Carl Carlton & The Songdogs – 17.11.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Vor etwa 20 Jahren scharrte Carl Carlton, ein gebürtiger Friese, eine Gruppe hochkarätiger Musiker um sich, mit der er seine tief im Blues und R´n´B verwurzelten musikalischen Ideen in Songs umzusetzen gedachte. Vater des Gedankens war kein geringerer als Robert Palmer, mit dem er bis zu dessen Tod etwa 10 Jahre zusammen arbeitete.

So entstanden Carl Carlton & The Songdogs, zu deren Stammbesetzung bis zur ersten Auflösung, temporäre Musiker wie Palmer, Levon Helm und Garth Hudson von The Band, Sonny Landreth, Ronnie Wood, um nur einige zu nennen, beiwohnten. Dass Carlton selbst als Produzent für Eric Burdon, Joe Cocker oder Paul Young arbeitete und Udo Lindenberg, Marius Müller Westernhagen Peter Maffay und Wolfgang Niedecken über Jahre begleitete, sei nur am Rande erwähnt, um eine Vorstellung zu haben, wer an dem Abend im Musiktheater Piano zu Gast war.

Nach einer erfolgreichen Reunion 2019 stand nun die Stammbesetzung von Carl Carlton & The Songdogs im Rahmen der „High In A Sweet“-Release Tour auf der Bühne, zu der im späteren Verlauf noch ein Überraschungsgast hinzustieß.
In den etwa zwei Stunden zeigte die Band, warum sie schon zu Anfangszeiten von den Kritikern hochgelobt worden ist.

Die Setlist umfasste Songs aus den bisherigen Studioalben der Band aber auch eine hochklassig gespielte Coversongs von Musikern, die Carlton bei seiner Musik beeinflusst haben. So nannte er Gregg Allman, bevor er den Allman Brothers-Klassiker „Jessica“ mit einer regelrechten Jamsession im Mittelteil präsentierte, als einen dieser Musiker, welche nun im Himmel in einer Supergroup spielen könnten.

Auch der vor kurzen verstorbenen Stones Legende Charlie Watts wurde mit „Can´t You Hear Me Knocking“ als erste Zugabe eine Aufwartung gemacht, die auch den wie im Original eigentlich durch Zufall aufgenommenen improvisierten Jam nicht ausließ.

Der Großteil der Songs stammte dann aber doch aus der Feder Carltons, ließ aber keine Zweifel an den Einflüssen zu. „Lifelong Guarantee“ mit klasse Honkytonk-Pianoeinlage von Pascal Kravetz hätte auch Platz auf jeder der alten rauen Stones-Platten haben können. Hier zeigte sich auch, wie bei den anderen Songs, die Klasse seiner Band, in der visuell auf der Bühne, in erster Reihe mit Carlton, zwei Urgesteine von Mothers Finest in die Saiten griffen oder diese zupften.

Moses Mo wechselte sich mit Carlton bei der Lead- und Rhythmus-Gitarre ab und wirbelte zuweilen tanzend über die Bühne während er sein Instrument bearbeitete. Dass Carlton zuweilen daneben stand, um das Treiben zu bestaunen, ist auch als Anerkennung der Spielkunst zu sehen. Dabei nutze er nicht nur seine Finger, um die Saiten in Vibration zu bringen, sondern zeigte, dass es auch mit den Zähnen gelingen kann, wenn man es eben kann.

Ganz stark auf sein Auftritt bei „God`s Gift To A Man“, als er zu Beginn des Songs an den Bühnenrand sprang, einige knackige Riffs in die Menge schleuderte und ein rockender Bluessong folgte, der einen gedanklich an die ganz alten AC/DC erinnerte.

Wyzard am Bass bestätigte fortwährend, dass der Rhythmus bei Ihm im Blut steckt und sorgte neben Drummer Bertram Engel für die volle Grundlage der Songs. Mit seiner Kleidung hätte er auch bei Bob Marley gut in die Band gepasst und bei „Love, Understanding & Respect“ und „Kingston“ zeigte er auch tanzend, seine Reggae-Affinität. Stark, wie die Band hier Reggae und Bluesrock ineinander verschmelzen ließen. Zu denken gab Carlton beim ersten Song, was der Einzug von harten Drogen in Jamaica für negative Spuren hinterlassen hat.

Mitten im Konzert wurden für einen Song Barhocker auf die Bühne gestellt und Carlton bat die Schauspielerin und Musicalsängerin Melanie Wiegmann auf die Bühne. Zunächst gab es mit „Love Hurts“ einen Song, der vielen durch Nazareth bekannt ist, aber erstmals von den Everly Brothers veröffentlicht wurde und auch von vielen anderen Musikern gecovert wurde.

Carlton und Wiegmann lehnten sich mit ganz dezenter Unterstützung der Band aber an der Version von Emmylou Harris an. Danach wurde es wieder lauter und Carlton und Wiegmann performten einen Grateful Dead-Song, der nach Aussage Carltons einer der letzten gesungenen Songs von Gregg Allman vor dessen Tod war. In „Black Muddy River“ brachte die Band einen gehörigen Southern Flair in die Halle (hier auch starke Gesangspassagen von Pascal Kravetz), welcher dann im Instrumental „Jessica“ mündete, wo ein Feuerwerk an Gitarren- und Keyboardsoli einen in die Weiten der Südstaaten versetzten.

Stark auch „Coming Home“ und „Moonlight in New York“, in dem sich Carton vom Songwriting her Richtung Tom Petty bewegte und auch seine Qualitäten als Gitarrist zuweilen slidend offerierte. In einem Konzert ohne Längen gelang es Carl Carlton & The Songdogs die etwa 120 Besucher in die Welt der Garde alter Songwriter zu versetzen und von der momentanen Situation um Corona abzulenken. Passend beendete er das Konzert dann mit dem Lennon-Stück „Instant Karma“, das dieser mit Yoko Ono veröffentlichte und brachte gewissermaßen das Piano leuchten und ein Strahlen in die Augen der Zuschauer.

Ein besonderer Dank geht an das Piano, dem es zu so unplanbaren Zeiten weiter gelingt, so großartige Künstler in den Westen zu holen und so die Kultur weiterleben lässt.

Line-Up:
Carl Carlton – vocals, guitar
Moses Mo – guitar, backing vocals
Pascal Kravetz – keyboards, organ, backing vocals
Wyzard – bass, backing vocals
Bertram Engel – drums, backing vocals
Special Guest: Melanie Wiegmann – vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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