Gov’t Mule – The Tel-Star Sessions – CD-Review

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Ich war, ehrlich gesagt, nie der große Jam Rock-Fan, auch nicht von psychedelisch behafteter Musik. Es liegt vermutlich daran, dass ich kein Kind der 68er-Generation bin, sondern das bewusste Musikhören erst ab Mitte der Siebziger angefangen habe. Für die Jazz-Präferenzen meines Vaters (Louis Armstrong & Co.) konnte ich mich nicht erwärmen, der Southern Rock hatte mich schnell im Griff. Natürlich waren da auch die Allman Brothers involviert, deren „Brothers & Sisters“-Werk war z. B. meine aller erste gekaufte LP. Für lange Frickelorgien fehlte mir immer die adäquate Umgebung, mit bewusstseinserweiternden Mittelchen hatte ich als erfolgreich heranwachsender Leistungssportler auch nie Berührungspunkte.

Da ich zum heutigen Zeitpunkt, leider kein einsames schönes Haus an einem See oder einem spirituell-umwehten Ort besitze und finanziell, wie die meisten, nicht unabhängig bin, sondern ein Stadtmensch in enger Umgebung, der sich immer wieder von Neuem, im Hamsterrad unserer schnelllebigen Konsumgesellschaft, seine Penunzen verdienen muss, habe ich am Ende des Tages, recht wenig Muße und Nerven für ausgiebig gestaltete Musik-Kreationen. Von daher bin ich eigentlich eher ein Hörer, der (gut gemachte) Stücke im 3-5-Minuten-Bereich bevorzugt.

Das heißt im Prinzip nicht, dass ich Musikern o. a. Gattungen, nicht Respekt zollen würde. Ihr handwerkliches Können, ist natürlich registriert und in gewissen Situationen/Stimmungen durchaus sporadisch willkommen. Die eine oder andere Scheibe aus diesem Bereich ist naturgemäß auch in meinem reichhaltigen Sammel-Fundus präsent.

Gov’t Mule sind so ein Fall. Warren Haynes und seine Mannen, genießen bei mir absolute Hochachtung, ihr „Endless Parade“ zählt zu meinen Alltime-Lieblingsstücken. Ich höre die kultumwobene Band allerdings so gut wie nie. Jetzt habe ich ihre „The Tel Star Sessions“ unverhofft ins Haus bekommen und stelle mich einfach mal der Herausforderung! Die Aufnahmen passierten im Vorfeld zu ihrem Debütalbum, von denen es einige Stücke dann auch auf dieses geschafft hatten. Diese Session-Stücke wurden jetzt nochmal ausgegraben, nachbearbeitet und stehen als digitaler Tonträger zur Veröffentlichung, Anfang August, bereit. Lediglich das progessiv angehauchte „World Of Difference“ (in zwei Versionen präsent) ist einmal auch in der ursprünglichen Rohfassung am Ende der CD zu hören.

Es ist insgesamt für mich dann auch die erwartet anstrengende Kost. Die Stücke, alle fast in Acht-Minuten-Gefilden, sind relativ ähnlich strukturiert. Knatternde, knarzende und surrende E-Gitarrenintros, Haynes Gesang klingt wie gewohnt (manchmal ist er durch eine Voicebox modifiziert), Allen Woodys Bass pumpt höllisch, Abts Drums poltern kräftig und irgendwann kommt ein langer Solo-Part, wo das Trio in Probenraum-artige Improvisationsausflüge mündet. Für echte Musiker und Jam-Fetischisten sicherlich eine klasse Sache. Für mich persönlich sind diese Niedeleien auf die Dauer sehr ermüdend.

Und so spielen sich Haynes, Woody und Abts für ihre anvisierte Klientel höchst anspruchsvoll durch Allman- („Rocking Horse“, „The Same Thing“), Hendrix-, Cream-, Bad Co.- („Mr. Big“) oder ZZ Top– („Monkey Hill“, „Mother Earth“, „Just Got Paid“-Cover) infiziertes Material, das im weiteren Verlauf, die Basis und den Auftakt für ihre anschließende Gov’t Mule-Karriere bildete.

Ich persönlich bevorzuge dann doch eher Haynes‘ Solo-Scheiben oder, wie vor kurzem im Rahmen seiner „Ashes & Dust“-Tour gesehen, wenn er mal ins Country Rock-Geschehen abdriftet. Die „Tel Star Sessions“-Scheibe wird vermutlich zunächst im Nirvana meiner großen Sammlung bis auf Weiteres verschwinden.

Aber wer weiß, sollte ich aus irgendeinem Zufall heraus, nach Beendigung meines Arbeitslebens, doch noch irgendwann mal, zur oben erwähnten Immobilie kommen, könnte es natürlich sein, dass ich abends diese Scheibe wieder aus dem Regal zücke und bei einem gemütlichen Joint auf der Veranda, ihre Wirkung auf mich ganz neu entfalten lasse…

Provogue (Mascot Label Group) (2016)
Stil: Southern Jam Rock

01. Blind Man In The Dark
02. Rocket Horse
03. Monkey Hill
04. Mr. Big
05. The Same Thing
06. Mother Earth
07. Just Got Paid
08. Left Coast Groovies
09. World Of Difference
10. World Of Difference (Alternate Version – Bonus Track)

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