Josh Hoyer & Soul Colossal – 29.08.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Josh_Hoyer_Kulturrampe_Aug2018_DSC2484

Ein verregneter Mittwochabend lädt nicht gerade dazu ein, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Für den Gig von Josh Hoyer & Soul Colossal haben sich allerdings eine Menge Leute aufgerafft und den Weg in die Kulturrampe gefunden. Belohnt wurden sie mit einem fantastischen Soul-Feuerwerk.

Ich wollte zunächst nicht auf das Konzert, da aber Daniel von den Live-Qualitäten der Band schwärmte, Karl für die Fotos spontan Zeit hatte und sich die kurzfristige Akkreditierung durch „Pille“ Peerlings gewohnt unproblematisch erwies, ließ ich mich dann doch überzeugen und bereue es nicht. Josh Hoyer wurde dem ihm vorauseilenden Ruf, ein klasse Live-Act zu sein, gerecht.

Um viertel vor Neun begrüßte der Rampenchef die Band und den gut gefüllten Saal, in dem sich neben den üblichen Verdächtigen auch weit angereiste Zuhörer eingefunden hatten. Wie Gitarrist Benjamin Kushner nachrechnete, lag der erste Auftritt in der Rampe auf den Tag genau 17 Monate zurück. Nach Gesprächen mit Leuten, die den direkten Vergleich hatten, soll sich Hoyer und seine Band in diesem Jahr sogar noch gesteigert haben.

Entsprechend ihres Namens legten Josh Hoyer & Soul Colossal mit einer gehörigen Portion Soul bei „Liberator“ los. Zwischen den beiden mit Funk-Elementen angereicherten Stücken „Do It Now“ und „Enough For Everybody“ streuten sie die Ballade „Clara Jayne“ ein.

Bei „Make Time For Love” zeigte Hoyer, dass er auch den Blues im Repertoire hat. Die rockige Soulnummer „Let It Out” leitete dann zu „Misfit Children” über, das den ersten Teil des Konzerts beendete.

Josh Hoyer ist hinter seinen Keys in seinem Element. Manchmal hält es ihn nicht auf dem Hocker: Er springt auf und heizt dem Publikum ein. Selten habe ich so viele Konzertbesucher so ausgiebig mittanzen sehen. Da gab es kaum jemanden, der nicht zumindest gewippt hat. Er hat Soul im Blut und reißt die Menschen mit.

Hoyer beherrscht die Tasten ebenso wie seine Mitstreiter ihre Instrumente. Benjamin Kushner an der Gitarre und Blake DeForest an der Trompete erhielten zahlreiche Möglichkeiten, in längeren Instrumentalparts ihr Können zu zeigen. Belohnt wurden sie mit langem Szenenapplaus. Auch Bassist Mike Keeling fügte sich gut in das Gesamtbild der Band ein.

Der Anfang des zweiten Sets war insgesamt mit „Love Song”, „Running From Love”, „Just Call Me” und „Parts Of A Man” etwas langsamer angelegt. Danach lieferte Hoyer eine energiegeladene Cover-Version von „Strictly Reserved For You“, das von Charles Bradley stammt. „Illusion“ stieg mit Trommelwirbeln dramatisch ein und gab den Startschuss zu dem dynamischen Finale des Konzerts.

Ein Highlight war „Dirty World“ einschließlich eines umjubelten, mehrminütigen Solos des Schlagzeugers Larell Ware. Die anderen Bandmitglieder nutzten das Intermezzo ihres Drummers, um etwas Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich so vor dem abschließenden „Better Days“ vom neuen Album „Do It Now“ zu stärken.

Josh Hoyer und seine Band bewegten sich gekonnt zwischen Soul, Funk und Blues. Mit sichtlicher Freude nahmen die Musiker die Begeisterung des Krefelder Publikums für ihren stilistischen Mix auf.

Auch im Anschluss an den über zweistündigen Auftritt zeigten sich die sympathischen Männer aus Nebraska beziehungsweise Pennsylvania gut gelaunt und führten ausgiebige Gespräche mit den Fans. Dabei bat mich Josh Hoyer mit einem Augenzwinkern, in dem Bericht großzügig zu sein. Dafür bestand kein Grund: Die Band hat ein tolles Konzert hingelegt, für das die Besucher bestimmt gerne durch den Regen an- und abgereist sind.

Line-Up:
Josh Hoyer (vocals, keys)
Benjamin Kushner (guitar)
Larell Ware (drums)
Mike Keeling (bass)
Blake DeForest (trumpet, tambourine)

Bilder: Karl Bongartz
Text: Michael Segets

Josh Hoyer & Soul Colossal
Josh Hoyer & Soul Colossal bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Devon Allman Project – Support: Wynchester- 29.08.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Obwohl ich das Devon Allman Project ja schon letzte Woche in Dortmund erlebt hatte, gab es, neben der unbestrittenen Klasse und reizvollen Konstellation des Projekts, genügend triftige Gründe, um noch einen weiteren Besuch im Kölner Yard Club anzuschließen.

Da spielte unter anderem unsere Verbundenheit zu deren engagiertem Club-Chef Marcus Neu eine gewichtige Rolle, der immer ein herzlicher Gastgeber ist, aber auch, dass Sounds Of South Hof-Fotograf Gernot Mangold in der westfälischen Metropole noch urlaubsbedingt passen musste und sich den Gig natürlich jetzt nicht entgehen lassen wollte. Dazu hatte er noch eines seiner Highlight-Bilder von Devon vom Konzert vor knapp zwei Jahren, auf großwandiger Leinwand abgebildet, mit zum Unterzeichen dabei.

Dazu gab es diesmal mit dem Duo Wynchester, bestehend aus Mike Bray und John Konesky einen reizvollen Support. Gerade letztgenannter John Konesky hat durch Mitwirkung bei Bands wie Trainwreck, Tenacious D, der Kyle Gass Band und als Gitarrist beim Soundtrack von The Hangover Part II eine höchst interessante Vita zu Buche stehen.

Das Duo spielte mit u. a. „Gospel Of Good Times“, dem schön swampigen “Two Man Job” , „My Glass Is Half Full” und “High Desert Rambler”, Stücke aus ihrer aktuellen CD. Dazu gab es mit „Easy“ (Lionel Richie) und „Reelin‘ In The Years“ (Steely Dan) zwei klasse Cover-Nummern im ungewohnten Akustik-Gewand. Bray sorgte für die gesanglichen Akzente, Konesky deutete mit vielen quirligen Soli auf seiner Klampfe und einigen Harmonie-Parts an, warum seine musikalischen Dienste gern in Anspruch genommen werden. Eine unterhaltsame, kurzweilige halbe Stunde.

Wie schon in Dortmund, bekam dann Duane Betts zunächst die Gelegenheit, seine Künste als Fronter zu präsentieren. Das Programm war bis auf eine Jam-Instrumental-Version von „Whipping Post“ (statt “In Memory Of Elizabeth Reed“) nahezu identisch. Er und sein kongenialer Gitarrenpartner Johnny Stachela ließen wieder einige herrliche Soli (Twin, Slide) ab. Lustig anzusehen war immer Duanes ‚Schnute‘, wenn er sich in seine Spielkünste ganz vertiefte. Mein Favorit war das mit einer markanten E-Gitarren-Hook und dezentem Eagles-Flair bedachte „Ride It Out“, das man auch auf seiner aktuellen EP „Sketches Of American Music“ finden kann.

Der auffällig von seinem flauschigen Backenbart befreite und somit glatt rasierte Devon Allman begann seine Vorherrschaft auf der Bühne mit dem Instrumental „Mahalo“, wo er auf seiner Strat auch ordentlich Gas gab. Das soulig-funkige „I’ll Be Around“ mit integrierter Leisespiel-Phase und brachialem Übergang, begeisterte ebenso wie die Royal Southern Brotherhood-Nummer „Left My Heart In Memphis“.

Mit „Blue Sky“ und dem grandios performten Klassiker “In Memory Of Elizabeth Reed“ (für mich das Highlight des Gigs) stieg der Betts-Sprössling wieder ein. Im ruhigeren Part (auch hier waren wieder Hocker auf der Bühne) gefielen das Grateful Dead-Cover „Friend Of The Devil“ und eines von Vater Greggs Paradestücken „Melissa“.

Nach der gospeligen, wieder von Keyboarder Nicolas David angeführten Bill Withers-Einlage „Lean On Me“ beendete ein weiterer berühmter Song aus der Feder von Gregg Allman, „Midnight Rider“, das Hauptprogramm. Die Zugabe-Rufe der restlos begeisterten Yard Club-Audienz wurde dann mit einer Hammer-Version vom Prince-Klassiker „Purple Rain“ bedient, bei der alle Musiker nochmals auftrumpften und gleich vier E-Gitarristen involviert waren. Am Ende des Liedes ließ der ‚Chef‘ des Projekts, Devon Allman, nochmals ein sattes Solo ab.

Fazit: Auch der zweite Besuch hatte sich absolut gelohnt. Während in Dortmund die Musik voluminöser rüber kam, stand an diesem Abend in Köln eher das intensivere, direktere Club-Feeling im Vordergrund. Was das Zuschauerinteresse hierzulande betrifft, ist es für Devon und Duane allerdings noch ein weiter Weg, um die Fußstapfen ihrer Väter treten zu können.

Bild-TextDie hatten nämlich in der Domstadt damals locker die legendäre Sporthalle, wie auch später das E-Werk bis zum Rande gefüllt. Aber ein kleiner Anfang ist zumindest gemacht. In jedem Fall war es eine tolle Werbung für den Southern Rock. Und am Ende war dann auch Gernot noch wunschlos glücklich, als die Unterschrift Devons sein wunderschönes Bild zierte.

Danke, wie immer, an Marcus Neu für die gewohnt freundliche und lockere Aufnahme in ’seinem‘, immer wieder gern besuchten Yard Club.

Line-up: Wynchester
Mike Bray (lead vocals, acoustic guitar)
John Konesky (acoustic lead guitar, vocals)

Line-up: Devon Allman Project
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Devon Allman
Devon Allman bei Facebook
Duane Betts
Duane Betts bei Facebook
Wynchester
Wynchester bei Facebook
Yard Club Köln

Curse Of Lono – As I Fell – CD-Review

Curse Of Lono_300

Review: Stephan Skolarski

Eine musikalische Stilrichtung zu etablieren und diese selbstbewusst als eine Art Markenzeichen zu installieren, das versuchte die nach dem Kultbuch von Hunter S. Thompson benannte Band „Curse Of Lono“ bereits mit ihrem Debütalbum „Severed“ aus dem vergangenen Jahr. Den als „Cinematic Alternative Gothic Rock“ bezeichneten Musikstil in Form eines Alleinstellungsmerkmals zu entwickeln, haben die fünf Musiker aus Großbritannien nun großartig weiterverfolgt.

Mit ihrem zweiten Werk „As I Fell“ legen sie jetzt erneut einen starken Longplayer nach, der melodischen Rock mit bisweilen Country-Folk angehauchten Elementen verbindet und psychedelisch beeinflusste Passagen in ein melancholisches Sound-Kunstwerk aufgehen lässt.

Schon das erste Stück „Valentine“, mit starkem Vocal-Part und Gitarreneinlage verfolgt diesen eingeschlagenen Weg, der mit „Way To Mars“ nahezu fünf Minuten lang im Mid-Tempo-Rhythmus und klarer Gesangsstimme fortgesetzt wird. Singer-Songwriter Felix Bechtolsheimer ist als Frontmann von Curse Of Lono dabei für sämtliche Songs verantwortlich und vermittelt die erforderliche Glaubwürdigkeit seiner Texte in klarer Sprache, überzeugend und intensiv.

Die Ballade „Kathleen“ hätte dabei ebenso Leonard Cohen oder Nick Cave alle Ehre gemacht und windet sich sechs Minuten lang nachhaltig in den Gehörgang. Überhaupt sind persönliche Geschichten und sich wiederholender, mehrstimmiger Refrain-Gesang stilprägend für die Songs, die bei „Tell Me About Your Love“ und „As I Fell“ weiche und feinfühlige Folk-Country-Beziehungen nicht verheimlichen können. Das Titelstück der CD sucht sogar die Verknüpfung zu dunklen Country Blues-Melodien, wie z. B. beim Klassiker „Ghost Riders In The Sky“ aus den 1940er Jahren.

Der etwas härtere Sound von „Blackout Fever“ und „The Affair“ erinnert hingegen eher an den Velvet Underground Mitbegründer Lou Reed, der einen vergleichbar innovativen musikalischen Erfindungsreichtum vorweisen konnte. Über das dichte Gitarrengewitter auf „Leuven“ geht das Album schließlich eindrucksvoll zu Ende, mit dem verblüffenden Outro aus dem Heimatfilm „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“.

In der detailreichen YouTube-Doku „Somewhere In Their Heads“, über die Studioarbeit an der Platte, kann im Übrigen die vollständige Entstehung des Albums mitverfolgt werden. Die Spannweite dieser englisch-amerikanischen Produktion zeigen Artverwandte, wie die Alternative Rock Pioniere von Wilco, die US-Combos War On Drugs und Sons Of Bill, die Country-Folker Cowboy Junkies, aber auch der englische Gitarrist Chris Isaak.

Auf „As I Fell“ erwartet man in jedem Song eine neue metaphorisch verpackte und zum Teil philosophische Lebensweisheit von Mastermind Felix Bechtolsheimer, der dem Album durch sein durchdachtes und persönliches Songwriting eine dylanhafte Wirkung verleiht. Damit dürfte die Platte in diesem Jahr zurecht ein heißer Anwärter auf Auszeichnungen in der Americana- oder Alternative Rock Sparte sein.

Submarine Cat Records (2018)
Stil: Americana, Alternative Rock, Cinematic Rock

Tracklist:
01. Valentine
02. Way To Mars
03. And It Shows
04. I’d Start a War For You
05. Kathleen
06. Blackout Fever
07. Tell Me About Your Love
08. As I Fell
09. The Affair
10. No Trouble
11. Leuven

Curse Of Lono
Curse Of Lono bei Facebook
Brooke Lynn Promotion

Henrik Freischlader Band – Hands On The Puzzle – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Wuppertaler Henrik Freischlader bringt mit „Hands On The Puzzle“ sein 15. Album auf den Markt. Begleitet wird er auf dem Longplayer von der neu formierten Henrik Freischlader Band. Der Blues-Gitarrist und -Sänger nennt als musikalische Vorbilder neben Stevie Ray Vaughan und Jimi Hendrix auch Gary Moore, dem er 2017 mit „Blues For Gary“ ein Tribute-Werk widmete.

Das Album “Hands On The Puzzle” steigt entspannt mit „Community Immunity“, „Love Straight“ und „Those Strings“ ein. Erstes Highlight ist die Uptempo-Nummer „Winding Stair“. Hier rockt die Henrik Freischlader Band den Blues. Am Ende des Songs lässt Roman Babik ausgiebig seine Finger über die Tasten des Keyboards gleiten und sorgt für einen sanften Ausklang des Stücks. Noch einen Deut stärker ist der zweite schnelle Song „Stand Up, Little Brother“. Unter den Mitempo-Stücken gehört „Share Your Money“ zu meinen Favoriten. Saxophon und Keys erzeugen dort eine gehörige Portion Swing.

Moritz Meinschäfer am Schlagzeug und Armin Alic am Bass geben den Rhythmus, vor dessen Hintergrund die Soli von Gitarre, Saxophon oder Keys zur Geltung kommen. Die Bandmitglieder nehmen sich den Raum, ihre Fähigkeiten an ihren Instrumenten mit viel Spielfreude auszuleben. So kratzt beispielsweise „Where Do We Go“ an der acht Minuten Marke und „Animal Torture“ überschreitet sie sogar. Die erstgenannte Ballade wird von Marco Zügner mit seinem Saxophon stimmungsvoll begleitet.

Freischlader steuert hier ebenso wie auf „Rat Race Carousel“ gelungene Gitarrenpassagen bei. Eingängig und unaufgeregt ist „I Don’t Work“. Das langsam beginnende „Mournful Melody“ kehrt nach einem dramatischen Zwischenspiel mit langen Gitarrensoli wieder in sanfte Gefilde zurück. Freischladers Gitarre erinnert dabei durchaus an die von Gary Moore.

Die ausgeprägten Instrumentalanteile bei „Creactivity“ rücke ich bereits in Jazz-Nähe. Nach einer Ausblendung legt die Band nochmal los und ich vermute mal, dass es sich dabei nicht um eine Fortführung des Stücks, sondern um einen Hidden Track handelt, da die Texte nicht in dem Booklet aufgeführt sind. Wie dem auch sei: Die Scheibe überrascht zum Abschluss mit einem Gastauftritt von Helge Schneider, der unnachahmliche Shouter-Qualitäten offenbart.

Die CD ist sehr schön aufgemacht und erscheint auf Freischladers eigenem Label Cable Car Records. Ihr liegt ein haptisch ansprechendes Booklet aus dickem Papier bei, in dem die Texte abgedruckt sind. Aufgenommen wurden die Tracks in den Arnsberger Megaphon Tonstudios, in denen auch Chris Kramers aktuelles Werk entstand.

Die Henrik Freischlader Band agiert technisch sicherlich auf einem hohen Niveau. Die Musik ist handgemacht und kommt ohne technische Effekte aus. Die Verspieltheit der Truppe – hier ein Saxophon-Sprengsel und da noch eine Keyboard-Einlage – geht für mein Empfinden etwas auf Kosten des Blues-Feelings.

Ich bin in musikalischer Hinsicht aber eher einfach gestrickt und gradlinige Stücke sprechen mich mehr an als verschachtelte Kompositionen oder gar Improvisationen, wie sie im Jazz vorkommen. Für den, der da aufgeschlossener ist, kann die Auslegung des Blues auf „Hands On The Puzzle“ durchaus eine lohnende Entdeckung sein.

Cable Car Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Community Immunity
02. Love Straight
03. Those Strings
04. Winding Stair
05. Rat Race Carousel
06. Where Do We Go
07. Stand Up, Little Brother
08. Share Your Money
09. Animal Torture
10. I Don’t Work
11. Mournful Melody
12. Creactivity (+ Hidden Track)

Henrik Freischlader
Florence Miller Agency
Cable Car Records

Marc Broussard – Easy To Love – CD-Review

Broussard_300

Mit Marc Broussard kam ich vor vielen Jahren durch einen Bekannten aus Österreich in Berührung, der mir u. a. seine Alben „Carencro“ (Marcs Heimatstadt, in der er immer noch mit seiner Familie wohnt) und „Keep Coming Back“ nahe brachte. Irgendwann hatte ich mir auch noch das 2015er-Werk „A Life Worth Living“ zugelegt.

Im gleichen Jahr nutze ich die Gelegenheit, ihn mir im Dortmunder Musiktheater Piano live anzuschauen. Die Kulisse war allerdings ziemlich spärlich, er ist in  unseren Gefilden – ich vermute auch heute leider immer noch – eher mit Insiderstatus bedacht.

Dabei hat der Mann neben seiner wunderbaren Stimme, ein tolles ‚Händchen‘ für das Schreiben von herrlich melodischen, sauber und stilvoll instrumentierten Liedern, die, der Herkunft Louisianas entsprechend, im südstaatlich soulig-bluesigen Pop- und Rockmusik-Bereich ansiedelt sind.

Auch auf „Easy To Love“ bekommt man wieder 14 hochklassig arrangierte Tracks geboten. Klare Akustik- und knarzige Bariton-E-Gitarren, gluckerndes E-Piano, hallende Orgel, gospelige weibliche Harmoniegesänge, ab und zu eine fiepende Steel-Gitarre, mischen sich samt Rhythmus-Sektion aus Bass und Drums unter seinen formidablen inbrünstigen Gesang (zum Teil an Malford Miligan erinnernd). Dabei gelingt es Broussard, diesen typischen ‚Louisiana-Sound‘, auch ohne Einsatz von Bläser-Sektionen, zu suggerieren.

Highlights aus meiner Sicht sind das grandiose Frankie Miller-Cover „Baton Rouge“, das dezent Steely Dan-umwehte „Anybody Out There“ und das mit einem herrlichen E-Slide-Solo bestückte „Don’t Be Afraid To Call Me“. Im hinteren Bereich der CD wird die Instrumentierung ein wenig sparsamer gehalten, und der Fokus mehr auf seine ausdrucksvolle Stimme gerichtet.

Marc Broussard legt erneut eine starke kreative Leistung hin.  Er macht es einem somit ziemlich leicht, sein neues Werk „Easy To Love“ zu lieben. Es wird von daher interessant sein, wie die Stücke im Rahmen seiner Anfang Oktober stattfindenden Europa-Tournee (auch mit einigen Deutschland-Terminen – wir werden am 12.10. in Düsseldorf zugegen sein), auf der Bühne zur Geltung kommen. Hingehen lohnt sich garantiert!

Big Lake Music
Stil: Soul Blues/Pop/Rock

Tracks:
01. Leave A Light On
02. Baton Rouge
03. Please Please Please
04. Rosé All Day
05. Easy To Love
06. Memory Of You
07. Stand By You
08. Anybody out There
09. Wounded Hearts
10. Don’t Be Afraid To Call Me
11. I Miss You
12. Send Me A Sign
13. Mercy Mercy Me
14. Gavin’s Song

Marc Broussard
Marc Broussard bei Facebook
Music Matters

Little Steven And The Disciples Of Soul – Soulfire Live – CD-Review

Steven_300

Review: Michael Segets

Nach langer Pause veröffentlichte Little Steven 2017 sein Album „Soulfire“ und nutzte die Gunst der Stunde, um mit großer Band – den Disciples Of Soul – auf Tour zu gehen. Eine Bilanz seiner Konzerte hat er nun auf dem Box-Set „Soulfire Live“ mit drei fast randvollen CDs festgehalten.

Für alle Little Steven-Fans und Besucher der Live-Auftritte ist der Kauf sowieso Pflichtsache. Für alle anderen stellt das Set eine gute Gelegenheit dar, mit ihm eine Reise durch die Karriere von Steven van Zandt und der Musikgeschichte des Rock ’n Roll zu unternehmen. Stilecht wird er dann auch von Ikone Mike Stoller angekündigt.

Alle Titel von „Soulfire“ sind auf den ersten beiden Scheiben vertreten, die vorab bereits als Downloads verfügbar waren. Oftmals werden sie von einem Intro eingeleitet, bei dem Little Steven einige Worte zum Hintergrund der Stücke verliert. Gut ist, dass die Einführungen auf den CDs einzeln anzuwählen oder gegebenenfalls auch zu überspringen sind. Weitere Informationen zu den Titeln liefert das umfangreiche und mit vielen Bildern aufgepeppte Booklet. Für die Abmischung konnte Little Steven Bob Clearmountain (Bruce Springsteen, The Rolling Stones, Bryan Adams, Bon Jovi, Sheryl Crow) gewinnen, der es verstand, die Live-Atmosphäre einzufangen.

Seit seinem zweiten Album „Voice Of America“ (1984) versah Little Steven seine Texte meist mit einer politischen Aussage. In dem Intro zu „Until The Good Is Gone“, das zwar als Download zur Verfügung steht, aber aus Platzgründen keine Aufnahme auf die CDs gefunden hat, stellt er das Programm seiner Auftritte vor. Er will nicht die Politik thematisieren, sondern die ‚verrückten Zeiten‘ außen vor dem Konzertsaal lassen und stattdessen die Menschen durch die Begeisterung für handgemachte Live-Musik verbinden. In seinen über zweieinhalb stündigen Konzerten gelingt ihm das auch, wie ich im Frankfurter Batschkapp letztes Jahr miterleben durfte.

Dies ändert natürlich nichts daran, dass Little Stevens ältere Stücke dennoch politische Themen aufgreifen. Vor allem auf der zweiten CD des Sets sind diese durch ein Reggae-Intermezzo („Solidarity“, „Leonard Peltier“, „I’m A Patriot“), „Checkpoint Charlie“ und „Bitter Fruit“ vertreten.

Neben den eingängigen Rockstücken „Angel Eyes“, „Forever“ und „Out Of The Darkness“ spielt der Protagonist auch den wunderschönen Lovesong „Princess Of Little Italy“, der zu meinen absoluten Lieblingstiteln gehört. Mit „Salvation“ von seinem Album „Born Again Savage“ (1999) sorgt Little Steven dafür, dass von jedem seiner bisherigen Alben mindestens ein Titel auf seiner Live-CD erscheint.

Während bislang das Standardrepertoire seiner Setlist während der 2017er-Tour aufgenommen wurde, versammelt der dritte Silberling seltener gespielte Titel und Auftritte einiger Gastmusiker. Außer „Time Of My Life“, dem Soundtrack zu „Nine Month“, und einer alternativen Version von „I Don’t Wanna Go Home“ handelt es sich durchweg um Cover-Versionen.

„Can I Get A Witness” findet sich bereits auf Little Stevens Rockpalast-DVD. Auf der neuen Version steht Richie Sambora mit auf der Bühne. „Even The Loosers“, „Working Class Hero”, „You Shook Me All Night Long” sind Verneigungen vor Tom Petty, John Lennon und Malcom Young (AC/DC). „Tenth Avenue Freeze-Out“ performt er zusammen mit seinem Freund Bruce Springsteen.

Den Sounds-Of-South-Fans wird „It’s Not My Cross To Bear“ von Greg Allman gefallen. Die sechziger Jahre lässt Little Steven bei „Can’t Be So Bad“ (mit Jerry Miller) von Moby Grape, „We Gotta Get Out Of This Place“ von The Animals und „Freeze Frame“ (mit Peter Wolf) von der J. Geils Band aufleben. Als Abschluss gibt es „Merry Christmas (I Don’t Wanna Fight Tonight)” der Ramones.

Little Steven hat den Kraftakt vollbracht, seine vierzehnköpfige Begleitband so lange zusammenzuhalten, um in eine zweite Konzert-Runde zu gehen. Als Lehrmeister des Rock ’n Roll promotet er 2018 sein erstes Live-Album mit der Teachrock-Tour. Lehrer konnten sich für einen Workshop anmelden, der die Anregung vermittelte, jungen Menschen die Wurzeln der Musik, die sie hören, näher zu bringen.

Little Steven schöpft aus der Rockgeschichte und spürt damit seinen eigenen musikalischen Wurzeln nach. Mit den Disciples Of Soul im Rücken, erzeugt er einen kraftvollen Sound, der sich an der frühen Phase des Rock ’n Roll orientiert und sich dem derzeitigen Mainstream entgegenstellt. Er zaubert ganz verschiedene Stimmungen – „magical vibrations“ –, die viel Soul transportieren. Dies gelingt ihm, ob er nun im Rock, Blues oder Funk unterwegs ist.

Little Steven And The Disciples Of Soul sind ein grandioser Live-Act, was auch das Album einfängt. Von ihren Live-Qualitäten kann man sich ebenfalls auf WDR 4 überzeugen, der Ausschnitte des Auftritts im Kölner E-Werk Anfang Juli – bei dem ich sie erneut bejubeln durfte – am 11.10.2018 sendet.

Neben „Plain Spoken – From The Chicago Theatre ” von John Mellencamp ist „Soulfire – Live” das zweite herausragende Live-Dokument dieses Jahres, das in keiner Rock-Sammlung fehlen sollte.

Wicked Cool Records/UMG/Universal Music (2018)
Stil: Rock and more

Disk: 1
01. Mike Stoller Intro
02. Soulfire
03. I’m Coming Back
04. Blues Is My Business (Intro)
05. Blues In My Business
06. Love On The Wrong Side Of Town
07. Until The Good Is Gone
08. Angel Eyes
09. Some Things Just Don’t Change
10. Saint Valentine’s Day (Intro)
11. Saint Valentine’s Day
12. Standing In The Line Of Fire (Intro)
13. Standing In The Line Of Fire
14. I Saw The Light
15. Salvation
16. The City Weeps Tonight (Intro)
17. The City Weeps Tonight

Disk: 2
01. Down And Out In New York City
02. Princess Of Little Italy (Intro)
03. Princess Of Little Italy
04. Solidarity
05. Leonard Peltier
06. I Am A Patriot
07. Groovin‘ Is Easy
08. Ride The Night Away (Intro)
09. Ride The Night Away
10. Bitter Fruit
11. Forever
12. Checkpoint Charlie (Intro)
13. Checkpoint Charlie
14. I Don’t Want To Go Home
15. Out Of The Darkness (Intro)
16. Out Of The Darkness

Disk: 3
01. Even The Losers
02. Can’t Be So Bad (featuring Jerry Miller)
03. You Shook Me All Night Long
04. Working Class Hero
05. We Gotta Get Out Of This Place
06. Can I Get A Witness (featuring Richie Sambora)
07. It’s Not My Cross To Bear (Intro)
08. It’s Not My Cross To Bear
09. Freeze Frame (featuring Peter Wolf)
10. The Time Of Your Life
11. Tenth Avenue Freeze-Out (featuring Bruce Springsteen)
12. I Don’t Want To Go Home (featuring Bruce Springsteen)
13. Merry Christmas (I Don’t Want To Fight Tonight)

Little Steven
Little Steven bei Facebook

Devon Allman Project – 23.08.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Devon_Haupt

Die Vorfreude war natürlich riesengroß! Dass es Jenny Dore gelungen war, die beiden Sprösslinge der berühmten einstigen Allman Brothers-Protagonisten, Devon und Duane, im Rahmen des Devon Allman Projects vereint ins Musiktheater Piano zu lotsen, kam ja fast einer kleinen Sensation gleich.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass doch ziemlich viele Southern Rock-Sympathisanten an einem Donnerstag-Abend den Weg in die schöne, Jugendstil-verzierte Dortmunder Location gefunden hatten, zumal auch einige vermutlich noch die starke Leistung von Devon Allman vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle in Erinnerung hatten.

Auch wir hatten schon vorher die Werbetrommel gerührt und ich war doch überrascht, so manchen unserer Leser, im Publikum zu erkennen.  Pünktlich um 20:00 Uhr betrat zunächst Dickey Betts-Sohnemann Duane mit seinem starken Co-Gitarristen Johnny Stachela, dem agilen Bass-Spieler Justin Corgan und dem Kraftbündel John Lum am Schlagzeug die Bühne, um mit „Downtown Run Around“, im Rahmen eines 40-minütigen Gigs, loszulegen.

Als meine Favoriten entpuppten sich dabei das mit einer Eagles-Note versehene „Ride It Out“ und die furiose Version des legendären, von seinem Daddy geschriebenen Allman-Jams „In Memory Of Elizabeth Reed“ (mein Gott, ging da in Sachen E-Gitarren und Rhtythmus-Sektion die Lutzi ab). Der Gesang von Duane weißt vielleicht noch nicht ganz die Markanz seines Vaters Dickey auf (vermutlich dem noch jungen Alter und dem deutlich gesünderen Lebenswandel geschuldet), aber im Gitarrespielen steht der Bursche ihm in nichts nach. Trotzdem eine immens starke Vorstellung von Betts & Co.!

Nach einer Pause, die zum Lüften des brütend warmen Pianos und zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlust genutzt wurde, schob Devon, begleitet zunächst von Tyler Jackson Stokes als zweitem Gitarristen, mit „Mahalo“ noch ein Instrumental hinterher.  Im Gegensatz zu dem eher introvertierten Betts-Jüngling, brachte dieser mit seiner impulsiven Art sofort Stimmung in die Bude.

Mit dem souligen, herrlich groovenden Spinners-Song „I’ll Be Around“ aus dem Jahre 1972 wurde so richtig Schwung in die Beine der Besucher gebracht, auch Devon und die beiden Gitarristen hatten mit ein paar einstudierten synchronen Seitschritten ihren Spaß. Wunderbar dann das folgende „Left My Heart In Memphis“ bei dem der kauzige Nicholas David mit Bruce Hornsby-ähnlicher Piano-Einlage glänzte.

Für den ABB-Klassiker „Blue Sky“ war Duane Betts am Mikro wieder zur Stelle, die beiden grandiosen E-Gitarren-Soli im langen Instrumentalteil des Liedes von Stachela und ihm waren Weltklasse.

Zum countryesken „Friend Of The Devil“ (mit schönem Solo von Stokes) wurden Hocker auf der Bühne platziert. Das anschließende, von Gregg für Devons Mutter geschriebene „Multi Colored Lady“ offerierte die sanfte und melancholische Seite des Haupt-Protagonisten. Melodie-verliebte Leute wie mich fixte dann das wunderbare „Live From The Heart“ natürlich besonders an.

Beim gospeligen Bill Withers-Klassiker „Lean On Me“ hatte erneut Nicholas David seinen Auftritt, diesmal sogar mit tiefer Stimme am Frontmikro. Das Piano glich, nicht nur der heißen Temperaturen wegen, einer Südstaaten-Kapelle. Mit „Hot ‚Lanta“ wurde zum Abschluss des Hauptteils nochmals kräftig gejammt und der legendären Band der Väter Ehre erwiesen.

Zum heftig eingeforderten Zugabenteil stand dann alles was Spielen konnte auf der Bühne. Mit dem Don Henley-Stück „The Boys Of Summer“ und dem „Midnight Rider“ (nochmal für Vater Gregg) wurde ein vermutlich denkwürdiger Abend für hiesige Verhältnisse unter frenetischem Applaus beendet.

Im Anschluss gaben sich die Akteure publikumsnah und unterzeichneten wohl-gelaunt am Merchandising-Stand die diversen Kauf-Utensilien und hatten auch noch ganz relaxt Zeit für Fotos, was wir natürlich für unser Bild für die VIP-Galerie nutzten. Unser Dank gilt wie immer Jenny Dore und Thomas Falke vom Piano, die sich, wie immer, als tolle Gastgeber mit viel Musik-Sachverstand präsentierten.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Devon Allman
Devon Allman bei Facebook
Duane Betts
Duane Betts bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sister Hazel – Wind – EP-Review

SH_Wind_300

Die in unseren Gefilden immer noch eher als Insider-Tipp geltenden Sister Hazel hatte ich sofort in mein Herz geschlossen, als ich vor Ende der Jahrtausendwende ihr „All For You“ in einem hiesigen Radiosender per Zufall zu hören bekam. Seitdem habe ich eigentlich so gut wie alle ihrer essentiellen Tonträger in meiner Sammlung.

Die Band um ihre Mitglieder Ken Block, Andrew Copeland, Mark Trojanowski, Ryan Newell, Jett Beres und Dave LaGrande steht musikalisch für Maximen, denen auch ich mich eigentlich Zeit meines Lebens verschrieben habe: Fleiß, Kontinuität, Verlässlichkeit, allesamt verbunden mit einem ‚gesunden‘ Qualitäts- und Leistungsanspruch.

Bei Sister Hazel weiß man schon vor dem Hören eines Werkes, dass man nicht die berühmte ‚Katze im Sack‘ kauft, sondern überwiegend selbst kreierte, mit viel liebevollem Feingefühl arrangierte melodische Stücke (oft mit Ohrwurm-Charakter) serviert bekommen wird, wobei der markante genäselte Gesang von Ken Block als eines der Haupt-Trademarks gilt.

Und mindestens auch ein am Frontmikro performter Song von Andrew Copeland, mit seiner ebenfalls angenehmen Stimme, wird vermutlich wieder eines der tragenden Elemente des Tonträgers abgeben.

Apropos Elemente: Nach ihrer zu Beginn des Jahres erschienenen EP „Water“, kommt jetzt Anfang September mit „Wind“ ein weiterer thematisch bedachter Silberling unter die Leute.

Und was soll man sagen – nach einem verspielten kurzen Intro, weht einem mit „Come A Day“, direkt ein rhythmischer, wunderbar melodischer, viel positive Energie verströmender Track entgegen, wie man ihn vom Florida-Sextett schon so oft zu schätzen gelernt hat. Blocks Stimme, feine Orgel- und Piano-Tupfer, perfekt sitzende Harmoniegsänge, der Powerrefrain und Newells southern-umwehtes Gitarrenspiel (inkl. Solo) machen sofort Lust auf mehr.

Das von einer markante E-Gitarrenhook bestimmte „Small Town Living„, das Fußwippen-entfachende, Slide-trächtige „Whirlwind Girl„, die von Copeland  gesungene, unter die Haut gehende Herz-Schmerz-Ballade (schöne Akustikgitarre, Piano-Moll-Töne, weibliche Harmonies, Streicher), der flockige, dezent countryeske Gute-Laune Song „You’ll Be Safe Here“ (Banjo-Untermalung, freudige Ooohoh-Gesänge, klasse Slide-E-Gitarre) und der überragende, atmosphärische Ohrwurm „Midnight Again“ bieten allesamt Stoff am oberen schöpferischen Limit der Musiker. Am Ende wird mit „Elements Part II (I’m Free)“ noch ein kurzer knackiger Southern-Kurzrocker rausghauen.

Also, wie bereits vermutet: Mit „Wind“ erhält man erneut eine frische Brise feinster Sister Hazel-Kompositionen. Und da das Leben ja insgesamt vier Elemente parat hat, darf man im Prinzip voller Vorfreude gespannt sein, was Block, Copeland & Co. demnächst in Sachen ‚Feuer‘ und ‚Erde‘ an musikalischen Einfällen zu bieten haben…

Croakin‘ Poet Records (2018)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Come A Day
02. Small Town Living
03. Whirlwind Girl
04. In Two
05. You’ll Be Safe Here
06. Midnight Again
07. Elements Part II (I’m Free)

Sister Hazel
Sister Hazel bei Facebook
Kaylor Girl Promotion

Josh Smith – Burn To Grow – CD-Review

Smi_300_

Review: Jörg Schneider

Nachdem mittlerweile zwei Jahre lang kein neues Material von Josh Smith zu hören war, kommt jetzt nun sein drittes Album „Burn To Grow“ in die Läden. Musikalische Unterstützung hat sich Josh Smith für sein neues Werk bei so namhaften Musikern wie z. B. Carey Frank (Tedeschi Trucks Band), Pete Thomas (Elvis Costello), Lemar Carter (Usher) und Monét Owens (Ed Sheeran, Celine Dion) geholt.

Herausgekommen ist eine Scheibe, die Ihre Wurzeln im Blues hat, aber vielfältig mit Jazz-, Soul- und Funkelementen angereichert ist. So gibt es wunderbar arrangierte und treibende, aber auch melodiös dahinfließende bigbandartige Bläsersätze. Das Ganze wird getragen und begleitet von Josh Smiths markanter Stimme einerseits und seinen exzellenten Gitarrenkünsten andererseits. Aber das i-Tüpfelchen liefert Monét Owens mit ihrer klaren Sopranstimme als Background Sängerin.

Auf dem fröhlich-souligen „Your Love“ liefert sie dann auch noch die Leadvocals. Für mich persönlich das beste Stück des Albums, eine beschwingte Nummer bei der man sofort mittanzen möchte oder zumindest aber die Beine nicht stillhalten kann. Allein schon aufgrund ihrer hellen Sopranstimme unterscheidet sich dieser Song deutlich von den übrigen Titeln der CD und bietet zur „Plattenhalbzeit“ eine willkommene stimmliche Abwechslung.

Im Opener „Half Blues“ ergänzen die wunderbaren Gitarrenriffs vor allem in der zweiten Hälfte des Stücks die dezenten Bläsersätze, während das zweite Stück des Albums „Through The Night“ wiederum durch den bezaubernden Hintergrundgesang von Monét Owens besticht, der wunderbar zu dem gefällig-melodiösem Grundcharakter des Tracks passt.

In Kontrast dazu steht das anschließende „Watching You Go“ mit seinen harten Riffs, die sich mit wilden Gitarreneinlagen abwechseln, um schließlich in harmonische Gesänge von Smith und Owens überzugehen. Auch „That For You Too“ wartet mit einer grandios arrangierten Bläsersektion auf. „Look No Further“ ist etwas nachdenklicher als die bisherigen Stücke, was durch den leicht wabernden refrainartigen Gitarren-Klangteppich im Hintergrund noch verstärkt wird.

Mit „Let Me Take Care Of You“ geht’s dann rockig weiter, ein richtig geradliniger Stampfer. Der einzige Slowblues des Albums ist das traditionell gestrickte „What We Need“ und in „You Never Knew“ erinnern teilweise nicht nur die Bläser dezent an den Sound von Blood, Sweat and Tears.

Auch die Stimme von Josh Smith lässt hier, wie auch im folgenden Track „She Survives“ an David Clayton Thomas denken, ein schönes, ruhig dahinplätscherndes leicht psychedelisch angehauchtes Stück mit dezenten, etwast verstörend wirkenden Gitarrenriffs. Schließlich stampft der Titelsong „Burn To Grow“ dann dem Ende der CD entgegen und reißt den Hörer durch seinen vergleichsweise brachialen Bass und die harten Gitarrenriffs endgültig aus seinen Träumereien.

Auf der vorliegenden Scheibe stellt Josh Smith also wieder einmal seine musikalischen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Exzellente Gitarrenkünste gehen hier Hand in Hand mit ausgeklügelt arrangierten Bläsersätzen und der umwerfenden Stimme von Monét Owens. Und genau hier setzt auch der einzige Kritikpunkt an: das Album ist so perfekt angelegt und abgemischt, dass es eigentlich schon fast zu glatt und flüssig klingt. Aber das ist, wie alles im Leben eine Frage der persönlichen Präferenzen.

Line up:
Josh Smith – guitar, vocals
Travis Carlton – bass on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Lemar Carter – drums on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Pete Thomas – drums on tracks 2, 3, 4, 10
Davey Faragher – bass on tracks 2, 3, 4, 10
Carey Frank – organ
Monét Owens – lead vocals on track 5, all background vocals
Jamelle Adisa – Tramper, Flugelhorn
Chris Johnson – trombone
J. P. Floyd – trombone
Matthew DeMerritt – tenor saxophone
Dan Boisey – tenor/ baritone saxophone

m2 music . musikverlag dirk osterhaus
Stil: Blues/Soul/Jazz

Tracks:
01. Half Blues
02. Through The Night
03. Watching You Go
04. That For You Too
05. Your Love (Is Making Me Whole)
06. Look No Further
07. Let Me Take Care Of You
08. What We Need
09. You Never Knew
10. She Survives
11. Burn To Grow

Josh Smith
Josh Smith bei Facebook
m2-music

Louderdales – En El Valle De Los Perdidos – CD-Review

louderdales_300

Review: Michael Segets

Kaum aus dem Spanien-Urlaub zurück flattert die neue CD der Louderdales „En El Valle De Los Perdidos“ ins Haus, die auf dem spanischen Label Sleazy Records erschienen ist. Bei ihren Touren durch Europa knüpfte die Aachener Band anscheinend Kontakte zu den Iberern. Aufgenommen wurde das Album allerdings in den Fantasy Island Studios ihrer Heimatstadt.

Das Quintett verschreibt sich konsequent dem bereits auf „Songs Of No Return“ (2015) eingeschlagenen Country-Pfad, wobei die rockigen Anteile gegenüber ihrem Debüt etwas in den Hintergrund treten.

Einen durchweg gelungenen Einstieg bildet „A Bad One“. Joe Da Hoe hat für den staubtrockenen Country-Song die passende Stimme und Tommy Greed lässt diesen mit stimmungsvoller Percussion ausklingen.

Mit „Hard Times“ und „Glory Days“, bei dem Gitarrist Thomas Slowborn die Lead Vocals übernimmt, finden sich schnellere Nummern ebenso auf der Scheibe wie lockere Midtempo-Stücke. Zu diesen zählen „No Need To Complain“ und „Bad News From Home“.

Der genretypische Rhythmus wird von Doc Nic am Upright Bass und Tommy Greed am Schlagzeug beigesteuert. Die Gitarre von Oeli Cave könnte vom Sound auf „Going Home” auch Johnny Cash begleiten. Mit „Gotta Go“ weichen die Louderdales von den klassischen Country-Klängen ab und geben dem Track einen leichten Punk-Anstrich.

Auch die Songs, die sehr gut in das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet passen, sorgen für Abwechslung auf dem kurzweiligen Album. Hier ist vor allem „Slow Jack Greedo“ hervorzuheben, das mit galoppierendem Rhythmus, klirrender Gitarre und Backgroundgesang den Soundtrack zu einem Italo-Western liefern könnte.

Gleiches gilt für das kurze und knackige Instrumentalstück „Saludos De La Cueva Moca“. Oeli Caves Gitarrenintro leitet das von ihm komponierte Duett „When I Fall Asleep“ ein. Die helle Stimme von Jenny Don’t (Jenny Connors) steht dabei in einem interessanten Kontrast zu der von Joe Da Hoe.

Die überwiegende Zahl der Titel wurde von den Bandmitgliedern verfasst, wobei Thomas Slowborn die meisten Stücke beisteuerte. Die Louderdales covern „Just Like California“ von Old 97’s und Steve Earles „Outlaw’s Honeymoon”. Beim letztgenannten Song packt Joe Da Hoe ebenso wie bei fetzigen „Truckstop Butterfly” seine Mundharmonika aus, was nochmal besondere Akzente setzt.

Country aus deutschen Landen hat ja mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Die Begeisterung der Louderdales für diese Musikrichtung schwappt beim Hören des Longplayers über. Besonders dort, wo die Band Facetten jenseits der gängigen Trucker-Rhythmen zeigt, überzeugt sie. Die Texte drehen sich oft um Outlaws und dem Leben fern von zuhause und greifen damit genretypische Themen auf. Dabei stehen sie den Beiträgen aus dem Heimatland des Country in nichts nach.

Sleazy Records (2018)
Stil: Country

01. A Bad One
02. Hard Times
03. Just Like California
04. Going Home
05. Gotta Go
06. Glory Days
07. Outlaws Honeymoon
08. Slow Jack Greedo
09. When I Fall Asleep
10. No Need To Complain
11. Saludos De La Cueva Moca
12. Bad News From Home
13. Truckstop Butterfly

Louderdales bei Facebook