Terri Clark – The Long Way Home – CD-Review

Clar

Rückkehr von Terri Clark mit dem bislang vielleicht besten Album ihrer Karriere! Nachdem sich Terri Clark über ein Jahrzehnt als Major-Act bei Mercury Records erfolgreich behauptet hatte, liefen die letzten Jahre der sympathischen Kanadierin alles andere als rund. Es gab Eheprobleme, ihre Mutter erkrankte an Krebs und dazu kam, dass ein geplantes, neues Album bei ihrer neuen Plattenfirma BNA Records trotz zweier im Vorfeld recht erfolgreicher Singles nicht veröffentlicht wurde. Mittlerweile hat Terri ihr eigenes Label ins Leben gerufen, „Bare Track Records“, das über die Capitol-Gruppe vertrieben wird und präsentiert mit „The Long Way Home“, das wohl bahnbrechendste und für sie wichtigste Album ihrer bisherigen Karriere.

Dabei hat kommerzieller Erfolg für sie eine eher sekundäre Bedeutung, wie sie betont. Vielmehr steht ihr künstlerischer Anspruch im Vordergrund, sich so zu verwirklichen, wie sie wirklich ist. Das aus Montreal, Quebec stammende „Cowgirl“ hat, wie es das Cover gut dokumentiert, den Cowboyhut abgelegt, und sich zu einer ernsthaften und gereiften Singer/Songwriterin und Produzentin (alle Lieder sind selbst von ihr produziert) weiterentwickelt, wobei das New Country-Herz weiterhin an der richtigen Stelle schlägt und auch omnipräsent erhalten bleibt. Dennoch gibt sie sich abwechslungsreicher als je zuvor.

Eingerahmt sind die neuen Stücke des Albums von dem Leading-Track „Gypys Booots“ (komponiert von Terri, Leslie Satcher und Jon Randall), der am Anfang und Ende der CD in zwei unterschiedlichen Versionen vorhanden ist: Die Finalversion als rootsiges Acoustic Demo, bei dem Terri in Allroundmanier das komplette Stück allein abwickelt (Gesang, Resonator Guitar, Acoustic Guitar, Percussion), der Opener dafür in einer fulminanten „Full Band-Version. Ein heisser, sexy, southern-fueled, stomping Country-Blues-Rocker, wobei es ein wahrer Ohrenschmaus ist, den involvierten Klassemusikern (u.a. Brent Mason, Shannon Forrest, Kenny Greenberg, B. James Lowry, Paul Franklin, John Hobbs, Jim Horn) während dieses audiophilen Genusswa beiwohnen zu dürfen (herrlich angerauter Gesang Terris, ein satter, swampiger Groove, schwere Gitarren, fette Bläser-Fills). Absolut stark!

Mit „Poor Girls Dream“ folgt dann im Mittelteil noch ein weiterer rockiger Kracher dieses Kalibers. Den Rest der Tracks bestreitet Terri Clark dann im Stile allerbester Nashville New Country-Kultur, und zwar in einer Qualität, die ihresgleichen sucht. Rein tempotechnisch wird meist im Midtempo agiert, sporadische Ausflüge in flottere Bereiche (das flockige, mit einem klasse E-Gitarren-Rhythmus unterlegte „If You Want Fire“ und das etwas poppige „Tough With Me“ – das Intro/Zwischenakustikgitarrenriff erinnert an Bad Companys „Shootig Star“, die Melodie kommt aber eher als eine Art Mixtur aus Wynonnas „What The World Needs‘ und Shania Twains „That Don’t Impress Me Much“), als auch in balladeske Sphären (beispielsweise das grandiose, mit einer gehörigen Portion „raw soul“ versehene „A Million Ways To Run“ – mit wunderschönem, dezentem Zusammenspiel von Akustikgitarre, Mandoline, Dobro und E-Piano oder das sehr melodische „If I Could Be You“ mit E-Piano, Orgel, Steelguitar, und ganz starkem Gesang Terris) mit inbegriffen.

Dazu gibt es noch zwei markante Gastauftritte, zum einen von Vince Gill (steuert wieder seine typischen, wunderbaren Harmonies bei) bei einer instrumentaltechnisch zurückgenommenen Version von „The One You Love“ (das „Original“ ist auf dem „Pain To Kill„-Album zu finden), zum anderen bei „You Tell Me“ (erinnert ein wenig an Eric Claptons „Change The World“) im Duett mit dem in hiesigen Gefilden noch recht unbekannten Musiker Johnny Reid (in Kanada mittlerweile ein absoluter Superstar), der mit seinem rauchigen Organ einen wunderschönen Kontrast zu Terri bildet. Man könnte den beiden stundenlang zuhören!

Fazit: Mit „The Long Way Home“ ist Terri Clark vielleicht so etws wie der musikalische Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere geglückt. Die Kanadierin hat den Sprung zur vielseitigen, ernsthaften und gereiften Künstlerin in beeindruckender Manier bewältigt und macht bessere Musik als je zuvor. Eines der ganz starken Country-Alben des Jahres 2009! Eine wahre Meisterleistung!

Bare Track Records (Capitol Records) (2009)
Stil: New Country

01. Gypsy Boots
02. If You Want Fire
03. A Million Ways To Run
04. What Happens In Vegas (Follows You Home)
05. Merry Go Round
06. The One You Love (feat. Vince Gill)
07. Poor Girls Dream
08. If I Could Be You
09. Tough With Me
10. You Tell Me (Duet with Johnny Reid)
11. Gypsy Boots (Bonus: Acoustic Demo Version)

Terri Clark
Terri Clark bei Facebook
Bärchen Records

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.