Jesse Kinch – I’m Not Like Everybody Else – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Musik-Castingshows gibt es mittlerweile wie „Sand am Meer“. In allen erdenklichen Formaten werden neue Superstars gesucht. Allein in Deutschland konkurrieren mit „DSDS“, „Voice of Germany“ oder „Das Supertalent“ regelmäßige Sendungen, um die nächste große Entdeckung zu präsentieren. International, vor allem im englischsprachigen Raum, sind Castingshows ebenso zahlreich im TV vertreten. Die Erfolgreichen dieser Shows können den schnellen Erfolg jedoch meistens nicht lange aufrechterhalten und bleiben oft nur als One-Hit-Wonder im Gedächtnis.

Der Sieger der US-Show „Rising Star“, Jesse Kinch, musste sich 2014 dem Urteil der Jury aus US-Country-Star Brad Paisley, Pop-Sternchen Kesha und Rapper Ludacris stellen. Entgegen der weit verbreiteten Methode, Gewinner solcher Sendungen sofort zu vermarkten und Alben zu veröffentlichen, beschritt Kinch, teils unfreiwillig, einen anderen Weg. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit seinem früheren Label über seine musikalische Ausrichtung konnte sein Debüt-Album leider erst vier Jahre (inklusive Label-Wechsel) nach seinem TV-Erfolg erscheinen.

Die Vorab-Single „Preaching Like The Pope“, zu der auch ein Musikvideo aufgenommen wurde, ist für diese Platte ein stimmiger, rockiger Opener mit überzeugendem Refrain. Im 90er ‚Take That-Stil‘ wirkt die schöne Rock-Ballade „How Do I Reach You (The Last Veil)“ besonders eindrucksvoll. Die Auswahl des Ray Davies-Covers und Titelstücks „I’m Not Like Everybody Else“ kann auch als persönliches Statement verstanden werden, da der 24-jährige als Casting-Show-Gewinner nicht den üblichen Einstieg ins Musikbusiness hatte. Der ursprüngliche Beat-Song begeistert als sehnsuchtsvolle Rock-Ballade mit Streicher-Arrangement. Auf „After All These Lovers“ kommt seine Bariton-Stimme voll zum Einsatz. Die Spencer Davies Group-Adaption „I’m A Man“ bleibt hingegen sehr nah am Original.

Bis auf das Schlagzeug hat Kinch in Lenny Kravitz-Manier alle Instrumente selbstständig eingespielt. Insgesamt werden acht Eigenkompositionen und fünf Cover-Songs angeboten, deren Schwerpunkt in den 1960er Jahren liegt, eine Phase, die Kinch auch als sehr wichtig für seine Musik erachtet und dabei bekannte Größen, wie Jim Morrison, Jimi Hendrix oder CCR als Vorbilder nennt.

„No Reason At All“ hat einen 1960er-Beat-Anstrich und „Nighttime New York City“ ist viel bluesiger als die anderen Songs. Der Michael-Jackson-Pop-Hit „Billie Jean“ verwandelt sich bei Jesse Kinch in eine einfühlsame Rock-Ballade und wird von Streichern im langsamen Rhythmus begleitet. Das vielfach neu aufgelegte „I Put A Spell On You“ ragt leider nicht aus der Masse der zahlreichen Versionen heraus. An den Beatles Song „This Boy“ von der „Meet the Beatles“-LP (1964) wagt sich Kinch ebenfalls heran, weicht aber nicht bedeutend von der Lennon/McCartney-Originalausgabe ab. Der letzte Track „Tamed“ ist vielschichtig komponiert, Gitarrensolo, Schlagzeug- und Keyboard-Parts bringen die Scheibe rockig zum Ende.

Auf seiner Debüt-Platte „I’m Not Like Everybody Else“ beweist Jesse Kinch, dass er aus der Menge der Casting-Show Teilnehmer qualitativ herausragt. Es ist zu hoffen, dass er sich zukünftig mit seinen musikalischen Ideen und Fähigkeiten behaupten kann.

Curb Records (2018)
Stil: (Retro) Rock-Pop / Singer/Songwriter

Tracks:
01. Preaching Like The Pope
02. How Do I Reach You (The Last Veil)
03. I’m Not Like Everybody Else
04. After All These Lovers
05. I’m A Man
06. Rain On The Dog
07. Masami (The Elegant Beauty)
08. No Reason At All
09. Nighttime New York City
10. Billie Jean
11. I Put A Spell On You
12. This Boy
13. Tamed

Jesse Kinch
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