Larkin Poe – Kindred Spirits – CD-Review

LP_300

Review: Stephan Skolarski

Als das Larkin-Poe-Duo, bestehend aus den Schwestern, Megan und Rebecca Lovell, 2015 ihren Video-Service mit live eingespielten Cover-Songs startete, war die Begeisterung der Fans in der Anzahl abgerufener Views leicht zu erkennen. Diese über die Jahre schnell gewachsene Nachfrage hatte zur Folge, dass Larkin Poe ihr erstes Cover-Album „Kindred Spirits“ mit bisher nicht veröffentlichten Titeln herausgeben. 11 Favoriten der beiden Lovells, die sie stets gedanklich begleiteten und innerhalb von 5 Tagen im Home-Studio aufgenommen wurden.

Der Einstieg in die Scheibe wird durch den außergewöhnlichen Robert Johnson Delta-Blues „Hellbound On My Trail“ (1937) zu einer Einladung in den oft spontanen Variantenreichtum der Schwestern. Dies gilt genauso für „Fly Away“, dem Lenny Kravitz-Cover, das auf eine bluesy-slide und immer noch powervolle Version reduziert ist. In einer magischen Southern-Lap-Steel Fassung erscheint „Rockin‘ in The Free World“, die legendäre Neil Young-Nummer vom „Freedom“-Album, deren eindrucksvolle Lyrics-Botschaft durch die zurückhaltende Gestaltung noch deutlicher wirkt.

Dass die beiden Lovells in einer Musik-liebenden Familie aufgewachsen sind und viele der „Kindred Spirits“-Titel seit ihrer Kindheit zu ihnen gehören, betont Megan ebenso deutlich, wie die besondere Bewunderung gegenüber den ursprünglichen Künstlern, die in ihren Cover-Versionen zum Ausdruck kommt. Exemplarisch sind „(You’re The) Devil In Disguise“ als Western-Sound-Track-artige Elvis Presley-Hommage und der Phil Collins-Hit „In The Air Tonight“; Beispiele für entschleunigte und sanfte Töne, und kreative Song-Verwandlungen.

Dies gilt gleichermaßen für die Vorab-Single von „Nights In White Satin“, dem großartigen Moody Blues-Welterfolg, der hier durch Megans klare Saitenarbeit, seine klassische Intensität ganz neu entwickelt. Mit Bo Diddleys „Who Do You Love“ folgt eine weitere, historisch berühmte Nummer (1957), die ihren Rock ’n‘ Roll-Charakter bei Larkin Poe geradezu zärtlich auf Duett-Vocals mit Southern-Guitar-Touch komprimiert. Auch der Post-Malone-Song „Take What You Want“ wird danach in einer fast traurig-intensiven Darbietung nur minimal ausgestattet und harmonischen Vocals überlassen.

Selbstverständlich konnten die „kleinen Schwestern der Allman Brothers“, die ihre südstaatliche Herkunft und musikalische Vorbildung nicht verleugnen, am typischen Southern-Rock-Titel nicht vorbei und haben mit „Ramblin‘ Man“ eine abgespeckte jedoch kraftvolle Seite aufgezogen. Zur slow-bluesigen Seite der Schwestern gehört die nostalgische Ausgabe von Derek & The Dominoes „Bell Bottom Blues“, der in seinem ruhigen Kontrast zum vorherigen Song eigentlich auf den melancholischen Abschluss des Longplayers vorbereitet: einen gedimmten „Crocodile Rock“. Elton Johns Original wird dabei in „einfacher“ Lap-Steel-Version auf die „Füße gestellt“.

Larkin Poe verbinden auf ihrem neuen Album „Kindred Spirits“ viele unterschiedliche, aber verwandte „Geister“ und transportieren eine leidenschaftliche Energie in ihren Songs. Die instrumental reduzierten Cover-Versionen zeigen die „Ursprünge“ der durchweg erfolgreichen Originale. Wenn wir der Corona-Krise schon etwas Positives abgewinnen wollen, dann können wir uns immerhin freuen, dass Larkin Poe ihre aufgezwungene Tour-Pause erfrischend unterhaltsam genutzt haben.

Tricki-Woo Records (2020)
Stil: Roots Rock, Blues

Tracklist:
01. Hellhound On My Trail
02. Fly Away
03. Rockin’ In The Free World
04. (You’re The) Devil In Disguise
05. In The Air Tonight
06. Nights In White Satin
07. Who Do You Love
08. Take What You Want
09. Ramblin’ Man
10. Bell Bottom Blues
11. Crocodile Rock

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