Prinz Grizzley – Tilda – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Alpen-Western „Das finstere Tal” (2014) ist ein Beispiel dafür, dass typische Motive und Stilmittel des Westernfilms weltweit zirkulieren und auch vor Österreich nicht haltmachen. Ähnlich verhält es sich mit Americana und Country im musikalischen Bereich, was Prinz Grizzley mit „Tilda“ eindrucksvoll belegt. „Tilda“ braucht sich hinter den amerikanischen Veröffentlichungen in diesem Bereich nicht zu verstecken.

Der Kopf hinter Prinz Grizzley ist C. H. Comper, der auch alle vierzehn Titel geschrieben hat. Unter diesen finden sich drei kurze Instrumentals. Bei „The Long March (Troubled Times Ahead)” mit dramatischen Trompeten und orchestralem Anstrich stand Ennio Moricone Pate. Einen Kontrapunkt setzt das am Celtic-Folk orientierte „Dance Of The Shovel (The Foreign Son)”. „The Bridge Shuffle (Death Of A Boy)“ stellt eher ein Klangexperiment dar, das musikalisch verzichtbar erscheint, im Kontext des Albumkonzepts aber seine Berechtigung hat.

Den thematischen Rahmen des Longplayers bildet die Lebensgeschichte der Großeltern von Prinz Grizzley, die vor allem durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt ist. Geschildert werden Situationen, in denen hart arbeitende Menschen versuchen, sich durchzuschlagen und den Wunsch nach heimatlicher Geborgenheit hegen. Die Sicherheit der Existenz ist aber stets gefährdet, wobei sich die Art und Ausprägung deren Bedrohung von zeitgeschichtlichen Faktoren abhängig zeigt. Das Spannungsfeld von Hoffnungen und Ängsten, Alltäglichem und Ausnahmesituationen, das Prinz Grizzley exemplarisch auf dem Album bearbeitet, erscheint daher universell und auch in den heutigen, krisengeschüttelten Zeiten aktuell. Zwischen dem intensiven Opener „Put Me Down (A Foreign Man)“, das nur von Stimme und akustischer Gitarre getragen wird, und dem fast schon klerikal anmutenden Abschluss „Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)“ gibt Prinz Grizzley so einen Einblick in ein breites Spektrum an Gedanken und Gefühlen der Protagonisten seiner Songs, die durchaus nachvollziehbar sind.

Die Mehrzahl der Stücke ist am Folk orientiert, wobei bei einigen auch ein Country-Einschlag nicht zu verkennen ist. „A Mountain To Be Taimed (The Struggeling)“, das melodiöse „Pull Me Up (Not Everything Is Perfect)” oder das ruhige, gefühlvolle „Guess I Need Protection (Homecomming)” sind gelungene Beiträge, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen. Ein Höhepunkt ist sicherlich „WWII (Surviving)”, auf dem Prinz Grizzley nasaler singt und dabei die Klangfarbe seiner Stimme verändert.

Das mit Slide versehene „Rose On The Garbarge Hill (The Daughter)”, das akustisch gehaltene „Tilda Lee (Processing A Loss)“ sowie das flotte „Reign On, Queen Of The Mountains (A Price To Pay)” gehen in Richtung Alternative Country. Auch diese Beiträge sind gelungen. „The Calling (Settling Down)” kann als Gospel bezeichnet werden. Hier und auch an anderen Stellen tauchen religiöse Motive in den Texten auf. Letztlich geht es aber auf dem Album um existenzbedrohende Ereignisse, die über das Leben hereinbrechen sowie die Art, wie Menschen mit ihnen umgehen. In diesem Sinne ist das Coverbild, das im Hintergrund den Vulkanausbruch von Mount St. Helens 1980 zeigt, symbolträchtig.

Auf „Tilda“ erzählt Prinz Grizzley Geschichten, die an das Leben seiner Großeltern angelehnt sind – Geschichten von Wurzeln und Entwurzelung, von Träumen und Traumata. Neben der schlüssigen Gesamtkonzeption überzeugt der österreichische Singer/Songwriter mit einigen bemerkenswerten Titeln zwischen Folk, Country, Americana und Gospel.

DoWhWa Records (2026)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01 Put Me Down (A Foreign Man)
02 A Rose On Garbage Hill (The Daughter)
03 Dance Of The Shovel (The Foreign Son)
04 Reign On, Queen Of Mountains (A Price To Pay)
05 A Mountain To Be Tamed (The Struggling)
06 Moon Over Green Mountains (Falling In Love)
07 The Calling (Settling Down)
08 Pull Me Up (Not Everything is Perfect)
09 The Long March (Troubled Times Ahead)
10 WWII (Surviving)
11 Guess I Need Protection (Homecoming
12 Bridge Shuffle (Death Of A Boy)
13 Tilda Lee (Processing A Loss)
14 Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)

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