Charlie Parr – 06.02.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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‚Pille‘ Peerlings, der Chef der Krefelder Kulturrampe, hat 2018 die neue Konzertreihe „Caesar’s Pallets“ ins Leben gerufen. Im „Bluebird Cafe“ (BBC) werden dienstags akustisch gehaltene Liveauftritte präsentiert, bei denen vor allem Newcomern eine Bühne geboten wird. Nach dem Gastspiel des gut aufgelegten Dortmunders Edy Edwards lud das BBC zum ersten „Special“ mit dem alten Hasen Charlie Parr aus Minnesota ein.

Der im Qualitätsjahrgang 1967 geborene Singer/Songwriter hatte seine neue CD „Dog“ im Gepäck. Eine Auswahl der stärksten Stücke seines sechzehnten Album streute Parr in die beiden Sets des Abends ein. Neben dem eingängigen Titelsong „Dog“ durfte das grandiose „Hobo“ natürlich nicht fehlen. Ebenfalls begeistert vom Publikum aufgenommen wurden „I Ain’t Dead Yet“ und das swingende „Boiling Down Silas“. Den Geist New Orleans atmete die Liveversion von „LowDown“ – trotz der reduzierten Instrumentierung – ebenso deutlich wie auf dem Longplayer.

Parr beeindruckte mit den Klangvariationen, die er seiner akustischen 12-String-Guitar entlockte. Slide-Passagen, so bei „Remember Me If I Forget“, und feines Picking, wie bei „Last Day“ wechselten sich ab oder wurden bei „True Friends“ gekonnt kombiniert. Nicht nur hinsichtlich der Gitarrenarbeit zog Parr alle Register, auch mit den stilistischen Elementen zwischen Folk, Blues und Country zeigte er die Bandbreite seiner älteren Kompositionen.

Er spielte mit einem augenzwinkernden Kommentar zu Bob Dylan „Cheap Wine“, das Blues-getränkte „Too Much Liquor, Not Enough Gasoline“, seinen bislang größten Erfolg „1922 Blues“ und die stampfende Country-Nummer „Rocky Raccoon“. Seine besondere Vorliebe zu Hunden schien erneut bei „Old Dog Blue“ durch.

Neben den Eigenkompositionen unternahm Parr eine Zeitreise durch die Geschichte des Folks mit seinen unterschiedlichen Variationen. So spielte er „My Grandfathers Clock“ und „Ragged And Dirty“, das von William Brown stammt. Die Auswahl der Songs trifft Parr auf seinen Konzerten spontan. Er lässt sich von Stimmungen treiben oder wird getrieben. Wer kann das bei Künstlern schon sagen? Den krönenden Abschluss bildete eine A-Cappella-Zugabe von „Ain’t No Grave Gonna Hold My Body Down“. An Intensität übertraf Parr die bekannte Version von Johnny Cash bei weitem.

Das Publikum im vollen BBC verabschiedete Parr mit tosendem Applaus. Es erlebte einen introvertierten Musiker, dessen Humor in kurzen Anekdoten aufblitzte. In seinen Songs legt er hingegen seelische Abgründe offen. Manche sprachlichen Wendungen bleiben reduzierte Gedankensplitter, die zur Interpretation einladen. In bester Singer/Songwriter-Tradition erzählt Parr Geschichten, denen man gerne zuhört, da sie Situationen und Gefühle aufgreifen, die wohl jeder mal erlebt hat.

Vergänglichkeit und Tod, Freiheit und Einsamkeit sind in seinen Texten gegenwärtig. Aus seinen Lyrics spricht oftmals ein tiefes Mitgefühl für verlorene Seelen und eine rastlose, letztlich unvollendete, Sinnsuche. Charlie Parr stellt sich der Frage, welche Spuren man hinterlässt. Von dem Abend bleibt die Erinnerung an ein intimes Konzert und an die intensive Darbietung eines bescheiden auftretenden Menschen, der großartige Songs schreibt.

Das BBC ist eine tolle Idee und eine bessere Alternative zu einem Abend vor dem Fernseher, der schnell vergessen wird. Dass bei den Caesar’s-Pallets-Konzerten in der Regel auf einen festgesetzten Eintritt verzichtet wird und stattdessen ein Hut rumgeht, ist fair und lädt zu einem spontanen Besuch ein. Für den nächsten Termine im Februar sind das Duo Kassiopeia und Hello Luke angekündigt.

Line-Up:
Charlie Parr (vocals, guitar)

Bilder und Text: Michael Segets

Charlie Parr
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Kulturrampe Krefeld

Hot’n’Nasty, 19.01.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Hot’n’Nasty bewiesen mit ihrem Auftritt in der sehr gut gefüllten Kulturrampe, dass es auch hervorragende deutsche Blues-Rock-Bands gibt. Die in den 90er Jahren im Pott gegründete Band hat in den folgenden Jahren auch durch den Tod des 2014 zu früh verstorbenen Sängers Patrick Pfau mehrere Umbesetzungen erfahren, sodass von den Gründungsmitgliedern nur noch Gitarrist Malte Triebsch auf der Bühne steht, der sowohl in der Rhythmusarbeit, wie auch in den Soli unverkennbar das musikalische Gesicht der Band ist. Auf der Bühne selbst, steht aber der charismatische Sänger Robert Collins im Vordergrund und brilliert mit facettenreichen Gesangsparts und humorvoller Moderation durch die Show, die somit  das Publikum von Beginn an mitnahm.

Die ostdeutsche Rythmusfraktion um Drummer Dominique Ehlert und Jacob Müller, beides studierte Musiker aus Leipzig, tragen erheblich zu einem kompakten und klar definierten Sound bei. Die Bühnenpräsenz der beiden könnte aber kaum unterschiedlicher sein. Müller, bearbeitete seinen Bass meist scheinbar in sich gekehrt, mit geschlossenen Augen (mir fiel übrigens ein schöner Aufkleber am Bass auf, mit dem Müller auch ein politisches Statement zur Unpartei in Deutschland abgab, die wenig mit Integration und Gleichberechtigung verbindet).  Seine Qualitäten zeigte er auch in einem ausladenden Solo bei der Vorstellung der Band.

Ehlert dagegen suchte immer wieder Blickkontakt mit den Zuschauern, zog dabei die eine oder andere Grimasse zog und bearbeitet die Drums von gefühlvoll ruhig, bis zu brachial, dass man mit seinen Augen den Sticks kaum noch folgen konnten. Beide bewiesen, warum sie in anderen Projekten auch als Studiomusiker gern gesehen Gäste sind. Kompliment an dieser Stelle auch wieder an Malte Menzer, der es wieder schaffte, einen sehr guten Sound und stimmungsvolles Licht in die Rampe zu bringen.

Ziemlich pünktlich gegen 21:00 Uhr betraten die vier Musiker die Bühne und begannen mit „Damned To Ride“ vom 2012 Longplayer „Boost“, gefolgt von „Hard Working Band“ vom 2005 veröffentlichten Album „Electified“.  Vor „She Talks“ verkündete Robert Collins, dass mit „Dirt“ ein neues Album am Start ist, welches auch im Mittelpunkt des weit über zwei Stunden dauernden zweigeteilten Acts stand.

Besonders hervorzuheben aus dem ersten Set sind das ein klein wenig an „Little Wing“ (in der Version an Derek And The Dominos erinnernd, Collins‘ Stimme einem Joe Cocker gleichend) und das stampfende „It’s Only Money“ mit, wie in fast jedem Song, einem ausladenden Solo von Triebsch. Spätestens ab diesem Song hatte Hot’n’Nasty die Rampe im Griff und sorgte für zum Teil fast exstatische Tanzeinlagen im Publikum.

Das Ende des Sets bildete mit „Out Of The bBue (Hell To Pay)“ eine klassische starke Bluesnumer mit virtuosen Gitarrenspiel, bei der die Lautstärke bis zu einem Minimum gedrosselt wurde und die Zuschauer in den Bann zog. Hier gab es aber leider auch den einzigen negativen Aspekt des Abend, in dem Pille Peelings, der Betreiber der Rampe kompromisslos Stärke zeigte. Leider wurde diese Passage von lauten Flaschenöffnen und Unterhaltungen einiger weniger Zuschauer gestört, was in meinen Augen respektlos gegenüber den Künstlern und auch den anderen Zuschauern ist, da diese Stille im Spiel Bestandteil der Performance war. Hoffentlich nehmen die Betroffenen es Pille nicht übel, dass er sie bat zu gehen und sie nach Reflektion des Abends beim nächsten Mal wieder, aber diesmal aber nicht störend dabei sind.

Nach einer etwa 20-minütigen Pause ging es dann weiter und die Zuschauer konnten bei Triebsch und Collins neue T-Shirts bewundern. Triebsch nun mit psychedelischen Hendrix-T-Shirt, nachdem er zuvor das ZOJO-Shirt von Led Zeppelin trug, womit er seine musikalischen Wurzeln zeigte.  Collins mit trug ein Einhorn-Shirt. Triebsch berichtete, dass Collins eine Unmenge komischer Shirts habe, die er uns vielleicht noch präsentieren wird, was für Gelächter im Publikum sorgte. Collins roch unter seinen Achseln und konterte humorvoll,  dass es noch nicht nötig sei. Der noch rockigere und jammende zweite Teil der Show nahm jetzt Fahrt auf.

Einer der Höhepunkte war mit Sicherheit die Vorstellung der Band, in der jeder der Musiker über Minuten in ausladenden Soli sein musikalisches Können beweisen konnte, wobei sich  insbesondere die Rythmusfraktion in den Vordergrund spielte. Müller zeigte, dass der Bass auch als Soloinstrument nutzbar ist und Ehlert bewies, dass Hände schneller sind als Augen. Wie sagt man auf Neudeutsch so schön: „Großes Kino“! Collins überras chte bei „Can’t Get Your Love“, dass er auch Stimmlagen einer Donna Summer beherrscht und setzte kurz zu „Feel Yor Love?“ an.

Mit „Going Down“, einem starken Cover von Don Nix ging Part 2 zu Ende, was natürlich enthusiastische Zugabeforderungen zur Folge hatte. Die Vier brachten noch ein Medley alter Klassiker aus Blues, Rock und Hardrock, wobei sie „La Grange“ (Collins mit starkem Harp-Intro), „Whole Lotta Rosie“ und „Radar Love“ gekonnt, aber mit eigenen Nuancen miteinander verknüpften, um wieder bei „La Grange“ endend, das über zwei Stunden dauernde Konzert abzuschließen.

Fazit: Ein starker Auftritt von Hot’n’Nasty in der Kulturrampe, der bewiesen hat, dass die Zukunft des Quartetts mit Sicherheit noch einiges erwarten lässt. Die Band schaffte es fast alle Bandbreiten des Blues in die Show zu integrieren und sorgte somit  in einem langen Auftritt für einen kurzweiligen Abend, der nur zufriedene Besucher zurückließ, wenn man die Stimmung während und nach dem Konzert als Bewertungsfaktor sieht.

Vielen Dank auch noch einmal an Pille und sein Team, für die, wie immer, unproblematische Akkreditierung und den herzlichen Empfang.

Line-up:
Robert Collins (lead vocals, harp)
Malte Triebs (guitars)
Jacob Müller (bass)
Dominique Ehlert (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Rhino Bucket, 05.01.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Kaum sind die ersten Tage von 2018 ins Land gezogen, startet auch die Konzertsaison am ersten Wochenende des Jahres direkt mit einem Paukenschlag. Die sich mittlerweile unter der Teenage Head Music-Familie befindlichen kalifornischen Kult Hard Rocker Rhino Bucket, bestritten den Deutschland-Auftakt ihrer Europa-Tournee, in Krefelds Konzert-Puppenstübchen, der Kulturrampe.

Klar, dass auch wir uns das Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Gastgeber Markus ‚Pille‘ Peerlings und sein Team hatten angesichts des Ansturms auf die Karten, die Fläche von sämtlichem sonstigen Mobilar (Stehtische) freigeräumt, die Rampe war picke-packe voll. Neu waren zwei aufgehangene Bildschirme, sodass man sowohl in den hinteren Rängen, als auch vorne im Foyer, jeder Zeit ein Blick auf das Geschehen der Bühne werfen konnte.

Das Quartett um die beiden Gründungsmitglieder Georg Dolivo und Reeve Downes, sowie den später, aber auch schon vor längerer Zeit, dazu gestoßenen Brian ‚Damage‘ Forsythe (Kix) und Dave DuCey (Warrior) stiegen pünktlich um 21:00 Uhr mit dem standesgemäßen Opener „One Night Stand“ in den Gig ein.

In den nächsten gut 90 Minuten war dann kompromisslos Vollgas der klassischen Hard Rock-Schule angesagt. Allein schon der Bon Scott-ähnlichen Stimmlage des Fronters Georg Dolivo wegen und dem rhythmisch-riffigen E-Gitarrensound fast aller Tracks, war die Nähe zum australischen Aushängeschild der Sparte natürlich unverkennbar.

Rhino Bucket repräsentierte die amerikanische Variante vor allem durch das E-Gitarrenspiel von Brian Forsythe, der mit einer doch eher im Country Rock verwurzelten Fender Telecaster, sein quirliges Spiel mit vielen integrierten filigranen Soli, zum Besten gab. Dieser war zudem noch mit einem Sweatshirt der berühmten Fame-Studios in Muscle Shoals, Alabama, bekleidet, eine der Wiegen, des von uns normaler Weise bevorzugten Southern Rocks.

Der Vierer spielte im Großen und Ganzen das gleiche Programm wie Abends zuvor im belgischen Verviers mit Stücken wie dem dezent ZZ Top-umwehten „Beat To Death Like a Dog“, „Who’s Got Mine“, „She Rides“, „She’s A Screamer“ bis zum launigen Schlussspurt mit u. a.  „I Was Told“.

Im Prinzip ein schöner Querschnitt durch ihre sieben bisherigen Studio-Alben. Eine dezente Tempo-/Lautstärken-Drosselung gab es – wenn überhaupt –  nur bei „Word“. Dolivo scherzte bei der Ansage, dass es jetzt vielleicht ‚die‘ Gelegenheit wäre, ein wichtiges Telefongespräch zu führen. Das aktuelle Album „The Last Real Rock N’Roll“ wurde durch Songs wie „Hello Citizens“, „Forgivness“ und „So Long“ gestreift.

Nach dem Gig gab es noch das mittlerweile obligatorische Bild der Band mit unserem Logo in den Katakomben der Rampe für unsere VIP-Galerie und das übliche Treiben am dicht belagerten Merchandise-Stand, an dem die vier Kultrocker gut gelaunt und lebensnah für Small-Talk, Unterschriften und Bilder, ihren Fans zur Verfügung standen.

Insgesamt ein toller, stimmungsvoller Konzertauftakt des Jahres 2018 mit Rhino Bucket in Krefelds kultiger proppevoller Kulturrampe. Direkt die richtige Band, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort – das müsste doch ein wahrlich gutes Omen für die laufende Saison sein!

Line-up:
Georg Dolivo (lead vocals, electric guitar)
Brian Forsythe (electric guitar, vocals)
Reeve Downes (bass, vocals)
Dave DuCey (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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The Electric Alley, 08.12.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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The Electric Alley bildeten gestern Abend für Gernot und mich, den Abschluss (sofern wir uns nicht noch für irgendetwas Ungeplantes spontan entscheiden sollten) eines intensiven Konzertjahres 2017, in dem wir alleine aus unserer lieb gewonnenen Kulturrampe satte 19 mal berichtet haben.

Nachdem ich am Montag bei Chantel McGregor aufgrund der ungeheuren Fülle an Aufgaben und dementsprechenden Belastungen in meinem richtigen Job, mal gepasst hatte, war die Präsenz beim Deutschland-Debüt, des sich im Portfolio von Teenage Head Music befindlichen Quartetts aus dem spanischen Cadiz, natürlich Pflicht, zumal es noch mal die Gelegenheit gab, sich von den vielen bekannten, ebenso Musikverrückten wie u. a. Manny Montana samt Ehefrau, KR-Ikone Mario Scholten (hatte angesichts des herrlichen Wetters großzügig den Vorzug im gemütlichen Outdoor-Bereich an der Kasse bekommen), Techniker Malte, SoS-Mitarbeiter Michael Segets und natürlich ‚Mr. Kulturrampe‘ Pille aus dem alten, noch bestehenden Jahr zu verabschieden (und bereits die ersten Pläne für 2018 zu schmieden).

Um die 60 Zuschauer sorgten für einen Erstaufritt der jetzt gerade nicht mega-mäßig bekannten Iberer für einen ordentlichen Rahmen, die auch für mich Neuland waren, da Gernot den Review zu ihrem immer noch aktuellen Album „Get Electrified!“ von 2015  geschrieben hatte.

Der unterhaltsame engagierte Gig, der sich stilistisch überwiegend im Bereich des melodischen Hard Rocks einordnen lässt, untermauerte im Prinzip Gernots verfasste Thesen, die Band samt ihres eigenständig kreierten Materials, in die Nähe der bekannten Interpreten des Genres wie Alice Cooper, Aerosmith, Bon Jovi oder Guns’n Roses zu rücken. Aus meiner Sicht könnte man durchaus auch noch Acts wie AC/DC, Black Crowes, House Of Lords, Little Caesar, etc. in den erweiterten Dunstkreis aufnehmen.

Und so spielten sich die vier Musiker, angeführt von Sänger und Gitarrist Jaime Moreno (dessen in Düsseldorf lebende Schwester zum Gig angereist war) mit viel Dampf (eröffnet wurde mit dem fetzigen „Up In Flames“) durch ausgewählte Tracks ihrer beiden Alben „Backward States Of Society“ und „Get Electrified!“. Lead Gitarrist Nando Perfumo glänzte mit vielen quirligen Soli auf seiner schwarzen Les Paul, der athletische Sergio Reyes Gamaza am Bass (einmal mit toller Gesangskurzeinlage) und Drummer Rafa Gonzales bildeten eine überaus kraftvolle Rhythmusfraktion.

Der Bezug zu unserem Magazin wurde durch das, mit einem integrierten „Can’t You See“-Intermezzo verzierte, southern rockige „Live While You’re Alive“ gewahrt, das aus meiner Sicht neben Stücken wie „Go Go Go“ (vielleicht der Song mit dem höchsten Wiedererkennugswert), den atmosphärischen Midtempotracks „Free My Soul“ (sehr emotional gesungen) und „Eagles Fly Solo“ (teils soulig, teils hymnisch), auch zu den Highlights des Hauptteils zählte.

Die stürmischen „Alley, Alley“-Rufe der begeisterten anwesenden Rampen-Besucher wurden mit zwei Zugaben, u. a. mit dem Titelstück des 2015er-Werkes „Get Electrified!“ angemessen zufriedengestellt. Insgesamt ein knackiger Abend mit The Electric Alley, der zum vorgezogenen Wochenausklang mal so richtig die Ohren durchgepustet hat.

Unser Dank nochmals an alle Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dass in solchen, mit viel Herzblut bedachten Locations wie der Kulturrampe, noch unzählige weitere niveauvolle musikalische Auflagen dieser Art folgen mögen. Man sieht sich im neuen Jahr bei Rhino Bucket!

Line Up:
Nando Perfumo – Lead Guitar, Background Vocals
Jaime Moreno – Lead Vocals, Electric Guitar
Sergio Reyes Gamaza – Bass, Background Vocals
Rafa Gonzales – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Chantel McGregor, 04.12.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Montags in der Kulturrampe lagen bisher die Prioritäten auf Blues Rock. Pünktlich um 20:30 Uhr betrat Chantel McGregor die Bühne in der mit etwa 80 Besuchern für einen Montag gut besuchten Kulturrampe. Da die 31jährige Britin, mehrfach von den British Blues Awards als beste Jungmusikerin, beste weibliche Stimme und Gitarrist des Jahres, preisgekrönt wurde, war ein eher blueslastiger Abend zu erwarten. Die ersten beiden Songs, „Not Here With Me“ und „Anaesthetise“ spielte sie alleine auf einer akustischen Gitarre eher in einem folkigen Stil, zum Teil einer Heather Nova auch stimmlich ähnelnd.

Zu „Inconsolable“ gesellten sich dann die beiden Mitstreiter Adam Speare am Bass und Ollie Goss an den Drums zu ihr, hielten sich aber zunächst sehr im Hintergrund. Die Zuschauer stellten sich auf einen eher ruhigen Abend ein und hörten entspannt den Protagonisten zu. Diese Ruhe wurde aber jäh unterbrochen, als Chantel während des Songs die akustische Gitarre gegen ihre elektrische Musicman tauschte und diesen mit einem ersten sehr melodischen Solo beendete.

Von nun an wurde es rockig und McGregor zeigte ihren Wandel hin zum Hardrock, der auch das aktuelle Album „Loose Control“ in weiten Teilen prägt. Mit „Southern Belle“ setzte sie einige Southern Rock-Akzente und nahm das Publikum, auch durch ihre sympathische, manchmal schelmische Bühnenpräsenz mit auf eine progressive hardrockende Reise. Es folgten noch „Like No Other“, „Caught Out“ und „Your Fever“ und knapp 50 Minuten vergingen wie im Flug, als der erste Set endete.

Nach einer etwa 20-minütigen Pause, in der sich die zum Teil mittanzenden Zuschauern mit Erfrischungsgetränken stärken konnten, ging es weiter. Die Pause tat auch McGregor gut, die, von meisten Zuschauer nicht bemerkt, mit einer Erkältung zu kämpfen hatte. Bei dem mit Vollgas gespielten „Burn Your Anger“ war eine stilistische  Nähe zu einer rockigen Melissa Etheridgezu erkennen. Mit „I’m Not Good For You“ wurde erstmals das Montagsmotto ‚Blues‘ aufgenommen und die Band legte einen schönen Song dieser Sorte hin, um mit „Fabulous“ wieder rockiger Klänge einzuschlagen.

Mit dem bisher unveröffentlichten „April“, einem Instrmental, folgte einer der Höhepunkte das Abends. Psychedelisch, inklusiv eines fast durchgehenden Solos in verschiedenen Geschwindigkeiten, wurden manche Zuhörer sichtbar in einen ekstatischen Zustand versetzt. Die folgenden „Killing Time“ und „Walk On Land“ kamen wieder sehr rockig rüber und wurden,wie jeder Song, mit Humor angekündigt, wo Chantel auch über sich selbst lachen konnte. So versprach sie, falls genügend Zugaben gefordert würden, sie diesen auch nachkommen würde.

Die erste dieser Sorte, „Take The Power“, zeigte, dem Titel gemäß, welche Power in der jungen McGregor steckt und nach etwa gespielten 90 Minuten, verließ die Band die Bühne unter dem tosenden Applaus, der noch Minuten anhielt. Eine sichtlich gerührte McGregor spielte als Rausschmeißer mit „Avin A Giraffe“ eine mitreißende Bluesnummer und ließ nun endgültig sichtlich zufriedene Besucher zurück, um wenige Minuten später am Merchandise-Stand, gut gelaunt wieder präsent zu sein.
Fazit: McGregor nutzte den letzten Auftritt der Tournee, um ihren neuen Longplayer „Loose Control“ in Krefeld vorzustellen, wobei die meisten Songs sich in den zwei Sets wiederfanden und noch rockiger und rauher daherkamen, als auf der Platte.

Sie zeigte ihre vielfältigen spielerischen Fähigkeiten und setzte mit gezielten Gitarrensolis immer wieder Akzente. Bemerkenswert war auch der Beginn des Konzertes, mit zweieinhalb ruhigen folkigen Nummern einzusteigen und dann gemäß des Albumtitels die „Kontrolle“ in zum Teil psychedelischen Sequenzen zu verlieren. Das Konzert hat auch schon Vorfreude, für das, fürs nächste Jahr angekündigte neue Album ausgelöst.

Die Besucher dieses Gigs werden mit Sicherheit beim nächsten Mal auch wieder dabei sein. Positiv anzumerken ist, dass die Rampe trotz Wochenbeginns gut gefüllt war, was wieder einmal ein Zeichen dafür war, dass gute Livemusik immer sein Publikum findet. Gefreut hat es mich auch für Pille und sein Team, dass das Risiko der Montagsreihe, sich langsam auszuzahlen scheint und von den Rockfans aus Krefeld und Umgebung angenommen wird.

Line-up:
Chantel McGregor (lead vocals, electric guitar)
Adam Speare (bass)
Ollie Goss (drums)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Chantel McGregor
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Kulturrampe Krefeld

Minor Cabinet – 10.11.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Heimspiel für die Krefelder Band Minor Cabinet in der heimeligen Kulturrampe bedeutet, wie zu erwarten, ein ausverkauftes Haus, was auch dem Betreiber Pille Peerlings sichtlich gut tat. Dies ist insbesondere deshalb positiv hervorzuheben, weil die Songs der Band, bis auf wenige Ausnahmen, aus der eigenen Feder stammen und nicht der momentane Boom der Coverbands bedient wurde, welche meist, unabhängig von der Qualität, für recht volle Hütten sorgen.

Pünktlich gegen 21:00 Uhr betraten Minor Cabinet die Bühne, um sich mit dem bluesigen „Daybreaker“ warm zu spielen. Direkt darauf folgte mit „Fly Into The Sun“ einer meiner Favoriten. Der Song ist ein Beweis, warum das letzte Album, der Kategorie Blues zugeordnet wurde. Enthalten war ein ganz starker, variantenreicher Gesang des Fronters Jasny, mit kurzen, Cocker-ähnlichen Schreieinlagen und starkem Sologitarrenspiel des neuen Leadgitarristen Robert Kaber, der die Lücke, die Clemens Bombien hinterließ, nahtlos schließen konnte. Sein Spiel hauchte den Songs einen stärkeren psychedelischen Touch ein.

Dies wurde spätestens bei „Waiting For The Morning Light“, einem der neuen bisher nicht veröffentlichten Tracks deutlich, wo auch Christian Peitz an den Keyboards, mit Doors-ähnlichen Klangteppichen, starke Akzente setzen konnte. Es folgten nun einige Songs, deren Tauglichkeit live überprüft werden konnte und die ungeteilt positiv vom Publikum aufgenommen wurden. Wenn diese Prototypen im Studio auf der fürs nächste Jahr angekündigten neuen Scheibe ihren Feinschliff erhalten, können sich die Minor Cabinet-Fans auf einen großen Nachfolger von „Black Ink On White Sheets“ freuen, der rockiger, psychedelischer daherkommen wird und vermutlich die Fangemeinde vergrößern müsste.

Im Folgenden wurden einige ältere Stücke präsentiert, bis es ungefähr zur Hälfte des Konzertes einen ersten emotionalen Höhepunkt gab. Mit „Mary Jane’s Last Dance“ und „Fee Fallin’“ spielten Minor Cabinet zwei Coverversion zu Ehren des leider viel zu früh verstorbenen Tom Petty. Dabei gelang es ihnen, das Flair der Gospelsongs wiederzugeben, ohne ihren eigenen Stil zu verlieren. Ganz stark das Gitarrensolo am Ende von „Mary Jane“ und die Fähigkeit von Jasny bei „Free Fallin“ das Publikum gekonnt zu inspirieren, bei den Gesangspassagen im Hintergrund zu unterstützen.

Nach einer ganz starken Version des Avicii-Covers „Addicted To You“ kamen die Minuten des Roman Dönicke, der sich für einige Minuten an seinen Drums austoben konnte, während der Rest der Band eine Pause einlegte. Dabei war die variantenreiche Spielart zu erkennen, die sich durch das ganze Konzert zog und sich auch darin widerspiegelte, dass er je nach Art der Lieder, Teile seiner Drums austauschte. Gemeinsam mit Roman am Schlagzeug, legte Paul Krobbach mit seinem Bassspiel, die rhythmische Basis für die drei anderen Mitstreiter, die mit Gitarren- und Keyboardsoli,  in fast allen Stücken, einprägende Nuancen setzen konnten.

Nach zwei neuen Songs „End Of Our Days“ und „Because You Are“ verabschiedeten sich die fünf Musiker, um nach kurzer Zeit für die Zugaben, nochmals auf die Bühne zu kommen. Mit „Secrets“ das von der Melodie her, in Richtung „All Along The Watchtower“ von Bob Dylan ging, spielten Minor Cabinet, den für mich stärksten Song, in dem das E-Gitarrensolo, dann eher zu Jimi Hendrix ausschlug. Nach dem eher raueren Vorsong, folgte das fast acapella-artig vorgetragene „Stationary“. Jasny begleitete an der akustischen Gitarre und der Rest der Band begab sich mitten ins Publikum, was für sie in emotionaler Hinsicht, vermutlich der Höhepunkt des Abends war.

Mit „Devotion“ verabschiedete sich das Quintett dann mit einer rockigen, psychedelischen Nummer vom Publikum. Man darf jetzt schon auf das neue Album gespannt sein, wobei der gestrige Abend gezeigt hat, dass Minor Cabinet eher eine absolute Liveband sind.  Mit dezenten Variationen zu den Studiosongs gelingt es ihnen meist, diesen auf der Bühne ein rockigeres Flair zu verpassen und durch ihre Spielfreude und Präsenz, die nicht nur auf den Fronter Jasny zutrifft, ihr Publikum mitzureißen. Sie haben auf jedem Fall schon das Release-Konzert für die neue Scheibe im nächsten Jahr avisiert, also unbedingt auf die Konzertankündigungen der Rampe achten.

Line-up:
Julian Jasny (lead vocals, guitars)
Robert Kaber (electric guitar)
Paul Krobbach (bass)
Roman Dönicke (drums)
Christian Peitz (keys)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Hannah Wicklund & The Steppin Stones, 02.11.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Die gerade mal knapp 21 Lenze zählende Hannah Wicklund gilt derzeit als eines der großen, kommenden Talente, was E-Gitarren-lastige (Blues) Rockmusik angeht.

Im Schlepptau unserer geschätzten Teenage Head Music-Freunde gab sie erstmals mit ihren Steppin Stones (Michael Comeaux und Michael Matthews) in der urigen Krefelder Kultstätte, der Kulturrampe, ihre Visitenkarte ab.

Die Besucher ließen KR-Chef ‚Pille‘ Peerlings im Vorverkauf zunächst ’schmoren‘, der durfte sich dann aber bei seiner Ansage des Trios, letztendlich über ca. gut 80 Anwesende freuen, was einer fast vollen Rampe, mit noch etwas angenehmer Bewegungsfreiheit, entspricht.

Das mittlerweile in Nashville ansässige Leichtgewicht mit den langmähnigen Engelslocken, ließ dann direkt mal beim eröffnenden Instrumental-Jam sofort die flinken Finger über ihr Saitengerät fliegen. Die adrigen Gelenke ihrer Hände offerierten bereits ein etliches Maß an intensiver Übung, Grundvoraussetzung, um sich in diesem breitgefächerten Metier an Meistern und Könnern, seinen kommenden Platz erfolgsträchtig zu erarbeiten.

Mit dem krachenden Stampfer „Bomb Through The Breeze“ gab Hannah eine erste Kostprobe aus ihrem für Januar 2018 anvisierten neuen Album. Aus den bereits bestehenden Steppin Stones-Alben servierte sie das shufflige  Titelstück „Looking Glass“ von 2013 sowie „False And Hollow“ (schöne Tempowechsel) sowie das mich ein wenig an Pat Travers erinnernde „Friends In The Dark“, jeweils aus 2015.

Mein Stück des Abends war der melodische Schwofer „Strawberry Moon“, einer der wenigen Momente zum Durchatmen in einem ansonsten furios abgehenden Programm, wie auch das von ihr solo performte „Shadow Boxes“.

Die erste Zugabe „Mama Said“ nutze sie zur Vorstellung der beiden Mitstreiter (mit Kurz-Soli), als auch zum Einsatz der durch Jeff Beck („Live In Japan“) und Peter Frampton auf seinem „Comes Alive“ zur Berühmtheit gelangten Talk Box, einem Schlauch, der quasi Gesang und E-Gitarre effektiv miteinander vermischt.

Mit den beiden Neil Young-Covern „Ohio“ (tolle, rassig rockige Version im Hauptteil mit mehrfachen, starken E-Gitarren-Soli) und der zweiten Zugabe „Rockin‘ In The Free World“ (wieder mit Talk Box-Einsatz) machte sie sowohl das begeisterte Publikum als auch Kollegen Gernot zu  glühenden Verehrern ihrer Spielkunst.

Hannah Wicklund und ihre Steppin Stones erfüllten in Krefeld die hohen Erwartungen im Vorfeld mit einer frischen, unverbrauchten, vielleicht noch ein wenig ungestümen und gesanglich auch noch nicht ganz perfekten Vorstellung.

Aber für ihr junges Alter war das schon ein klasse Auftritt bei ihrer Debüt-Tour hier in Europa. Beim nächsten Mal in der Kulturrampe wird man nicht drum herum kommen, sich Karten ganz frühzeitig zu besorgen, da ist ein ausverkauftes Haus sicherlich garantiert. Diesem kleinen weiblichen, aus South Carolina stammenden Wirbelwind, gehört ganz sicher die Zukunft!

Line-up:
Hannah Wicklund (lead vocals, electric guitar)
Michael Comeaux (bass)
Michael Matthews (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Ted Z And The Wranglers, 20.10.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Als eine der letzten Stationen ihrer ersten Europatournee machten Ted Z And The Wranglers in Krefeld halt. Bevor es bald zurück nach Costa Mesa, Kalifornien, geht, heizte die Truppe die Kulturrampe mit ihrem Qutlaw-Country mächtig auf. „Pille“ Peerlings versprach bei der Ankündigung der Band einen begeisternden Abend und behielt damit Recht. Unterbrochen von einer kurzen Pause präsentierte die Band zwei Sets, die es in sich hatten.

Das neue „Guest On Sunday Morning“ eröffnete den Abend. Danach folgte mit „Tightrope“ ein starkes Stück von dem ersten Longplayer „My Blood´s Still Red“ (2013), das von der Struktur und dem Gesang an Green On Red erinnert. Der langsamen Ballade „San Antoine“ steuerten Rachel Perry und Bassist Trevor Walton den Harmoniegesang bei. Bereits hier deutete sich die Extraklasse des Gitarristen Harrison Moore an. Der junge Mann, der mit seiner Baseball-Kappe direkt einem Manga entsprungen zu sein schien, überzeugte während des gesamten Konzerts mit seiner Fingerfertigkeit in allen Bereichen: ob beim Slide-Spiel, beim Picking oder bei rockigen Riffs. Wenn es Gerechtigkeit im Musikbusiness gäbe, müsste er zu einem der ganz Großen werden.

Ein Höhepunkt des ersten Sets war „Like A King“, Titelstück der zweiten EP der Band aus dem Jahr 2014. Der schnelle, staubtrockene Country-Song mit dem von Ted Z genölten Refrain ging direkt ins Tanzbein. „Lovin Blues“ rollte mit schönen Picking-Einlagen hinterher. Anschließend widmete Ted Z mit „Wiskey“ seinem Lieblingsgetränk einen Song. Während des Slide-Gitarrensolos von Harrison Moore brachte der Frontmann mit Stampfeinlagen ausdrucksstark Bewegung auf die Bühne. Bei „Cornerstore“ ergänzten sich die beiden elektrischen Gitarren von Rachel Perry und des Lead-Gitarristen prima. Die weibliche Stimme in den Harmoniegesängen wertet viele Songs nochmal auf. Besonders gelungen war der mehrstimmige Einstieg in „Johnny“, in dem ein tragischer Konflikt zweier Brüder thematisiert wird. Beim wunderschönen „Go Find Your Heaven“ stimmte dann auch – aufgemuntert durch Ted Z – das Publikum in den Refrain ein.

Tiefe Gitarrenklänge bereiteten das rockige „Setting Sun“ vor. Während „Bottles And Barrooms“ zum Schunkeln einlud, setzte „Kansas“ mit stampfendem Sound, abwechselndem Spiel der E-Gitarren und einer Lichtshow mit allem, was die Rampe hergibt, ein Ausrufezeichen zum Ende des ersten Sets.

Das zweite Set war insgesamt temporeicher angelegt. Mit schönem Slide-Intro nahm „Joseph Radcliff“ die Fahrt wieder auf. „Postcard“ setzte sie ungebrochen fort. Nach „Hold On“, das Erinnerungen an Tom Pettys „Wildflowers“-Album aufflackern ließ, folgte das langsame und bislang unveröffentlichte „Desiree“. Zu meinen Favoriten im Repertoire von Ted Z zählt „Shoot Em Up“, das Assoziationen zu Jason Ringenberg weckt. Harrison Moore zeigte hier wieder seine genialen Fähigkeiten an der Gitarre – diesmal mit härteren Riffs.

Das wehmütige „Ghost Train“ von der gleichnamigen CD (2015) wurde von Thor Fay am Schlagzeug und seiner Percussion treffend untermalt. Bei dem kraftvollen Rocker „Southland“ legte Ted Z einige Shuffle-Schritte aufs Parket. Das langsame Duett mit Rachel Perry „Sweet Loretta“ gönnte dem Publikum eine kurze Verschnaufpause, bevor mit „Rambler“ wieder Bewegung in die Menge kam. Der Song „Virginia“ – mit gelungenem Harmoniegesang – steigerte seine Geschwindigkeit und bereitete so auf den Boogie „Ball and Chain“ vor. Während des abschließenden Songs erfolgte die Vorstellung der Band.

Die Zuhörer bedachten die Musiker mit langem Applaus, sodass die Band als Zugabe noch „Trouble“ spielten. Zuvor vergewisserte sich Ted Z aber, dass keine Kinder im Saal anwesend waren, da der Text des Liedes nicht ganz jugendfrei ist. Ted lobte das Publikum als „bestes“ aufgrund von zwei Umständen: Die Leute würden so gut aussehen und vor allem seien sie zum Konzert gekommen.

Der freundliche und charismatische Ted Zakka hat neben Rachel Perry drei Wrangler zusammengetrieben, die trotz ihres jugendlichen Alters den Auftritt professionell gemeistert haben. Besonders hervorzuheben ist Gitarrist Harrison Moore, der mit seinem Spiel nicht nur mich, sondern auch Daniel und Gernot, die nun ja wirklich schon viele Virtuosen gesehen haben, zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Der abwechslungsreiche Auftritt von Ted Z And The Wranglers hat meine Erwartungen übertroffen. Wenn überhaupt etwas zu optimieren ist, dann hätte im ersten Set die eine oder andere Uptempo-Nummer eingestreut werden können. Wirklich vermisst habe ich nur „Afraid Of Dying“, das gefühlvolle Titelstück der ersten EP, die mittlerweile ausverkauft ist.

Line-up:
Ted Zakka (vocals, acoustic guitar)
Rachel Perry (electric guitar, vocals)
Harrison Moore (electric and slide guitar)
Trevor Walton (bass, vocals)
Thor Fay (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Ted Z And The Wranglers
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Hogjaw, 13.10.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Hog_Haupt

Nach dem, so ein wenig noch im Fahrwasser der guten alten klassischen Southern Rock-Zeiten schwimmenden Gig von Skinny Molly am letzten Wochenende, gab es gestern mit Hogjaw einen Abend aus der Abteilung ‚bedingungslose Attacke‘.

Die Band aus Arizona mit ihrem wuchtigen rauschebärtigen Frontmann Jonboat Jones (so in etwa stellt man sich einen typischen Holzfäller vor), Zweitgitarrist Jimmy Rose, dem agilen Derwisch am Bass, Evis DD, und Powertrommler J. ‚Kwall‘ Kowalski, hat sich im Laufe der letzten Jahre hier bei uns eine stetig wachsende Fangemeinde erarbeitet und so durfte sich Kulturrampenchef Pille Peerlings nach einer kleinen Durststrecke in den letzten Wochen, was die Besucherzahlen anging, endlich wieder über ein ausverkauftes Haus freuen.

Im Fokus stand an diesem Abend Hogjaws neues Album „Way Down Yonder“, das vom sehr selbstbewusst auftretenden Quartett natürlich auch ordentlich abgegrast wurde.

Zum Auftakt gab es direkt ein heftiges ‚Brett‘ mit ihrem dafür prädestinierten Opener „Rollin‘ Thunder“,  gefolgt von „Beast Of Burdon (Roll On)“, „Brown Water“ und „Where Have You Gone“.

Für mich ein Highlight des ersten Sets war „North County Way“. Zu meiner großen Überraschung erwies sich hier Jimmy Rose mit einer starken Lead vocals-Performance als ernst zu nehmende Ergänzung/Alternative zu Jonboats insgesamt doch immer sehr hölzern und monoton rüberkommenden, allerdings zum Sound der Band ganz gut passenden, Gesang.

Über „Am I Wrong“, „Build My Pride“,“Back Home Today“ wurde die Pause mit dem grandios gespielten „County Line“ (hier war wirklich alles drin, von Soli, über Twins bis zum obligatorischen langen Finish, was das Southern Rock-Gitarrenherz begehrt) anvisiert. Danach brauchte man dann auch ein kühles Bier!

Die zweite Phase wurde dann mit dem für Hogjaw-Verhältnisse recht ruhigen „The Fog“ begonnen. Aber Tracks wie „Never Surrender“ und „Hells Half“ bliesen dann sofort wieder zum Angriff. Das swampig stampfende Titelstück ihres neuen Werkes „Way Down Yonder“ (toller Song) war beste Absatz-Werbung zum Verkauf des Silberlings.

„Road Of Fools“ (gesungen von Drummer ‚Kwall‘, der insgesamt, vom seinem stetig krachenden Spiel her, fast besser in eine Heavy Metal-Truppe passen würde; etwas mehr Sensibilität würde zum Teil hier dem Sound der Band ganz gut tun), das bärenstarke, episch umwehte „I Will Remain“ und das zu dritt gesungene, überlaut ausgesteuerte, „Redemption“ (war schon grenzwertig, mein linkes Ohr dröhnt jetzt noch) läuteten die ganz heiße Endphase des Gigs ein.

Ihr berühmt berüchtigtes „Gitsum“ (das Video zu kennen, ist vermutlich bei jedem Einstellungsgespräch bei Heckler & Koch oder SIG Sauer ein existenzielles Muss – da verballern die schießwütigen Bandmitglieder in knapp 5 Minuten mit sämtlich erdenklichem Waffen-Arsenal mehr Munition, als ich, während meiner elf Monate in der Sportkompanie). Glück für Pille, dass während der obligatorischen Harmonieparts, nicht noch in die Decke der Rampe geschossen wurde…

Mit „This Whiskey“ von ihrem Debütwerk „Devil In The Details“ gab es dann zum Abschluss des Hauptteils noch mal fulminanten Southern Rock in bester Skynyrd-Tradition. Die frenetisch geforderten Zugaben wurden mit dem rhythmisch rockenden „Fire, Fuel & Air“ sowie dem atmosphärisch servierten „Blacktop“ bestens gekontert.

Fazit: Hogjaw erobern mit authentisch und dynamisch performten Southern Rock die Herzen der Anhänger und und untermauern ihren Status als einer der ‚Rising Acts‘ im Genre.

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Hogjaw
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Jive Mother Mary, 16.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

JMM_Haupt

Nach Robert Jon & The Wreck im August präsentierten „Pille“ Peerlings und Teenage Head Musik mit Jive Mother Mary eine weitere hochkarätige Southern-Rock-Band in der Krefelder Kulturrampe. Frontmann Mason Keck und seine drei Mitstreiter zogen das Publikum von Beginn an in ihren Bann.

Der Titel „Feeling Fine“, mit dem die Band aus Alamance, North Carolina, loslegte, war zugleich Programm für die nächsten hundert Minuten. Die Begeisterung, mit der Jive Mother Mary den Auftritt bestritten, schwappte direkt auf die Gäste der Kulturrampe über. Dass mit „Long Odds“ und „Burning Up The Highway“ zwei bislang unveröffentlichte Songs auf den Opener folgten, ist zwar ungewöhnlich, tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Beim zweitgenannten übernahm Gitarrist Tyler Schulz anfänglich die lead vocals. Keck und Schulz legten sich anschließend bei „Down South Manifesto“ mit zweistimmigem Gesang und Twin-Gitarren mächtig in Zeug.

Perfekt eingespielt und voller Elan jamte die Band „Have A Cigar“. Die beiden Gründungsmitglieder Mason Keck und Schlagzeuger Seth Aldridge verstehen sich blind, was bei ihren Langhaarfrisuren sehr vorteilhaft ist. Bassist Will Sanders war nicht nur hier, sondern während des gesamten Konzerts in ständiger Bewegung und auch Tyler Schulz arbeitete kräftig, wie sein durchgeschwitztes T-Shirt bewies. Schön war, dass Sänger und Gitarrist Mason Keck immer wieder Kontakt zum Publikum aufbaute und auch physisch die Nähe zu ihm suchte. So stellte er sich bei seinen Gitarrensoli oft an den Bühnenrand und stieg auch zweimal von ihm herunter, sodass man sein filigranes Wirken unmittelbar beobachten konnte.

Einen ersten Höhepunkt erreichte das Konzert bei dem Rockstück „Outta Love“ von dem Album „All Fall Down“ (2009). Das folgende „I Tried To Let Go“, das Keck als „Southern Rock ’n Roll” bezeichnet, ließ den satten Klang des Schlagzeugs von Aldridge besonders gut zur Geltung kommen. Nach dem ruhigeren Song „The Ride“ kochte die Stimmung des Publikums bei dem kraftvollen „Move On Home“. Die aufgenommene Fahrt wurde durch das countryfizierte „Hollywood“ etwas abgebremst. Man hätte auch mit dem tanzbaren und melodischen Rocker „Save Me“ den Schwung direkt mitnehmen können. Hier spielte Mason Keck zunächst souverän mit einer gerissen Saite weiter, um dann doch noch auf seine zweite Gitarre umzusteigen.

Mit „Planes, Trains & Automobiles“, „Ba Dum“ und dem Eagles-inspirierten „Great Decline“ steuerte das Konzert auf sein Ende zu. Den Abschluss des Hauptsets bildete „Home“. Bei dem grandiosen Song setzt die Gitarre von Schulz gelungene Akzente in das Spiel von Keck, der zudem bewies, dass er auch in höheren Tonlagen gesanglich sicher unterwegs ist. Wenn darüber hinaus der Titel gemeinsam von den Bandmitgliedern in die Mikros gerufen wird, entwickelt der Song eine ungeheure Wucht. Eine Textzeile lautet wie die letzten EP: „Home Is Where Your Heart Is“.

Die Jungs von Jive Mother Mary spielen mit so viel Leidenschaft, dass sie auf der Bühne zuhause sein müssen! Die Band zählt in ihrer Heimat North Carolina zu den anerkanntesten Live-Acts und konnte in Krefeld beweisen, dass dieser Status berechtigt ist. Die Live-Versionen der Stücke haben mich zumeist mehr überzeugt, als die mir bekannten Studio-Aufnahmen.

„The Climb“ und das sofort wiederzuerkennende „Keep On Keepin‘ On“ stellten die erste Zugabe dar. Damit hatten die Amerikaner alle Tracks der letzten beiden EPs im Programm. Da das Publikum die Band noch nicht gehen lassen wollte, gab sie als spontane Zweit-Zugabe „I Can Still Be Your Man“. Der ältere Song, war wohl zeitweise in Vergessenheit geraten und wurde nun erstmals live performt.

Jive Mother Mary liefern Southern Rock auf hohem Niveau. In Erinnerung bleibt vor allem das virtuose Gitarrenspiel von Mason Keck, begleitet von seiner eindrucksvollen Mimik. Dabei hatten seine Instrumental-Einlagen genau das richtige Maß. Sie waren ausgedehnt, aber nicht so lang, dass die Grundanlage der Songs in den Hintergrund getreten wäre.

Nach Daniels fast überschwänglichem Lob der niederländischen Konzertkultur anlässlich des vortägigen Auftritts von Sass Jordan wollte ich heute eigentlich einen Hinweis auf die treue Fan-Basis der Kulturrampe einbauen. Allerdings fehlten viele der üblichen Verdächtigen. Zum Glück haben einige neue Liebhaber von guter Live-Musik den Weg zum Krefelder Großmarkt gefunden.

Jive Mother Mary und die unverzagten Veranstalter hätten ein volleres Haus verdient gehabt. Vielleicht hat der Umstand, dass dies die erste Deutschlandtour der Band ist – oder die verhältnismäßig geringe Anzahl an (aktuellen) Veröffentlichungen – dies verhindert. Die Band zeigte sich aber begeistert von Publikum und der Location. Schlagzeuger Seth Aldridge kündigte an, bald mit einer neuen CD im Gepäck zurückzukommen. Das wäre dann eine zweite Chance – die wirklich jeder nutzen sollte – um Jive Mother Mary live zu erleben.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
William Sanders (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Michael Segets

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