Minor Cabinet – 10.11.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Heimspiel für die Krefelder Band Minor Cabinet in der heimeligen Kulturrampe bedeutet, wie zu erwarten, ein ausverkauftes Haus, was auch dem Betreiber Pille Peerlings sichtlich gut tat. Dies ist insbesondere deshalb positiv hervorzuheben, weil die Songs der Band, bis auf wenige Ausnahmen, aus der eigenen Feder stammen und nicht der momentane Boom der Coverbands bedient wurde, welche meist, unabhängig von der Qualität, für recht volle Hütten sorgen.

Pünktlich gegen 21:00 Uhr betraten Minor Cabinet die Bühne, um sich mit dem bluesigen „Daybreaker“ warm zu spielen. Direkt darauf folgte mit „Fly Into The Sun“ einer meiner Favoriten. Der Song ist ein Beweis, warum das letzte Album, der Kategorie Blues zugeordnet wurde. Enthalten war ein ganz starker, variantenreicher Gesang des Fronters Jasny, mit kurzen, Cocker-ähnlichen Schreieinlagen und starkem Sologitarrenspiel des neuen Leadgitarristen Robert Kaber, der die Lücke, die Clemens Bombien hinterließ, nahtlos schließen konnte. Sein Spiel hauchte den Songs einen stärkeren psychedelischen Touch ein.

Dies wurde spätestens bei „Waiting For The Morning Light“, einem der neuen bisher nicht veröffentlichten Tracks deutlich, wo auch Christian Peitz an den Keyboards, mit Doors-ähnlichen Klangteppichen, starke Akzente setzen konnte. Es folgten nun einige Songs, deren Tauglichkeit live überprüft werden konnte und die ungeteilt positiv vom Publikum aufgenommen wurden. Wenn diese Prototypen im Studio auf der fürs nächste Jahr angekündigten neuen Scheibe ihren Feinschliff erhalten, können sich die Minor Cabinet-Fans auf einen großen Nachfolger von „Black Ink On White Sheets“ freuen, der rockiger, psychedelischer daherkommen wird und vermutlich die Fangemeinde vergrößern müsste.

Im Folgenden wurden einige ältere Stücke präsentiert, bis es ungefähr zur Hälfte des Konzertes einen ersten emotionalen Höhepunkt gab. Mit „Mary Jane’s Last Dance“ und „Fee Fallin’“ spielten Minor Cabinet zwei Coverversion zu Ehren des leider viel zu früh verstorbenen Tom Petty. Dabei gelang es ihnen, das Flair der Gospelsongs wiederzugeben, ohne ihren eigenen Stil zu verlieren. Ganz stark das Gitarrensolo am Ende von „Mary Jane“ und die Fähigkeit von Jasny bei „Free Fallin“ das Publikum gekonnt zu inspirieren, bei den Gesangspassagen im Hintergrund zu unterstützen.

Nach einer ganz starken Version des Avicii-Covers „Addicted To You“ kamen die Minuten des Roman Dönicke, der sich für einige Minuten an seinen Drums austoben konnte, während der Rest der Band eine Pause einlegte. Dabei war die variantenreiche Spielart zu erkennen, die sich durch das ganze Konzert zog und sich auch darin widerspiegelte, dass er je nach Art der Lieder, Teile seiner Drums austauschte. Gemeinsam mit Roman am Schlagzeug, legte Paul Krobbach mit seinem Bassspiel, die rhythmische Basis für die drei anderen Mitstreiter, die mit Gitarren- und Keyboardsoli,  in fast allen Stücken, einprägende Nuancen setzen konnten.

Nach zwei neuen Songs „End Of Our Days“ und „Because You Are“ verabschiedeten sich die fünf Musiker, um nach kurzer Zeit für die Zugaben, nochmals auf die Bühne zu kommen. Mit „Secrets“ das von der Melodie her, in Richtung „All Along The Watchtower“ von Bob Dylan ging, spielten Minor Cabinet, den für mich stärksten Song, in dem das E-Gitarrensolo, dann eher zu Jimi Hendrix ausschlug. Nach dem eher raueren Vorsong, folgte das fast acapella-artig vorgetragene „Stationary“. Jasny begleitete an der akustischen Gitarre und der Rest der Band begab sich mitten ins Publikum, was für sie in emotionaler Hinsicht, vermutlich der Höhepunkt des Abends war.

Mit „Devotion“ verabschiedete sich das Quintett dann mit einer rockigen, psychedelischen Nummer vom Publikum. Man darf jetzt schon auf das neue Album gespannt sein, wobei der gestrige Abend gezeigt hat, dass Minor Cabinet eher eine absolute Liveband sind.  Mit dezenten Variationen zu den Studiosongs gelingt es ihnen meist, diesen auf der Bühne ein rockigeres Flair zu verpassen und durch ihre Spielfreude und Präsenz, die nicht nur auf den Fronter Jasny zutrifft, ihr Publikum mitzureißen. Sie haben auf jedem Fall schon das Release-Konzert für die neue Scheibe im nächsten Jahr avisiert, also unbedingt auf die Konzertankündigungen der Rampe achten.

Line-up:
Julian Jasny (lead vocals, guitars)
Robert Kaber (electric guitar)
Paul Krobbach (bass)
Roman Dönicke (drums)
Christian Peitz (keys)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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