Matt Kennon – Same – CD-Review

Kenn

Starkes, ordentlich Southern-infiziertes New Country-Debüt von Matt Kennon. Wir beobachten in letzter Zeit mit Freude, dass gerade aus dem Staat Georgia einige hervorrgagende Acts wie beispielsweise Brantley Gilbert, Gary Ray & The Heartwells  und jetzt auch Matt Kennon Anstalten machen, sehr viel frischen Wind in die Nashville-Szene hereinzutragen. Die Jungs haben viel Southern Rock-Feeling im Blut und scheuen sich nicht, ihre Musik teilweise mit unkonventioneller Note fernab aller Chartzwänge zu präsentieren (was allerdings nicht bedeutet, dass hier wenig Hitpotential vorhanden wäre, ganz im Gegenteil sogar).

So auch Matt Kennon, der den Vorteil genießt, auf einem Indie-Label (BamaJam, ein Unter Label von Ronnie Gilleys und James Strouds „Stroudavarious Records“) sich so richtig kreativ austoben zu dürfen und dabei noch von einem absoluten „Who-Is-Who“ an Nashville-Vorzeigemusikern (u.a. Shannon Forrest, Brent Mason, Troy Lancaster, Kenny Greenberg, Chip Martin, Tony Harrell, Paul Franklin, Steve Nathan, Chad Cromwell, Eddie Bayers, Aubrey Haynie, Ilya Toshinsky und viele mehr), Co-Songwritern (Noah Gordon, Ben Hayslip, Shenandoah-Sänger Jimmy Yeary, Rob Crosby) und von Produzenten-Legende James Stroud (Tim McGraw, Trace Adkins) unterstützt wird.

Dazu kommen mit Jimi Jamison, dem Ex-Lead Sänger der AOR-/Classic Rock-Legende Survivor und Mark Slaughter, Bandleader der amerikanischen Hard Rock-Combo Slaughter noch zwei recht New Country-untypische Musiker hinzu, die Matt seit seiner Jugend verehrt (Survivor war eines seiner ersten Konzerte, auf die ihn sein Vater mitgenommen hatte). Durch die Beisteuerung von einigen Background Vocals (Slaughter dazu auf einem Track E-Gitarre) der beiden erfüllt sich ein persönlicher Traum Kennons. Das Markenzeichen des jungen Mannes ist zweifellos seine recht außergewöhnliche Stimme, die mit ihrer rauchig heiseren bis raspeligen Art irgendwo zwischen Eddie Montgomery, Bobby Pinson und Jeffrey Steele anzusiedeln ist.

Das eröffnende „Drive It Like You Stole It“ legt gleich los wie die Feuerwehr: Ein treibender, aggressiver und gitarrenlastiger Southern Country-Rocker mit jeder Menge Outlaw-Redneck-Esprit. Große Klasse! Ebenfalls mit viel Drive, aber eine Spur mehr auf Melodie getrimmt, schließt sich „The Man I Used To Be“ an (mit tollem Brent Mason-E-Gitarren-Solo). „The Call“, der wohl vom Text her bewegendste Track (es geht um einen Anruf, der quasi einen Mann in letzter Sekunde vom Selbstmord abhält), wurde als Single vorab ausgekoppelt. Der balladeske und vor Emotionaltät strotzende Song mit seinem Powerrefrain erreichte die Top-Forty der Charts. „Mama Raised The Hell Outta Me“ geht danach wieder in die Vollen. Gute Laune-Country mit Honkytonk-Note, wobei alle typischen Instrumente, wie Fiddle, Dodro, Steel, Piano, E-Gitarre zum Zuge kommen. Trace Adkins meets The Pirates Of The Mississippi könnte hier das Motto lauten.

Herrlich dann wieder das hochmelodische, von etlichen Tempo- und Atmosphärenwechseln durchzogene „If I Was Any Kind Of Man“, wobei die Twin Gitarrenkombination mit parallel spielender Fiddle starke Akzente setzt. „Ride With Me“ (rhythmisch, Twin Gitarren, Dobro, klasse E-Gitarren-Solo), das mit direkter, harscher Titelzeile versehene „Some People Piss Me Off“ und „Too Loud“ (aggressiv, poltrige Drums, Orgel, southern rockig) forcieren dann wieder das Tempo. Immer wieder toll, wie einerseits die E-Gitarren eine dominierende Rolle spielen, dabei aber ständig einen ordentlichen Gegenwind der stets präsenten, countrytypischen Instrumente (Fiddle, Dobro, Steel, Piano) zu spüren bekommen.

Die Musiker leisten hier großartige Arbeit. Das letzte Drittel des Albums steht dann im Zeichen von mit großer Emotionalität umwobener Balladen und Midtempo-Tracks, die aber dank der bereits erwähnten, großartigen und variablen musikalischen Umsetzung klasse rüberkommen. Einfach toll beispielsweise das bluesig-soulige „Cry Like Memphis“, das musikalisches Gefühlskino der Extraklasse bietet. Und wenn Kennon im pianounterlegten Refrain „They cried like Memphis when they heard the King was gone“ herausintoniert, ist die beühmte Gänsehaut vorprogrammiert. Er erinnert hier, wie auch bei „Some people piss me off“, sogar ein wenig an den großen „Bär von Detroit“, Bob Seger.

Matt Kennon hat auf seinem sehr starken Southern-lastigem New Country-Debüt bewiesen, dass es nicht immer ein Major sein muss, um auf sich aufmerksam zu machen. Das ist eine beeindruckende Vorstellung, die er hier abliefert. Bei James Stroud scheint er in den richtigen Händen zu sein, der mit ihm, wie einst mit Tim McGraw, einen behutsamen Aufbau zu planen scheint. Die Messlatte für ein nachfolgendes Album ist allerdings schon in eine enorme Höhe gelegt worden. Matt Kennon, ein Name, den man sich unbedingt merken sollte! Prächtiger Stoff für Freunde von Interpreten wie Trace Adkins, Eric Church, Montgomery Gentry, Bobby Pinson, The Road Hammers, Clay Davidson oder Jeffrey Steele!

BamaJam Records (2010)
Stil: New Country

01. Drive It Like You Stole It
02. The Man I Used To Be
03. The Call
04. Mama Raised The Hell Outta Me
05. If I Was Any Kind Of Man
06. Ride With Me
07. Some People Piss Me Off
08. Too Loud
09. Then There Was You
10. You Can Still Wear White
11. Cry Like Memphis
12. That’s Love

Matt Kennon
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Bärchen Records

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