Megan Moroney – Support: Colin Lynch – Carlswerk Viktoria, Köln – Konzertbericht

Megan Moroney ist mir bis dato eher nur oberflächlich bekannt gewesen. Ich habe zumindest mit Erstaunen im Februar zur Kenntnis genommen, dass sie zwischenzeitlich, wenn auch nur für eine Woche, mit ihrem aktuellen Longplayer „Cloud 9“ die Nr.1-Alben-Dauerpräsenz der beiden Branchenführer Ella Langley und Morgan Wallen durchbrechen konnte.

Nach der finalen Akkreditierung am Tag zuvor, entpuppte sich die Anreise in die rund 80 km entfernte Domstadt am Spätnachmittag als überraschend entspannt und ich traf recht frühzeitig vor Einlass am Carlswerk Viktoria ein. Doch weit gefehlt. Ich hatte bei meinen bisherigen Besuchen in der Location noch noch nie in einer so langen Warteschlange gestanden.

Eine Heerschar an weiblichen Teenagern und jungen Damen, überwiegend vermutlich im präferierten Look ihres Idols mit Röcken und mit Schleifchen behangenen Cowboyboots gekleidet, hatte sich bereits erwartungsfreudig versammelt. Den überschaubaren Rest bildete wohl erwachsenes Begleitpersonal, Freunde oder Leute wie mich, die aus rein allgemeinen musikalischem Interesse vor Ort waren.

Als Voract gab es die übliche One-Man-Show, diesmal in Persona von Colin Lynch aus Pennsylvania. Der junge Bursche, der Musiker wie Bruce Springsteen, Zach Bryan, Jim Croce oder Jason Isbell als Einflüsse benennt, punktete mit einer selbstbewussten Vorstellung, in Form von Songs aus dem eigenen Fundus (u. a. „4th of July Darlin'“) und zwei ´Covernummern („Dancing On My Own“ von Robyn und  „Love Yourself“ von Justin Bieber).

Bei „Beach Fire Embers“ kam neben Gesang und der Akustikgitarre parallel auch noch das Mundharmonikaspiel zum Einsatz. Die dynamische und sympathische Vorstellung wurde mit viel Applaus zurecht belohnt, Lynch erwies sich als weiteres gutes Beispiel für das schier unerschöpflich erscheinende Reservoir an Talenten in den Staaten.

Nach recht kurz gehaltener Pause war dann die Bühne für Megan Moroney und ihr siebenköpfiges Begleitensemble bereitet. Die Tour ist entsprechend nach dem o. a. Erfolgsalbum benannt und so war es keine Überraschung, dass mit den Songs „Stupid“ und „Medicine“ daraus, in die aus mehreren Abschnitten eingeteilte Show (zwecks Kleiderwechsel – am Ende durften sich die beteiligten Musiker dann immer etwas ausgedehnter instrumentell zeigen) sofort stimmungsträchtig und dynamisch eingestiegen wurde.

Übrigens in Anklang an das Album waren die Farben Rosa und Pink omnipräsent, dazu glitzerten Megans Outfits bis hin zu ihren eingesetzten Gitarren fast in Dauerrotation. Die von Sugarlands Kristian Bush protegierte, aus Douglasville, Georgia stammende Country-Sängerin und -Songwriterin ließ dann ein einziges Feuerwerk an eingängigen und mitsingbaren Tracks ab, das als Highlights in Stücke wie die melancholischen „Who Hurt You“, „Wedding Dress“ und „Hope You Are Happy“ sowie den Hits „Cloud 9“ oder „Tennessee Orange“ mündete.

Das flockige mit ein wenig Heartland-Flair bedachte „Am I OK?“ und das launige „6 Month Later“ als einzige Zugabe beendeten ein stimmungsträchtiges Event einer aufstrebenden Country-Künstlerin mit großen Ambitionen, bei dem ihre Klientel voll auf die Kosten kam. Damit dann auch wirklich alle typischen Klischees bedient wurden, kam Steel Player Justin Schipper auch noch zur Zugabe mit einem FC Köln-Trikot an sein Arbeitsgerät.

Die gewohnten Bilder bei uns vom Gig gibt es nicht, die wurden nur agenturseitig von den skandinavischen Konzerten in überschaubarer Anzahl zur Verfügung gestellt. Während die rund 1.500 Leute lustig mit ihren Handys filmten und knipsten und die Schnappschüsse in, weiß was für einer Qualität ins Netz stellen werden, wurde es professionellen Akteuren seitens des MM-Managements schon im Vorfeld komplett verwehrt. Dabei hätte es dank der attraktiven blonden langmähnigen Protagonistin, dem schönen Bühnenambiente samt der toll gestalteten Video-Bühnenwand im Hintergrund, sicherlich tolle Fotos gegeben.

Das verstehe, wer will, jemand wie ich, der seit fast 30 Jahren erfolgreich in der Werbebranche arbeitet, jedenfalls nicht. Den Megan Moroney-Fans mag das völlig egal gewesen sein, sie hatten jedenfalls an diesem Abend ihren erwartet großen Spaß und schienen während und nach dem Gig begeistert auf Wolke 7 zu schweben, ähm, in diesem Falle wohl besser gesagt, eher auf Cloud 9…

Line-up:
Megan Moroney (lead vocals, guitars)
Justin Schipper (pedal steel)
Riley Lowery (electric guitar)
John Barker (electric guitar)
Lance Martin (guitar, mandolin, banjo)
Alex Shernit (bass)
Eric Pritchard drums)
Haley Sullivan (keys)

Text: Daniel Daus

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Carlswerk Victoria

Charles Esten – 07.05.2024, Club Volta, Köln – Konzertbericht

Wir hatten Charles Esten zuletzt 2019 im Carlswerk Victoria in Köln live begutachten dürfen, diesmal ging es in den benachbarten Club Volta, wo der bekannte Schauspieler und Musiker sein Debütalbum „Love Ain’t Pretty“ im Rahmen seiner Europa-Tournee vorstellte.

Als Support begann zunächst sein Schwiegersohn in spe, Charlie Greene, Sänger und Gitarrist der Nashville-basierten Alternative Folk Rock Band Betcha, der solo Songs aus deren Repertoire u. a. wie „Lucy Lucy“, „July“, „Coincidental“, „Losing My Mind“ oder „Jaded“ mit der Akustikgitarre begleitete.

Zwischendurch durfte dann noch eine weitere Protagonistin, Taylor Noelle, die Tochter von Charles Esten ihr vokales Können beim Crosby, Stills, Nash & Young-Klassiker „Our House“ (von deren „Deja Vu“-Meilenstein) im Duett mit Charlie einbringen. Dazu gab es eine schöne Showeinlage, als Greene gegen Ende seiner 30 Minuten-Performance als Zeichen seiner Nashville-Verbundenheit, einen kleinen pinkfarbenden Cowboyhut an seinem Gitarrenhals befestigte.

Foto-Kollege Gernot Mangold (der diesmal völlig freie Hand hatte) und ich bekamen im schönen Club einen perfekten Platz auf einer Empore, die sich direkt in der Nähe des Backstage-Bereichs befands. Zwischendurch gesellte sich Charles, mit dem ich Samstags zuvor noch ein Interview durchgeführt hatte und Ehefrau Patty Hanson ganz entspannt zu uns und beobachteten und filmten mit Stolz das Treiben ihrer Sprösslinge.

Da auf der Bühne alles bereits vorbereitet war, dauerte es auch nicht lange, bis Charles und der viel-gebuchte schottische Session-Musiker Andy Lucas ihre Positionen auf der Bühne besetzt hatten. Natürlich wurde mit dem Opener und Titelsong des Albums und der Tour „Love Ain’t Pretty“ begonnen. Als ‚pretty good‘ erwies sich hier allerdings sofort die Textsicherheit beim Mitsingen oder auch in Alleine-Sing-Passagen der versammelten Audienz, die bei diversen Tracks für Gänsehaut-Feeling im Club sorgte.

Lucas bildete instrumentell mit seinen starken Keys-Variation (u. a. E-Piano, Orgelhall, viel HT-Piano) für einen starken Counterpart zu seinem mit seinem Charme, Power, Fröhlichkeit und Wortwitz glänzenden Leader, der überwiegend die Akustikklampfe schwang, aber sporadisch immer mal wieder auch zur Stratocaster-E-Gitarre („One Good Move“, „Make You Happy“) griff. Beim herrlich launigen „I Still Do“ bewies er dazu seinen Können an der Mundharmonika.

Es folgten mit „Love Ain’t Love No More“ und dem stampfigen „I Ain’t“ zwei meiner Highlights des aktuellen Werks, wobei erstgenannter Song leider nicht das schöne Fleetwood Mac-Esprit des Album erzeugen konnte, dafür sorgte dann „Candlelight“ für das heute übliche Handyleuchten anstelle der früher gebräuchlichen Feuerzeuge und Wunderkerzen.

Charlie Greene stand dann zum ersten Mal zum Duett beim Simon & Garfunkel-Evergreen „Sound Of Silence“ an Estens Seite. Fans der Nashville-Serie kamen zum ersten Mal bei der Ballade „I Know How To Love You“ auf ihre Kosten. Klar, dass Charles auch für die talentierte Tochter Taylor Noelle ordentlich die Werbetrommel rührte, die dann beim 50er-Schinken „Why Do Fools Fall in Love“ ihren Part.

Das ELO-Cover „Don’t Bring Me Down“ wurde durch heftige Schnell-Klatsch-Einlagen (erstaunlich synchron) regelrecht nach vorne ‚gepeitscht. Mit dem ganz starken „The Worst Day“ (Charles wieder an der E-Gitarre) wurde dann die tolle Schlussphase eingeläutet, dem sich dann Stücke wie „Through The Blue“, „Buckle Up“ (mit starkem HT-Piano-Solo von Lucas), das flotte Nashville-Ding „He Ain’t Me“ und das, den Hauptteil abschließende „Down The Road“ anfügten.

Zur ersten stürmisch eigeforderten Zugabe, dem Oasis-Track „Champagne Supernova“ stieß dann Charlie Green nochmals dazu, den überaus emotionalen Schlusspunkt setzte erneut ein Song der Nashville-Reihe „A Life That’s Good“, das nochmals daran erinnerte, wie gut es uns in unseren Sphären geht, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Die wie einstudiert rüberkommenden Gesangspassagen des Publikums begleiteten Esten dann durch die Audienz zum Ausgang bis zum direkt davor geparkten Tourbus.

Am Ende ließ uns Patty Hanson, nachdem wir unser VIP-Bild mit Charlie und Taylor bereits oben im Backstage-Bereich erledigt hatten, noch zum besagten Tourbus geleiten, wo es dann noch ein wenig Smalltalk mit Charles und natürlich das obligatorische VIP-Bild gab.

Ein klasse Typ dieser Charles Esten, samt seiner sympathischen Familie, die für eine vorbildliche und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Künstler, Agentur (danke auch an Lime Tree Music) und Magazin als Werbemultiplikator sorgten. So sollte es sein! Hat riesig Spaß gemacht!

Line-up:
Charles Esten – lead vocals, acoustic guitar, electric guitar, harmonica
Andy Lucas – keys
Special guests:
Charlie Greene (von Betcha) – lead vocals, acoustic guitar, vocals, percussion
Taylor Noelle – lead vocals, vocals

Text: Daniel Daus
Bilder: Gernot Mangold

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