Sean Webster – Light Of Day – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Die Karriere des Briten Sean Webster hat einst damit begonnen, dass er die drei Kings, B.B., Albert und Freddy, entdeckte oder Buddy Guy und Gary Moore. Auch heute noch gehört er der Blues- oder Blues-Rock-Szene an. Aber er hat auch längst neue Pfade beschritten und sein Spektrum ausgeweitet.

Gleich der erste Song der neuen CD unterstreicht das nachdrücklich. „Since I Met You“ kommt sehr melodisch und luftig-locker daher – und durchaus radiotauglich, was aber wohl so oder so bedeutungslos ist, denn ein Interpret aus der Ecke Blues (Rock) wird von den Radioanstalten ohnehin ignoriert.

The Bitch Has Gone“, der zweite Titel, zeigt dann die andere Seite Sean Websters: ein kraftvoller Blues Rocker mit mächtigen Gitarrenriffs, ehe das bluesig-balladenhafte „Always Gone“, unterlegt von Axel Zwinselmans gefühlvoller Keyboardarbeit, die nächste Abwechslung bietet.

In dieselbe Richtung geht „Carried Away“, eine instrumental wie gesanglich opulente Power-Ballade. Dass Sean Webster und seine Mannen, zu denen noch Floris Poesse am Bass und Rob van der Linde an den Drums gehören, ohnehin ein Händchen für geradezu hymnische Balladen haben, zeigt auch Richard Marx‘ „Your Eyes On Me“, die einzige Fremdkomposition.

Aber natürlich findet man ihn auch, den Blues alter Schule. „There’s A War“ oder „I’m Not Going“ gibt Websters manchmal an Joe Cocker erinnerndes Organ die richtige Würze. Über sein packendes Gitarrenspiel brauchen wir nicht mehr reden…

Bevor das erwähnte „Your Eyes On Me“ den Rausschmeißer bildet, zeigt der Midtempo Rocker „War And Poverty“ noch einmal, wie man mit den klassischen Instrumenten Gitarre, Keyboards, Bass und Drums, gepaart mit einer kräftigen Röhre, einen kraftstrotzenden Klangteppich produzieren kann. Da darf man die Lautsprecher ruhig ein bisschen aufdrehen – der Nachbar soll schließlich auch mal wieder gute Rockmusik hören…

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues Rock, AOR

Tracklist:
01. Since I Met You
02. The Bitch Has Gone
03. Always Gone
04. Carried Away
05. Light Of Day
06. Love’s A Ghost
07. There’s A War
08. I’m Not Going
09. War And Poverty
10. Your Eyes On Me

Sean Webster Band
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Sean Webster – Summer Has Gone – CD-Review

Bis dato hatte ich in Sachen Sean Webster immer nur Gelegenheit, über live gespielte Stücke zu reflektieren, sei es über persönlich erlebte Gigs oder aber seine bärenstarke Live-CD „Three Nights Live“. Nun liegt mir endlich sein neues Studiowerk „Summer Has Gone“ zur Besprechung vor, das ab heute auf dem Markt erhältlich sein wird.

Hatte ich nach seinem letzten Auftritt im Oberhausener Gdanska noch darüber sinniert, was Joe Bonamassa, trotz schlechterer Skills, eigentlich so viel populärer macht als Sean, stelle ich mir jetzt nach mehrmaligem Hören dieses Werks die Frage, was vermutlich passiert wäre, wenn Joe Cocker hier als der ausführende Protagonist Pate gestanden hätte…

Der Grund ist, dass Sean Webster sein Schaffen auf diesem Album vom Blues Rock weg in deutliche radiofreundlichere Gefilde gerichtet hat und schwerpunktmäßig in 90er Jahre-umwehte AOR-Musik umswitcht.

Ich persönlich habe überhaupt kein Problem damit, das Werk enthält durchgehend hochmelodische Tracks, den tollen Gesang Websters, den ich eh liebe, und immer das obligatorische, diesmal aber eher meist nur auf den Punkt gebrachte feine E-Gitarrensolo, so wie ich es von meinen vielen präferierten Nashville-Produktionen kenne und auch schätze. Und natürlich typische Keys-Variationen der damaligen Zeit, hier von Axel Zwinselman adäquat mit eingebracht.

Allerdings begibt sich Webster, wie schon richtig vom geschätzten Kollegen Ipach in seinem Review angedeutet, auf einen Drahtseilakt. Zum einen, findet solche Musik in der heutigen Zeit tatsächlich noch in die Radiosender und wenn, auch ohne den großen Namen dahinter?

Zum anderen höre ich schon jetzt das Gejammer und Gemeckere seiner eher traditionell gestrickten Blues-Klientel, die vermutlich das Songkonvolut, vielleicht bis auf den launigen, deutlich aus dem Rahmen fallenden Barroomsong „What You Get“ (mit Steel und HT-Piano) am Ende (und selbst der ist ja auch noch speziell), als Hochverrat an ihren, doch so geliebten Gewohnheiten degradieren werden.

Apropos radiotauglich: Zwei Stücke erweisen hier eine besondere Markanz, beide sind Duette. Das grandiose „Lost And Alone“ mit der ebenfalls megastark singenden Hilde Vos, das es normalerweise wirklich verdient hätte, ein Nr. 1-Hit zu werden. Dann das ziemlich schwülstige Titelstück „Summer Has Gone“, als britisch-italienische Co-Produktion, nur dass hier statt klingender Namen wie Zucchero oder Eros Ramazzotti, Roberto Morbioli von Morblus den italienischen Vokalpart vollzieht. Statt internationalem Glanz gibt es hier leider eher schwermütigen Schmalz zu verkünden. Dieses Stück dürfte den Blutdruck der betagten Blues-Gemeinde besonders in die Höhe treiben…

Und damit kommen wir dann am Ende wieder zum Dilemma. Ich behaupte, dass, wenn Joe Cocker dieses Album herausgebracht hätte, es ein Millionenseller geworden wäre, Sean Webster dagegen wird mit „Summer Has Gone“ weiter sein Brot hart verdienen, ggfs. wenn er Pech hat, sogar noch Schadensbegrenzung in Sachen seiner bisherigen Hauptklientel betreiben müssen…

Wie oben angeführt, ich selbst habe keine Probleme mit dem Lonplayer und finde die CD (DigiPak mit eingelegtem Steckbooklet mit allen Texten) absolut empfehlenswert. Die insgesamt nur 9 Stücke finde ich etwas mau, vielleicht hätte ich noch eine schöne Coverversion mit draufgepackt (dass Sean sowas hervorragend beherrscht, hatte er schon mal beim Keith Urban-Track „‘Til The Summer Comes Around“ zuvor blendend bewiesen). Beim potentiellen Rest der Zielgruppe dürfte es aus beschriebenen Gründen allerdings spannend werden…

Inakustik (2024)
Stil: AOR

Tracklist:
01. Forever Gone Away
02. Won’t Lay Down
03. Can’t Be Alone
04. Lost And Alone
05. Make It Through
06. Never Let Me Go
07. Not Me And You
08. Summer Has Gone
09. What You Get

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Ash Wilson Trio – 08.06.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Wil-haupt

Der Name der britischen Familie Wilson taucht, was unsere Live-Berichterstattungen in der ersten Jahreshälfte betrifft, jetzt bereits schon zum dritten Male auf. Zunächst sorgte Ashley mit seinem fulminanten E-Gitarrenspiel für die Würze bei Sari Schorrs Auftritt in Dortmund, dann legte Bruder Philip mit seiner Drum-Power die Grundlage bei Laurence Jones‘ starker Performance in Arnheim und jetzt war wieder Ashley in eigener Sache unterwegs und machte im Rahmen einer Einladung für das 20. Fürther New Orleans-Festivals, quasi als Generalprobe, noch einen Stop als Ersatz für den erkrankten Ben Poole, im Leverkusener topos.

Das Verhältnis in der britischen Blues Rock-Szene scheint von einem hohen Maß an Kollegialität gezeichnet zu sein, immer wieder erleben wir eine Durchmischung der diversen Acts, man hilft sich untereinander. So konnte Ash jetzt seine hier bisher eher etwas weniger bekannten Fronter-Qualitäten, mit dem viel auch als Produzent beschäftigten und umtriebigen Wayne Proctor (u. a. King King, Ben Poole, Ryan McGarvey) am Schlagzeug und Bassist Steve Amadeo (Ian Parker, Aynsley Lister), in exquisiter Umgebung präsentieren, wobei sein erstes Soloalbum „Broken Machine“, nebst einem brandneuen Song („I’m Gonna Get You“) und ein paar Cover-Nummern, natürlich den Löwenanteil inne hatte.

Der Teil der Leute, der dem Treiben der Frankfurter Fußball-Mafia in Weißrussland vor der Glotze an diesem Abend die kalte Schulter gezeigt hatte, sollte sein Kommen nicht bereuen. Die drei Burschen lieferten ein Lehrstück in Sachen moderner Interpretation des Blues Rock-Genres ab, das sich vor allem durch instrumentelle Finesse, Spielfreude und Teamgeist auszeichnete, sprich, die Freude im Kollektiv zu Performen, war omnipräsent.

Ash Wilson, der bis auf eine Ausnahme („Words Of A Woman“) mit einer mintgrün-weißen Stratocaster ‚unterwegs‘ war, stieg samt seiner beiden Begleiter, mit dem psychedelisch-umwehten „Peace And Love“ (klasse hier direkt seine Zwischengesangspassage ohne Mikro) in den Gig ein. „World’s Gone Crazy“ (70er-Flair), das shufflig groovende „The Revalator“, die beiden Peter Green-angehauchten „The Hitcher“ und „The Whiskey Blues“ (ganz stark!), sowie der Titeltrack des besagten Albums (mit dezenten David Gilmour-Kurz-Fills), erzeugten zurecht reichhaltigen Applaus der Anwesenden.

Der Protagonist sorgte mit seiner sympathischen und kommunikativen Art (sagte viele Stücke an und gab auch, wie zum Beispiel vor „Words Of A Woman“, kleine Anekdoten zur Entstehung Preis) für eine ausgezeichnete Atmosphäre und ließ zum Teil atemberaubende quirlige Soli vom Stapel. Wayne Proctor zeichnete sich durch sein bewährtes Feingefühl am Schlagzeug aus, das sich von angebrachter Zurückhaltung, bis zu Gas geben in der entsprechenden Situation, abbildete. Steve Amadeo erwies sich dabei als kongenial zupfender Rhythmus-Partner, nicht zuletzt erkennbar bei seinem fulminanten Solo bei „Out Of Time“ im zweiten Abschnitt des Gigs.

Der brachte auch, wie schon zuvor, mit Stücken wie unter anderen dem rockigen „Show Me How To Love You“, den sehr gut gecoverten „Drivin South“ (Hendrix-Instrumentalnummer) und „Real Mutha For Ya“ (Johnny Guitar Watson), dem ebenfalls funkigen „Lonely Room“, bis zum abschließenden „Queens Of The Stoneage-Song „Make It Wi Chu“ (mit launiger Publikums-Mitsing-Interaktion), ein hohes Maß an Qualität an den Tag, und legte in der Intensität sogar noch zu.

Trotz der anstrengen Anreise von der Insel und dem bevorstehenden Festival sam Fahrt dorthin, schonte sich das Trio nicht und bewies mit „Oh Well/Green Manilishi“ in der Zugabe, nochmals seine Empathie für Greensches Wirken als wichtiger Einflussgeber der Szene.

Am Ende signierte Ashley noch seine an die Frau, beziehungsweise an den Mann gebrachten CDs, redete bei einem Gläschen Rotwein, noch ein Weilchen mit uns und stand mit den Kollegen natürlich auch für das obligatorische SoS-VIP-Bild Spalier. Ein toller Abend mal wieder in Leverkusens Musik-Kultstätte! Auch die Besucher in Fürth dürfen sich heute auf filigrane Blues Rock-Kost vom Feinsten freuen.

Line Up:
Ashley Wilson – Lead vocals, electric guitar
Steve Amadeo – Bass
Wayne Proctor – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Video: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Ash Wilson
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topos Leverkusen