Brock Zeman – Me Then You – CD-Review

Zeman

Brock Zeman ist wieder mal der eindrucksvolle Beweis für die schöne und spannende Seite des Lebens als Online-Musik-Redakteur. Ich hatte bezüglich seiner CD „Me Then You“ nur kurz und oberflächlich in ein paar Soundfiles reingeschnüffelt und auf Verdacht die Scheibe mal angefordert. Eigentlich hatte ich schon am nächsten Morgen wieder vergessen, was ich getan hatte und harrte einfach der Dinge, die da auf mich zukommen mochten. Auch dies gehört (leider) zum Alltag, wenn man quasi sintflutartig mit Musik konfrontiert wird.

Einige Tage später trudelte das Teil ein und wurde erst mal in die Reihe der noch dringlicher zu besprechenden Sachen hinten angestellt. Irgendwann war es dann soweit. Ich halte eine schlicht, aber schön illustrierte CD in traditioneller Hülle in den Händen, das einliegende vierseitige Klapp-Booklet gibt die nötigsten Informationen her. Ich denke – aha – viele Gitarren (stark. Blair Hogan), Pedal Steel (Anders Drerup) und zwei weibliche Backgroundsängerinnen (Kelly Prescott und Cindy Doire) bei einigen Tracks, das könnte durchaus was für mich sein.

Und so ist es dann auch. Der aus dem kanadischen Carleton Place, Ontario, stammende Brock Zeman liefert auf seinem 9. Werk eine hochmelodische, textlich intelligente und humorvolle sowie mit einiger instrumenteller Finesse ausgestattete Scheibe ab, die richtig Spaß bereitet. Und schon meldet sich stante pede das schlechte Gewissen, diesem Künstler bisher keine Beachtung geschenkt zu haben. Denn sowohl die Eingängigkeit und Struktur seiner Songs als auch seine gesanglichen Fähigkeiten wissen auf ganzer Linie zu überzeugen.

Zeman bietet eine Mischung aus melodischen Rocksongs, die mal geradlinig (Richtung Stones, Casino Steel) durchgezogen werden oder z. T. mit Roots- (Chris Knight & Co.), Country- (Bobby Pinson, The Great Divide / Mike McClure) und auch ganz entfernt mit etwas Rockabilly-Elementen (aber wirklich nur hauchzart, Marke Brian Setzer, typischer Retro-Klang der Gibson-Gitarre bei Stücken wie „Push Them Stones“ oder dem bluesig angehauchten „Claws“) modifiziert werden.

Sein Gesang erinnert mich manchmal auch an den von Mick Jagger, sodass teilweise die o. a. ’stoneske‘ Note ins Spiel kommt. Oft allerdings auch an die kauzige Manier eines Bobby Pinson, einer der gefragtesten Songschreiber in Nashville, der ab und zu auch mal selber musikalisch zulangt. In einem anderen, englischsprachigen Review wird er sogar mit einem jungen Tom Waits verglichen. Mein persönlicher Favorit unter den durchgängig guten Songs ist das wunderbar eingängige und mit vielen schönen Gitarren (herrliches Southern-inspiriertes E-Solo), Piano und Hammond bestückte „Criple Crown“. Ein exzellenter Ohrwurm, Carl Carlton lässt hier grüßen.

Streiten kann man sich vielleicht über den letzten Song „Rain On The Roof“, der hier in zwei Teilen präsentiert wird. Mir persönlich hätte die mit Piano und Pedal Steel verzierte erste Kurzversion gereicht. Die fließend übergehende zweite Fassung in fast epischer Art mit hypnotisch anmutenden Streichern und Trompeten sowie Regen-/Gewittergeräuschen angereichert, wird dann letztendlich mit noch mal fast zehn Minuten on top doch etwas langatmig und bildet zu den ansonsten relativ kompakt gehaltenen Liedern einen zu starken Kontrast. Vornehmlich Musikhörer mit dem Hang zur anschließenden Meditation könnten hier begeistert sein.

Insgesamt liefert Brock Zeman, der auch andere Künstler produziert, mit „Me Then You“ ein sehr überzeugendes und sympathisches Album ab, das eigentlich eine große Zuhörerschaft verdient hätte. Echter, überraschender Qualitätsstoff aus Kanada (wie so oft…). Wieder mal eine kleine Perle und auch einen hochqualifizierten Musiker entdeckt! Gute Wahl, DD!

Mud Records (2012)
Stil: Rock & More

01. Push Them Stones
02. Until It Bleeds
03. Triple Crown
04. Someone For You
05. Light In The Attic
06. Claws
07. End Of The World
08. Season Of Sleep
09. Rain On The Roof #1
10. Rain On The Roof #2

Brock Zeman
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Mike Zito – Greyhound – CD-Review

Zito

Mike Zito zählt für mich persönlich zu den wenigen Blues Rock-Musikern, die ich schon nach wenigen Momenten in mein Herz geschlossen hatte. Steve Schuffert, Davy Knowles oder Mark Selby sind ähnliche Vertreter. Warum? Sie können im Gegensatz zu vielen anderen (meist überbewerteten) Vertretern dieser Zunft recht gut singen, zeichnen sich als veritable Songwriter aus und präsentieren ihren Blues Rock relativ facettenreich und durchweg melodisch.

Der aus St. Louis stammende Mike Zito war lange Zeit ein getriebener Mensch. Hoch talentiert, setzte er sich teilweise in seinem musikalischen Anspruchsdenken zu sehr unter Druck und stand sich dabei oft selbst im Weg. Die Flucht in Drogen tat, wie bei vielen Musikern, ihr Übriges dazu. Erst als ihn Walter Trout nach einem Gig zur Seite nahm und ihm ordentlich den ‚Kopf wusch‘, trat die Kehrtwende zum Positiven ein.

Zito zog nach Texas, lernte seine Frau kennen. Es ging privat wie beruflich wieder bergauf. Der Titelsong seines starken „Pearl River“-Albums von 2009 heimste den Titel ‚Song Of The Year‘ bei den Blues Music Awards ein. Bei Samantha Fishs letzter CD Runaway leitete er sogar die Produktion und sang mit ihr ein schönes Duett. Mittlerweile hat er mit „Greyhound“ einen neuen eigenen Lonplayer am Start, der auch wieder durchweg überzeugt.

Viele Titel des Werkes haben im weitesten Sinne mit den diversen Formen von ‚Bewegung‘ (sei es auf dynamische oder auch statische Weise) zu tun, so dass die Vermutung eines autobiografischen Charakters angesichts Zitos rastloser Vergangenheit nahe liegt.

Produziert hat der vielseitige Singer/Songwriter Anders Osborne (u. a. Tab Benoit), der in Zusammenarbeit mit Leuten wie David Z (Mix), David Farrell (Engineering) und Ray Kennedy (Mastering) für einen schönen klaren, transparenten Sound gesorgt hat. Stücke wie u. a. das eröffnende „Roll On“ (schöner, recht monoton stampfender Rocker), der melodische Titeltrack „Greyhound“ (mit einem Hauch von Frankie Miller-Flair), das mahnende „Judgement Day“ (Mike ‚predigt‘ hier herrlich grimmig im Stlie eines John Lee Hooker, Co-Writer Nashville-Songwriter Gary Nicholson!), das nach psychedelisch-hendrixschem Vorbild gespielte „Show Me The Way“ (mit teilweise hypnotisch wirkendem Refrain), „Motel Blues“ (semiakustischer trauriger Country-Blues) oder der am Ende zum niederknieende Slow Blues „Please Please Please“ bieten einmal mehr hochunterhaltsame, abwechslungsreiche Blues Rock-Kost, deren gemeinsamer Nenner an Zitos vorzüglichem, sehr variabel dargebotenen Slidespiel auszumachen ist.

Mit „Greyhound“ ist Mike Zito ein weiteres tolles Album gelungen. Nach den starken „Today“ und „Pearl River“ schon das dritte richtig gute hintereinander. Die Formkurve zeigt eine mittlerweile erstaunliche Konstanz auf hohem Niveau. Einen ganz dezenten Abzug gibt es nur für die falsche Trackliste auf dem Backcover (die letzten drei Lieder sind falsch nummeriert). Schön wäre es, wenn man mal die Gelegenheit bekäme, ihn hier in unseren näheren Gefilden live begutachten zu können. Alles in allem großes Lob von meiner Seite, Mike Zito!

Eclecto Groove Records (2011)
Stil: Blues Rock

01. Roll On
02. Greyhound
03. Judgement Day
04. Show Me The Way
05. The Hard Way
06. Motel Blues
07. Stay
08. Until The Day I Die
09. Hello Midnight
10. The Southern Side
11. Please Please Please

Mike Zito
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Bärchen Records

Rascal Flatts – Me And My Gang – CD-Review

4. Studio-Album des mega-erfolgreichen Trios! Ihr Vorgänger hat eigentlich schon alle Erfolgs-Superlative gebrochen (3x Platin) und hat auch jetzt noch, zwei Jahre nach Erscheinen, ein Dauer-Abonnement in der Country-Chart-Spitze gebucht, allerdings mit mittlerweile langsam schleichender Tendenz nach unten. Das hat das erfolgverwöhnte Label der Jungs natürlich längst erkannt. Also ein recht günstiger Zeitpunkt, um jetzt mit neuer Kraft den nächsten Chartbreaker der Band zu etablieren. Und so hat die vorgezogene Single-Askoppelung „What Hurts The Most“ bereits schnurstracks wieder den obersten Tabellenplatz der Billboard-Singles Country-Charts erklommen. Hellseherische Fähigkeiten braucht man nicht zu besitzen, auch ihr neues Album „Me And The Gang“ wird in den nächsten Wochen mit Sicherheit die Top 3 angreifen, denn es besitzt wiederum zweifellos alles, was den Vorgänger so stark machte. Ja, man kann sogar sagen, dass man im Prinzip, wen verwundert es, der eingeschlagenen Linie treu geblieben ist. Lediglich der Produzentenstab Mark Bright und Marty Williams wurde ausgetauscht und durch Dann Huff neu besetzt.

Songwriter, Musiker, und die Art der Zusammenstellung der Stücke sind im Großen und Ganzen nahezu identisch geblieben und perfekt auf das Trio abgestimmt worden. Das Image der einst belächelten Boygroup ist längst Schnee von gestern. Nicht zuletzt ein Verdienst von Sänger Gary Levox, dessen vokale Leistung sich mittlerweile zu einer echten, unverwechselbaren Charakterstimme gemausert hat. Auch seine Partner Jay Demarcus (Bass) und Joe Don Rooney (Gitarre) haben sich zu ernstgenommen Songwritern und Musikern entwickelt. Nicht von ungefähr sind sie kompositorisch und instrumentell erheblich involviert worden, was angesichts der klingenden, beteiligten Namen (Jeffrey Steele, Neil Thrasher, Jason Sellers, Michael Dulaney etc. / Dann Huff, Tom Bukovac) in diesem Zusammenhang von Qualität zeugen muss. Auch die Stückzahl von 13 Liedern mit einer Spielzeit von über 50 Minuten läst nichts zu wünschen übrig.

„Stand“ und die bereits erwähnte Single „What Hurts Most“ beeindrucken sofort wieder durch ihre tolle Melodik, der starken, emotionalen Gesangsperformance von Levox und den traumwandlerisch sicheren Instrumentaleinlagen der Nashville-Star-Musiker. Beide mit gewohntem dynamisch kraftvollem Pop-Einfluss, wobei countrytypische Instrumentalfills (Fiddle/Banjo/Steel/Mandoline) nebst schönen E-Gitarren-Soli stets präsent bleiben. Diese Songstrukturen erleben wir dann mit kleinen Ausnahmen (die es allerdings in sich haben) im Wechsel zwischen balladesk und Midtempo, kombiniert mit satten Power-Refrains, inklusive sauberer, ausgefeilter Harmoniegesänge, im kompletten Verlauf des Werkes immer wieder. Kommen wir zu den Ausnahmen: „Backwards“ beispielsweise startet mit einem starken, gospelmäßigen, Piano-unterlegten Gesangs-Intro Levox’s der Sorte „We Shall Be Free“ vom einstigen „Marktführer“ der Gilde, Garth Brooks, um anschließend in einen furiosen traditionellen, temporeichen Countryabräumer der Marke „Power-Entertainment pur“ zu mutieren. Fetziger Sprech-Speed-Gesang und die typische Art von Song, mit dem der Megastar einst ganze, ausverkaufte Stadien in Wallung brachte. Klasse!

Pläne für den nächsten Karibik-Urlaub darf man bei „Yes I Do“ schmieden. Ein herrlich relaxter, riffiger E-Gitarren-Reggae-Rhythmus harmoniert prächtig mit countryadäquaten, unaufdringlichen Steel- und Fiddle-Fills. Die Krönung ist ein sonniges E-Gitarren-Solo von Dann Huff. Der Titelsong „Me And My Gang“ schwimmt dann ein wenig mit auf der Erfolgswelle von Big & Rich: Leicht angerappter Strophen-Sprechgesang, gefolgt von einem country-rockigem Refrain und „Hey Jude“- mäßigen „Nanana“- Harmonies. Auch hier wird eindrucksvoll bewiesen, wie unterschiedliche Musikstile durchaus perfekt harmonieren können. Die beiden Endnummern „Elsworth“ und „He Ain’t The Leavin’ Kind“ bestechen durch nachdenkliche Texte und dazu passende, emotional zurückhaltende, musikalische Improvisation. Wer den Vorgänger „Feels Like Today“ mochte, wird um dessen Nachfoger „Me And My Gang“ erst recht nicht herum kommen. In keinster Weise! Das ist, ähnlich wie bei Keith Urban, immer reifer wirkender Mainstream-New-Country-Pop(-Rock) der feinsten Sorte einer der Top-Chart-Acts in Nashville’s! Garantiert der nächste Platin-Erfolg!

Lyric Street Records (2006)
Stil: New Country

01. Stand
02. What Hurts The Most
03. Backwards
04. I Feel Bad
05. My Wish
06. Pieces
07. Yes I Do
08. To Make Her Love Me
09. Words I Couldn’t Say
10. Me And My Gang
11. Cool Thing
12. Ellsworth
13. He Ain’t The Leavin‘ Kind
14. Life Is A Highway

Rascal Flatts
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Bärchen Records

Jon Randall – Walking Among The Living – CD-Review

Jon

Endlich hat es geklappt, wenn auch mal wieder mit deutlicher Verzögerung, infolge ständiger Verschiebungen des Veröffentlichungstermins seitens der Plattenfirma: Jon Randalls drittes Werk „Walking Among The Living“ ist ab sofort lieferbar! Ein wunderbares Teil! Ein herrlicher Erguß relaxt dahinfließender, sehr melodischer, traditionell verwurzelter Countyrmusic mit dezenten, zeitgemäßen, leicht rootsigen Americana-Bezügen, umhüllt von großartigen, lockeren semi-akustisch/-elektrischen Arrangements! Jon bekam sein musikalisches Talent praktisch mit in die Wiege gelegt. Beide Elternteile waren begeisterte Bluegrass-Musiker. So kam es, dass dem Sohnemann bereits mit 6 Jahren die erste Gitarre in die Hand gedrückt wurde.

Nach dem High School-Abschluss zog Jon von Dallas nach Nashville und gründete zunächst die recht kurzlebige Band „Prairie Dogs“, bevor er als Gitarrist von Holly Dunn angeheuert wurde. Kurze Zeit später wurde eine gewisse Emmylou Harris auf seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Gitarrist und Sänger aufmerksam, die ihn kurzerhand für ihre damalige, wahrhaft hochkarätig besetzten Band, die „Nash Ramblers“ engagierte, u. a. zusammen mit Sam Bush (Fiddle und Mandoline), der jetzt heuer wieder bei „Walk Among The Living“ mit an Bord ist. 1995 erhielt er dann schließlich seinen ersten Plattenvertrag als Solo-Interpret! Randalls vollständiger Name (richtig Jon Randall Stewart) wurde aber seitens des Labels gekappt, da zur gleichen Zeit diverse Stewarts (Larry, Lisa, Gary und Marty) ebenfalls Veröffentlichungen auf den Markt brachten. Sein Debüt „What Don’t You Know“ erschien noch im gleichen Jahr, enthielt jedoch trotz seiner Songwriter-Ambitionen nur einen eigenen Track. Danach sollte es dann erst mal nicht so gut laufen.

Randall spielte mit der attraktiven Lorrie Morgan, ein Duett für sein geplantes Nachfolgewerk „Great Day To Be Alive“ ein , das aber vom Label gecancelt wurde (der Song wurde dann ein Hit für Travis Tritt). Auch die anschließende Ehe mit Lorrie hielt nur zwei Jahre! Sein nächstes, geplantes Album „Cold Coffee Morning“ fiel dann sogar der Finanzschwäche seines damaligen Labels zum Opfer und ist bis heute nie veröffentlicht worden. Doch 1999 klappte es dann wieder mit einer neuen CD, und zwar mit dem von der Kritikergilde hoch gelobten Album „Willin’“ – trotz seiner beachtlichen Klasse jedoch leider wieder ohne nennenswerten kommerziellen Erfolg. Jon schloss sich anschließend einem seiner „Heroes“ an, dem bereits erwähnten Sam Bush, dessen ehemalige Newgrass-/Bluegrass-Truppe, die legendären „New Grass Revival“ (sehr erfolgreich in den späteren Achtzigern – dort spielten auch die Banjo-Ikone Bela Fleck und John Cowan am Bass – und auch die tauchen bei diesem Album wieder auf), Randall als einen seiner größten musikalischen Einflüsse bezeichnet. Es folgten noch einige Duette mit Patty Loveless, u. a. ein Song auf dem Louvin-Brothers-Tribute-Album, der sogar einen Grammy einheimste zusammen, im Jahre 2003 eine Tour mit Earl Scruggs, u.s.w.!

Er konzentrierte sich wieder verstärkt auf das Songwriting, fand ein neues Label-Zuhause, und schließlich war mit „Walking Among The Living“ endlich mal wieder ein neues Album fertig! Und, um es vorweg zu nehmen, das Warten hat sich richtig gelohnt! Randell ist ein bärenstarkes, recht ruhig und traditionell gehaltenes Werk gelungen, das sowohl akustisches, dem Bluegrass nahestehendes Material enthält, als auch jede Menge durch elektrische Instrumente ergänzte, flockige Countrysongs. Von Langeweile keine Spur! Dafür sorgen recht flott abgehende Nummern wie die Single „Baby Won’t You Come Home“, das leicht bluesige, mit schöner Harp verzierte „Austin“, der rhythmische Countryrocker „Coming Back For More“ (klasse E-Gitarre und Akustik-Slide-Einlage), oder das fröhliche „My Life“ am Ende der Scheibe, wo im Stil der Del McCoury Band beim abschließenden Instrumentalteil ein kleines Bluegrass-Feuerwerk aus Akustikgitarren, Fiddle, Banjo und Mandoline gezündet wird. Tolle Uptempo-Nummer!

Auch das Titelstück macht richtig Laune. Hier stoßen Bluegrass-Power und so etwas wie ein unterschwelliges U2-Flair aufeinander. Hervorragend auch die entspannteren Lieder wie „Long Way Down“ (sehr Vince Gill ähnelnd), „Whiskey Lullaby“ (war ja schon von Brad Paisley ein toller Song, doch Jon Randall hat ihn zusammen mit Bill Anderson geschrieben), “ Lonely For Awhile“, oder „No Southern Comfort“ (Allison Krauss: Background Vocals), wo man einfach nur Randalls ungemein angenehme Tenor-Stimme, sowie die tollen Musikerleistungen genüsslich auf sich einwirken lassen sollte. Großartig! Bei manchen seiner Texte (im umfangreichen Booklet beigefügt) hat man im übrigen irgendwie den Eindruck, dass Jon an der Geschichte mit Lorrie Morgan noch immer ein wenig zu knacken hat. Wie dem auch sei: Er hat sich mit einem saustarken Album eindrucksvoll zurückgemeldet! Wundervolle Countrymusic zum Genießen!

Epic Records (2003)
Stil: New Country

01. Baby Won’t You Come Home
02. In The Country
03. North Carolina Moon
04. Somebody Else
05. Long Way Down
06. Whiskey Lullaby
07. Austin
08. I Shouldn’t Do This
09. Reprise For Somebody Else
10. Coming Back For More
11. Lonely For Awhile
12. Walking Among The Living
13. No Southern Comfort
14. My Life

Bärchen Records

Restless Heart – Still Restless – CD-Review

Rest

Musik-Gourmets, deren Vorliebe unnachahmlichen mehrstimmigen Harmonien in einem herrlich klaren Sound und wunderbaren, sich höchst angenehm in den Ohren festsetzenden Melodien gehört,   dürfen sich freuen: Restless Heart, diese Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger so überaus erfolgreiche wie beliebte New Country/Country-Pop/Country-Rock-Band ist nach weit über zehnjähriger Abstinenz (die Phase ohne den etatmäßigen Sänger Larry Stewart mal außen vorgelassen) zurück! Und das in der Original-Besetzung, also mit Larry Stewart (Vocals), John Dittrich (Drums, Vocals), Paul Gregg (Bass, Vocals), Greg Jennings (Guitars) und Dave Innis (Keyboards)! Wow, was für ein tolles, beeindruckendes, neues Album haben sie da nach all den Jahren mit „Still Restless“ plötzlich wieder aus dem Hut gezaubert. Als wäre die zeit stehen geblieben! Sie haben nichts verlernt!

Alles, was sie je auszeichnete, ist wieder vorhanden! Ohne Übertreibung, das ist ein weiteres, absolutes Highlight eines sich jetzt langsam dem Ende neigenden, starken Country-Musikjahres 2004, in dem man ohnehin schon, mehr als in den Jahren zuvor, durch zahlreiche interessante und überdurchschnittliche Neuerscheinungen verwöhnt wurde. Solch eine „Unruhe“ lässt man sich einfach gerne gefallen. Bereits bei den ersten Mandolinen- und Akustikgitarrenklängen, sowie dem Einsatz von Larry Stewarts großartiger, unverkennbarer Stimme beim starken Opener „Feel My Way To You“ kribbelt’s im ganzen Körper. Die unnachahmlich präzisen und fein abgestimmten Harmoniegesänge, sowie Paul Jennings fulminantes Slidegitarrenspiel lassen hier bereits erahnen, dass auf einen, auch in der Folgezeit, ganz besonderer musikalischer Genuss zukommen wird.

Die Band präsentiert sich durch und durch als harmonische Einheit. Jeder der Beteiligten bringt sich meist unaufdringlich und dezent spielerisch, dabei aber optimal, in das Gesamtprojekt ein. Auch die Hinzunahme einiger weniger auserwählter Klasse-Instrumentalisten wie Jerry Douglas (starkes Dobrospiel auf „Down The Road“ und dem Beatles-Klassiker „The Night Before“), Dan Dugmore (Steel auf „Every Fire“), Jonathan Yudkin (Fiddle auf „The Night Before“ und „Down The Road“), sowie Mac McAnally verleiht der ganzen Geschichte noch mehr Substanz. Wie ein roter Faden ziehen sich natürlich die anfangs erwähnten Harmony Vocals, ein unumstrittenes Markenzeichen von Restless Heart, durch alle Songs, wie man sie in dieser Perfektion wohl nur noch von den Eagles dargeboten bekommt.

Die Bandbreite der Lieder erstreckt sich von knackigem New Country („Feel My Way To“, „Down The Road“, „Same Boat Now“), über Westcoasteinflüsse ( „Looking Back“, „And More“), bis hin zu niveauvollem, balladeskem Country-Pop („Every Fire“, „Miracle“) und Country-Rock mit leichter Southernwürze („Makin’ Hay“, mit grandiosen Gitarrenriffs und herrlichem Honkytonk-Feeling; das Stück gibt es übrigens in ähnlich guter Manier auf Clay Davidsons Debütalbum „Unconditional“). Auffällig auch der kristallklare und gut abgemischte Sound! Hier haben die Produzenten Kyle Lehning (Randy Travis) und Mac McAnally (Jimmy Buffet) Maßarbeit abgeliefert. Die abschließende Traumballade „What We Know Now“ (da schleicht sich plötzlich, neben einem Klasse E-Gitarren-Solo gegen Ende des Liedes, in der Mitte doch sogar eine Double-Leads-Passage ein) ist dann Vergangenheitsbewältigung pur!

Die Truppe zerbrach ja damals an dem unerwarteten Ruhm, Stress und Erfolgsdruck, den die erfolgreiche Zeit zwischen 1985 und Anfang der Neunziger mit diversen Gold-Alben, unzähligen Top-Hits und gefeierten Auftritten mit sich brachte. Heute wirken die Akteure frisch, ausgeglichen und unverkrampft, ja sie versprühen regelrecht positive Energie. Man merkt ihnen den Spaß an der Sache zu jeder Phase von „Still Restless“ an. Also, wenn man mal die lohnenswerten, sinnvollen und erfreulichen Comebacks auflistet, dann gehört das von Restless Heart sicherlich dazu!

Koch Records (2004)
Stil: New Country

01. Feel My Way To You
02. Down The Road
03. Same Boat Now
04. Looking Back
05. And More
06. Makin‘ Hay
07. Every Fire
08. Yesterday’s News
09. Miracle
10. The Night Before
11. What We Know Now

Restless Heart
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Bärchen Records

Deric Ruttan – Same – CD-Review

Deric

Kanada-Import! Bereits 2003 in Kanada erschienen (und nur in Kanada!), ist diese CD jetzt endlich auch bei uns erhältlich! Zum einen eilt diesem Mann ein solch guter Ruf voraus, und zum anderen waren die Anfragen nach diesem Album so groß, daß wir gar nicht daran vorbei kamen, es mit ins Programm aufzunehmen. Allerfeinster New Country, der die Freunde von Tim McGraw bis David Lee Murphy begeistern wird, die auch mit einem ganz dezenten, etwas poppigeren Steve Earle-Touch leben können. Deric Ruttan ist ein höchst talentierter Singer/Songwriter, aufgewachsen in einer ländlichen Großfamilie in der Umgebung von Bracebridge, Ontario, Kanada. Er hörte sich über die Jahre durch die Plattensammlung seiner Eltern und begeisterte sich anfangs für Stücke von Creedence Clearwater Revival.

Mit zwölf lernte er Gitarre spielen, mit 14 begann er Songs zu komponieren. Seine erste Band gründete er mit 16 und spielte rund um die Gefilde seiner Heimatstadt, zunächst meist als Lead-Gitarrist. Hinzugesellt hatten sich Vorlieben für Künstler wie John Mellencamp, The Eagles und Tom Petty. Schon mit 17 gewann er seinen ersten national-weiten Talentwettbewerb. Ein weiterer Künstler, Steve Earle, sollte in Ruttans Leben noch eine entscheidende Rolle spielen. Zum einen fand er in Earles berühmten Werk „Copperhead Road“ genau den richtigen Stoff und die richtige Art für sich, Musik zu machen, zum anderen ermutigte Steve ihn nach einem persönlichen Kennenlernen, auch in harten Zeiten niemals aufzugeben. Und harte Zeiten hatte Deric Ruttan seit seinem Gang nach Nashville im Jahre 1994 zur Genüge erlebt.

Gelegenheitsjobs, kleinere Auftritte, die ihn in seiner Bude ohne fließendem Wasser mehr schlecht als recht am Leben hielten. Hinzu kam eine von den Umständen her recht komplizierte Beziehung zu Margret Findley, ebenfalls eine Singer/Songwriterin und fünffache Mutter, die in South Carolina wohnte, und, und, und! Das Leben änderte sich für Ruttan schlagartig, als er beim Besuch einer seiner zahlreichen Singer- u. Songwriterabende in Music City, bei denen er laut eigener Aussage, seinen Blick fürs eigene Talent schärfte und viel lernte, den erfolgreichen Komponisten und Performer Don Schlitz (schrieb z.B. Hits wie „The Gambler“ und „Forever And Ever Amen“) traf. Der bat Derek spontan um seine Demobänder und stellte den Kontakt zu einem weiteren namhaften Songwriter, Steve Bogard, her. Bogard kannte Doug Howard von Lyric Street Records und der arrangierte eine persönliche Audienz beim Präsidenten des Labels, Randy Goodman, der wiederum nach Anhören einiger Songs spontan grünes Licht für einen Plattendeal gab.

Eine hervorragende Wahl, wie sein Debüt eindrucksvoll beweist! Deric Ruttan hat ein Gespür für authentische Texte, mit leichtem Hang zur Introvertiertheit, ähnlich wie der von Eric Heatherly, und kann dies sowohl in peppigen und knackigen Uptempo-Nummern, wie auch sehr ergreifenden, balladesken Melodien verarbeiten. Hinzu kommt seine sehr angenehme Stimme und auch sein ausgezeichnetes Akustik-Gitarrenspiel, das sich wie ein roter Faden durchs Gesamtwerk zieht. Als Co-Writer fungieren neben Steve Bogard, der das Werk auch produzierte, viele klangvolle Namen, wie Tom Douglas, Brett Beavers oder Marc Nesler. Auch was die begleitenden Musiker angeht, kann sich die Liste sehen lassen: Greg Morrow (Drums), Russ Pahl (Dobro, Steel), Tammy Rogers (Fiddle, Mandoline), Eric Darken (Percussion), und nicht zu vergessen, an der E-Gitarre, Kenny Vaughn, der zwar weitgehend unauffällig, dafür aber umso präziser zur Tat schreitet. Einige, exakt auf dem Punkt gebrachte, satte Soli steuert er selbstverständlich auch bei.

Herausstechend auf einem Album ohne Schwächen ist beispielsweise die prächtige, herrlich knackige Single „When You Come Around“, eine flockige, sehr dezent keltisch angehauchte, aber durchaus rhythmisch poppige Countrynummer mit sirenenartigen Fiddeln, und toller Akustik-, E-Gitarren-, Mandolinen- und Steel-Untermalung (integriert auch ein kurzes, knappes E-Solo), die jede Menge Schwung und Frische vermittelt. In die gleiche Kerbe schlagen weitere knackige Nummern, wie „Take The Wheel“, „Unbeatable“ (gibt es in zwei Versionen, bei der zweiten, als „Hidden-Track“, mit furiosem Tony Harrell-Pianospiel in bester Bruce Hornsby-Manier), „Invisible“ oder „Shine“. Im Gegensatz dazu gibt es auch einige semi-akustische Balladen, die sich zum Teil durch eine ausgesprochen ergreifende Dramaturgie auszeichnen, wie bei „Angelina“ oder dem über 6-minütigen „Tom And Annie“.

Hier lohnt es sich wirklich, die im Booklet aufgeführten Texte zu studieren. Bei den langsameren Nummern fallen, nebst Ruttans klarem Akustik-Gitarrenteppich, die häufig eingestreuten Dobro-Passagen sehr angenehm ins Gehör. Insgesamt sehr starke 52 Minuten eines hoch-talentierten Künstlers! Ein echter Geheimtipp! Noch!… Aber er hat das Potential ganz nach vorne zu kommen!

Lyric Street Records (2009)
Stil: New Country

01. When You Come Around
02. Take The Wheel
03. I Saved Everything
04. Unbeatable
05. Promise Broken
06. Invisible
07. To Be Where You Are
08. Angelina
09. Shine
10. Love Did
11. Tom And Annie
12. Ashes To Asphalt

Deric Ruttan
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Bärchen Records

David Lee Murphy – Tryin‘ To Get There – CD-Review

DLM

Über sieben Jahre hat sich David Lee Murphy für sein neues Studioalbum „Tryin‘ To Get There“ Zeit gelassen. ‚Gut Ding braucht Weile‘ sagt man, hier scheint dies auch bestens zuzutreffen. Von den drei Werken, die ich jetzt von DLM kenne, ist dieses nämlich ohne Zweifel sein stärkstes.

Meine Beziehung zu ihm ist seit letztem Jahr eh eine ganz besondere. Schließlich wählte ich sein Stück „All Lit Up In Love“, eines meiner absoluten Favoriten in der New-Country-Szene, als Ständchen für meine Geburtstagsparty zum Vierzigsten, welches dann von den Craving Hands so vorzüglich vor versammeltem Kollegenkreis dargeboten wurde. Ich habe heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Aber schwelgen wir nicht in der Vergangenheit, sondern befassen wir uns mit der aktuellen Scheibe. Man kann die Songs grob in zwei Kategorien einteilen: Die einen rau-rockig, zum Teil mit einigem Southern-Flair (nicht umsonst nennt David auch Ronnie Van Zant in den Credits als eines seiner Vorbilder), die live sicher das Blut in Wallung bringen werden, wie z.B. das rhythmisch knackige und zum Mitgrölen geeignete „I Like It Already“ mit seinen sirenenartigen Fiddeln und tollen E-Gitarren; das dreckige „Same Ol‘, Same Ol'“ mit tollem Harmonica-Spiel von Pat Buchanan und starkem Break, ein wenig Georgia Satellites/Black Crowes verdächtig; das mit klimperndem Piano und klasse E-Gitarren verzierte „Ghost In The Jukebox“, das auch im Repertoire von Montgomery Gentry zu gefallen wüsste oder der flotte Honkytonk-Kracher „She Always Said“.

Die anderen Songs bewegen sich fast ausnahmslos im Midtempobereich, mal etwas nachdenklich melancholisch wie bei „Own Little Words“, „Tryin‘ To Get There“ (Titelstück zusammen geschrieben mit Waylon Jennings), „Inspiration“ (wunderschöne Melodie/starke Slide-Einlage), „Beggin‘ For Affection“, das an diese locker leichten Songs der Bellamy Brothers erinnert oder mal recht humorvoll mit einem Schuss Selbstironie vorgetragen wie bei „Loco“ und „Mama’s Last“ („I’m not the first mistake, she ever made, but I was Mama’s last…“) über das Nesthäkchendasein in einer nicht so ganz ehrenwerten Familie.

Und so besingt David Lee Murphy (mittlerweile auch viel beschäftigter Songwriter für diverse andere New-Country-Größen u. a. Trick Pony, Brooks & Dunn) die Themen, mit denen sich einfache Leute wie Du und ich gut identifizieren können, wie es auch sein bereits o.g. Vorbild seinerzeit so vorzüglich tätigte. Geschichten über Arbeit, Trinken, Frauen, etc. – das Übliche halt. Alles in allem in jeder Hinsicht ein ganz starkes (New-) Country-Rockalbum, ohne Übertreibung ein Highlight des Jahres 2004!

Koch Records (2004)
Stil: New Country

01. I Like It Already
02. Same Ol‘, Same Ol‘
03. Loco
04. Own Little Word
05. Tryin‘ To Get There
06. Inspiration
07. Ghost In The Jukebox
08. She Always Said
09. Mama’s Last
10. Beggin‘ For Affection
11. Might Be Me
12. Killin‘ The Pain

David Lee Murphy
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Bärchen Records

Julie Roberts – Men & Mascara – CD-Review

Juli

Ihr Aufstieg beim Major-Label Mercury Records von der Empfangsassistentin zur Sängerin klingt schon ein wenig märchenhaft, doch der großartigen Julie Roberts ist genau dies widerfahren. Entdeckt von einer der Gitarrengrößen Nashvilles, Brent Rowan, der auch ihr starkes und sehr erfolgreiches Debütalbum produziert hatte, bringt sie nun, nach zwei Jahren intensiven Tourens, ihr Folgewerk „Men & Mascara“ auf den Markt. Laut eigener Aussage ist sie von ihren Fans immer wieder gebeten worden, sich beim Nachfolger nicht zu sehr vom Konzept des Vorgängers wegzubewegen. Diesem Wunsch hat Julie im Großen und Ganzen Rechnung getragen, auch wenn sich einige grundlegende Dinge geändert haben. Den Produzentenstuhl besetzte diesmal schwerpunktmäßig Byron Gallimore (Tim McGraw, Faith Hill, Jo Dee Messina), der auch die komplette Musikerriege auswechselte.

Diese eist allerdings ebenso hochkarätig besetzt, wie beim Debüt (Lonnie Wilson, Mike Brignardello, B. James Lowry, Aubrey Haynie, Tom Bukovac, Paul Franklin, Steve Nathan und jede Menge einschlägig bekannte Backgroundartisten). Die aktuelle Single „Girl Next Door“ (vielleicht nochmal als eine Art Anspielung in Richtung ihres Mercury-Chefs Luke Lewis gedacht…) allerdings, ein für Julie ungewohnt poppig anmutendes Stück, natürlich trotzdem mit den countrytypischen Zutaten angereichert (tolle Banjountermalung, viel Steelguitsr, tolle Stimmvariation Julies, klasse Harmonies von Chip Davis und Marty Slayton) wurde von dem ebenfalls in Music City sehr bedeutenden James Stroud an den Reglerknöpfen betreut.

Wie bereits erwähnt, setzt Julie vom musikalischen Gehalt weitestgehend auf das Bewährte. Dezent introvertierte Songs über das Verlassen und Verlassen werden, meist im Balladen- bis entspannten Midtempobereich angesiedelt, brillant auf Julies ganz dezent angeraute, von einer Brise Southern-Soul durchsetzte, wunderbare Stimme zugeschnitten. Gallimore und den exzellenten Musikern gelang es jedoch diesmal, die Stücke im Vergleich zum Vorgänger eine Spur fröhlicher und auch knackiger ausfallen zu lassen.

Roberts hat die Fremdkompositionen in Eigeninitiative ausgewählt und bei folgenden vier Stücken sogar kompositorisch selbst mit Hand angelegt (und das absolut überzeugend, denn diese Lieder zählen mit zu den Highlights dieses Albums): „Smile“ eine typische, kräftige Countryballade mit klasse Telecaster-, Steel- und Pianoklängen sowie Julies frechen, lang gezogenem Endsilben-Gesang; das textlich recht bissige „First To Never Know“, sehr rhythmisch und mit viel Pep dargeboten (Steel, starkes Piano und Organ, kurzes E-Gitarren-Solo); das fesselnde „A Bridge That’s Burning“ (sattes Drumming, wunderbares Mandolinengezirpe, Tempobreaks und emotionale Steigerung im Liedverlauf), und das trotz eines textlich ernsten Hintergrundes (Autounfall eines Freundes mit Todesfolge) herrlich relaxt und entspannt wirkende Abschlussstück „All I Want Is You“, das ein wenig Fleetwood Mac-Flair zu ihrer „Rumours“-Phase zu vermitteln scheint, ohne dabei den Countrypfad zu verlassen. Hier glänzen noch einmal alle beteiligten Musiker mit ihrer ganzen spielerischen Virtuosität, ohne sich dabei zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Ganz große Klasse!

Aber auch die mit Fingerspitzengefühl auserwählten Fremdkompositionen haben es natürlich in sich. Der deftige Opener „Paint And Pillows“ wird von heulenden Fiddles und einem markanten Dobro-Führungsriff getragen, „Too Damn Young“ zeigt einmal mehr, dass Roberts auch bei flotteren Stücken gesanglich eine perfekte Figur abgibt, das melodische Titelstück „Men & Mascara“, bei dem tolle Akustik- und E-Gitarrenarbeit, sowie das typische „Orgel-Pfeifen“ und feinste Mandolinen den Verlauf des Stückes bestimmen. Insgesamt wieder ein tolles New Country-Album ohne jede Schwächen, das von der erneut, starken, variablen Gesangsperformance Julie Roberts und dem glänzenden Spiel der Nashville-Instrumentalkönner lebt.

Wie hieß es noch beim Review ihrer ersten CD: Authentische, herrliche Americana- und Roots-based Countrymusic voller Herz und Seele! In der Tat, wenngleich das aktuelle Werk, ohne auch nur im geringsten an Qualität einzubüßen, vielleicht ein wenig mainstreamiger wirkt! Das ebenfalls wieder recht umfangreich und geschmackvoll gestaltete Booklet (diesmal dominieren statt Rot, dezente Grüntöne) enthält sämtliche Songtexte. Einfach großartig, Julie!

Mercury Nashville (2006)
Stil: New Country

01. Paint And Pillows
02. Smile
03. Too Damn Young
04. Men & Mascara
05. First To Never Know
06. Chasin‘ Whiskey
07. A Bridge That’s Burning
08. Girl Next Door
09. Lonely Alone
10. That Ain’t A Crime
11. Mama Don’t Cry
12. All I Want Is You

Julie Roberts
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Bärchen Records

Sawyer Brown – Mission Temple Fireworks Stand – CD-Review

Sawy

Sawyer Brown muss man schon zu den Dauerbrennern der New Country-Szene zählen. Die Mannen um Bandchef Mark A. Miller präsentieren mit
„Mission Temple Fireworks Stand“ bereits ihr 17. Album seit ihrem Debüt 1985. Eine fast unveränderte, personelle Besetzung seit der Gründung spricht eindeutig dafür, dass es mit der Chemie innerhalb der Truppe zu stimmen scheint. Die Band, bekannt für ihre positive Energie, die sie sowohl auf ihren CDs vermittelt, wie auch in ihren energiegeladenen Live-Shows herüber transportiert, hat sich im Laufe der Jahre eine riesige, treue Fan-Gemeinde erarbeitet.

Diese Tradition wird auch auf ihrem aktuellen Werk konsequent beibehalten. Der Opener, gleichzeitig auch das Titelstück, knallt direkt mit einen furiosen E-Gitarren-Intro los, ein glänzendes Boogie-Woogie-Piano „fliegt“ mit hinzu und Showman Miller fordert im Stile eines schwarzen Predigers mit emotionalem Gesang immer wieder gospelartige Hamonievocals heraus. In der Mitte des Stückes krönt ein herrlich klirrendes Slide-Solo diesen temperamentvollen Auftakt. Man meint wirklich, man sei live bei einem Gottesdienst in den Südstaaten zugegen. Ist auch die erste ausgekoppelte Single. Ein Klasse-Auftakt.

Spaß genießt bei Sawyer Brown ebenfalls immer eine hohe Priorität. Der Beweis hier: „Tarzan And Jane“, eine poppige Countrynummer, wobei es auf humorige Weise gelingt, Urwaldatmosphäre selbst in einen Song dieses Genres zu transportieren. Pfeifende Steel-, Orgel- und E-Gitarren-Ansätze simulieren Grillen-Gezirpe und andere, mit einem Dschungel assoziierte Geräusche, dazu ein lustiger Text und „Oooh-Kaschaka-oooh“-Hamonies vollenden diese herrlich überdrehte Gute-Laune-Nummer. Das Sawyer Brown auch immer wieder wunderbar melodiöse Balladen aus dem Ärmel schütteln können, beweisen ungefähr eine Handvoll der insgesamt zwölf Lieder, die allesamt sehr schön instrumentiert wurden, wobei besonders die häufig eingestreuten E-Fills markant hervorstechen.

Klasse auch das Georgia-Satellites-Cover „Keep Your Hands To Yourself“, das sich ohne Probleme mit dem Original messen kann. Der Höhepunkt des Albums folgt direkt danach mit „Ole’ Kentuck“, das wie ein Tornado aus den Boxen über’s flache Land fegt. Herrlicher Drive, starkes schwüles, ungemein rhythmisches Southern-Flair, kratzige Akustik-Gitarre, Mandoline, Banjo, E-Solo, powernde Drums, alles was das Countryherz begehrt. An diesem Song haben vielleicht so gar Southern Rock-Freunde ihre Freude. Gegen Ende folgen dann noch drei Countrypopnummern mit leicht sonnigem 70er-Retro-Flair, die in erster Linie von den kleinen, instrumental eingebrachten Feinheiten der Bandmitglieder und auch der Gastmusiker leben.

Mark Miller hat wieder die meisten Stücke komponiert und auch produziert. „Mission Temple Fireworks Stand“ beweist eindeutig, dass Sawyer Brown auch nach 17 Jahren noch immer voll im Saft stehen. Von Abnutzungserscheinungen keine Spur! Klasse Album!

Curb Records (2005)
Stil: New Country

01. Mission Temple Fireworks Stand
02. Tarzan And Jane
03. They Don’t Understand
04. With You Daddy
05. Your Faith
06. Keep Your Hands To Yourself
07. Ole‘ Kentuck
08. All I Want Is You
09. One Little Heartbeat At A Time
10. Ladies‘ Man
11. There Was a Time
12. Tryin‘ to Find (A Way to Make It Last)

Sawyer Brown
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Bärchen Records

Rosehill – Crooked Thoughts – CD-Review

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Prächtiger Nachfolger des großartigen, mit einem schönen Red Dirt-Feeling agierenden Country-/New Country-/Countryrock-Duos aus Cypress, Texas! Nachdem die beiden texanischen Langzeitfreunde Mitch McBain und Blake Myers mit „White Lines And Stars“ vor zwei Jahren für viel Furore gesorgt hatten, gibt es jetzt den heiß ersehnten Nachschlag. „Crooked Thoughts“ heißt das neue Werk, das nahtlos an die hervorragende Qualität des Vorgängers anknüpft. So gibt es auch nur marginale Veränderungen. Wie schon zuvor, begab man sich auch jetzt unter die „Fittiche“ von Jay Clementi (Producer) und Radney Foster (Executive Producer), die auch beim Songwriting den beiden wieder aktiv zur Seite standen.

Lediglich im Co-Writer- und Musikerbereich gab es Personalwechsel, die aber dem Stil und Konzept des Duos treu blieben. Radney Foster gab dem Wunsch der beiden, musikalisch etwas eigenverantwortlicher zu handeln, was sehr gut gelingt und die beeindruckende Weiterentwicklung der beiden demonstriert. Produzent Jack Clementi dagegen ist bei fast jedem Track auch kompositorisch involviert (Foster nur bei zweien). Das neue Werk bietet aber weiterhin die höchst bewährte Mischung aus wunderbar melodischem, durchaus schön knackig und auf den Punkt gebrachtem (New-) Country / Countryrock, durchzogen einer schönen Brise trockener Red Dirt und wunderbar frischer, lockerer Westcoast-Anleihen.

McBain und Myers wechseln sich wie gewohnt beim Leadgesang ab und liefern dazu hinreißend schöne Harmoniegesänge. Man bekommt wunderbar melodische und eingängige Tracks in Hülle und Fülle geboten, das ist Wohlfühlmusik par excellence. Herrlich relaxt direkt der eröffnende dezent country-folkige Titeltrack „Crooked thoughts“ mit toller Mandoline-, sowie schöner Akustik- und E-Gitarrenuntermalung – dazu diverse Steel-Zutaten. Es folgt die erste Single „When The Flame Goes Out“ (ein Lied über gescheiterte Beziehungen), die bereits starke Radiopräsens und hohe Platzierungen in den Texas Music Charts aufweisen kann.. Ganz stark (auch vom Text) ist die Country-Ballade „The Bible And The Gun“, eines der beiden von Radney Foster mitgeschriebenen Stücke.

Hier spielt natürlich die von Foster geliebte Baritone-E-Gitarre eine tragende Rolle und versprüht sehr viel wohltuende Atmoshäre. Klasse auch die beiden, mit viel Eagles-Flair durchzogenen Stücke „All Wrong But Just Right“ (flockiger Countryrocker – erinnert gar ein wenig an „New Kid In Town“) und „Ready To Fall“ (feine Mandoline, Orgel, Baritone-E-Gitarren-Solo – dezente „Tequilla Sunrise“-Note). Sehr schön auch das im Stile der Sons Of The Desert gebrachte „Shotgun Out Of Town“ (klirrende Mandoline, prima E-Gitarren-Untermalung, Steel, Orgel, „tighte“ Drums). Voller Retroklänge steckt der langsame, ideal fürs Tanzparkett (auch für Nicht-Tänzer) geeignete Schwofer „Believe Me“.

Eine Art Countryvariante des aus der Jugend so bekannten Klammerblueses“. Einen Hauch von Louisiana versprüht das mit einem tollen Akkordeon untermalte „That’s How I’m Going Out“ (dazu viel Steelguitar-„Leiern“, starkes E-Gitarren-Solo). „Racing The Sun“ bietet wieder viel atmosphärischen, knackigen (New)Country und Countryrock (klasse Gitarren, leicht bluesig), ebenso das finale „Go“, bei dem Radney Foster wieder omnipräsent ist (vor allem im Refrain), obwohl er kompositorisch und instrumentell nicht involviert war. Hochemotionaler Stoff zum Ausklang.

Blake Myers und Mitch McBain alias Rosehill bieten auch auf „Crooked Thoughts“ durchgehend überaus hochwertige Kost und beweisen erneut ihr Talent sehr angenehm und auf musikalisch hohem Niveau zu unterhalten. Toller Stoff für Freunde von Bands mit mehrstimmingen Gesängen wie Sons Of The Desert, Warren Brothers, Carolina Rain, Doc Walker, Love And Theft, Little Big Town (ohne die Mädels), oder gar von den Eagles, Restless Heart, sowie texanischen Interpreten der Marke Radney Foster, Wade Bowen, Josh Abbott Band & ähnlichem. Ganz großes Kompliment an Rosehill!

Tenacity Records (2012)
Stil: New Country

01. Crooked Thoughts
02. When The Flame Goes Out
03. Did You Ever Turn Around
04. The Bible and The Gun
05. All Wrong But Just Right
06. Shotgun Out Of Town
07. Playing For Pride
08. Ready To Fall
09. Believe Me
10. That’s How I’m Going Out
11. Racing The Sun
12. Go

Rosehill
Bärchen Records