Jamie O’Neal – Brave – CD-Review

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Erstes Album nach ihrer Babypause und erst das zweite überhaupt von Jamie O’Neal! Und was für eins! Es scheint, als wenn sie, wie es der Titel schon andeutet, den Irrungen und Wirrungen vergangener Label-Verhandlungen trotzend, beherzt die „Champions-League“ von „Music City“ stürmen wolle. Dabei hat ihre neue Company „Capitol Records“ wirklich keine Mühen und Kosten gescheut, Jamie die Creme de la Creme der Musikerelite Nashville’s zur Verfügung zu stellen, und an den diversen Instrumenten gleich mehrfach zu positionieren. Wahnsinn, was da aufgefahren wurde.

Aber zurecht, denn Mrs. O’Neal hat mit brillantem Songwriting (an 9 von 11 Liedern ist sie beteiligt), das sie während ihrer Larriere-Abstinenz weiter intensiv gepflegt hatte, eine wunderbare Basis dafür geschaffen. Nicht nur äußerlich raubkatzenartig wirkend, nein, auch stimmlich bewegt sie sich grazil und leichtfüßig durch die vorzüglich abwechslungsreich zusammengestellten Stücke mit angenehm poppig, moderner Note, ohne dass der Countrybereich allerdings dabei je in Vergessenheit gerät.

Die Balance stimmt einfach und ist sehr zeitgemäß! Der Opener „Trying To Find Atlantis“, ein knackiger Countrypopsong (stürmt bereits die Charts), tut es sofort ihrem Landsmann Keith Urban gleich: Dezente Banjounterlegung, schöne Melodie, Dobro- und Fiddleeinlagen, dazu ein aus weiblicher Sicht humorvoll gehaltener Text (… einen perfekten Mann zu bekommen, ist wie der Versuch, Atlantis zu finden…)! Den Background-Gesang belegen keine geringeren Damen als Carolyn Dawn Johnson und „Röhre“ Bekka Bramlett. Toller Auftakt, dem direkt das mit rockigen Rhythmusgitarren umgarnte und feinen Tempowechseln versehenen „Naive“ folgt, fast so etwas wie eine Hommage an Springsteen’s „Born In The U.S.A“, das in dem Text immer wieder zitiert wird. Die nächste Killer-Nummer!

Herrlich auch das mit dunklem, schwülem Delta-Blues-Feeling konziperte und voller Southern-Soul steckende „Devil On The Left“ (wieder ein klasse Text: Ein Mädel kommt an einem Unwettertag klatschnass in einen Tattoo-Laden, reisst sich zur Freude und zum Erstaunen der männlich Anwesenden das T-Shirt vom Leib und möchte rechts einen Engel und links den Teufel auf die Schulter tätowiert haben). Toll dabei, die wie pfeifender Wind wirkenden, eingestreuten Hammondklänge von Reese Wynans, die das Lied noch southern-atmosphärischer klingen lassen.

Einen Frontalangriff in Richtung Gretchen Wilson stellt der abgehende Roadhouse-Feger „Girlfriends“ dar , den sie zusammen mit ihrem Vater geschrieben hat (… „Girlfriends kick ass“…), eine dreckige Countryrocknummer und Stimmungsmacher zugleich, wobei das mit zum Mitbrüllen einladende „Yeah, Yeah, Yeah“ für richtig Party sorgen dürfte. Der Rest besteht aus schönen, entspannten Midtempoliedern, aber immer mit viel positiver Energie, der Kategorie Jo Dee Messina, Martina McBride oder, der vielen Harmonyvocals wegen, SHeDAISY ausgestattet, darunter auch zwei Balladen, die zum Teil Jamie’s neue Sicht als Mutter reflektieren sollen.

Super auch der Song, mit dem das Album schließlich genauso stark endet, wie es begonnen hat, nämlich der wunderbar lockeren, flotten, mit toller Melodie versehenen, frischen Banjo-/Gitarren-/Fiddle-/Dobro-driven Countrynummer „I love my life“! Ein großes Lob gebührt natürlich auch Produzent Keith Stegall (Alan Jackson), der es geschafft hat, die Bestform der kompletten Mannschaft auf den Punkt genau abzurufen. Die Cover-Gestaltung ist dank netter Bilder und allen Texten ebenso perfekt! Jamie O’Neal ist ohne Frage ein ganz großer Wurf gelungen. Moderner Nashville-Country in Perfektion!

Capitol Nashville (2005)
Stil: New Country

01. Trying To Find Atlantis
02. Naive
03. Somebody’s Hero
04. When Did You Know
05. Devil On The Left
06. On My Way To You
07. Follow Me Home
08. Girlfriends
09. Ready When It Comes
10. Brave
11. I Love My Wife

Jamie O’Neal
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Bärchen Records

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