
Review: Hans-Joachim Kästle
So kann man natürlich auch ins Musikgeschäft einsteigen: Marc Broussards Vater Ted war Gitarrist der Fabulous Boogie Kings und ließ seinen Sprössling im zarten Alter von fünf Jahren mit seiner Band den Chuck-Berry-Klassiker „Johnny B. Goode“ singen. Und falls diese Geschichte nicht stimmen sollte, ist sie zumindest gut erfunden…
Der heute 42-jährige Marc, aufgewachsen in Louisiana, begann 2002 mit seiner Solokarriere, die bislang zwölf Studio-Alben umfasst, von denen immerhin vier in die Billboard Top 200 kamen. Seine musikalische Grundlage sind der klassische Rhythm & Blues und Soul, gewürzt mit Zugaben wie Rock ‚n‘ Roll und Blues – und seine dynamische Stimme.
Nun veröffentlicht er das fünfte Album der Benefiz-Reihe „Save our souls“ und das 13. Insgesamt. „Ich begann mit Coveralben, nachdem ich meinen ersten Major-Label-Vertrag beendet hatte. Als unabhängiger Künstler wollte ich Musik machen, die Gutes bewirkt“, erklärt Broussard seine Beweggründe. Bislang unterstützte er unter anderem ein Frauen- und Kinderschutzhaus oder ein Kinderkrankenhaus in Baton Rouge, Louisiana.
Die elf Tracks von „SOS V“ umfassen Songs aus den Fünfzigern – wie es der Titel schon sagt – und frühen Sechzigern und ein Original. Los geht’s mit „Halleluja I Love Her So“, dem Soul-Klassiker von Ray Charles von 1957, den Broussard so richtig zum Schwingen bringt. Genau das ist es ja, was die Interpretation dieser zeitlosen Oldies ausmacht, die schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben: Es muss zeitgemäß und modern klingen und einerseits Hörer ansprechen, die das Original kennen, und anderseits auch solche, die es vielleicht noch nie gehört haben.
Wie zum Beispiel das furiose „Lucille“, mit dem Little Richard, ebenfalls 1957, zum Siegeszug des Rock ’n‘ Roll beitrug. An seiner Seite hat Broussard die Southern-Rock-Legende Jimmy Hall (Wet Willie/„Keep On Smiling“), der jüngst mit der Allman Betts Family Revival Tour unterwegs war und auch schon mit Jeff Beck getourt ist. Wichtig natürlich auch: Es muss für musikalische Abwechslung gesorgt sein; es darf sich nicht alles nach Eintopf anhören.
Das ist ebenfalls gelungen. So steht unter anderem der leichtfüßige Nummer-eins-Pophit „Hey Baby“ von Bruce Channel – der Clou dabei: Damals wie heute spielt Delbert McClinton (85) die Mundharmonika – neben dem mit Streichern ausgestatteten unverwüstlichen Evergreen „Unchained Melody“, mit dem vor allem die Righteous Brothers in Verbindung gebracht werden, oder Fats Dominos fetzige Hymne „I’m Walkin’“. Kurz und bündig: Give it a listen!
India Media, Big Lake Music (2026)
Stil: Soul, Pop, Rock
Tracks:
01. Hallelujah I Love Her So
02. Dream Lover
03. Unchained Melody
04. Lucille featuring Jimmy Hall
05. Tell It Like It Is
06. I’m Walkin’
07. Hey Baby featuring Delbert McClinton
08. You Send Me
09. Stagger Lee
10. Baby Girl
11. Smile
