Richard Marx – My Own Best Enemy – CD-Review

Wissen möchte ich nicht, wie viele Beziehungen beim Hören allseits bekannter Balladen von Mainstream-Ikone Richard Marx entstanden, aber wohl auch in gleichem Maße wieder zerbrochen sind.

Ich behaupte, dass selbst die hartgesottensten Rocker im Clinch bei fummelträchtigen Songs der Marke „Angelia“, „Right Here Waiting“ oder „Now And Forever“ irgedwann mal weich geworden sind, und ich kenne auch kaum jemanden, der nicht wenigstens ein Marx-Album in seine CD-Sammlung integriert hat.
Mit „My Own Best Enemy“ präsentiert er jetzt sein siebtes Studioalbum (mittlerweile wieder mit Major-Kontrakt), wenn man seine „Greatest Hits“ Scheibe mal nicht in Betracht zieht.

Rein äußerlich ist er, wie auch seine Musik, gereift. Der 80er-David Hasselhof-Look wurde durch eine zeitgemäße, moderne Frisur ersetzt, das Cover-Layout ist in äußerst geschmackvollen Farben (inkl. aller Texte) graphisch perfekt in Szene gesetzt, die Songs wirken eine Spur ruhiger und abgeklärter.

Einzig das kehlkopflastige Timbre seiner Stimme ist nach wie vor unverwechselbar. Bei den Musikern vertraut er diesmal neben einigen alten Bekannten wie Bruce Gaitsch, Martin Landau oder Michael Thompson interessanterweise größtenteils auf Instrumentalisten, die üblicherweise im New-Country-Genre ihre Dollars verdienen.

Wahrscheinlich nicht zuletzt dank seiner Zusammenarbeit mit Interpreten wie Vince Gill, und SheDAISY, für die er Stücke geschrieben hat, oder Emerson Drive, deren letztes Album „What If“ er vor kurzem produziert hat. So steuert diesmal Keith Urban (Marx-Fans können auch ruhig mal in dessen Alben „Golden Road“ und „Be Here“ reinriechen) Gitarre und Backgrounds bei „When You’re Gone“ und „One Thing“ dazu und Sternchen Jessica Andrews addiert ihr Stimmchen bei „Love Goes On“. Klasse-Leute wie Gitarrist J. T. Corenflos , Drummer Steve Brewster oder Steel Guitar Ass Paul Franklin sind eh klingende Namen in Nashville-Studio-Musiker-Gilde.

Hitverdächtig oder zumindest radiotauglich sind fast alle Songs. Die Übergänge zwischen den Songs sind relativ fließend, vom leicht hektischem Ambiente früherer Alben keine Spur. Balladen gibt es jede Menge. „One Thing“ mit viel Power, könnte auch aus dem Repertoire von Bryan Adams stammen, „Ready To Fly“ streicherunterlegt, mit wunderschönem Akustikgitarrenspiel von Michael Thompson oder das beruhigende „Again“. Das leicht depressiv angehauchte „The Other Side“ oder „Falling“ sind weitere Beispiele balladesker Marxscher Kunst.

Überragend „Nothing Left To Say“ ein rhythmisch, melodisch dahindriftender Midtemposong und die rockigen Uptemponummern wie „When You’re Gone“ (schönes E-Solo von Keith Urban), sowie „Colder“ (hier glänzt Michael Landau an der Gitarre). Wunderschön auch das Pop-Rock-Stück „Someone Special“ mit dezenten Steel-Gitarren, dürfte als liebevolle Widmung an Richards Ehefrau gedacht sein.

Apropos Beziehungen. Mir, dem mental gefestigten Ehemann dient die Scheibe, um beim gemütlichen Gläschen Wein vom harten Alltagsleben abzuschalten. Für den suchenden Single stellt sie ohne Zweifel eine interessante Option als Hintergrundmusik beim spätabendlichen Zeigen der berühmten Briefmarkensammlung dar…

Manhatten Records (2004)
Stil: Rock & More

01. Nothing Left To Say
02. When You’re Gone
03. One Thing Left
04. Love Goes On
05. Ready To Fly
06. Again
07. Colder
08. Everything Good
09. The Other Side
10. Someone Special
11. Suspicion
12. Falling

Richard Marx
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Sister Hazel – BAM! Volume 1 – CD-Review

Sis

Sister Hazel sind eine bisher lang aufgeschobene Herzensangelegenheit von mir. Ich wollte die Band aus Gainesville, Florida bestehend aus Ken Block (voc, g), Drew Copeland (g, bvoc, voc), Ryan Newell (g), Jett Beres (b) und Mark Trojanowski (dr) eigentlich schon öfter mal vorstellen, aber aus den unterschiedlichsten Gründen ist es dazu nie gekommen. Schön, dass jetzt mit „BAM Vol. 1“ die Gelegenheit da ist.

Die Band erfreut sich in den Staaten größter Beliebtheit, bei uns ist sie meist nur Insidern bekannt, doch vielen Menschen, die öfter das Radio anhaben, dürfte ganz sicher mal ihr größter Hit „All For You“ zu Ohren gekommen sein. Filmkenner mit gutem Gedächtnis könnten sich eventuell auch an Lieder aus Streifen wie „Teuflisch“ („Change Your Mind“), „10 Dinge, die ich an dir hasse“ („Your Winter“) oder „The Wedding Planer“ (We’ll Find It“) erinnern.

Auf ihrem siebten Studio-Album (Sister Hazel sind mittlerweile nach vorübergehendem Major-Kontrakt wieder aus eigenem Antrieb bei einem Independant Label) leisten sie sich den Luxus, 15 Stücke zu veröffentlichen, die entweder als B-Seiten geplant waren oder es, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf die offiziellen Alben geschafft haben. Das zeugt von einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein, zumal die Bezeichnung Vol.1, weitere geplante Outtakes dieser Art suggeriert. Ich würde spontan behaupten, dass solche Werke bei vielen anderen Interpreten mit äußerster Vorsicht zu genießen wären, im Fall dieser Band schüttelt man angesichts der Qualität der Songs mit offenem Mund vor Staunen sein weises Haupt.

Denn bis auf zwei Ausnahmen vielleicht (selbst die sind auch nicht von schlechten Eltern) wird eigentlich das selbe hohe Niveau gefahren wie auf ihren bisherigen Studio-CDs, ich würde sogar behaupten, deutlich besser als ihr ’schwächstes‘ Werk „Lift“ von 2004. Und so steht der Opener „What Kind Of Living“ eigentlich auch für das, was man von Sister Hazel im Allgemeinen geboten bekommt. Meist schöne, sehr melodiöse Intros/Strophen mit Akustik- und E-Gitarren unterlegt (hier prescht mal ein Slide-Riff voraus), kräftige Refrains mit hohem Wiedererkennungswert, vorgetragen von Ken Blocks eigenwillig ’näselnder‘, aber sehr angenehmer Stimme, die in weitestem Sinne vielleicht mit der von Henry Paul vergleichbar ist, und meist dazu noch von einem schönen E-Solo von Ryan Newell veredelt werden. Anders formuliert. Stilvoller, rootsiger Pop mit einem Schuss Southern-Rock.

Meine persönlichen Favoriten auf diesem Album sind unter vielen (das Album macht wirklich durchgehend Spaß) „Sail Away“ (herrliche spanische Akustik-Gitarre, Block singt wie ein ‚Gringo‘, schönes Mexican-Flair, dazu klasse E-Gitarrenarbeit) und das mit einem trockenen, kratzigen Akustik- und E-Gitarrenrhythmus dahin groovende „Grand Canyon“. Wie meistens erhält dann auch Drew Copeland einmal die Gelegenheit sich an der Front zu präsentieren, hier beim southern-bluesigen „Can’t Get You Off My Mind“ (von ihm gibt es übrigens auch eine schöne Solo-Scheibe „No Regrets“ von 2004).

Alles in allem ein Klasse-Album, womit ich weiteren Ausgaben dieser Art schon jetzt mit Freude entgegensehe. Viele Bands wären sicher heilfroh, überhaupt mal mit wenigen Liedern dieses Niveaus auf ihren A-Werken glänzen zu können. Ganz witzig ist auch noch die Comic-mäßige Gestaltung des Booklets. Sister Hazel sind übrigens auch auf der Bühne eine Bank, wer nach dieser CD Blut geleckt hat, kann als nächsten Tipp mal ihre Live-DVD antesten. So, jetzt hat es also endlich geklappt…!

Croakin‘ Poets Records (2007)
Stil: Southern Pop Rock

01. What Kind Of Living
02. Boy Next Door
03. Work In Progress
04. Sweet Destiny
05. On Your Mind
06. Sick To My Soul
07. Mosquito
08. Little Black Heart
09. Sail Away
10. Wrong The Right Way
11. Grand Canyon
12. Save Myself
13. Can’t Get You Off My Mind
14. She’s Gone
15. Mona Lisas

Sister Hazel
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