Vanesa Harbek – 29.01.2022, Jazzkeller, Krefeld – Hybrid-Konzertbericht

An was man sich so alles gewöhnen muss in diesen Zeiten. ‚Hybridkonzert‘ ist auch so ein Neubegriff, der aus der aktuellen Not der Clubbetreiber, pandemiebedingt zustande gekommen ist. Gemeint ist ein Gig, der sich zum einen, unter strengen Hygienevorschriften im Rahmen einer kleiner Anzahl von geduldeten Zuschauern, live vor Ort abspielt und gleichzeitig per Livestream im Internet übertragen wird und dort nach dem Hutprinzip auch finanziell gewürdigt werden kann.

Die Digitalisierung macht es möglich und sie ist also auch in der Live-Rockmusik längst angekommen. Die Grenzen wurden, zumindest mir, dann allerdings auch schnell aufgezeigt. Ich kann jedoch nicht beurteilen, ob es nur ein lokales Problem im heimatlichen Rheinberg war, da stürmte es an diesem Abend ziemlich, das irgendwelche Übertragungskomplikationen mit sich brachte.

Die Situation war jedenfalls so: Kollege Gernot war vor Ort im Jazzkeller in Krefeld zum Fotografieren unter den 40 erlaubten Leuten anwesend, ich mit Kuli und Block vor dem heimischen Fernseher sitzend. Im Club selbst verlief laut Gernot alles bestens, toller Sound, spielfreudige Band, mit der gut aufgelegten Fronterin Vanesa Harbek (deren Verwandte in Buenos Aires auch per Livestream dabei waren), Rockmusik-Tausendsassa Martin Engelien und Axxis-Drummer Dirk Brand, die im Trio für gute Stimmung sorgten.

Bei mir sorgten ein durchgehend verschwommenes und von vielen Aussetzern durchzogenes Bild und auch der am Fernseher limitierte und nach 22 Uhr in einem Mietshaus dezibelmäßig eingeschränkte Sound, für ein eher reduziertes Konzertvergnügen.

Das Trio eröffnete zum Aufwärmen der Finger, Hände und Arme, mit dem für Vanesa typischen Freddie King-Instrumental „Hideaway“. Danach stand dann aber das brandaktuelle Album „Visiones“ im Fokus, das, soweit Gernot anmerkte, auch bis auf einziges Stück, komplett vorgestellt wurde, wobei Vanesa bei den auf spanisch vorgetragenen, oft Bolero-artigen Stücken, ihren heimatlichen Wurzeln, immer wieder Tribut zollte oder bei den englischen Tracks dann Blues-rockig ihre Fingerfertigkeit auf der E-Gitarre avisierte.

Als die Harbek nach einer starken Coversion von „Black Magic Woman“, inklusive eines Drumsolos von Brand, die Akustikgitarre für zwei Lieder in die Hand nahm, zwischendurch zu kurzen Trompetenintermezzi wechselte und dabei ihre Multitasking-Fähigkeiten untermauerte, brach bei mir der Livestream komplett ab (Ton und Bild). Als nach einer Viertelstunde zu später Zeit, immer noch nichts ging, endete meine Frustrationstoleranz. Ich hoffe, gerade für den Jazzkeller, der ja einen unheimlichen Aufwand betrieben hat, dass wenigstens alle anderen Stream-Teilnehmer, dem Konzert problemlos folgen konnten.

Von daher geht es jetzt ganz hybrid an Gernot zur Beleuchtung des restlichen Abends weiter.

Hier zeigt sich dann nun mal der Unterschied zwischen live vor Ort und live als Stream, wobei das Netz in Rheinberg auch aus meinen Erfahrungen nicht optimal ist. Vor Ort war der Sound differenziert und klar und trotz der auf 40 Besucher reduzierten Auslastung mit 2G+ war es ein stimmungsvoller Abend.
 
Im ersten, von Daniel beschriebenen Teil ragte für mich das hart gespielte „Trying“ (mit Harmoniegesängen von Engelien) heraus und zum Ende des Konzerts legte Harbek mit ihrer Band, noch drei Klassiker nach, die es in sich hatten.
 
Bei „Oje Como Vas“, bewies Brand noch einmal sein Können am Schlagzeug, „Going Down“ begeisterte mit gejammenten Teilen und das zunächst eher ruhig beginnende „Proud Mary“ entwickelte sich zum Ende hin, zu einem regelrechten Gewitter mit krachendem Gitarrensolo, einem grollenden Basspassage Engeliens und einem wie entfesselt die Drums bearbeitenden Brand.
 
So endete nach etwa zwei Stunden eine gelungene CD-Live-Präsentation der argentinischen Blueserin Vanesa Harbek und ließ total begeisterte Besucher zurück.
 

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, guitars, trumpet)
Martin Engelien (bass, vocals)
Dirk Brand (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Vanesa Harbek
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Jazzkeller, Krefeld

Go Music – 10.10.2020, Jazzkeller, Krefeld – Konzertbericht

Go_haupt

Das ausgefallene Konzert

Eigentlich wollte ich am 10.10. den Gig der Rumrods im Biergarten der Kantine in Köln besuchen. Es sollte das letzte diesjährige Konzert in der Reihe der Biergartenkonzerte sein. Dann kam aber leider am Vormittag die Information, dass das Konzert abgesagt sei.

Neben den in Köln stark ansteigenden Fällen von Coronainfizierten, was eventuell auch einen Einfluss auf die Hygienekonzepte hatte, gab es die Wettervorhersage, die starken Regen hervorsagte und die Durchführung auch im Hintergrund der nun herbstlichen Temperaturen fast unmöglich gemacht hätte. Es zeigt das nächste Problem der Veranstalter auf und ist unbeeinflussbar.

Der Herbst und Winter kommt, und die Openair-Saison, die mit guten Konzepten und entsprechenden lokalen Gegebenheiten einiges noch realisierte, geht nun dem Ende entgegen. Was Indoor noch möglich ist, hängt dann von Erlassen, bei zu erwartenden steigenden Fallzahlen und von Konzepten ab und wie diese von den Behörden anerkannt werden. Ob die dann gestattete Besucherzahlen überhaupt den Aufwand finanzieren, bleibt allerdings abzuwarten.

Fast parallel zur Absage von Köln erreichte mich ein Post des Jazzkellers Krefeld, dass die geplante Veranstaltung von Go Music wegen der hervorgesagten Regenfälle kurzfristig von 20:00 Uhr auf 18:00 Uhr vorverlegt wurde. Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich anzufragen, ob noch Plätze frei sind und fuhr, um Veranstalter zu unterstützen, nach Krefeld. Nicht um ein Konzertbericht zu schreiben, der steht schon für eine Veranstaltung aus dem GREND in der letzten Woche im Magazin, sondern einfach um Live-Musik zu hören.

Überraschend viele Gäste füllten trotz der kurzfristigen Vorverlegung des Konzertes den Openair-Bereich in der Fußgängerzone unmittelbar vor dem Jazzkeller. Trotz kälterer Temperaturen und mehrfach einsetzenden Nieselregens, verweilten die Fans gut gelaunt bis zum Ende des Konzertes, um dann im Starkregen den Heimweg anzutreten.

Ich bin gespannt, wie der Jazzkeller sein Programm weiter durchzieht, da in den nächsten Tagen berichtet werden soll, wie das Konzept aussehen soll, in den Herbst- und Wintermonaten weitere Konzerte durchzuführen. Es ist auf jeden Fall ausgeschlossen, dass diese in den Gewölben des Jazzkellers stattfinden, wo maximal 20 Besucher Zutritt hätten.

Schon heute war es für die Musiker auf der, dem Wind ausgesetzten Bühne ziemlich frisch. Dazu zwei Sprüche von Granfelt: „Ich freue mich schon auf die finnische Sauna“ und zum Ende bei der Verabschiedung, wo er von einem Auftritt Engeliens und den zwei Hoodies sprach, wobei er selbst und Charly T. sich die Kapuzen der Hoodies unter den Jacken hochgezogen hatten.

Schaut mal auf der Seite des Jazzkellers in den nächsten Tagen/Wochen nach, was für Veranstaltungen angeboten werden, wie der dazu gehörige Rahmen aussieht und unterstützt weiter Konzerte von Veranstaltern, die mit entsprechenden Konzepten versuchen, Livemusik in das nächste Jahr retten, sodass wenigstens die wenigen zugelassenen Plätze in den Clubs halbwegs gefüllt sind.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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