The Brandos – 16.10.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Wenn ich mich nicht verzähle, machte ich im Kölner Yard Club das Dutzend meiner Konzertbesuche von The Brandos voll. Enttäuscht wurde ich nie. Ich habe sie in rappelvollen Häusern und vor verblüffend kleinem Publikum auftreten sehen. Der Yard Club war an diesem Dienstagabend gut besucht, wenn auch nicht ganz so gefüllt wie bei dem Konzert der Band im vergangenen Jahr.

Die Setlist des Abends war mit dem im Blue Notez Club vor elf Tagen weitgehend identisch und unterschied sich von der des Vorjahres dadurch, dass „These Troubled Times“ und „Bella Encantadora“ vom Album „Los Brandos“ durch „Ridin’ The Red-Eye” und „The Siege“ ersetzt wurden. Sie bot einen Streifzug durch das bisherige Schaffen der Band.

Dave Kincaid bewies erneut seine agile und filigrane Kunstfertigkeit an verschiedenen Gitarren, selbstverständlich begleitet von seiner ausdruckstarken Mimik. Frank Giordano hatte ebenfalls schöne Gitarrenparts, vor allem bei „The Solution“, „Love Of My Life“ und „Nothing To Fear“. Bei dem beeindruckend performten „Ridin’ The Red-Eye” verausgabte er sich an der Mundharmonika. Das Publikum feierte den Song und das folgende „Gettysburg“ frenetisch.

Als Kincaid das Intro zu „Over The Boarder“ anstimmte, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Aber auch bei den vorher gespielten „The Keeper“ und „Light Of Day“ sowie beim später folgenden „Pass The Hat“ zeigten sich die Besucher textsicher und begeisterungsfähig.

Insgesamt leitete Dave Kincaid weniger Stücke mit persönlichen Anmerkungen ein als in den beiden zuvor gesehenen Auftritten. Die Erfahrungen eines Freundes bei seiner Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika verarbeitete er bei „Señor Coyote“. Zur Einstimmung auf „Querer A Los Niños“ fügte Kincaid eine Spitze gegen den Präsidenten seines Heimatlandes und dessen Pläne ein, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu ziehen.

„Anna Lee“ ist einer Dame des Südens gewidmet, dabei stellte der Bandleader klar, dass mit der geographischen Angabe nicht Bayern, Österreich oder die Schweiz gemeint sind, sondern eine Grenzlinie, die anscheinend immer noch die Vereinigten Staaten von Amerika durchzieht.

Sal Maida trat besonders bei „Can’t Go Home“ in Erscheinung. Hier wurde er nicht nur im Background aktiv, sondern er animierte auch das Publikum in der Kunstpause des Stücks, die Band zu unterstützen. Schlagzeuger Phil DiMarco sorgte für den richtigen Drive der Stücke und gab ebenfalls beim Backgroundgesang mächtig Gas.

Das schöne Intro zu „Woodstock Guitar“ – das mich in Dortmund begeisterte – ging in Köln etwas unter, was an der noch höheren Lautstärke und vielleicht an meiner Position im Saal lag. Kincaids Gitarrensolo bei „Nothing Tor Fear“ hingegen kam mir an diesem Abend besonders gelungen vor. Nach meiner Wahrnehmung war es etwas ausgedehnter als sonst. Der Titel beendete das Konzert, ohne dass die Band „Gunfire At Midnight“ spielte, das eigentlich auf dem Tour-Programm steht.

An der Stimmung im Saal lag es sicherlich nicht, dass das letzte Stück der Setlist wegfiel. Vielleicht zollen die bisherigen fünf Wochen der Tour ihren Tribut, oder die viertelstündige Verzögerung, mit der das Konzert begann, war Grund dafür. Wie dem auch sei: Die Besucher kamen während des fast zweistündigen Auftritts auf ihre Kosten.

Für ihren kraftvollen und gitarrengetragenen Sound sind The Brandos bekannt. Das Programm der letzten beiden Touren war durch die Titel der aktuellen CD „Los Brandos“ geprägt. Darüber hinaus setzte Kincaid auf eine Auswahl temporeicher Stücke seiner früheren Werke.

Die eher am Folk mit irischen Einflüssen orientierte Seite, die ebenfalls ein Markenzeichen der Band ist, trat dabei etwas in den Hintergrund. Kincaid kündigte in Dortmund an, im nächsten Jahr wieder auf Tournee zu gehen. Vielleicht wäre es eine Idee, dann verstärkt diese Bandtradition aufleben zu lassen und dabei Mandoline oder Banjo wieder hervorzuholen.

Nicht nur seine packenden Versionen von Traditionals, sondern auch die hervorragenden Songs „Partners“, „We Are No Man“, „My Friend, My Friend“ oder auch „Tell Her That I Love Her“ würden auf meiner Wunschliste stehen. Vor allem „Hallowed Ground“ habe ich – sofern ich mich recht entsinne – trotz der zahlreichen Konzertbesuche noch nie live gehört. Wie die Liedauswahl auch sein wird: Die Gigs von The Brandos sind sowieso Pflichttermine, auf die man sich freuen kann.

Im Yard Club konnten leider keine Fotografen der SoS-Gemeinde dabei sein. Besonders gedankt sei daher Marcus Neu von der Kantine, dass er mich als Schreiberling, der auch Fotos machen durfte, auf die Gästeliste gesetzt hat.

Line-up:
Dave Kincaid (lead vocals, guitars)
Frank Giordano (guitars, hamonica, vocals)
Sal Maida (bass, vocals)
Phil DiMarco (drums, vocals)

Bericht und Bilder: Michael Segets

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