Seth James – Motormouth – CD-Review

Ich habe zu Seth James im Jahr 2009 mit seinem Album „That Kind Of Man“ gefunden, damals aber eher aufgrund meiner New Country-Affinität. Für dieses Werk hatte der Texaner mit vielen klingenden Namen wie u. a. Chris Stapleton, Jay Knowles, Al Anderson, Tony Arata oder Mark Selby Songs geschrieben, die dann auch noch vom ‚Who Is Who‘ der Nashville-Studiomusiker eingespielt wurden.

Das Werk hatte aber letztendlich wenig mit dieser Musikart zu tun (eher mehr mit Country-/Roots Rock) und zeigte schon damals seine Ambitionen als Allrounder. Zwei Jahre später hatte ich das Vergnügen ihn als Mitglied von Cody Canada & The Departed live im Kölner Blues Shell sehen zu dürfen. Da war dann eher Red Dirt Rock angesagt. Das ist allerdings jetzt schon lange her und ich muss zugeben, dass ich ihn mittlerweile leider ein wenig aus den Augen verloren hatte.

Jetzt, wie es der Zufall wollte, erreichte mich aus den Staaten eine Email mit der Ankündigung seines neuen Longplayers „Mothermouth“, das, neben ihm, erneut viele prominente Songwriter aufweist, dazu wieder eine ganze Armada von Klassemusikern bei der Einspielung und on top noch den vielfachen Grammy-Gewinner Kevin McKendree als Produzent – quasi eine Qualitätsgarantie, ohne überhaupt einen Ton schon gehört zu haben.

Diesmal steht das Album deutlich im Zeichen des souligen Blues-/Blues Rocks mit wenigen kleinen Ausflügen in artverwandte angrenzende Bereiche (Country – /Southern Rock – z. B. bei Leon Russells “High Horse”). Die omnipräsente Basis bilden James und McKendree, Rob McNelley an der Gitarre, Steve Mackey am Bass, Lynn Williams am Schlagzeug, und auch diverse Mitglieder der berühmten The Time Jumpers beim Bakersfield-Country-angehauchten „I’ll Be Gone” oder dem abschließenden Barroomheuler “Start A Brand New Day”.

Die involvierte, ebenfalls prominente Horn Section (u. a. mit Jim Hoke) und auch diverse weibliche Backgroundsängerinnen, vermitteln hier das soulige Flair. James hat fünf der insgesamt 13 Stücke mitkreiert, die restlichen stammen aus Federn bekannter Musiker wie u. a. Colin Linden, Delbert McClinton, Al Anderson, Guy Clark oder Leon Russell.

Meine persönlichen Favoriten sind Stücke, bei denen die beiden Hauptprotagonisten James und McKendree (der liefert hier in Sachen Tastenspiel mit Piano, E-Piano, HT-Piano und Organ wirklich alles, was möglich ist) ihren Stempel aufsetzen: wie zum Beispiel beim herrlich groovende Opener „“Why Should I Suffer”, dem Titelstück „Motormouth”, “I Can’t Find Your Mind” oder  bei “Just A Thought”. Klasse auch der Schunkler “I Can’t Wait” unter vokaler Mitwirkung von Delbert McClinton und mit Jim Hoke, diesmal am Akkordeon.

Insgesamt ist „Motormouth“ eine einzige Lehrstunde von absoluten Könnern in Sachen souligem Blues, bei dem der Spielspaß deutlich spürbar im Vordergrund stand und ‚Allrounder‘ Seth James den perfekten Repräsentant an der Front sowie Kevin McKendree als Strippenzieher abgeben. Großes Blues-Kino!

Qualified Records (2026)
Stil: Blues (Soul)

01. Why Should I Suffer
02. Motormouth
03. I’m In Trouble
04. It’s Later Than You Think
05. I’ll Be Gone
06. High Horse
07. I Can’t Find Your Mind
08. Just A Thought
09. I Can’t Wait
10. I Got To Know
11. Lonely Avenue
12. I Feel The Burden
13. Start A Brand New Day

Seth James
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Aristo Media Group

Robin Trower – Live! (50th Anniversary Edition) – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Klar, als Freund gepflegter Gitarrenklänge, ob nun der Gattung Rock, Blues Rock oder dem reinen Blues zugehörig, kennt man Robin Trower seit Jahrzehnten. Noch heute ist der 81-Jährige, der 1967 mit Procol Harum und dem Welthit „A Whiter Shade Of Pale“ ins Rampenlicht trat, ständiger Gast der Billboard Blues Charts, wobei ihm auch die Nummer eins nicht fremd ist.

Auch hierzulande hat er nach wie vor seine Fangemeinde. So kam 2022 seine CD „No More Words To Conquer“ auf Platz 75 der deutschen Charts, was allein schon deshalb erstaunlich ist, weil es nach so vielen Jahren und Dutzenden Alben das erste und bislang einzige Mal war.

Dabei gehörte der gebürtige, von Jimi Hendrix beeinflusste Londoner in den siebziger und achtziger Jahren zu den „Gitarrengöttern“. In den USA gab es für seine Alben „Bridge Of Sighs“, „For Earth Below“, „Long Misty Days“ und „In City Dreams“ Gold für jeweils über eine halbe Million verkaufter Exemplare. Die nun in der „50th Anniversary Edition“ neu aufgelegte CD „Robin Trower Live!“ schaffte es 1976 bis auf Platz zehn der Billboard 200 und in Großbritannien auf 15.

Der berühmte Funfact am Rande: Trower erzählte später, die Band habe gar nicht gewusst, dass die Show in Stockholm aufgezeichnet wurde. Bassist und Sänger James Dewar, Drummer Bill Lordan und er selbst dachten, sie würde lediglich für eine Radiosendung spielen. „Deshalb waren wir locker und ungezwungen und haben eine unserer besten Shows gespielt.“

Die Neuauflage mit aufwändigem Booklet und dem Remix von 2026 enthält fünf bisher unveröffentlichte Titel und bietet damit zum ersten Mal die komplette Setlist des Konzerts vom 3. Februar 1975. Auf der zweiten CD mit dem Originalmix gibt es die sieben Stücke, die es seinerzeit auf die LP geschafft haben.

Mehr war in jenen Tagen nicht üblich, wobei der längste Titel, „Daydream“, immerhin acht Minuten lang ist. Der ist im Remix plötzlich über neun Minuten, indem nun einfach ein paar Worte von Robin Trower zu hören sind, die es im Original nicht gab; auch der Beifall der Fans fällt länger aus.

Chrysalis Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
CD 1: Complete Concert – 2026 Mix
01 Day of the Eagle *
02 Bridge of Sighs *
03 Gonna Be More Suspicious *
04 Fine Day *
05 Lady Love
06 Daydream
07 Too Rolling Stoned
08 I Can’t Wait Much Longer
09 Alethea
10 Little Bit Of Sympathy
11 Confessin’ Midnight *
12 Rock Me Baby

CD 2: Original 1975 Version
01Too Rolling Stoned
02 Daydream
03 Rock Me Baby
04 Lady Love
05 I Can’t Wait Much Longer
06 Alethea
07 Little Bit Of Sympathy
*Previously unreleased

Robin Trower
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V2 Records Promotion GSA

Muddy What? – 27.03.2026, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Auf einen Besuch im urigen topos hatte ich mich schon seit längerem gefreut (nicht zuletzt auch wegen der rheinischen Frohnaturen, die man dort immer wieder trifft). Jetzt ergab sich endlich die Gelegenheit, beim Gig der aufstrebenden und sehr umtriebigen deutschen Blues Rock Band Muddy What? dort aufzulaufen.

Die trat diesmal im kleinen Leverkusener Kult-Club als Trio auf. Voranstehend natürlich das Geschwister-Paar Ina und Fabian Spang als Masterminds, an diesem Abend ergänzt durch den Drummer Domi Back.

Muddy What? hat kürzlich ihr neustes Studiowerk „Neon Soul“ auf den Markt gebracht, das es natürlich diesmal schwerpunktmäßig zu bewerben galt. Das swamprockig stampfende  Titelstück wurde dann auch direkt nach einem instrumentellen Opener im ersten Set in den Vordergrund gestellt.

Beim folgenden atmosphärischen „Spider Legs“ gab es für Ina Spangs filigranes Mandolinensolo den ersten verdienten Szenenapplaus. Apropos Mandoline: Mit diesem Instrument bringt die Band natürlich frischen Wind in die doch oft ein wenig  verkrustet erscheinende Blues Rock-Szene, für mich als Country-Liebhaber  eine äußerst willkommene Begleiterscheinung.

Das mit ein wenig Marshall Tucker-Flair durchzogene „Lost Symphony“ und eine sehr eigenwillige, aber auch sehr gelungene Version von „Jumping Jack Flash“ bildeten weitere Highlights in Set 1.

Set 2, das etwas mehr im Zeichen von Covermusik stand, wurde direkt mit einem weiteren Stones-Klassiker eingeleitet. „Sympathy For The Devil“ heizte sofort wieder ein und animierte das topos-Publikum, die berühmten „Woo-Woo“-Harmonies mitzusingen.

Mit dem „Lonesome Road Blues“  huldigte das Trio den wohl namensgebenden Inspirator, Das funkige „Uncontainable“ vom neuen Album, bestach wieder mit Mandolinengezupfe, der starke Slowblues „Letters On A Line“ (auch vom neuen Longplayer), löste nochmals Szenenapplaus aus.

„Voodoo Chile“ in einer kurzen knackigen Version und „Shine A Light“ von den Stones bildeten den Abschluss des Hauptteils. Und wer noch nicht genug Stones-Adaptionen gehört hatte, bekam mit „Honky Tonk Women“ als Zugabe einen oben drauf gesetzt. Hier begaben sich die Drei von der Bühne aus ins dicht gedrängte Publikum. Klasse das integrierte Ticker-Intermezzo von Domi Back mit seinen Drum-Sticks an den absichernden Metallstützen des Denkmal-geschützten topos.

Ein launiges Konzert von Muddy What?, das den Blues Rock mit seiner frischen unverbrauchten Note auch für jüngere Publikumsschichten öffnen könnte. Nach dem Gig stand das sympathische Trio für unser obligatorisches VIP-Bild zur Verfügung. Wer Lust hat, kann Spang & Co. in unseren Sphären morgen nochmal in Recklinghausen sehen, bitte die Zeitumstellung beachten!

Line-up:
Fabian Spang – lead vocals, electric guitar
Ina Spang – electric guitar, mandolin
Domi Back – drums

Text und Bilder: Daniel Daus
Fotografische Unterstützung: Andreas Braun, Gerwin Jakubowski (VIP-Bild)

Muddy What?
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topos Leverkusen

Gabe Stillman – What Happens Next? – CD-Review

Ja, in der Tat. Was passiert als nächstes im Blues Rock, fragen auch wir uns immer wieder. In letzter Zeit haben wir einige interessante Leute mit neuen Alben von unseren amerikanischen Freunden zugesendet bekommen.

Ein weiterer interessanter Bursche ist zweifellos Gabe Stillman, der mittlerweile auf Mike Zitos Gulf Coast Records-Label unter Vertrag ist und mit „What Happens Next?“ seinen zweiten Longplayer veröffentlicht.

Der aus Williamsport, Pensylvannia, stammende US-Amerikaner hat sich 2019 durch seinen Sieg bei der International Blues Challange als bester Gitarrist in den Vordergrund gespielt und den damit verbundenen Gibson Guitar Award abgesahnt. Zudem landete er mit seinem Debütwerk in den Top 10 der Billboard Blues Charts. Das schürt erfahrungsgemäß in der heutigen schnelllebigen Zeit hohe Erwartungshaltungen.

Das Album beinhaltet insgesamt neun Stücke, wobei sieben Tracks aus der Feder des Protagonisten stammen. Gut gefällt mir das unterschwellige Southern-Flair, das bei einigen Liedern wie dem Opener und Titelstück „What Happens Next?“ , „Someone In My Mirror“ (schöner selbstironischer Text), beide southern-soulig, „Shame, Shame“ (mit Anson Funderburgh als Gast) , „Screamin‘“ und „Living Your Life“, durch eingebrachte Hammond-Orgel-Elemente (a là Gregg Allman, gespielt von Eric Roberts) ) eine gewisse Allman Brothers-Note offenkundig wird (klasse als Double Leads E-Gitarre-Organ bei  letztgenanntem „Living Your Life“). Dazu kommen auch die immer wieder eingestreuten typischen weiblichen BGVs (gesungen durch Alice Spencer).

Der Kracher ist Werks ist der klassisch aufgebaute Slowblues „The Man I’m Supposed To Be“, in dem Gabe dann im mitreißenden Soloteil den Beweis für sein exzellentes E-Gitarrenspiel erbringt.

Lediglich bei „I’ve Got To Use My Imagination“ (Hit aus dem Jahr 1973 der Funk-Soul Gruppe Gladys Knight & The Pipes) und „Gentle On My Mind“ (John Hartford) handelt es sich dann um Stillman-Neuinterpretationen alter, viel gecoverter Klassiker.

Erstgenannter Song besticht mit einer reifen Stimmvariation Stillmans im Vergleich zu den anderen Songs (da klingt sie überwiegend noch sehr jung), das finale „Gentle On My Mind“ hat mit eingebundener Akustikgitarre (samt Slide) und einem Saxofonpart (Mark Kazanoff) ebenfalls Überraschungsmomente.

Über das, was in der Causa Gabe Stillman als nächstes passiert, kann nur spekuliert werden. Fest steht, dass er mit „What Happens Next?“ den nächsten markanten  Schritt unternommen hat, sich in der Blues Rock-Szene als neuer unverbrauchter Impulsgeber zu zementieren. Gabe Stillman wird seinen Weg gehen, da bin ich mir sicher!

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. What Happens Next?
02. Yesterday’s Donuts
03. The Man I’m Supposed To Be
04. Someone In My Mirror
05. Shame Shame
06. Screamin‘
07. I’ve Got To Use My Imagination
08. Living Your Life
09. Gentle On My Mind

Gabe Stillman
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V2 Records Promotion GSA

Ben Brandt – Solid Ground – CD-Review

Im Moment werden wir wieder von unseren Freunden Devious Planet aus Amerika mit vielen neuen Namen (zumindest für mich) geflutet, Ben Brandt, der jetzt mit seiner neuen CD „Solid Ground“ vorstellig wird, ist einer davon.

Wenn man seiner Biografie Glauben schenken darf, hat er fast direkt nach Verlassen der Säuglingsstation, sein Interesse am Gitarrenspiel entdeckt. Die ersten Riffs spielte er auf der Gitarre seines Großvaters mit 3 Jahren, mit 10 gründete er 1999 schon seine erste eigene Band.

Seither begleitet das Instrument sein Leben und er hat bis dato mit vielen bekannten Interpreten wie Shemekia Copeland, Albert Cummings, Los Lonely Boys, Gary Hoey, Eric Steckel, The Record Company, King Solomon Hicks, Billy Price, Coco Montoya, Jared James Nichols, Davy Knowles oder Blackberry Smoke zusammengearbeitet.

Schon nach den ersten Hördurchgängen wird einem klar, dass Ben sich wenig um die üblichen Konventionen im Blues Rock scherrt, der testest die Grenzen aus, wobei Spielfreude im Kontext zu seinen Mitspielern (starke Vorstellung von Ted Pecchio am Bass) klar im Vordergrund steht. Produziert und ebenfalls gitarrentechnisch und mit BGVs unterwegs ist hier der uns bekannte JD Simo, den ich vom Stil her ähnlich in Erinnerung habe.

Brandt ist nicht der Übersänger, man spürt sofort, dass hier der instrumentelle Teil der wichtigere ist, der Hang zu Improvisationen (u. a. „Burning Bridges“, „Under The Weight Of Us“) ist unverkennbar. Vieles erinnert mich an den Rock der 70er Jahre, wo psychedelische Noten eine gewisse Bedeutung hatten. Die drei jeweils etwas über eine Minute währenden eingestreuten Instrumental-Intermezzi („Matthew’s Tire Part 1-3), bringen dazu eine gewisse Unruhe in das Gesamtwerk.

So richtig warm mit dem Songkonvolut werde ich erst gegen Ende des Silberlings mit den Stücken „The Seeker“ (The Who-Cover) und „Little Something“, die die ein wenig Southern-Esprit Marke The Black Crowes versprühen. Standesgemäß beendet Brandt die neue CD mit einem Psychedelic-Touch bei „Scramblin‘ (The Well)“, das mich weitläufig an Bad Companies „Seagull“ erinnert.

Wer auf rauen, unpoliert und authentisch gespielten Rock mit 70er-Flair steht, der ist bei Ben Brandt und seinem neuen Longplayer „Solid Ground“ in jedem Fall an der richtigen Stelle.

Katalex Records (2026)
Stil: Blues Rock

01. Solid Ground
02. Matthew’s Tire Part 1
03. Burning Bridges
04. Fine Line
05. Parasite Blues
06. Matthew’s Tire Part 2
07. Under The Weight Of Us
08. Matthew’s Tire Part 3
09. The Seeker
10. Little Something
11. Scramblin‘ (The Well)

Ben Brandt
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Davy Knowles Band – 17.03.2026 – Gdanska, Oberhausen – Konzertbericht

Bei Davy Knowles stand für mich schon lange fest, dass, sofern sich ein Konzertbesuch in unseren Sphären terminlich für mich realisieren lässt, dieser auch wahrgenommen wird.

Ich verfolge den von der Isle of Man stammenden Briten schon seit seiner Back Door Slam-Zeit und besitze auch etliche Alben von ihm. Besonders das in Zusammenarbeit mit Peter Frampton und Bob Clearmountain erstellte Werk „Coming Up For Air“ hatte es mir dabei besonders angetan. Aus diesem Longplayer wurde an diesem Abend „Riverbed“ performt.

Knowles war in Vorzeit bereits zweimal als Fronter der Bands Of Friends im Gdanska vorstellig geworden,  jetzt zum ersten Mal eigenständig zusammen mit Todd Bowers am Bass und Mike Hansen am Schlagzeug als Davy Knowles Band.

Um 20:15 Uhr bat Gitarissimo-Macher Jürgen Reinke das Trio auf die Bühne. Mit dem shuffligen Opener „Good To Know Ya“ ließ er direkt die Frühlingsgefühle des Southern Rock-Fans erwachen.

Davy hat ja sehr viel Zeit im Rahmen seiner Karriere in den Staaten verbracht. Diese ‚Amerikanisierung‘ merkte man auch in der Wahl seines Arbeitsgeräts. Hier hatte die stark beansprucht aussehende Telecaster auch den klaren Vorzug gegenüber einer kurzen Phase mit der Gibson SG und der Strat (nur bei „One & The Same“).

Die drei Musiker spielten in zwei Sets (mit einer kurzen Bierhol- und Pinkelpause dazwischen) und boten mit das Beste, was ich in den letzten Jahren in Sachen modernem Blues Rock vorgespielt bekommen habe. Was haben die teilweise für einen Drive entfacht! Allein der „Outside Woman Blues“ inklusive eines fulminanten Drum-Solos von Mike Hansen, war schon allein den Besuch des Gigs wert.

Aber dem nicht genug. Knowles & Co. setzten nach der Pause mit Tracks wie „Nadine“ (herrlicher R’n’R), „Catch The Moon“ (mit einem Hauch von Bakersfield-Flair), „Come Home“ (dezente ZZ Top-Note) und  dem sensationellen Slowblues „Gotta Leave“ (was für ein E-Gitarrenspektakel!) noch einen Oben drauf.

Am Ende besann sich der Protagonist dann doch noch auf seine britischen Wurzeln zurück. Eine traumhafte Version des Dire Straits-Klassikers „Sultans Of Swing“, wo Davy ein weiteres Mal seine außerordentliche Fingerfertigkeit in den ausgedehnten Soli bewies und das auch von Rory Gallagher damals gern gespielte „I Take What I Want“ als finale Zugabe, gossen Wasser auf die Mühlen der Fans aus der guten alten Rockmusik-Zeit.

Davy Knowles, Mike Hansen und Todd Bowers, alias Davy Knowles Band, ließen ein restlos begeistertes Gdanska-Publikum zurück und auch ich persönlich war heilfroh, dieses Mal endlich die Gelegenheit am Schopf gepackt zu haben. Am 20. März haben Blues Rock-Liebhaber in Dortmund nochmals die Gelegenheit, das tolle Trio zu besuchen. Vielen Dank an Jürgen Reinke für die herzliche Gastfreundschaft und die unkomplizierte Akkreditierung!

Line-up:
Davy Knowles – lead vocals, electric guitar
Todd Bowers – bass
Mike Hansen – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Davy Knowles
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Gdanska, Oberhausen

Muddy What? – Neon Soul – CD-Review

Schönes Wortspiel, dieser Bandname! Muddy What? ist zwar immer mal wieder vor meinen Augen aufgetaucht, aber irgendwie ist die Band des Geschwisterpaars Ina Spang und Fabian Spang bis dato an mir vorüber gegangen.

Dabei zählen die aus Süddeutschland stammenden Protagonisten zu den fleißigsten Live-Acts in diesem Lande und bringen jetzt mit „Neon Soul“ ihr bereits sechstes Album auf den Markt. Das soll sich aber nun mit dieser Besprechung ändern und entweder am 27. März werde ich im urigen Leverkusener topos oder sonntags darauf im Backyard Club in Recklinghausen bei ihren anstehenden Gigs vorstellig werden.

Fabian Spang ist mit seinem kauzigen englischen Lead-Gesang, der die deutsche Abstammung sehr gut verschleiert und an der Rhythmus-Gitarre präsent, während Schwester Ina die saitentechnischen Fäden (Mandoline, Gitarren) in der Hand hält. Unterstützt werden sie von Michi Lang am Bass und Manfred Mildenberger am Schlagzeug.

Sechs durchgängig hörenswerte Eigenkompositionen (besonders stark hier der swampig country-rockig stampfende Titeltrack „Neon Soul“, das mit einem Hauch von „Can’t You See“, gedrückte Atmosphäre verbreitende „Letters On A Line“ und der heimelige Schwofer „Tales Unveiled And Secrets Sealed“) werden durchzogen von drei Fremdadaptionen („The Lonesome Death of Hattie Carroll“ und „Blind Willie McTell, jeweils von Bob Dylan, und „Voodoo Chile“ von Jimi Hendrix).

Das funkig groovende „The Lonesome Death of Hattie Carroll “ ist mit seinen drei quirligen Mandolinenpassagen aus meiner Sicht das absolute Highlight des Werkes, auch die Version des Rassismus, Sklaverei und Leid anprangernden   „Blind Willie McTell „von Dylan wird hier musikalisch sensibel in Szene gesetzt.

Ob die hundertste Fassung von „Voodoo Chile“ sein muss, darüber kann man streiten. Fakt ist, dass Muddy What? auch Psychedelic Rock können. Da der Song auch in der notorisch alternden Blues Rock-Gemeinde immer noch hohes Ansehen besitzt, ist es sicherlich zumindest taktisch nicht unklug, ihn mit ins Portfolio aufzunehmen.

Am Ende lässt das Quartett mit dem Instrumentalstück „Ina’s Lullaby“  samt Akustk- und E-Gitarrenklängen einen insgesamt frisch und unverbraucht klingenden Silberling melancholisch ‚auspendeln‘.

Sehr gefallen hat mir hier auf „Neon Soul“, dass Muddy What? mit den vielen  integrierten Mandolinenpassagen ein nicht alltägliches Merkmal aufweisen kann, welches die Band in der Blues Rock-Szene zu etwas Besonderem macht. Man sieht sich Ende März!

Howlin‘ Who Records (2026)
Stil: Blues Rock

01. Neon Soul
02. The Lonesome Death of Hattie Carroll 
03. Letters On A Line
04. Tales Unveiled And Secrets Sealed
05. Lost Symphony
06. Uncontainable
07. Blind Willie McTell 
08. Voodoo Chile 
09. Ina’s Lullaby

Muddy What?
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Garret T. Willie – Bill’s Cafe – CD-Review

Ein international hochplatziertes und über den grünen Klee gelobtes Debütalbum, mehrere kanadische Musik-Award-Nominierungen, Support für klingende Namen wie Kenny Wayne Shepherd, Joe Bonamassa oder John Fogerty, dazu noch gesegnet mit viel Talent (Gitarrenspiel, Songwriting) und einer mörderisch guten Stimme.

Jetzt bei seinem zweiten Werk „Bill’s Cafe“ bekommt Garret T. Willie (alias Garret Cranmer) auf Mike Zitos Gulf Coast Records-Label auch noch Nashville Star Producer Tom Hambridge und ein Weltklasse-Ensemble an Musikern wie Audley Freed, Kenny Greenberg, Tom MacDonald, Kevin McKendree, Mike Rojas samt Hambridge himself an die Seite gestellt, ein Karriere-Start könnte wahrlich schlechter beginnen. 

Die Frage, die sich für mich persönlich stellt, ist daher die, warum er auf dem Coverbild, für meine Begriffe, angesichts dieser ganzen positiven Dinge und Entwicklungen, so brummig in die Kamera hineinblickt? Aber vielleicht täusche ich mich ja auch, und er ist einfach vor lauter Glücksgefühle nur nachdenklich in sich gekehrt. Ich hab halt nicht Psychologie studiert…

Der Titel bezieht sich auf das Pool Hall Cafe in Alert Bay, British Columbia,  seines Großvaters. Allein schon das energiegeladene E-Gitarrenintro zum Opener „Hypnotist“ wird jedem AC/DC-Fan zu Bon Scott-Zeiten Freudentränen in die Augen treiben, wenn dann noch Skynyrd-/Hatchet (zu Hochzeiten) und ZZ Top-Ingredienzien (im Bridge), dieser tolle wuchtige Gesang und noch ein furioses Gitarrenfinale hinzukommen, bleibt einem glatt die Spucke weg. Was mag da noch bei den restlichen Tracks kommen?

Um es vorweg zu nehmen. Der Rest des Longplayers hält durchweg das hohe Niveau! Hier wird in bester Southern-Manier ‚gebluesrockt‘, der Protagonist und die Nashville-Könner brennen hier ein wahres musikalisches Feuerwerk ab! „Devil Doll“ macht mit furiosem HT-Geklimper und zünftigem Rock weiter, „Going To Toronto“ vereint Stones-und Skynyrd-Einflüsse (herrlich das typische Skynyrd E-Gitarrenaufheulen beim Songabschluss – jeder wird es sofort erkennen).

Das launige „It Won’t Get Done“ empfiehlt die Sachen in die eigenen Hände zu nehmen. Auch in den folgenden Stücken wird dem Blues regelrecht der Marsch geblasen, lediglich beim, mit einer Akustikgitarre verzierten „Golden Highway“ wird es mit Allman Brothers-/Marshall Tucker-Flair etwas ruhiger, um dann ganz spät am Ende des Silberlings mit „I’m Late„, noch mal schroff zu rocken. Wahnsinn diese Scheibe. Ein klarer Kandidat für das Album des Jahres!

Ich hätte mir vielleicht noch ein Stück mehr gewünscht, wäre mit „Devil Doll“ in das Songkonvolut eingestiegen und hätte den überragenden Opener „Hypnotist“ auch wegen des Gitarrenfinishs, nach dem Motto, das Beste am Schluss, ans Ende platziert.

Das Album ist Pflicht für jeden Southern- und Blues Rock-Fan, man fühlt sich fast schon ‚genötigt‘ (in meine Fall zumindest), sich auch noch im Nachgang mit dem Debütwerk zu befassen. Klasse dieser  Garret T. Willie!

Gulf Coast Records (2026)
Stil: (Southern) Blues Rock

Tracks:
01. Hypnotist
02. Devil Doll
03. Going To Toronto
04. It Won’t Get Done
05. Small Town People
06. High Beam Blues
07. Young Country Boy
08. Golden Highway
09. I’m Late

Garret T. Willie
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Mike Zito – 25.02.2026, Harmonie, Bonn – Konzertbericht

Pünktlich um 20:00 Uhr verdunkelt sich das Licht in der Harmonie und wie Schatten betreten die Musiker die Bühne. Dann richtet sich ein Spot auf Mike Zito, der bestens gelaunt die Fans begrüßt und sagt, dass er erreichen will, dass diese mit einem besseren Gefühl nach Hause gehen- als sie gekommen sind. Genau dies gelingt Zito an diesem Abend mit seiner Band.

Das Trio zelebriert über zwei Stunden den Blues und sorgt für eine frenetische Stimmung. Zito begeistert mit seinem variablen Gitarrenspiel, seiner markanten Stimme und seinem authentischen Auftreten.

Matthew R. Johnson an den Drums und Terry Dry am Bass sind mehr als Begleitmusiker. Mehrfach zieht sich Zito in den Hintergrund zurück, lässt den beiden Freiräume und richtet zum Publikum die Worte „What A Band!“ und forciert damit den verdienten Szenenapplaus nach ihren Solo-Parts.

Mit „Outside Or The Eastside“, Kiss You All Over“, „Just Like I Treat You“ und Don´t Take Advance Of Me“ überrascht er die Fans mit vier Songs, die auf dem Album „Outside Or The Eastside“ sind, das offiziell erst Ende April erscheinen wird. Für die Fans hat er aber vorab schon Exemplare dabei. So kann man ein Album auch promoten.

Emotional ist der Slowblues „Forever My Love“, der seiner Frau gewidmet ist. Am Ende des über zwei Stunden gehenden Konzerts greift er dann auf etwas ältere Songs zurück. Das krachend-jammende „Judgment Day“, worin er „Kashmir“ und „Whole Lotta Love“ einfließen lässt, schließt die Show ab.

Als Zugabe zum Runterkommen legt er dann noch das ruhige „All Last Night“ nach, dem die Fans gebannt lauschen und in ruhigen Passagen, wo er die Gitarre vom Strom nimmt und ohne Mikro singt, zeigt das Publikum, wie bluesaffin es ist. Man konnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.

Line-up:
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Matthew R. Johnson (drums, vocals)
Terry Dry (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Mike Zito
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Harmonie Bonn

Omar Coleman & Igor Prado – Old New Funky -And- Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für “Old, New, Funky And Blue“, den ersten gemeinsamen Longplayer, waren Omar Coleman und Igor Prado in Sao Paulo im Studio und haben ein klassisch-modernes Soul-Blues-Funk-Album eingespielt. Omar Coleman, Sänger und Harp-Spieler aus West Side Chicago gilt als eine der führenden neuen Stimmen im zeitgenössischen Soul-Blues der Metropole in Illinois. Seine erste Aufnahme machte er bereits 2005, damals jüngster Harp Artist, für die Compilation “Diamonds In The Rough” (Chicago Blues Harmonica Project) und war als Vertreter der dortigen Szene auch hierzulande schon unterwegs.

Igor Prado, brasilianischer Blues-Autodidakt, spielt als Linkshänder die rechtshändige Gitarre “upside down” und wurde 2015 für das Album “Way Down South” und “Bester Neuer Künstler” Award-nominiert. Die Tracks des Longplayers bringen neben eigenen Titeln eine Reihe älterer, weniger bekannter Songs auf die Setlist der Scheibe. Den Einstand macht „I’m Leaving My No Good Woman”, eine Kombination aus Memphis und Chicago-Soul Sound und versprüht seine Energie als eine Art “Wahrzeichen” der weiteren Titel.

Stilistisch “Stomping in” Soul-Blues Tracks, wie “I Only Have Love” und „Cut You Loose” hervorragender Arrangements bringen Stimme, Harp und Guitar Parts sowie die kräftige Horn-Section in die charakteristischen Gefüge der Aufnahmen. Beim rauen Blues Rock “Moving On To Better Days” wird dieser Wunsch auch musikalisch nachdrücklich robuster umgesetzt.

Ebenso spielen Einflüsse eine große Rolle, die Igor Prado z.B. von Albert King über Blind Willie Johnson bis Chuck Berry gerne benennt, während Omar Coleman Künstler der West Side Soul und Blues Szene, wie u.a. Tyron Davis und den inzwischen über 90-jährigen R&B Sänger Bobby Rush als Vorbilder in der “Nachbarschaft” hatte.

Kein Wunder also, dass zwei Titel von Bobby Rush (“I Wanna Do The Do” und “Night Fishin'“) funkige Boogie Versionen bieten. Ähnliche Energie verbreiten die beiden Syl Johnson (ebenso Chicago R&B Icone) Cover “I Let A Good Girl Go” und “Don’t Give It Away” – auch in souliger Balladen-Form – und sowieso als funkiger R&B Nummer. Die sozialkritische Eigenkomposition (u. a. “Brown Nosin‘ Man”) bildet eine wesentliche Substanz der Produktion. Wobei der Abschlusstrack “Blue Line Train In Chicago” mit akustischer Gitarre und Harp nochmal zusätzlich einen Song alter Prägung auf die “Schiene” bringt.

Insofern kann das Album “Old, New, Funky & Blue”, dem ersten gemeinsamen Longplayer von Omar Coleman und Igor Prado, durchaus auch als persönliche Aufarbeitung einer traditionsreichen Musikepoche verstanden werden. Moderne Interpretationen belassen den Covern ihre Ursprünglichkeit, entwickeln eine eigene Identität und die Erwartungshaltung, dass es nicht nur bei der Premiere bleibt.

Nola Blue Records (2026)
Stil: Soul, Funk, Blues Rock

Tracks:
01. I’m Leaving My No Good Woman
02. I Only Have Love
03. Cut You Loose
04. Moving On To Better Days
05. Answer Your Phone
06. I Let A Good Girl Go
07. Brown Nosin‘ Man
08. I Wanna Do The Do
09. Don’t Give It Away
10. Night Fishin
11. Blue Line Train In Chicago

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