Gretchen Peters – The Show. Live From The UK – CD-Review

Review: Michael Segets

Vor fünfundzwanzig Jahren trat Gretchen Peters das erste Mal im Vereinigten Königreich auf und legte damit den Grundstein für ihren Erfolg auf der Insel. Anlässlich dieses Jubiläums entstand die Doppel-CD „The Show. Live From The UK“, mit der die Songwriterin ihren treuen Fans in Großbritannien eine besondere Freude machen will. Das Werk enthält einen Zusammenschnitt von drei Konzerten, die Ende April 2019 aufgenommen wurden.

Die Hälfte der Songs stammt von einem Auftritt in Bristol, die anderen von welchen in Bexhill-On-Sea und Bury St. Edmunds. Auf dem erste Tonträger begleitet ein schottisches Streicher-Quartett die Band. Neben Peters besteht diese aus Barry Walsh (Klavier), Colm McClean (elektrische Gitarre) und Conor McCreanor (Bass). Ein Schlagzeug kommt also nicht zum Einsatz und so bietet „The Show“ einen insgesamt ruhigen Hörgenuss.

Peters, die 2014 in die Nashville Songwriter Hall Of Fame aufgenommen wurde, schreibt eingängige Songs mit teilweise bissigen Texten. So steigt die erste Scheibe stimmungsvoll mit „Arguing With Ghosts“ und „Hello Cruel World“ ein. Es folgen ruhige Balladen im gleichen Stil, unter denen „Revival“ besonders gut gesungen ist. „Blackbirds“ sticht durch seine dramatische Atmosphäre heraus. Das Stück heimste seinerzeit die Auszeichnung als bester Americana-Song des Jahres in Großbritannien ein.

Im Anschluss stellt Peters die Musiker vor und gibt eine Anekdote zu „When You Love Someone“, das als Soundtrack zusammen mit Bryan Adams geschrieben wurde, zum Besten. Das Track-Splitting ist hier unverständlich, da sich die Einleitung des Songs am Ende des vorherigen findet. Allerdings sind Live-Alben ja so konzipiert, dass man sie sich durchgehend anhört und so stört dieser Umstand nicht weiter. Während die einzelnen Beiträge durchweg gelungen sind, bleibt in der Gesamtsicht auf die erste CD doch festzuhalten, dass sie keinen großen Spannungsbogen entfaltet. Die Stücke ähneln sich in Tempo und Arrangement. Die zweite Scheibe zeigt sich deutlich variabler.

Der Opener des zweiten Durchgangs „When All You Got Is A Hammer” ist ein inhaltlich und musikalisch starker Song, bei dem Colm McClean zum Zuge kommt. Auch bei dem reduzierteren „Disappearing Act” setzt er erneut mit seiner E-Gitarre Akzente. Peters singt dort wunderbar mit trotziger Energie. Der leichte Country-Einschlag bei „Wichita“ passt zu der gewalttätigen Story, die der Text erzählt.

Nach launigen Bemerkungen über sonnenverbrannte Engländer performt Peters nochmal eine gefühlvolle Ballade („Say Grace“). Bei „Everything Falls Away” dominiert Barry Walsh am Klavier die Begleitung und legt ein längeres Solo hin. Für „The Matador“ holt Peters nochmal Seonaid Aitken mit ihrer Geige und für „Five Minutes“ die Cellistin Alice Allen auf die Bühne, bevor mit „Idlewild“ das Werk ausklingt.

Auf dem zweigeteilten „The Show. Live From The UK“ zeigt Gretchen Peters ihre Qualität als Songwriterin und Sängerin mit einem Querschnitt aus ihrer mehr als fünfundzwanzigjährigen Solokarriere. Die erste CD verläuft – durchgängig von einem Streicher-Quartett begleitet – in ruhigen Bahnen. Atmosphärisch abwechslungsreicher stellt sich die zweite CD dar, auf der das Können ihrer Begleitband deutlich wird.

Mit der neuen Scheibe im Gepäck gibt die gebürtige New Yorkerin im August erneut Konzerte in England und Schottland, wobei sie wieder einen Auftritt in Bristol hat. Dieser dürfte also ein Heimspiel in der Fremde sein.

Proper Records – Bertus (2022)
Stil: Americana

Tracks:
CD 1
01. Arguing With Ghosts
02. Hello Cruel World
03. The Secret Of Life
04. Revival
05. Love That Makes A Cup Of Tea
06. Blackbirds
07. When You Love Someone
08. On A Bus to St. Cloud
09. To Say Goodbye
10. When You Are Old

CD 2
01. When All You Got Is A Hammer
02. Disappearing Act
03. Whichita
04. Say Grace
05. Everything Falls Away
06. The Matador
07. Five Minutes
08. Idlewild

Gretchen Peters
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Bertus
V2 Records

Gretchen Peters – Dancing With The Beast – CD-Review

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Die bei uns vermutlich eher nur mäßig bekannte (ich zum Beispiel kannte sie bisher nicht), in Bronxville, New York, geborene, in Colorado aufgewachsene und schon lange Zeit in Nashville lebende Singer/Songwriterin Gretchen Peters, veröffentlicht seit ihrem Debüt 1996 „The Secret Of Life“ in regelmäßigen Abständen neue Tonträger.

In dieser Zeit, man höre und staune, hat sie auch für Größen wie Martina McBride, Etta James, Trisha Yearwood, Patty Loveless, George Strait, Anne Murray, Shania Twain oder Neil Diamond komponiert. Weitere Prominenz wie Faith Hill coverte ein Stück von ihr und selbst ein Bryan Adams greift beim Songwriting immer wieder gerne auf ihre Ideen und Inputs zurück. Mit „When You Love Someone“ gab es sogar schon eine gemeinsame Kooperation, bzw. Veröffentlichung.

Auf ihrer neuen Scheibe „Dancing With The Beast“ beschäftigt sie sich mit Dingen rund um die Frau, nicht zuletzt auch, weil im Entstehungszeitraum die #Me Too-Debatte losgetreten wurde. Mich hat allerdings der sich, mit der Vergänglichkeit des Lebens, in starken Worten und mit herrlich atmosphärischer Musik unterlegte Song „Disappearing Act“ (unbedingt ansehen!) neugierig gemacht.

Die CD bewegt sich größten Teils, wie bei Künstlerinnen aus diesem Genre üblich, im introvertiert melancholischen Bereich (u. a. „Arguing With Ghosts“, „The Boy From Rye“, „The Show“, „Love That Makes A Cup Of Tea“), wobei eine zurückgenommene Instrumentierung  mit akustische Gitarre, Piano und ab und zu einfließende Steel die Richtung vorgeben.

Meine Favoriten sind neben bereits erwähntem  „Disapperaing Act“, Lieder, wie die mit einer knarzenden Dobro bestückten „Wichita“ und „Lay Low“, die fast mystisch anmutende Ballade „Lowlands“, das dezent poppige Titelstück, das großartige bluesige „Truckstop Angel“ mit tollem Zusammenspiel von E-Gitarre und Piano und die Steel-dominierte Countryballade „Say Grace“, die der Scheibe trotz einer gewissen ‚Schwere‘ und ‚Tiefe im intellektuellen Anspruch‘, durchaus Abwechslungsreichtum und Kurzweiligkeit bescheren.

Insgesamt typischer Stoff, wie man ihn aus Kreisen von Kolleginnen wie Lucinda Williams, Mary Gauthier, Matraca Berg, Suzy Boguss, Lisa Brokop, Tift Merritt & Co. immer wieder serviert bekommt, allerdings mit durchaus eigenem Charme und Charakter. Somit ein gelungener ‚Tanz‘ mit Gretchen Peters!

Proper Records/H’art (2018)
Stil: Singer/Songwriter/Americana

01. Arguing With Ghosts
02. Wichita
03. The Boy From Rye
04. Disappearing Act
05. Lowlands
06. The Show
07. Dancing With The Beast
08. Truckstop Angel
09. Say Grace
10. Lay Low
11. Love That Makes A Cup Of Tea

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H’ART Musik-Vertrieb GmbH