Carly Pearce – Honest Woman – CD-Review

Carly Pearce hat sich seit ihrem Debüt im Jahre 2017 mit viel Fleiß in die Top-Garde der weiblichen Country-Künstlerinnen hervor gearbeitet. Der ganz große Wurf  in Sachen Alben oder Singles ist allerdings dabei ausgeblieben. Das Maß aller Dinge ist unter den Kolleginnen schon seit geraumer Zeit Ella Langley, der es sogar gelungen ist, den ‚Dominator‘ Morgen Wallen vom Thron zu stürzen.

Wir hatten Anfang letzten Jahres mal die Freude, sie zusammen mit Wade Bowen im Schlepptau, der übrigens in den nächsten Wochen mit „The Version Of Me You Get“ einen starken neuen Longplayer an den Start bringen wird (Review natürlich auch bei uns), uns in Köln von der sympathischen Präsenz der aus Kentucky  stammenden Künstlerin (heute in Nashville lebend) live überzeugen zu können.

Jetzt in den Tagen, wo ihr langjähriges Idol, Dolly Parton, leider das Zeitliche gesegnet hat (Carly hat ja früher lange in ihrem Dollywood-Freizeitpark als Sängerin gearbeitet), bringt sie mit „Honest Woman“ ihr fünftes Album auf den Weg.  Mit satten 16 Tracks ist das Werk üppig bestückt, die traditionelle Countrymusik steht dabei deutlich im Mittelpunkt.

Lediglich das peppige und eingängige „She Don’t“ sticht in dieser Hinsicht etwas heraus. Ansonsten gibt es ein fein instrumentiertes Konvolut (mit viel Banjo, Dobro, Fiddle, Mandoline, Steel) an Tracks in allen Tempi, das irgendwie angenehm und klar produziert dahinfließt, ohne aber einen großen Wow-Effekt auszulösen.

Der sicherlich nicht unklug gewählte Ansatz, auf „If I Don’t Leave I’m Gonna Stay“ mittels eines Duetts mit Riley Green, es der o. a. derzeitigen Platzhirschin ambitioniert mit einem emotionalen Song gleich zu tun, ist mit nur Platz 40 in den Charts aber eher verpufft.

Weitere Gastpräsenzen gibt es von den Bluegrass-Koryphäen Dan Tyminski bei „Who’s Lying Here“ sowie  von Molly Tuttle und Dan Tyminski auf „What If You Loved Me“. Ein Highlight in Verbindung mit einem gut gemachten Video, ist „Same Circus“, das ihre scheinbar etwas schwierige Einstellung zur Männerwelt einmal mehr thematisiert. „Machen Frauen tendieren halt dazu, sich den falschen Mann auszusuchen“, sagt allerdings meine Gattin auch des Öfteren zu mir…

Carly Pearce hat weiterhin meine uneingeschränkte Sympathie. Mit „Honest Woman“ betreibt sie – könnte man meinen – teilweise immer noch, wie auf den Alben zuvor, trotz neuer Beziehung, Wundenlecken in Sachen gescheiterter Schnellehe mit Michael Ray unter dem Deckmantel der Rückbesinnung auf die Countrywurzeln. Für Selbstironie ist mir das mittlerweile – so lange anhaltend – doch ein wenig ‚too much‘.

Irgendwann finde ich, Aufrichtigkeit hin oder her, sollte mal Schluss mit dem Thema und der Blick wieder nach vorne gerichtet sein. Ehrlich gesagt, trotz vieler neuer Songs mit einigen guten Ideen, namhafter Gastpräsenzen, insgesamt ein guter, aber eher unspektakulärer ‚Auftritt‘!

Stoney Creek / BMG Nashville (2026)
Stil: New Country

01. Dream Come True
02. Church Girl
03. She Don’t
04. You Can Have Him
05. How Long
06. WWJD
07. Same Circus
08. Happy For Myself
09. If I Don’t Leave I’m Gonna Stay (Carly Pearce And Riley Green)
10. I Don’t Have The Heart
11. He Don’t Like My Dogs
12. Leave My Heart Alone
13. Who’s Lying Here (feat. Dan Tyminski)
14. Daisy
15. What If You Loved Me (feat. Molly Tuttle And Dan Tyminski)
16. Why God Why Me

Carly Pearce
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Lime Tree Music

Tyminski – Southern Gothic – CD-Review

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Hinter Tyminski verbirgt sich natürlich niemand anderes, als der, durch Alison Krauss & Union Station, bekannt gewordene Saitenvirtuose Daniel ‚Dan‘ Tyminski.

Der mehrfach mit Grammys ausgezeichnete, aus Rutland, Vermont, stammende Akustikgitarren- und Mandolinen-Spezialist, hat aber auch in eigener Sache bereits zwei Alben vorzuweisen.

Seine Popularität steigerte sich durch das Übertragen seiner Stimme an Schauspielstar George Clooney, im Rahmen seiner Gesangsparts im Film der Coen Brothers „Oh Brother, Where Art Thou“, als auch zuletzt 2013 durch das Covern des Songs „Hey Brother“ des schwedischen DJs Avicii. Mittlerweile hat Dan seinen dritten Longplayer „Southern Gothic“ in den Startlöchern, der in allen Belangen bis ins Tiefste zu überzeugen weiß.

Dass der instrumentelle Part in Co-Produktion mit Jesse Frasure (u. a. Rascal Flatts, Luke Bryan, Gary Allan) seiner allesamt eigens kreierten Stücke (mit diversen namhaften Mitschreibern wie Andrew Dorff, Cary Balowe, Sarah Buxton – die auch mit wunderbaren Harmoniegesängen, Ashley Monroe, etc.), mit Parademusikern wie Ilya Toshinski, Jimmy Lee Sloas, Derek Wells, Charlie Judge & Co. bis ins kleinste Detail filigran zelebriert wurde, gehört eigentlich hier zu den Selbstverständlichkeiten.

Die dreizehn durchgehend packenden Tracks, begeistern aber auch durch Tyminskis markanten Gesang (sehr charismatisch, teilweise in Richtung einer dezenten Sting-Aura gehend), als auch durch textliche Tiefe, bestückt mit vielen Metaphern, die irgendwie immer zur Nachdenklichkeit anstoßen und eine leichte Beklemmung in der Magengrube zurücklassen.

Ganz besonders gefallen mir z. B. Zeilen, wie die im Refrain des großartigen Titelstückes „Southern Gothic“ vorkommenden „…We got a church on every corner, so why does heaven feel so far away…“.  Hier gibt es selbst bei den ganz fröhlich klingenden Stücken wie „Bloodline“ (klingt fast wie Phil Collins), kaum countrytypisch verwendetes Melodie- und Klischeewortgut zu vermelden.

Vergänglichkeit („Temporary Love“), Obsession („Perfect Poison“), Konsterniertheit („Numb“), viel episches Flair („Southern Gothic“) und auch Düsternis („Devil Is Downtown“) durchweht dieses anspruchsvolle Werk, was zudem auch durch das brillante, dunkel gehaltene Coverartwork (mit allen Texten) der Dodd Sisters (Dodd Design) nochmals untermauert wird.

Die Musik ist insgsamt gar nicht so einfach zu beschreiben. Hier wurde aus meiner Sicht zum Teil sehr gekonnt versucht, 90er Pop-Rock-Reminszensen von Größen wie aus dem Genesis-Umfeld, Steve Winwood, Sting, The Hooters, Fleetwood Mac & Co., geschickt mit Country-typischen Instrumenten wie Mandoline, Dobro, Banjo und Akustikgitarren zu kombinieren. Dan Tyminskis „Southern Gothic“ zählt somit zu den absolut herausragenden Werken des Jahres 2017. Ein musikalisches Qualitätsprodukt durch und durch! Zugreifen empfohlen!

Mercury Records Nashville (2017)
Stil: New Country & More

01. Southern Gothic
02. Breahting Fire
03. Gone
04. Temporary Love
05. Perfect Poison
06. Devil Is Downtown
07. Hollow Halleluhja
08. Good For Your Soul
09. Wailing Wall
10. Haunted Heart
11. Bloodline
12. Wanted
13. Numb

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