Grant-Lee Phillips – Widdershins – CD-Review

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Review: Michael Segets

Seit dreißig Jahren veröffentlicht Bryan G. Phillips regelmäßig Longplayer: zunächst mit seiner Band Shiva Burlesque, dann in den neunziger Jahren mit Grant Lee Buffalo und schließlich ab der Jahrtausendwende als Solokünstler unter dem Namen Grant-Lee Phillips. Sein neuntes Soloprojekt trägt den Titel „Widdershins“. Der mittlerweile in Tennessee lebende Kalifornier bewegt sich mit seiner aktuellen Veröffentlichung im Vergleich zu den vorangegangenen Alben stärker in Richtung Roots Rock.

Phillips überrascht gerne musikalisch und inhaltlich. Eingängige Melodien erhalten Brüche und bissige Texte werden in harmlos klingende Songs verpackt. Die CD kann man zwar auch nebenher hören, dann entgeht einem aber die Aussage der sozialkritischen Songs. „Unruly Mobs“ mit schön dreckiger Gitarre thematisiert beispielsweise die Verführbarkeit der Massen. „Liberation“ stellt fest, dass die Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Dabei laden die Trommelwirbel eigentlich zum unreflektierten Mitmarschieren ein. Einen Kontrast zum locker rollenden Rhythmus und dem sanften Gesang bildet die Charakterisierung der miesen Ausbeuterin „Miss Betsy“, die Profit aus Kinderarbeit zieht. Bei dem Song unternimmt Phillips einen Ausflug in den Alternative Country.

Die Tracks bewegen sich insgesamt eher im mittleren Tempobereich. „Scared Stiff“ mit pochendem Schlagzeug sowie abwechslungsreicher Gitarrenarbeit von Phillips, der hier zudem eine starke Vibration in seine Stimme legt, ist der aggressivste Song auf der Scheibe. Auch „Walk In Circles“ und „The Wilderness“ weichen im Tempo nach oben ab. Die beiden gradlinig gespielten Rocktitel sind erdig produziert und gehen direkt ins Ohr. Für den nötigen Druck sorgt die Rhythmus-Section mit Jerry Roe am Schlagzeug und Lex Price am Bass. Zum rauen Charme der Songs hat wahrscheinlich auch der Umstand beigetragen, dass das Album live im Studio eingespielt wurde.

Der wiederholt heraus gepresste Refrain, begleitet von energischen Einschlägen auf das Fell der Drums, bleibt bei „Something´s Gotta Give“ im Gedächtnis. Gelungen ist auch „Great Accelation“ mit dominanter, manchmal leicht verzerrter Gitarre. Bei den anderen Stücken fallen die Backgroundstimmen auf, die den streckenweise betont harmonischen Gesang von Phillips begleiten. Nach Aussage von Phillips wollte er bei „Totally You Gunslinger“ einen Sound zwischen Roy Orbison und The Smith erzeugen. Tendenziell hat sich Roy Orbison durchgesetzt. Auf der gefühlvollen Ballade „History Has Their Number“ funktioniert das gut. Zu schwülstig erscheint mir hingegen „King Of Catastrophes“ und das bemühte „Another, Another, Then Boom“. Die Grenze zwischen Gefühl und Schmalz mag aber jeder selbst ziehen und ist vielleicht auch von der Tagesform des Hörers abhängig.

In der Gesamtschau legt Grant-Lee Phillips mit „Widdershins“ ein Werk vor, das musikalisch abwechslungsreicher als die Vorgängeralben ist. Er zeigt eine rockige Seite, die ihm hervorragend steht, und die einzelnen Anleihen beim Country wirken frisch. Bei den getragen Songs spielt Phillips seine Stärke als Sänger aus, wobei nicht alle Titel überzeugen. Die Texte sind inhaltsschwer und viele historische Bezüge gilt es zu entdecken. Trotz aller Sozialkritik scheinen doch ein bitterer Humor und sogar eine Prise Optimismus durch. Für „Widdershins“ sollte man sich Zeit nehmen und in die Weltsicht von Phillips eintauchen, denn seine Musik ist sicherlich ein guter Weg, mit den Trübnissen der Welt umzugehen.

YEP ROC/H’art (2018)
Stil: Roots Rock/Americana

01. Walk In Circles
02. Unruly Mobs
03. King Of Catastrophes
04. Something´s Gotta Give
05. Scared Stiff
06. Miss Betsy
07. The Wilderness
08. Another, Another, Then Boom
09. Totally You Gunslinger
10. History Has Their Number
11. Great Acceleration
12. Liberation

Grant-Lee Phillips
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Hardpan – Same – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In seiner 2016 veröffentlichten Autobiographie „Born To Run“ schrieb die Heatland Rock Legende Bruce Springsteen: Demokratie in einer Band sei eine tickende Zeitbombe. Diese Prognose kann man für Hardpan nicht unbedingt aufstellen. Die vier begnadeten Singer/Songwriter aus den USA haben nach 16 Jahren ihr zweites Studioalbum aufgenommen und zeigen vor allem: Demokratie in einer Band funktioniert! 12 Songs sind auf dem Album zu finden, von jedem Bandmitglied wurden 3 Songs beigesteuert und von dieser Aufgabenteilung lebt das Album!

Beim ersten Listening entstehen sofort Erinnerungen an CSN&Y und der Vergleich mit der „Supergroup“ aus den 60er Jahren ist nicht zu weit hergeholt. Damals hießen die Protagonisten: David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash und Neil Young. Jetzt heißen sie: Todd Thibaud, Chris Burroughs, Terry Lee Hale und Joseph Parson. Alle sind auch als Solokünstler bereits seit mehreren Jahrzehnten aktiv und haben ihre Musikerfahrung erneut hervorragend vereinigt.

„Can’t Keep Up“, aus der Feder von Todd Thibaud, ist ein eher mittelmäßiger Opener, mit hervorstechender Akustik-Gitarre und regelmäßigen E-Gitarren Akzenten. Aber mit dem beschwingten zweiten Stück „The Hands That Hold The Reins“ nimmt das Album dann erstklassig an Fahrt auf. „Long Tomorrows“ ist ein starker Strukturbruch, vom Soft Rock geht es hier eher in die Richtung Hank Williams und Country Roots Traditional. Das langsame und von düsterer Stimmung getragene „Dust Bowl“ findet seine Stärke im metaphorischen Songwriting von Joseph Parsons: „We drunk enough to sink this boat, bring me more wine“. Im wunderschönen und erfrischenden „Best I Can“ bringt Thibaud die musikalischen Wurzeln mal kurz auf den Punkt: „Spent a little time in Reno, working the bars and casinos. They like to hear „Folsom Prison Blues“, „King Of The Road“, „Blue Suede Shoes“.

Die Lieder sind minimal instrumentalisiert, kommen ohne wuchtigen Drumbeat aus und zeichnen sich vor allem durch den mehrstimmigen Gesang aus. Das unbeschwerte, von Akustik-Gitarre dominierte „Lighthouse“, spielt in den Lyrics wieder mit wirkungsvollen Landschaftsbildern. Auf „Miracle Cure“ kommt eine vertraute „Heart Of Gold“ Mundharmonika zum Einsatz. Das sparsame aber stimmungsvoll effektive „This Place And Time“ geht über in das 7-Minuten Stück „Dangling“, das seine schönste Stelle hat, als eine kurze Mundharmonikauntermalung beginnt. Damit hätten in einigen anderen Songs auch noch gute Akzente gesetzt werden können. Diese kritische Anmerkung ändert letzten Endes aber nichts am tollen Gesamteindruck des Albums.

Was CSN&Y so einzigartig machte, war der Country-Folk-Rock Sound, begleitet vom begeisternden, mehrstimmigen Gesang, gepaart mit exzellentem Songwriting. Und genau das findet sich auch alles auf diesem Longplayer wieder. Eingängige Lieder und tiefsinnige, auf die Sprache fokussierte Tracks erschaffen hier ein musikalisch abwechslungsreiches und von hoher Qualität geprägtes Album. Wer CSN&Y gut findet, wird dieses Album lieben!

Blue Rose Records (2017)
Stil: Americana, Folk-Rock, Country-Rock

01. Can’t Keep Up
02. The Hand That Holds The Reins
03. Long Tomorrows
04. Dust Bowl
05. Best I Can
06. Lighthouse
07. Bombast
08. Miracle Cure
09. Can’t Have It All
10. One Clear Thought
11. This Place And Time
12. Dangling

Hardpan
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Blue Rose Records

Charlie Parr – 06.02.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Parr-Haupt

‚Pille‘ Peerlings, der Chef der Krefelder Kulturrampe, hat 2018 die neue Konzertreihe „Caesar’s Pallets“ ins Leben gerufen. Im „Bluebird Cafe“ (BBC) werden dienstags akustisch gehaltene Liveauftritte präsentiert, bei denen vor allem Newcomern eine Bühne geboten wird. Nach dem Gastspiel des gut aufgelegten Dortmunders Edy Edwards lud das BBC zum ersten „Special“ mit dem alten Hasen Charlie Parr aus Minnesota ein.

Der im Qualitätsjahrgang 1967 geborene Singer/Songwriter hatte seine neue CD „Dog“ im Gepäck. Eine Auswahl der stärksten Stücke seines sechzehnten Album streute Parr in die beiden Sets des Abends ein. Neben dem eingängigen Titelsong „Dog“ durfte das grandiose „Hobo“ natürlich nicht fehlen. Ebenfalls begeistert vom Publikum aufgenommen wurden „I Ain’t Dead Yet“ und das swingende „Boiling Down Silas“. Den Geist New Orleans atmete die Liveversion von „LowDown“ – trotz der reduzierten Instrumentierung – ebenso deutlich wie auf dem Longplayer.

Parr beeindruckte mit den Klangvariationen, die er seiner akustischen 12-String-Guitar entlockte. Slide-Passagen, so bei „Remember Me If I Forget“, und feines Picking, wie bei „Last Day“ wechselten sich ab oder wurden bei „True Friends“ gekonnt kombiniert. Nicht nur hinsichtlich der Gitarrenarbeit zog Parr alle Register, auch mit den stilistischen Elementen zwischen Folk, Blues und Country zeigte er die Bandbreite seiner älteren Kompositionen.

Er spielte mit einem augenzwinkernden Kommentar zu Bob Dylan „Cheap Wine“, das Blues-getränkte „Too Much Liquor, Not Enough Gasoline“, seinen bislang größten Erfolg „1922 Blues“ und die stampfende Country-Nummer „Rocky Raccoon“. Seine besondere Vorliebe zu Hunden schien erneut bei „Old Dog Blue“ durch.

Neben den Eigenkompositionen unternahm Parr eine Zeitreise durch die Geschichte des Folks mit seinen unterschiedlichen Variationen. So spielte er „My Grandfathers Clock“ und „Ragged And Dirty“, das von William Brown stammt. Die Auswahl der Songs trifft Parr auf seinen Konzerten spontan. Er lässt sich von Stimmungen treiben oder wird getrieben. Wer kann das bei Künstlern schon sagen? Den krönenden Abschluss bildete eine A-Cappella-Zugabe von „Ain’t No Grave Gonna Hold My Body Down“. An Intensität übertraf Parr die bekannte Version von Johnny Cash bei weitem.

Das Publikum im vollen BBC verabschiedete Parr mit tosendem Applaus. Es erlebte einen introvertierten Musiker, dessen Humor in kurzen Anekdoten aufblitzte. In seinen Songs legt er hingegen seelische Abgründe offen. Manche sprachlichen Wendungen bleiben reduzierte Gedankensplitter, die zur Interpretation einladen. In bester Singer/Songwriter-Tradition erzählt Parr Geschichten, denen man gerne zuhört, da sie Situationen und Gefühle aufgreifen, die wohl jeder mal erlebt hat.

Vergänglichkeit und Tod, Freiheit und Einsamkeit sind in seinen Texten gegenwärtig. Aus seinen Lyrics spricht oftmals ein tiefes Mitgefühl für verlorene Seelen und eine rastlose, letztlich unvollendete, Sinnsuche. Charlie Parr stellt sich der Frage, welche Spuren man hinterlässt. Von dem Abend bleibt die Erinnerung an ein intimes Konzert und an die intensive Darbietung eines bescheiden auftretenden Menschen, der großartige Songs schreibt.

Das BBC ist eine tolle Idee und eine bessere Alternative zu einem Abend vor dem Fernseher, der schnell vergessen wird. Dass bei den Caesar’s-Pallets-Konzerten in der Regel auf einen festgesetzten Eintritt verzichtet wird und stattdessen ein Hut rumgeht, ist fair und lädt zu einem spontanen Besuch ein. Für den nächsten Termine im Februar sind das Duo Kassiopeia und Hello Luke angekündigt.

Line-Up:
Charlie Parr (vocals, guitar)

Bilder und Text: Michael Segets

Charlie Parr
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Kulturrampe Krefeld

Samantha Fish – Belle Of The West – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Samantha Fish, die wir erst vor einigen Tagen auch bei einem Konzert in Dortmund genießen konnten, ist wirklich eine beeindruckende, äußerst kreative Musikerin. Innerhalb eines Jahres legt sie nach „Chills & Fever“ mit „Belle Of The West“ nun schon das nächste Album vor. Und beide könnten unterschiedlicher nicht sein! Während sie auf „Chills & Fever‘ noch dem Soul und Rhythm and Blues huldigte, ist ihr neues Werk sehr ‚Americana‘-geprägt, mit Delta Blues-, Country- und Folk-Einflüssen. Dementsprechend stilecht hat sie ihr neues Werk auch in den renommierten Zebra Ranch Studios im Norden von Mississippi unter Mitwirkung von Luther Dickinson (North Mississippi Allstars) als Produzent eingespielt.

Zu hören gibt es insgesamt elf Tracks, von denen drei Songs keine Eigenkompositionen, sondern Coverstücke von R. L. Burnside („Poor Black Mattie“), Little Mae („Nearing Home“) und Jimbo Mathus („Belle Of The West“) sind. Alle Stücke haben ihrer Aussage zufolge einen sehr persönlichen Hintergrund, sie setzen sich in einer Mischung aus akustischen und elektronischen Sounds mit ihrer Herkunft aus dem mittleren Westen auseinander.

Zu allen Sounds liefert Ihre ausdrucksstarke, relaxte Stimme die passenden Emotionen. Die Instrumentierung der Stücke ist, Americana-typisch, mit Akustikgitarre, Violine, Flöte, Drums und teilweise Mundharmonika gestaltet. Bemerkenswert ist der rhythmische Opener „American Dream“, der ohne Umschweife sofort mit einer den Song beherrschenden Basstrommel loslegt. Das folgende „Blood In The Water“ hingegen ist wesentlich entspannter und kommt recht melodiös rüber.

Hervorzuheben ist auch Fishs Interpretation des countrybeeinflussten „Belle Of The West“. Das beste Stück des Albums ist aber zweifellos, zumindest nach dem Geschmack des Rezensenten, das swampig treibende „Poor Black Mattie“ mit Lightnin’ Malcolm. Aber auch die übrigen Songs grooven sehr schön, lediglich „Daughters“ ist etwas schwächer. Aber dies ist sichtlich auch seine Frage der Vorlieben des Hörers.

Insgesamt zeigt die CD die bisher unbekannten Seiten von Samantha Fishs musikalischen Qualitäten. Dabei überzeugt sie auch dank ihrer Fingerfertigkeit an der Akustikgitarre. Sie taucht mit ihrem Album tief in den Mississippi Blues ein und interpretiert ihn auf eine Herz erfrischende Art und Weise.

Line up:
Samantha Fish – Vocals, Guitar
Luther Dickinson – Guitar, Mandoolin
Lightnin’ Malcolm – Guitar, Harmonica, Vocals
Jimbo Mathus – Fender Rhodes, Harmonica, Vocals
Amy LaVere – Upright Bass, Vocals
Lilie Mae – Violin, Vocals
Tikyra Jackson – Drums, Vocals
Sharde Thomas – Fife, Drums, Vocals
Trina Raimey – Drums

Ruf Records (2017)
Stil: Blues/Americana

01. American Dream
02. Blood In The Winter
03. Need You More
04. Cowtown
05. Daughters
06. Don’t Say You Love Me
07. Belle Of The West
08. Poor Black Mattie
09. No Angels
10. Nearing Home
11. Gone For Good

Samantha Fish
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Ruf Records

Scott Miller – Ladies Auxiliary – CD-Review

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Review: Michael Segets

Als Sänger der V-Roys trat Scott Miller das erste Mal in Erscheinung. Steve Earle hatte die Roots-Rocker 1996 auf seinem Label unter Vertrag genommen und mit ihnen gemeinsam die EP „Johnny Too Bad” eingespielt. Nachdem sich die Truppe am Ende des Jahrhunderts nach zwei Studio-Alben und einer Live-Veröffentlichung auflöste, startete Miller eine Solo-Karriere, bis 2007 noch mit seiner Begleitband The Commonwealth. Musikalisch entwickelte er sich vom Roots Rock in Richtung Americana und Alternative Country. Nach vier Jahren Funkstille bringt Miller nun sein zehntes Solo-Projekt „Ladies Auxiliary“ raus. Mit dem Titel verbeugt er sich vor der Produzentin Anne McCue sowie den Musikerinnen, die ihn auf der Platte unterstützen.

Das Werk startet mit dem sanften Liebeslied „Epic Love“. Nach akustischem Anfang und Zwischenpassagen, erzeugt der Einsatz des Basses und später der des Schlagzeugs tolle Spannungsbögen. Nach dem schon sehr gelungen Einstieg legt „The River’s Yours/This Valley’s Mine“ an Intensität noch eine Schippe drauf. Der erdige Sound der akustischen Gitarre in Verbindung mit der wimmernden Geige von Rayna Gellert und Millers ausdrucksstarker Gesang versetzen unmittelbar auf die Rinderfarmen des mittleren Westens.

Dazu passt „Ten Miles Down The Nine Mile Road“, das einen leichten Country-Rhythmus aufnimmt und mit Banjo, dezenter Percussion und weiblicher Begleitstimme untermalt ist. Wenn die genannten Songs bereits viel Gefühl transportieren, bildet „Someday/Sometime“ doch den am tiefsten bewegenden Beitrag auf der CD. Ganz im Americana-Stil gehalten, mit weiblichen Harmoniegesängen im Refrain und wiederum sehr schönen Geigen, verarbeitet der Songwriter den Selbstmord einer Mutter. Der Text ist aus der Sicht des hinterbliebenen Vaters, der zu seinem Kind spricht, verfasst. Wenn harte Männer überhaupt eine Gänsehaut bekommen können, dann bei dem Song.

Zwischen die getragenen Tracks sind zwei leichtere Stücke eingeflochten. „Jackie With An Eye“ swingt dank der Bassläufe von Bryn Davies und das Cover „Mother-In-Law“ scheppert mit Barroom-Piano und lustigem Text über eine eher unappetitliche Schwiegermutter.

Das autobiographisch geprägte „Middle Man“ ist eine Americana-Nummer mit viel Slide, die nicht im Gedächtnis bleibt und damit durch den Titel gut charakterisiert wird. Miller erinnert hier zeitweise an Bob Dylan. Deutlicher wird der Bezug noch bei „Los Siento, Spanishburg, WVa“. Nicht nur die politische Aussage des Songs, sondern auch der schnelle – fast schon gesprochene – textlastige Gesang lässt den Vergleich mit dem Altmeister zu.

Das zweite Cover, die irisch angehauchte Ballade „Body And Soul“, wurde ursprünglich von Bill Monroe gesungen. Mit „Get Along Everybody“ folgt der beschwingte Abschluss, der wiederrum mit einem augenzwinkernden Text versehen ist.

Die Kompositionen sind abwechslungsreich, wobei sich die Arrangements auf die Qualität des Songwriters konzentrieren. Miller zeigt sich auf „Ladies Auxiliary“ textlich auf hohem Niveau. Das Album bietet hervorragende Americana-Balladen und mit „Mother-In-Law“ ein Party-taugliches Trinklied. Daher einen Toast auf Scott Miller und seine Damen!

F.a.Y. Recordings (2017)
Stil: Americana

01. Epic Love
02. This River’s Yours
03. Jacki with An Eye
04. Someday Sometime
05. Mother-In-Law
06. Ten Miles Down the Nine Mile Road
07. Middle Man
08. Lo Siento, Spanishburg, Wva
09. With Body and Soul
10. Get Along, Everybody

Scott Miller
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Lucinda Williams – 26.08.2017, Kantine, Köln – Konzertbilder

Lucinda-Haupt

Die 64-jährige Grand Dame des Country-Folk-Rock mit ihrem 2. Konzert, im Rahmen der beiden Deutschland-Auftritte, in der Kölner Kantine.

Begleitet dieses Jahr von den drei Musikern Stuart Mathis, David Sutton und Butch Norton, alias Buick 6. Die Protagonistin wirkte bei der Performance ein wenig müde und abgekämpft von ihrem Gig, abends zuvor, in der Hamburger Fabrik. Der Sound und die Stimmung waren gut.

Line-up:
Lucinda Williams (lead vocals, guitars)
Stuart Mathis (guitars)
David Sutton (bass)
Butch Norton (drums)

Bilder und Eindrücke: Peter ‚Beppo‘ Szymanski

Lucinda Williams
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Kantine Köln
Peter ‚Beppo‘ Szymanski

Will Hoge – Anchors – CD-Review

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Ich hatte ja vor einiger Zeit das Vergnügen, Will Hoge nach seinem Solo-Gig im kleinen Kölner Studio 672 mal kurz persönlich kennenzulernen. Dort bestätigte sich der gute Eindruck seiner Person, der einem anhand seiner Biografie und Musik schon irgendwo vorgeschwebt war. Ein bodenständiger, geerdeter und sympathischer Typ, der mir dann spontan auch sofort noch seine Live-CD zum Besprechen mit auf den Weg gab.

Mittlerweile hat der in Nashville ansässige, einstige Wegbegleiter von Dan Baird, wieder kreativ gewirkt und mit „Anchors“ sein 10. Studiowerk am Start. Erneut ist ihm ein Meisterwerk in Sachen Country-, Roots-, Americana- bzw. Singer/Songwriter-Stoff gelungen. Will setzt damit den Reigen seiner ausnahmslos guten Alben konsequent fort.

Musikalisch umgeben hat sich Hoge diesmal mit Leuten wie u. a. Drummer Jerry Roe (Emmylou Harris & Rodney Crowell, Darius Rucker), Bassist Dominic Davis (Jack White, Wanda Jackson) sowie den Gitarristen Brad Rice (Son Volt, Ryan Adams) und Thom Donovan (Lapush, Ruby Amanfu), als auch mit Sheryl Crow, die beim medial wohl verheißungsvollsten Anwärter dieser Scheibe, dem wunderbaren „Little Bit Of Rust“ Harmoniegesänge beisteuert. Großartig hier auch die Fiddle-/E-Slide-Gitarren-Solo-Kombination und die schön klirrende Mandoline.

Vom Heartland-umschwingten Opener „The Reckoning“ bis zum finalen, in Tom Petty-Manier gezeichneten „Young As We Will Ever Be“ fasziniert der Basketball-Fan mit seinen unaufgeregt klingenden und doch so fesselnd wie nuanciert arrangierten Songkompositionen ohne eine kleinste Schwachstelle zu offenbaren.

„The Grande Charade“, „Through Missing You“ (Slide-Solo)  und das Titelstück bedienen das Gemüt von Melancholikern, das überaus atmosphärische „Cold Night In Santa Fe“ erinnert mich ein wenig an Blackberry Smokes „The Whippoorwill“. Beim rockigsten Track der CD „(This Ain’t) An Original Sin“ (Uptempo, starkes E-Solo, Ohohoh-Gesänge) dürften Will die alten Tage seines Tourens mit Dan Baird vermutlich den Anstoß gegeben haben.

Die flockigen, eingängigen Stücke wie „Baby’s Eyes“, das Steel-getränkte, herrlich countryeske „Angels Wings“ und das an die Hoch-Zeiten von Bob Seger erinnernde „17“ (mit überraschenden Bläser-Einsätzen) könnten wieder als Vorlagen zur Adaption durch andere Bands dienen, wie es schon mal die Eli Young Band mit „Even If It Breaks Your Heart“ erfolgreich praktiziert hatte und prompt einen Nr. 1-Hit einfuhr.

Fazit: Mit seinem exzellenten neuen Longplayer „Anchors“ hat Will Hoge erneut bewiesen, dass an seinem Name kein Weg vorbeiführt, wenn es gilt, das Who-Is-Who der zeitgenössischen amerikanischen Singer/Songwriter-Szene zu benennen. Dieses Werk bietet ein weiteres Mal Leuten Zuflucht, die in der beschriebenen Musik ihr Passion erfüllt sehen! Eigentlich auch prädestiniert dafür, hier mit ganzer Band live vorgestellt zu werden. Wieder mal eine Hogesche Glanzleistung!

EDLO Records – Thirty Tigers (2017)
Stil: Country-/Roots Rock

01. The Recockning
02. This Grand Charade
03. Little Bit Of Rust
04. Cold Night In Santa Fe
05. Baby’s Eyes
06. (This Ain’t) An Original Sin
07. Through Missing You
08. Anchors
09. Angels Wings
10. 17
11. Young As We Will Ever Be

Will Hoge
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Oktober Promotion

American Aquarium – Support: Tim Easton – 03.03.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Gut einen Monat nach dem starken Auftritt der Stolen Rhodes war es mal wieder an der Zeit, unsere geliebte Kulturrampe in Krefeld aufzusuchen, mit Tim Easton und den talentierten North Carolina-Jungs von American Aquarium galt es, in unseren Breitengraden, hochkarätige Insidermusik aus dem Alternative Country-, Roots-, Americana- Bereich, zu begutachten.

Der weit gereiste, mittlerweile in Nashville ansässige Singer/Songwriter Tim Easton bestritt mit einem starken Solo-Auftritt das Vorprogramm. Seine tolle rauchige, warmherzige Stimme, die mich an Leute wie J. J. Cale, Will Hoge und Russell Smith erinnerte, sein quirliges Akustikgitarrenspiel (auch in Slide-Manier), sowie diverse plustrige Harp-Einlagen, verpackt in eine humorvolle und sympathische Performance, kamen beim Krefelder Publikum bestens an.

Mit unterhaltsamen Stücken wie u. a.  „Elmore James“, „Special 20“, „Black Dog“, „Don’t Lie“, „Next To You“  oder dem brandneuen „The Old New Straitsville Blues“ zog er die anwesenden Leute unweigerlich auf seine Seite. Klar, dass er da nochmal für eine Zugabe ran musste, die mit Dylans „Watcha Gonna Do“, bei der er die Audienz mit Fuß-Stampfen und Klatschen als Percussion-Unterstützung involvierte, ihren launigen Abschluss fand. Eine tolle Leistung von Tim Easton!

Für die Burschen von American Aquarium lief der Tag dagegen alles andere als rund. Am Berliner Flughafen war ihr Gepäck zunächst verschwunden, was eine erhebliche Wartezeit zur Folge hatte (ich habe gar nicht mitbekommen, dass der BER schon in Betrieb ist…). Als am Ende die Sachen doch noch aufgefunden wurden, ging’s mit einer rasanten Höllenfahrt in Richtung Westen, um den ersten Gig der bevorstehenden Tour noch rechtzeitig antreten zu können.

Beim Opener „Wolves“ knarzte und fiepte dann noch das Mikro von Bandleader BJ Barham. Der verstand die Welt nicht mehr und war zu Anfang richtig angenervt. Nach ein paar Instruktionen in Richtung Mischpult, hatte sich dann beim folgenden „Southern Sadness“ die Lage beruhigt und das Quintett, mit den weiteren Musikern  George Hage, Bill Corbin, Kevin McClain und Whit Wright fand sich allmählich in den Gig herein.

BJ Barham, der im Stile der großen amerikanischen Musik-Geschichtenzähler wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Gram Parsons, Steve Earle & Co., als die kreative Person des Fünfers, fast ausnahmslos die Zügel in der Hand hatte, sowie Whit Wright, der immer wieder zwischen Keyboard und seiner Pedal Steel hin und her wechselte, waren die Personen, die im Prinzip die Hauptakzente setzten.

Die Rhythmusfraktion mit Bill Corbin und Kevin McClain verrichtete brav ihre Arbeit, der E-Gitarrist George Hage (auch Mitglied bei Jack The Radio) kam erst gegen Ende bei Tracks wie „Jacksonville“, „Losing Side of 25“ und „Man I’m Supposed To Be“ (atmosphärisches Bariton-Spiel) stärker zum Zuge.

Nachdem Barham bereits in der Mitte mit Stücken wie „The Unfortunate Kind“, „America Tobacco Company“ und „O‘ Lover“ ein Solo-Intermezzo hingelegt hatte, absolvierte er mit dem bissigen „Burn.Flicker.Die“ und einem Cover zu Ehren des kürzlich verstorbenen Guy Clark „She Ain’t Going Nowhere“ auch den Zugabenteil im Alleingang.

Da hätte man sich gerne vielleicht doch nochmal die komplette Band zum Abschluss mit einem Kracher, evtl. dazu mit integrierter Vorstellung der Mitglieder gewünscht. Auch ein paar Songansagen und sporadische Interaktion mit den Leuten hätte vermutlich etwas mehr Stimmung gebracht (die aber keineswegs schlecht war).

Fazit: Ein eher ruhiger Abend mit mit einem überzeugenden Auftritt des kauzigen Tim Easton und einem steigerungsfähigen Tournee-Auftakt von American Aquarium, der mir persönlich zu sehr im Zeichen ihres omnipräsenten Fronters stand. Da muss bei den nächsten Stationen doch etwas mehr Geschlossenheit demonstriert und auch das Publikum mehr ‚abgeholt‘ werden. Entschuldigend sind allerdings die oben erwähnten Umstände mit zu berücksichtigen, so ein stressiger Tag nach langem Flug hinterlässt einfach Spuren. Bei den kommenden Gigs geht da auf jeden Fall noch was!

Line-up:
BJ Barham (lead vocals, acoustic guitar)
George Hage (electric guitar)
Bill Corbin (bass)
Kevin McClain (drums)
Whit Wright (keys, pedal steel)

Tim Easton (lead vocals, acoustic guitar, harp)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

American Aquarium
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Tim Easton
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Tift Merritt – Stitch Of The World – CD-Review

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Tift Merritt mit neuem Album! Die umtriebige der texanischen Musikszene zugehörige 42-jährige Künstlerin hat ihr Temperament diesmal deutlich gezügelt und kommt mit einer eher besinnlichen neuen Scheibe daher. Ich habe das zierliche Energiebündel mal vor vielen Jahren in Utrecht bei den damaligen, leider nicht mehr existierenden Blue Highways Festivals, live erleben können, und habe mir dann auch ihr „Tambourine“-Werk zugelegt, von dem ich auch heute noch begeistert bin.

Das neue Album „Stitch Of The World“ wurde innerhalb von vier Tagen mit einem recht überschaubaren Musikerkreis, bestehend aus der Protagonistin (acoustic guitar, piano, lead vocals), Sam Beam (vocals, acoustic guitar), Marc Ribot (guitars, ukelele, banjo), Jay Bellerose (drums), Jennifer Condos (bass) und Eric Heywood (pedal steel) eingespielt. Produziert haben Tift und Sam Beam, der vor allem gegen Ende des Werkes mit einigen Harmoniegesängen aufwartet.

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Merritt reflektiert in ihren Kreationen persönliche Erlebnisse und Beobachtungen der letzten Jahre, die von Höhen (neuer Lebensgefährte, Geburt einer Tochter) und Tiefen, wie ihrer Scheidung gekennzeichnet waren und hält sich selbst quasi einen musikalischen Spiegel vor. Sie bewegt sich dabei in Sphären von Kolleginnen wie Emmylou Harris, Joni Mitchell, Alison Krauss („Eastern Light“), dezent auch Patty Griffin, Kacey Musgraves, Kim Carnes („Heartache Is An Uphill Climb„, „Proclamation Bones“) oder Sheryl Crow. Teilweise hat man aufgrund ihres elfenhaften Gesangs sogar den Eindruck, als wenn eine Kate Bush sich in den Lonestar State verirrt hätte („Icarus“). Der rootsige Opener „Dusty Old Man“, getragen von Jay Bellroses poltrigem Drumming hat noch mit den meisten Drive, ansonsten herrscht überwiegend viel ruhiger texanisch geprägter Alt. Country-Erzähl-Stil.

Die Drums haben meist eher perkussiven Charakter, Ribots E-Gitarre surrt, Heywoods Pedal steel leiert immer mal dazwischen, Akustiklgitarren, Ukulele („My Boat“) und Banjo dienen als Verzierung, das Piano steht im Dienste der Atmosphäre.

Wenn ich final die beiden mir zur Verfügung stehenden Vergleichsmuster gegenüberstelle, war und ist ihr damaliges Werk eher radiotaugliche Musik gewesen, die man auch auf jeder schönen beschwingten Party auch heute noch in den Player schmeißen kann, ihr aktuelles „Stitch Of The World“ ist dagegen eher ein Werk für gemütliche Stunden und zur intellektuellen Einkehr geeignet. Beide Scheiben bewegen sich auf ihre ganz eigene Art auf dem für Tift Merritt gewohnten hohen Niveau!

Yep Roc Records (2017)
Stil: Alt. Country

01. Dusty Old Man
02. Heartache Is An Uphill Climb
03. My Boat
04. Love Soldiers On
05. Stitch Of The World
06. Icarus
07. Proclamation Bones
08. Something Came Over Me (feat. Sam Beam)
09. Eastern Light (feat. Sam Beam)
10. Wait For Me (feat. Sam Beam)

Tift Merritt
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Yep Roc Records

Saints Eleven – Coming Back Around – CD-Review

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Hat der Kollege Daus über die Jahreswende etwa zu viel Marihuana geraucht, wird vermutlich so mancher beim Blick auf das Cover der neuen Scheibe „Coming Back Around“ von den Saints Eleven denken. Aber keine Bange, hier handelt es sich beileibe nicht um eine Reggae-Platte, sondern um  bemerkenswert authentischen Country-Roots-Stoff eines texanischen Trios, bestehend aus Bandleader Jeff Grossman, Jeff Mosley und Alex Shepherd, produziert von keiner geringeren Ikone in diesem Bereich als Walt Wilkins (ebenfalls bekannt als Walt Wilkins & The Mystiqueros), zudem auch mit seiner Frau Tina im Background singend und noch Gitarren-und Percussion-Klänge beisteuernd.

Die Zusammenarbeit ist gezeichnet von gegenseitiger Anerkennung und Respekt vor dem bisher Geleisteten. So betituliert Grossman Wilkins als den ‚Texas Country Jesus‘, während dieser den Ball so zurückspielt: „Ich war direkt von Jeffs Stimme angezogen. Echt, rau und wild, mit einem breiten emotionalen Spektrum. Danach begann ich mich mit diesem toll verarbeiteten Liedgut über wahrhafte Leute in der realen Welt, mit ihrer Komplexität und ihren Ecken und Kanten zu beschäftigen. Seine Aussagen sind einzigartig, klar und direkt und die Band nimmt sie ernst. Solche Jungs musste ich fördern. Es war ein verdammtes Vergnügen, dieses Album mit den Saints Eleven zu produzieren.“

Vom starken Opener „My Heart“ (schöne Tempowechsel, klasse Backings von Tina Wilkins) bis zum relaxten Countryschwofer „The Same“ zum Abschluss trifft man en masse auf knarzige Akustikgitarren, klirrende Mandolinen, sirenenartige Fiddeln, leiernde Steels, raunzendes Dobro, gluckerndes E-Piano, gurgelnde Orgeln und immer wieder schön dosiert eingestreute E-Gitarre, die alle von Wilkins glasklar herausgearbeitet wurden.

Grossmans Stimme liegt nach meinem Empfinden irgendwo in der Mitte zwischen den Band Of Heathens-Frontern Ed Jurdi und Gordy Quist, sodass teilweise auch eine gewisse musikalische Verbindung aufflammt, wie zum Beispiel beim Titelstück „Coming Back Around“, wobei die Saints Eleven allerdings deutlich countryesker unterwegs sind, wie etwa beim Heuler „Cryin‘ Time“, ein ‚Cryin‘ In My Beer‘-Song der etwas flotteren Art.

Herrlich auch das sparsam instrumentierte bluesige „For Those That Came“ das zunächst von Piano und Akustikgitarre bestimmt wird, im zweiten Teil mit einsetzender Orgel und Harmoniegesängen einen dezenten Gospeltouch erfährt. Mein Highlight ist das atmosphärische Duett von Jeff mit der stark singenden Courtney Patton (erinnert hier an Kathy Mattea) bei „Let Them Go“, wie es derart fesselnd wohl nur in Texas dargeboten wird. Herrlich hier auch die swampig surrende E-Slide-Gitarre und die quietschende Fiddle. Man bekommt fast eine Gänsehaut. Grandiosl!

Mit den Saints Eleven begegnen wir einer texanischen Band, die sich auf „Coming Back Around“ ausschließlich musikalischer Qualität und Spielfreude verschrieben hat, ohne aber dabei das melodische Element aus den Augen zu verlieren. Toller authentischer Stoff für Freunde von Acts wie Band Of Heathens, Dustin Bentall, Randy Rogers und Wade Bowen (auf ihrer Countryschiene), J.P. Harris, Josh Abbott & Co.

Eigenproduktion(2016)
Stil: Country & More

01. My Heart
02. Coming Back Around
03. Heartbreak Songs
04. Shelter Me
05. For Those That Came
06. Sunday Drive
07. Cryin Time
08. Strange Round Here
09. Almost Home
10. Let Them Go (feat. Courtney Patton)
11. The Same

Saints Eleven
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