Jasmine Wynants-Granfelt – In My Mind – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Am 6. März veröffentlicht Jasmine Wynants-Granfelt, nachdem sie mit verschiedenen Bands schon einige Platten auf den Markt gebracht hat, ihr erstes Solo-Album “In My Mind”.

Die Ankündigung der neuen Platte auf ihrer Webseite beginnt mit einem mystischenText: „♥ I want to look into Your eyes for Eternity…swim in the Mystery of Your Soul…fall into the Pumping of Your Heart…climb onto the Wandering of Your Feet..lost in The Hole in the Universe ♥”

Passend zu diesem das vieldeutig interpretierbare psychedelisch angehauchte Plattencover, der in Belgien geborenen, in Singapur und den Niederlanden aufgewachsenen Wynants-Granfelt, die es wegen der Liebe zur finnischen Musikszene 2011 nach Helsinki zog. Ob das finnische Wetter, wie auf der Homepage beschrieben, auch eine Rolle spielte, sei dahingestellt.

Auf dem Tonträger erwarten einen 11 Songs, die mit einer Ausnahme, dem Cover „Wild Frontier“ von Gary Moore, alle von ihr selbst geschrieben sind. Produziert ist es von Magnus Axberg und Ben Granfelt, der auch alle Gitarren einspielte und dem Werk einen entsprechenden Charakter verleiht. Wer aber glaubt, dass es sich um ein Granfelt-Album mit seiner Frau als Vokalistin handelt, ist allerdings auf dem Holzweg.

Mit „The Gravedigger’s Wife“ beginnt die Scheibe direkt furios grunge-punk-rockend im Stile alter Billy Idol-Sachen, was durch Wynants-Granfelts leicht schnoddrigen Gesangsstil in diesem Song noch unterstützend wirkt

„Extraordinary Man“ ist eine Art Homage an den britischen Comedian Ricky Gervais, dem sie zu Beginn des Liedes fast eine Art Heiratsantrag macht (wie kann Ben Granfelt bei solch einem Text weiter ruhig seine Gitarre spielen?), dies aber zum Ende relativiert. „Don’t worry I am married, I’m not looking for a score“. Ben und Ricky können somit beide beruhigt sein, sie liebt nur die Art von Humor und gibt damit auch einen Einblick in ihre Seele.

„In My Mind“ beeindruckt zunächst mit einem orientalisch angehauchten Intro, dem Jasmine auch ihre facettenreiche Stimme entsprechend anpasst. Mit „Song For Him“ zeigt sie, dass sie auch radiotaugliche Songs der Kategorie Stevie Nicks kann, wobei sie allerdings stimmlich rauer und wilder, wie auch im folkigen „Trudyanne“, daherkommt.

Ihre Flexibilität im Songwriting wird spätestens in dem Moment klar, wo dem Grunge-umwehten „Bye Bye Babydoll“ das fast swingende „Pimp“ folgt. Einer der absoluten Highlights der Platte ist das rockige „For What It’s Worth“, in dem Ben Granfelts Gitarrenspiel herausragt.

Im weitesten Sinne erinnert es mich in einigen Passagen an einen meiner Favoriten der Guitar Slingers, „This Is Forever“. Diesem Topsong wird mit dem Gary Moore Cover „Wild Frontier“ in einer akustisch, folkig, keltisch interpretierten Version ein weiterer Höhepunkt nachgelegt, wobei Jasmine mit sanfter gefühlvoller Stimme fast träumerisch daherkommt.

Nach dem swingenden „Mr. Postman“ gibt Jasmine Wynants-Granfelt im letzten Song noch einmal einen Einblick in ihre Seele. Beim folkig-lastigen „Cigarettes“ bekennt sie, dass es wohl Momente gibt, in denen sie für eben solche sterben würde.

Als Fazit kann gesagt werden, dass Jasmine Wynants-Granfelt mit „In My Mind“ einen ganz starken und abwechslungsreichen Longplayer hingelegt hat. Trotz der vielen Stilelemente ist er in sich kompakt und demnach ohne Längen, da man immer wieder (positiv) überrascht wird.

Neben der facettenreichen Stimme Jasmins setzt natürlich auch das Gitarrenspiel Ben Granfelts, der nicht umsonst einige Jahre bei Wishbone Ash spielte, viele Glanzpunkte. Aus diesen Gründen absolute Kaufempfehlung, und die Hoffnung, dass Wynants-Granfelt diese Songs, am besten mit ihrem Gatten auch in den hiesigen Clubs zum Besten gibt.

Als Service gibt es auf der Webseite Wynants-Granfelts die Texte von allen Songs schon vor der Veröffentlichung des Albums.

Supersounds Music (2019)
Stil: Rock

01. The Gravediggers’s Wife
02 Extraordinary Man
03. In My Mind
04. Song For Him
05. Trudyanne
06. Bye Bye Babydoll
07. Pimp
08. For What It’s Worth
09 Wild Frontier
10. Mr. Postman
11. Cigarettes

Jasmine Wynants-Granfelt
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