The Cadillac Three – Tabasco & Sweet Tea – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Wenn hartgesottene Southern-Rocker wie The Cadillac Three in konzertarmen Pandemie-Zeiten ihrem musikalischen Einfallsreichtum freien Lauf lassen, kann daraus auch mal ein für sie ungewöhnliches Überraschungsalbum entstehen.

Denn nur wenige Monate nach ihrer Erfolgsscheibe „Country Fuzz“ aus dem Februar 2020 hat das sehr agile Trio aus Tennessee, das sonst leicht 140 Konzerte im Jahr ablieferte, mit dem neuen Longplayer „Tabasco & Sweet Tea“ kurzerhand ihre Southern Rock- und Country Pfade weitgehend verlassen und für dieses Projekt Funk, Soul-Vibes sowie Grooves kombiniert und 11 neue Titel veröffentlicht.

Die überwiegend noch vor der Quarantäne-Phase im eigenen Tour-Bus entstandenen Tracks wurden eingespielt, als das Trio aus verschiedenen Songs, wie „The Jam“ (von Country Fuzz) überlegte, etwas Neues zu entwickeln. So wurde aus der Musik ihrer Schulzeit mit Einflüssen von James Brown, Stevie Wonder und Hip-Hop-Passagen die Idee von „Tabasco & Sweet Tea“ geboren.

Das 5. Album der toughen Band aus Nashville erinnert daher nicht an Outlaw-Country und klassischen Southern-Style, sondern beginnt mit dem Titelsong, einen funkigen Soul-Ride durch die Varianten dieser Musikrichtung. Wie selbstverständlich hat Kelby Ray dabei seine Lap-Steel gegen straffe Basslinien eingetauscht, die sich mit Neil Masons rauen Soul-Beats ebenso vertragen, wie mit den etwas angehobenen Vocals von Jaren Johnston, dessen ungestüme Riffs gelegentlich nach wie vor aufblitzen.

Zum Beispiel auf „Bridges“, der als powervoller Song vielleicht etwas Prince-artige Wirkungen hinterlässt oder bei „Devil’s Lettuce“, der eine Art Funk-Rap modelliert. Mit dem Stück „Crispy“ wird hingegen fast der Hip-Hop-Sound der 80er Jahre nachempfunden, um – wie es Jaren Johnston beschreibt – die „verschiedenen Richtungen“ auszuloten. Dass am Ende der Platte mit „Sabbath On Cornbread“ noch funkige Zeit und Muße bleiben, den Namen der Band in den Refrain-Lyrics besonders hervorzuheben, ist sicher einer gewissen Selbstironie geschuldet.

Mit „Tabasco & Sweet Tea“ tauchen The Cadillac Three in einen Musikstil längst vergangener Jahre ab und formen daraus eine spannungsreiche, starke Scheibe, die sie unvermindert als high-energy Trio auf einer anderen Ebene ihres musikalischen Werdegangs profiliert.

Für The Cadillac Three, die sich auch im sozialgesellschaftlichen Bereich aktiv engagieren, ist dieses Album eine Ablenkung vom Corona-Dilemma und für die Fans des ursprünglichen grungy Southern-Country-Rock eine ganz neue Seite ihrer US-Lieblinge: insgesamt ein schönes Beispiel nostalgischer Unbeschwertheit.

Big Machine Records (2020)
Stil: Funk, Soul, Rock

01. Tabasco & Sweet Tea
02. Stop That Girl
03. Head Over Wheels
04. Sweet Southern Spirit
05. Road Soda
06. Bridges
07. Devil’s Lettuce
08. Crispy
09. Money Ain’t Shit
10. Turn The Radio On
11. Sabbath On Cornbread

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