Bonnie Bishop – Soft To The Touch – CD-Review

Kurz vor Ablauf eines an Highlights wirklich nicht armen Musikjahres 2005, darf die große Roots-/Americana-/Countryrock-/Alternate Country-/Roots-Blues-/Texas Singer-Sngwriter-Gemeinde mit Bonnie Bishops neuem Meisterwerk „Soft To The Touch“ noch einmal in begeisterndem Jubel ausbrechen! Schon bei ihrem Debüt „Long Way Home“ wurde die aus Houston/Texas stammende Bonnie von den Kritikern mit Lob überschüttet. Statements wie „eine junge Lucinda Williams“ oder ein „weiblicher Chris Knight“ machten schnell die Runde. Die Single des Albums „Sweet On The Down Low“ schaffte es sogar, über 6 Monate in den Texas Music Charts zu verweilen.

Das bescherte ihr Auftritte in allen angesagten texanischen Musiktempeln, wie z. B. dem Billy Bob’s, mit Größen wie beispielsweise Randy Rogers, Radney Foster, Jack Ingram oder Ray Wylie Hubbard. Mit ihrem neuen, geradezu packenden Werk „Soft To The Touch“ nun dürfte Bonnie noch einen erheblichen Schritt weiter nach vorn machen. Die Szene hat ein neues, höchst talentiertes Gesicht in ihren Reihen!

Beheimatet bei der Smith Music Group (u. a. auch das bisherige Label der Randy Rogers Band, von Stoney LaRue, der Mike McClure Band und vielen anderen aus der Red Dirt-Clique) gelingt ihr ein Album, welches dank ihrer unglaublich starken, kraft- und gefühlvollen Gesangsleistung (viele Stücke sind im übrigen live „eingesungen“), ihrem offenbar im Blut liegenden Gespür für großartiges Songwriting (es gibt mit ihrer grandiosen, gewaltig rockenden u. bluesigen Fassung von Gillian Welchs „Stillhouse“ lediglich eine Fremdkomposiotion), ihrer exzellenten Begleitband (mit Einbindung einiger hochkarätiger texanischer Gäste aus der einschlägigen Texas-Szene, wie u. a. Walt Wilkins – Acoustic Guitar und Harmonies, Harry Stinson – Drums, der legendäre Danny Flowers – E-Gitarre und Slide, und vor allem ex-Joe Ely-, Mellencamp-, Storyville-, Dixie Chicks-Gitarrenzauberer David Grissom) ohne Übertreibung als eine der absoluten musikalischen Genre-„Perlen“ des Jahres 2005 gewertet werden muß!

Der zwölf Songs, mit einer Spielzeit von über 50 Minuten, umfassende Longplayer strotzt geradezu vor wunderbarer Melodik, ist einerseits glasklar und sauber produziert, bewahrt andererseits aber alle authentischen Ecken und Kanten, wirkt erdig und „rough“, völlig unbeschwert und lässt einen die raue, staubige, texanische Luft förmlich „durch die Ohren“ einatmen. Ursache hierfür dürfte sein, dass der Fokus neben der überaus rootsigen Basis zusätzlich auf einem gewissen Blues-Feeling liegt. Dazu lommt einer gesunde Portion Red-Dirt-Atmosphäre, viel Americana-Flair und ein stetiger, dezenter, unterschwelliger Country-Touch!

Egal, ob satt rockend oder etwas zurückhaltender, die Stücke wirken trotz aller Kraft und teilweise ordentlicher Power insgesamt recht relaxt. Bonnie’s Stimme passt sich erstaunlich variabel der Stimmung der jeweiligen Songs an, mal aggressiv, mal kratzig, mal voller Melancholie, mal zart und zerbrechlich. Neben den bereits anfangs erwähnten Vergleichen kommen einem auch die unterschiedlichsten Referenzgrößen in den Sinn, wie z.B. Allison Moorer, in Ansätzen gar eine junge Janis Joplin, Bonnie Raitt und vor allen Dingen auch Tift Merritt! Das macht sie so vielseitig und gleichzeitig so eigenständig! Durchweg sämtliche Nummern begeistern!

Viermal bereichert der bereits genannte David Grissom als Gitarrist Bonnie’s großartige Musik. Auf „Trains“ (ein herrlich flockiger, lässiger, überaus melodischer Countryrocker), dem traumhaften, rootsig, bluesigen. Slide-getränkten „Soft To The Touch“, der starken Roots-/Americana-Rock-Pop-Nummer „Give It To Me“ und bei dem krachenden Rootsrocker „Something The Doctor Didn’t Ordered“ (letzteres von ihm übrigens auch mitgeschrieben und produziert). Herrlich hier das satte Drums-Intro und das fette, satt rockende E-Gitarren-Führungsriff. Mit dieser Mischung aus bluesigem Touch und rockiger Melodie lebt hier für kurze Zeit fast das legendäre Storyville-Feeling wieder auf. Ansonsten jagt vom klasse Opener „Love Never Knows“ (schöner, polternder Fußtrommelrhythmus, tolle Tempovariationen, poppiger, aber sehr angenehmer Refrain), über die voller Herzblut steckenden, in emotionaler Singer/Songwriter-Tradition gebrachten „Brent Rollins“ (erinnert an eine lebhafte Lori McKenna), das lockere „The House That Jack Built“ und „Red Moon“ (großartige Akkordeonbegleitung), bis zu dem starken, schwül groovenden Swamp-Blues-Rocker „He took me to the river“ (herrlich rauchige Stimme von Bonnie, prächtiges Slide-Spiel) ein Höhepunkt den nächsten!

Zum Abschluss hören wir dann mit dem 7.45 Minuten langen „Fallen Angel“ nochmal eine absolute „Killer“-Ballade. Sehr entspannte Atmosphäre, Bonnie haucht ihren Text ganz zart und sehr gefühlvoll, glänzender Instrumentalabschluss durch toll harmonierendes Zusammenspiel von Akustik- und E-Gitarren! Nach dem Ausklingen der letzten Akkorde weiß man, dass mit Bonnie Bishop ein weiteres texanisches Ausnahmetalent auf dem Weg steil nach oben ist! Ihr neues Album “ Soft ToThe Touch“ berührt nicht nur, es fesselt geradezu!  Ein echter „Touchdown“, Bonnie!

Smith Music Group (2005)
Stil: Country Rock

01. Love Never Knows
02. Trains
03. The House That Jack Built
04. Soft To The Touch
05. Something The Doctor Didn’t Ordered
06. Brent Rollins
07. He Took Me To The River
08. I Must Want It Bad
09. Give It Up To Me
10. Red Moon
11. Stillhouse
12. Fallen Angel

Bonnie Bishop
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Bärchen Records

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