Keith Urban – Golden Road – CD-Review

Schon als ich das erste Werk von Keith Urban beleuchtete, wusste ich, dass der Blondschopf seinen Weg gehen würde.
Jetzt liegt mir seine zweite Scheibe vor und bestätigt eigentlich meine getätigten Vermutungen. Dem Sonnyboy ist wieder ein Meisterwerk gelungen und sein vielfältiges Talent spielt dabei eine große Rolle. Er hat wieder den Hauptanteil der Songs geschrieben, singt, spielt vorzüglich Gitarre und Banjo, dazu kommt, dass er alle Stücke selbst oder unter Mithilfe von Dann Huff produziert hat.

Seine Lieder versprühen eine jugendliche Frische, die ihres Gleichen sucht; da ist gute Laune und pure Lebensfreude angesagt. Mir fällt spontan – nicht nur des Aussehens wegen – (ja Mädels, ihr bekommt was geboten) der Vergleich der „David Beckham des New-Country“ ein. Ein echter Allroundmusiker. Hören Sie sich die präzisen Gitarrensoli und -riffs an oder sein unverwechselbares unaufdringliches Banjospiel. Spaßfaktor hoch 10!

Zwischen jeder Menge knackiger Uptemponummern steckt immer wieder die eine oder andere Killerballade wie „You’ll Think Of Me“, das mich stark an Vince Gills „World’s Apart“ erinnert und herrlich leicht rüberkommt.

Dann gibt es wieder den Wechsel zum alten David Dundas-Hit Jeans On. Hören Sie sich mal an, wie der Junge den alten Schinken zu neuem Leben erweckt hat. Da schmeißt man sich wirklich am liebsten in die Jeans, brettert zum nächsten Flughafen, sehnsüchtig darauf wartend, im sonnigen Süden das Cabrio zu chartern (Kühltasche mit Sixpacks natürlich an Board), diese knackige CD in den Player zu schieben und einem netten Plätzchen am Meer entgegen zu rauschen.

Ein geiler Song auch „You Look Good In My Shirt“, ein echter Southern-Kracher mit filigranem Gitarrensolo, wo jede Konzerthalle in Wallung geraten wird. Ein leicht zu merkender Refrain, der zum Mitgrölen und Wippen mit den Cowboystiefeln einlädt. Klasse!

Überhaupt, auf diesem Album sucht man Schwächen vergeblich. Für mich eines der Highlights dieses Jahres!
Und Keith, wenn Du mir versprichst, Dich von irgendwelchen Spice Girls fernzuhalten, dann sind Dir meine Sympathien auch in Zukunft sicher…
„Golden Road“ gibt es natürlich bei Bärchen Records.

Capitol Records Nashville (2002)
Stil: New Country

01. Somebody Like You
02. Who Wouldn’t Wanna Be Me
03. Whenever I Run
04. What About Me
05. You’ll Think Of Me
06. Jeans On
07. You Look Good In My Shirt
08. You’re Not Alone Tonight
09. You Won
10. Song For Dad
11. Raining On Sunday
12. You’re Not My God incl. Hidden track

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Keith Urban – In The Ranch – CD-Review

Nie machte eine Wiederveröffentlichung mehr Sinn als im Fall „Keith Urban In The Ranch“. Was für ein grandioses Album, bei dem man sich als Kenner der Szene spontan fragt, warum KU erst eine Solokarriere starten musste, um letztendlich Anklang bei der Masse der New-Country-Hörerschaft zu finden. Denn er und seine beiden Kumpels Jerry Flowers und Peter Clarke erledigen ihren Job par excellence.

Gut, im Prinzip regiert der Sonnyboy auch dieses Werk an allen Ecken und Enden, und nur in Nuancen kann man Unterschiede zu seinen bisherigen Soloscheiben feststellen. Diese Platte ist ohne Zweifel etwas rootsiger und erdiger, ja sogar etwas rockiger ausgefallen als zum Beispiel „Golden Road„, klingt aber trotzdem ungemein modern und frisch, so dass sie sicherlich auch für Liebhaber von Stilarten in der näheren Umgebung des New-Country interessant sein könnte.

Ergänzt wurde das Original von 1997 um zwei unveröffentlichte Songs: „Billy“, ein bluesiger Countryrocker und eine Coverversion von „Stuck In The Middle With You“. Gerade beim letztgenannten Stück der Herren Egan und Rafferty (Stealers Wheel), das ich eigentlich nie leiden mochte, gelingt es dem Trio in genialer Weise der alten Staubklamotte ein Komplettlifting zu verpassen. Fast so, als wenn man aus Angela Merkel eine Giselle Bündchen zaubern würde! Absolute Klasse!

Dazu kommen zwei Videoclips von „Walkin‘ The Country“ (herrlich flockig rhythmischer Song mit starker Banjo- und E-Gitarrenarbeit) und dem abwechslungsreichen Instrumentalstück „Clutterbilly“, wo KU einmal mehr beweist, welch großartiger Gitarrist in ihm steckt. Den Rest in möchte ich kurzen Stichworten schildern.

Flottere Nummern:
„Homespun Love“ – Semiakustischer Rhythm’N’Blues;
„Some Days You Gotta Dance“ – wie der Titel es bereits andeutet, tanzbares Gute-Laune-Rock’N’Roll-Stück;
„Freedom’s Finally Mine“ – Country-Rocker mit Southern-Flair;
„Hank Don’t Fail Me Now“ – NASCAR-Sampler-tauglicher Boogie mit schönem E-Solo.

Balladen/Midtempo:
„Just Some Love“ – tolle Melodie, kurze E-Gitarren- und Fiddleeinsätze;
„My Last Name“ – erinnert ein wenig an „The Thunder Rolls“ von Garth Brooks, sehr atmosphärisch;
„Desiree“ – starker Text, Tempowechsel beim Refrain, Einsatz von zweiter Gesangstimme, die sich nach Drew Womack von Sons Of The Desert anhört, ist allerdings im Booklet nicht erwähnt, mit überraschendem Mini-Southern-Gitarrenfinish;
„Tangled Up In Love“ – locker, entspannend mit wunderschöner spanischer Akustikgitarre und nettem Harmoniegesang;
„Man Of The House“, „Ghost In The Guitar“ – beide ein wenig westcoastgetränkt, könnten aus dem Eagles-Repertoire stammen, letztgenanntes mit dezentem „Hotel California“-Touch.

So kann man guten Gewissens feststellen, dass Keith Urban mit diesem Album nachhaltig unterstrichen hat, dass er ohne Wenn und Aber zu den ganz Großen der New-Country-Szene gezählt werden muss.

Das gute Teil ist natürlich bei Bärchen Records erhältlich, wie auch eine relativ günstige DVD mit sechs Videoclips von Stücken seiner jeweils letzten zwei Studiowerke, die recht nett anzuschauen sind, allerdings aber schon zum Teil schon in Country-Roads gezeigt wurden.

Capitol Records Nashville (2004)
Stil: New Country

01. Walkin‘ The Country
02. Homespun Love
03. Just Some Love
04. Some Days You Gotta Dance
05. My Last Name
06. Desiree
07. Freedom’s Finally Mine
08. Hank Don’t Fail Me Now
09. Tangled Up In Love
10. Clutterbilly
11. Man Of The House
12. Ghost In The Guitar
13. Stuck In The Middle
14. Billy

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Jason Aldean – Same – CD-Review

Bei Jason Aldean handelt es sich um einen der Shooting-Stars der New Country-Szene des Jahres 2005. Seine hier besprochene CD erschien im Juli des vergangenen Jahres und behauptete sich konstant bis vor wenigen Wochen in den Billboard-Album-Top-25-Charts, und mit diversen Stücken auch im Single-Bereich („Why“ sogar Nr. 1).

Für den aus Macon, Georgia stammenden 29-jährigen war der Weg zum Erfolg allerdings im Vorfeld mit vielen Hindernissen bestückt. So platzten gleich zwei Plattenverträge, bevor er schließlich beim kleinen, aber feinen Independant-Label Broken Bow Records unterkam, das u. a. Künstler wie die vor kurzem ebenfalls recht angesagten Craig Morgan und Lila McCann beherbergt.

Ganz kräftig seine Finger mit im Spiel hat auch hier wieder der umtriebige John Rich, Hälfte der mega-angesagten New Country-Comedians Big & Rich, der nicht nur bei fast der Hälfte aller Songs schreibtechnisch involviert war, sondern auch den superben Haus- und Hofgitarristen des Duos, Adam Schoenfeld, mit ins Spiel brachte. Mit gestandenen Musikern wie David Lee Murphy, Chad Brock, Bobby Pinson und einigen weiteren etatmäßigen Nashville-Songwritern wurde für weitere prominente Unterstützung im kompositorischen Bereich gesorgt.

Aber auch Jason selbst zeigte bei drei Stücken, dass er sich in dieser Hinsicht nicht zu verstecken braucht. Und so kommen wir direkt zur Auflösung des Erfolgsrezeptes dieses Albums. Frecher, jugendlicher Elan, viel gesangliches Talent (im Tenorbereich angesiedelt), Fingerspitzengefühl bei der Liederauswahl, die eine gesunde Mixtur aus traditionellen und modernen New Countryelementen vereint, hervorragende Musiker, und mit Michael Knox ein umsichtiger Produzent, der für einen transparenten und zeitgemäßen Sound gesorgt hat.

„Hicktown“, ein rauer, rockiger, druckvoller Redneck-Countrysong (auch als Videoclip auf dem Silberling), ist der herausragende Knaller, „Why“ und „Even If I Wanted To“ sind als kräftige Power-Balladen (mit tollen Solopassagen) weitere Zugpferde dieses Werkes. Insgesamt eine gesunde Mischung aus Up-, Midtempo-, und langsameren Tracks. Nicht wundern, wenn einige Nummern mittlerweile bereits bekannt erscheinen, zum Teil fanden Sie auch den Weg auf die CDs der Komponisten und anderer Erfolgsinterpreten, beispielsweise „Hicktown“ bei Big & Rich, „Asphalt Cowboy“ bei Blake Shelton und „Good To Go“ bei John Corbett.

Jason Aldeans Debüt macht richtig Lust auf den hoffentlich bald herauskommenden Nachfolger. Stoff für Freunde junger, wilder New Country-Artisten der Marke Blake Shelton, Brian McComas oder Gary Allan.

Broken Bow Records (2006)
Stil: New Country

01. Hicktown
02. Amarillo Sky
03. Why
04. Even If I Wanted To
05. Lonesome U.S.A
06. Asphalt Cowboy
07. I’m Just A Man
08. You’re The Love I Wanna Be In
09. Good To Go
10. I Believe In Ghosts
11. She Loved Me

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Jason Aldean – Wide Open Live And More – DVD-Review

Just in dem Moment, als ich mit den Vorbereitungen zu diesem Review begonnen hatte, konnte Jason Aldean mit „Big Green Tractor“ seinen dritten No. 1-Single-Hit in den Billboard Charts verbuchen (kurz zuvor mit „Johnny Cash“), und auch das Album „Wide Open“ (sein bisher 3. Werk), aus dem beide Tracks stammen, hat sich einen festen Platz unter den Top-10 erarbeitet. Auf der Welle dieses Erfolges hat man sich entschlossen, mit „Wide Open Live And More“ parallel eine Live-DVD auf den Markt zu werfen, aufgenommen in Knoxville, Tennessee im prall gefülltem Auditorium im März dieses Jahres, die Aldeans Popularität ohne Zweifel festigen, bzw. vermutlich nochmals erheblich steigern wird.

Der Schlüssel zum Erfolg bei Jason Aldean liegt in seinem hohen Identifikationsgrad. Er stammt aus schwierigen familiären Verhältnissen (die Eltern ließen sich scheiden, als er drei Jahre alt war), hat sich trotz mehrerer Rückschläge am Anfang seines musikalischen Treibens nie selbst aufgegeben, auch die Zeiten nur vor 50 Zuschauern zu spielen durchlebt und sich letztendlich dank seiner Beharrlichkeit durchgeboxt. Er verkörpert schlichtweg mit seiner einfachen, aber dynamischen Art den American Dream des jungen, zukünftig wahrscheinlich immer mehr von Alpträumen und harten Realitäten gebeutelten Durchschnitt-Amerikaners.

Das sieht man auch ganz deutlich, wenn die Ränge des Knoxville Coliseums eingeblendet werden. Überwiegend junge Menschen, vorwiegend weiblicher Natur, die ihrem Vorbild einen fröhlichen, unbeschwerten und stimmungsreichen Abend bescheren und dafür mit einem sehr ansprechenden Konzert belohnt werden. Aldean und seine ebenfalls recht junge Band (Tully Kennedy – Bass, Background Vocals, Rich Redmund – Drums, Kurt Allison – Lead Guitar, Mike Frey – Electric Guitars, Background Vocals) präsentieren ein knackig zusammengestelltes Best Of-Programm (inkl. aller Billboard-Hits wie „Amarillo Sky“ „Why“, „Big Green Tractor“, „She’s Country“, „Laughed Until We Cried“) seiner drei so erfolgreichen Alben, wobei das Hauptaugenmaß auf den aktuellen „Wide Open“ Silberling gelegt wurde.

Dem Quintett gelingt es auch ohne die Country-typischen Instrumente einen recht dynamischen Countryrock zu kredenzen. Aldean dominiert zwar das Geschehen mit einer soliden vokalen Leistung und klischeegetreuen Präsenz (Cowboyhut und Akustikgitarre), lässt aber seinen Bandmitgliedern durchaus etwas selbstdarstellerischen Spielraum. So wurde dem recht engagierten und spaßig agierenden Rich Redmund ein Drum-Solo gewährt und auch beide Gitarristen lassen immer wieder ihr Können aufblitzen.
Den Höhepunkt von Jason’s Performance bildet zweifelsohne die erste Zugabe, wo er bei „Asphalt Cowboy“ (seinem Großvater gewidmet), eine starke emotionale Solovorstellung bietet und zudem einen Hauch von Charisma sowie auch sein gutes, bis dato kaum hörbares Akustikgitarrenspiel andeutet. Das abschließende „Hicktown“ bringt mit einer grandios rockenden Teamleistung die Halle letztmalig zum Kochen. Als Bonus gibt es dann noch den typischen Film mit Impressionen ums Konzert herum und eingeflochtenen persönlichen Statements von Jason.

„Wide Open Live And More“ von Jason Aldean bietet knapp anderthalb Stunden leicht verdauliche und unterhaltsame Werbung in Sachen New Country-/Countryrock. Er und seine Mannen treffen mit sowohl flott rockenden als auch melodiebetonten Songs musikalisch gesehen den Zahn der Zeit. Ein Künstler, der auch in Zukunft dank seines mittlerweile erheblichen Fanpotentials in Nashville und darüber hinaus von sich Reden machen wird. Das Konzert ist recht angenehm gefilmt und kommt soundtechnisch im Dolby Digital Stereoformat am besten zur Geltung.

Eagle Rock Entertainment (2009)
Stil:  New Country

01. Wide Open
02. I Break Everything I Touch
03. Amarillo Sky
04. Why
05. Big Green Tractor
06. On My Highway
07. Drum Solo
08. Johnny Cash
09. Relentless
10. You’re The Love I Wanna Be In
11. Laughed Until We Cried
12. I Use What I Got
13. She’s Country
14. Asphalt Cowboy
15. Hicktown

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Jason Aldean – Relentless – CD-Review

Ganz starkes, sattes, knackiges, zweites Album von einem der Vorzeige-Künstler aus Nashville’s neuer, verwegener, junger, „wilder“ New Country-Garde! Sein Debüt von 2005 ist seit zwei Jahren ein ununterbrochener Dauerbrenner in den Charts, wurde längst mit Platin ausgezeichnet und brachte Jason Aldean 2006 den Titel des „Top Male New Vocalist“ der „Academy of Country Music“ ein. Ein absoluter Senkrechtstart für einen Newcomer! Das Independent Label Broken Bow Records (u. a. auch Label von Craig Morgan) hat sich mit viel Umsicht und Gespür einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Solch ein unerwarteter, spektakulärer Erfolg bringt natürlich eine Menge Vorteile mit sich, birgt aber auch gewisse Risiken für ein Nachfolge-Album. Zum einen hat man es zwar deutlich leichter, beispielsweise an vielversprechende Songs heranzukommen, zum anderen aber ist der Erfolgsdruck enorm hoch. Um es vorwegzunehmen, Jason Aldean hat das alles kalt gelassen und mit „Relentless“ein Album nachgeschoben, das den schon großartigen Vogänger glatt noch einmal toppt!

Keine Frage, auch diesmal wird er, verdientermaßen, wieder ordentlich abräumen. Was bringt diese knackig, rockige, durchaus auf traditionellen Roots basierende, von einer leichten Southern-Brise (das hat der aus Georgia stammende Bursche einfach im Blut) durchzogene, kraftvolle New Country-Mucke für einen Schwung in die Bude Nashvilles! Richtigerweise hat man sich schwerpunktmäßig auch für das neue Werk am Grundkonzept des Vorgängers orientiert, wenngliech das Songmaterial fast noch stärker geworden ist. Von den Musikern, über den Produzenten, bis zur Covergestaltung wurde nur wenig verändert, lediglich bei den Songwritern wurde etwas mehr in die Breite variiert (hier ist jetzt neben den etablierten Schreibern vom Vorgänger zusätzlich fast alles am Start, was Rang und Namen in der Szene hat).

Jason taucht diesmal nicht in den Songwriter-Credits auf (beim Debüt hatte er noch drei Stücke mitkomponiert) und darf sich damit voll und ganz auf seinen großartigen Gesang konzentrieren. Der klasse Opener „Johnny Cash“ lehnt sich in seiner kräftig country-rockigen Art (dezenter Redneck-Einschlag) deutlich an Aldeans erste Hitsingle „Hicktown“ an, der prominente Titel dürfte sein Übriges zum Gelingen beitragen. Ein starker Auftakt, der direkt in die Vollen geht. Geschrieben übrigens von John Rich (Big & Rich), Vickey MyGhee und Rodney Clawson, die auch Jasons ersten Nr.1-Hit „Why“ konzipiert hatten. Im weiteren Verlauf wurde eine erstklassige Mischung aus kräftigen, atmosphärischen Balladen („Laughed Until We Cried“, „Who’s Kissing You Tonight“, „Back In This Cigarette“), melodischen Midtempo-Songs („Do You Wish It Was Me“ – mit toller Baritone-Gitarre -, „My Memory Ain’t What It Used To Be“) und knackigen New Country-Nummern („I Use What I Got“, „Relentless“) zusammengestellt, die praktisch alle das Potenzial künftiger Chartbreaker haben.

Das ist es, was die „toughen“ Cowgirls and Cowboys von heute hören wollen! Weitere Highlights sind das herrlich kernige, dezent bluesige, aber trotzdem sehr melodisch dargebotene „No“ (starke E-Gitarren), die traumhafte, kraftvolle Ballade „Grown Woman“ mit der ebenfalls zur Zeit mächtig angesagten Miranda Lambert als Zweitstimme, der flotte Honky Tonk-Feger „I Break Everything I Touch“, ein David Lee Murphy-Song, oder das abschließende, wunderbar southern-lastige, von feiner Slide-Gitarre begleitete“„Not Every Man Lives“, das scheinbar seine Inspiration bei legendären Bands wie den Rolling Stones oder Lynyrd Skynyrd gefunden hat. Ein ganz starkes Finish. Klasse vor allem immer wieder die starke E-Gitarren-Arbeit von Big & Rich Haus- und Hof-Gitarrist Adam Shoenfeld (neben Kurt Allison), der in jedem Song seine brillant und technisch anspruchsvoll gespielten Soli vom Stapel lässt.

Fazit: Jason Aldean ist mit dem oft so brisanten Zweitwerk „Relentless“ (= unbarmherzig) und seinem „Amped-up contemporary Country with Southern Rock and Honky-Tonk influences“-New Country-Sound ein weiteres Meisterstück gelungen, das erneut Hits am Fließband abwerfen und der etablierten Konkurrenz heftig „Dampf unterm Hintern“ machen wird. Einfach „unbarmherzig stark“, dieser Jason Aldean!

Broken Bow Records (2007)
Stil: New Country

01. Johnny Cash
02. Laughed Until We Cried
03. Do You Wish It Was Me
04. I Use What I Got
05. Who’s Kissing You Tonight
06. Relentless
07. My Memory Ain’t What It Used to Be
08. No
09. Back in This Cigarette
10. Grown Woman
11. I Break Everything I Touch
12. Not Every Man Lives

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Jason Aldean – Old Boots, New Dirt – CD-Review

Just in den Wochen, in denen viele Große der Zunft in Nashville mit ihren neuen Alben aufwarten, schickt jetzt auch Broken Bow Records sein Flagschiff Jason Aldean mit seinem brandaktuellen Werk „Old Boots, New Dirt“ ins Rennen, nachdem zuvor sein Label-Kronprinz Dustin Lynch erfolgreich die Charts geentert hatte. Nach dem Motto „Never Change A Winning Team“ setzt man auch diesmal wieder auf Konstanz. Wie schon auf den erfolgreichen Vorgängern „My Kinda Party“ und „Night Train“ gibt es 15 satte, durchgehend hitverdächtige Songs, allesamt im Single-tauglichen 3-4 Minuten-Bereich, produziert natürlich von Jasons Langzeit-Weggefährten Michael Knox, und auch eingespielt, vom – bis auf ganz marginale Änderungen – gleichen Musiker-Team (seine Live-Band mit Rich Redmond, Truly Kennedy, Kurt Allison plus arrivierte Studio-Könner wie Adam Shoenveld, Dany Radar, Mike Johnson, Russ Pahl, Tony Harrell, Charlie Judge). Was die Singles angeht, darf man sofort von einem Traumstart sprechen.

Das mit Drum Loops und einem R&B-Touch versehene balladeske „Burn It Down“ hat direkt die Pole der Charts belegt und auch die atmosphärische Midtempo-Nummer „Tonight Looks Good On You“ (Steel, klasse E-Gitarren-Fills, starkes E-Gitarren-Solo) hat direkt auf Platz 8 aufgeschlagen. Zwei Top-10-Singles direkt zum Auftakt, was will man mehr?! Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass das Album in den nächsten Tagen auch den Spitzenplatz in den Billboard Country Album-Charts belegen wird. Zurecht übrigens. Bis auf „Burn It Down“ verzichtet Aldean zum Glück größtenteils auf die im Moment angesagten technischen Spielereien und Experimente, um seine Songs auch auf dem Country-übergreifenden Markt in Stellung zu bringen. Er macht das, was auch auf seinen früheren Alben funktionierte: Knackiger New Country – immer, dank der toll aufspielenden E-Gitarristen, mit einem dezenten Southern Rock-Drawl versehen.

Der furiose Opener „Just Gettin’ Started“, sowie „Show You Off“, „Sweet Little Somethin’“, das großartige „Laid Back“ mit herrlicher Gitarrenperformance von Adam Shoenveld, „I Took It With Me“ mit seinem „My Kinda Party“-Flair und das krachende „Gonna Know We Were Here“ sind beste Beispiele. Das sind Tracks, die richtig rocken! Dazu ein paar feine Balladen wie „Tryin’ To Love Me“, das wunderbare, mit Skynyrd-Führungsriff versehene „Too Fast“ (dazu weinende Steel), die Trucker-Hommage „If My Truck Could Talk“ mit emotionalem Powerrefrain, das relaxt groovende „Don’t Change Gone“. Ein paar wunderbar melodische Midtempo-Stücke gefällig? Der Titelsong mit seinem Stadion-tauglichen, leicht mitsingbaren Refrain, das melancholische „Miss That Girl“ und das abschließende, grandiose, rootsige „Two Night Town“, das Aldean im Stile eines Will Hoge zelebriert – überragend!

Ach ja, sämtliche Lieder wurden natürlich von den angesagten Songwritern (u. a. Chris deStefano, Rhett Akins, Ashley Gorley, Neil Thrasher, Tony Martin, Brett Beavers, David Lee Murphy, Wendell Mobley, Hillary Lindsey, Ben Hayslip, Marv Green, Brett James) kreiert, die genau wissen, wie man Stücke auf höchstem Level den entsprechenden Künstlern auf den Leib schneidert. Selbst bei der Gestaltung des umfangreichen Booklets mit allen Texten und diversen Bildern des Protagonisten ist man sich treu geblieben.

Der Sänger des Jahres 2014 bei den ACM-Awards, Jason Aldean, beweist mit seinem neuen Werk „Old Boots, New Dirt“, dass er die musikalischen Stiefel noch lange nicht an den Nagel hängen will. Im Gegenteil, er wird mit seiner aktuellen Scheibe, den Status Quo im Reigen der Superstars der Szene wahren, wenn nicht sogar weiter ausbauen. Die Besucher seiner anstehenden „Burn It Down“-Tour (mit Georgia Florida Line, Tyler Farr und Miranda Lambert) dürfen sich auf ein „heißes“ Programm freuen. Hier gilt erneut: „Value For Money“ – ein tolles Album!

Broken Bow Records (2014)
Stil: New Country

01. Just Gettin‘ Started
02. Show You Off
03. Burnin‘ It Down
04. Tryin‘ To Love Me
05. Sweet Little Somethin‘
06. Laid Back
07. Tonight Looks Good On You
08. Too Fast
09. If My Truck Could Talk
10. Old Boots, New Dirt
11. I Took It With Me
12. Don’t Change Gone
13. Miss That Girl
14. Gonna Know We Were Here
15. Two Night Tow

Jason Aldean
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Dierks Bentley – Live & Loud At The Fillmore – DVD-Review

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Drei mega-erfolreiche Alben (zwei davon bereits mit Platin-Status), mit dem aktuellen Werk „Long Trip Alone“ und den bislang daraus ausgekoppelten Singles selbstverständlich auch wieder Dauergast in den Billboard-Charts – umso erfeulicher also, daß die bereits im Beileger der letzten CD angekündigte Live-DVD nun auf dem Markt ist. Ein tolles Konzert! Knackig, erfrischend, dynamisch, handwerklich perfekt umgesetzt – Bentley und seine ausgezeichnete Band präsentieren ihr prächtiges, genauso traditionell verwurzeltes wie zeitgemäßes New Country-Repertoire mit viel Elan und der entsprechenden Würze, die ein solches Live-Erlebnis benötigt, damit der Funke auch richtig überspringt.

Und er springt über! Kein Wunder, denn Bentley liebt es live zu spielen. Mit fast dreihundert Konzerten im Jahr zählt er zu den absoluten „Tour“-Junkies der Country-Szene. Das hier in brillantem Dolby 5.1 Surround Sound mitgeschnittene Event fand am 10. Juni 2006 während der „Locked and loaded“-Tour im imposanten, prall gefüllten Fillmore Auditorium von Denver/Colorado statt. Wie schon auf dem aktuellen Album gelingt Bentley auch live mühelos der Spagat zwischen klassichen Honky Tonk-Traditionen, toughem Outlaw-Flair, jugendlicher Frische, lässigen Countryrock-Strömungen und einem beherzten Texas-Feeling.

Seine ihn begleitenden Musiker beherrschen ihr Handwerk meisterlich. Ganz hervorragend beispielsweise immer wieder das glänzende Zusammenspiel von Gitarrist Rod Janzen und dem überragend agierenden Steeler Tim Sergent. Doch der von den „Massen“ umschwärmter Star ist natürlich jederzeit Dierks Bentley selbst (wirkt rein äußerlich wie eine Mischung aus Billy Currington und Keith Urban), der sich schweißtreibend durch das 20 Stücke (inkl. Zugaben) unfassende Programm singt und spielt (Akustik- und Rhythmus-E-Gitarre).

Trotz einer übermächtig wirkenden Schar weiblicher junger Fans, die den Protagonisten geradezu zu vergöttern scheinen, läuft die Veranstaltung dank Bentleys sympathischer, allürenfreier, publikumsnaher Art jederzeit in einem klar auf die Musik fokussierten Rahmen ab, auch wenn er das „Bad in der Menge“ sichtlich genießt. Nach einem kurzem Instrumental-Intro (schön hier das rockige E-Riff von Janzen) legt Dierks direkt mit seinem Hit „A Lot Of Leavin’ Left To Do“ los und erreicht mit dem Dancehall-tauglichen Heuler „Domestic, Light And Cold“ ein erstes Stimmungshoch. „Forget About You“ mit schönem Heartland-Flair, „Free And Easy (Down The Road I Go)“, der flockig knackige Countryrocker vom aktuellen Album mit klasse Banjo-Spiel des vielseitigen Tim Sergent, sowie der schöne, trockene Countryblues „Settle For A Slowdown“ mit herrlichen Telecaster-/Baritone-Einlagen stellen schnell die hohe instrumentelle Qualität der gesamten Truppe unter Beweis, die durch die für den Rhythmus-Background verantwortlichen Steve Misamore (Drums) und Robbie Harrington (Bass) vervollständigt wird.

Das großartige „Every Mile A Memory“, die erste Single von „A Long Trip Alone“ (am Ende u. a. beim Bonus-Material auch als Videoclip beigefügt) bildet dann noch einen Farbtupfer, bevor mit „Good Man Like“ und „My Last Name“ ein lupenreines, akustisches und viel umjubeltes Bluegrass-Intermezzo eingestreut wird (Janzen an der Mandoline, Sergent am Banjo, Harrington am Upright-Bass). Auch das ein Indiz für die Wandlungsfähigkeit und das große Können aller beteiligten Musiker. Der Sidepunkt der Stimmung wird allerdings bei „Come A Little Closer“ (Mädelschwarm Bentley lässt sich wie einst Garth Brooks auf dem Rücken durchs Publikum tragen) und dem saustarken „What Was I Thinkin’“ (mit deftigem Instrumentalabschluss, Sergent diesmal mit glänzender Dobrovorstellung) zum Ende des Hauptprogramms erreicht. In der Zugabe gibt’s dann u.a. noch die berühmte  Rodney Crowell-Nummer „Ain’t Livin‘ Long Like This“ und den Johnny Cash-Klassiker „Folsom Prison Blues“ zu bewundern, die auf seinen Studioalben natürlich nicht zu finden sind.

Eine klasse Show! Als Bonusmaterial erhält man dann neben den bereits erwähnten Videoclip noch eine Photogallerie und einen feinen „Behind the scenes, Footage of Dierks on Tour“-Film. Dierks Bentley ist einer der wohl wichtigsten Vertreter der neuen, jungen Country-/New Country-Generation, der für seine langwierige, akribische Arbeit mit vielen Auszeichnungen und Erfolgen schon jetzt zu Recht belohnt wurde. Auch dieses tolle DVD-Live-Dokument wird seine Stellung in Nashville, und vielleicht sogar darüber hinaus, weiter manifestieren. Die DVD ist „code-free“ und somit auf jedem DVD-Player abgespielbar!

Capitol Records Nashville  (2007)
Stil: New Country

01. Lot Of Leavin‘ Left To Do
02. Cab Of My Truck
03. How Am I Doin‘
04. Domestic, Light And Cold
05. Forget About You
06. Free And Easy (Down The Road I Go)
07. Settle For A Slowdown
08. Every Mile A Memory
09. Wish It Would Break
10. Can’t Live It Down
11. Good Man Like Me
12. My Last Name
13. Long Trip Alone
14. My Love Will Follow You
15. So So Long
16. Come A Little Closer
17. What Was I Thinkin‘
18. Ain’t Livin‘ Long Like This
19. Where The Wind Don’t Blow
20. Folsom Prison Blues
21. Bonus Material

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Bo Bice – See The Light – CD-Review

Bo Bice wurde so richtig im Jahr 2005 bekannt, als er sich in der Casting-Show ‚American Idol‘ ein Kopf an Kopf-Rennen mit der späteren Siegerin Carrie Underwood lieferte. ‚American Idol‘ ist ja im Prinzip das Pendant zu unserer Lachnummer ‚Deutschland sucht den Superstar‘ und man hat angesichts der qualitativen Outputs der dortigen Kandidaten Tränen in den Augen, wenn man sie in Relation zum immer mehr auf Bohlensches Niveau abdriftende Volksbegehren (siehe Mark Medlock) unserer Nation setzt. Es geht steil bergab mit unserem Lande, und wie man weiß, nicht nur in unserem Bereich…

Aber egal, kommen wir nochmals zum Vergleich Bice-Underwood. Während Carries Album „Some Hearts“ vor kurzem das siebte Mal mit Platin ausgezeichnet wurde und auch ihr Nachfolger wieder mit blendenden Verkaufszahlen aufwarten kann, musste Bo Bice nach seinem Major-Debüt „The Real Thing“ wieder etwas kleinere Brötchen backen. Es ereilte ihn der Vorwurf, sich unter dem Einfluss von John Shanks, Jon Bon Jovi und Richie Samborra zugunsten einer Mainstream-Rockplatte glatt bügeln gelassen zu haben, was wohl viele seiner Fans verdrossen hat, die ihn wegen seiner ‚Southern Rock-Soul‘ so geliebt hatten.

Mittlerweile ist er bei einem Independant-Label gelandet und dürfte mit „See The Light“ jetzt die Platte gemacht haben, die eigentlich seiner wahren Natur entspricht. Hier erlebt man einen Bo Bice, der einen richtig ehrlichen (Retro-) Southern Rock, gepaart mit ein paar Countrybezügen und auch ein wenig britischem Rock der Seventies (Bo hat ja eine zeitlang mit seiner Familie in London gelebt) zelebriert. Ich würde sogar behaupten, dass er hier genau den Typ verkörpert, an dem ein Ronnie Van Zant damals großen Spaß gehabt hätte. Der Bursche erinnert mich ein bisschen an Shooter Jennings.

Vom souligen Opener „Witness“ (mit Hendrix-Flair, toller Wah-Wah-Gitarre, Talkbox-E-Solo Marke Peter Frampton) bis zum abschließenden „Whiskey, Women & Time“ (eine Mischung aus Marshall Tucker Band und Black Crowes, mit zweistimmiger E-Arbeit und tollem southern-typischen Instrumental-Finish) bekommt man einen wunderbar kantigen, unangepassten Southern Rock von einem echten Charaktertypen geboten, der sowohl großes Songwritingtalent besitzt (alle Tracks selbst geschrieben), mit einer herrlich rotzigen Stimme aufwartet und auch noch neben der E-Gitarre weitere Instrumente glänzend zu bedienen weiß (herrlich sein Harp-Spiel in Richtung des leider bereits verstorbenen Topper Price).

Die meisten Stücke gehen recht gut ab, lediglich bei „Only Words“ und „Sinner In A Sin“ kommen mal die etwas gemäßigteren Countrytöne zum Vorschein, wobei der schöne weibliche Harmoniegesang einer Raquel Wynn nicht unerwähnt bleiben darf. Fantastisch auch „I’m Gone“, das britisches, leicht psychedelisch angehauchtes Rock-Esprit der Siebziger mit Southern Rock zu vereinen gedenkt. Fast wie eine Session aus Bad Company, Led Zeppelin und den Allman Brothers. Im Background hier wie auch bei einem weiteren Stück die bei uns beliebte Skynyrd-Sängerin Carol Chase.

Insgesamt kommt Bo Bice diesmal mit „See The Light“ wie ein Shooter Jennings oder Travis Tritt (zu Anfangstagen) rüber, allerdings noch viel tiefer mit dem Southern Rock verwurzelt. Er bietet einen modern aufbereiteten Streifzug durch all das, was uns früher im Genre so viel Freude bereitet hat und setzt zudem den eigenen Stempel auf. Auch Foghat- und Point Blank-Freunde sollten mal ein Ohr riskieren. Klasse! Mittlerweile ist Bo in ein demnächst erscheinendes Tribute zu Ehren des kürzlich verstorbenen George McCorkle involviert worden, als Beweis eigentlich auch dafür, welche Akzeptanz er bereits in Southern-Kreisen genießt.

Sugar Money / StratArt Records (2007)
Stil:  Southern Rock

01. Witness
02. Take The Country Outta Me
03. I’m Gone
04. Only Words
05. Got Money
06. See The Light
07. Sinner In A Sin
08. This Train
09. Ain’t Gonna Die
10. Whiskey, Women & Time

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Bärchen Records

Bering Strait – Same – CD-Review

Die Beringstraße wurde ursprünglich benannt nach dem dänischen Seefahrer Vitus Jonassen Bering (1680 – 1741), der im Auftrag des russischen Zaren Peter dem Großen durch eine Expedition den Beweis erbrachte, dass die Kontinente Asien und Nordamerika nicht miteinander verbunden sind. Ob die russischen Musiker der Gruppe Bering Strait die gleichnamige Meeresstraße benutzt haben, um nach Nashville zu gelangen und die dortige Countryszene zu erforschen, kann ich leider nur spekulieren.

Russen und New-Country frage ich mich spontan. Geht das überhaupt? Dschingis Khan mit Honky-Tonk-Piano und Steelgitarren, oder was? Mit Überraschung nehme ich bei meinen Recherchen zur Kenntnis, dass in Russland in zunehmendem Maße eine Fangemeinde für das von mir geliebte Genre heranwächst.

Um es vorwegzunehmen, die Mädels und Jungs der Band sind bereits alle im mittleren Schüleralter ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten übergesiedelt und sind bestens musikalisch ausgebildet. Herausgekommen ist ein recht interessantes und hörenswertes Album. Spätestens nach dem vierten Song wird die Handschrift der beiden Führungspersönlichkeiten Natasha Borzilowa und Ilya Toshinsky deutlich. Erstgenannte liebt Tori Amos und Patsy Cline und der junge Gitarrist besitzt eine Schwäche für Mark Knopfler.

Betrachtet man das komplette Paket, würde ich sagen, dass es so ähnlich klingen könnte, wenn The Corrs und Dire Straits sich zu einer Country-Folk-Jam-Session treffen würden. Zu meinen persönlichen Favoriten des Werkes zählen die herrlich flockigen Nummern „Tell Me Tonight“ und „When Going Home“, mit diesen unnachahmlichen Gitarrenparts, die „Sultans Of Swing“ damals auszeichneten. Dass auch der Rest der Musiker ihr Handwerk beherrschen, beweist der Song „Bearing Straight“ mit seinen Breaks und Tempowechseln, wo es eine Soloeinlage nach der anderen mit den genrespezifischen Instrumenten gibt. Toll gemacht.

Die einzigen kleineren Schwächen vielleicht „Porushka-Paranya“, bei dem man ein russisches Volkslied polkamäßig zum Besten gibt. Passt irgendwie nicht zu den restlichen englisch gesungenen Liedern. Relativ blass und harmlos, trotz netter Melodie, das abschließende Livestück „Like A Child“. Ansonsten aber ein durchaus gelungenes Debüt.

Die Songs enthalten eigentlich alles, was das Countryherz begehrt:  Piano, Electric- und Slidegitarren, Dobros, Mandolinen und Steelgitarren in Hülle und Fülle. Zudem wird es auch demnächst einen Dokumentarfilm mit dem Titel „The Ballad Of Bearing Strait“ geben, der in den Kinos der Staaten bereits im Januar angelaufen ist. Also New-Countryfans aufgepasst! Die Russen kommen…

Universal South Records (2003)
Stil:  New Country

01. What Is It About You
02. Tell Me Tonight
03. I Could Be Persuaded
04. When Going Home
05. I’m Not Missing You
06. I Could Use A Hero
07. The Trouble With Love
08. Jagged Of A Broken Heart
09. Only This Love
10. Bearing Strait
11. Porushka-Paranya
12. Like A Child (Live)

Bärchen Records

Sherrié Austin – Followin‘ A Feelin‘ – CD-Review

Der Name Sherrié Austin spielte schon öfter in meinen Überlegungen eine Rolle, was den Kauf einer von ihren drei bisher veröffentlichten CDs anging. Umso erfreuter war ich, als vor einigen Tagen ein Exemplar ihrer aktuellen Scheibe „Followin‘ A Feelin'“ bei mir zur Rezension eintraf. Schon nach dem ersten oberflächlichen Durchhören braucht man kein Musikprophet zu sein, um zu erkennen, welchem Vorbild die gebürtige Australierin in erfrischender und moderner Weise nacheifert.

Auf den Punkt gebracht wird diese Liebe mit der schönen Coverversion des Countryklassikers „Jolene“, der auch seit Beginn ihrer Karriere zum festen Bestandteil ihres Liverepertoires gehört.

Ihre manchmal recht dünne, z. T. etwas piepsige Stimme bereitet mir zwar zwischenzeitlich ein wenig Probleme, aber die meisten Männer – so auch ich – neigen beim Anblick einer so schönen Frau doch dazu, über den einen oder anderen kleinen Makel großzügig hinwegzusehen. Und unterm Strich ist dem „Gypsy Girl“ ja auch eine sehr ansprechende New-Country-Scheibe gelungen.

Die fast einjährige Auszeit, in der sie sich ausschließlich dem Songwriting widmete, verbunden mit einem Wechsel der Plattenfirma, die ihr absoluten Freiraum für die Umsetzung ihrer Ideen gewährte, haben Sherrié viel neuen Elan gegeben. Dies spürt man auch deutlich in der Darbietung der diversen Lieder, die wie bei den meisten Werken dieses Genres von absoluten Topmusikern perfekt durchgestylt eingespielt wurden.

Mal in nahezu flehender und gebrechlicher Manier beim eingangs erwähnten Dolly-Parton-Klassiker, dann in der Art einer Chansondiva bei „Somethin‘ Missin‘ In The Kissin'“, überschwänglich fröhlich bei „In The Meantime“, ein wenig nachdenklich bei „Love Melts Even The Coldest Hearts“, um dann wieder bei „The Liar“ mit bissigem Text zur Raubkatze zu mutieren; mehr als ein Beweis für Sherriés viele musikalische Gesichter.

Sehr peppig auch das Titelstück, das laut eigener Aussage ihre Gemütslage der letzten Zeit recht gut charakterisiert.
Als Zugabe zum optisch anspruchsvoll gestalteten Booklet gibt es noch zwei Videoclips, auf denen man den rassigen schwarzen Lockenkopf noch mal in Action erleben kann.
Eine gute Idee, wie ich finde, angesichts der oftmals zu bemängelnden Kürze vieler New-Country-CDs.

Mon Sherrié, meine Intuition sagt mir, dass du auf dem richtigen Weg bist, eine erfolgreiche Größe in diesem Business zu werden. Also folge deinen Gefühlen ruhig weiter!

WE Records (2001)
Stil:  New Country

01. Followin‘ A Feelin‘
02. Jolene
03. Goin‘ Goin‘ Gone
04. Something Missin‘ In The Kissin‘
05. In The Meantime
06. My Brilliant Mistake
07. In Our Own Sweet Time
08. Love Melts Even The Coldest Hearts
09. Back Where I Belong
10. Love & Money
11. The Liar
12. Winter Wonderland

Videos.
Jolene / In The Meantime

Sherrié Austin
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