Kulturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings – Interview

Pill-haupt

Eigentlich hätte ich gerne zum 15-jährigen Bestehen der Kulturrampe in Krefeld was zu einem Konzert geschrieben. Corona hat allerdings dafür gesorgt, dass dies nicht möglich ist. Um den Moment wenigstens ein klein wenig zu würdigen, verabredete ich mit Pille einen Termin, um wenigstens über 15 Jahre Kulturrampe reden zu können. Das schöne Wetter sorgte dafür, dass wir im ‚Biergarten‘ der Rampe zunächst eine Gourmetcurrywurst mit Pommes mit dem dazugehörenden Hygieneabstand zu uns nahmen, um dann gestärkt, 15 Jahre Krefelder Kulturgeschichte, Revue zu passieren zu lassen.

15875589_1270323359681975_3936416758692995256_oSounds Of South: Pille, 15 Jahre Kulturrampe sind schon ein beachtlicher Zeitraum. Wie kamst du damals auf die Idee, die Kulturrampe zu eröffnen?
Pille: Das ist eigentlich eine ganz simple Geschichte. Das waren hier früher Proberäume und ich war von der Krefelder Musikerinitiative für die Vermietung zuständig. Irgendwann lief das nicht mehr so gut und wir überlegten, was man mit den Räumen machen kann. Da kam dann ein Abend mit mehrere Leuten und einigem Bier, wo wir uns Gedanken machten und irgendeiner sagte „Konzerte“. Daran konnten wir uns am nächsten Morgen noch erinnern und wir haben es einfach so gemacht.

Sounds Of South: Einfach so gemacht? Die Räume waren ja angemietet, aber für eine andere Nutzung?
Pille: ‚Einfach so gemacht‘ ist natürlich nur grob umschrieben. Es mussten schon einige Formalitäten erledigt werden, bis es letztendlich umgesetzt werden konnte.

Sounds Of South: Gab es damals in irgendeiner Form eine Unterstützung der Stadt? Ich denke da zum Beispiel an besonders günstige Pachtbedingungen oder bist du da allein ins Risiko gegangen?
Pille: Nein, wir waren mit ein paar Leuten und die Sache wurde aus der Idee geboren und wir haben es dann umgesetzt.

100A5403-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wurde denn in einer Form eine Förderung z. B. durch das Kulturbüro der Stadt angeboten oder beantragt?
Pille: Nein, das haben wir ganz bewusst nicht gemacht, um uns in keine Abhängigkeit zu bringen. Es gab allerdings auch eine Zeit, als es finanziell sehr knapp war, wo die Stadt uns geholfen hat. Was auf jedem Fall gesagt werden muss, dass die Stadt uns sehr wohlgesonnen war, was oft schon viel wert ist. Aber Sachen wie z. B. einen Erlass der Miete oder Ähnliches gab es nicht, war von uns aber auch gar nicht gewollt.

Sounds Of South: Seit unserem Bestehen als Online-Magazin vor fünf Jahren berichten wir regelmäßig von Konzerten, die in der Rampe stattfanden. Ich möchte sogar so weit gehen, dass mir der Laden ans Herz gewachsen ist. In diesen Jahren habe ich eine unglaubliche Dynamik erlebt, auch was die Anzahl von Konzerten angeht, welche wohl 2018 von der Frequenz her, mit zum Teil zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche, ihren Höhepunkt, hatte.
Pille: Ja das stimmt. Das war vor allem eine logistische Herausforderung. 2019 wäre es vermutlich auch in der Form weitergegangen, aber in dem Jahr entschlossen wir uns, die Rampe zu renovieren und hatten deshalb natürlich ein etwas schmaleres Programm.

14524516_1175728582474787_6604584540681543219_oSounds Of South: In der Umbauphase wurde von Freunden der Kulturrampe ein Förderverein gegründet, um finanziell, aber auch mit Arbeitskraft zu unterstützen. Das war dann das erste Mal, dass es so zu einer Unterstützung von außen kam. Entstand die Gründung vielleicht auch aus der Angst, dass es sonst finanziell nicht reichen könnte?
Pille: Jein, das ist eigentlich eine eher gewachsene Sache. Es gab schon immer Leute, die mir Hilfe angeboten und mich auch unterstützt haben, ohne die wir es gar nicht die ganzen Jahre geschafft hätten. Das lief schon seit langer Zeit, bis einige Leute sich entschlossen haben, den Verein zu gründen. So haben wir eine gute Unterstützung für Kosten, die wir zu tragen haben. Und ehrlich gesagt würde es ohne diese Unterstützung den Laden zumindest in der Form nicht mehr geben.

PD_12_File_017-1Sounds Of South: Ich habe hier eine interessante Liste liegen, was du in der Zukunft an Konzerten in der Planung hast. Auf Namen und Daten will ich gar nicht eingehen, da zurzeit keine verlässliche bindende Planung möglich ist. Wenn man sich Bands anschaut, die hier gespielt haben, stellt sich die Frage, wie du das schaffst, solche Acts wie z.B. Little Caesar oder Robert Jon & The Wreck auf die Bühne zu holen, da die Einnahmen durch den Ticketverkauf bei maximal 120 Gästen und sehr humanen Preisen begrenzt sind.
Pille: Die Frage ist aus mehreren Sichtweisen zu beantworten. Zunächst einmal glaube ich, dass wir mit dem Führen des Ladens und dem Umgang mit den Künstlern vieles richtig gemacht haben. Wir haben immer einen großen Wert auf die Technik gelegt, dass ein guter Sound besteht und haben immer versierte Techniker gehabt, was für so kleine Läden auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ich glaube, das ist ein Faktor, der für Musiker immer sehr wichtig ist. Von den Gagen halten wir diese immer so hoch wie möglich, wobei diese natürlich durch die Größe des Ladens begrenzt sind. Das stellt für uns dann natürlich ein Problem dar, wenn eine bestimmte Summe vereinbart ist, und dann der Laden nur halb voll ist.

Sounds Of South: Kannst du dir vorstellen, dass manche Künstler auch bewusst auf Gage verzichten, da in der Rampe ein Wohlfühlfaktor herrscht und Konzerte oft eine regelrechte Party sind, die manchmal zu Beginn oder Ende einer Tour gefeiert wird?
Pille: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir mit unserem Umgang und unserer Philosophie dazu beitragen, dass viele Künstler einen großen Spaß haben, hier aufzutreten. Nichtsdestotrotz sind die Gagen auf einem verdient hohen Niveau. Ein weiterer Faktor ist natürlich, dass wir ein schon etwas älteres begeisterungsfähiges Publikum haben, welches nach dem Konzert gerne am Merchstand verweilt und sich mit verschiedensten Produkten eindeckt, deren Erlös direkt den Künstlern zu Gute kommt. Ich glaube, das hat sich auch bei den Künstlern und Tourmanagern rumgesprochen und erleichtert manchmal die Verhandlungen.

100A5485-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wo gerade das Tourmanagement angesprochen wurde. Du arbeitest auch viel mit Teenage Head Music zusammen und ich habe den Eindruck, dass du zu deren Chief Manny Montana mit der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hast. Erleichtert dies manchmal die Realisierung von Acts?
Pille: Ja, das stimmt. Es hat sich wirklich etwas, wie auch zu anderen Agenturen, entwickelt. Es besteht fast schon ein blindes Verständnis. Er weiß ziemlich genau, was hier gerne gehört wird und er hat dann immer die passenden Bands für unseren Laden bei sich in der Agentur. Wichtig ist für uns allerdings nicht nur die spielerische Qualität der Bands, sondern auch, wie sie menschlich zu uns passen. Wenn wir da schlechte Erfahrungen machen würden, wäre es ein einmaliger Auftritt gewesen. Man kann fast sagen, dass, wenn z. B. von Teenage Head jemand bei uns auftritt, man das Gefühl hat, gute Freunde oder Familie kommen zu Besuch.

Sounds Of South: Genau das Gefühl haben wir auch. Einmal fühlen wir uns bei dir immer wie Gäste, aber auch zu Manny und einigen Künstlern hat sich etwas wie eine Freundschaft entwickelt, was für uns persönlich natürlich auch wie eine Wohlfühloase ist.
Pille: Genau das meine ich. Die Musikszene, gerade in unserer Musikrichtung, ist eher klein, dass man fast zwangsläufig zusammenwächst. Man schätzt sich untereinander, was für mich persönlich sehr wichtig ist.

Sounds Of South: Jetzt gehen wir mal aus der Wohlfühlecke in die aktuell eher bedrückende, durch Corona bedingte Situation. Vor ziemlich genau einem Jahr war Thorbjörn Risager das letzte Konzert, von dem ich vor dem ersten Lockdown berichtete. Wie ging es danach weiter, da Konzerte in der Rampe erst einmal nicht mehr realisierbar waren?
Pille: Nach Risager waren noch zwei Konzerte und am 13. März mussten wir ein Konzert absagen, nachdem der Soundscheck schon gelaufen war. Ein trauriger Abend, Hotelzimmer waren gebucht und und und. Als es im späten Frühjahr wieder möglich war, hatte wir das Glück mit dem Schlachtgarten einen Partner zu haben, mit dem wir im Vorjahr schon ein Openair Konzert veranstaltet hatten. So konnten wir einige Konzerte, welche wir im Sommer geplant hatten, in den Schlachtgarten umlegen. Damit war den Künstlern die Möglichkeit gegeben aufzutreten und da das Gelände recht weitläufig ist, konnten wir einiges auch im Rahmen der damals bestehenden Hygienebedingungen durchführen.

AQ2A2401Sounds Of South: Corona wird irgendwann aufhören oder sagen wir besser, wir werden Möglichkeiten haben, Corona in den Griff zu bekommen. Wie geht es dann weiter? Habt ihr schon ein Konzept für einen Wiedereinstieg? Gibt es Gedanken über eine spätere Zusammenarbeit mit dem Schlachtgarten für Konzerte im Sommer, wo eventuell mehr als 120 Zuschauer zu erwarten sind?
Pille: Gedanken über Kooperationen habe ich mir schon gemacht. Jetzt geht es aber erst einmal um die Planung für den Sommer, wo hoffentlich wieder die Möglichkeit gegeben ist, mit geeigneten Konzepten, Veranstaltungen durchzuführen. Darüber hinaus könnte eine Zusammenarbeit auch nach Corona im Sommer sinnvoll sein. In der Rampe ist es im Sommer manchmal doch sehr warm, sodass eine Openair-Location auch für die Zuschauer attraktiv sein kann. Ich kann auch nur sagen, dass es mit dem Schlachtgarten in jeder Hinsicht eine gute Zusammenarbeit im letzten Jahr war. Dass Konzerte vor dem Herbst in der Rampe stattfinden werden, halte ich für eher unwahrscheinlich, es sei denn es sind kaum spezielle Hygieneregeln zu beachten, da vermutlich die Zuschauerzahl sonst so begrenzt sein wird, dass ein Konzert sich nicht tragen kann.

AQ2A5701Sounds Of South: Nun aber noch einmal ein kleiner Rückblick auf 15 Jahre Kulturrampe. Wie viele Konzerte haben auf der schrägen Bühne schon stattgefunden? Gab es für dich besondere Highlights oder Momente, wobei die Frage natürlich schwer zu beantworten ist, da jeder Künstler und jedes Konzert für sich etwas Besonderes ist.
Pille: Ich schätze, dass es um die 1500 Konzerte waren. Es gab natürlich einige besondere Momente, wo, wie du gesagt hast, nicht unbedingt die Qualität der Musik die entscheidende Rolle spielte. Ich erinnere mich an die Band Times Bold, die Indiepop macht. Das ist schon sehr lange her, war für mich aber ein Moment, der mir zeigte, dass es richtig ist, was wir hier machen. Die Band war fast fertig und spielte noch eine Zugabe. Dafür setzten Sie sich auf die Bühnenkante, holten eine singende Säge raus, ließen die erklingen und sangen dazu einen Song. Die vielleicht 45 Zuschauer gingen alle nach vorne zur Band und ich stand hinten hinter der Theke, es war mucksmäuschenstill, man hörte nichts außer der Säge und dem Gesang der Band. Es war irgendwie ein magischer Moment, der mich in meinem Tun bestärkte.

DSC0012-1024x682Sounds Of South: Wo du gerade von der Ruhe redest. Ich erinnere mich an ein Konzert, wo du Gäste aufgefordert hattest, eine lautstarke Unterhaltung zu beenden, da alle anderen hier sind, um Musik zu hören.
Pille: Ja, das kommt zum Glück sehr selten vor, da wir hier ein sehr musikbegeistertes und auch diszipliniertes Publikum haben, welches einen großen Respekt vor der Arbeit der Musiker hat.

Sounds Of South: In einem ähnlichen Zusammenhang erinnere ich mich an eine Ansage von dir vor einem Konzert, wo du darum gebeten hast, dass nach dem zweiten Stück, keine Bilder mehr gemacht werden sollen. Dies hatte mich damals zunächst irritiert, da ich für Berichte auch einiges an Bildern mache, aber versuche, mich so am Bühnenrand, zuweilen sogar fast hinter den Boxen aufzuhalten, um nicht zu stören.
Pille: Ja, da hast du Recht. Es gibt Fotografen, die sich respektvoll verhalten, aber es gibt auch Knipser, die regelrecht störend sein können, wenn die Kamera oder das Handy hochgehalten werden, dass die dahinter Stehenden nichts mehr sehen, wenn geblitzt wird, oder einfach nicht erkannt wird, wenn ein Moment der Ruhe ist und nicht, um vor der Bühne rum zu hüpfen oder klickende Reihenaufnahmen zu machen.

100A4576-BearbeitetSounds Of South: Da bin ich ja beruhigt, da ich mich da nicht angesprochen fühle. 😉 Nun aber wieder zurück zu besonderen Momenten.
Pille: Da fällt mir sofort ein, wo Robert Jon & The Wreck und Hogjaw, zwei Bands, die ich besonders schätze, gemeinsam auf der Bühne standen. Da hab ich gedacht … eigentlich hab ich gar nichts gedacht. Ich habe nur gespürt, dass dies etwas ganz Besonderes, auch für die Zuschauer war. Aber auch sonst gab es viele besondere Künstler. Mit einem Blaze Bailey, einen ehemaligen Sänger von Iron Maiden hier zu haben, oder Little Caesar, das war schon stark. Für mich waren aber auch alle anderen für sich etwas Besonderes. Der Vorteil ist natürlich, dass ich die Musik der Künstler, die hier auftreten, gut finde.

100A0679-Bearbeitet_bearbeitet-1-1024x683Sounds Of South:  Für uns gab es auch viele Momente, in denen wir Kontakte zu Künstlern gewonnen haben und wir fühlen uns in der Rampe fast schon wie in einem zweiten Wohnzimmer. Was mich persönlich auch freute, war, dass mindestens ein Bild im Absolva-Livealbum, von einem Konzert in der Rampe stammte.
Pille: Ihr seid bei uns auch immer willkommen, da es für uns auch eine gute Sache ist, wenn über Konzerte in der Rampe zeitnah und authentisch berichtet wird.

Sounds Of South: Danke Pille, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche und hoffe, dass deine Pläne für 2021 sich erfüllen und wir dann, wenn es möglich ist, unter dem Motto „Kein Rock`n`Roll ist auch keine Lösung“, wieder von vielen Konzerten berichten können.

Das Interview führte Gernot Mangold.

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