Ben Reel – Come A Long Way – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mit bisher 10 Studio-Longplayern hat der nordirische Singer/Songwriter Ben Reel über die Jahre tatsächlich ein beachtliches Songbook aufgebaut. Mit Blick auf diese Zeitspanne betitelt Reel daher sein neues Album dementsprechend passend mit “Come A Long Way”. Die aktuelle Scheibe des inzwischen 51-jährigen Musikers wurde im Homestudio, in South Armagh produziert und die 11 Eigenkompositionen schildern Ben Reels persönliche Wahrnehmungen und Erinnerungen aus den unterschiedlichen Dekaden, eingefangen in einer Mixtur aus Rock, Folk, Alternativ-Country, Soul, Blues und Gospel-Bestandteilen.

Die CD beginnt mit den Roots-Rock beeinflussten Stücken “Don’t Fight It Baby” und “Hunter”, Songs, die sich klanglich zugleich Orbison- und Springsteen-like orientieren. Die Folk-, Blues und Country-Rock typischen Storyteller “Hardwired Blues”, “I Get It” und “Old Whore” vermitteln ihre tiefgründigen Geschichten und musikalischen Atmosphären auch über frühe, charakteristische Dylan-Akzente, die in sich zeitgleich Old School und modern inspiriert sind, und zum Teil einen melancholisch wimmernden Harmonica-Sound als Stilmittel einsetzen.

Ausgestattet mit einem Pogues-Balladen-Dress (z.B. “A Rainy Night In Soho”) und angelehnt an Billy Joels wortreiche Lyrics-Rückblende (z. B. “We Didn’t Start The Fire”), bietet der über 7-minütige Track “From The Day I Was Born” eine politisch-zeitkritische Erinnerung Reels an “…there was war…” Ereignisse der letzten 50 Jahre und bestimmt damit wesentlich ein “Come A Long Way” Kernthema der Scheibe, obwohl, so Reel, die originäre Idee für die thematische Anregung von Frank Sinatras Welthit “It Was A Very Good Year” gekommen sei.

Der gleichnamige Albumtitelsong ist insofern ebenfalls geprägt von persönlichen Kindheitsreflexionen, die Reel in leichten Neil Young-Reminiszenzen “verkleidet”. “Loretto On My Mind”, die postume Würdigung einer nahen Angehörigen, weckt durch eine kraftvolle Roy Orbison Intensität entsprechend starke Emotionen. Grundsätzlich ist “Come A Long Way” durchweg ein sehr gefühlsbetontes Album, das seine Wirkung auch in Gospel/Soul/Blues-Rock Stücken, wie “Let The Road Rise” (70er Delaney & Bonnie Style) und “The Finish Line” (u. a. Sam Cooke, Steve Miller) zum Ausdruck bringt. Der Abschluss der Produktion ist mit “I Shall Be Redeemed”, einer schönen Gospel-Blues-Ballade, in gleicher Weise hervorragend inszeniert.

Ben Reel hat in seinem neuen Album “Come A Long Way” (übrigens ein tolles, den Wandel der Zeit spiegelndes Coverbild – Anmerkung der Red.) verschiedene Musikstile des modernen Songwritings in einem großartigen Songbook zusammengefasst und mit sensibel poetischen Texten versehen, die auf dem langen Weg seiner Karriere ganz private “Bilder” reflektieren. Das Ergebnis ist ein Longplayer, der den charismatischen und engagierten Musiker erneut als kreativen Botschafter seiner irischen Heimat bestätigt.

Eigenproduktion (2023)
Stil: Roots-Rock, Alternativ Country

Tracks:
01. Don’t Fight It Baby
02. Hunter
03. Hardwired Blues
04. From The Day I Was Born
05. Come A Long Way
06. Let The Road Rise
07. Loretto On My Mind
08. I Get It
09. Old Whore
10. The Finish Line
11. I Shall Be Redeemed

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Ben Reel – Land Of Escape – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die verschiedenen Regionen der irischen Insel haben in vielerlei Hinsicht ihre oft traditionellen, musikalischen Einflüsse häufig in die moderne Pop-Musik eingebracht und integriert. Auch der über Jahrzehnte abgetrennte und umkämpfte, nordirische Teil des englischen Königreichs, hat neben z.B. Van Morrison und Gary Moore, zahlreich gute Interpreten hervorgebracht, die ihre Heimat und ihre musikalischen Wurzeln produktiv vertreten. In diese Reihe der regelmäßigen aktiven Songpoeten gehört seit Ende der neunziger Jahre auch der Musiker Ben Reel.

Der aus Nordirland stammende Singer/Songwriter und Multiinstrumentalist, hat mit „Land of Escape“ nunmehr sein 8. Studioalbum vorgelegt, eine Rundum- Eigenproduktion, von der Aufnahme der Titel bis zum Mastering. Reel wird von talentierten Musikern begleitet, die seine besonderen Qualitäten und Arrangements tragen. Bereits der erste Track „Landscapes“, erinnert sofort an das in nebeligem grün gehaltene Album-Cover einer düsteren Landschaft, die durch den weichen Sound einer Querflöte psychedelisch angehaucht wird.

Auch das nächste Stück „Fields of Dreams“, das vom schnörkellosen Rhythmus geprägt wird, hält das Interesse am folkigen Stil aufrecht. Die Single-Auskoppelung „Soldier of Love“ ist hingegen eher poplastig, kommerziell arrangiert und ausgekleidet. Der Song „Fish Out of Water“ wirkt balladenartig, wie bei Meisterwerken von Neil Young und ähnelt nicht nur in der Tonlage durchaus dem kanadischen Mastermind.

„Healing Hands“ ist ebenfalls in dieser Stimmung, mit langsam aufbauendem Rhythmus, durchaus ansprechend, dem nordamerikanischen Vorbild nachempfunden. Beim Track „Some Mercy“ muss man unwillkürlich an die Leichtigkeit und die Ausprägung eines Bruce Springsteen Songs denken, der in frischen und lebendigen Folk-Country mit harmonischen Geigenparts abdriftet.

Textlich rufen viele Lieder („Landscapes“ oder „Fields of Dreams“) überwiegend sinnlich-natürliche Landschafts- und Naturbilder hervor. Der Übergang vom 7. Stück „I See Paradise“ zum 11. „Paradise Found“, durch das jazzige Duett „Misty Morning Rain“, das innige „Suffer In Silence“ und das an „The War On Drugs“ angelehnte „Drifting“, ist eine ambitionierte Konzeptbrücke innerhalb des Albums.

Der vorletzte Song „Paradise Found“ greift im Aufbau und Gitarrenriff dann wieder auf die bewährten und bekannten Young-Elemente zurück, die im letzten Song („Smoldering Simmering“) mit Mundharmonika und Country-Harmonien gekonnt ausklingen. Das Album „Land of Escape“ hat Reel im eigenen Studio im South Armagh produziert und liefert damit 12 handwerklich ausgereifte und anspruchsvolle Tracks ab, die erneut die vielschichtigen Ebenen seines Könnens eindringlich wiederspiegeln.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Folk Rock

01. Landscapes
02. Fields of Dreams
03. Soldier Of Love
04. Fish Out Of Water
05. Healing Hands
06. Some Mercy
07. I See Paradise
08. Misty Morning Rain
09. Suffer in Silence
10. Drifting
11. Paradise Found
12. Smoldering Simmeringove

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