Kellie Coffey – Walk On – CD-Review

Viele werden sich noch an Kellie Coffeys großartiges und durchaus erfolgreiches Debutalbum „When you lie next to me“ aus dem Jahre 2002 erinnern. Eine neue Künstlerin schien auf dem Vormarsch zu sein, sich in der Garde solcher Kolleginnen wie Faith Hill, Trisha Yearwood, Chely Wright & Co. zu etablieren. Doch es kam anders – ein vom damalige Label angekündigtes Folgealbum ist nie erschienen. Die vielen Countryfans, die sich Kellie schnell eroberte, mußten schließlich über 5 Jahre lang auf neue Musik von ihr warten. Jetzt liegt sie, im eigenen Vertrieb veröffentlicht, vor – und es ist ein wunderbares Album geworden!

Ihre Geschichte. Die aus Moore, Oklahoma stammende Kellie Coffey zog es nach einem abgeschlossenem Gesangsstudium zunächst erst einmal nach Los Angeles. Dort schlug sie sich am Anfang mit Gelegenheitsjobs (z.B. als singende Kellnerin) mehr schlecht als recht durch. Erst als sie ein Demotape versendet hatte, kam Leben in ihr künstlerisches Schaffen. So nahm sie Stücke für den Disney Themen Park auf und ergatterte einen Platz als Backgroundsängergin für Barbara Streisands Millenium-Konzert. Geoff Koch (ihr späterer Ehemann, mit dem sie mittlerweile einen Sohn hat) war es, der Songs für diverse Fernsehsendungen schrieb (darunter Walker Texas Ranger) und ihr eine Anstellung als Songwriterin besorgte.

Mit der dadurch erlangten finanziellen Unabhängigkeit folgte Kellie ihren Countrwurzeln und begab sich auf erste Erkundungsreisen nach Nashville. Wieder war es Geoff Koch und auch Judy Stakee (ihre jetzige Executive Producerin), die für die nötigen Kontakte sorgten. Von da an ging es im Eiltempo voran. Plattendeal mit BNA, das Debütalbum landete auf Platz 5 der Billboard Country-Verkaufscharts, die Single „When You Lie Next To Me“ kam in die Top Ten! Dazu gab es sofort den „ACM-Award“ als „Top New Female Artist“, sowie eine Tour als Support von George Strait und weiteren namhaften Acts wie Keith Urban, Brooks & Dunn, Montgomery Gentry, Trace Adkins, Wynonna, Martina Mc Bride, Lonestar und Alan Jackson. Nach drei aufregenden Jahren trennte sie sich aufgrund musikalischer Differenzen und zugunsten einer Babypause von BNA, schrieb aber weiter fleißig Songs. Einige davon gibt es jetzt endlich auf ihrem brandneuen Silberling „Walk On“ zu bewundern.

Um es vorwegzunehmen, eine Klasse-Leistung, die die 36-jährige hier abliefert. Zwölf absolut abwechslungsreiche, herrlich melodische Stücke voller Chartpotenzial (unfassbar, dass diese starke Musik nicht über ein Major-Label kommt), die eigentlich alles beinhalten, was das Countryherz begehrt, produziert von Allroundmann Wayne Kirkpatrick (der ja auch das neue Little Big Town-Werk „A Place To Land“ glänzend begleitet hat und auch hier wieder omnipräsent mitwirkt). Kellie hat bis auf einen Song („Everywhere“) an allen anderen kompositorisch mitgewirkt. Auch was die Musiker angeht, bleiben keine Wünsche offen.

Über Leute wie Chris McHugh, Dan Dugmore, JT Corenflos, Mark Hill, Randy Kohrs, Gordon Kennedy, Jonathan Yudkin braucht man sicher keine großen Worte mehr zu verlieren – das ist die erste Garde in Nashville. Die CD beginnt direkt mit dem Titeltrack, einer wunderschönen, emotional vorgetragenen und recht sparsam instrumentierten Country-Ballade (Piano, Steelguitar, dezente E-Gitarren-Arbeit, Harmonies). Dynamischer und temperamentvoller geht es dagegen beim folgenden, starken „When Pigs Fly“ (mit Outlaw-Touch) zu und etwas poppig beim lockeren, flockigen „Everything She Never Wanted“, einer absolut radiotauglichen Gute-Laune-Nummer.

Nicht nur aus ihren Streisand-Tagen hat die gesangsgraduierte Protagonistin auch gelernt, große Gefühle vorzutragen. „I Would Die For That“ und das abschließende „There You Go Again“ sind typische Balladen, die mit Piano und Streichern eindrucksvoll untermalt wurden, vom Gesang und eingeflochtenen Pathos her sind Vergleiche mit Faith Hill und sogar ein wenig mit Celine Dion durchaus legitim. Der Videoclip zum erstgenannten Song ist übrigens bei YouTube bereits nach einer Woche über 75.000 mal angeschaut worden.

Die stärksten Momente auf dem Silberling sind aber die, wenn die Instrumentalisten und Kellie „frei von der Leber“ auf herrlich traditionelle, countrykonforme Weise losmusizieren („Strong Enough To Cry“, „Bandwagon“, „It“). Hier ist besonders das brillante Dobrospiel von Recken wie Dan Dugmore und Randy Kohrs ein Hochgenuss. Bei dem fulminant abgehenden, grassigen „Bandwagon“ lassen gar die Dixie Chicks grüssen!

Fazit:  Kellie Coffey meldet sich mit „Walk On“ überaus eindrucksvoll zurück. Ein Album, nicht nur Gesangs-technisch auf allerhöchstem Niveau, sondern auch instrumentell liebevoll mit vielen Country-Feinheiten arrangiert, dazu textlich anspruchsvoll gestaltet. Hier passt einfach alles zusammen. Da muß eigentlich bald wieder ein neuer Major-Deal folgen. Ein wirklich vortreffliches „Comeback“. Walk on, Kellie!

Eigenproduktion (2007)
Stil:  New Country

01. Walk On
02. When Pigs Fly
03. Everything She Always Thought
04. Strong Enough To Cry
05. I Would Die For That
06. Thought I Knew You Well
07. Bandwagon
08. It
09. Everywhere
10. I Had A Dream
11. Proud Of Me
12. There You Go Again

Kellie Coffey
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Bärchen Records

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