Travis McKeveny And The Famous Doctor Scanlon Band – From Dublin To Duluth – CD-Review

Review: Michael Segets

Vor fünf Jahren verstarb Travis McKeveny unerwartet im Alter von fünfunddreißig. Er veröffentlichte eine EP und zwei Longplayer. Auf dem mit einem Grammy für das beste Bluegrass-Album ausgezeichneten „Laws Of Gravity“ (2017) der Infamous Stringdusters findet sich der Track „1901: A Canyon Odyssey”, der von McKeveny und Andy Falco geschrieben wurde. Kurz vor seinem Tod gründete Keveny The Famous Doctor Scanlon Band, mit der er neue musikalische Wege gehen wollte.

Sein Vater Gerry McKeveny sichtete nun Demos und Live-Aufnahmen, um auf deren Basis mit Freunden und früheren Bandmitgliedern die aufgefundenen Songs zu bearbeiten und neu einzuspielen. So ist Travis McKeveny selbst nur auf dem Abschlusstitel „Open All Night“ zu hören. The Famous Doctor Scanlon Band treten an, um den Geist der Originalaufnahmen zu transportieren und so das musikalische Vermächtnis von McKeveny zu würdigen.

Die Komplexität von McKevenys Songwriting kommt schon bei den ersten beiden Titeln „The Shoe Did“ und „4th Of May“ zum Ausdruck. Startet die CD mit modernem Americana, bleiben die anderen Stücke nicht auf dieses Genre begrenzt. „I’d Live On A Train“ geht beispielsweise in Richtung Western-Swing. „Sloane“ ist eine entspannte Soul-Nummer, obwohl es sich um eine unerfüllte Liebe dreht. Sie wird von Pete Mancini gesungen.

Für mich, dessen musikalische Vorlieben ja etwas einfacher gestrickt sind, stellt das folkige „It’s All Over (But The Letting Go)“ das erste Highlight des Albums dar. Vor allem in der zweiten Hälfte des Werks finden sich weitere bemerkenswerte Tracks. Atmosphärisch dicht ist das dunkle „Ferris Wheel“. Die erste Single „Get Into Trouble“ geht hingegen in die Füße. Das Duett zwischen Pete Mancini und Cassandra House ist ein flotter Song mit schönen Horn-Arrangements. Der Midtempo-Rocker „Bittersweet Somethings“ kann ebenfalls auf der Habenseite verbucht werden. Hier übernimmt Terry McKeveny die Lead Vocals. In Anbetracht der Geschichte rund um die CD gewinnt der bereits erwähnte Abschluss „Open All Night“ eine besondere emotionale Tiefe.

Einen besseren Nachruf auf den viel zu früh verstorbenen Songwriter Travis McKeveny kann man sich kaum vorstellen. Vater und befreundete Musiker:innen lassen den unvollendeten Nachlass auf „From Dublin To Duluth” in einem neuen Licht erstrahlen.

Paradiddle Records (2026)
Stil: Americana and more

Tracks:
01 The Shoe Did
02 4th Of May
03 Fat City
04 I’d Live On A Train
05 Sligo Girl
06 It’s All Over (But The Letting Go)
07 Sloane
08 Ferris Wheel
09 Get Into Trouble
10 Bittersweet Somethings
11 Open All Night

Paradiddle Records

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