Jay Buchanan – Weapons Of Beauty – CD-Review

Review: Michael Segets

„Weapons Of Beauty” ist das Solodebüt von Jay Buchanan. Als Frontmann von Rival Sons dürfte er bekannt sein. Zuletzt trat er als Leader der Stone-Pony-Band im Film „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ in Erscheinung. Die Schauspielerei und das Showbusiness führten zu neuen Erfahrung und neuen Freunden.

Für das Schreiben der Songs zog sich Buchanan allerdings für drei Monate in die Abgeschiedenheit der Mojave-Wüste zurück. In einem Bunker ohne Tageslicht konzentrierte er sich ausschließlich auf seine Musik. Ryan Bingham handhabte es beispielsweise ähnlich mit seinem Ausflug in die Abgeschiedenheit („Watch Out For The Wolf“). Der Rückzug in die Einsamkeit und das Zurückgeworfensein auf sich selbst beflügelt ja zuweilen die Kreativität.

Entsprechend den Entstehungsbedingungen bleibt also kein Rockalbum zu erwarten. Die zehn Stücke sind zur Hälfte Balladen. Den anderen gibt Buchanan etwas mehr Tempo mit, ohne in die rockigen Sphären der Rival Sons hinüberzugleiten. Die Anordnung der Beiträge auf dem Longplayer überließ er dem Regisseur Scott Cooper, den er bei der Arbeit zum Springsteen-Film kennen und schätzen gelernt hatte. So ist ein Werk entstanden, dass tendenziell in eher ruhigen Bahnen verläuft, dennoch mit dynamischen Intermezzi eine gewisse Dramaturgie aufweist.

Buchanan verfügt über eine klare, kräftige Stimme, die vielleicht nicht besonders warm erscheint, mit der er jedoch in der Lage ist, Gefühl zu transportieren. Wenn er seinen Gesang langzieht, bekommen die Songs melodramatische Anflüge. Sie erinnern dann an Evergreens aus längst vergangenen Tagen wie die erste Auskopplung „Caroline“. Die Balladen wirken daher meist opulent und zeitlos. Buchanan arrangiert sie dabei aber durchaus unterschiedlich. Er arbeitet gelegentlich mit Slide („High And Lonesone“) oder unterfüttert sie mit Keys („Shower Of Roses“). Das mit einem Piano begleiteten Titelstück gehört dabei zu den besonders gefühlvollen Beiträgen.

Die Resultate überzeugen zumeist auch, wenn Buchanan das Tempo anzieht. „The Great Divine“ entwickelt beispielsweise einen schönen Drive. Höhepunkt des Longplayers ist in meinen Ohren „True Black“, das beinahe als Gospel durchgeht, auch wenn es ohne Chor auskommt. „Deep Swimming“ hat anfänglich etwas von Paul Simon. Bei „Dance Me Till The End Of Love“ legt Buchanan viel Soul in seine Stimme. Der Titel erscheint damit leichter als die anderen.

In den Texten geht es oft um eine Reflexion auf die Vergangenheit, Beziehungen, Verlust, Abschied und Weitermachen. Kreative Metaphern reichern die Lyrics an. Ein schönes sprachliches Bild findet sich auf „Tumbleweed“, den aus Westernfilmen bekannten, durch die Landschaft wehenden Steppenläufern. Eine Portion melancholischer Romantik schwingt nicht nur bei dem von Jeremy Lipkin gemalte Cover, sondern ebenso bei seinen Songs durchaus mit.

Beim ersten Hören hatte ich an manchen Stellen leichte Anlaufschwierigkeiten mit dem langgezogen Gesang. Je öfter die Scheibe durchgelaufen ist, desto mehr freundete ich mich auch mit diesen Passagen an. Insgesamt legt Jay Buchanan mit „Weapons Of Beauty“ ein überzeugendes Solodebüt als Songwriter vor, mit dem er einen anderen Weg einschlägt als mit seiner Band Rival Sons.

Sacred Tongue Records – Thirty Tigers (2026)
Stil: Americana

Tracks:
01. Caroline
02. High And Lonesome
03. True Black
04. Tumbleweeds
05. Shower Of Roses
06. Deep Swimming
07. Sway
08. The Great Divide
09. Dance Me To The End Of Love
10. Weapons Of Beauty

Jay Buchanan
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