Laidlaw – Same – CD-Review

Laid

Gute und schlechte Nachricht für Southern-Rock-Freunde. Die Gute: Nach ihrem schon tollem Debütwerk „First Big Picnic“ ist auch der zweite Ausflug von Laidlaw mit ihrem gleichnamig betitulierten Album in Südstaatengefilde wieder überaus gelungen.
Die Schlechte: Damit dürfte der Höhepunkt des Jahres schon erreicht sein, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine andere Band in 2004 dieses Schmuckstück toppen können wird.

Endlich mal wieder eine Truppe mit A-Qualitäten also, die sich selbstbewusst anschickt, in die Phalanx der ewig etablierten Bands des Genres einzubrechen, ja ihnen sogar den Rang abzulaufen. Wenn man das in letzter Zeit häufig gebrauchte Wort New-Southern-Rock in den Mund nimmt, kann im gleichen Atemzug eigentlich nur Laidlaw gebracht werden. Schade, dass sie wohl, trotz ihrer Klasse, nicht die große Kohle machen werden, da sind sie einfach zwanzig Jahre zu spät dran. Das Herz der Fan-Gemeinde dieser Stilart werden sie mit dieser CD aber im Sturm erobern, da bin ich mir relativ sicher.

Die raue Gangart des Vorgängers ist zwar ein wenig auf der Strecke geblieben, aber das gesunde Maß an Härte haben sich Joe Pantera, Craig DeFalco und Co. natürlich bewahrt. So haben sie diesmal gleich bei drei Stücken („Everything’s Gonna be Alright“, „Bag Full Of Pills“, „This Must Be Love“) versucht, Country- und Südstaatenrock harmonisch ineinander zu verschachteln, was meiner Ansicht nach auch bestens geklappt hat. Gerade erstgenanntes Lied zählt für mich schon jetzt zu den Top-Balladen des Jahres. Wunderbare Melodie, unaufdringliche Steelelemente, starke Akustik-, Slide- und E-Gitarren, hervorragender Gesang. Ein Song zum Dahinschmelzen.

Der Unterschied zu den ganzen B-Truppen. Die Lieder wirken leicht, haben Charakter und Wiedererkennungswert; ihre Liebe zum Genre ist in jeder Phase des Albums spürbar und nicht aufgesetzt. „5 Knuckle Shuffle“ und „Brings My Baby Down“, beide aus der Feder von Slide-Gitarrist Buzzy James, lassen keine Zweifel an seiner Sympathie für ZZ Top. Unnachahmlich, wie die Herren diesen cool-schwülen Slow-Boogies mit unerhörter Spielfreude Tribut zollen.

Auch vor Lynyrd Skynyrd wird sich nachhaltig verbeugt. Zum einen mit dem als Südstaaten-Blues gebrachten „Ode To Ronnie“. Lustigerweise setzt sich die erste Strophe ausnahmslos aus Titeln ihrer Heroes zusammen. Auch der Refrain ‚He was a simple man, they called him The Breeze, free as a bird, he made me believe‘ braucht wohl nicht weiter kommentiert werden.

Zum anderen wurde, ähnlich wie bei 38 Special damals auf „Rockin‘ Into The Night“ Dale Krantz, diesmal Skynyrd-Background-Dame Carol Chase im Duett bei „Never Been Any Reason“ die Chance gelassen, sich als Frontfrau darzustellen, was ihr auch prächtig gelingt. Alles in allem ein Werk, bei dem sich eine Perle an die andere reiht und das bei glasklarem und knackigem Sound. Also, Southern-Fans: Schnell zugreifen, solange diese CD noch vorrätig ist! Für mich stellt sich allerdings zum Schluss noch eine Frage. Jungs, wann taucht ihr eigentlich endlich mal in Deutschland auf?

Yessir Records(2003)
Stil: Southern Rock

01. Intro
02. Are You Living Your Dream
03. 5 Knuckle Shuffle
04. Everything’s Gonna Be Alright
05. Something To Say
06. Never Been Any Reason
07. Bag Full Of Pills
08. Fly Away
09. Ode To Ronnie (Lynyrd Skynyrd Tribute)
10. Brings My Baby Down
11. This Must Be Love

Bärchen Records

Laidlaw – The Foam Box Sessions – CD-Review

Lai

„Öfter mal was Neues“, nach diesem Motto scheint besonders Laidlaw-Führer Craig DeFalco sein musikalisches Leben zu bestreiten. „Revolution Is Coming“ heißt es auf Laidlaws drittem Album „The Foam Box Sessions“, dass unter der Regie von Joe Hardy (ZZ Top, Steve Earle) in Houston, Texas produziert wurde. Die bandinterne Revolution hatte aber wohl bereits im Vorfeld stattgefunden, mit dem Ergebnis, dass nicht wie beim letzten Mal nur der Sänger und Produzent, sowie Entdecker Nikki Six (übrigens Bassist von Mötley Crue) auf der Strecke blieben, sondern diesmal die gesamte restliche Truppe.

Übrig blieb Leader Craig DeFalco. Aber nicht nur personaltechnisch führt die DeFalco-Gefolgschaft ein bewegtes Leben, auch stilistisch hat man sich scheinbar einen ständigen Wandel auf die wehenden Fahnen geschrieben. Beim starken Debüt „First Big Picnic“ hieß noch 1999 die Maxime ‚Southern-orientierter Hard-Rock‘, die beim hervorragenden Nachfolger „Laidlaw“ von 2004 durch ‚Countryfizierten Southern-Rock‘ abgelöst wurde (sh. auch alten Artikel). Mittlerweile hat sich die Band wieder von den etwas ruhigeren Tönen abgewendet, und dem psychedelisch-southern-angehauchtem Retro-Rock zugewendet. So was muss man erst mal hinkriegen, aber hier wurden die stilistischen Übergänge dank hervorragender Musiker wirklich fließend gemeistert.

Das aktuelle Laidlaw-Line-Up gibt sich wie folgt. Robbie Locke – lead vocals; Brian Huffman – guitars, lap steel, mandolin, harp, bouzouki, background vocals; Eric Jarvis – bass, guitars, B-3 Organ, background vocals; Greg Hokanson – drums, background vocals. Ein Verdienst sicher auch von Sänger Robbie Locke, dessen Stimmlage sich von Ex-Frontmann Joey Pantera kaum unterscheidet, und der mit einer ebenso rotzig-dreckigen Röhre den recht aggressiv-kraftvollen Tönen seiner Mitstreiter bestens Paroli bietet. Ein merklicher Gewinn ist sicher Drummer Greg Hokanson, der mit teilweise maschinengewehrartigen Trommelwirbeln dem Sound der Band erheblich mehr Volumen und Power verleiht.

Die beiden Gitarristen setzen diesmal den Schwerpunkt weniger im Solo-Bereich (von denen es natürlich aber auch einige zu bewundern gibt), liefern sich jedoch in der wechselseitigen Untermalung mit psychedelischen-Retro-E-Riffs, wie einst Jimi Hendrix oder Jimmy Page ihre ständigen kleinen Duelle. Dafür präsentieren sie sich dann mal exklusiv an ihren Nebeninstrumenten wie DeFalco an der Dobro bei „Let Your Love Shine“ oder Huffman an der Harmonika beim texas-bluesigen Stomping-Rocker „Austin City Wendy“, beim Bouzouki-Intro von „Down So Long“ oder beim Mandolinen-Break von „Swan Song“. „Over the hills and far away there’s a whole lotta love…“ heißt es hier, und der Song ist wie schon beim letzten Mal bei „Ode To Ronnie (Lynyrd Skynyrd-Tribute)“ als titelbestückte Hommage an eine weitere Band gedacht, die als maßgeblicher Einflussgeber in ihrer Bio benannt ist, nämlich Led Zeppelin.

Weitere Bezugsgrößen gehen in Richtung Black Crowes, vielleicht ein wenig Lenny Kravitz beim recht überdrehten „War Machine“, und die zum Teil meditationsinspirierten Stücke wie „Open Up Your Mind“ und die abschließende sechs-minütige Ballade „A Little Time“ (starkes Mellotron-Intro und emotionale Streicherunterlegung von Joe Hardy), die im weitesten Sinne so ein wenig Flair von „Seagull“, dem Abschlussstück des einstigen Bad Company-Klassikers „Bad Company“ vermitteln.

Der Southern-Rock lebt dann vornehmlich in den melodischen, aber ebenfalls auf recht hohem Tempo beweglichen Songs wie „Sunshine Woman“ (schönes E-Break) oder „Nascar Superstar“ (klasse Slide-Gitarren). Nach einer wirklich sehr powervollen Dreiviertelstunde muss man selbst nach der oben erwähnten Abschluss-Ballade erst mal tief durchatmen, die Band ging wirklich ein enormes Tempo. Die Scheibe bietet höchstes Musikniveau und ist sowohl für die härtere Fraktion als auch für Anhänger klassischer, im Dunstkreis befindlicher o.a. (Retro-)Rock-Bands durchaus als antestenswerte Alternative zu empfehlen.

Der neben Southern Rock schwerpunktmäßig (New-) Country-liebende Autor des Artikels möchte allerdings nicht verheimlichen, dass ihm die zweite Scheibe aufgrund ihrer ruhigeren und insgesamt melodischeren Art nach seiner persönlichen Definition besser gefallen hat als „The Foam Box Sessions“, und er vor allem die bis dato immer verwendeten, tollen weiblichen Backs vermisst. Aber wer weiß, was Craig DeFalco, alias Laidlaw demnächst wieder für Überraschungen in petto hat, die nächste Revolution kommt bestimmt…

Yessir Records (2006)
Stil: Rock / Southern Rock

01. Intro
02. Revolution Is Coming
03. Let Your Love Shine
04. Open Up Your Mind
05. Swan Song (Tribute To Led Zeppelin)
06. War Machine
07. Sunshine Woman
08. Austin City Wendy
09. Nascar Superstar
10. Are You Living Your Dream
11. Down So Long
12. A Little Time

Bärchen Records

Stoney LaRue – Velvet – CD-Review

Weich und geschmeidig ist an Stoney LaRues neuem Album „Velvet“ eigentlich nur der rotfarbene Samtüberzug des Digipacks (von daher lohnt es sich in jedem Fall hier eine physikalische Version zu erwerben) und vielleicht noch der wunderschöne, entspannte Titeltrack am Ende des Albums. Ansonsten ist „Velvet“ keine leichte Kost (eher anspruchsvoller Roots-Stoff), Red Dirt–Anhänger werden sogar vermutlich damit ihre Schwierigkeiten haben, denn unter diesem ‚Label‘ hat der ursprünglich aus Taft, Texas stammende 34-jährige Stoney LaRue ja seinen musikalischen Weg vor sechs Jahren (sein Debütwerk hieß sogar „The Red Dirt Album“) angetreten.

Es folgte noch ein in dieser Szene quasi als Muss aufgenommenes Live-Dokument im Kulttempel Billy Bob’s Texas (DVD/CD), ansonsten tauchte LaRue in der Zwischenzeit eher als Co-Writer und Gastmusiker bei befreundeten Interpreten wie z.B. bei Brandon Jenkins grandiosem „Brothers Of The Dirt“-Longplayer auf (LaRue war irgendwann von Texas nach Stillwater, Oklahoma gezogen und traf sich meist im dortigen Yellow House mit besagtem Brandon Jenkins, Jason Boland, Cody Canada und Mike McClure zu regelmäßigen Sessions).

Sein neues Werk „Velvet“ beinhaltet nur noch Red Dirt-Fragmente. Lediglich das locker dahinfließende „Look At Me Fly“ (flockige Gitarrenuntermalung, Fiddleeinlagen, E-Slide-/Fiddle-Solo-Kombi), im Stile der Randy Rogers Band, kann man als klassischen Song dieser Sparte ‚identifizieren‘, ansonsten begibt sich LaRue deutlich in rootsige Americana-Gefilde, vermutlich auf eine beschränkte Kategorisierung seiner Person pfeifend.

Das ist mutig und risikoreich zugleich, zeugt in diesem Fall aber vom Anspruch des Künstlers, sich weiterzuentwickeln. Auf diesem Werk geht es spürbar darum, hochwertige Musik abzuliefern, als um irgendwelche Rücksichten im kommerziellen Sinne. Die Stücke stammen alle aus der gemeinsamen Feder von Stoney und Mando Saenz, lediglich an „Wiregrass“ war Adam Hood beteiligt. Beide Co-Writer sind ebenfalls eigenständige Singer/Songwriter aus dem Roots-/Americana-Dunstkreis.

Da zudem ein elitärer Musikerkreis wie bestehend aus u.a. Randy Scruggs (Sohn von Bluegrass-Legende Earl Scruggs), Glenn Worf, Chad Cromwell, Glen Duncan, Jim Hoke (alles bekannte Nashville-Studiomusiker), Fred Eltringham (mittlerweile Drummer bei den Wallflowers), Oran Thornton, Ian McLagan und Kevin Webb zur Einspielung des Werkes gewonnen werden konnte, war ein anspruchsvolles, filigranes musikalisches ‚Gebräu‘ eigentlich vorprogrammiert.
Stücke wie „Travellin‘ Kind“ (klasse Harmoniegesänge von Nashville-Diva Lee Ann Womack), „Has Been“ (steelbetont) und „Way Too Long“ (ein recht fröhlicher Song, mit einer kirmesartig gluckernden Orgel) könnten alle auch gut auf Neil Youngs akustisch motivierte und dominierte Alben passen.

Lieder der Marke „Wiregrass“ (ziemlich düster, swampig, mit markanten, an die frühe Marshall Tucker Band erinnernden Querflöteneinlagen von Jim Hoke), das recht monoton verlaufende „Scarecropper“ (rauer, recht bluesig stampfender Gitarrenrhythmus, quäkende Mundharmonika, filigrane Akustikgitarre) und das (wie der Titel schon andeutet) mit teilweise sirenenartigen Fiddlepassagen bestückte „Sireens“ sind auch für mich recht schwer verdaulicher, aber höchst anspruchsvoll instrumentierter Stoff. Man merkt den Musikern den Spaß beim Experimentieren richtig an. Etwas aus der Reihe fällt „Te Amo Mas Que La Vida“, ein recht euphorischer, mit Akkordeon unterlegter Tex-Mex-Schunkler, passend zum Tequila-Genuss in der Tapas-Bar.

Am Ende darf man sich aber dann aber doch beim längsten Track und Namensgeber der CD „Velvet“ in absoluter Wohlfühlatmosphäre laben. Eine wunderbare, sehr melodische und auch dezent melancholische Ballade. Klasse hier die vorzüglichen Backs von Aubrie Sellers und Sarah Buxton. Mein persönlicher Favorit eines Longplayers, den man nur an ganz bestimmten Tagen hören kann.

Stoney LaRue hat seine bisherige Klientel mit „Velvet“ zunächst erst mal auf eine harte Probe gestellt, dafür aber ein höchst anspruchsvolles und hochklassig instrumentiertes Album mit Ecken und Kanten abgeliefert. Der Bursche scheint auf Experimentierfreudigkeit und Weiterentwicklungsfähigkeit gepolt zu sein. Man darf auf sein nächstes Werk gespannt sein.

B Side Music Group (2011)
Stil: Red Dirt

01. Dresses
02. Wiregrass
03. Look At My Fly
04. Travelin‘ Kind
05. Sharecropper
06. Sirens
07. Te Amo Mas Que La Vida
08. Has Been
09. Way Too Long
10. Velvet

Stoney LaRue
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Bärchen Records

Tracy Lawrence – Strong – CD-Review

Law

Tracy Lawrence hat schon etliche CDs veröffentlicht und muss sicherlich mit zu den Urgesteinen der New-Country-Szene gezählt werden. Jede Menge Anerkennung hat er sich damit ohne Zweifel erarbeitet, zum Superstarstatus eines Garth Brooks oder Tim McGraw hat es bisher aber nicht gereicht.
Ein wichtigen Schritt in diese Richtung dürfte er allerdings jetzt mit seinem neuen Album „Strong“ gemacht haben. Das Werk hat kaum Aussetzer, dafür aber jede Menge hitverdächtige Songs. So hat sich auch die erste Singleauskoppelung „Paint Me A Birmingham“ bereits in den Country-Billboard-Charts (Platz 4) eingenistet.

Insgesamt gesehen drängt sich mir ein Vergleich mit Chris Cagles letzter Scheibe förmlich auf, auch wenn Tracy bei „Strong“ den Fokus komplett auf Fremdkompositionen gesetzt hat, dies aber mit sehr viel Bedacht. Ähnlich wie bei Cagle präsentiert er seinen Mix aus knackigen Mid- und Uptempo-Nummern und kraftvollen Balladen mit viel Herzblut und man spürt, wie er mit Leib und Seele bei der Sache ist.

Und so brennt dann auch direkt bei den beiden Eröffnungsstücken der Lawrence. „It’s All How You Look At It“ und „Strong“ haben alles, was ein guter New-Country-Song braucht: Rockiger Rhythmus, sparsame Fiddle-, Steel- und Pianoeinlagen, dezente Backgrounds und klasse E-Gitarren.
Die druckvollen Sachen wie „Everywhere But Hollywood“ und „What The Flames Feel Like“ (erinnert an „It’s All In Your Head“ von Diamond Rio) zählen zu meinen weiteren Favoriten. Toll auch die Hillbilly-Honkytonk-Tanznummer „Sawdust On Her Halo“, das mit seinen Steel-Passagen ein wenig Pirates Of The Mississippi-Charakter aufweist.

Nach dem locker flockigen „Think Of Me“ glaubt man sich schon bei der abschließenden Ballade „The Questionnaire“ in aller Ruhe entspannt zurücklehnen zu können, da durchrüttelt einen gegen Ende ein plötzlich einsetzender Schlagzeugwirbel und ein gigantisches Gitarrensolo, das im Genre seines Gleichen suchen dürfte.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Als Rezensent eines Musikmagazins und der damit verbundenen inflationären Hörtätigkeit von CDs ist man mangels Zeit zum Teil der Gefahr einer oberflächlichen Bewertung ausgesetzt (gerade im New-Country-Bereich), allerdings bemühe ich mich, dies in der Regel zu vermeiden. Deshalb erscheinen mir gerade die Anfangs- und Endstücke eines Werkes in kommerzieller Hinsicht die wichtigsten zu sein, weil diese doch am meisten im Ohr hängen bleiben. Und auch in diesem Punkt hat Mr. Lawrence somit alles richtig gemacht, das Spannungsbarometer erstreckt sich jedoch, wie bereits anfangs erwähnt, über die gesamte Spieldauer.

Eine tolle Scheibe, die ganz sicher zu den Highlights des Jahres 2004 zählen wird, oder wie der Amerikaner es einfach sagen würde: „Strong“!

DreamWorks Records Nashville (2004)
Stil: New Country

01. It’s All How You Look At It
02. Strong
03. Stones
04. Paint Me A Birmingham
05. Everywhere But Hollywood
06. A Far Cry From You
07. Bobby Darwin’s Daughter
08. What The Flames Feel Like
09. Sawdust On Her Halo
10. When Daddy Was A Strong Man
11. Think Of Me
12. The Questionnaire

Tracy Lawrence
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Bärchen Records

Danni Leigh – A Shot Of Whiskey & A Prayer – CD-Review

Dan

Wow! Was für eine heiße Frau, dachte ich, als sie mir das erste Mal mit ihrem Videoclip zu „Honey I Do“ in der Sendung Country Roads begegnete. Nicht nur ein knackiger Song, sondern auch das Äußere nicht minder ansprechend! Mein Interesse war geweckt, aber es sollte noch einiges an Zeit vergehen, bis diese Scheibe in meinem Besitz landen sollte.

Zunächst suchte ich die CD in den zwei, drei einschlägigen hiesigen Läden, die recht gut mit New-Country-Musik ausgestattet sind, jedoch Fehlanzeige. Auch bei Bärchen Records weit und breit nichts von Danni Leigh zu lesen. Die Gründe dafür sind allerdings in den recht unglücklichen Umständen zu suchen, unter denen das Werk entstanden war, denn es wurde mehrfach gecancelt oder verschoben, bis Sony sich letztendlich bereit erklärte, es im Rahmen ihres ‚Fan-Demand-Projekts‘ zu veröffentlichen.

Danni Leigh wurde in Strasburg, Virginia, einer kleinen Stadt in der Nachbarschaft ihres Idols Patsy Cline geboren. Mit drei Jahren singt sie schon zum ersten Mal solo in der heimatlichen Kirche. Ihren ersten Job nimmt sie mit sechzehn Jahren in einem Plattenshop an und endeckt ihre Vorliebe für Reiten und Motorradfahren. Gerade mal 19 geworden, führt sie ihr Weg nach Orlando, Florida und sie singt für gerade anbietende Countryband im Umkreis, mit mehr oder weniger Erfolg.

Erwähnenswert vielleicht Auftritte mit und der Artimus Pyle Band. Sie entschließt sich letztendlich nach Nashville zu gehen und nimmt dort einen Job als Kellnerin im legendären Bluebird Cafe an, in dem die ansässige Musikerszene ein und aus geht. Danni beginnt einige Songs zu schreiben, unter anderem „I Want To Feel That Way Again“, das mit ihr als Co-Writerin für Tracy Byrd zu einem Top-Five-Hit wird, und sich 28 Wochen in den Charts hält. Cafebesucher Michael Knox von Warner vermittelt ihr den ersten Plattendeal bei Decca Records. Die Firma wird kurze Zeit später im Rahmen heute üblicher Fusionen geschluckt und damit platzten auch zunächst Dannis Hoffnungen.

Ihr Kämpferherz wird aber dann doch noch belohnt und sie erhält bei Monumental Records eine weitere Chance unter der Regie von Emory Gordy jr. (Patty Loveless) und Richard Bennett. Nach zwei Singleauskoppelungen und recht mäßigem Erfolg in den Radiostationen wird das Werk erneut verschoben, bis Sony wie bereits erwähnt, den langersehnten Traum zur Realität werden ließ. Mittlerweile tauchte die Kurzkritik auch bei Jürgen Thomä auf, in der Mrs. Leigh als weiblicher Dwight Yoakam bezichtigt wird, was mich widerum eher abschreckte.

Vor einigen Wochen bei einem Einkaufsbummel im Oberhausener Centro hielt ich die CD dann doch noch in den Händen. Der riesige Laden total überfüllt, sämtliche Kopfhörer ebenso. Links und rechts Kids, die sich reichhaltig mit Techno- und Hip-Hop-Müll eingedeckt hatten und denen eine Scheiss-Egal-Haltung, was das Geschehen hinter ihnen anging, auf die Stirn geschrieben zu sein schien. So wählte ich die Position hinter einem Mann, ungefähr in meinem Alter, der schon gerade begonnen hatte, zwei, für die Zivilisation so wertvolle Dinge wie Bravo-Doppel-CDs zu hören, und dies dann aber auch mit stoischer Ruhe tat.

So verbrachte ich erstmal die Zeit mit dem wunderschön anzuschauenden Cover – die Frau ist echt unglaublich attraktiv – aber nach mehr als einer Viertelstunde und ersten mordlüsternen Blicken meinerseits, kam ich dann doch noch in den Genuss, mir einen kurze Kostprobe ihres Werkes zu verschaffen. Und so kamen Danni und Daniel dann doch noch zusammen.

Die Songs selber sind eine recht bunte Mixtur jenseits aller kommerziellen Pfade. Drohende, zur Introvertiertheit neigende Passagen, ala Dwight Yoakam, werden immer wieder durch plötzliche Tempowechsel oder peppige Country-Rock’N’Roller mit viel Drive abgelöst. Dazu nette Gitarrenparts, viel Steel und einiges an Fiddelei, das Übliche halt, was zu einer schönen New-Country-CD gehört.

Ihre Stimme erinnert mich teilweise, bei einigen Liedern, an die von Janis Joplin. Meine persönlichen Favoriten sind die absolute Killerballade „Can’t Build A Better Love, Honey I Do“ und die Barroomballade „Back In Your Arms Again“. Gerade bei den langsamen Stücken hält sie recht gut die Balance und driftet nicht in das mir so verhasste Geheule mancher anderer Country-Ladies.

Fazit: Ein Album, bei dem letztendlich auch die musikalische Qualität das hält, was die Optik von vorne herein eh schon verspricht. Manko die knappe halbe Stunde zum damaligen Preis von 36 DM.

Sony Music (2001)
Stil: New Country

01. Chain Gang
02. Longnecks, Cigarettes
03. Trying To Get Over You
04. Watcha Gonna Do
05. Shiver Of Lonesome
06. Honey I Do
07. Little Things
08. Can’t Build A Better Love
09. I Don’t Feel That Way Anymore
10. Back In Your Arms Again
11. Cruel Heart

Danni Leigh
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Aaron Lewis – The Road – CD-Review

Sowohl der YouTube-Clip des Songs „Forever“ aus Aarons Lewis‘ im letzten Jahr veröffentlichten Solo-Album „The Road“ als auch sein kontrovers diskutierter Gesang aufgrund seines Mitwirkens in einer Grunge Band namens Staind hatten mich neugierig gemacht. Glücklicherweise hatte Bärchen Records die Scheibe auch noch in seinem Programm, sodass die Motivation zu einem Review angeheizt war.

Jetzt liegt mir sein Werk vor und ich bin von diesem bis an den Hals tätowierten Redneck-Typen (so einen möchte man bei Handgreiflichkeiten sicher nicht auf der Gegenseite haben…) ziemlich positiv überrascht. Ich habe mir parallel natürlich auch diverse Beispielsongs mal von Staind angehört, wo Lewis sich vokal dann auch tatsächlich zum Teil in ganz anderen Sphären bewegt.

Bei normalem Gesang finde ich die Stimme für die Art von Musik durchaus okay und würde sie irgendwo zwischen Metallicas James Hetfield und Nickelbacks Chad Kroeger ansiedeln (also alles andere als schlechte Referenzen), das zwischenzeitliche Gebrülle gehört zum Genre und Stil der Band vermutlich mit dazu, empfinde ich auch als weniger gelungen. Auf dem Country-Album meint man dann tatsächlich, ein ganz anderer Mensch stünde da hinterm Mikro. Als stimmliche Vergleichsgrößen fallen einem hier spontan eher Leute wie Charlie Daniels, Billy Ray Cyrus, Bobby Pinson oder Bill McCorvey (Pirates Of The Mississippi) ein.

Lediglich einmal, ganz kurz bei der schönen, ansonsten sehr melancholisch gehaltenen Ballade „Anywhere But Here“, geht er im Staind-Stil (allerdings viel gemäßigter) aus sich heraus und lässt, so hat man den Eindruck, den im Text beschriebenen Frust lauthals heraus. Wirkt hier sogar richtig authentisch. Widersprechen muss ich dem Kollegen in meinem Gesamtfazit auf jeden Fall, dass dieser Mann eine stimmliche Fortbildung benötigt. All das bisher Formulierte weist eher auf eine recht hohe vokale Variabilität hin, und gerade für’s Country-Parkett ist der Mann fast wie geschaffen.

Die Songs von „The Road“ sind alle bis auf einen (nur das patriotische „Red White & Blue“ stammt nicht von ihm – ist aber nicht der Skynyrd-Song) von Ihm selbst komponiert (übrigens ist Lewis als Songwriter auch schon Grammy-nominiert gewesen) und überwiegend sehr traditionell angesiedelt. Im Vergleich zum Rest ist lediglich die Single „Endless Summer“ fast überschwänglich fröhlich gestaltet. Sie hat aufgrund ihrer eingängigen Art und dem schönen Refrain das Zeug zu einem New Country-Hit oder zumindest für gesteigerte Radio-Präsenz.

Ansonsten behandelt Aaron die typischen Country-Themen, wie die Straße, Erlebnisse aus dem Musikerleben, Einsamkeit, Trinken, verlorene Chancen, Probleme mit Frauen und sich selber, etc. Die Texte sind im eingesteckten Booklet des DigiPaks mitgeliefert. Und bei „Granddaddy’s Gun“ outet er sich beileibe nicht als potenzieller Unterstützer von Obamas Plänen, die Macht der Waffenlobby einzuschränken. So sind’se halt, die Amis – scheint irgendwie genetisch bei ihnen verankert zu sein – einfach unbelehrbar und bekloppt, was dieses Thema betrifft!

Ich bin zwar im Prinzip nicht der traditionelle Country-Typ, aber hier stimmt einfach das Gesamtpaket. Vor allem die beteiligten, durchgehend exzellenten Musiker, u. a. besonders zu erwähnen, Brent Mason an der Bariton-E-Gitarre, Ben Kitterman an der Dobro und Paul Franklin an der Steel-Gitarre zeigen bei glasklarer, moderner Produktion von Lewis und Veteran James Stroud (in den Achtzigern mal Mitglied der Marshall Tucker Band) ihr außergewöhnliches Können. Gerade Masons famoses Gitarrenspiel hat so etwas wie Lehrbuchcharakter. Wahnsinn, was der an Soli und Fill-Arbeit im Zusammenwirken mit Sol Littlefield leistet.

Nicht zu vergessen nochmals Lewis‘ perfekt zu den Songs passende Stimme zu erwähnen – 1a! Was seine Qualitäten im Country-Genre angeht, muss ich Aaron Lewis für „The Road“ somit eine Meisterleistung attestieren. Nachschlag hier in jedem Fall erwünscht, weiter rumgegrowlt darf dann ruhig bei seinem Staind-Projekt werden – und alle sind glücklich…!

Blaster Records, Warner Music Nashville (2012)
Stil: New Country

01. 75
02. The Road
03. Endless Summer
04. Red, White & Blue
05. Lessons Learned
06. Forever
07. Granddaddy’s Gun
08. State Lines
09. Anywhere But Here
10. Party In Hell

Aaron Lewis
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Bärchen Records

Little Caesar – Same – CD-Review

Little Caesar machten 1987 erstmalig die musikalischen Bühnen um Los Angeles herum unsicher. Ein herrlich prollig wirkendes Quintett, bestehend aus Ron Young (Vocals), Apache (Guitar), Loren Molinare (Guitar), Fidel Paniagua (Bass) und Tom Morris (Drums), dem man sofort blindlings seine gesamten Ersparnisse anvertrauen würde. Ein Freudenfest für jeden Tattoo-, Biker- oder Bodybuilding-Studiobesitzer, ein Albtraum aller Schwiegermamas dieser Welt, sofern man nicht als Mutter von Amy Winehouse, Kate Moss, Pamela Anderson oder anderen durchgeknallten Sternchen dieser Art geboren wurde. Dem einstmaligen Türsteher Ron Young (wen wundert es?) brachte sein extravagantes Aussehen sogar eine kleine Rolle als Biker in „Terminator 2“ ein , wo er sich mit dem großen Arnold Schwarzenegger in die Haare geraten durfte.

Genug der Oberflächlichkeiten, kommen wir zum musikalischen Treiben der Band. Eine von Joe Hardy (ZZ Top) produzierte EP ebnete ihnen den Weg Anfang der neunziger Jahre zum damals angesagten Label von David Geffen, auf dem dann dieses Meisterwerk des Hard Rocks fabriziert wurde. Es beginnt mit einem kurzen, knackigen E-Gitarrenintro und wenn dann Ron Young mit den Worten »Well let your hair down honey, get your high heels on« und seinem rotzigen Organ bei „Down-N-Dirty“ einsteigt, ahnt man bereits, dass da was ganz Großes auf einen zurollt. Der Song zählt für mich mit zum Besten, was in diesem Genre meinen Wissenshorizont je erreicht hat.

Mit dem Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“ gelang Little Caesar sogar der Sprung in die Billboard Top 100. Die Stärke der Truppe und auch des Albums war zweifelos die Vielseitigkeit, sowie das Glück, mit Ron Young einen außergewöhnlich charismatischen Sänger (mit einer grandiosen Stimme) zu besitzen, so dass man sich leicht tat, in Sachen Tempo und auch beim Einflechten anderer Musikstile variabel agieren zu können. Nein, Little Caesar bretterten nicht nur kompromisslos drauf los, es wurde bei allem pulsierenden Drive immer wieder auf Melodik, entspannte Midtempo- und dezent auch auf balladeske Momente Wert gelegt („In Your Arms“, „From The Start“,“Midtown“). Sogar bluesige („Cajun Panther“, „Wrong Side Of The Tracks“) und soulige („I Wish It Would Rain“) Elemente wurden harmonisch mit einer gewissen Grundhärte in Einklang gebracht. Selbst in der Southern Rock-Szene konnte man aufgrund der herrlichen Gitarrenarbeit punkten (sie tourten im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd).

Das Debüt wurde übrigens von keinem geringeren als Bob Rock produziert, der in dieser Zeit Bands wie u.a. Metallica, Mötley Crüe oder The Cult auf die Sprünge half. Das schleichende Ende des Quintetts begann mit dem Ausstieg von Gitarrist Apache und vor allem mit der Nichtakzeptanz Little Caesars bei der aufstrebenden MTV-Generation. Man legte zwar noch das Folgealbum „Influence“ nach, das zum Erstling aber trotz prominenter Verstärkung durch Earl Slick (John Lennon, David Bowie, Ian Hunter) schon dezente Abstriche machte. Die Band zerfiel nach einer Europa-Tournee (immerhin Headliner im berühmten Londoner Marquee-Club), Ron Young gründete mit Ex-Quiet Riot- und Whitesnake-Mitgliedern eine weitere potentielle Supergruppe, die aber bereits nach einem Werk ihre musikalischen Tätigkeiten wieder einstellte. Young sang dann danach noch in Bands wie Four Horsemen und Dirt.

Earl Slick hatte sich vorübergehend die Vermarktungsrechte von Little Caesar gesichert und brachte mit „This Time…It’s Different“ noch mal eine CD mit Outtakes, unveröffentlichten Songs und zwei Live-Tracks heraus, die man nur über ihn erwerben konnte und zu meinem teuersten, je gekauften Silberling (ca. 60 D-Mark) arrivierte. Mittlerweile sind Bestrebungen im Gang, Little Caesar im Original-Line-Up wieder aufleben zu lassen, da auch Apache grünes Licht für eine Rückkehr signalisiert hat. Ich bin gespannt, ob man es schafft, das Rad der Zeit noch mal zurückzudrehen und einen Geniestreich wie ihr Debüt zu wiederholen. Wie dem auch sei, Little Caesars Erstling bleibt in jedem Fall ein unsterbliches und unvergessenes Highlight in der Geschichte des Hard Rock-Genres!

Geffen Records (1990)
Stil: Hard Rock

01. Down-N-Dirty
02. Hard Times
03. Chain Of Fools
04. In Your Arms
05. From The Start
06. Rock-N-Roll State Of Mind
07. Drive It Home
08. Midtown
09. Cajun Panther
10. Wrong Side Of The Tracks?
11. I Wish It Would Rain
12. Little Queenie

Little Caesar
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Little Texas – Missing Years – CD-Review

Little Texas, eine der erfolgreichsten New Country-Bands der 90er-Jahre, hatte mit Brady Seals und Tim Rushlow den Verlust von gleich zwei charismatischen Bandleadern zu verkraften (beide versuchten es zunächst solo, um dann mit ihren Projekten Rushlow und Hot Apple Pie Fuß zu fassen), was naturgemäß zunächst einen länger anhaltenden Break zur Folge hatte.

2004 versuchte der verbliebene Rest nach Klärung der rechtlichen Belange ein Comeback mit Steven Troy als neuem Sänger, der allerdings 2006 schon wieder ausschied. Seit Lead-Gitarrist Porter Howell nun das Mikro übernommen hat (erstaunlich, dass er bei seinen gesanglichen Qualitäten nie früher zum Zuge kam) fluppt die Sache wieder.

Das Quartett mit den übrigen Ursprungsmitgliedern Del Gray (drums), Duane Propes (bass, vocals), Dwayne O’Brien (guitars, vocals) und Porter Howell (lead vocals, lead guitar) meldete sich dieses Jahr mit einem Doppelschlag zurück. Zunächst gab es als Appetithappen ein tolles Live-Album mit ihren größten Hits, zwei Covernummern und einem neuen Stück, das ihren Ruf als ausgezeichneter Live-Act eindrucksvoll untermauerte (die Band spielte in ihren Anfangstagen wie auch zu ihren Hoch-Zeiten fast 300 Gigs pro Jahr, was ihr den Ruf als ‚hardest working band in country music‘ einbrachte).
Knapp zwei Monate später ist mit „Missing Years“ jetzt ein brandneues Studioalbum auf dem Markt. Die Hälfte der Nummern stammt aus der Feder von Howell, Gray und O’Brien, der Rest wurde von arrivierten Nashville-Songwritern (u.a. Marc Beeson, Don Pfrimmer, Anthony Smith, Angelo & Brett James) beigesteuert.

Neben einigen entspannten New Country-Songs, die meist aufgrund der herrlichen Harmoniegesänge mit viel Westcoast-Flair umgarnt sind (die Band klingt hier oft wie eine Art ‚texanischer‘ Eagles), zeigen Little Texas diesmal eine doch sehr überraschende, raue Seite. Es gibt für ihre Verhältnisse recht viele rockige Country-Songs mit Southern-Anleihen und auch dezentem Redneck-Touch. Howell meistert vokal dabei jedes Tempo auf angenehme Art und Weise und lässt auch seine exzellenten Gitarrenkünste mehrfach aufblitzen.

Mir persönlich gefallen am besten „Rebel“, ein swampiger Southern-Stomper, mit klasse Slide-Arbeit, der Stones-mäßige Honkytonk-Gute-Laune-Rocker „Party Life“ (schöne E-Gitarren, Kuhglocken-Drums) und die humorvolle Hommage an ihren Heimatstaat „Texas 101“ (»… We got George Bush and Dixie Chicks, I guess oil and water just don’t mix …«). Letztgenanntes Stück wurde von Howell übrigens zusammen mit Johnny Slate und einem gewissen Paul Jefferson, Bandleader einer weiteren sehr talentierten und von mir heiß geliebten Band, namens Hilljack, komponiert, die 2005 ein brillantes CD-Debüt gab, und auf deren Nachfolger ich schon seit längerem warte. Jefferson und Howell weisen übrigens auch erstaunliche Stimmähnlichkeiten auf.

Fazit:  Little Texas haben mit ihrem neuen Werk „Missing Years“ auch ohne ihre einstigen Leitwölfe ein erstaunliches, und sehr abwechslungsreiches Comeback auf allerhöchstem musikalischen Niveau hingelegt. Vielleicht sogar eins ihrer besten Studioalben bisher. Die zum Quartett erschlankte Band mit Peter Howell als Frontmann hat ohne Zweifel Zukunft.

Montage Music Group (2007)
Stil: New Country

01. Gotta Get Me Down Home
02. Missing Years
03. Rebel
04. Knees
05. Reason
06. Party Life
07. Texas 101
08. So Long
09. When He’s Gone
10. You Ain’t Seen Me Lately
11. Your Blues
12. Your Woman

Little Texas
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Bärchen Records

The Lost Trailers – Same – CD-Review

Wenn man die beiden Vorläufer-CDs der Lost Trailers kennt, und das Resultat ihres jetzt gleichnamig benannten Debüts auf BNA-Records auf sich wirken lässt, glaubt man seinen Ohren nicht zu trauen. Man hat den Eindruck, dass hier völlig unterschiedliche Bands gewerkelt haben.

Gab es in den Jahren zuvor eine wilde Mischung diversester Stile von britisch angehauchtem Pop, über Rock, Heartland Rock bis zu vereinzelten Countrysongs, hat Nashville-Star-Produzent Blake Chancey (Dixie Chicks, Montgomery Gentry) nun für klare Strukturen gesorgt. Zum einen verordnete er ein von vorn bis hinten stimmiges New-Country-Konzept und auch der Gesang wurde jetzt vom eindeutig besseren Sänger in der Gruppe, Ryder Lee (Keyboards, Vocals), fast ausschließlich übernommen, während sich der andere Chef der Truppe, Stokes Nielson (Guitars, Vocals), dem Songwriting widmete. Gut so, denn das funktioniert nämlich prächtig.

Die Lost Trailers sind ein Quintett aus Georgia, gegründet von den beiden oben bereits angeführten Musikern, die sich bereits zu High School Zeiten kennen gelernt hatten. Dazu kamen der Bruder von Stoke, Andrew am Bass, und Drummer Jeff Potter, ebenfalls von der gleichen Schule. Letzter im Bunde war Gitarrist Manny Medina. Ihr Band-Name rührt von einem Diebstahl, bei dem der Anhänger mit ihrem gesamten musikalischen Equipment abhanden gekommen war. Wie hellseherisch dieser Name gewählt war, zeigte dann auch das weitere Geschehen, denn ihnen wurde unglaublicher Weise noch zwei weitere Male die Ausrüstung gestohlen, was fast zum Aus der Truppe geführt hätte. Aber das ist Schnee von gestern.

Widmen wir uns ihrer wohl größten Chance, auf musikalischem Terrain den Bekanntheitsgrad zu steigern. Die CD umfasst 11 Songs, die recht kurzweilig und flockig in Country-typischer Gesamtzeit von um die vierzig Minuten an einem vorüberziehen. Es wird überwiegend flotter, sehr melodischer New-Country-Mainstream geboten, meist mit Piano, Akustik- u. E-Gitarren nett untermalt, dazu gesellen sich ab und zu Mandolinen- und Steel-Elemente, sowie recht gut passende Harmoniegesänge. „I’m A Country Man“ und „Dixie Boy Special“ (featuring David Lee Murphy), driften dank satter E-Gitarren und typisch weiblichen Backs in Southern-Rock-Gefilde. Gleiches gilt für die traumhafte, Slide-dominierte, herrlich relaxte Southern-Ballade „All This Love“ aus der Schmiede des prominenten Songwriter-Trios Gary Nicholsen, Paul Overstreet und Jon Randall. Ein Killer-Song! Auf balladesken Pfaden schweifen sonst nur noch „Tell Me“ und das abschließende „Simple Life“. Ein bisschen an den Erfolgstrend von Big & Rich sich anlehnend, das recht hippe (hoppe) „Gravy“, dass durch eine klasse E-Passage noch im Rahmen des Erträglichen bleibt.

Insgesamt recht leicht-verdaulicher, sympathischer, aber wirklich gut gemachter, southern-angehauchter New-Country, der Marke Larry Stewart (Restless Heart), Sawyer Brown, Blue County, Hilljack oder Forty5South. In jedem Fall das bisher beste Album von The Lost Trailers. Chance eindeutig genutzt! Und vielleicht reicht es ja auch bald mal für einen richtigen Tourbus…

BNA Records(2006)
Stil: New Country

01. Call Me Crazy
02. Why Me
03. I’m A Country Man
04. Summer Of Love
05. Dixie Boy Special
06. All This Love
07. Hey Baby
08. The Only One
09. Tell Me
10. Gravy
11. Simple Life

The Lost Trailers
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Bärchen Records

Brad Paisley – Time Well Wasted – CD-Review

Mit seinen gerade mal 32 Jahren ist Brad Paisley bereits eine nicht mehr wegzudenkende Größe, wenn es darum geht, die Awards im Country/New Country-Bereich zu verteilen. Kaum ein anderer schafft es so locker, traditionelle Töne mit moderner, knackiger Spielweise zu verbinden, und daurch praktisch die komplette Country-Fangemeinde für sich zu gewinnen. Seine musikalischen Markenzeichen: Sehr angenehme, großartige Baritone-Stimme, exzellenter, atemberaubend versierter Gitarrist und humorvoller Songwriter! Dazu kommt sein blendendes Aussehen, gepaart mit Lausbubencharme, so ein Typ also, mit dem man Nächte durchzechen und allerhand anstellen kann, trotzdem aber kompatibel sowohl als Mädchen-, als auch Schwiegermutterschwarm! Es fällt einfach jedermann leicht, Brad Paisley zu mögen.

Und dies erklärt eigentlich auch schon, natürlich neben seinen enormen musikalischen Fähigkeiten, den immensen Erfolg seiner bisherigen Alben, die sich millionenfach verkaufen ließen. Auch sein neues Album „Time Well Wasted“ wird, da braucht man kein Prophet zu sein, zum Bestseller avancieren. Völlig zu recht, denn das ist traditioneller, spielfreudiger und abwechslungsreicher (New)Country vom Allerfeinsten! Paisley ist erneut ein Werk gelungen, das in Kürze die Charts stürmen, dabei jede Menge Hits abwerfen wird, und so manchen Radiosender vor die Qual der Wahl stellen wird, was er denn spielen soll. Sein Label hat sich als erste Single für die balladesk beginnende Partyhymne „Alcohol“ entschieden, die in einer bestgelaunten Mitgrölnummer voller Live-Flair endet, mit dem Resultat, dass sie Brad seinen bisher höchsten Einstieg in die Billboard-Single-Charts bescherte.

Glänzt neben einer klasse instrumentellen Darbietung vor allem durch seinen humorig-bildhaften Text. Schon der flotte, dynamische Album-Opener „The World“, eine steelgetränkte, rhythmische Tanznummer, mit knackigem Drumming und herrlichen Fiddle- und E-Gitarren-Fills, sowie Brads fingerfertigem, wieselflinkem Telecaster-Spiel, dürfte die Besohlung so manchen Cowboystiefels arg in Mitleidenschaft ziehen. Ein furioser Auftakt! „Waitin’ On A Woman“ ist dann die erste, von einigen atmosphärischen Balladen, die sich durch Brads warme Stimme und jeder Menge integrierter, instrumentaler Feinheiten mit Steel, Piano, Dobro (klasse: Jerry Douglas!), Mandoline und schönen E-Gitarren-Soli (Paisley spielt fast sämtliche Gitarrenparts auf dem Album selbst, bis auf James Burton, der bei dem Bonustrack „Cornography“ aushilft und Gary Hooker, ansonsten gibt’s an diesem Instrument gibt’s keine Gäste) auszeichnen. Das Verhältnis von entspannteren Titeln und knackigen Uptempo-Nummern hält sich ungefähr die Waage und ist sehr gut aufeinander abgestimmt.

Ganz hervorragend gelungen ist beispielsweise auch „I’ll Take You Back“, ebenfalls eine peppige Nummer, die mit einem super flotten, dezent nach Bluegrass anmutenden Instrumental-Finish endet, bestehend aus Steel-, Fiddle-, Piano und E-Gitarrensolo. Ganz stark! Paisley’s Akzeptanz, trotz seines relativ jungen Alters, in der Riege der großen Traditionalisten kann man zudem an zwei Gast-Stars ausmachen, die es sich nicht nehmen ließen, auf „Time well wasted“ mitzuwirken: Zum einen Alan Jackson bei dem feinen, sehr traditionellen, Duett „Out In The Parkin’ Lot“, und zum anderen Dolly Parton bei der großartigen Ballade „When I Get Where I’m Going“, wo sie ihre „piepsige“ Harmoniestimme in den Refrain einfließen lässt. Passt prima!

Herrlich Brads romantischer, vielleicht auch wieder etwas augenzwinkernder Text bei „Flowers“, wo er sich über die „Leiden der Rosen“ Sorgen macht, die es braucht, um das Herz seiner Liebsten zurück zu gewinnen („…can’t you hear the roses cry, tell me how many flowers have to die, before you give this love another try…“). Zwei Leckerbissen gegen Ende sind noch das mit einem Banjo unterlegte und von einem markigen Rock’N’Roll-E-Riff dominierte „Easy Money“ mit seinen heulenden Fiddels und starken Steel- und E-Gitarren-Läufen, sowie eine wirklich grandiose Instrumentalnummer („Time Warp“), eine Art Verschachtelung von coolen, jazzigen Barroom- und Highspeed-Bluegrass-Elementen, wobei man den Eindruck hat, dass sich die beteiligten Musiker (besonders Brad selbst) bei den zahlreichen Soli (Steel, Fiddle, E-Gitarre, Piano) die Finger blutig gespielt haben müssen. Der helle Wahnsinn!

Mit Brad Paisleys, mit 65 Minuten prall gefülltem, viertem Album „Time Well Wasted“ wird der erlauchte Countryfan über alle Maßen zufrieden sein! Er war nie besser! Die Chesneys, Jacksons und Co. müssen sich für die kommenden Awards warm anziehen. Ein echtes „Winner-Album“! Fazit: Erstklassig!

RCA Country (Sony Music) (2005)
Stil: New Country

01. The World
02. Alcohol
03. Waitin‘ On A Woman
04. I’ll Take You Back
05. She’s Everything
06. You Need A Man Around Here
07. Out In The Parkin‘ Lot
08. Rainin‘ You
09. Flowers
10. Love Is Never-Ending
11. The Uncloudy Day
12. When I Get Where I’m Going
13. Easy Money
14. Time Warp
15. Time Well Wasted
16. Cornography (Bonus Track)

Brad Paisley
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