David Lee Kaiser – 12 – CD-Review

Kais

Pracht-Scheibe dieses großartigen Singer/Songwriters aus Southeast Texas! Bärenstarke Texas Roots-/Americana-/Alternate Country-Songs, betimmt von einem beeindruckenden Songwriting, verpackt in einem Gewand aus lauten, unwiderstehlich „saftigen“, kernigen E-Gitarren, schön rockig, dabei nicht unbedingt schnell, sondern meist im Midetmpo-Bereich angesiedelt, aber voller Energie, voller Feuer, voller Biß, wunderbar angeraut, voller Ecken und Kanten – und gleichzeitig voller herrlicher Melodien und harmonisch aufeinander abgestimmter Musikalität! Beeindruckend! Klasse! Es scheint, das die Perioden, in denen wir neue texanische Künstler im Countryrock-/Rootsrock-Bereich vorstellen, immer kürzer werden. Man hat manchmal wirklich das Gefühl, dass die dortigen Talente wie Pilze aus dem Boden schießen.

Klar gibt es darunter auch ein paar weniger interessante „Mitläufer“, die versuchen auf den Erfolgszug der Etablierten „Red Dirt“-Bands aufzuspringen, aber es gibt darüber hinaus offenbar unendlich viele kreative Köpfe, die mit umwerfenden Alben und mitreißenden Songs diesem Genre immer wieder neue Aspekte und Highlights herauskitzeln. Ein weiteres, diese These belegendes Beispiel ist eindeutig David Lee Kaiser, ein sehr vielseitiger Musiker (gelernter Drummer, spielt mittlerweile aber Gitarre) und Songschreiber, der jetzt sein Solo-Debüt vorlegt, nachdem er zunächst mit seinem Bruder Jimmy vor geraumer Zeit ein feines Duo-Album ablieferte.

Und was in dem jungen Burschen für ein Potential steckt, was er bereits für ein Standing genießt, beweist zudem die hochkarätige Musikerschar, die es sich nicht nehmen ließ, mit David die 12 Songs (+ 1 Hidden-Track), im übrigen alles Eigenkompositionen, einzuspielen: Mike McClure (ex-Great Divide-Frontmann, jetzt Mike McClure Band) hat das Album produziert (ist ja auch etatmäßiger Produzent für Cross Canadian Ragweed, was von der musikalischen Seelenverwandtschaft durchaus passt) und spielt Gitarre, Reckless Kellys Cody Brown bedient die Fiddle, Riley Osbourn, früheres Django Walker Band-Mitglied, spielt die B3-Orgel und Texas-„Guru“ Lloyd Maines, Vater der Dixie Chicks-Sängerin Natalie Maines, lässt die Pedal Steel Gitarre heulen.

Weiter dabei, so exzellente Könner wie Eric Hanson am Schlagzeug, Tom Skinner am Bass, der bärenstarke E-Gitarrist John Immon und die wirklich bezaubernd im Background singende Amanda Brown. All das bürgt für höchste Qualität – und die bekommen die Genre-Fans auch zu hundert Prozent geboten! Ein herrlich eigenständiges, sattes Midtempo Texas-Roots-/Americana-/Alternate Countryrock-Prunkstück, zuweilen von dezenten Blues- und Southernrock-Tendenzen berührt, aber auch eine ganze Menge Outlaw-Feeling versprühend, das an Kurzweiligkeit, Abwechslungsreichtum und spielerischer Klasse keine Wünsche offen lässt. Den Auftakt bildet das tolle, schön rockige „Running“, welches sich recht freizügig der Grundakkorde von Skynyrds „Sweet Home Alabama“ zu bedienen scheint, über die sich dann aber herrliche, feurig glühende, fette Slide-Einlagen ziehen, die dem Song nicht nur eine vollkommen eigene Note, sondern auch jede Menge Würze verleihen. Kaiser besticht mit einem kraftvollen, seinem großartigen Storytelling angepassten, hervorragenden, rootsigen Gesangsstil.

Es folgt eine prächtige Mischung aus rhythmisch rockigen Nummern wie „Psycho“ (dynamisches Texas „Red Dirt“-Countryrock-Flair, kräftige Drums), „California“ (locker dahin galoppierender Outlaw-Countryrock-Rhythmus, tolle E-Gitarrenarbeit), oder „High Maintenance Girl“ (erinnert gar an flotte Creedence Clearwater Revival-Nummern), aus traditionell angehauchten (Alternate) Country-Nummern, teils mit dezent grassigen Ansätzen, wie „George Dickel“ (klasse „Tanzschwofer“ mit feinen Fiddle- und Steeleinlagen) oder „Closer To My Dreams“ (sehr fröhliches Dahinmusizieren mit den countrytypischen Instrumenten), wie auch aus ein paar knackigen, satten, angerockten Balladen der Marke Reckless Kelly, Mike McClure Band, Django Walker Band & Co., die dank glühender E-Gitarren schon oft an der Grenze zum Southern Rock liegen.

Herausragend hier Songs wie „My Father’s Son“ (toller Text, satte E-Gitarrenarbeit der Marke Neil Young & Crazy Horse), „Walk“ (mehrfach ausgedehnte E-Passagen, klasse weibliche Harmonies von Amanda Brown), oder das sich emotional steigernde, im Tempo glänzend variierende „South Sage“. Ein weiteres absolutes Highlight ist die geradezu traumhaft melodische, ungemein frisch, saftig und sehr klar aus den Lautsprechern fließende, von Lloyd Maines wunderbaren Steelguitar-Klängen begleitete Texas Countryrock-Ballade „All I want“!

Die beiden recht introvertiert und entspannt wirkenden Stücke „Lost“ (mit schönen Double Leads-Ansätzen) und der nach einer guten Minute einsetzende Hiddentrack schließen ein beindruckendes, selbstbewusstes Werk (übrigens mit einer üppigen Spielzeit von über 56 Minuten ausgestattet) eines weiteren texanischen „Rohdiamanten“ ab, dem man in seinem Genre eine große Karriere zutrauen muß! Und wie es sich für einen Songwriter des Kalibers David Lee Kaiser gehört, sind natürlich auch alle Texte im Booklet abgedruckt, inklusive der Auflösung, warum sein Debüt mit der Zahl „12“ betitelt wurde. Überaus beeindruckendes, tolles Album!

Moon Tower Records (2006)
Stil: Country Rock

01. Running
02. Psycho
03. California
04. All I Want
05. My Father’s Son
06. George Dickel
07. High Maintenace Girl
08. Me
09. Walk
10. Closer To My Dreams
11. South Sage
12. Lost

David Lee Kaiser
Bärchen Records

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