Holly Carter – Leave Your Mark – CD-Review

Manchmal haben die sozialen Medien auch was Gutes an sich. Ohne diese hätte ich die Musik von der aus Bristol, UK, stammenden Holly Carter vermutlich nie kennengelernt.

Durch die Tatsache, dass ich mit Joe Wilkins, den Lead-Gitarristen von Elles Bailey, den ich nicht nur aufgrund seines Southern-angehauchten versierten Gitarrenspiels, sondern auch wegen seiner sympathischen Art sehr schätze, bekam ich in meinem Account ein Song-Video der Protagonistin im Rahmen eines neuen Albums zugespielt, auf dem Joe augenscheinlich und auch gut hörbar mitwirkte.

Nach kurzem Anschreiben, stellte er sofort den Kontakt zu Holly Carter her und wenige Zeit später hatte ich alle Sachen, die man so im Rahmen eines Album-Reviews benötigt. „Leave Your Mark“ heißt das neue Werk der Multiinstrumentalistin (u. a. eine der wenigen Pedal Steel-Spielerin im Vereinigten Königreich).

Ja, einem bleibenden Eindruck auf dieser von Schnelllebigkeit und Reizüberflutung gezeichneten Welt zu hinterlassen, darum geht es auf diesem neuen Longplayer. Da kann sich jeder an die eigene Nase fassen und fragen, ob er da, in welcher Form auch immer, was (hoffentlich Positives) beigetragen hat.

Wir versuchen nun seit gut zehn Jahren, solchen Künstlern eine (wenn auch eher kleine) Bühne zu bereiten, und ihre Musik, auch in unseren Landen, bekannt zu machen und dem geneigten Leser und Interessenten, den einen oder anderen guten Tipp zu vermitteln. Daran wird man sich hoffentlich mal erinnern.

Ein Mensch wird hier explizit mit einem Song gehuldigt, Stetson Kennedy, ein amerikanischer Autor und Bürgerrechtler, der seinen Stempel im Kampf gegen die Ausbreitung des Ku-Klux-Klans nach dem Krieg hinterließ.

Musikalisch wird das komplette Werk, das sich überwiegend in folkigen Country-Sphären bewegt, durch Hollys charismatische klare Stimme maßgeblich getragen, die mich in ihrer Prägnanz an solche von Country-Diven wie Trisha Yearwood, Brandy Clark oder auch ihrer Orts- Kollegin Elles Bailey erinnert, aber auch natürlich vom versierten grummeligen Joe Wilkins-Bariton-E-Gitarrenspiel (inklusiv kleiner Soli).

Für die rhythmische Untermalung (meist in dezent swingender Clubspielart mit Pinseldrums und Contrabass) sorgen John Parker (Nizlopi, Ward & Parker) am Tieftöner und Matt Brown (Rodriquez, Massive Attack) an den Drums (& percussion). Man hat beim Hören fast immer das Gefühl, das Quartett mit im Wohnzimmer sitzen zu haben.

Zu meinen Favoriten zählen besonders der Opener „What You See“ und der Ohrwurm „Follow Your Lead“, der Rest lädt zum entspannten Lauschen ein, allerdings aufgrund des Storytellings auch zum genaueren Zuhören auffordernd. Am Ende lässt sie dann beim Instrumental „Moreoven“ im Alleingang ihre Fingerfertigkeit an der Akustikgitarre aufblitzen.

„Leave Your Mark“ von Holly Carter ist sicher nichts für temperamentvolle Unruheherde, sondern eher was für Leute, die sich gerne mit leicht melancholischer Musik, in gemütlicher Ruhe (ggfs. mit einem Glas Rotwein dabei) samt intensivem Hören auseinander setzen.

Eine tolle Stimme, das Herz am rechten Fleck, klasse Mitmusiker und anspruchsvoll intensive Tracks bilden hier das Qualitätsmerkmal. Eines kann man jedenfalls eindeutig attestieren: Mission ‚Bleibender Eindruck‘ zumindest, was meine Person betrifft, mit Bravour erfüllt!

Forty Below Records (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. What You See
02. Stetson Kennedy
03. Bear With Me
04. He’s A Man
05. Follow Your Lead
06. Idle Eyes
07. Waiting For You
08. Fraser River
09. Out To Sea
10. Morewen

Holly Carter
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Elles Bailey – Shining In The Half Light – CD-Review

Elles Bailey zählt zu den Künstlerinnen, die bei den Dingen, die wir in ihrer Sache bisher im SoS beleuchtet haben, allesamt restlos überzeugen konnte. Zum einen bei ihren beiden starken Konzerten 2018 und 2019 im heimeligen topos in Leverkusen und auf ihren beiden bis dato veröffentlichten Silberlingen, wobei sie bei ihrem Debüt „Wildfire“ sogar den geschätzten Kollegen Segets begeisterte, der ja für seinen überwiegenden Faible für eher verschrobene Musik bekannt ist.

Am 25. Februar erscheint nun ihr drittes Werk „Shining In The Half Light“, das zum ersten Mal (vermutlich der Pandemie und auch den zu dieser Zeit zu erwartenden Mutterfreuden der Protagonistin geschuldet) komplett in den Middle Farm Studios  im englischen Devon entstanden ist (bei den Vorgängern war Elles ja zum Teil auch nach Nashville gereist).

Assistiert und geholfen haben ihr in Sachen Songwriting Leute wie Ash Tucker, Will Edmunds, Martin Harley, Matt Owens von der Indie-Folk-Band Noah And The Whale, Alex Maile, Tamara Stewart, Brett Boyett sowie ihr sympathischer Gitarrist Joe Wilkins, der sich auch wieder für die formidable Saitenarbeit verantwortlich zeigt. 

Bassist Matthew Waer, Jonny Henderson an den Keys und Drummer Matthew Jones vervollständigten den instrumentellen Teil, Izo Fitzroy, Jade Elliot sowie Andrusilla Mosley sorgten für herrlich gospelige Harmoniegesänge, Dan Weller (Enter Shikari) übernahm die Produktion der Scheibe.

Elles Bailey ist für mich eindeutig die amerikanischste Britin, die ich bisher rezensieren durfte. Nicht nur ihrer Stimme wegen, die mich zu einem großen Teil in ihrer Gewalt und Variabilität an die grandiose Sängerin Wynonna erinnert, sondern vor allem dank des stark südstaatlich geprägten Sounds, der von swampigen Slide-Gitarren, Southern Rock-artigem und countryesken Sound, nicht zu vergessen den weiblichen Backgroundvocals, bestimmt wird.

Gerade die drei ersten Stücke „Cheats And Liars„, „The Game“ und „Stones“ werden unserer Southern Rock-Klientel Freudentränen in die Augen treiben, was aber auch für die ruhigeren Sachen gilt, die nur so vor Southern Soul und Countryfeeling strotzen und bei denen die überragenden Lead vocals von Bailey noch besser zum Tragen kommen.

Klaro, bei Tracks wie dem mit wummernder Orgel und rockigen E-Gitarren angeschobenen „Sunshine City“, das auch gut auf Whitesnakes damaliges „Ready ‚An Willing“ gepasst hätte, oder dem abschließenden Titelsong „Shining In The Half Light“ mit einem unterschwelligen psychedelischen Bad Co.-Flair, blinzelt der britische Ursprung dann auch mal hervor.

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, weiterhin eher ihrem sparteninternen Insiderstatusleben fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme als der Star aus London verweisen und die bessere Musik, wie es auch „Shining In The Half Light“ wieder beweist, macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

Elles Bailey
Elles Bailey bei Facebook
V2 Records & Bertus Musikvertrieb

 

 

 

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

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Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

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