Willie Nile – The Great Yellow Light – Album-Review

Review: Michael Segets

Am Ende des Jahres habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, nochmal einen Blick auf die Alben zu werfen, die im laufenden Geschäft für SoS liegengeblieben sind. Ein Musiker, den ich sehr schätze und der sich in diesem Jahr mit „The Great Yellow Light“ ins Gedächtnis gerufen hat, ist Willie Nile. Für diejenigen, die noch auf der Suche für ein Weihnachtsgeschenk sind, kann die 2025er-Scheibe ein überlegenswerter Tipp sein.

„We are young, we are strong“, ruft der Rocker bei „We Are, We Are“ ins Mikro. Alter ist ja bekanntlich relativ. Die starken und dynamischen Töne hat Nile aber auf jeden Fall auch mit 77 Jahren noch drauf. Die schlägt er ebenso bei dem Opener „Wild Wild World“ und „Electrify Me“ an. Der Longplayer steigt also temporeich ein. Später folgt noch das gradlinige „Try To Make A Livin’ In The USA“. Die Rockstücke tragen unverkennbar die Handschrift des Altmeisters, auch wenn sie nicht zu seinen herausragenden Songs gehören, wie man sie vor allem auf „House Of A Thousand Guitars“ (2009), „The Innocent Ones“ (2010) oder „American Ride“ (2013) findet.

Mit dem keltisch angehachten „An Irish Goodbye“ zeigt Nile eine neue Facette seines Songwritings. Das Duett mit Paul Brady entführt mit Whistle und Pipe quasi auf die grüne Insel. Der stimmungsvolle Track ist bemerkenswert und als überaus positive Überraschung auf dem Album zu verzeichnen. Insgesamt hält „The Great Yellow Light“ eine ausgewogene Mischung von langsamen und Uptempo-Stücken bereit. Neben den insgesamt gitarrenorientierten Beiträgen steigt Nile bei „Fall In Me“ mal mit dem Klavier ein. Dass er dieses Instrument ebenfalls beherrscht, zeigte er zuvor bereits ausgiebig auf „If I Was A River“ (2014).

Neben acht neuen Songs fanden auch zwei ältere den Weg auf die Scheibe. Das Duett „Wake Up America” mit Steve Earle kam 2022 heraus und findet sich in einer Live-Variante auf „Live At Daryl’s House Club“ (2024). Im Studio ist Waddy Wachtel (Miranda Lambert, Beth Hart) an der Gitarre mit dabei. Deutlich älter ist „Washington’s Day“, das bereits von The Hooters veröffentlicht wurde. Den Titel schrieb Nile zusammen mit Rob Hyman und Eric Bazilian, die auch auf der aktuellen Version mitwirken.

„The Great Yellow Light“ ist erneut ein gutes Album von Willie Nile, auch wenn es nicht zu seinen besten zählt. Es vereint zeitlosen Rock mit stimmungsvollen Stücke im typischen Nile-Sound. Besonders bemerkenswert sind „An Irish Goodbye“, bei dem Nile Einflüsse des Celtic-Rock aufgreift, und das Duett mit Steve Earle „Wake Up America“, das seit seiner Erstveröffentlichung leider nichts an Aktualität verloren hat.

River House Records – Indigo (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. Wild Wild World
02. We Are, We Are
03. Electrify Me
04. An Irish Goodbye (feat. Paul Brady)
05. The Great Yellow Light
06. Try To Make A Livin’ In The USA
07. Fall In Me
08. What Color Is Love
09. Wake Up America (feat. Steve Earle)
10. Washington’s Day

Willie Nile
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