Tedeschi Trucks Band – Future Soul – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Plattencover sind oft die Visitenkarte der Künstler, Eyecatcher musikalischer Orientierung, Promotion Design als optisches Highlight oder ebenso dramatische Fantasy-Motive – die nicht selten zu Klassikern und Sammlerstücken avancieren. Für ihre neue Scheibe “Future Soul” überrascht die Tedeschi Trucks Band bei der Covergestaltung durch ein ähnlich faszinierendes Artwork, designt vom angesagten Illustrator Marc Sasso (Ronnie James Dio u. a.) “to create a fun, retro science fiction cover of Susan and Derek as heroes in the middle of an Invasion” (Sasso). Sind die beiden Bandleader mit ihren Gitarren auf dem Weg in eine andere musikalische Welt oder nur auf der Flucht vor hereinbrechenden Fantasy-Drohkulissen?

“Future Soul” beantwortet die Frage mit einer virtuosen Aufbruchstimmung, einem grandiosen Songwriting, einem juggernaut an Kreativität. Eröffnet wird dieser Tatendrang mit “Crazy Cryin’”, einer relaxten Dancefloor-Nr. im Soul-Funk-Groove, die ihren swingenden Lebensmut in einen ansteckenden midtempo Drive übermittelt, ein mitreißendes “I Got You” geht auf die Überholspur. Geschrieben von Gitarrist Mike Mattison, erinnert das Stück partiell an die kongeniale Spielfreude der legendären Vorbilder von Derek and the Dominos. Die etwas ruhigere „Saite“ des Longplayers versammelt mit der Soul-Ballade “Who Am I” auch die stilistische Verwandtschaft zu J.J.Cale in ihrer Harmonie und widmet sich mit “What In The World” dem slow-souligen, fast folkigen Part einer Delaney & Bonnie Nostalgie. Dank Derek Trucks unbändiger Solokraft entsteht der Eindruck einer nahezu “frei schwebenden Dynamik” mit seiner Signatur.

Zum ersten Mal war neben Trucks auch ein externer Produzent für die Aufnahmen mit verantwortlich. Der vielfache Award-Winner Mike Elizondo (u. a. Dr. Dre, Avenged Sevenfold, Eminem) hat es geschafft, die Live-Energie der Gruppe mit einzufangen, Improvisationen durch zeitgemäße Arrangements zu ersetzen, ohne das “Erbgut” der Band zu verfälschen. Ganz authentisch feiert die 12-köpfige Formation das Release Date (20.03.) zu Beginn der US-Tournee mit 10 Konzerten im Beacon Theatre, NYC, und bringt dabei natürlich auch den Titelsong auf die Bühne – pure musikalische “Firepower”, mit produziert von Derek Trucks und seiner futuristisch wirkenden 1958er Gibson Flying V. Weitere, raue Töne inszeniert das Album mit dem psychedelisch angehauchten, Patti Smith artigen Titel “Hero”, sowie dem schönen Ohrwurm-Rocker “Under The Knife” – unter erneut starker Beteiligung der Horn-Section. Der einzige originäre Blues-Track der Scheibe stammt aus der Feder von Keyboarder Gabe Dixon; nicht nur der herrliche Shuffle-Rhythmus weckt sofort Gedanken an die großartigen Zeiten von Canned Heat.

Wer zum Abschluß der Songlist noch einen Soundtrack-reifen Titel wie “Ride On” zur Verfügung hat, veranstaltet unweigerlich ganz “großes Kino”. Auch hier: Future “Folk Country” Soul vom Feinsten, der ausgerechnet auf der CD Deluxe Edition um 2 Live-Bonus-Tracks verlängert wird. Die Tedeschi Trucks Band zählt deutlich zu den entwicklungsfähigen Gruppen der US-Musikszene (siehe hierzu SOS Reviews der Vorgänger-Alben). Die 6. Studio-LP in 15-jähriger Bandgeschichte zeigt die Formation auf dem Höhepunkt ihres Schaffens als hochmotivierte Gemeinschaft. Eine orchestrale Einheit, die ihren eigenen Rhythm and Blues, Rock ’n’ Roll, Funk and Soul mit Country-Southern-Rock legendärer Vorzeiten adaptiert.

Fantasy Records-Concord (2026)
Stil:Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Crazy Cryin‘
02. I Got You
03. Who Am I
04. Hero
05. What In The World
06. Future Soul
07. Under The Knife
08. Be Kind
09. Devil Be Gone
10. Shout Out
11. Ride On

Tedeschi Trucks Band
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Oktober Promotion

Davy Knowles Band – 17.03.2026 – Gdanska, Oberhausen – Konzertbericht

Bei Davy Knowles stand für mich schon lange fest, dass, sofern sich ein Konzertbesuch in unseren Sphären terminlich für mich realisieren lässt, dieser auch wahrgenommen wird.

Ich verfolge den von der Isle of Man stammenden Briten schon seit seiner Back Door Slam-Zeit und besitze auch etliche Alben von ihm. Besonders das in Zusammenarbeit mit Peter Frampton und Bob Clearmountain erstellte Werk „Coming Up For Air“ hatte es mir dabei besonders angetan. Aus diesem Longplayer wurde an diesem Abend „Riverbed“ performt.

Knowles war in Vorzeit bereits zweimal als Fronter der Bands Of Friends im Gdanska vorstellig geworden,  jetzt zum ersten Mal eigenständig zusammen mit Todd Bowers am Bass und Mike Hansen am Schlagzeug als Davy Knowles Band.

Um 20:15 Uhr bat Gitarissimo-Macher Jürgen Reinke das Trio auf die Bühne. Mit dem shuffligen Opener „Good To Know Ya“ ließ er direkt die Frühlingsgefühle des Southern Rock-Fans erwachen.

Davy hat ja sehr viel Zeit im Rahmen seiner Karriere in den Staaten verbracht. Diese ‚Amerikanisierung‘ merkte man auch in der Wahl seines Arbeitsgeräts. Hier hatte die stark beansprucht aussehende Telecaster auch den klaren Vorzug gegenüber einer kurzen Phase mit der Gibson SG und der Strat (nur bei „One & The Same“).

Die drei Musiker spielten in zwei Sets (mit einer kurzen Bierhol- und Pinkelpause dazwischen) und boten mit das Beste, was ich in den letzten Jahren in Sachen modernem Blues Rock vorgespielt bekommen habe. Was haben die teilweise für einen Drive entfacht! Allein der „Outside Woman Blues“ inklusive eines fulminanten Drum-Solos von Mike Hansen, war schon allein den Besuch des Gigs wert.

Aber dem nicht genug. Knowles & Co. setzten nach der Pause mit Tracks wie „Nadine“ (herrlicher R’n’R), „Catch The Moon“ (mit einem Hauch von Bakersfield-Flair), „Come Home“ (dezente ZZ Top-Note) und  dem sensationellen Slowblues „Gotta Leave“ (was für ein E-Gitarrenspektakel!) noch einen Oben drauf.

Am Ende besann sich der Protagonist dann doch noch auf seine britischen Wurzeln zurück. Eine traumhafte Version des Dire Straits-Klassikers „Sultans Of Swing“, wo Davy ein weiteres Mal seine außerordentliche Fingerfertigkeit in den ausgedehnten Soli bewies und das auch von Rory Gallagher damals gern gespielte „I Take What I Want“ als finale Zugabe, gossen Wasser auf die Mühlen der Fans aus der guten alten Rockmusik-Zeit.

Davy Knowles, Mike Hansen und Todd Bowers, alias Davy Knowles Band, ließen ein restlos begeistertes Gdanska-Publikum zurück und auch ich persönlich war heilfroh, dieses Mal endlich die Gelegenheit am Schopf gepackt zu haben. Am 20. März haben Blues Rock-Liebhaber in Dortmund nochmals die Gelegenheit, das tolle Trio zu besuchen. Vielen Dank an Jürgen Reinke für die herzliche Gastfreundschaft und die unkomplizierte Akkreditierung!

Line-up:
Davy Knowles – lead vocals, electric guitar
Todd Bowers – bass
Mike Hansen – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Davy Knowles
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Gdanska, Oberhausen

John Hollier & The Rêverie – Rainmaker – CD-Review

Review: Michael Segets

Nachdem Stone Senate vor kurzem ins Gedächtnis gerufen hat, dass in Nashville nicht nur Country gemacht wird, meldet sich nun auch der dort beheimatete John Hollier aus rockigen Gefilden. Er trommelte für sein zweites Album „Rainmaker” seine Tourband zusammen, um ein Album einzuspielen, das die Energie der Live-Shows einfängt. Als Support für The Red Clay Stays oder The Cadillac Three verdienten sich John Hollier & The Rêverie bereits ihre Sporen.

Die Band frönt nun weniger dem Southern als eher dem Roots Rock, der vor allem durch das Saxophon von Teddy Thibedoux Jones einen Nähe zum Heartland aufweist. Mit der Integration des Saxophons tritt manchmal sogar etwas Soul hinzu. Thibedoux setzt nicht nur melodiöse Akzente („Gonna Love You“, „Holding Too Tight“), sondern er treibt die Songs oft an und gib ihnen einiges an Dynamik mit („Saturday Night Polly“).

Besondere Erwähnung verdient sicherlich das Songwriting. Hollier arbeitet ausgiebig mit Tempowechseln. „If She’s Lonely“ oder „Can’t Say No Tonight“ starten beispielsweise in ruhigen Bahnen, bevor sie dann an Geschwindigkeit zulegen. Die Rhythmusgruppe – Brian Cox (Schlagzeug) sowie Ray Akers (Bass) – leisten da ganze Arbeit. Einen ähnlichen Effekt erzielt die Band bei „Rival“, das zwar nicht schneller wird, aber durch einen anschwellenden, voller werdenden Klangteppich Energie freisetzt.

Im rockigen Titeltrack schalten John Hollier & The Rêverie zwischenzeitlich mal einen Gang runter, um dann wieder loszulegen. Zachary Scott Kline bekommt hier oder auch auf „Hollow Heart“ mal etwas mehr Raum für sein Gitarrenspiel. Das Wechselspiel von Gitarren- und Saxophonklängen gelingt, wobei das Blasinstrument insgesamt den Sound der Band prägt. Bei den langsamen Titeln wäre vielleicht an der einen oder anderen Stelle ein Schlenker weniger mehr gewesen.

Es finden sich aber ebenfalls Songs, auf denen das Saxophon keine dominierende Rolle spielt. „Never See Me Again“ oder „Somewhere Down The Road“ – auf dem ausnahmsweise eine Mundharmonika zu hören ist – sind daher deutlicher im Americana-Bereich zu verorten. Kline tritt beim letztgenannten Titel nochmal mit seiner Gitarre hervor. Die beiden Stücke wirken daher etwas erdiger als die anderen langsameren Titel, bei denen das Sax zum Einsatz kommt.

John Hollier & The Rêverie liefern auf „Rainmaker“ eine ausgewogene Mischung, die von treibenden Rocksongs bis zu atmosphärischen Balladen reicht. Die Stücke zeichnen sich oftmals durch ausgeprägte Spannungsbögen aus, die durch das Saxophon unterstützt werden. Bei den Arrangements steht dieses dann auch meist im Vordergrund. Es zahlt sich vor allem bei den Uptempo-Nummern aus. Einen vergleichbaren horndriven Sound hört man in letzter Zeit selten.

WhollyABar – Thirty Tigers/Open (2026)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Gonna Love You
02. If She’s Lonely
03. Holding Too Tight
04. Crashing
05. Can’t Say No Tonight
06. Rival
07. Saturday Night Polly
08. Never See Me Again
09. Somewhere Down The Road
10. Rainmaker
11. Lonesome Highway Waltz
12. Hollow Heart

John Hollier & The Rêverie
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Allen-Forrester Band – 14.03.2026 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Allen-Forrester Band verkörpert wie kaum eine andere Gruppe die DNA dieses Magazins. Ehrlicher handgemachter, versiert und engagiert gespielter Southern Rock, der die gute alte Tradition des Genres mit viel zeitgenössischer Kreativität verbindet. Deshalb ist ein Besuch, wenn sie in der Kulturrampe auftreten, in der Regel absolute Pflicht.

Apropos Kulturrampe, die präsentierte sich im Auftrittsbereich in neuem Glanz. Die alte, sich nach links verschmälernde, flache Bühne ist Geschichte und wurde ungefähr zu einem Viertel der rechteckigen Gesamtfläche angepasst und mit einem kleinen Treppenaufstieg erhöht. Der gefühlt fehlende Raum für die Besucher wurde trotzdem so geschickt vermittelt, dass es überhaupt nicht auffällt. Durch die erhöhte Bühne erhält das Publikum auch in den hinteren Reihen einen deutlich besseren Blick auf die Musiker.

Ein schlagkräftiges Argument, das vielfältige und attraktive Angebot der Rampe in Zukunft noch häufiger zu nutzen. Großes Kompliment an Maurice Kamp & Co. – sehr gelungen!

Die Allen-Forrester Band (im bewährten Quartett) spielte, wie gewohnt, zwei Sets. Dabei wurde mit Stücken wie u. a. „Burning Daylight“, „Stand Up“, „Hey Carolina“, „Running For Your Life“ (alle im ersten Set), „Good Situation Gone Bad“, „Knocked Me Down“ (Josh mit Slide), „Soundtrack Of The Summer“ und dem emotionalen „Phases Of The Moon“ (Set 2) Altbewährtes geboten, allerdings  mit einigen neuen Tracks wie „White Picked Fences“ (sehr eingängig und melodisch), dem heiteren „Fivty“ (es geht um Geld, das man schonmal nach dem Waschgang in den Hosentaschen der Jeans unverhofft wiederfindet), „Misery Likes Company“ (mit schönen Tempowechseln), „Little Breathin‘ Reason“ (über den Forrester-Familiennachwuchs), „Sweet Marie“ (mit Gesangsinteraktion am Ende des Liedes), auch schon einen Ausblick auf den neuen, bald kommenden Longplayer „Red Dirt Town“ gewährt, der voraussichtlich im September veröffentlicht wird..

Sehr gefallen hat mir diesmal die Auswahl der Coverstücke. Mit „Poison Whiskey“ (Lynyrd Skynyrd), „No One To Run With“ (Allman Brothers), „Tennessee Mud“ (Trigger Hippy) und „Take The Highway“ (Marshall Tucker Band) als Zugabe, wurden Lieder in ein Allen-Forrester Band-Gewand gebracht, die man in der Regel nicht so inflationär vorgesetzt bekommt. Von daher machte es Spaß, diese mal wieder zu hören. Gerade letztgenanntes „Take The The Highway“ klang deutlich eher nach Led Zeppelin, als nach der guten alten MTB.

Auf dem letzten Gig ihrer Frühjahrstour in der ‚aufgehübschten‘ Kulturrampe präsentierte sich die Allen-Forrester Band von ihrer besten Seite. Man darf schon jetzt gespannt sein, wie die neuen live gespielten Stücke auf dem nächsten Studioalbum zur Geltung kommen werden und was da noch an zusätzlichen Überraschungen auf uns zukommt.

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar (Fender Stratocaster and Telecaster)
Ben Forrester – electric guitar (Gibson Les Paul)
Hendrik Herder – bass
Matze Böhm – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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EBF Music
Kulturrampe, Krefeld

Billy Thompson – This World – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Auch die einflussreiche Los Angeles Times hat die “blazing electric guitar work” von Billy Thompson bereits gewürdigt. Der vielseitige Gitarrist, Sänger und Songschreiber veröffentlicht nun mit “This World” sein insgesamt neuntes Album. Die komplexe Scheibe kombiniert in 14 Songs eine breite Soundwelt. Als renommierter Slide-Spieler ist Thompson tief verwurzelt in einer elektrischen Mischung, deren “Inhalte” Rock, Blues, Funk und Soul bis hin zu Zydeco und New Orleans Second Line integrieren.

Beispielhaft hierfür und für die gesamte Produktion ist die Virtuosität des Titelsongs. Der schweißtreibende Einstieg in das Album, verbunden mit ironischen, teils sarkastischen Texten und starken Rhythmus-Elementen, bestimmt nicht nur symbolisch die Richtung, sondern ist ein Herzstück der Arrangements, wie auch beim folgenden “Downsizing”, einem Stück im Little Feat-Design.

Der robuste Southern-Rocker “For True” und die erdige Country-Blues-Symbiose “Thankful” sind weitere Key-Tracks. Das etwas gelassen wirkende “Every Single Rider” erinnert an den smarten Country-Rock von Poco und die Akustiknummer “Batman & Robin” an die legendäre US-Folk-Song-Tradition. In diesen weit gesteckten Rahmen der Titelliste gehören ohne Frage gospelangehauchter Soul (“Hope, Peace & Joy”) sowie großartiger Blues (“Old Blue”), obwohl die Vielseitigkeit von Billy Thompson eigentlich keine weiteren Beweise benötigt.

Langjährige Bühnenerfahrungen mit den Doobie Brothers und Bill Payne (Little Feat), als Opener für Jimmie Vaughan oder George Thorogood, als Begleiter von Little Milton und Albert King, schließen noch lange nicht den Kreis der ereignisreichen Karrierejahre. Konzerte mit der Zydeco-Legende C.J. Chenier und seine kreative Leitung als Musical Guitar Supervisor für “The Resurrection of Son House” (Südstaaten-Blues-Ikone) gehören untrennbar zum Porträt von “This World” und der American Roots Music von Billy Thompson.

MoMojo Records (2026)
Stil: Blues, Rock, Funk, Soul

Tracks:
01. This World
02. Downsizing 2025
03. Like Rain
04. For True
05. Melia
06. Every Single Rider
07. Thankful
08. Batman & Robin
09. Hope Peace & Joy
10. Old Blue
11. Dinosaur Eggs
12. Monkey Back Guarantee
13. Truth Come To Power
14. Of The Angels

Billy Thompson
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Stefan Hillesheim Band – Live At The Chicago Blues Festival – CD-Review

Stefan Hillesheim, oh, hört sich nach einem deutschen Namen an, dachte ich spontan, als ich auf das Cover seiner Live At The Chicago Blues Festival-CD blickte. In Verbindung mit Bluesmusik noch nie gehört, ein Sohnemann  deutscher Einwanderer in nachfolgender Generation vermutlich.

Aber nein, Stefan Hillesheim stammt tatsächlich direkt aus unserem Lande, ist aber 2014 zunächst nach Los Angeles gegangen, um seinen musikalischen Traum am Musician Institute (GIT) zu verwirklichen. Dort errang er schnell den Titel als ‚Most Improved Student‘. 

Als Session-Musiker und durch Zusammenarbeiten mit Interpreten wie u. a. Bobby Kimball (Toto), Ellis Hall (Tower Of Power), Brent Carter (Average White Band) oder Emerson Cardenas (Santana) verbreite sich sein Name in Kalifornien wie ein Lauffeuer.

2022 ging es dann nach Chicago um seiner wahren Passion, dem Blues nachzugehen. Die dortige Musikerszene nahm den Deutschen mit offenen Armen auf und so konnte Stefan mit Darryl Wright (Bass), Dionte McMusick (Drums) und Sumito ‚Ariyo‘ Ariyoshi (Keys) relativ schnell, eine schlagkräftige Band zusammenstellen.

Ich musste direkt bei der Ansage zum fluffigen Opener „Always Get To Hear From You“ (mit schönem ABB-trächtigen Slide) schmunzeln. Da kündigte die amerikanische Sprecherin des Festivals ihn zur Eröffnung des zweiten Tages mit „Get ready for the Blues with Stefan Hille’sch’eim“, da für sie die Silbentrennung zwischen dem S und dem H ein vermutlich unüberwindbares Hindernis darstellte. 

In der Musik und dem hellen Gesang merkt dem Protagonisten schon seine europäischen Wurzeln an (Richtung Aynsley Lister & Co.), aber ab Stück 5 („It Hurts Me To“ – schöner Text!) kristallisiert sich dank des markanten E-Slide-Gitarrenspiels eine gewisse Affinität für Leute aus dem Allman-Dunstkreis (Duane Allman, Dickey Betts, Warren Haynes oder Derek Trucks) heraus.

Toll hier vor allem das ein wenig an „Blue Sky“ erinnernde „You’re My Family“. Das absolute Highlight in der Track-/Setlist ist allerdings das längste Stück, der atmosphärische Slowblues „Better Man“, mit einem brillanten Piano-Intermezzo von Sumito ‚Ariyo‘ Ariyoshi als auch einem fulminanten Endsolo von Hillesheim auf seiner Les Paul.

Nach dem letzten launigen Schlusslied  „Sick Of Your Love“ stellt dann der Protagonist kurz die Band vor und demonstriert den Amis, wie man seinen Nachnamen (‚Hilles-heim‘  – mit Silbentrennung) richtig ausspricht („My name is Stefan Hilles-heim‘, we love you guys“).

Fazit: Ein neuer Name (für mich) in der Blue Rock-Szene. Bei Stefan Hillesheim und seiner Band ist das Talent und eine gewisse Gier nach Erfolg und Weiterkommen offensichtlich. Die Leute in Los Angeles und Chicago dürfte er jedenfalls schonmal für sich begeistert haben. Man sollte ihn auch bei uns auf dem Schirm haben.

Stella Blue Music (2026)
Stil: Blues Rock

01. Always Get To Hear From You
02. My Poor Heart
03. The Love I Had For You
04. Big Legged Woman
05. It Hurts Me To
06. On Down The Highway
07. You’re My Family
08. When I’m Gone
09. Better Man
10. Sick Of Your Love

Stefan Hillesheim Band
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Muddy What? – Neon Soul – CD-Review

Schönes Wortspiel, dieser Bandname! Muddy What? ist zwar immer mal wieder vor meinen Augen aufgetaucht, aber irgendwie ist die Band des Geschwisterpaars Ina Spang und Fabian Spang bis dato an mir vorüber gegangen.

Dabei zählen die aus Süddeutschland stammenden Protagonisten zu den fleißigsten Live-Acts in diesem Lande und bringen jetzt mit „Neon Soul“ ihr bereits sechstes Album auf den Markt. Das soll sich aber nun mit dieser Besprechung ändern und entweder am 27. März werde ich im urigen Leverkusener topos oder sonntags darauf im Backyard Club in Recklinghausen bei ihren anstehenden Gigs vorstellig werden.

Fabian Spang ist mit seinem kauzigen englischen Lead-Gesang, der die deutsche Abstammung sehr gut verschleiert und an der Rhythmus-Gitarre präsent, während Schwester Ina die saitentechnischen Fäden (Mandoline, Gitarren) in der Hand hält. Unterstützt werden sie von Michi Lang am Bass und Manfred Mildenberger am Schlagzeug.

Sechs durchgängig hörenswerte Eigenkompositionen (besonders stark hier der swampig country-rockig stampfende Titeltrack „Neon Soul“, das mit einem Hauch von „Can’t You See“, gedrückte Atmosphäre verbreitende „Letters On A Line“ und der heimelige Schwofer „Tales Unveiled And Secrets Sealed“) werden durchzogen von drei Fremdadaptionen („The Lonesome Death of Hattie Carroll“ und „Blind Willie McTell, jeweils von Bob Dylan, und „Voodoo Chile“ von Jimi Hendrix).

Das funkig groovende „The Lonesome Death of Hattie Carroll “ ist mit seinen drei quirligen Mandolinenpassagen aus meiner Sicht das absolute Highlight des Werkes, auch die Version des Rassismus, Sklaverei und Leid anprangernden   „Blind Willie McTell „von Dylan wird hier musikalisch sensibel in Szene gesetzt.

Ob die hundertste Fassung von „Voodoo Chile“ sein muss, darüber kann man streiten. Fakt ist, dass Muddy What? auch Psychedelic Rock können. Da der Song auch in der notorisch alternden Blues Rock-Gemeinde immer noch hohes Ansehen besitzt, ist es sicherlich zumindest taktisch nicht unklug, ihn mit ins Portfolio aufzunehmen.

Am Ende lässt das Quartett mit dem Instrumentalstück „Ina’s Lullaby“  samt Akustk- und E-Gitarrenklängen einen insgesamt frisch und unverbraucht klingenden Silberling melancholisch ‚auspendeln‘.

Sehr gefallen hat mir hier auf „Neon Soul“, dass Muddy What? mit den vielen  integrierten Mandolinenpassagen ein nicht alltägliches Merkmal aufweisen kann, welches die Band in der Blues Rock-Szene zu etwas Besonderem macht. Man sieht sich Ende März!

Howlin‘ Who Records (2026)
Stil: Blues Rock

01. Neon Soul
02. The Lonesome Death of Hattie Carroll 
03. Letters On A Line
04. Tales Unveiled And Secrets Sealed
05. Lost Symphony
06. Uncontainable
07. Blind Willie McTell 
08. Voodoo Chile 
09. Ina’s Lullaby

Muddy What?
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Garret T. Willie – Bill’s Cafe – CD-Review

Ein international hochplatziertes und über den grünen Klee gelobtes Debütalbum, mehrere kanadische Musik-Award-Nominierungen, Support für klingende Namen wie Kenny Wayne Shepherd, Joe Bonamassa oder John Fogerty, dazu noch gesegnet mit viel Talent (Gitarrenspiel, Songwriting) und einer mörderisch guten Stimme.

Jetzt bei seinem zweiten Werk „Bill’s Cafe“ bekommt Garret T. Willie (alias Garret Cranmer) auf Mike Zitos Gulf Coast Records-Label auch noch Nashville Star Producer Tom Hambridge und ein Weltklasse-Ensemble an Musikern wie Audley Freed, Kenny Greenberg, Tom MacDonald, Kevin McKendree, Mike Rojas samt Hambridge himself an die Seite gestellt, ein Karriere-Start könnte wahrlich schlechter beginnen. 

Die Frage, die sich für mich persönlich stellt, ist daher die, warum er auf dem Coverbild, für meine Begriffe, angesichts dieser ganzen positiven Dinge und Entwicklungen, so brummig in die Kamera hineinblickt? Aber vielleicht täusche ich mich ja auch, und er ist einfach vor lauter Glücksgefühle nur nachdenklich in sich gekehrt. Ich hab halt nicht Psychologie studiert…

Der Titel bezieht sich auf das Pool Hall Cafe in Alert Bay, British Columbia,  seines Großvaters. Allein schon das energiegeladene E-Gitarrenintro zum Opener „Hypnotist“ wird jedem AC/DC-Fan zu Bon Scott-Zeiten Freudentränen in die Augen treiben, wenn dann noch Skynyrd-/Hatchet (zu Hochzeiten) und ZZ Top-Ingredienzien (im Bridge), dieser tolle wuchtige Gesang und noch ein furioses Gitarrenfinale hinzukommen, bleibt einem glatt die Spucke weg. Was mag da noch bei den restlichen Tracks kommen?

Um es vorweg zu nehmen. Der Rest des Longplayers hält durchweg das hohe Niveau! Hier wird in bester Southern-Manier ‚gebluesrockt‘, der Protagonist und die Nashville-Könner brennen hier ein wahres musikalisches Feuerwerk ab! „Devil Doll“ macht mit furiosem HT-Geklimper und zünftigem Rock weiter, „Going To Toronto“ vereint Stones-und Skynyrd-Einflüsse (herrlich das typische Skynyrd E-Gitarrenaufheulen beim Songabschluss – jeder wird es sofort erkennen).

Das launige „It Won’t Get Done“ empfiehlt die Sachen in die eigenen Hände zu nehmen. Auch in den folgenden Stücken wird dem Blues regelrecht der Marsch geblasen, lediglich beim, mit einer Akustikgitarre verzierten „Golden Highway“ wird es mit Allman Brothers-/Marshall Tucker-Flair etwas ruhiger, um dann ganz spät am Ende des Silberlings mit „I’m Late„, noch mal schroff zu rocken. Wahnsinn diese Scheibe. Ein klarer Kandidat für das Album des Jahres!

Ich hätte mir vielleicht noch ein Stück mehr gewünscht, wäre mit „Devil Doll“ in das Songkonvolut eingestiegen und hätte den überragenden Opener „Hypnotist“ auch wegen des Gitarrenfinishs, nach dem Motto, das Beste am Schluss, ans Ende platziert.

Das Album ist Pflicht für jeden Southern- und Blues Rock-Fan, man fühlt sich fast schon ‚genötigt‘ (in meine Fall zumindest), sich auch noch im Nachgang mit dem Debütwerk zu befassen. Klasse dieser  Garret T. Willie!

Gulf Coast Records (2026)
Stil: (Southern) Blues Rock

Tracks:
01. Hypnotist
02. Devil Doll
03. Going To Toronto
04. It Won’t Get Done
05. Small Town People
06. High Beam Blues
07. Young Country Boy
08. Golden Highway
09. I’m Late

Garret T. Willie
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The Jack Wharff Band – Strange – EP-Review

Endlich mal wieder etwas frisches Blut hier in Sounds Of South und dazu auch noch Genre-kompatibel. Nachdem die ersten zwei Monate dieses Jahres recht Blues Rock-lastig geprägt waren, gibt es jetzt mit der neuen EP „Strange“ der Jack Wharff Band ehrgeizigen, unverbrauchten und sehr bekömmlichen Country-Bluegrass-Americana-Stoff!

Die Jack Wharff Band stammt aus Richmond, Virgina, und besteht aus ihrem Leader Jack Wharff, Drummer Garrett Howell, Bassist Ryan Atchison und Gitarrist Evan Novoa. Die Jungs hatten bereits mit „Richmond’s Most Wanted“ ein Kurzwerk mit sechs Tracks veröffentlicht, jetzt legen sie fünf weitere Stücke unter Majorlabel-Fahne (Big Machine Records) hinterher.

Der Titelsong „Strange“ als Einstieg baut direkt Spannung auf, ein wunderbarer Balanceakt zwischen New Country und Americana, schön atmosphärisch mit Slidegefiepe. Die helle und doch leicht rauchige Stimme Warffs, die mich an Leute wie Jason Isbell oder Ed Sheeran erinnert, verpasst dem Song zusätzlich noch einen leichten Indie-Touch. Klasse hier auch die countryesken Harmoniegesänge.

Die beiden folgenden ‚Virginia‘-Tracks stehen mehr im Zeichen von gut verdaulicher Modern Bluegrass-Musik, nicht zuletzt ein Mitverdienst von Ketch Secor, Mitbegründer sowie Frontmann der Band Old Crow Medicine Show, der „Virginia Can I Stay A While“ mitgeschrieben hat und hier auch vokal partizipiert. Das treibende „Ole Virginia“ hat was von ‚Tom Petty goes Bluegrass‘, auch klasse gemacht.

Der Nashville Singer Songwriter Solon Holt assistiert den Jungs bei „A Month, A Week, A Day“. Mit dem klassischen, lässig samt etwas Melancholie im Gesang dahin-groovenden Americana- Stück „Saved“ (schön klackernde Banjo-Untermalung), ist das rechte kurze Vergnügen schon wieder beendet.

Die Jack Wharff Band wird in den kommenden Tagen bis Mitte März mit Auftritten bei den C2C Festivals in Berlin (6. März), Rotterdam (7. März) und London (15. März) zu sehen sein, dazu/dazwischen kommen noch Headline-Shows in Dublin (9. März) , Manchester (16. März) und Glasgow (18. März). Eine ideale Gelegenheit, den Bekanntheitsgrad in unseren Sphären erheblich zu steigern! Das Talent dazu ist zweifelsfrei vorhanden! Es ‚riecht‘ förmlich nach mehr…!

Big Machine Records (2026)
Stil: Country, Bluegrass Americana

01. Strange
02. Virginia Can I Stay A While (ft. Ketch Secor)
03. Ole Virginia
04. A Month, A Week, A Day (with Solon Holt)
05. Saved

TheJack Wharff Band
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Mike Zito – 25.02.2026, Harmonie, Bonn – Konzertbericht

Pünktlich um 20:00 Uhr verdunkelt sich das Licht in der Harmonie und wie Schatten betreten die Musiker die Bühne. Dann richtet sich ein Spot auf Mike Zito, der bestens gelaunt die Fans begrüßt und sagt, dass er erreichen will, dass diese mit einem besseren Gefühl nach Hause gehen- als sie gekommen sind. Genau dies gelingt Zito an diesem Abend mit seiner Band.

Das Trio zelebriert über zwei Stunden den Blues und sorgt für eine frenetische Stimmung. Zito begeistert mit seinem variablen Gitarrenspiel, seiner markanten Stimme und seinem authentischen Auftreten.

Matthew R. Johnson an den Drums und Terry Dry am Bass sind mehr als Begleitmusiker. Mehrfach zieht sich Zito in den Hintergrund zurück, lässt den beiden Freiräume und richtet zum Publikum die Worte „What A Band!“ und forciert damit den verdienten Szenenapplaus nach ihren Solo-Parts.

Mit „Outside Or The Eastside“, Kiss You All Over“, „Just Like I Treat You“ und Don´t Take Advance Of Me“ überrascht er die Fans mit vier Songs, die auf dem Album „Outside Or The Eastside“ sind, das offiziell erst Ende April erscheinen wird. Für die Fans hat er aber vorab schon Exemplare dabei. So kann man ein Album auch promoten.

Emotional ist der Slowblues „Forever My Love“, der seiner Frau gewidmet ist. Am Ende des über zwei Stunden gehenden Konzerts greift er dann auf etwas ältere Songs zurück. Das krachend-jammende „Judgment Day“, worin er „Kashmir“ und „Whole Lotta Love“ einfließen lässt, schließt die Show ab.

Als Zugabe zum Runterkommen legt er dann noch das ruhige „All Last Night“ nach, dem die Fans gebannt lauschen und in ruhigen Passagen, wo er die Gitarre vom Strom nimmt und ohne Mikro singt, zeigt das Publikum, wie bluesaffin es ist. Man konnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.

Line-up:
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Matthew R. Johnson (drums, vocals)
Terry Dry (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Mike Zito
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Harmonie Bonn