Texas Renegade – After Everything – CD-Review

Wow, was für ein Album! Das zweite Werk von Texas Renegade, „After Everything“, ist schon jetzt als eines der Top-Alben von 2007 fest gebucht. Hatte ich noch vor kurzem von den Bois D’Arcs in den allerhöchsten Tönen geschwärmt, so bleibt mir bei den Burschen aus der Gegend rund um Wimberley, Texas jetzt endgültig die Spucke weg. Es ist schon wirklich eindrucksvoll, was dieser illustre Bundesstaat an musikalischen Talenten hervorzaubert. Würde das doch bloß auch nur für Politiker gelten…

Was macht Texas Renegade zu einer ganz besonderen Band? Da wäre zunächst ihr Kopf Andy Bertelsen (lead vocals, guitars), der nicht nur mit einer wunderbaren Stimme ausgestattet ist, sondern auch ein Gespür für herrlich leicht ins Ohr gehende Melodien hat, und diese mit einer anspruchsvoll und eigenwillig gestalteten Instrumentierung so überaus harmonisch in Einklang bringt. Er hat sämtliche Songs komponiert. Sein Gitarrenspiel ist zurückhaltend und dient fast ausnahmslos zur rhythmischen Untermalung, lediglich bei „Better Than Being Alone“ prescht er mal mit einem satten E-Riff voran.

Das Individuelle der Band ist sicher die dominante Stellung der nicht alltäglichen Kombination von Mandoline (gespielt von Tyson Carver) und Harmonika (überragend Kasey Klepfer), die oft als markante Fills eingesetzt werden, sich aber auch immer wieder kleinere Gefechte zwischen Strophen und Refrains liefern. Klepfers Spiel erinnert mich in seiner bluesigen Art (einige Male auch mit Bürgerkriegsflair) ein wenig an die eines gewissen, leider kürzlich verstorbenen Topper Price, vielleicht einigen Lesern gedanklich noch vom Stück „Mr. Blues Man“ von
Dickey Betts & Great Southern-Album „Atlanta’s Burnin‘ Down“ präsent.

Die Rhythmus-Sektion bilden Matt Pigg (drums & percussion) und Eli Carver (bass), die ebenfalls einen nicht unerheblichen Anteil am Klangbild der Stücke für sich beanspruchen dürfen. Dazu kommen noch ein paar wenige Gastmusiker, von denen Michael Ramos an der Organ und Brendan Anthony an der Fiddle die markantesten Eindrücke hinterlassen.

Texas Renegade offerieren uns mit ihrem Zweitwerk 13 Tracks mit einer Spielzeit von knapp unter einer Stunde, ohne auch nur den kleinsten Anflug von Schwäche, darunter einige relaxte, rootsige Midtemposongs, oftmals mit Ohrwurmcharakter („Angel Of The Moonlight“, „More Than I Deserve“, „Love Is A Funny Thing“, „Born To Love You“, „Summer Again“), zwei traurige Balladen voller Melancholie („Still The One“, „Cigarettes And Whiskey“); Lieder voller Stimmung und Atmosphäre wie „Cold In California“ (übrigens das einzige, das ohne Harp auskommt) und „Gettysburg“, dazwischen noch ein furioser Uptempo-Country-Waltz im Bluegrass-Stil („Bar Ditch“), bei dem man vom fröhlichen Musizieren der Truppe mit Mandoline, Harp und Fiddle überwältigt und dazu noch mit klasse A capella-Gesangs-Passagen überrascht wird.

Liebhaber von melodiebetonten Bands wie No Justice, Buster Jiggs, The Bois D’Arcs, Eli Young Band, Blue Dogs, Cooder Graw, Honeybrowne oder Sister Hazel werden ihre wahre Freude haben. Den tollen Tipp erhielt ich übrigens von einem netten Stadion-Bekannten namens Helmut Tautges, genannt Happo, seines Zeichens Präsident der Uralt-Ultras Essen, womit bewiesen wäre, dass Rot-Weiß Essen-Anhänger nicht nur den besten Fußball-, sondern auch einen grandiosen Musik-Geschmack haben. Mein Herz haben Texas Renegade mit „After Everything“ direkt im Sturm erobert!

Socket Dog Music (2007)
Stil: Red Dirt

01. Angel Of The Moment
02. More Than I Deserve
03. Love Is A Funny Thing
04. Born To Love You
05. Summer Again
06. Fight For You
07. Julie
08. Better Than Being Alone
09. Bar Ditch
10. Cold In Carolina
11. Still The One
12. Gettysburg
13. Cigarettes And Whiskey

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