Jeffrey Steele – Hell On Wheels – CD-Review

Stee

Jeffrey Steele zählt zu den großen Hitlieferanten in Nashville. Jeder, der sich etwas intensiver mit CDs aus dem New Country-Genre beschäftigt, stößt mit 100%iger Garantie irgendwann, mit großer Wahrscheinlichkeit sogar mehrfach auf seinen Namen, bei dem, was meist in der Klammer hinter dem Song steht. So ernteten bereits klingende Interpreten wie Montgomery Gentry, Tim McGraw, Faith Hill, Lonestar, Trace Adkins, Diamond Rio und viele andere die Lorbeeren seiner kompositorischen Inspirationen.

Als Musiker dürfte Steele, der übrigens eine auffallende äußerliche Ähnlichkeit mit Rot-Weiss Essen-Ex-Sturmführer Alex Löbe besitzt, und von daher eh schon sympathisch erscheint, Insidern als Bassist und Sänger der Gruppe Boy Howdy vielleicht noch bekannt sein, die Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre ihren Zenit hatten. Wehe aber, wenn der gute Jeffrey mal nicht ans tantiementrächtige Geldverdienen denkt, sondern sich seinem eigenen Solo-Projekt, unabhängig vom Nashville-Mainstream, widmet. Was er so drauf hat, bewies er eigentlich schon vor zwei Jahren auf seinem überragenden Album „Outlaw“, einer Mischung aus schönem, melodisch modernem, angerocktem Country und einer ordentlichen Portion Southern-Rock. Mittlerweile hat Jeffrey erneut Lust verspürt, sich selbst ein paar Stücke auf den Leib zu schreiben und herausgekommen ist mit „Hell On Wheels“ eine weitere Sternstunde (im wahrsten Sinne des Wortes, die Spielzeit beträgt knapp 58 Minuten!), die zeitgenössische Countryfreunde und Südstaaten Rocker zugleich begeistern wird.

Es geht gleich deftig los mit einem harpgetränktem, bluesigen Countrystomper „Your Tears Are Comin'“ mit recht amüsantem Text, den Steele mit dem bei Insidern ebenfalls recht beliebten Musiker Tom Hambridge komponiert hat (wie auch noch drei weitere Nummern). Ebenfalls aus der Feder der beiden „Sweet Salvation Of Southern Rock And Roll“, eine famose, emotional aufgeladene Southern-Rock-Hymne, die alles, was dieses Genre ausmacht, beinhaltet. Satter Drive in den Strophen, wunderbare E-Gitarren (inkl. ruhigem, warmen Slide-Bridge), Akustik-Piano und freche weibliche Backgrounds von Crystal Taliefero und K. K. Faulkner. Dazu gibt es, wie auch beim folgenden Mix aus Southern-Blues und dezentem Rockabilly, „Itchin'“, eine simulierte Live-Atmosphäre, die beide Songs noch peppiger erscheinen lässt. Überhaupt glänzen diesmal vor allem die fetzigeren Sachen, die Steele mit gewohnt rotziger Röhre vokal begleitet.

Weitere Highlights sind Sachen wie „Hollywood Girl“, ein swingender Southern-Boogie mit Bakersfield-Sound-Anleihen (lustiger Text, herrlich wie Background-Röhre Bekka Bramlett einmal „I love Jim Morrison“ dazwischenbölkt), „Georgia Boy“, eine Hommage an den guten Charlie Daniels (bei dem dessen eigene Stilmittel wie Sprechgesang und wieselflinken, filigranen E-Führungsriffs integriert wurden), oder „Down Here“ (mit tollem Banjo, bluesiger E-Gitarre, funkigen Breaks, Ooh-Ooh- Backs). Dazwischen immer mal wieder ein paar Balladen, die ohne jeden Schmalz auskommen und von Steele wunderschön, mal rauchig entspannt oder kratzig introvertiert, dargeboten werden. „Tryin‘ To Find It“ fand davon als Cover auf das neue Album vom in Nashville im Moment wieder stark auftrumpfenden Texas-Musiker Pat Green. Ebenfalls recht humorvoll dargeboten, wird hier das an John Mellencamp erinnernde „Drunk Girl“. Ein kurzes jazziges Boogie-Piano-Intermezzo ist dann noch meinem Nashville-Lieblings-Keyboarder Gordon Mote bei „Hit It Gordon“ vergönnt.

Mit „Hell On Wheels“ hat Jeffrey Steele wirklich nahtlos an sein ebenfalls sehr zu empfehlendes Vorgänger-Album „Outlaw“ angeknüpft, vielleicht sogar noch ein Schüppchen draufgelegt. Southern-Rocker, die immer noch leichte Berührungsängste haben, sollten sich jetzt wirklich einen Ruck geben. Die ganzen Klassemusiker, die auch diesmal wieder im Großen und Ganzen dabei sind (u. a. Pat Buchanan, Tom Bukovac, Greg Morrow, Tony Harrell, Gordon Mote, Russ Pahl), finden sich auch auf diesem Parkett spielend zurecht. Also, wenn nicht bei diesem Werk, wann dann? Lasst Euch musikalisch von Jeffrey Steele mit qualmenden Reifen durch die Southern-/Countryhölle fahren! Echt heiß!

Eigenproduktion (2006)
Stil: New Country

01. Your Tears Are Comin‘
02. Suite Natural Girl
03. Sweet Salvation Of Southern Rock And Roll
04. Itchin‘
05. Not That Cruel
06. Tryin‘ To Find It
07. Hit It Gordon
08. Hollywood Girl
09. Helldorado
10. Drunk Girl
11. Georgia Boy
12. Sad Situation
13. Down Here
14. Hey God

Jeffrey Steele
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