
Review: Michael Segets
Nachdem sich Son Volt den Songs von Doug Sahm angenommen hat, bietet „Sound Signal Serenades“ wieder Eigenkompositionen. Anknüpfend an die beiden vorangegangenen Veröffentlichungen „Union“ und „Electro Melodier“ setzt das neue Album in bewährter Manier den Weg der Band fort. Geprägt von dem markanten und gelegentlich gewöhnungsbedürftigen Gesang Jay Farrars bewegt es sich im Americana-Bereich mal mit einem rockigen, mal mit einem countryfizierten Einschlag. Dass Son Volt oftmals in die Alternative Country-Ecke geschoben wird, rechtfertigen Titel wie „This Mess Of A World“ und „Guardian Angel“.
Insgesamt erscheint das Werk eingängiger als ich die vorherigen erinnere, ohne in irgendeiner Weise angepasster zu sein. Das mag aber auch daran liegen, dass ich die Texte diesmal direkt mitgelesen habe und daher einen anderen Erstzugang zu der Scheibe aufbaute. Die Texte und besonders die Refrains sind komplex und werden in erster Linie Leute ansprechen, die auf einige Lebensjahre zurückblicken können und sich fragen, wohin der weitere Weg wohl führt. Die Fragen werden ohne Sentimentalität und ohne Verzweiflung aufgeworfen.
Diese nachdenkliche Stimmung bringt „New Born Soul“, das letzte Stück des Albums, auf den Punkt. Musikalisch hebt es sich mit seiner zurückhaltenden, hauptsächlich durch ein Klavier getragenen Instrumentalisierung von den anderen Songs ab. Inhaltlich schlägt es eine Brücke zurück zum Anfang der Scheibe, die mit „Kaleidosphere (Devil His Due)“ schwungvoll beginnt. Neben den beiden durchweg gelungenen Tracks stechen besonders der „Serenade Song“, der mit seinem Refrain auf Anhieb im Gedächtnis bleibt, sowie „Don Quixote’s Dream“, der mit ordentlich Slide daherkommt, hervor.
Zu den Highlights zählt zudem „The New Low-Down“. Hier orgelt Son Volt in wahrsten Sinne des Wortes los. Son Volt setzt mit der Instrumentalisierung der Song sowieso einige Akzente, wodurch eine Varianz in den Sound kommt, ohne dass die Linie des Longplayers verloren geht. Akustische Gitarren und Percussion prägen „The High Wall/Carnival Country“. Ein E-Gitarren-Intermezzo setzt gegen Ende von „Hurricane Eye” ein und gibt dem Track nochmal Aufwind. Auch die Atmosphäre der Songs unterscheidet sich. Während „Walkin‘ In The Maze“ fast schon süßlich wirkt – nicht zuletzt durch Farrars langgezogenen Gesang – setzt das anschließende „Illinois Central“ einen Kontrapunkt in Moll.
Ursprünglich exklusiv zum Record Store Day in den USA veröffentlicht kommt „Sound Signal Serenades” nun regulär heraus. Gut, dass das Album nicht nur Sammlern vorbehalten bleibt, sondern auch hierzulande einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Es ist wohl das ausgewogenste Werk der letzten Jahre, das die Fans von Son Volt feiern werden. Für Neulinge erscheint „Sound Signal Serenades” als geeigneter Einstieg, um sich mit dem charakteristischen Sound der Band anzufreunden.
Transmit Sound/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Americana/Alternative Country
Tracks:
01. Kaleidosphere (Devil His Due)
02. Away From The Blues
03. Serenade Song
04. Don Quixote’s Dream
05. The High Wall/Carnival Country
06. Hurricane Eye
07. The Next Low-Down
08. This Mess Of A World
09. Walkin’ In A Maze
10. Illinois Central
11. Guardian Angel
12. New Born Soul
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