line
12. Leave It Up To Fate

John Popper & The Duskray Troubadours
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Bärchen Records

Molly Hatchet – Live in Hamburg – CD/DVD-Review

Ich verfolge den Werdegang Molly Hatchets eigentlich, seit ich 1978 als 15-jähriger Spund von einem damaligen Tischtennis-Mannschaftskollegen, der glücklicherweise Plattenhändler war, ihre Debüt-LP in die Hand gedrückt bekam. Es war die Zeit als man noch unter dem Schock des Flugzeugabsturzes von Lynyrd Skynyrd stand, und nach dem Tode von Ronnie Van Zant kaum eine Vorstellung hatte, wie es mit dem Southern Rock weiter gehen sollte.
Und da waren sie plötzlich, die Burschen um Dave Hlubek, Duane Roland und Danny Joe Brown, die mit ihrem harten, gradlinigen Southern-Rock soviel Pep in die Szene brachten. Auch der Wechsel zum schwergewichtigen Lead-Sänger Jimmy Farrar für zwei Alben, trübte die Freude überhaupt nicht, Danny Joe Brown kehrte ja im Anschluss wieder zum Line-Up zurück.

Es folgte das tolle Live-Album mit der wohl bis heute unerreichten Fassung von „Boogie No More“, das starke „No Guts… No Glory“ Album, und die erstmalige Gelegenheit, die Truppe live in Deutschland bewundern zu können. Im Kartenverkauf die Tickets besorgt, ab nach Düsseldorf zur Philipshalle, um dann mit langem Gesicht wieder die Heimreise anzutreten. Gig wegen Erkrankung des Sängers der Vorgruppe Blue Öyster Cult abgesagt. Na Klasse! Der Informationsfluss zu jener Zeit war halt noch etwas behäbiger. Es gab ja noch keine Online-Magazine.

Egal, die Karten behielten ihre Gültigkeit, und man wurde auch mit einem ganz besonderem Bonbon entschädigt. Molly Hatchet spielte mit den Outlaws als Vorgruppe in der Essener Grugahalle. Mein Gott was für ein Erlebnis damals! Klarer knackiger Sound, die furchteinflößenden Musiker-Persönlichkeiten auf der Bühne, Danny Joe sang sich die Seele aus dem Leib, und nahm auch noch die Gelegenheit wahr, einen Schluck aus der Whiskey-befüllten Feldflasche zu nehmen, die auf die Bühne geflogen war. Mann, waren das noch Zeiten!

Spätestens als man auf die Schnapsidee kam, sich mit „The Deed Is Done“ dem Mainstream-orientiertem Sound der Achtziger anzupassen, ein etatmäßiger, allerdings keineswegs schlechter Keyboarder mit John Galvin, dazu genommen wurde, begann der schleichende Abstieg der Truppe, was auch das um Schadensbegrenzung bemühte Werk „Lightning Strikes Twice“ nicht wirklich verhindern konnte. Mittlerweile war Bobby Ingram, der heutige Mastermind Hatchet’s, mit an Bord, er hatte ja schon in Bands wie Rum Creek und der Danny Joe Brown Band zusammen mit Danny gewirkt. Danny Joe Brown musste seinem exzessiven Leben so langsam Tribut zollen, Diabetes, Schlaganfall und sein Tod vor einiger Zeit als letzte Konsequenz. Die Band fiel auseinander, ein erbitterter Streit um Namens- und Spielrechte entbrannte.

Der Sieger hieß Bobby Ingram, der plötzlich nur noch mit Galvin Molly Hatchet sein sollte? Unvorstellbar. Doch der zauberte mit seinem neuen Line-Up, Sänger jetzt der bis dato unbekannte Phil McCormack, mit „Devil’s Canyon“ ein Ass aus dem Ärmel, dass sämtliche Kritiker verstummen ließ. Beim hochkarätig besetzten Lorelei-Festival zu Ehren von Rory Gallagher (u. a. The Band, Nine Below Zero, Lynyrd Skynyrd) stahl man allen die Show. Mein eigentlich einziges Bildmaterial (auf Video-Kassette) bis zum heutigen Tage.

Das Konzert wurde ja wenig später im Rockpalast ausgestrahlt, auf dem ich sogar zweimal selbst bei Publikumseinblendungen mit meiner Gattin verewigt bin. Der Nachfolge-Silberling hatte schon so was wie ein Klon-Charakter, dennoch ein solides Werk. Hatchet sah ich diesmal in Dortmund, Vorgruppe die mir nahestehende deutsche Newcomer Band Street Survivors, für deren gleichnamiges Stück ich den Text beigesteuert hatte. Eine weitere Studio-CD und ihre Live Doppel-CD „Locked And Loaded“ folgten. Dann in diesem Jahr die Tour, bevor das aktuelle Album fertig wurde, Dave Hlubek wurde als zurückgekehrtes Bandmitglied angepriesen.

Der Gig in der Bochumer Zeche, war für mich eine der Enttäuschungen überhaupt. Von Hlubek keine Spur, Galvin fehlte, stattdessen ein unscheinbarer Keyboarder und ein Mitglied der Road Crew als Ersatz. Breiiger, viel zu lauter Sound. Im Prinzip alles nichtsagende Musiker um die beiden Hauptakteure versammelt, die ihr Soloprogramm gnadenlos durchzogen. Der Stimmung in der Location tat es allerdings keinen Abbruch. Die Leute freuten sich einfach, dass die Jungs mal wieder im Westen aufspielten. Geraume Zeit später folgte ihr Studioalbum „Warriors Of The Rainbow Bridge“, dass recht ordentlich geworden ist, und sich mehr dem Hardrock zuwendet.

Mittlerweile hat Molly Hatchet auch den Sprung ins DVD-Zeitalter überstanden. Jetzt liegt mir ihr Live-Dokument aus dem Jahre 2004 vor, aufgenommen bei den Harley-Davidson-Tagen in Hamburg, dass uns SPV dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Ein Kombiteil, bestehend aus DVD, und für die Autofahrer unter uns, noch eine CD, die allerdings um vier Stücke verkürzt ist. Wenn ich ehrlich bin, bin ich auch über diese Live-Aufnahme, nicht so richtig glücklich.

Das Programm deckt sich im wesentlichen mit dem, was man auf der diesjährigen Tour zu sehen bekommen hat. Einzige Unterschiede, John Galvin ist als Keyboarder an Bord, die zweite Marionette an der Gitarre, gibt diesmal ein gewisser Jake Ruttler ab. Mehr als ein paar Mal die Gitarren mitschwenken war auch für ihn nicht drin, und der hatte wohl dann auch danach den Kaffee auf, und wurde ja durch Jimbo Manion ersetzt.

McCormack übertüncht seine relativ unvariable Stimme geschickt mit seinen Entertainerqualitäten, Ingram zieht seine Gitarrenshow ohne Pardon durch. Ich finde so was wenig ‚gentlemanlike‘. Meiner Meinung nach bricht er sich keinen Zacken aus der Krone, wenn auch sein anderer Angestellter an der Klampfe angesichts der Vielzahl mal 5 oder 6 Soli vom Leder lassen kann. Da hoffe ich nur, dass durch Dave Hlubek, wenn wir ihn denn noch erleben dürfen, für ein anderes Kräfteverhältnis gesorgt wird. Nichts desto trotz ist Bobby natürlich ein Klassegitarrist, und das weiß auch eigentlich mittlerweile jeder.

Die Songs kennt jeder Southern-Fan in- und auswendig; interessant hier vielleicht die Live-Umsetzungen der aktuellen Studio-CD, bei Stücken wie „Moonlight Dancin‘ On A Bayou“, „Son Of The South“, „The Rainbow Bridge“ (Widmung für Bobbies verstorbene Frau) oder „Gone In 60 Seconds“. Für mich die Höhepunkte „Fall Of The Peacemakers“, wo Mr. Alleinunterhalter auch mal die Akustikgitarre bedient, dazu der schöne Übergang zum atmosphärischen „Devil’s Canyon“. Der Kracher natürlich „The Journey“, bei dem Bobby wie immer seine geniale Fingerfertigkeit ausgiebig beweist. Der Song ist leider auf der CD nicht mit drauf.

Erwähnenswert beim Bonusmaterial die Impressionen vom Schaulaufen der Harley-Davidson- Besitzer, wo es jede Menge urige Typen zu bewundern gibt. Das Interview mit Bobby wird in Johnny-Van-Zant-typischer Manier runtergespult. Nichts was dem Southern-Hardliner nicht eh schon bekannt ist, und natürlich alles Friede, Freude Eierkuchen.

Bobby ist mit den meisten Ex-Mitgliedern dick befreundet, ein paar Statements zum Cover-Künstler, ein paar Anekdötchen aus seinem Tourleben. Interessant eigentlich nur, als die Frage gestellt wird, ob Bobby es sich vorstellen könnte, mal wieder mit drei Gitarristen aufzulaufen. Das wird recht geschickt durch ihn relativiert, indem er konstatiert, dass ein guter Keyboarder wie John Galvin im Prinzip den dritten Mann an den Saiten überflüssig macht. Naja, mittlerweile hat Molly Hatchet laut eigener Homepage mit Manion und Hlubek zumindest nominal wieder ein Guitar-Trio.

Fazit:  „Live In Hamburg“ ist für den Southern-Sammler allein aus Vollständigkeitsgründen ein Muss, interessant vielleicht auch für die Liebhaber der jüngeren Generation, die nicht so ganz mit der Hintergrund-Geschichte der Band vertraut sind, und für Hardrockfans, die nicht abgeneigt sind, sich einen Einblick ins Southern-Genre zu verschaffen.

Ich persönlich hätte mir eher ein DVD-Dokument von einem Gig in einem ausverkauften US-Stadion vor enthusiastischen Fans mit einer Gitarrenschlacht wie einst gewünscht, statt eine vorhersehbare Vorstellung vor unterkühltem norddeutschen Publikum. Vielleicht ist man aber auch als Musikkritiker über die Jahre angesichts der Vielzahl zu besprechender Veröffentlichungen nur extrem anspruchsvoll geworden. Wer weiß, in der knapp 30-jährigen Geschichte von Molly Hatchet ist so viel passiert, schaun wir mal , was noch so kommt…

SPV (Steamhammer (2005)
Stil. Southern Rock

01. Intro
02. Whiskey Man
03. Bounty Hunter
04. Gator Country
05. Moonlight Dancin‘ On A Bayou
06. Fall Of The Peacemakers
07. Devil’s Canyon
08. Drum Solo
09. Beatin‘ The Odds
10. Son Of The South
11. The Creeper
12. The Rainbow Bridge
13. Keyboard Solo
14. Instrumental
15. Guitar Solo
16. Dreams I’ll Never See

Bonustracks (nur auf DVD):
17. The Journey
18. Gone In 60 Seconds
19. Jukin‘ City
20. Flirtin‘ With Disaster

Molly Hatchet
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SPV
Bärchen Records

Southern Rock Allstars – Trouble’s Coming Live – DVD-Review

trouble

Wenn ich ehrlich bin, muss ich zunächst erst mal von mir geben, dass mich der Name der Band persönlich immer gestört hat. Nicht nur, dass die Leistungen ihrer zwei Alben dieser Bezeichnung schon nicht würdig waren, sondern auch, wenn man sich das augenblickliche Line-Up der Truppe vor Augen führt (Jay Johnson, Charles Hart und Scott Mabrey), fragt man sich gelinde gesagt, welcher der Herren jemals ein Southern Rock-Star war. Allerdings, bei Gründung hatten sich noch diverse andere, wesentlich bekanntere Musiker im Rahmen dieses Projektes die Ehre gegeben, aber auch hier handelte es sich im Groben und Ganzen eher um ein ‚Best Of Molly Hatchet/Blackfoot-Ensemble‘, wie auch das live verwendete Songmaterial schwerpunktmäßig belegt.

Zeit vielleicht, mal ein wenig in Phantasien zu schwelgen. Meine Southern Rock-Traum-Truppe (noch lebender Musiker…) würde sich so zusammensetzten. Gregg Allman – Gesang, Gary Rossington, Hughie Thomasson, Dave Hlubek – Gitarren, Larry Junstrom – Bass, Billy Powell – Piano, Paul Riddle – Drums und Dale Krantz/Carol Chase im Background, wobei auf der Auswechselbank noch Leute wie Bruce Brookshire, Ed King, Johnny und Donnie Van Zant, sowie Jeff Carlisi, Dickey Betts und Warren Haynes Platz nehmen dürften. Na ja, ist wohl ’ne ziemliche Utopie, aber der nächste 1. April kommt ja auch wieder…

Gut, lassen wir das, befassen wir uns mit den eher traurigen Fakten. Die Setlist wurde in mehreren kleinen, meist schwach besuchten Clubs und am Ende sogar in einer Schule eingespielt und gefilmt. Die Besetzungen wechseln vereinzelt, Hauptakteure sind hier noch Jay Johnson, Dave Hlubek (bereits schon wieder ausgeschieden) und Jakson Spires. Der Sound geht gerade noch so eben, die Filmaufnahmen (wohl mit einer Videokamera) sind unter aller Kanone. Trotz aller widrigen Umstände, ich denke da vor allem an Spires und Hlubek (die ja auch schon bessere Zeiten erlebt haben), zeigen sich sämtliche Akteure äußerst motiviert, wobei Jay Johnson scheinbar als treibende und zusammenhaltende Kraft im Vordergrund steht.

Man kann sich gut vorstellen, dass die realen Live-Konzerte in Bierlaune hier mächtig gut abgingen, wobei die SRA-eigenen Stücke durchaus angenehm auffallen. Eine wahre Freude ist es noch immer Dave Hlubeks Wurstfinger über die Saiten flitzen zu sehen. Er scheint übrigens nach wie vor den gleichen Ernährungsberater zu haben wie Jimmy Farrar, der dann bei einigen Molly Hatchet-Klassikern mit immer noch unverkennbarer, aber etwas brüchigerer Stimme zum Einsatz kommt. Der mittlerweile leider verstorbene Jakson Spires legte sich noch mal richtig ins Zeug, als wenn er schon gewusst hätte, dass sein Lebensende nicht mehr weit entfernt war. Ihm wird am Ende unter emotionaler Pianobegleitung noch mal der Abspann gewidmet.

Auch Duane Roland, der ebenfalls vor kurzem von uns gegangen ist, darf dann bei „Train, Train“, „Whiskey Man“ und „Bounty Hunter“ in seiner unnachahmlich ruhigen, stoischen Art bei der Ausübung seines Instrumentes, wohl zum letzten Male bewundert werden. Von daher haben die Mitschnitte sicherlich schon jetzt historischen Charakter.

Die Krönung, aber bald schon wieder irgendwie kultig, sind die Aufnahmen des Kiss-Klassikers „Rock & Roll All Nite“ und von „Highway Song“. Die Band spielt inmitten einer Aula oder Turnhalle der Muscle Shoals High School. Dabei sind ein paar Zuschauer und Schüler und hinter Ihnen steht stocksteif und verkrampft der Schulchor, und wird dann von einer Dirigentin reiferen Alters zu ein paar Harmonies ermuntert. Echt zum Piepen! Dabei rockt die Band gerade beim Blackfoot-Paradestück richtig ab, vor allem das Hlubek-Solo ist wieder erste Sahne. Als Bonus gibt es noch ein paar Interviews, sowie ein paar Impressionen von einer Autofahrt zum Schweden-Rock-Festival und ein Spaßfilmchen.

Alles in allem ist man am Ende traurig, wenn man sieht, wie unsere gefeierten Helden von einst, von der Kreativität und vom Interesse her teilweise vor sich hingammeln, obwohl ihre spielerischen Leistungen überhaupt nichts zu wünschen übrig lassen. Trotzdem, sie haben uns viele schöne und unvergessene Momente beschert, und werden musikalisch immer in unseren Herzen bleiben, wenn auch meist jetzt eher als ‚Southern Rock Oldstars’…

MTM Musics (2006)
Stil: Southern Rock

01. Tough Situation
02. Morning Dew
03. Railroad Man
04. Ghost Of You
05. Run & Hide
06. Stump Jumpin‘
07. Mississippi Queen
08. Beatin‘ The Odds
09. Flirtin‘ With Disaster
10. Mother
11. Trouble’s Comin‘
12. Train Of Sorrow
13. Wishing Well
14. Train Train
15. Whiskey Man
16. Bounty Hunter
17. Fox Chase
18. Rock & Roll All Nite
19. Highway Song

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Bärchen Records

Wilco – Ashes Of American Flags – DVD-Review

Manchmal ist es als Online-Redakteur gut, seinen Intuitionen Folge zu leisten. So bei der Kult umwobenen Chicagoer Band Wilco, über die ich zwar schon viel gelesen habe (im Feuilleton der von mir abonnierten Tageszeitung werden oft Scheiben von ihnen und aus ihrem musikalischen Dunstkreis besprochen), an die ich mich trotz interessanter Kritiken aber nie so richtig herangetraut habe. Ihr Hang zu Klangexperimenten hatte mich immer davon abgeschreckt. Mittlerweile habe ich aber schon des öfteren mal Sachen aus dem Indie-, Roots- und Alternative Country-Bereich im Player liegen, so dass sich die Hemmschwelle deutlich verringert hat.

Jetzt erschien mir die Zeit reif zu sein, mich an ein Review heranzuwagen, als sich ihre neue DVD „Ashes Of American Flags“ in unserem Angebotstool befand. Ohne es wirklich zu wissen, hatte ich (eigentlich als Vertreter harmonischer Klänge) es ins Kalkül gezogen, dass sie gerade bei einer Live-Präsentation, den Geschrammel-Anteil vermutlich nicht allzu intensiv in den Vordergrund stellen würden. Damit sollte ich im Großen und Ganzen recht behalten.

Die DVD wurde an fünf verschiedenen Locations in fünf verschiedenen Staaten (Cain’s Ballroom, Tulsa, OK – Tiptina’s, New Orleans, LA – Mobile Civic Center, Mobile, AL – Ryman Auditorium, Nashville, TN – 9. 30 Club, Washington,DC) gefilmt. Veröffentlicht wurde sie in den Staaten am so genannten Music Store Day (18. April), der den vielen kleinen Plattenläden im Lande zu größerer öffentlicher Aufmerksamkeit verhelfen soll. Gerade Wilco-Frontmann Jeff Tweedy engagiert sich hier sehr stark, der (wie wir wohl alle) diese Läden quasi als Anlaufpunkt und Antriebsfeder für sich sah, sich mit Musik zu beschäftigen, bzw. auch aktiv zu betreiben.

Apropos Jeff Tweedy. Er steht ganz klar, trotz seiner hervorragend instrumentell agierenden Mitstreiter (vor allem der sich mit seiner eigenwilligen Schlagtechnik voll verausgebende Drummer Glenn Kotche, der unkonventionell spielende Lead-Gitarrist Nels Cline, Tweedy-Langzeit-Kumpel John Stirratt, Mikael Jorgensen und der vielseitige Pat Sansone), im Mittelpunkt dieser Dokumentation. Er wirkt in seiner juvenilen, dezent introvertiert wirkenden Charismatik schon jetzt wie eine geistesverwandte Mischung aus Johnny Cash, Van Morrison und Bob Dylan. Er besitzt neben seinen außergewöhnlichen Songwriterqualitäten eine in den Bann ziehende Stimme und Gestik. Dazu spielt er auch hervorragend Gitarre.

Das ausgewählte Songmaterial bietet schwerpunktmäßig einen Querschnitt ihrer letzten Alben „Sky Blue Sky“, „A Ghost Is Born“ und dem damals gefeierten „Yankee Hotel Foxtrot“ (Wilco kauften dem Label aufgrund strategischer Differenzen die Rechte für dieses Werk ab, um es dann mit großen Erfolg nach eigenen musikalischen Vorstellungen zu veröffentlichen). Die Musik ist über weite Phasen sehr eingängig und angenehm präsentiert (z.B. das soulige „Impossible Germany“ oder das beim Proben gefilmte, balladeske „Wishful Thinking“). Lediglich Clines manchmal kreischend gespielte Solopassagen (u.a. bei „Handshake Drugs“) und einige Synthie-unterstützte, psychedelisch anmutende Momente („Side With Seeds“, „Via Chicago“) unterbrechen die vorwiegend im Vordergrund stehende musikalische Harmonie (in einem zeitlich aber vertretbaren Rahmen).

Komischerweise gefällt mir der Extrateil sogar noch besser als der Hauptpart, weil hier die Countrynote doch ein wenig deutlicher in den Vordergrund gerückt wird. Bei „I’m The Man Who Loves You“ darf man sich an einem Honky Tonk-Piano erfreuen, beim Steel-untermalten „It’s Just That Simple“ erhält Basser John Stirratt Gelegenheit, seine gesanglichen Qualitäten und auch sein Akustikgitarrenspiel unter Beweis zu stellen (Tweedy bedient dafür im Gegenzug den viersaitigen Tieftoner). Auch Bläsereinsätze (wie bei „The Late Greats“ und „Hate It Here“) sind durchaus mit Wilco-Stücken wunderbar in Einklang zu bringen (passender Weise in New Orleans mit eingebracht).

Fazit:  Das von Brendan Canty und Christoph Green gefilmte Wilco-Dokument „Ashes Of American Flags“ macht beim Anschauen (u.a. auch noch mit atmosphärischen Landschafts- und Städteimpressionen, sowie einigen Statements und Backstage-Aufnahmen der Musiker aufgepeppt) und vor allem beim Zuhören großen Spaß. Nicht nur der brillante Klang weiß zu überzeugen, auch die Songauswahl und ihre interessante musikalische Umsetzung begeistert. Im Gegensatz zu vielen anderen Acts kann der Rezensent (auch Tweedys Ausstrahlung sei Dank) den Kultstatus von Wilco mittlerweile gut nachvollziehen. Ein wirklich beeindruckender Konzertfilm über eine extravagante Band! Klasse!

Nonesuch Records (2009)
Stil: Rock / Alternative Country

01. Ashes Of American Flags
02. Side With The Seeds
03. Handshake Drugs
04. The Late Greats
05. Kingpin
06. Wishful Thinking
07. Impossible Germany
08. Via Chicago
09. Shot In The Arm
10. Monday
11. You Are My Face
12. Heavy Metal Drummer
13. War On War

Extras.
14. I’m The Man Who Loves You
15. Airline To Heaven
16. It’s Just That Simple
17. At Least That’s What You Said
18. I Am Trying To Break Your Heart
19. Theologians
20. Hate It Here

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