The Kentucky Headhunters – Live At The Ramblin‘ Man Fair – CD-Review

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Manches Gute erreicht einen erst auf Umwege oder nach langer Zeit. Wenn man an Southern- oder Blues Rock denkt, fallen einem zunächst die alten Verdächtigen wie Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, Outlaws, Blackberry Smoke, Black Stone Cherry oder auch ZZ Top ein.

Die Kentucky Headhunters sind hierzulande aber eher Insidern vorbehalten. Dabei handelt es sich wahrlich nicht um Newcomer, sondern um eine Band, die, nach einigen Wechseln der Mitglieder, seit 1968, fast in ihrer Ursprungsbesetzung, nach einer temporären Auflösung im Jahr 1982, wieder aktiv ist (allerdings eher weniger in Europa). In der ersten Bandphase agierten sie unter dem Namen Itchy Brothers, um sich dann nach der Reunion in The Kentucky Headhunters umzubenennen.

In dieser zweiten Phase der Truppe entstanden bis heute immerhin 11 Studioalben und in diesem Jahr das Livealbum „Live At The Ramblin‘ Man Fair“. Neben den vier Ur-Bandmitgliedern Greg Martin, Richard Young, Fred Young wirkten Dough Phelps, und bei drei Songs Johnnie Johnson mit, der auch bei zwei Studiowerken involviert war.

Mit „Live In The Ramblin‘ Man Fair“ legen die Headhunters einen Longplayer hin, der Lieder aus nahezu allen Schaffensepochen beinhaltet. Dass sie in England auf einem Festival aufgenommen wurden, erstaunt, da die Kentucky-‚Kopfgeldjäger‘ naturgemäß vornehmlich in den Staaten unterwegs sind.

Eventuell hat ihnen die Stimmung und das Flair des Festivals so gut gefallen, dass jetzt auch Europa als attraktiver Markt angesehen wird. Schade eigentlich, da man ja schon seit 50 Jahren aktiv ist und sich eher im Endspurt der Karriere befindet.

Alter hin oder her, mit „Big Boss Man“ legen sie direkt mit Vollgas los und legen einen Southern Rock-Feger der Marke Blackfoot hin. Mit „Ragtop“ nehmen sie etwas Gas aus der Sache, der Song ist etwas schleppender, aber unverkennbar stilistisch dem Genre zuzuschreiben.

„Stumbiln´“, ein Track mit hohen Wiedererkennungswert, ist eher rockig, mit Zügen des damaligen Rock`n`Rolls. Wie der Titel „Shufflin‘ Back To Menphis“ schon erahnen lässt, legt das Quartett eine starke Bluesnummer nach, dem das „ewige Cover“ „Have You Ever Loved A Woman“ folgt. Typisch für das Quartett ist das eher raue aber dennoch gefühlvolle Performen.

Mit „Wishin` Well“ wird dann wieder Fahrt aufgenommen. Ein Southern-Song mit Countryeinschlag und fetzenden Gitarren, dem beim anschließenden „Walking With The Wolf“ noch eine Prise Boogie beigemischt wird. Starke krachende Rockmusik! Bei „My Daddy Was A Milkman“ hat Fred Young mit dem obligatorischen Drumsolo seinen großen Auftritt.

Beendet wird der Liveanteil der Scheibe mit dem Beatles-Cover „Don`t Let Me Down“, bei der die Kentucky Headhunters Headhunters ganz gemäß ihre Vorliebe, temperamentvoll abrocken.

Denn als Zugabe gibt es auf diesem Werk noch drei Studiosongs, mit der Rock`n`Roll-Legende Johnnie Johnson am Piano eingespielt wurden.

Die Kentucky Headhunters haben mit ihrer Musik mit Sicherheit nicht den Rock`n`Roll, Southern- oder Blues Rock neu geschrieben, was bei der Masse an Formationen und der daraus resultierenden Bandbreite an Musik auch wohl kaum möglich ist. Sicher ist aber, dass sie einen launigen Silberling mit viel authentischer Stimmung auf den Markt geschmissen haben, der Lust macht, diese Combo einmal live zu erleben.

Line Up:
Richard Young – Rhythm Guitar and vocals
Doug Phelps – Bass Guitar and vocals
Greg Martin – lead, slide guitar and vocals
Fred Young – drums, percussion and vocals

Alligator Records (2019)
Stil: Southern Blues Rock

Tracklist:
01. Introduction
02. Big Boss Man
03. Ragtop
04. Stumblin‘
05. Shufflin‘ Back To Memphis
06. Have You Ever Loved A Woman?
07. Wishin‘ Well
08. Walking With The Wolf
09. My Daddy Was A Milkman
10. Don’t Let Me Down
11. Rock Me Baby – with Johnnie Johnson
12. Rock ’n‘ Roller – with Johnnie Johnson
13. Hi-Heel Sneakers – with Johnnie Johnson

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