Seth James – Motormouth – CD-Review

Ich habe zu Seth James im Jahr 2009 mit seinem Album „That Kind Of Man“ gefunden, damals aber eher aufgrund meiner New Country-Affinität. Für dieses Werk hatte der Texaner mit vielen klingenden Namen wie u. a. Chris Stapleton, Jay Knowles, Al Anderson, Tony Arata oder Mark Selby Songs geschrieben, die dann auch noch vom ‚Who Is Who‘ der Nashville-Studiomusiker eingespielt wurden.

Das Werk hatte aber letztendlich wenig mit dieser Musikart zu tun (eher mehr mit Country-/Roots Rock) und zeigte schon damals seine Ambitionen als Allrounder. Zwei Jahre später hatte ich das Vergnügen ihn als Mitglied von Cody Canada & The Departed live im Kölner Blues Shell sehen zu dürfen. Da war dann eher Red Dirt Rock angesagt. Das ist allerdings jetzt schon lange her und ich muss zugeben, dass ich ihn mittlerweile leider ein wenig aus den Augen verloren hatte.

Jetzt, wie es der Zufall wollte, erreichte mich aus den Staaten eine Email mit der Ankündigung seines neuen Longplayers „Mothermouth“, das, neben ihm, erneut viele prominente Songwriter aufweist, dazu wieder eine ganze Armada von Klassemusikern bei der Einspielung und on top noch den vielfachen Grammy-Gewinner Kevin McKendree als Produzent – quasi eine Qualitätsgarantie, ohne überhaupt einen Ton schon gehört zu haben.

Diesmal steht das Album deutlich im Zeichen des souligen Blues-/Blues Rocks mit wenigen kleinen Ausflügen in artverwandte angrenzende Bereiche (Country – /Southern Rock – z. B. bei Leon Russells “High Horse”). Die omnipräsente Basis bilden James und McKendree, Rob McNelley an der Gitarre, Steve Mackey am Bass, Lynn Williams am Schlagzeug, und auch diverse Mitglieder der berühmten The Time Jumpers beim Bakersfield-Country-angehauchten „I’ll Be Gone” oder dem abschließenden Barroomheuler “Start A Brand New Day”.

Die involvierte, ebenfalls prominente Horn Section (u. a. mit Jim Hoke) und auch diverse weibliche Backgroundsängerinnen, vermitteln hier das soulige Flair. James hat fünf der insgesamt 13 Stücke mitkreiert, die restlichen stammen aus Federn bekannter Musiker wie u. a. Colin Linden, Delbert McClinton, Al Anderson, Guy Clark oder Leon Russell.

Meine persönlichen Favoriten sind Stücke, bei denen die beiden Hauptprotagonisten James und McKendree (der liefert hier in Sachen Tastenspiel mit Piano, E-Piano, HT-Piano und Organ wirklich alles, was möglich ist) ihren Stempel aufsetzen: wie zum Beispiel beim herrlich groovende Opener „“Why Should I Suffer”, dem Titelstück „Motormouth”, “I Can’t Find Your Mind” oder  bei “Just A Thought”. Klasse auch der Schunkler “I Can’t Wait” unter vokaler Mitwirkung von Delbert McClinton und mit Jim Hoke, diesmal am Akkordeon.

Insgesamt ist „Motormouth“ eine einzige Lehrstunde von absoluten Könnern in Sachen souligem Blues, bei dem der Spielspaß deutlich spürbar im Vordergrund stand und ‚Allrounder‘ Seth James den perfekten Repräsentant an der Front sowie Kevin McKendree als Strippenzieher abgeben. Großes Blues-Kino!

Qualified Records (2026)
Stil: Blues (Soul)

01. Why Should I Suffer
02. Motormouth
03. I’m In Trouble
04. It’s Later Than You Think
05. I’ll Be Gone
06. High Horse
07. I Can’t Find Your Mind
08. Just A Thought
09. I Can’t Wait
10. I Got To Know
11. Lonely Avenue
12. I Feel The Burden
13. Start A Brand New Day

Seth James
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Aristo Media Group

Paul Cauthen – Book Of Paul – CD-Review

Review: Michael Segets

Fehlendes Selbstbewusstsein kann man Paul Cauthen kaum nachsagen. Nachdem er feststellte, dass es in der Bibel kein Buch Paul gibt, fühlte er sich berufen, diese Lücke zu schließen und selbst eins zu verfassen. Sein bissiger Humor und seine schonungslose Offenheit durchziehen Cauthens Songs. Auf dem Titeltrack des neuen Albums „Book Of Paul“ beteuert er den Wahrheitsanspruch, den sein Werk als persönliches Bekenntnis erhebt.

Dabei kommen eher dunkle Seiten und weltliche Fehltritte zum Vorschein als metaphysische Schwärmereien. Lediglich der gebetsartige Abschluss des Longplayers „The Voice Inside“ offenbart einen religiösen Hintergrund. Eine gewisse innere Zerrissenheit durchzieht die aktuellen Texte wie auch schon die auf „Room 41“.

Musikalisch hat Cauthen erfreulicherweise die Kurve bekommen. Während er seine eigenwillige Mischung aus Country, Disco-Beats und Rap auf „Country Coming Down“ zu einem experimentellen Höhepunkt führte, fährt er nun das Crossover zurück und wendet sich wieder deutlicher dem Country zu. Dennoch finden sich noch Reminiszenzen an seine vorherige Phase wie auf der Vorabauskopplung „Texas Swagger“. Hier funktioniert die Mischung allerdings.

Mit dem Titeltrack sowie den beiden Singles „Ain’t No Crime“ und „Bayou By You“ wandelt er konsequent auf Country-Pfaden. Der genretypische Sound wird gelegentlich leicht modernisiert und wirkt frisch („Cigarettes & Billy Graham“). Cauthen baut zwar ab und zu ein paar ungewöhnliche Klänge ein, wie ein leichtes Bellen bei „Road Dog“, die sich aber in die Songs einpassen. Daneben kommen auch eher klassisch anmutende Kompositionen zum Tragen wie das Duett „Tossin‘ Back Time“ mit Jake Worthington oder „Blue Denim & Black Gold“, dem einzigen Stück, bei dem Cauthen als Verfasser nicht die Finger mit im Spiel hat.

Für die äußerst stimmungsvolle Ballade „Chain Smoking“ holt er sich Delaney Ramsdell mit ans Mikro. Eine sehr gute Entscheidung, setzt sie doch einen Gegenpart zu seinem kräftigen Bariton. Wie auch auf seinen früheren Werken finden sich auf dem aktuellen Longplayer ebenfalls einzelne Stellen, an denen ich mir weniger Stimmgewalt gewünscht hätte. Diese Passagen treten jetzt aber nur am Rande auf. Den einzigen Titel, den ich zukünftig überblättern werde, ist das rhythmisch und gesanglich anstrengende „Texas Gravel Road“.

Von langsamen Stücken bis zu energiegeladenen Tracks wie „Breakaway“ unterhält das „Book Of Paul“ nahezu durchgängig formidabel. Cauthen orientiert sich wieder mehr an den gängigen Klangwelten des Country und reduziert die Anteile anderer Musikrichtungen. Diese setzt er nun gezielter ein und gibt dem altehrwürdigen Genre so ein moderneres Gewand.

Velvet Rose Records – Thirty Tigers/Open (2026)
Stil: Country, Americana

Tracks:
01. Book Of Paul
02. Ain’t No Crime
03. Texas Swagger
04. Tossin’ Back Time
05. Blue Denim & Black Gold
06. Breakaway
07. Chain Smoking
08. Bayou By You
09. Dark Horse
10. Cigarettes & Billy Graham
11. Road Dog
12. Texas Gravel Road
13. The Voice Inside

Paul Cauthen
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

The Jack Wharff Band – Strange – EP-Review

Endlich mal wieder etwas frisches Blut hier in Sounds Of South und dazu auch noch Genre-kompatibel. Nachdem die ersten zwei Monate dieses Jahres recht Blues Rock-lastig geprägt waren, gibt es jetzt mit der neuen EP „Strange“ der Jack Wharff Band ehrgeizigen, unverbrauchten und sehr bekömmlichen Country-Bluegrass-Americana-Stoff!

Die Jack Wharff Band stammt aus Richmond, Virgina, und besteht aus ihrem Leader Jack Wharff, Drummer Garrett Howell, Bassist Ryan Atchison und Gitarrist Evan Novoa. Die Jungs hatten bereits mit „Richmond’s Most Wanted“ ein Kurzwerk mit sechs Tracks veröffentlicht, jetzt legen sie fünf weitere Stücke unter Majorlabel-Fahne (Big Machine Records) hinterher.

Der Titelsong „Strange“ als Einstieg baut direkt Spannung auf, ein wunderbarer Balanceakt zwischen New Country und Americana, schön atmosphärisch mit Slidegefiepe. Die helle und doch leicht rauchige Stimme Warffs, die mich an Leute wie Jason Isbell oder Ed Sheeran erinnert, verpasst dem Song zusätzlich noch einen leichten Indie-Touch. Klasse hier auch die countryesken Harmoniegesänge.

Die beiden folgenden ‚Virginia‘-Tracks stehen mehr im Zeichen von gut verdaulicher Modern Bluegrass-Musik, nicht zuletzt ein Mitverdienst von Ketch Secor, Mitbegründer sowie Frontmann der Band Old Crow Medicine Show, der „Virginia Can I Stay A While“ mitgeschrieben hat und hier auch vokal partizipiert. Das treibende „Ole Virginia“ hat was von ‚Tom Petty goes Bluegrass‘, auch klasse gemacht.

Der Nashville Singer Songwriter Solon Holt assistiert den Jungs bei „A Month, A Week, A Day“. Mit dem klassischen, lässig samt etwas Melancholie im Gesang dahin-groovenden Americana- Stück „Saved“ (schön klackernde Banjo-Untermalung), ist das rechte kurze Vergnügen schon wieder beendet.

Die Jack Wharff Band wird in den kommenden Tagen bis Mitte März mit Auftritten bei den C2C Festivals in Berlin (6. März), Rotterdam (7. März) und London (15. März) zu sehen sein, dazu/dazwischen kommen noch Headline-Shows in Dublin (9. März) , Manchester (16. März) und Glasgow (18. März). Eine ideale Gelegenheit, den Bekanntheitsgrad in unseren Sphären erheblich zu steigern! Das Talent dazu ist zweifelsfrei vorhanden! Es ‚riecht‘ förmlich nach mehr…!

Big Machine Records (2026)
Stil: Country, Bluegrass Americana

01. Strange
02. Virginia Can I Stay A While (ft. Ketch Secor)
03. Ole Virginia
04. A Month, A Week, A Day (with Solon Holt)
05. Saved

TheJack Wharff Band
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Walter Rootsie & His Blue Connection – People Talk – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Im Jahr 2005 vom niederländischen Songschreiber Walter “Rootsie” Hopmanns gegründet, verkörpert die Band eine bemerkenswerte Symbiose in Suomis Musikszene. Ein “Dutch Americana Heart” trifft auf gleichgesinnte, erfahrene Begleiter mit finnischer Roots Rock-Begeisterung. Zum Bandjubiläum ist mit “People Talk” ein neues Studiowerk erschienen.

Der unverkennbar Americana-Titeltrack bereitet zu Beginn den idealen Einstieg in den opulenten Song-Reigen und überrascht überaus mitreißend als Ohrwurm- Kandidat: ein Radio-Playlist “Wecker” für Frühaufsteher und Artverwandte. Im melodischen Charakter der Scheibe bringt “Pleased To Meet You” agile Country- Lebensfreude, die auch vor finnischen Tango-Einflüssen (“Eternal Love”) nicht Halt macht.

Geradeheraus souverän holt sich die Band die Hörer-Sympathien Stück für Stück auf ihre Seite. So wirken insbesondere die emotionalen Story-Balladen (“Empty Heart” bzw. “The Whole Time”) und die temporeichen Rock-Songs (z.B. “Gone, Gone, Gone” und “Depression”) in ihren vielseitig intensiven Melodie-, Harmonie- und Rhythmus-Strukturen als eigentliche Glanzstücke der langjährig eingespielten Formation.

Zu diesen Premium-Nummern zählt zweifelsohne neben dem Americana-Titel “You Kissed The Wrong Guy” vor allem der Country-Rock Song “We Both Know”, der in ausgeprägter Eleganz die Stilrichtung noch einmal kultiviert.

Selten erscheint ein Album, das in derart komprimierter Weise die Vielseitigkeit von Americana über Country, Rock bis hin zu Singer/Songwriter Einflüssen mit Outlaw- und Folk-Nuancen in 10 Songs verbindet. Nach den Vorläufern “Get Up And Go” und ”Dark Water” ist “People Talk” von Walter Rootsie and His Blue Connection erneut eine stilistisch vielseitige LP erschienen.

Wraf Records (2025)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. People Talk
02. Depression
03. The (W)Hole Time
04. Gone, Gone, Gone
05. Please To Meet
06. You Kissed the Wrong Guy
07. Empty Heart
08. Eternal Love
09. We Both Know
10. Old Love

Walter Rootsie & His Blue Connection
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Larry Fleet – Another Year Older – CD-Review

Ich bin auf Larry Fleet durch den Song „Baby We Do“ von seinem Debüt-Album „Working Hard“ gestoßen, ein Country-Ohrwurm, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Southern Soul und gesungen von einer grandiosen Wohlfühl-Reibeisenstimme (wie eine Mischung aus Travis Tritt und Kenny Rogers).

Das zum Album gehörige Review übernahm der geschätzte Kollege Michael Segets, dessen Analyse man quasi 1:1 auch auf Fleets neues Werk „Another Year Older“ übertragen könnte.

Der von Jake Owen entdeckte Singer/Songwriter ist mittlerweile auf einem Independant-Label (EMPIRE) unterwegs, das sich die Förderung kulturell relevanter Musik, die die Persönlichkeit des Künstlers in den Vordergrund rückt, auf die Fahne geschrieben hat.

Dies trägt sicher dazu bei, dass er sich ganz auf seine Stärken konzentrieren kann: dezent melancholisches Storytelling, überwiegend verpackt in melodische Countrysongs mit Veranda-Charakter, ab und zu mal  etwas lebhafter, wenn er seine Passion für Soulmusik mit einfließen lässt.

Hitverdächtig in einer elf-stückigen Singleansammlung (da hat man wirklich die Qual der Wahl bei der Auswahl) sind für den patriotisch/gläubig gestrickten Ami sicherlich „Baseball On The Radio“, „Hotel Bible“ und „American Made„, das mit einem dezenten ‚Bruce Springsteen-/Bob Seger go Country‘-Esprit (typische Piano-Untermalung) daherkommt.

Meine Key-Tracks sind natürlich die Sachen, die wieder im southern-souligen „Baby We Do“-Stil angelegt sind. Da gibt es diesmal gleich drei Ohrwürmer an der Zahl zu vermelden:  „If These Walls Could Talk“, „Whoke Lotta Little Things“ und „Drunk Advice“, alle mit viel Piano, hallendem Organ und schönen E-Slide-oder Fill-Einlagen. Herrlich, einfach zum Reinlegen!

Am Ende ist Larry Fleet mit seinem fünften Longplayer  „Another Year Older“ wieder ein überaus eingängiges und melodisches Werk gelungen, das man zu jeder Zeit auflegen kann, wenn man mal entspannt abschalten möchte.

Ich freue mich schon jetzt darauf, ihn am 06. Mai live im Kölner Yard Club begutachten, beziehungsweise kennenlernen zu können.

Stellar Way Records / EMPIRE (2026)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. More Of That
02. Baseball On The Radio
03. Hotel Bible
04. If These Walls Could Talk
05. 5:25
06. Both Sides Of The Fence
07. Another Year Older
08. Whoke Lotta Little Things
09. Drunk Advice
10. If I Still Was
11. American Made

Larry Fleet
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Lime Tree Music

CJ Land – Storm Chaser. Nashville EP– EP-Review

Review: Michael Segets

CJ – die Kurzform für Chad Jonathan – Land wuchs in Kalifornien auf und zog dann über Texas nach Nashville, Tennessee. Den Grundstein für seine musikalische Laufbahn legte seine Mutter, die ihm Gesangsunterricht gab und eine alte Gitarre kaufte. In seiner Jugend betätigte sich Land in Heavy-Metal-Bands als Sänger und Gitarrist. Seit 2015 begibt er sich in ruhigere Gefilde. Als Singer/Songwritern nimmt er Einflüsse des Outlaw Country und des Old School Rock’n Roll auf. Er spielte in kleineren Locations und bei größeren Events. Für Devon Allman, für Ted Nugent und – vielleicht etwas überraschend – für Billy Idol eröffnete er Konzerte.

„Storm Chaser. Nashville EP“ ist in seiner Wahlheimat in einem privaten Studio entstanden. Die EP startet mit den beiden ordentlichen County-Balladen „Distance“ und „That’s Just Me“. „Where Has All The Time Gone?“ lässt dann wirklich aufhorchen. Land rockt hier vor einem Teppich von mehreren Gitarren gewürzt mit ein paar Key-Einsprengseln. Das starke Stück passt sich nicht in die Vorstellung des Nashville-Country ein und Land leitet mit ihm eine Wendung seiner EP in Richtung Rock ein. Während „On Downstream“ mit einem galoppierenden Rhythmus noch einen Western vor dem inneren Auge abspielt, kann der Titeltrack „Storm Chaser“ nicht verleugnen, dass Land am Anfang seiner Karriere eher der härteren Spielart des Rocks zugeneigt war. Diese Frühzeit wirkt hier in das Songwriting hinein, wobei der Song durchaus melodiös bleibt.

Bevor die EP mit dem in zwei Minuten knackig durchgetriebenen „Looking Like Trouble“ ihren aufgekratzten Abschluss findet, schiebt Land nochmal eine Country-Ballade zwischen: „I Need Some Time“ knüpft an den Beginn seines Werks an. Den gefühlvollem Song wählte Land als erste Auskopplung. Er wäre auch für mich die erste Wahl unter den langsameren Country-Titeln gewesen und für Nashville sicherlich die richtige Entscheidung.

„Storm Chaser” zeigt CJ Land von zwei Seiten. Auf der einen Seite als Country-Musiker, der sich in balladesken Bahnen bewegt, auf der anderen Seite als Rocker, der lautere Töne anschlägt. Die knapp halbstündige EP erscheint so nicht als in sich geschlossenes Werk, sondern mehr als ein Ausblick auf die Spannweite dessen, was von Land noch zu erwarten ist. „I Need Some Time“ sowie „Where Has All The Times Gone?“ sind die Highlights, auf denen sich die beiden Facetten seiner Musik widerspiegeln.

Ich mag Rock mit Country-Einflüssen ebenso wie rockigen Country. Land bewegt sich in diesem Grenzgebiet und daher darf ich auf seine nächste Veröffentlichung – vielleicht einen Longplayer – gespannt sein.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Country, Rock

Tracks:
01. Distance
02. That’s Just Me
03. Where Has All The Times Gone?
04. On Downstream
05. Storm Chaser
06. I Need Some Time
07. Looking Like Trouble

CJ Land
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Margo Price – Hard Headed Woman (Deluxe) – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

Die Rückkehr zu ihren Country-Wurzeln beschert Margo Price zwei Grammy-Nominierungen für 2026. „Hard Headed Woman“ steht auf der Liste der neu eingeführten Kategorie Best-Traditional-Country-Album und ihr Song mit Tyler Childers („Love Me Like You Used To Do“) auf der der besten Country-Duette. Die positiven Kritiken beflügelten Price wohl dazu, eine erweiterte Ausgabe des Longplayers herauszugeben. Die Deluxe-Version erscheint ausschließlich digital und bietet zusätzlich vier neue Songs.

Sehr stimmungsvoll sind die beiden Kooperationen mit Billy Strings („Too Stoned To Cry“) und Logan Ledger („Too Many, Too Few“). Bei den Balladen ergänzen sich die helle Stimme von Price und die tieferen der Männer harmonisch. Während hier mit dem genretypischen Slide nicht gespart wird, setzt „Never Say Die“ auf eine klare Gitarrenarbeit. Mein Favorit unter den neuen Tracks ist „End Of The Road“, das folkig mit akustischer Gitarre und Keys einsteigt. Später kommt ein Schlagzeug dazu. Trotz der eher spartanischen Instrumentalisierung entwickelt der langsame Song durchaus Spannung.

Ich bevorzuge immer noch physikalische Veröffentlichungen – sei es nun Vinyl oder CD. Dass die Deluxe-Version von „Hard Headed Woman“ lediglich digital veröffentlicht wird, kommt letztlich den Fans entgegen. Manche Musiker schieben kurz nach der Erstveröffentlichung leicht erweiterte Ausgaben nach, sodass man als Fan tatsächlich vor dem Konflikt steht, ob man sich den Longplayer eigentlich doppelt kauft. Wenn unterschiedliche Versionen desselben Albums nicht zeitgleich auf den Markt gebracht werden, empfinde ich das oft als Geldmacherei. Im vorliegenden Fall, fällt die Entscheidung leicht, die neuen Titel zusätzlich zu erwerben. Das Ad-On zum Erfolgsalbum lohnt. Die ergänzten Stücke integrieren sich insgesamt nahtlos in das ursprüngliche Werk.

Von „Hard Headed Woman“ gibt es noch eine Bandcamp-Exklusive-Edition, die eine Liveperformance von „Don’t Let The Bastards Get You Down“ enthält. Deren Erlöse kommen der gemeinnützigen Bandcamp-Organisation zugute.

Loma Vista-Concord – Universal Music (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. Prelude (Hard Headed Woman)
02. Don’t Let The Bastards Get You Down
03. Red Eye Flight
04. Don’t Wake Me Up (feat. Jesse Welles)
05. Close To You
06. Nowhere Is Where
07. Losing Streak
08. I Just Don’t Give A Damn
09. Keep A Picture
10. Love Me Like You Used To Do (feat. Tyler Childers)
11. Wild At Heart
12. Kissing You Goodbye
13. Too Stoned To Cry (feat. Billy Strings)
14. Too Many, Too Few (feat. Logan Ledger)
15. Never Say Die
16. End Of The Road

Margo Price
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Oktober Promotion

Solomon Cole – Ain’t Got Time To Die – CD-Review

Neuseeland war in letzter Zeit schon zweimal Thema in unserem Magazin, BB & The Bullets als auch das Duo Atua Blues hinterließen dabei einen durchaus passablen Eindruck. Musikalisch verbinde ich bis dato eher die Namen Crowded House (u. a. „Don’t Dream It’s Over“, „It’s Only Natural“) und natürlich Keith Urban, der zumindest dort geboren wurde.

Solomon Cole ist demnach bis dato ein unbeschriebenes Blatt in meiner Review- Laufbahn. Er stammt aus Waiheke Island, einer Insel die ca. 40 Minuten mit dem Boot von Auckland entfernt liegt, wo auch der Videoclip zur ersten Single „Get Up Get On“, ein stampfiger Country-Blues (mit viel Dobro-Slide), gedreht wurde.

Im Prinzip muss man, um sich die Musik des Protagonisten einigermaßen vorstellen zu können, eigentlich nur einen genauen Blick auf das Coverbild der CD werfen, das den Protagonisten in einer düsteren Waldlandschaft mit seiner Dobro zeigt, die auch hier reichhaltig zum Einsatz kommt.

Man schmeiße Ingredienzien von Johnny Cash, Son Volt, Howlin‘ Wolf, Tom Waits, Tony Joe White und Nick Cave in einen brodelnden Topf und erhält ungefähr ein musikalisches Gebräu, dem Solomon Cole hier Genüge trägt,

Der Titelsong „“Ain’t Got Time To Die““, ein gospeliger Contryblues mit Waits-mäßigem Leadgesang, hallender Orgel, atmosphärischen E-Fills und starkem Slide-Solo, weiblichen Gospel-Harmonies, ist zurecht Namensgeber des Werkes.

Das Album „Ain’t Got Time To Die“ von Solomon Cole ist nichts für musikalische Warmduscher. Ein schroffer, rauer, swampiger und schwermütiger Mix aus Blues, Country, ein wenig Southern Rock und Gospel. Das ist was für Leute, die gerne Präsenz zeigen und Wiederstand leisten, wenn es auch mal ungemütlich wird und Gegenwind herrscht. Für Diejenigen halt, die keine Zeit zum Sterben haben…

Dixiefrog Records (2025)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. Day Of Reckoning
02. Get Up Get On
03. Woman I Weep
04. Bullet
05. A Little South Of Heaven
06. Apocryphal Flood Blues
07. Ain’t Got Time To Die
08. Call My Maker

Solomon Cole
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V2 Records Promotion GSA

Holly Carter – Leave Your Mark – CD-Review

Manchmal haben die sozialen Medien auch was Gutes an sich. Ohne diese hätte ich die Musik von der aus Bristol, UK, stammenden Holly Carter vermutlich nie kennengelernt.

Durch die Tatsache, dass ich mit Joe Wilkins, den Lead-Gitarristen von Elles Bailey, den ich nicht nur aufgrund seines Southern-angehauchten versierten Gitarrenspiels, sondern auch wegen seiner sympathischen Art sehr schätze, bekam ich in meinem Account ein Song-Video der Protagonistin im Rahmen eines neuen Albums zugespielt, auf dem Joe augenscheinlich und auch gut hörbar mitwirkte.

Nach kurzem Anschreiben, stellte er sofort den Kontakt zu Holly Carter her und wenige Zeit später hatte ich alle Sachen, die man so im Rahmen eines Album-Reviews benötigt. „Leave Your Mark“ heißt das neue Werk der Multiinstrumentalistin (u. a. eine der wenigen Pedal Steel-Spielerin im Vereinigten Königreich).

Ja, einem bleibenden Eindruck auf dieser von Schnelllebigkeit und Reizüberflutung gezeichneten Welt zu hinterlassen, darum geht es auf diesem neuen Longplayer. Da kann sich jeder an die eigene Nase fassen und fragen, ob er da, in welcher Form auch immer, was (hoffentlich Positives) beigetragen hat.

Wir versuchen nun seit gut zehn Jahren, solchen Künstlern eine (wenn auch eher kleine) Bühne zu bereiten, und ihre Musik, auch in unseren Landen, bekannt zu machen und dem geneigten Leser und Interessenten, den einen oder anderen guten Tipp zu vermitteln. Daran wird man sich hoffentlich mal erinnern.

Ein Mensch wird hier explizit mit einem Song gehuldigt, Stetson Kennedy, ein amerikanischer Autor und Bürgerrechtler, der seinen Stempel im Kampf gegen die Ausbreitung des Ku-Klux-Klans nach dem Krieg hinterließ.

Musikalisch wird das komplette Werk, das sich überwiegend in folkigen Country-Sphären bewegt, durch Hollys charismatische klare Stimme maßgeblich getragen, die mich in ihrer Prägnanz an solche von Country-Diven wie Trisha Yearwood, Brandy Clark oder auch ihrer Orts- Kollegin Elles Bailey erinnert, aber auch natürlich vom versierten grummeligen Joe Wilkins-Bariton-E-Gitarrenspiel (inklusiv kleiner Soli).

Für die rhythmische Untermalung (meist in dezent swingender Clubspielart mit Pinseldrums und Contrabass) sorgen John Parker (Nizlopi, Ward & Parker) am Tieftöner und Matt Brown (Rodriquez, Massive Attack) an den Drums (& percussion). Man hat beim Hören fast immer das Gefühl, das Quartett mit im Wohnzimmer sitzen zu haben.

Zu meinen Favoriten zählen besonders der Opener „What You See“ und der Ohrwurm „Follow Your Lead“, der Rest lädt zum entspannten Lauschen ein, allerdings aufgrund des Storytellings auch zum genaueren Zuhören auffordernd. Am Ende lässt sie dann beim Instrumental „Moreoven“ im Alleingang ihre Fingerfertigkeit an der Akustikgitarre aufblitzen.

„Leave Your Mark“ von Holly Carter ist sicher nichts für temperamentvolle Unruheherde, sondern eher was für Leute, die sich gerne mit leicht melancholischer Musik, in gemütlicher Ruhe (ggfs. mit einem Glas Rotwein dabei) samt intensivem Hören auseinander setzen.

Eine tolle Stimme, das Herz am rechten Fleck, klasse Mitmusiker und anspruchsvoll intensive Tracks bilden hier das Qualitätsmerkmal. Eines kann man jedenfalls eindeutig attestieren: Mission ‚Bleibender Eindruck‘ zumindest, was meine Person betrifft, mit Bravour erfüllt!

Forty Below Records (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. What You See
02. Stetson Kennedy
03. Bear With Me
04. He’s A Man
05. Follow Your Lead
06. Idle Eyes
07. Waiting For You
08. Fraser River
09. Out To Sea
10. Morewen

Holly Carter
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Waylon Jennings – Songbird – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Outlaw-Country hätte ohne Waylon Jennings sicherlich nicht die Wirkungen auf die nachfolgenden Generationen erzielt, wie er es tat. Jennings veröffentlichte mehr als vierzig Alben und fast hundert Singles. Sechszehn Nummer-1-Hits und die ersten Millionenverkäufe in der Country-Sparte gehen auf sein Konto.

Dies bescherte ihm eine gewisse künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit von Plattenfirmen. Er und seine Musik entsprach sicherlich nicht den Gepflogenheiten früherer Country-Stars. Ein Geheimnis seines Erfolgs besingt er im Chorus von „The Cowboy“: But the cowboys they still come to see me / And the hippies all gather around / When I sing of my life in the city, / With roots in a small Texas Town.

Jennings gelang es, scheinbare Gegensätze aufzulösen. Country-Fans hielt er mit seiner Musik bei der Stange und machte darüber hinaus Country mit neuen Themen für weitere Hörerkreise interessant. Die 1970er stellen die Hochphase seiner Karriere dar. Jährlich brachte Jennings ein Album heraus.

Neben den Tourneen schrieb er unermüdlich Songs und nahm diese auf. Shooter Jennings sichtete nun, mehr als zwei Dekaden nach dem Tod von Waylon, das umfangreiche Archiv seines Vaters. Dieses erwies sich als wahre Fundgrube, sodass Shooter plant, drei Alben aus dem Nachlass zusammenzustellen, von denen „Songbird“ den Aufschlag macht.

Die für den Longplayer ausgewählten Aufnahmen sind zwischen 1973 und 1984 in diversen Studio entstanden. Jessi Colter, Tony Joe White sowie Mitglieder von The Waylors sind auf ihnen zu hören. Shooter Jennings nahm sich die alten Aufzeichnungen mit Unterstützung des Toningenieurs Nate Haessly vor. Er trommelte Gordon Payne, Jerry Bridges sowie Barny Carter Robertson zusammen, die ehemals bei den Waylors mitspielten, um den Originalen noch Feinheiten hinzuzufügen.

Damit der Sound möglichst authentisch bleibt, mischte Shooter das ursprüngliche Material mit den neuen Einspielungen analog ab. An der Soundqualität ist nichts auszusetzen. Hier macht sich Shooters Erfahrung als Produzent beispielsweise von American Aquarium, The Turnpike Troubadours oder Charley Crockett bezahlt.

Shooter Jennings sagt, dass die Aufnahmen nahezu fertig gestellt waren und über reine Demos hinausgehen. Bei einigen Titeln zeigt ihr Ende allerdings, dass sie noch nicht ganz vollendet waren. Das fällt mal mehr oder weniger auf.

Einen relativ abrupten Abschluss finden „I’m Gonna Lay Back“ oder „I Hate To Go Searching“. Gleiches trifft auf „After The Ball” zu, das ansonsten mit einem schönen Bar-Piano aufwartet. Die Stücke bewegen sich im Midtempo wie das runde „Wrong Road Again“ oder sind balladesk gehalten wie „Brand New Tennessee“, das unter den langsamen Tracks hervorsticht.

Einen Höhepunkt des Albums stellt „Songbird“ dar. Shooter engagierte für das Fleetwood Mac-Cover Elizabeth Cook und Ashley Monroe als Background-Sängerinnen. Wenn nach dem Tod von Musikern deren Aufnahmen auftauchen, handelt es sich nicht selten um lieblos zusammengestellte und soundtechnisch oft fragwürdige Werke, mit denen schnelles Geld gemacht werden soll.

Etwas anders verhält es sich, wenn an der Produktion und Herausgabe Personen beteiligt sind, die eine enge Verbindung zu den Künstlern hatten. Ich denke beispielsweise an Mike Campbell, der Tom Pettys Material rund um „Wallflowers“ editierte. Viel Arbeit und Hingabe wurden da investiert.

So verhält es sich auch bei „Songbird“. Shooter Jennings haucht mit „Songbird“ dem Vermächtnis seines Vaters Waylon neues Leben ein. Als musikhistorisches Dokument ist das Album ohne Frage wertvoll. Ob die Veröffentlichung dazu führt, dass sich bei einem jüngeren Publikum der Kreis der Hörer des Outlaw-Country erweitert, bleibt offen. Vielleicht trägt es dazu bei, dass sich Musikschaffende auf Waylon Jennings als Referenzpunkt besinnen. Insofern schwingt bei aller Nostalgie ein Funken zukunftsorientierter Optimismus mit.

Son Of Jessi/Thirty Tigers – Membran (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. Songbird
02. The Cowboy
03. I’d Like To Love You Baby
04. I’m Gonna Lay Back
05. Wrong Road Again
06. I Hate To Go Searching
07. Brand New Tennessee
08. I Don’t Have Any More
09. After The Ball
10. Gone Again

Waylon Jennings
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Thirty Tigers
Oktober Promotion