The Whiskey Sisters – Same – CD-Review

Großartiges, weibliches Power-Duo aus Austin, Texas! Genauer gesagt: „The Whiskey Sisters are a Powerhouse, harmony-driven, Rocking Country, six piece Badass band from Austin Texas, with 2 chicks“ – so jedenfalls steht es in der offiziellen Produktinfo zum vorliegenden Debutalbum – und diese Aussage trifft es ziemlich genau. Diese Mädels, ihre Band und ihr tolles Debut sind mit ihrem durchaus traditionsbehafteten, herrlich unbeschwerten, zwanglosen, schön erdigen, rootsigen Texas-Countryrock und Americana, gepaart mit einem Schuß Roadhouse-, Outlaw-, Honky Tonk-, Southern- und Red Dirt-Feeling eine wahre Freude für die vielen Genre-Liebhaber. Teal Collins, einstige Sängerin der Mother Truckers und Barbara Nesbitt, die Bandmitglied bei dem legendären kalifornischen Musiker und Baseballspieler/-Coach Tim Flannery (& The Lunatic Fringe) gewesen ist, beschlossen bei einem Gig befreundeter Musiker in Austin fortan gemeinsam ihren Weg zu gehen, nachdem man bei zwei zusammen gesungenen Stücken eine vielversprechende Basis gefunden zu haben schien.

Zur Recht! Die beiden haben dann mit ihren energiegeladenen Stimmen auch sehr schnell in ganz Texas für Furore gesorgt. Collins brachte von den Mother Truckers Ehemann Josh Zee (guitars) direkt mit, dazu gesellten sich hochkarätige weitere Musiker wie Lonnie Trevino jr. (The South Austin Moonlighters) am Bass, Cari Hutson-Keyboarder Michael Davids und der Drummer von Monte Montgomery, Phil Bass. Binnen weniger Monate begeisterte das Sextett derartig , dass es im legendären Continental Club in Austin einen Vertrag für regelmäßige Auftritte, quasi als Hausclub, ergatterte. In ebenso kurzer Zeit war dann auch das Material für ihr Debütalbum zusammengestellt, dass wir, auch wenn es schon im Jahre 2012 erschienen ist, jetz in unser Programm aufnehmen mussten. Da kamen wir aufgrund seiner Klasse und Qualität einfach nicht drum herum.

Was für eine erfrischende „Americana/Countryrock-„Mugge“! Es hagelte umgehend zahlreiche Nominierungen bei den berühmten Austin Music Awards, wofür Nesbitt mit trockenem Humor die logische Erklärung ablieferte. „Wir hatten Sex mit dem Ausschuss“! Locker, schrill, frech, spontan, kraftvoll und angriffslustig sind dann auch die Attribute, die man für ihre Art, Musik zu performen, hinzufügt. Das 12 Stücke umfassende Werk sprudelt nur so vor Energie und kommt quasi genau so „bunt“ wie das knallige Coverartwork rüber. Teal Collins, die den Hauptanteil der Lead vocals inne hat, liegt von der Bandbreite irgendwo zwischen Sheryl Crow und Heart-Fronterin Ann Wilson (manchmal, wenn sie richtig keift sogar ein bischen Janis Joplin), während Barbara Nesbitt den etwas gemäßigteren Part im Stile einer Bonnie Bishop belegt. Beide finden sich durchgehend kongenial in überaus markanten, wundervollen Harmoniegesängen zusammen, die dann auch mit eines der Hauptrademarks der Band darstellen.

Die Rhythmusfraktion Trevino und Bass liefert einen kräftigen Antrieb und Teppich, auf dem sich der unglaublich versiert und rau E-Gitarren-spielende Josh Zee (sehr Southern Rock-typisch, klasse Slidearbeit) und der herrlich klimpernde Michael Davids (Orgel, Honky Tonk-Piano, E-Piano) ihre instrumentellen Highlights setzen können. Genial, wie die beiden sich vor allem in ihren Soloparts präsentieren bzw. ergänzen. Das ist Musik für die verräucherten Honkytonk Clubs oder feuchtfröhliche Open Air Events im Lonestar State. Bei der Musik sieht man vorm geistigen Auge das Duo wie auf den Coverbildern mit ihren schrill bunten, kurzen Kleidern und ebenso buntbestickten Cowboystiefeln vor einer biertrinkenden Redneckhorde abrocken, bis die Location aus allen Fugen kracht. Da wird jedes Konzert zu einer Riesenparty. Die Songs dazu sind ein Konglomerat aus rauen nach vorne preschenden Country- bzw. Southern Rock Stücken texanischer Prägung, und rockigem Outlaw-Country, gepaart mit dezentem, psychedelischem Seventies-Flowerpower-Flair .

Eine Art Mixtur aus ZZ Top, Lynyrd Skynyrd, Billy Joe Shaver, auch das Ein Album-Wunder The Motherstation, Stacie Collins, Gretchen Wilson und die von Mike McClure vor einiger Zeit produzierten ShutDownTown sowie partiell der Roadhouse Rock einer Eve Selis kommen spontan in den Sinn. Die meisten Nummern verlaufen im Uptempostil, lediglich „I Take It Back“ und „Fool“ wurden als bluesige, Nostalgie-behaftete Schwofer zum Durchatmen eingeflochten. Centersongs sind der herrlich verschachtelte Opener „So Close To The Sun“ mit seinen kreischenden Vokalharmonien, der hinreissend melodische, flockige, dabei aber auch schön knackige, wie Öl runtergehende Countryrocker „All I can do“, das Slide-durchtränkte, in Skynyrd-Manier gebrachte „Wait A Lifetime“ (herrliches E-Gitarren-Solo), das an ZZ Top angelehnte, rau stampfende „Home On The Highway“ (typisches Billy Gibbons E-Solo) oder das Roadhouse Rock-trächtige „Good Girl Down“ (satte Honky Tonk-Piano/E-Solo-Kombination), das lässig groovende „Don’t Trust My Heart“ (Sheryl Crow-/Bonnie Bishop-Flair) und der fulminante „Whiskey Song“, der nochmal schroff rockt und poltert, was das Zeug hält.

Und wenn die beiden Frontdamen aus ihren heiser gesungenen Kehlen „All I need – is the whiskey“ intonieren, konstatiert ihnen wohl auch der letzte Zuhörer: „All we need are The Whiskey Sisters“! Tolle Scheibe! Ein Sahne-Geheimtipp, wie er nur aus Texas kommen kann. Zugreifen!

World Records (2013)
Stil: Country Rock

01. So Close To The Sun
02. All I Can Do
03. Talk It Out
04. Wait A Lifetime
05. I Take It Back
06. I’m Gone
07. Home On The Highway
08. Fool
09. Good Girl Down
10. Dont Trust My Heart
11. The Whiskey Song
12. Let’s Drink

The Whiskey Sisters
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Thieving Birds – Gold Coast – CD-Review

Vor zwei Jahren lieferte einer der besten, neuen Red Dirt-Acts der jüngeren Vergangenheit ein brillantes Debut ab, nun kommen die Thieving Birds mit dem oft so schweren Nachfolger. „Gold Coast“ heißt die Scheibe – und Leute, die Band knüpft mit ihrer außergewöhnlichen Klasse nahtlos an den Vorgänger an. Grandos schon der Auftakt: Kuhglocken-Drums, ein, trotz allen Drucks, lässig groovender E-Gitarrenrhythmus im Stile der Stones, dazu der charismatische Gesang von Frontmann Ace Crayton, dreckiges Skynyrd’sches E-Gitarren-Solo in „Gimme Three Steps“-Manier und fertig ist der herrliche Opener „In The Summer“, ein Stück, das in dieser Art auch gut in das Repertoire der The Dirty Guv’nahs passen würde. Das ziemlich harsch dahin polternde „Because My Baby Smiled“ hat ein wenig Roadhouse Rock-Flair, Craytons kräftiger, herausposaunender Gesang kommt voller Inbrunst.

Das ziemlich aggressiv vorgetragene „Black Canyon Boom“ bietet Southern Rock mit dezent psychedelischer Note der absoluten Extraklasse. Stark dabei die E-Gitarrenarbeit von John Seidler, dessen Vorliebe für Gibson-Les Paul-Klänge bei seinen Soli offensichtlich ist. Mit „Brother Ryan“ (Red Dirt-mäßssg, klasse E-Baritonführungsspiel und -solo) und dem mit Countryflair behafteten, sehr melodischen „Reasons“ wird dann vorübergehend eine etwas ruhigere Schiene gefahren. Hier erinnert Craytons Stimme immer wieder an die von Randy Rogers. Beim southern-bluesigen „In Your Arms“ groovt, stampft und shuffelt es wieder, dass es eine wahre Freude ist (toll auch hier wieder Craytons wuchtiger Gesang und die satte Rhythmusgebung durch Drummer Beau Brauer und Bassist Rody Molder).

Das rootsige „As Good As It Gets“ hat sogar einen unterschwelligen CCR-„Born In The Bayou“-Touch. Ganz großer „Sport“ ist der Seventies-inspirierte Slow-Blues „Graveyard Love“, wo sich psychedelische Elemente a la Led Zeppelin, progressive Töne Marke Pink Floyd und entspannte Southern Blues-Gitarren zu einem phänomenalen, atmosphärischen Gebräu vermischen. Wunderbar passend dazu auch die gurgelnde Orgel von Gastmusiker Tommy Young. Die abschließenden „December’s Favorite Daughter“ und „When I Arrive“ bieten melodischen, klassischen, sowie unbekümmert und gitarrenbetont verlaufenden Red Dirt-Rock, etwa im Stile der Randy Rogers Band zu Anfangstagen (nur gänzlich ohne deren Fiddle-Note). Es ist immer wieder eine Freude, diese nachrückenden, hochtalentierten Newcomerbands aus dem schier unendlich scheinenden Fundus der südlichen Sphären der Staaten entdecken zu können.

Die Thieving Birds reihen sich mit ihrem zweiten Werk „Gold Coast“ nahtlos in den Reigen solcher junger, großartiger Acts wie Whiskey Myers, Statesboro Revue, The Dirty Guv’nahs, The Vegabonds oder Blackberry Smoke ein. Was für ein Pracht-Album! Viel Druck, sehr saftiger, satter Sound (produziert hat übrigens Erik Herbst – Eli Young Band, Josh Abbott Band, Casey Donahew Band u.v.m.), fette Drums, tierische, raue Gitarrenlinien, klasse Melodien und jede Menge Southern Rock-Flair! Die Red Dirt Rock-/Countryrock- und Southern Rock-Gemeinde darf jubeln! „Hammer“!

Eigenproduktion (2013)
Stil: New Country

01. In The Summer
02. Because My Baby Smiled
03. Black Canyon Boom
04. Brother Ryan
05. Reasons
06. In Your Arms
07. You Gotta Believe Me
08. As Good As It Gets
09. Graveyard Love
10. December’s Favorite Daughter
11. When I Arrive

Thieving Birds
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Brandon Steadman Band – Recovery – CD-Review

Ganz feiner, frischer, unbekümmerter und hoch melodischer, knackiger Country/Countryrock/Red Dirt von der in Arlington/Texas beheimateten Brandon Steadman Band aus dem Hause Smith Entertainment! Auch Brandon Steadman stammt, wie so oft in hiesiger Szene, aus einem musikbegeisterten Haus. Während seine Mutter für Randy Travis und Clay Walker schwärmte, galten dir Vorlieben von Brandons Vater solchen Bands wie Lynyrd Skynyrd und Boston. Dieser kaufte ihm mit 12 schließlich die erste klassische Gitarre, welche aber erst intensiv genutzt wurde, als ihn die ältere Schwester mal mit ins berühmte Antone’s in Austin genommen hatte.
Brandon, unterdessen 17 Jahre alt, wechselte nun auf eine „richtige Gitarre“ um. Von da an versuchte er in kürzester Zeit so viele Griffe wie möglich zu erlernen. Der Startschuss für die Brandon Steadman Band fiel dann auf der „South Of The Border Party“ im ansässigen Sigma Chi House. Brandon traf bei einem weiteren Schul-Gig zufällig Kevin Lorensen, der bereits auf eine reichhaltige Erfahrung, was die Mitwirkung in dieversen Bands anging, zurückgreifen konnte. Man beschloss recht schnell, das erste Album „Front Seat Row“ in Austin aufzunehmen. Mit diesem Werk im Rücken gelang es Steadman aus dem College-Zirkus auszubrechen und in ganz Texas aufzutreten. Unzählige Gigs formten in den nächsten Jahren ihn und seine Musiker. Eine weitere Begegnung mit Joey Green (Joey Green Band – mal bezeichnet als „Fort Worth’s best kept secret“) brachte dann den endgültigen Durchbruch.

Obwohl beide grundsätzlich verschiedene Charaktere waren, harmonierten sie und ergänzten sich in ihrer musikalischen Zusammenarbeit bestens. Steadman dazu: „We really had different styles – writing, personality and everything, so the fact that we became such good friends is a mystery to me. But that’s exactly what the band needed to get the next album in motion“. Mit neuem Management und dem in Red Dirt-Kreisen arrivierten Smith Entertainment-Label im Rücken schmiedeten die beiden dann das jetzt brandaktuelle Werk „Recovery“. Green übernahm die Produktion, Teile beim Songwriting und er glänzt vor allem mit seiner vorzüglichen E-Gitarrenarbeit (dazu kamen noch die Keyboard-Parts, Percussion und Background Vocals). Steadman konzentrierte sich auf den Großteil der Kompositionen, natürlich den Gesang (großartig) und spielt Akustikgitarre. Den Rest des Line-ups bilden besagter Kevin Lorensen am Bass, Randy Gray als weiterer Gitarrist, Brandon Morris an den Drums, Roger Ray an der Pedal Steel (ganz vorzügliche Vorstellung), sowie die wunderbaren Harmoniegesänge einbringende Ashley Lee.

Die 11 Tracks bieten wunderbar erfrrischenden, klassischen, unverbrauchten Red Dirt Country und Countryrock mit solch herrlichen Arrangements und Melodien, wie wir sie von vielen Bands (zum Beispiel Eli Young Band, Bart Crow Band) in ihrer Frühphase kennen. Brandon hat eine überaus angenehme Stimme, die dann mit der Rhythmusfraktion und Green, sowie Grays E-Gitarrenarbeit und Rays erhabenen Steel-Fills perfekt harmoniert. Manchmal klingt es so, als wenn der frühere Keith Urban eine Red Dirt-Scheibe aufnehmen würde. Ganz stark wird es immer, wenn, wie bei „Fort Worth Line“, Ashley Ley recht prägnant beim Gesang dazu stößt. Das ähnelt und erinnert ein wenig an die erfolgreiche Kooperation von Josh Abbott und Kacey Musgraves auf den letzten Alben der Josh Abbott Band.

Sehr schön auch das retro-folkig angehauchte „Leaving Austin“, wobei einem spontan Rob Baird spontan in den Sinn kommt. Was für eine großartige Melodie. Das sind alles richtige Ohrwürmer. Den Großteil bilden aber schön rockig, flockig und melodisch nach vorn gehenden Lieder der Marke „Stupid Girl“ (wohl am hitverdächtigsten), „Already Gone“ (schöne E-Baritongitarrenarbeit), „Stronger Than The Whiskey“ (Southern-trächtiges E-Gitarren-Solo, Orgelhall, Mitsing-Refrain), oder das abschließende,schön kräftige, aber dennoch lockere „Who Do You Think You Are“ (wieder solch eine herrliche Melodie, klasse E-Gitarren/Steel-Solo-Kombination).

Die Brandon Steadman Band und ihr neues Werk „Recovery“ stellen eine absolute Bereicherung für die Red Dirt-Szene dar. Das ist noch weitgehend unverbrauchte Musik, hoch talentiert, fernab irgendwelcher Zwänge, dabei hoch professionell in Szene gesetzt. Perfekter Stoff für Liebhaber solcher Acts wie beispielsweise Bart Crow, die Eli Young Band, Rob Baird, Cody Gill Band, Casey Donahew Band & Co.! Klasse Scheibe!

Smith Entertainment (2014)
Stil: Red Dirt

01. All I’m Asking
02. Without Saying Goodbye
03. Hey Hey Tonight
04. Fort Worth Line
05. Leaving Austin
06. Stupid Girl
07. Already Gone
08. Stronger Than The Whiskey
09. Days & Nights
10. When I See You Again
11. Who Do You Think You Are

Brandon Steadman Band
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Sundy Best – Door Without A Screen – Deluxe Edition – CD-Review

Ganz starkes Debüt zweier Burschen aus Prestonburg, Kentucky, die eine nicht alltägliche, aber ganz wundervolle, herrlich melodische Musik an der Schnittstelle zwischen Country und Americana spielen. Hinter Sundy Best stehen die beiden Freunde (seit fühester Schulzeit), hochtalentierten Musiker und Songwriter Nick Jamerson und Kris Bentley. Wie so oft bei derartigen Acts begann es mit dem gemeinsamen Musizieren erst einmal auf Parties im Bekanntenkreis. Es folgten unendlich viele Auftritte in Restaurants und kleineren Clubs.

Man erspielte sich mit bis zu vierstündigen Auftritten peu à peu eine loyale und nachhaltige Fanbasis, ist im Staate Kentucky mittlerweile so bekannt wie „bunte Hunde“ und füllt dort regelmäßig Clubs und größere Veranstaltungshallen. Wenn man bedenkt, dass Jamerson und Bentley praktisch mit minimalistischem instrumentellen Aufwand (in der Regel gibt es nur Gitarre, Mundharmonkia und Gesang, bei Rhythmusgebung durch eine Trommelkiste, einer sogenannten Cajón), quasi maximale Stimmung erzielen (sie werden bei ihren Konzerten geradezu frenetisch gefeiert), dann ist das schon eine tolle Sache.

Ihre nun veröffentlichte erste CD „Door Without A Screen“ (bei uns gibt es die um 7 Bonustracks erweiterte Deluxe-Ausgabe) erklärt dann auch ganz schnell warum. Die beiden schreiben Songs aus dem wirklichen Leben, mit denen man sich sofort identifiziert, wobei die Melodie, der Wiedererkennungswert der Refrains und Titel, sowie der unwiderstehlich durch Bentley erzeugte Rhythmus sofort mitreißen. Dazu hat Jamerson eine richtig unverbrauchte, teilweise rotzig freche Stimme (on top kann er auch klasse Gitarre und Mundharmonika spielen), die blendend zur gebotenen Musik passt. Für die Studio-Stücke holten sich die beiden dann noch dezente Unterstützung dazu. Zeke Walters ergänzt sein grassiges Banjospiel bei Stücken wie „Kentucky Women“ und „If I See Her“, Lauren Morgan glänzt bei Letztgenanntem mit einigen schön passenden, weiblichen Harmoniegesängen.

Ihr ebenfalls langjähriger Freund und Filmemacher Coleman Saunders, der ihnen auch zum Plattendeal mit dem potenten „Entertainment One“-Label verhalf, ist mit ein paar Pianotupfern, Bass-Linien und Gitarrensoli vertreten und hat dieses Werk auch produziert. Die Musik von Sundy Best ist insgesamt sehr schwierig zu katalogisieren. Es ein ganz eigenwilliger Mix aus diversesten Stilen wie Country, Bluegrass, Rock, Pop, Soul und Rhtythm & Blues, sagen die beiden, wobei die Country- und Americana-Roots eindeutig dominieren. Oft erinnern die beiden bei den flotteren Sachen, wie dem Opener „Kentucky Women“ oder „Drunk Right“ an eine Unplugged-Version von Cross Canadian Ragweed. Manchmal schimmert bei Tracks wie „Rain“ oder „Rowdy Gang“ sogar eine dezent psychedelische Note à la akustischer Led Zeppelin durch.

Stücke mit Harpbeteiligung („Home I Wanna Go Home“, „Summit City Slowdown“) lassen sofort Neil Young in seinen besten Solo-Tagen aufleben. Absolut radiotauglich sind Sachen wie „Lily“, das supermelodische „My Friends And Me“ (ein richtiger Ohrwurm) oder das herrlich soulig groovende „Runnin’“ (mit tollem Bruce Hornsby-Gedächtnis-Piano). Bei solchen Stücken kommt einem vielleicht die Eli Young Band als Vergleich in den Sinn. Wie es bei Ihren Live-Gigs zugeht, davon kann man sich ein Bild bei den beiden Live-Bonustracks „Drunk Right“ (also hier in beiden Versionen enthalten) und dem Medley „My Old Kentucky Home“/“These Days“ machen. Energie pur, Lokalpatriotismus und Spielfreude ohne Ende in Eintracht mit frenetisch mitgehendem und (überwiegend textsicher) mitsingendem Publikum.

Danach enthält diese Deluxe-Ausgabe noch fünf Demo-Tracks, die das Duo in ihrer ganz ursprünglichen Weise und auf sich selbst gestellt präsentiert. Hier wirkt alles noch ein wenig rauer, reduzierter und authentischer. Man meint teilweise, die beiden säßen bei einem mit im Wohnzimmer. Trotzdem klasse gemacht und nie langweilig. Sundy Best alias Nick Jamerson und Chris Bentley beweisen mit ihrem Debütwerk, dass sich da zwei Rohdiamanten in Wartestellung befinden. Zwei klasse Typen, die ganz klar das Potential haben, über den lokalen Status weit hinauszuwachsen.

Wie bereits erwähnt, sehr schwer einzuordnen diese Duo; Rosehill, Morrison Williams oder Antigone Rising (auch wenn es sich hier um eine Frauenband handelt) könnten im weitesten Sinne Richtungsanzeiger bilden. Ihr Album „Door Without A Screen“ jedenfalls ist ein unheimlich tolles, nicht alltägliches, spannendes und sehr abwechslungsreiches Erstwerk geworden, das einen wirklich fasziniert. Diese Burschen haben die Musik im Blut. Man darf gespannt sein, was da noch in Zukunft so alles im Anmarsch sein wird. Momentan gilt schon jetzt: Sundy Best – At their best!

Entertainment One (2013)
Stil: New Country & More

01. Kentucky Women
02. Lily
03. Home (I Wanna Go)
04. Rain
05. Prestonburg
06. Drunk Right
07. Mountain Parkway
08. If I See Her
09. My Friends And Me
10. Runnin‘
11. Rowdy Gang
12. Drunk Right (Live)
13. Ol‘ Kentucky Home/These Days (Live)
14. Car Song (Demo Version)
15. Summit City Slowdown (Demo Version)
16. Holy Ground (Demo Version)
17. Uneven Trade (Demo Version)
18. Distance (Demo Version)

Sundy Best
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The Statesboro Revue – Ramble On Privilege Creek – CD-Review

Zweiter, ganz großartiger Streich der Mannen um Bandleader und Songwriter Stewart Mann. 2009 hatten The Statesboro Revue mit „Different Kind Of Light“ ein von Kritikern zurecht überschwengliche und hoch gelobtes Debüt gefeiert, das vor allem in der Southern Rock-Szene für mächtig Furore sorgte. Seit dieser Zeit hat sich einiges getan. Die Band hat mit vielen namhaften Acts wie u.a. The Allman Brothers Band, den Los Lonely Boys, Willie Nelson, Whiskey Myers, Randy Rogers Band, Eli Young Band, The Marshall Tucker Band und Will Hoge die Bühne geteilt, dabei ebenfalls glänzende Kritiken erfahren. Mastermind Stewart Mann, der im letzten Jahr zudem noch die Hauptrolle in der Buddy Holly Story ergattern konnte, hat die Band zum neuen Album „Ramble On Privilege Creek“ komplett umgekrempelt.

Bis auf die beiden Backgroundsängerinnen Sonya Moore und Sheree Smith hat seine Statesboro Revue eine komplette Runderneuerung zugunsten einer erheblich variableren musikalischen Darstellungsweise erhalten. Mit dabei ist in zentraler Position jetzt auch sein jüngerer Bruder Garrett (ebenfalls beim Musical mit involviert), der teilweise beim Songwriting eingebunden war und bei einigen Tracks („Huck Finn“, „Lil Mary’s Last Stand“, „Isabella“ und „Wildflower“) für einen ruraleren Zusatzanstrich sorgte (mit Dobro, Banjo, Fiddle, z.T. keltischen, folkigen Untertönen), wobei die southern-rockige Gesamtausrichtung natürlich gewahrt blieb, aber nicht so im Vordergrund stand wie beim Debut.

Dieses Werk ist vielmehr auch als ein aussergewöhnlich starkes Album des Texas Roots-, Americana-, und Countryrocks zu betrachten, was alles andere als ein Nachteil ist. Die Verschmelzung der einzelnen musikalische Ströme machts – und die gelingt höchst eindrucksvoll und mündet in prächtigen Songs. Auch die exzellente Produktion wurde diesmal teamintern abgewickelt (das Debüt war noch von Grammy-Gewinner David Z – Prince, Buddy Guy, Gov’t Mule – betreut worden). Der fantastische Opener „Fade My Shade Of Black“ macht allerdings nahezu da weiter, wo man mit „A Different Kind Of Light“ aufgehört hatte.

Herrlich dieses unbekümmerte Pendeln zwischen schwülem, groovendem Roots-und dezent retroinfiziertem Southern Rock mit tollen E-Gitarren, sattem Slide-E-Solo und bluesigem Harp-Teil. Bands wie Zack Williams & The Reformation oder Whiskey Myers, aber auch The Band Of Heathens lassen grüßen, zumal Stewart Manns Stimme in der Nähe von Ed Jurdi angesiedelt ist. „Half Mile To Lincoln“ oder das starke „Live A Little“ (toll mit progressiven Pink-Floyd-Reminiszenzen, erinnert ein wenig an Blackberry Smokes „The Whippoorwill“) schlagen in eine ähnliche Kerbe. Stücke wie „Cold November“, „Another Day In Rome“ und „Love Run Easy“ haben hingegen einen ruhigeren Teint, verbreiten aber eine unglaublich schwüle Atmosphäre voller trockener Melancholie, wie man sie wohl nur im Süden der Vereinigten Staaten musikalisch transportieren kann.

Exzellent dazu passend natürlich die schönen weiblichen „Ooh-ooh“- und „Aah-aah“-Backs der beiden bereits o. a. geführten Mädels. Grandios wird es auch immer dann, wenn Statesboro Revue zeitgemäßen Southern Rock mit dem Retro-Feeling der Seventies kombinieren. Paradebespiele hierfür „Til I Leave“ oder das abschließende furiose „Hands On The Sun“. Letztgenanntes Lied wirkt, als wenn sich die The Black Crows mit Led Zeppelin zu einer Jam-Session eingefunden hätten, erstgenanntes kommt im damaligen typischen Psychedelic-Ambiente, Mann kreischt in den Refrains wie einst Robert Plant. Nicht zuletzt aufgrund dieser stimmlichen Wandlungsfähigkeit zählt Stewart Mann wohl mit zu den talentiertesten Führungspersönlichkeiten und Hoffnungsträgern des Genres.

Der ist dann auch voll zufrieden mit dem Ergebnis von „Ramble On Privilege Creek“: “This album is extremely broad in subject matter and style, in musicality and production, and I couldn’t be happier about it. I’ve always strived to create a sound that doesn’t try to reinvent the wheel; merely merge the little idiosyncrasies of all my influences and shape them in a manner that might someday be looked upon as my own unique sound. I think this record is as close as I have ever been to accomplishing that goal.”

Dem können wir nur voll und ganz zustimmen! The Statesboro Revue legen mit „Ramble On Privilege Creek“ einen tollen Nachfolger hin und reihen sich vorbehaltslos in die neue aufkommende junge Generation an Southern Rock Bands wie Blackberry Smoke, Whiskey Myers & Co, ein, wenngleich Manns Truppe etwas rootsiger und Americana-mässiger daher kommt. Die arrivierten Bands der Gattung wie Lynyrd Skynyrd & Co. können mit dieser variantenreichen Musik in kreativer Hinsicht kaum noch Schritt halten. Große Klasse, die Jungs!

Vision Entertainment (2013)
Stil: Roots / Country Rock

01. Fade My Shade Of Black
02. Huck Finn
03. Cold November
04. Til I Leave
05. Half Mile To Lincoln
06. Live A Little
07. Lil Mary’s Last Stand
08. Isabella
09. Love Run Easy
10. Another Day In Rome
11. Wildflower
12. Hands On The Sun

The Statesboro Revue
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Lynyrd Skynyrd – Searching – CD-Review

Ja es gibt sie tatsächlich noch, diese musikalischen Sensationen. Vielen Skynyrd-Anhängern der ersten Stunde wird immer noch die Schockstarre präsent sein, wenn sie bis heute überhaupt denn je überwunden ist, als im Oktober 1977 der Privat-Jet unserer Southern Rock-Lieblinge, die sich gerade auf einen ersten Höhepunkt ihrer Karriere zu bewegten, während ihrer US-Tour vom Himmel herabstürzte. Zwei Crew-Mitglieder, Cassie und Steve Gaines, sowie der Frontmann und das Aushängeschild des Septetts, Ronnie Van Zant kamen, wie allseits bekannt, dabei tragischer Weise ums Leben. Noch heute beschäftigt viele Fans die Frage, wie die Entwicklung von Lynyrd Skynyrd oder die des Southern Rocks überhaupt verlaufen wäre, hätte ihr charismatischer Bandleader das Unglück überlebt.

Nachdem sich die übrigen Musiker von ihren Blessuren nach und nach zu erholen begannen, brodelte bereits die Gerüchteküche, ob, wie und in welche Richtung die zukünftige musikalische Reise gehen sollte. Zunächst wurden naturgemäß die beiden Brüder Ronnies als Nachfolger am Mikro gehandelt. Donnie war aber bereits zu sehr in sein 38 Special-Projekt verwurzelt, der jüngste, Johnny, versuchte ebenfalls schon unter eigenem Namen mit eigener Band Fuß zu fassen. Er schien zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht reif genug für eine Aufgabe dieser Dimension. Natürlich wurden auch große, bereits etablierte Namen ins Spiel gebracht. Und, was bis vor kurzem ein wohl behütetes Geheimnis geblieben ist, es hat tatsächlich intensive, fast Casting-ähnliche (würde man heute sagen) Bewerbungsszenarien hinter den Kulissen gegeben.

Man höre und staune, unter den verbliebenen Kandidaten befanden sich letztendlich, Bob Seger, Paul Rodgers, John Fogerty (alle drei hatten ohne etwaige Auflagen spontan ihr Interesse bekundet) und Dale Krantz. Die wurden nach und nach in die berühmten Muscle Shoals-Studios eingeladen. Dabei bat man sie einen neuen Skynyrd-typischen Song selbst zu komponieren und ihn jeweils mit drei Tracks aus dem bestehenden Skynyrd-Fundus (nach freier Wahl) mit den verbliebenen Musikern (als dritter Gitarrist war wieder Ed King mit am Start) neu im Studio einzuspielen. Man wollte einfach genau testen, wer letztendlich am besten zur zukünftigen Gitarrenarmee aus Jacksonville passen würde. Seger brachte sein „Turn The Page“ mit, Rodgers hatte ein Stück namens „Straight Shooter“ im Gepäck (das Stück wurde nie veröffentlicht, nur das mit wohl beste Bad Co.-Album wurde bekanntlich später mit diesem Namen versehen), Fogerty versuchte mit „Proud Gary“ (eine emotionale Hommage an das Gitarrenspiel der Band) Pluspunkte für sich zu ergattern, die bis dato völlig unbekannte, allerdings von Donnie Van Zant empfohlene Krantz erschien mit „Love Your Man“.

Die Aufnahmen gestalteten sich schnell und unkompliziert (kein Wunder bei Könnern dieses Kalibers), die Tracks waren recht schnell eingefahren. Seger und Rodgers zogen ihre Bewerbung aufgrund eigener Erfolge aber kurze Zeit später wieder zurück. Übrig blieben John Fogerty und Dale Krantz. Gary Rossington und Dale Krantz waren sich bei den Aufnahmen näher gekommen und so hatte John Fogerty trotz der Rossington sehr schmeichelnden, o.a. Countryrockballade letztendlich keine Chance, zumal sich auch rechtliche Auseinandersetzungen mit Judy Van Zant, Ronnies Frau, anzubahnen drohten (sie bestand, wenn Skynyrd fortbestehen sollte, in jedem Fall auf einen Van Zant als Leadsänger). Wie hinlänglich bekannt, entschieden sich Rossington und Allen Collins dann doch lieber mit Dale Krantz (später Dale Krantz-Rossington) unter eigener Fahne weiterzumachen.

Was übrig geblieben ist, sind die Aufnahmen dieser hochbrisanten ‚Bewerbungssessions‘ (recht passend mit „Searching“ tituliert), die bis vor kurzem in den Archiven geschlummert haben, aber jetzt mit juristisch abgesegneter Genehmigung der Van Zant-Witwe zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Wir sind ganz besonders stolz, die exklusiven Vermarktungsrechte in Deutschland erworben zu haben, vor allem, weil jeweils nur eine limitierte Auflage von 1.000 Stück für insgesamt vier Länder produziert wurde (USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland). Die Scheibe ist wirklich ein Kracher, unglaublich Paul Rodgers „What’s Your Name“, Seger „Tuesdays Gone“ (Gänsehaut garantiert) oder John Fogerty „That Smell“ mit ihren unvergleichlichen Stimmorganen performen zu hören. Für Dale Krantz hatte man „Gimme Three Steps“ sogar partiell umgetextet, aus ‚Linda Lu‘ wurde z.B. ‚Johnny Blue‘, ‚Mister‘ wurde durch ‚Sister‘ ersetzt, usw., auch ihre rotzige Röhre bei „I Ain’t The One“ ist einfach nur klasse.

Die am 1. April auf den Markt tretende Scheibe kommt übrigens in einem äußerlich zwar recht spartanisch in s/w gestaltetem Digipack, enthält aber ein eingestecktes, achtseitiges 4c-Booklet mit tollen Fotos und Anmerkungen zu den „Searching“-Sessions.

MCA Nashville (2010)
Stil:  Southern Rock

01. What’s Your Name (Rodgers)
02. Simple Man (Rodgers)
03. Cheatin‘ Woman (Rodgers)
04. Straight Shooter (Rodgers)
05. Sweet Home Alabama (Seger)
06. Tuesdays Gone (Seger)
07. I Never Dreamed (Seger)
08. Turn The Page (Seger)
09. Gimme Back My Bullets (Fogerty)
10. Whiskey Rock-A-Roller (Fogerty)
11. That Smell (Fogerty)
12. Proud Gary (Fogerty)
13. I Ain’t The One (Krantz)
14. Searching (Krantz)
15. Gimme Three Steps (Krantz)
16. Love Your Man (Krantz)

Lynyrd Skynyrd
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Lynyrd Skynyrd – God & Guns – CD-Review

Auch ich muss es zugeben. Das große Kribbeln im Bauch bei einer Album-Neuveröffentlichung von Lynyrd Skynyrd, in diesem Fall bei „God & Guns“, wie es früher immer üblich war, ist schon lange nicht mehr da. Das hat in erster Linie gar nicht mal mit den Leistungen der Band zu tun. Der Hauptgrund liegt, was meine Person betrifft, sicher in der extremen Reizüberflutung, der man heutzutage als Musik-Redakteur ausgesetzt ist, in Sachen Skynyrd speziell an dem immensen Grad an Identifikationsverlust, den die hohe, bandinterne Sterblichkeitsrate nun mal zwangsweise mit sich brachte.

Mit dem Ableben von Hughie Thomasson und Billy Powell sind zwei weitere Pfeiler und Sympathieträger des Fundaments der einstigen Rockmusik-Institution, mit der ich groß geworden bin (Ean Evans möge mir bitte verzeihen, dass er von mir bereits als einer der beliebig austauschbaren Musiker eingestuft wird) gewichen, das verbliebene Trio Van Zant, Rossington, Medlocke, versprüht längst nicht mehr die Aura des einstigen Kollektivs. Die Alben der posthumen Ronnie Van Zant-Ära fand ich eigentlich im Großen und Ganzen, mit leichten Schwankungen nach oben („Twenty“, „Edge Of Forever“) oder unten (Vicious Cycle) immer recht gut, es gibt ohne Zweifel zahlreiche, tolle Stücke auch mit Johnny Van Zant-Beteiligung.

Ihren großen Kredit hat die Truppe eigentlich mit ihren Konzerten bei mir verspielt. Statt sich zu einer eigenen Identität zu bekennen und schwerpunktmäßig das eigens erarbeitete Material zu präsentieren, wurde bis zum heutigen Tage immer wieder das übliche „Greatest Hits“-Programm runtergedudelt. Was Anfang der neunziger Jahre vielleicht noch ok war, ist für den mündigen Skynyrd-Freund, Ronnie Van Zant-Kult hin oder her, einfach nur noch nervig. Das Weltbild, was die Band in ihren Texten zum Teil dank seines jüngsten Bruders verkörpert, kommt mittlerweile erschwerend hinzu (schlimme Beispiele sind leider auch wieder auf diesem Werk zu beklagen).
Aber egal, kommen wir zu dem, wofür wir Lynyrd Skynyrd lieben gelernt haben, der Musik. Entgegen den entrüsteten und teilweise recht unsachlich erscheinenden Kritiken anderer Magazine, bin ich der Meinung, dass man bei „God & Guns“ den Ball etwas flacher halten sollte. Das Album bietet bis auf eine unsägliche Phase von drei aufeinander folgenden Stücken („Unwrite That Song“, „Floyd“, „That Ain’t My America“), die allerdings das Gesamtgefüge des Werkes sichtlich stören, eigentlich vom übrigen Rest her gute Southern Rock-Kost, mit jeder Menge schöner Melodien, guter instrumenteller Umsetzung (gewohnt starke, southern-typische E-Gitarrenarbeit) und eine von Bob Marlette (Ozzy Osbourne, Nickelback) modern ausgeführte Produktion.

Das bereits im Vorfeld im Net veröffentlichte rockige „Still Unbroken“, das swampige „A Little Thing Called You“, das melodische an „Sweet Home Alabama“ angelehnte „Southern Ways“, das großartige Van Zant-Medlocke-Duett „Skynyrd Nation“, die fetten Gitarrenpassagen bei „God & Guns“ (den Text bitte ignorieren, echt übel) und das vermutlich Billy Powell gewidmete „Gifted Hands“ (mit einem Hauch von „Free Bird“-Flair) machen richtig Spaß und lassen das Southern-Herz kurz wieder auf höheren Frequenzen schlagen. Ob die integrierten Strings in letztgenanntem Song in Zusammenarbeit mit dem Kölner Gürzenich-Orchester erarbeitet wurden (wir erinnern uns an unseren Artikel vom 1. April dieses Jahres…) gaben die Infos der Promo-CD leider nicht her…

Fazit. Das neue Album „God & Guns“ ist keinesfalls so schlecht, wie es bisher dargestellt worden ist. Wenn man den extremen personellen Aderlass der letzten Zeit berücksichtigt, ist den Skynyrd-Überbleibseln insgesamt ein akzeptables Werk gelungen, das eben auch den Wandel der Zeit repräsentiert. Wer die heutigen Skynyrd politisch als ewig Gestrige (zu Recht) abstempelt, sollte nicht in gleichem Zuge auch auf Gedeih und Verderb nach den guten alten Rockmusik-Zeiten schreien. Die sind nämlich seit fast drei Dekaden passé. Die Entwicklung einer den Bandstrukturen angepassten musikalischen Identität halte ich für richtig, solange das Niveau noch überwiegend in Ordnung ist. Die sollte dann allerdings auch live dementsprechend verkörpert werden. Bei „God & Guns“ stehen insgesamt drei kapitale Böcke neun ganz guten Songs gegenüber. Mit den genannten Abstrichen von daher ein durchaus empfehlenswerter Longplayer!

Roadrunner Records (2009)
Stil:  Southern Rock

01. Still Unbroken
02. Simple Life
03. Little Thing Called You
04. Southern Ways
05. Skynyrd Nation
06. Unwrite That Song
07. Floyd
08. That Ain’t My America
09. Comin‘ Back For More
10. God & Guns
11. Storm
12. Gifted Hands

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Lynyrd Skynyrd – Last Of A Dyin‘ Breed – CD-Review

Just, als sich gerade bei uns der Sommer mit Wucht zurückmeldet, dürfte auch für Southern Rock-Freunde die musikalisch heißeste Phase dieses Jahres anstehen. Mit Blackberry Smoke, den Dirty Guv’nahs und Lynyrd Skynyrd stehen gleich drei Top-Bands mit ihren Neuveröffentlichungen in den Startlöchern. Da lacht doch sofort das Herz, zumal man in diesem Genre sicher schon lange nicht mehr der Gefahr einer Reizüberflutung ausgesetzt ist.
Drei Jahre sind tatsächlich schon wieder ins Land gezogen, seit seit unsere Long Time-Helden ihr kontrovers aufgenommenes God & Guns-Album, das wieder von Todesfällen der Bandmitglieder Ean Evans und Billy Powell (ersetzt mittlerweile durch Ex-Black Crowes-Basser Johnny Colt und Peter Keys) überschattet war, fabriziert hatten. Vor kurzem hatten sie sich noch in Berlin sehen lassen, Kollege Mike durfte sich am (Skynyrd-typischen Standardprogramm ‚erfreuen‘. Mich haben sie mit ihren ‚Konzerten von der Stange‘ als Besucher schon lange verloren.

Auch das „G&G„-Album habe ich seit meiner damaligen Rezension eigentlich auch so gut wie nicht mehr gehört. Trotzdem ist es als Southern Rocker der ersten Stunde natürlich irgendwie Pflicht, auf dem Laufenden zu bleiben. Gerade nach der überragenden aktuellen CD „The Whippoorwill“ von Blackberry Smoke, war ich dann doch wirklich neugierig, ob Rossington & Co. der heftigen Attacke ihrer Erben noch Stand halten können.
Um es vorwegzunehmen, ich bin von der neuen Scheibe „Last Of The Dyin‘ Breed“ richtig positiv überrascht. Endlich gibt es wieder schnörkellosen, kompakten, auf den Punkt gebrachten Southern Rock mit vielen E-Gitarrenfeinheiten, der mit der stärksten Zeit der Johnny Van Zant-Ära einhergeht. Es erinnert mich in vielen Phasen an ihr wohl bestes Album „Edge Of Forever“. Vor allem kommt es auch ohne hirnrissige, ami-typisch von Patriotismus getränkte, politische Statements aus.
Produziert hat wieder Bob Marlette, die Hauptsongwriter Johnny Van Zant, Gary Rossington und Rickey Medlocke haben sich einer ganzen Reihe von arrivierten Co-Autoren wie Tom Hambridge, Blair Daly, (John 5, Donnie Van Zant, aber auch jüngerer Kollegen (u. a. Shaun Morgan von Seether, Jaren Johnston von Cadillac Black oder Chris Robertson und Jon Lawhon von Black Stone Cherry) angenommen.

Allein schon der Auftakt mit dem slide-lastigen Uptempo-Titelsong und dem swampigen „One Day At A Time“ mit herrlichen Harmonies von Dale Krantz und Carol Chase sind schon eine echte Wonne. Aber auch im weiteren Verlauf wird das Niveau eigentlich auf konstant hohem Niveau gehalten. Die Ballade „Ready To Fly“ erinnert sogar an die Johnny Van Zant-Anfangstage, als er noch auf Solopfaden weilte.
Die fulminant gitarrenlastig rockenden „Life’s Twisted“ und „Nothing Comes Easy“ stehen in der Tradition starker Tracks wie „Workin'“ oder „O.R.R.“. „Honey Hole“ versprüht ein wenig „Voodoo Lake“-Flair, „Mississippi Blood“ (da singt nicht, wie von mir in meinem diesjährigen Aprilscherz prophezeit, Gary, sondern wie gewohnt Rickey mal sporadisch mit) und das abschließende „Start Livin‘ Life Again“ werden mit einer phantastischen Dobro-Guest-Performance von Jerry Douglas aufgewertet.
Insgesamt ein kurzweiliger Longplayer, der voraussichtlich wieder häufiger den Weg in meinen Player finden wird. Sicher ist Johnny Van Zant, gerade, was die Texte betrifft, kein Typ, der seinem verstorbenen Bruder (vor allem in Sachen unterschwelligem Humor) das Wasser reichen kann, auch werden die Songs nie den Kultstatus aus der Zeit seines großen Bruders erreichen, das müssen sie aber auch nicht. Hier haben er, Rossington und Medlocke wieder mal einen guten Kompromiss gefunden, der alle zufrieden stellen müsste.

Was ihre zukünftigen Live-Auftritte angeht, hat die Tatsache, dass die Nashville-Studiomusiker Greg Morrow und Mike Brignardello auf diesem Silberling die kompletten Drum- bzw. Bass-Parts eingespielt haben, meine Hoffnung, dass sich doch nochmal irgendeine Überraschung ereignen könnte, leider direkt wieder verflüchtigt. Meine Prognose lautet, dass es wie üblich zwei Tracks (vermutlich die beiden Opener) aus diesem Werk geben wird, dazu noch „Red, White & Blue“, ansonsten die üblichen zig-tausendmal abgenudelten Verdächtigen.
„Last Of A Dyin‘ Breed“ ist ein klasse Album geworden, das es auch wert ist, ausführlich auf der Bühne präsentiert zu werden! Die wahren Skynyrd-Fans können auch seit langem schon ohne „3 Steps“, „SHA“ und „Free Bird“ leben…!

Roadrunner Records (2012)
Stil:  Southern Rock

01. Last Of A Dyin‘ Breed
02. One Day At A Time
03. Homegrown
04. Ready To Fly
05. Mississippi Blood
06. Good Teacher
07. Something To Live For
08. Life’s Twisted
09. Nothing Comes Easy
10. Honey Hole
11. Start Livin‘ Life Again

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Lynyrd Skynyrd – Vicious Cycle – CD-Review

Es mag Fakt und sicherlich Grund zur Freude sein, stolz auf eine dreißig Jahre lang währende Bandgeschichte mit erhobenem Haupt zurückblicken zu können.
Ich kenne keine andere Band, die es geschafft hat, trotz kaum noch aufzuzählender Rückschläge, wie z.B. Todesfällen, Drogengeschichten, interner Streitigkeiten oder fortwährendem Tourstress mit derart qualitativ hoher Musik, Dinge kontinuierlich wieder gerade zu rücken.

So gelang es auch dem aktuellen Lynyrd Skynyrd-LineUp, den Tod von Bassist Leon Wilkeson, sowie eine Herzoperation von Gary Rossington zu kompensieren und mit „Vicious Cycle“ das fünfte Studioalbum (wenn man „Endangered Species“ ausklammert) in der Zeit nach Ronnie Van Zant zu präsentieren. Seit ihrem Werk von 1991 sind mittlerweile auch schon 12 Jahre vergangen. Nach der starken letzten „Edge Of Forever“-CD, auf der bei vielen Stücken auf das Grundmuster alt bewährter Songs zurückgegriffen wurde, nähert man sich nach meiner Ansicht mit den neuen Liedern wieder eher der anderen, etwas melodischeren Jubiläumsscheibe, „Twenty“.

So sind gleich sechs der vierzehn Songs („Red White & Blue“, „Hell Or Heaven“, „Mad Hatter“, „Crawl“, „Life’s Lessons“, „Lucky Man“) im Balladen- bis Midtempobereich anzusiedeln, aber wie immer mit tollen Gitarrenparts veredelt. Für mich als Vertreter ruhigerer Töne natürlich recht angenehm, obwohl die Mamasöhnchen-Mentalität von Johnny Van Zant mittlerweile ein wenig nervt. Aber Boogiefreunde und Fans von straightem Southern Rock werden natürlich auch reichhaltig entlohnt. „Pick ‚Em Up“ (klasse Duett mit Rickey Medlocke), „Sweet Mama“ oder „Jake“ haben diesen unverwechselbaren Honky-Tonk-Touch, wo knackige Gitarren und Billy Powell’s unnachahmliche Pianoeinlagen ihren Stempel aufsetzten. Beim Opener „That’s How I Like It“, „All Funked Up“ und „Rockin‘ Little Town“ geht die Post wie gewohnt richtig ab und der typisch gitarrengetränkte, stampfende Rock jagt einem wohlige Schauer über den Rücken. Bläsereinlagen und weibliche Backgroundvocals halten sich angenehm im Rahmen.

Ob das abschließende „Gimme Back My Bullets“ als Hip-Hop-Hardcore-Rock-Bonustrack zusammen mit Kid Rock dem Ganzen eine moderne Note verpasst, sollte jeder selbst beurteilen; ich tendiere doch eher dann dazu, die Austaste zu betätigen oder wieder zum Anfang zurückzuschalten. Wie dem auch sei, Lynyrd Skynyrd ist wieder ein ausgezeichnetes Stück Southern-Rock gelungen.

Zu befürchten ist allerdings, dass die Band das ganze Jubiläumsgedönse einmal mehr dazu benutzt, um die bereits bis zum Erbrechen gebrachten alten Klamotten im Live-Repertoire erneut aufzuwärmen. Ich meine es ist nach fast zwölf Jahren an der Zeit, sich zur eigenen Identität selbstbewusst zu bekennen und den Fokus auf die aktuellen Lieder zu richten. That’s how I would like it!

Sanctuary Records (2003)
Stil:  Southern Rock

01. That’s How I Like It
02. Pick ‚Em Up
03. Dead Man Walkin‘
04. The Way
05. Red White & Blue
06. Sweet Mama
07. All Funked Up
08. Hell Or Heaven
09. Mad Hatter
10. Rockin‘ Little Town
11. Crawl
12. Jake
13. Life’s Lessons
14. Lucky Man
15. Gimme Back My Bullets (Bonus Track)

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Tim McGraw – Tim McGraw & The Dancehall Doctors – CD-Review

Nachdem ich den Weihnachtsurlaub und die letzten Wochen dazu genutzt habe, meiner anderen kreativen Ader (nein, es geht nicht um das Analysieren der genialen Spielzüge von Rot-Weiss Essen) in Form der Erstellung eines 2,00 m x 1,30 m großen Gemäldes zu widmen (allerdings inbegriffen einiger Nervenzusammenbrüche nach Fertigstellung, bei der Befestigung in gut 4,50 m Höhe…), als auch den Nachholtermin für unser ausgefallenes Symposium zu organisieren, kam mir der recht dürftige Nachschub an Rezensions-CDs, was meine Richtung betrifft, ganz gelegen.

Da es jedoch mittlerweile wieder kribbelt und ich ein wenig abergläubisch in Sachen erstem Artikel 2003 bin (nachdem die schöne Dreamcatcher-CD einen lebhaften Reigen toller Musik in der abgelaufenen Saison eröffnet hatte), habe ich, um auch auf der sicheren Seite zu stehen, den guten Tim McGraw zum Auftakt auserwählt. Und der aktuell wohl unangefochtene Superstar der New-Countryszene liefert erneut spitzenmäßige Arbeit ab.

Diesmal verzichtete er auf das gewohnte Who-Is-Who der Nashville-Studiomusiker und gab seiner langjährigen Live-Band, den Dancehall Doctors, die Gelegenheit, starke, wie immer, mit viel Feingefühl ausgewählte Lieder zu präsentieren. 15 Songs, mit einer fürs Genre nicht üblichen Spieldauer von 66 Minuten, lassen den McGraw-Fan, wie mich, frohlocken.
Der Opener „Comfort Me“ geht in die gleiche Kerbe wie „The Cowboy In Me“ vom letzten Album „Set This Circus Down“. Danach liefern sich kurzweilige Balladen a là „Tickin‘ Away“, „Red Ragtop“, „That’s Why God Made Mexico“ (mit herrlichem Barroom-Flair), „She’s My Kind Of Rain“, „All We Ever Find“ sowie „I Know To Love You Well“ und rockige Nummern wie „Illegal“ (klasse Southern Gitarren!), „Who Are They“ (aus der Feder von Brad und Brett Warren) oder „Real Good Man“ ein harmonisches Wechselspiel.

Dazwischen einige Midtempostücke wie z.B. „Home“, „Sleep Tonight“ und „Sing Me Home“, das mich stark an Jackson Brownes Running On Empty erinnert. Den Abschluss bildet der witzig gemachte Elton John-Klassiker „Tiny Dancer“, bei dem Tim den Herrn mit den vielen Brillen im Refrain durch Hochziehen der Stimme vortrefflich imitiert. Insgesamt eine wunderbar gelungene CD, die nach wie vor nur von meinem absoluten Favoriten „All I Want“ übertroffen wird
.
Jedenfalls hat Mr. McGraw mit kontinuierlichem Schaffen den Thron von Garth Brooks, der bei mir immer noch Sympathiepunkte aufgrund der geleisteten Pionierarbeit besitzt (immerhin der einzige, der sich mal hier in good ol‘ Germany für Konzerte blicken ließ), endgültig bestiegen.

Tja, mein guter Tim! Wäre es nicht auch mal an der Zeit, Dir die Warren Brothers als Support zu schnappen und endlich hier aufzulaufen? Ich garantiere dir genauso volle Hallen, wenn nicht noch längere LaOlas als bei Garth, und eine Fangemeinde, die dich grenzenlos lieben wird! Bitte glaub es mir…

Curb Records (2002)
Stil: New Country

01. Halo
02. Right Back At Ya
03. One Part Two Part
04. I Will Not Fall Down
05. The One
06. Better Than I Used To Be
07. Touchdown Jesus
08. The One That Got Away
09. Felt Good On My Lips
10. Hey Now
11. Only Human
12. Die By My Own Hand

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